Balkon-Meditation und Kochimprovisation

Nun sitze ich hier auf dem Balkon der neuen Wohnung. Ich genieße es, einen Nordbalkon zu haben. Während die Südbalkoner schwitzen, ist es hier angenehm mit einem herrlichen Blick auf wunderschöne und hochgewachsene Bäume.

Blick auf hochgewachsene Bäume. Im Vordergrund rechts unten ansatzweise der Rand einer Balkonmauer

Es erinnert ein wenig an „Mitten in der Stadt am Waldrand“. Meditation auf dem Balkon, dazu in einem Campingsessel – sicher etwas ungewöhnlich, aber wunderbar. Beim Ein- und Ausatmen höre ich das Zwitschern der Vögel und das Rauschen der Bäume, ich fühle den Wind auf meiner Haut und bemerke, wie unglaublich unwichtig meine Überlegungen sind, ob ich ergänzend zu den Jalousien nun Vorhänge will und wenn ja welche oder auch nicht.

Alles ist noch ein wenig improvisiert. Als ich hier meinen ersten Kaffee kochte, dachte ich spontan: „Wenn ich Kaffee kochen kann, ist die Küche fertig“ und musste lachen. So ganz stimmt das natürlich nicht. Einige größere Teile, die sich weder zu Fuß, noch mit dem kleinen Carsharingauto transportieren lassen, fehlen noch. Dazu gehören auch ein paar Küchenmöbel, die erst Anfang Juni in die neue Wohnung kommen.

Ich finde es unglaublich spannend, eine Wohnung erst nach und nach zu beziehen. Ich kann mir diesen Luxus leisten, da neue und alte Wohnung nur rund 200 Meter entfernt sind. Erstmal die leeren Räume erspüren, die Atmosphäre, das Licht und ausprobieren, ob ich lieber hier oder da schlafen will. Genialerweise habe ich jetzt so etwas wie einen begehbaren Schrank. Genau gesagt, ist es eine ca. 1qm große Abstellkammer und abgesehen von einigen Bad- und Küchenutensilien passt alles hinein, was ich so an Zeugs besitze. Die auf dem Foto zu sehende Einordnung ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber reicht für den ersten schnellen Überblick.

Blick auf ein Ivarregal mit 2,26m Höhe und ca. 85cm Breite. Untergebraucht sind von unten nach oben: Renoviermaterial, Nähmaschine und Nähzeugs, Büroartikel und Aktenordner, Kleidung und einige Taschen, sowie ein Rucksack. Im Vordergrund rechts eine kleine Leiter, links ein Staubsauger

Ohne einen minimalistischen Lebensstil und die immer wieder neue Ausrichtung darauf, was und wieviel Dinge ich wirklich benötige bzw. nicht benötige, hätten die letzten Monate so nicht stattgefunden. Weder hätte ich neben meiner normalen Arbeitsstelle, Zeit und Nerven gehabt, zwei Bücher zu schreiben, noch wäre ich in der Lage gewesen, einen „normalen“ Umzug mit „normal vielen Dingen“ zu stemmen. Doch selbst meinen überschaubaren Besitz habe ich als sehr viel empfunden, als er in Kisten, Taschen und Tüten gepackt war. Um mehr Zeugs möchte ich keinesfalls kümmern. Statt irgendwelche Unmengen an Besitz einzusortieren, sitze ich lieber hier und genieße Balkon-Meditationen und Kaffeekoch-Improvisationen. Seit heute gibt es auch die Cover für die Bücher, die ich natürlich nicht vorenthalten möchte:

Wenig Dinge braucht das Glück - Buchcover
Cover: © Lingenverlag
Buchcover: Mein Aufräumtagebuch
Cover: © Lingenverlag

 

 

 

 

 

 

 

 

Infos zu den Büchern gibts hier: https://achtsame-lebenskunst.de/meine-buecher/

 

 

 

Minimal-Kon – Anmeldephase gestartet

Ab heute ist es möglich, sich zur diesjährigen Minimal-Kon anzumelden.
Bereits zum 7. Mal treffen sich Minimalist_innen und interessierte aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) um sich über den minimalistischen Lebensstil auszutauschen.

WANN: Samstag, 22.09.2018
WO: Unperfekthaus, Friedrich-Ebert-Straße 18, 45127 Essen

Weitere Informationen und Anmeldung zur Minimal-Kon

hier: http://www.minimal-kon.de/

Logo der Minimal-Kon mit Text: Minimal-Kon 2018, Essen, UPH 22.9.18. Foto einer Kaffeetasse
Foto: http://www.minimal-kon.de

 

Entrümpeln – wohin mit dem Zeug?

