Wohnen mit Nicht-Minimalisten

Gemeinsam Wohnen von Minimalisten mit Nicht-Minimalisten – geht das überhaupt?

Ich bin inzwischen des öfteren angesprochen worden, wie der persönliche Minimalismus in einer Beziehung/Familie/WG gelebt werden kann. Ist es schon mitunter schwierig, für sich selbst heraus zu finden, welche Dinge nun wirklich wesentlich sind, wieviel schwieriger ist es dann, mit Nicht-Minimalisten einen gemeinsamen Weg zu finden. Daher einige Tipps:

Minimalisiere deinen persönlichen Kram zuerst

Es lässt sich natürlich immer gut über den überflüssigen Kram anderer Menschen aufregen, aber viel effektiver ist es, bei sich selbst zu beginnen:

  • Welche Dinge gehören nur mir persönlich?
  • Was davon verwende nur ich?
  • Was steht eigentlich nur herum und ist überflüssig?

Meine Erfahrung ist: Es findet sich (fast) immer auch vieles vom ganz persönlichen, eigenen Kram, der eben auch in der Wohnung herum liegt, nicht genutzt wird, überflüssig ist.

Entrümple nicht den Besitz der Anderen ohne deren Zustimmung

Minimalismus ist freiwillig. Niemand kann zu einem solchen Lebensstil gezwungen werden. Auch in der engsten und liebevollsten Beziehung geht es überhaupt nicht, eigenmächtig, die Dinge des bzw. der Partner_in zu entsorgen.

Persönliche Minimalismus-Oasen schaffen

Um nicht irgendwann das Gefühl zu haben, als Minimalist/-in eigentlich nur noch in und mit den Dingen der Anderen zu leben, schaffe dir eine Art Oase: Dies kann bei ausreichend Platz ein eigenes Zimmer sein, indem dann wirklich nichts steht, was nicht wirklich dort hinein sollte. Es kann aber auch der Teil eines Raumes sein, wie der persönliche Arbeitsplatz, die Hobby- oder Leseecke und vieles mehr.

Vorleben statt missionieren

Gerade auch im Zusammenleben mit Kindern wirkt vorrangig das persönliche Beispiel. Lebe vor, was dir wichtig ist, statt dein Umfeld ständig missionieren zu wollen. Redest du nur über dein minimalistisches Wohlbefinden oder ist es auch ohne Worte, alleine durch dein praktisches Tun und deine innere Haltung, zu erkennen?

Gemeinsamkeit und Individualität

Schafft Klarheiten miteinander. Gemeinsam Wohnen bedeutet immer auch, gemeinsame Regeln und auch Kompromisse zu finden. Mach dir bewusst, dass Minimalismus erstmal etwas ist, was dich ganz persönlich interessiert – nicht zwangsläufig auch die Menschen in deinem Umfeld. Setzt euch zusammen und versucht, gemeinsame Lösungen zu finden:

  • Welche Dinge, Räume werden gemeinsam genutzt?
  • Wieviele gemeinsam genutzte Gegenstände sind nötig?
  • Welche Dinge können, dürfen und sollten sich in den gemeinsam genutzten Bereichen befinden und welche nicht?

Gemeinsamer Besitz

Über die Dinge, die von allen genutzt werden, sollte grundsätzlich gemeinsam entschieden werden. Kinder sollten dem Alter und Entwicklungsstand entsprechend beteiligt werden.

Interessens-Balance

Stellt euch vor, alle Mitbewohner (also Familie, Partner, WG-Mitglieder,…) stehen auf einem schwankenden Untergrund. Dieser schwankende Untergrund wird dann stabil, wenn eine (Interessens-)Balance hergestellt wird. Jede/r sollte die Möglichkeit haben, seine Individualität auszuleben und zwar so, dass auch die Anderen diese Möglichkeit haben. Ist der Partner beispielsweise Sammler, wieviel Raum darf und sollte die Sammlung haben, ohne dass die Bedürfnisse der anderen Mitbewohner davon zu sehr eingeschränkt werden? Besteht eine Balance oder Disbalance von Interessen?