Endlich entrümpelt. Aber wohin mit all dem Zeugs? Entrümpeln als solches ist ja schon mühsam. Oft noch mühsamer ist es, das entrümpelte Zeugs endlich loszuwerden. Daher hier ein paar Anregungen und Adressen:

  • wohindamit.org Dort kann man nach Adressen von Sozialkaufhäusern etc. etc., recherchieren, die Dinge annehmen.
  • Liste öffentlicher Bücherschränke   Öffentliche Bücherschränke gibt es immer mehr. Auf dieser Liste kann man nachschauen, ob sich ggf. auch ein solcher Schrank in der Nähe befindet.
  • alles-und-umsonst.de – Hier kann man etwas Verschenken. Meine Erfahrung ist allerdings, dass man Dinge eher für 1€ bei den diversen Internet-Kleinanzeigen- oder Auktionsportalen, wie z.B. Ebay oder Ebay Kleinanzeigen etc. los wird, als das man sie verschenkt.
  • Giveboxen – Liste     Kostenlos geben und nehmen. Ob sich eine Givebox in der Nähe befindet, kann man auf dieser Liste nachschauen.
  • Ansonsten: Einfach mal in der eigenen Umgebung bei den ganzen sozialen Anbietern nachfragen, ob und was gebraucht wird. Manchmal freuen sich auch Freunde oder Verwandte, Nachbarn usw.

Wichtig beim Loswerden von Dingen:

  • Wirklich nur Brauchbares abgeben und verschenken!
  • Nötige niemandem deinen Kram auf. Daher im Bedarfsfall  nachfragen, ob jemand die Dinge auch wirklich haben möchte.
  • Wenn Müll – was sich ja nunmal selten ganz vermeiden lässt – dann  dann auf vernünftige Mülltrennnung achten und nicht einfach alles in die graue Tonne werfen.

Habe ich etwas Wichtiges vergessen? Gibt es weitere Ideen oder Adressen? Dann einfach in die Kommentare schreiben oder mir diese Infos per Email schicken. Ich füge diese auf Wunsch hier ein.

Minimalismus – der Blick auf das Wesentliche

Ich habe noch einmal sehr deutlich gespürt, dass vieles von dem, was ich in den letzten Monaten gemacht habe, nie ohne meinen minimalistischen Lebensstil funktioniert hätte. In den letzten 4 Monate lag mein Fokus ganz klar auf meiner normalen Berufstätigkeit und dem Schreiben des Buches, sowie der nötigen Erholung dazwischen. Mit einem „üblichen“, d.h. annähernd durchschnittlichem Konsumstil wäre in meinem Berufsfeld eine Vollzeitstelle nötig. Dann hätte ich aber nie ein Buch schreiben können, schon gar nicht wäre ich dann in der Lage gewesen, jetzt auch noch umzuziehen. Der Blick auf das Wesentliche, also auf das, was hier und jetzt gerade so ansteht, erleichtert mir wirklich vieles.

Die Manuskripte für meine Bücher „Wenig Dinge braucht das Glück“ sind inzwischen beim Verlag. Entrümpeln, Aufräumen und Achtsamkeit miteinander zu verbinden, ist schon etwas ungewöhnlich. Aber mir gefällt es. Natürlich hätte ich noch dies, das und jenes schreiben können. Irgendwann war ich aber an dem Punkt, an dem ich bemerkte, dass alles, was ich noch hinzufüge, in den Bereich der Verschlimmbesserung gehen würde. Irgendwann ist es dann einfach genug mit dem Schreiben – selbst dann, wenn ich einzelne Themen noch ins Unendliche ausweiten könnte. Aber wenn die Leser_Innen vor lauter Lesen nicht zum Aufräumen kommen, ist das ja auch irgendwie unsinnig 😉. Nun warte ich gespannt auf die Layouts für das Cover des Buches.

Fast wie ganz nebenbei, habe ich dann auch noch die neue Wohnung gefunden, in die ich bald einziehen werde. Als ich gestern aus dem Fenster schaute, sah ich zufällig, wie jemand schräg gegenüber auszog und erstmal alle Dinge draußen auf die Wiese vor das Haus stellte. Lieber Himmel bin ich froh, weniger Besitztümer zu haben. Ein „normaler“ Umzug hat etwas von Horror pur. Meine Sachen einzupacken war zum Glück kein großer Aufwand und ich bin in diesem Punkt sehr entspannt.

Eine Zimmerecke, in der 2 größere und 2 kleinere Kartons stehen, sowie 5 unterschiedlich große Taschen und 1 Koffer stehen. Am rechten Bildrand ein auseinander genommener Schrank.

Auf dem Bild oben fehlen nur noch einige Dinge aus Küche und Bad, die derzeit noch in Verwendung sind. Einiges Werkzeug und Putzutensilien landen ja ohnehin immer als erstes in der neuen Wohnung.

Blick in Küchenunterschrank: rote Kiste mit Putzuntensilien, 2 Holzkästen mit einigen Küchenutensilien. Vor dem Schrank stehend: 1 Werkzeugkiste, rechts daneben eine weiße Box mit Nahrungsmittelvorräten
Die wesentlichen Dinge für die Zeit kurz vor und nach dem Umzug.

Der einzige Haken dieses minimalistischen Umzuges ist eigentlich nicht wirklich ein Haken: Ein Umzug mit Umzugsunternehmen hätte sich weder für mich, noch für das Umzugsunternehmen gelohnt. Zuwenig Kram. So etwas nenne ich Luxusproblem. Also lasse ich mir etwas mehr Zeit. Das ein oder andere Teil wird sogar zu Fuß in der rund 200 Meter entfernten neuen Wohnung landen. Ganz einfach deshalb, weil ich sowieso häufiger dort entlang gehe. Dann werden noch ein paar Teile mit dem Carsharingauto transportiert und Anfang Juni die Möbel. Beim nächsten Minimalismus-Stammtisch Ruhrgebiet am 3.6. ist dann alles in der neuen Wohnung. Dass zwischendurch alles ein wenig improvisiert ist, stört mich nicht – ganz im Gegenteil. Es macht mir sogar Spaß. Mich erinnert es an Camping mit den eigenen Möbeln und somit empfinde ich eher Urlaubsgefühle, als Umzugshorror. Es muss einfach nicht immer perfekt sein. Wenn ein paar Dinge mal nicht ständig griffbereit sind, stört es in keinster Weise. Ich kann essen, schlafen, mich erholen. Der Blick auf das Wesentliche fällt mir leichter als früher. Das entspannt und befreit.

im Vordergrund ein Holztisch auf dem eine Kaffeetasse, Wasserflasche, Glas und Laptop stehen. Im Hintergrund ein Fenster. Es sind 2 Baumkronen zu erkennen.

Keinen Bock auf Werbung

Hier oder da werde ich immer mal wieder gefragt, warum ich keine Werbung, keine Anzeigen, keine Affiliates und irgendwelche anderen Dinge auf dieser Webseite mache, mit denen sich Geld verdienen lässt. Immer mal wieder erhalte ich auch diverse Anfragen von Unternehmen, ob ich nicht Geld verdienen will, indem ich dann für diese Firmen Werbung mache.

Darüber nachgedacht habe ich, manchmal auch sehr konkret. Schließlich habe ich durch diese Webseite auch gewisse Kosten und nicht unerheblich viel Zeit  investiere ich ebenfalls. Ich könnte alle möglichen Gründe aufführen, warum ich hier trotzdem werbe- und einnahmefrei schreibe. Aber ganz ehrlich:

Ich habe einfach keinen Bock auf Werbung.

Es ist mir zu umständlich. Damit sich Werbung lohnt, müsste ich darüber nachdenken, wie ich die Anzahl der Leser_Innen erhöhen könnte und am Ende auch noch, in welcher Regelmäßigkeit ich schreibe und idealerweise mit exakt der richtigen Menge an Wörtern. Ich habe mir irgendwann mal diese ganzen supergenialen Bloggertipps angeschaut und beschlossen: Nee, will ich nicht! Es gibt einfachere Wege, als ausgerechnet mit einem Blog Geld zu verdienen.

Ok, ich habe den Luxus, dies derzeit auch nicht zwingend zu benötigen. Als Sozialpädagogin bin ich in einer Teilzeitstelle tätig. Dann schreibe ich aktuell auch noch ein Buch, auch dafür erhalte ich Geld. Finanzielle Reichtümer habe ich damit natürlich nicht, aber ich kann meinen Lebensbedarf decken und sogar kleinere Rücklagen ansparen.

Darüber hinaus habe ich die letzten Jahre verstärkt darauf geachtet, dass meine monatlichen Fixkosten überschaubar sind und ich längerfristige Verträge möglichst vermeide. Das entspannt. Seit Mitte der 90er-Jahre führe ich ein Haushaltsbuch und weiß, dass mich ein Auto – einschl. Anschaffung und allen weiteren Kosten – immer rund 350€ im Monat gekostet hat. Das Auto ist lange verkauft. Meine sonstigen Kosten kenne ich auch sehr gut. Ich wohne beispielsweise zentral, kann vieles zu Fuß erledigen, da lohnt sich nicht einmal ein Monatsticket des ÖPNV. Einzeltickets sind inzwischen günstiger für mich. Mein Computer ist ein Gebrauchtgerät, ca. Jahrgang 2012. Das Handy ist ebf. gebraucht und von 2015. Dinge wie Geschirrspüler, Fernseher, Stereoanlage, Kaffeeautomat, irgendwelche Küchen-Zaubermixer brauche ich nicht. Netflix und Co. hatte ich nie. Es gibt also eine ganze Reihe von Bereichen, die ich einfach nicht finanzieren muss. Sollte sich dies einmal ändern (was ich nicht hoffe), werde ich natürlich neu darüber nachdenken müssen. Aber zurzeit brauche ich es nicht zwingend, also lasse ich diesen Werbekram einfach weg.

Der Vorteil für mich ist, dass ich mich so auf Inhalte konzentrieren und einfach das Schreiben kann, was mir aktuell durch den Kopf geht und was mich beschäftigt. Ich plane dies nicht. Das ist ja das Schöne an einem Blog. Es ist Freiheit für mich und meine Art von Luxus. Dieser Luxus macht mir unglaublich viel Spaß.

Übrigens: Nicht jede/r ist in einer solch komfortablen Situation, auch nicht alle Blogger_Innen. D.h., wenn euch Blogs gefallen und die Blogger_Innen brauchen die finanzielle Unterstützung, dann unterstützt sie einfach. Es spricht wirklich überhaupt nichts dagegen, es ist nichts Verwerfliches. Im Gegenteil. Es ist völlig in Ordnung. Ich selbst habe nur einfach keinen Bock auf Werbung und so lange ich mir diesen Luxus leisten kann, werde ich dies auch tun.

 

Wohnen und Möbelstandards

Wohnen – Gedankenexperimente

Anlässlich meines bevorstehenden Umzuges wurde mir nochmal deutlich, dass Raumplaner auf dem Computer doch eine praktische Sache sind. Mir ging kürzlich ein Gedankenexperiment durch den Kopf, welches sich mit Wohnen und Möbelstandards beschäftigte. Ausgehend gesagt, ist meine künftige Küche ca. 15qm groß, der Wohn-Schlafraum ca. 16qm. Mir reicht dieser Platz locker aus, aber wie sieht das aus, wenn ich diese beiden Räume mal nach den üblichen Möbelstandards einrichte, wie ich diese in den entsprechenden Kaufhäusern und -katalogen so vorfinde? Also habe ich dies einfach mal mit den Raumplaner-Programm ausprobiert. Das Ergebnis:

links nach rechts: In Küche eine Küchenzeile 3,10m breit. Gegenüberliegend weitere Küchenunter- und -oberschränke 2m breit. In der Mitte ein Tisch mit 2 Stühlen. Im Wohnschlafraum ein Sofa mit Sofatisch davor. Daneben ein 2m breiter Kleiderschrank. Gegenüber: Bett mit 1,40 breite, 1 Nachttisch, 1 Fernsehgerät.

Ich bin mir nicht sicher, wieviele Menschen jetzt denken: Ok, sieht doch ganz „normal“ aus – außer, dass halt Wohnzimmer und Schlafzimmer kombiniert sind. In die eigentlich recht großen Küche habe ich aber nicht mal die heute so oft zu sehende Kücheninsel eingebaut, sie ist also eher einfach eingerichtet. Mich selbst überkam trotzdem schon beim „Einrichten“ der Räume ein Beklemmungsgefühl, insbesondere beim Wohn-Schlafraum. Alles so eng und vollgestellt. Der Kleiderschrank von 2 Meter Breite hat für mich etwas von Möbelmonster, aber so riesig groß scheint ein solcher Kleiderschrank heute nicht mehr zu sein. Es ist nicht einmal ein begehbarer Kleiderschrank. Wollte ich auch nur annähernd alles umsetzen, was heute „in“ „üblich“ oder sogar fast schon „Standard“ ist, müsste die Wohnung mindestens doppelt so groß sein.

Der aktuelle Stand bei mir

Mit meinen aktuellen Möbeln sähen die Räume ungefähr so aus:

Screenshot 3D-Sicht. Links eine kleine Abstellkammer mit Regalen, daran anschließend Küche mit 2,40m breiter Kücheneinheit. Gegenüber stehend ein Tisch mit 2 Stühlen. Auf der rechten Bildhälfte der Wohnraum. Ein Futon, kleiner Hocker. Gegenüber ein kleiner Tisch mit einem Stuhl, sowie einem kleinen Schränkchen.

Es ist erkennbar deutlich leerer. Natürlich gibt es Menschen, die sagen, dass dies doch fürchterlich leer ist. Aber mir gefällt es, weil ich dies als sehr viel freier und nicht so einengend empfinde. Ob und was noch genau noch an Einrichtung dazu kommt, wird sich zeigen. Ich werde künftig meine Kleidung gar nicht mehr im Kleiderschrank aufbewahren, sondern entweder in Kommoden unterbringen oder sogar in dem eigentlich als Abstellkammer gedachten Raum. Abstellkammern haben die Eigenschaft, dass sie irgendwann voll mit irgendeinem Gerümpel stehen. Da ich nicht so viele Dinge habe und nicht vor habe, diesen Raum vollzurümpeln, kann ich diese Abstellkammer auch für alles mögliche nutzen, selbst die Kleidung passt vermutlich problemlos dort hinein.

Wohnen und Alltagsachtsamkeit

Meine Überlegungen sind natürlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Außerdem: keine Ahnung, was mir nächste Woche oder nächstem Monat so einfällt. Schon gar nicht, will ich meine Varianten als irgendeinen neuen Standard erheben. Ich finde es einfach nur wichtig, sich von den üblichen Bildern, die uns als Werbung vor die Nase gesetzt werden, nicht verführen und zu stark beeinflussen zu lassen. Es ist viel sinnvoller, wirklich Alltagsachtsamkeit auch auf das Wohnen auszurichten, um so den eigenen Bedürfnisse besser entsprechen zu können. Ich erlebe dies sehr befreiend. Mein Bedürfnis ist es, einfacher und minimalistischer mit meiner Wohnraumgestaltung umzugehen. Für mich ist es verbunden mit dem wunderbaren Gefühl von Freiheit. Außerdem ist es sehr viel weniger Aufwand mit nervigem Aufräumen und Putzen. Ich möchte zudem auch nicht eine teure Miete für einen größeren Wohnraum bezahlen, um die üblichen, aber oft überflüssigen Möbelstandards unterzubringen, in denen ich dann u.a. all das überflüssige Zeugs horten kann, das ich weder brauche noch nutze. Das Geld und den Aufwand, den ich dafür hätte, spare ich mir und genieße dann lieber das Leben und die Freizeit auf meinem künftigen Balkon und in einer Wohnung, in der ich mich nicht eingeengt fühle.

Mein Achtsamkeits- und Minimalismus-Tipp:

Schaut und spürt wirklich genau hin, welchen Bedarf ihr habt, mit was ihr euch wohlfühlt und mit was auch nicht. Im Bedarfsfall mal ausprobieren und irgendein Teil mal testweise für einige Wochen im Keller oder auf dem Dachboden parken und dann schauen: Fühle ich mich dann besser oder schlechter oder ist es egal?

Der Wohnraumplaner ist übrigens eine Open-Source-Software und kostenlos verfügbar für die Betriebssysteme Windows, Mac, Linux und Solaris http://www.sweethome3d.com/de/

Mein Leben im JETZT

Bewegungen und Veränderungen

Mein Leben im JETZT ist gerade sehr bewegt. Solche Phasen im Leben hatte ich immer mal wieder. Meine beiden Bücher „Wenig Dinge braucht das Glück“ machen gute Fortschritte. Wesentliche Inhalte stehen und ich denke, dass ich in gut 3 Wochen fertig sein werde, die Veröffentlichung wird dann Mitte August sein. Inzwischen gibt es aber auch noch mehr Veränderungen. Ich werde zwischen Mitte Mai und Anfang Juni nochmal umziehen. Warum diese Entscheidung jetzt gefallen ist, hat viel mit Achtsamkeit auf meine Bedürfnisse zutun. Der Grund, warum ich diese ganzen Veränderungen und Bewegungen, neben meiner Berufstätigkeit gut hintereinander bekomme, ist mein minimalistischer Lebensstil.

Achtsamkeit – das Leben im jeweiligen Augenblick

Irgendwann in den letzten Monaten entdeckte ich die Tragweite und die unglaubliche Chance des Lebens im Augenblick. Leben findet tatsächlich JETZT statt. Zukunft ist nie bis ins letzte Detail planbar. Ich lebe im JETZT, genau in diesem Moment. Und das bedeutet für mich, ich brauche keinem Ziel, keinem Trend, keiner Mode, keiner Perfektion nachrennen. Bucketlist brauche ich nicht. Wirklich JETZT leben, bringt  Energien ins Fließen. Dadurch entwickelt sich genug – von ganz alleine.

Umzug und Älterwerden

Den jetzt anstehenden Umzug hatte ich eigentlich erst in ein paar Jahren vorgesehen, irgendwann zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr. Mir war beim Einzug in diese Wohnung von vorne herein klar, dass ich nicht mit 65 und älter, noch in die 4. Etage klettern und unter der Dachschräge duschen will. Als mir mein Leben im JETZT bewusst wurde, tauchte die Frage tauchte auf, wozu ich denn so lange warten will? Mir fehlt JETZT ein Balkon. Und bereits in den heißen Tagen des letzten Sommers, hat mich das abendliche Gemurmel der Gaststättenbesucher von Gegenüber, doch mehr gestört, als es vorher absehbar war.

Die neue Wohnung befindet sich hier in meiner Wohngegend, knapp 200m entfernt. Sie liegt in der 1. Etage, hat neben einem Balkon eine große Wohnküche, einen Wohn-Schlafraum, Bad und eine kleine Abstellkammer.

Grundriss der neuen Wohnung. Links: Wohnschlafraum, rechts daneben schließt sich die Küche an. Davon geht eine Abstellkammer und Balkon ab. Von der Küche geht es in den Flur. Im Flur der Zugang zum Bad.

Künftig gibt es also keine „Bergbesteigungen“ in die 4. Etage mehr. Damit ist die künftige Wohnung sogar fürs Älterwerden geeignet. Ich denke also im JETZT durchaus auch an das, was noch kommt. Manche Menschen mögen Gedanken an das Wohnen beim Älterwerden mit 57 Jahren zu früh finden. Ich nicht. Ich habe nämlich in den letzten Jahren mehrfach gesehen, wie es Menschen gehen kann, die sich um solche Themen nicht rechtzeitig kümmern. Irgendwann sitzen sie in Ihren Wohnungen und weil u.a. auch das Treppensteigen beschwerlicher geworden ist, gehen sie kaum noch vor die Tür. So möchte ich keinesfalls leben.

Ich kann mich nun viel unbeschwerter auf mein Leben JETZT konzentrieren. Dies zu einem Zeitpunkt, wo ich mich gut fühle und ich auch noch mit Einkaufstaschen problemlos in 4. Etagen klettern kann. Ich muss nicht warten, bis ein evtl. Desaster vor der Tür steht, ich kann es einfach frühzeitig umschiffen und so viel befreiter leben.

Minimalismus – das Leben im JETZT gestalten

Wie anfangs erwähnt, ist es gerade mein minimalistischer Lebensstil, der mir all die Veränderungen und Bewegungen in meinem Leben stressfrei ermöglicht. Ohne minimalistischen Lebensstil hätte ich keine Teilzeitstelle. Ohne Teilzeitstelle würde es die Bücher, die ich schreibe, definitiv nicht geben. Erst recht hätte ich es mir mit Vollzeitjob derzeit angetan, auch noch umzuziehen. Mit einem „normalen“ Hausstand eines üblichen westlichen Lebensstil, wäre das mehr als reichlich Arbeit, viel Vorbereitung und somit eine große Hürde. Die Dinge in meiner Wohnung sind dagegen schnell und in überschaubarer Zeit ein- und wieder ausgepackt. Immer wieder konzentriere ich mich auf das JETZT Wesentliche. Ich habe gerade durch diesen minimalistischen Lebensstil mehr Freiheit, mehr Optionen, wie ich mein Leben im JETZT gestalten kann – und ich genieße dies sehr.

Ich werde in den nächsten Wochen noch einige Male das Thema „Umzug – Minimalismus – Achtsamkeit“ aufgreifen und mich damit auseinandersetzen, was es für Gründe für und gegen einen Umzug gibt und wie man solche Phasen stressfrei gestalten kann.

 

Filmtipp: Kaufen für die Müllhalde

Der Film „Kaufen für die Müllhalde“ ist aktuell bis zum 1.5.2018 auf Arte.de zu sehen. Die Filmemacherin Cosima Dannoritzer hinterfragt unsere moderne Wegwerfgesellschaft und den bei vielen Produkten einprogrammierten Verschleiß (geplante Obsoleszenz). Er zeigt aber auch Lösungsansätze und alternative Produktionsweisen auf.

Ich finde es hilfreich, sich immer mal wieder daran zu erinnern, wie wichtig es ist, achtsamer mit uns und den Resscourcen unseres Planeten umzugehen. Minimalismus ist für mich auf diesem Hintergrund auch eine Form praktisch gelebter Achtsamkeit im Umgang mit den Dingen.

Weitere Filmtipps gibt es hier:  Filmtipps Achtsamkeit

 

10 Tipps für die Gestaltung einer Minimalismus-Wohnung

Eine Minimalismus-Wohnung einrichten und gestalten

Mit wie vielen und mit welchen Dingen sollte eine Minimalismus-Wohnung eingerichtet werden? Der Minimalismus als Lebensstil bezieht sich hier nicht auf den Minimalismus als Designstil, sondern darauf, wie wir mit weniger Dingen zu mehr Zufriedenheit finden können. Aber wie wenig Dinge sollten es sein? Welcher Besitz macht denn nun Sinn? Was macht glücklich? Was passt?

Lebensverhältnisse sind unterschiedlich

Unsere Lebensverhältnisse sind genau genommen viel zu unterschiedlich, als das sich so mal eben festlegen ließe, dass dieses oder jenes ganz spezielle Ding oder gar eine bestimmte Anzahl an Dingen Sinn macht oder auch nicht. Ich würde mir nie anmaßen, die allein seligmachende Lösung zu haben. Ich halte viel davon, individuelle und zur jeweiligen Lebenssituation passende Lösungen zu entwickeln. Daher habe ich nachfolgend einige Tipps zusammen gestellt, die vorrangig als Orientierungs- und Reflexionshilfe gedacht sind. Ich möchte dazu ermuntern, einmal genauer zu erspüren und auszuprobieren, wie die persönliche passende Lösung für das eigene minimalistische Wohnen aussehen kann.

Orientierungs- und Reflexionshilfen für das minimalistische Wohnen

  1. Wohndauer: Wie dauerhaft, wie kurz oder wie lang werde ich voraussichtlich dort wohnen bleiben, wo ich jetzt wohne? Wer gerne und viel unterwegs ist, sollte sich nicht mit schweren und großen Möbeln quälen. Wer voraussichtlich immer am gleichen Ort bleibt, für den ist dieser Punkt zweitrangig, kann ggf. auch Einbauten vornehmen.
  2. Aufpassen im Möbelhaus: Sinnvoll ist es gerade beim Gang durch ein Möbelhaus, sich gedanklich immer die eigene Wohnung zu vergegenwärtigen. Ggf. einfach vorher nochmal einige Fotos auf dem Handy speichern und die Wohnung ausmessen. Die Ausstellungsräume von Möbelhäuser sind in der Regel sehr großzügig und es wird oft unterschätzt, dass ein Möbelstück dann später in der eigenen Wohnung sehr viel mehr Raum einnimmt und größer ist, als es im Kaufhaus vorher gewirkt hat.
  3. Verzichte auf Spontankäufe, achtsames Konsumieren ist auch bei der Wohnungseinrichtung sinnvoll – insbesondere, wenn du gerade in den den Abteilungen für Dekoration oder Unterhaltungselektronik unterwegs bist. Die ganze angebotene Ware wird über Nacht nicht aus den Geschäften verschwinden und kann auch ganz entspannt zu einem späteren Zeitpunkt gekauft werden – sofern sie dann überhaupt noch interessant ist.
  4. Möbel multifunktional nutzen: Einen minimalistischen Lebensstil kommt sehr entgegen, wenn Dinge, also auch Möbel, multifunktional genutzt werden können. Nicht jeder Mensch benötigt zwingend einen Schreibtisch, da kann auch einfach mal der Esstisch freigeräumt werden. Ein Bett kann als Sofa oder auch das Sofa als Bett genutzt werden. Küchenunterschränke können so in den Raum gestellt und mit einer etwas breiteren Arbeitsplatte versehen werden, dass sie sich nicht nur als Arbeitsfläche, sondern auch als Essplatz nutzen lassen. Idealerweise wird dann auf viele herum stehende Geräte und Untensilien verzichtet. Wer isst schon gerne mit der Kochkelle vor der Nase.
  5. Farben und Materialien – Achte auf eine persönlich stimmige Auswahl an Farben und Materialien. Oft ist hier weniger wirklich mehr. Einzelne ausgewählte Möbel oder besondere Erinnerungsstücke kommen besser zur Geltung, wenn sie nicht durch den restlichen darum herum angesammelten Kram „erschlagen“ werden.
  6. Vermeiden wilden Möbel- und Dekomix. Immer mal wieder ist mir aufgefallen, dass wir oft dazu neigen, alle möglichen einzelnen Teile schön zu finden (ein Möbelstück, dieses oder jenes einzelne Dekoteil), ohne wirklich darauf zu achten, ob eins zum anderen passt.
  7. Nicht zu viel auf einmal: Gerade beim Neueinrichten einer Wohnung oder ggf. auch nach einem Umzug, empfiehlt es sich, nicht gleich die Wohnung voll zu stellen. Versuche zunächst den Raum und die Atmosphäre des Raums, das einfallende Licht wahrzunehmen und zu erspüren. Überlege in Ruhe, welche Möbelstücke vorrangig sind und ob das ein oder andere Teil nicht vielleicht doch noch warten kann. Es macht keinen Sinn, sich eine größere Anzahl von Schränken oder Regalen zu kaufen, wenn man noch gar nicht weiß, ob man sie überhaupt voll bekommt. Und steht da erstmal ein halbleerer Schrank, ist es sehr verführerisch, ihn wieder mit (unnötigem) Kram zu befüllen.
  8. Schaffe oder nutze geschlossenen Stauraum: Für eine minimalistische Wohngestaltung macht es Sinn, sich geschlossene Stauräume zu schaffen, diese aber nicht mit einem Krempel-Sammelort zu verwechseln! Ggf. reicht es auch, einfach die ganzen Kleinteile im Regal in Kisten oder Schachteln zu verstauen und diese Kisten ins Regal zu stellen. Auch in der Küche macht es Sinn, möglichst viele Dinge im Schrank unterzubringen. Dann kann man immer noch im Alltag ausprobieren, welche einzelnen Teile doch auf der Arbeitsplatte abgestellt werden sollten.
  9. Erlaube dir eigene Wege und Lösungen, anstatt dich nur auf die Ideen der Möbelindustrie zu verlassen. Gönne dies auch den Menschen, mit denen du zusammen wohnst und lebst.
  10. Überstürze nichts, lass dir Zeit. Es geht nicht um Wettbewerb, sondern um Wohlfühlen. Dies ist insbesondere bei einem Umzug sinnvoll. So lässt sich erstmal wirklich ausprobieren und verändern, bis die richtige Lösung gefunden ist.

 

 

Minimalismus-Stammtisch Essen/Ruhrgebiet – Aktuelles

Der Minimalismus-Stammtisch Essen/Ruhrgebiet ist inzwischen als Gruppe bzw. Projekt im Unperfekthaus in Essen angemeldet, so dass wir dort jeweils einen festen Raum haben.

Das nächste Treffen für Menschen, die sich gerne in lockerer Atmosphäre über den minimalistischen Lebensstil austauschen oder diesen erst kennenlernen möchten, ist am Samstag, 31.3.2018, ab 15 Uhr im Unperfekthaus, Raum 423 (4. Etage). Im Eingangsbereich müssen 7,90€ für eine Getränkeflatrate bezahlt werden. Hierfür erhält man nichtalkoholische Kaltgetränke und Kaffee und Tee – soviel man möchte.

Adresse: Unperfekthaus, Friedrich-Ebert-Straße 18-26, 45127 Essen.

Ergänzender Hinweis: Bitte die bis Sommer recht unterschiedlichen Termine beachten. Der Link mit Terminen ist hier zu finden: https://www.unperfekthaus.de/projekte/minimalismus-stammtisch-essen-ruhrgebiet

Kaffeetasse auf Tisch. Darüber in weißer Schrift: Minimalismus-Stammtisch Essen-Ruhrgebiet
Foto: © www.minimalismus-stammtisch.de