Persönliche Dinge-Räume schaffen

Je mehr Personen zusammen wohnen, um so wichtiger ist es, dass persönliche Dinge-Räume geschaffen werden. D.h., die persönlichen Dinge haben einen Ort, auf den man sich gemeinsam geeinigt hat. So kann verhindert werden, dass sich z.B. die persönlichen Dinge einer einzelnen Person in der ganzen Wohnung verteilen, während kaum noch Raum für die Dinge von Partner/-in, Kinder oder WG-Mitglieder bleibt.

Kinder und Minimalismus

Wie bereits erwähnt: Kinder lernen am besten durch das Vorbild der Erwachsenen. Man kann z.B. kaum erwarten, dass Kinder irgendwann aufräumen lernen, wenn die Eltern selbst alles mögliche herum liegen lassen.

Werfe Kinder nicht mit Dingen und Geschenken zu. Meistens sind wir Erwachsenen es, die so gerne die strahlenden Kinderaugen sehen, wenn die Geschenke ausgepackt werden. Aber: der EINE Lieblingsteddy ist letztlich für das Kind wichtiger, als das 30. Stofftier im Regal. Gemeinsame Zeit ist wichtiger, als viel Zeug. Vielleicht können Oma und Opa ja auch einen gemeinsamen Ausflug oder Urlaub verschenken, statt des 30. Puzzles? Oder die Verwandten können ein Sparbuch bzw. Tagesgeldkonto anlegen, welches immer ein wenig aufgefüllt werden kann. Mit zunehmendem Alter entwickeln die Kinder von ganz alleine Wünsche, die einfach auch teurer sind.

Grundsätzlich ist es völlig normal für die meisten Kinder, dass sie gerne Dinge sammeln. Diese persönlichen Besitztümer sollten dann aber im eigenen Zimmer aufbewahrt werden und sich nicht in der gesamten Wohnung verteilen.

Je kleiner die Kinder, desto eher suchen und benötigen sie die Nähe der Erwachsenen. Daher wollen die Kinder auch lieber in Küche oder Wohnzimmer, als im eigenen Kinderzimmer spielen. Damit sich das Spielzeug aber nicht dauerhaft in der gesamten Wohnung verteilt, ist es eine einfache Möglichkeit, die Mengen zu begrenzen. Das kann eine Spielecke im Wohnzimmer sein, z.B. mit einem extra Teppich oder Kisten/Regalen begrenzt. Es ist aber auch möglich, eine Art mobile Spielekiste zu nutzen. Das Kind wählt aus seinem Kinderzimmer Dinge aus, mit denen es z.B. im Wohnzimmer spielen will. Die Menge begrenzt sich durch die Größe der Kiste. Möchte das Kind etwas anderes spielen, kann es das Spielzeug in der Spielekiste ausgetauschen. Hat diese Kiste dann auch noch Rollen, kann das Kind die Kiste auch alleine bewegen und irgendwann auch selbständig die Spielzeuge austauschen.

Konstruktive Lösungen – eine Frage der Balance

Letztlich ist es immer eine Frage, die richtige Balance von Interessen zu finden und gleichzeitig die gemeinsamen Bedarfe im Blick zu behalten. Gelingt dies, dann ist es auch keine unüberwindbare Hürde, wenn Minimalisten und Nicht-Minimalisten zusammen wohnen und leben.

Wer sich intensiver mit einigen hilfreichen theoretischen Grundlagen dieser Balance befassen möchte, findet hierzu interessante Informationen in der TZI, der themenzentrierten Interaktion nach Ruth Cohn. Dort gibt es die Balance des TZI-Dreieck und das Vierfaktorenmodell. Im gemeinsamen Wohnen kann dieses Hintergrundwissen hilfreich sein, um die unterschiedlichen Bedarfe und deren Ausgewogenheit wirklich im Blick zu behalten. Interessant sind ergänzend auch die sog. Hilfsregeln der TZI. Sie sind eine gute Grundlage, wenn es darum geht, durch eine verbesserte Kommunikation, sinnvolle und konstruktivere Lösungen zu finden. Hier einige Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Themenzentrierte_Interaktion#Vierfaktorenmodell.

 

Mehr Zeit, mehr Freiheit, weniger Ballast

Rückblende – richtige Entscheidungen?

Vor einigen Tagen bemerkte ich, dass ich immer wieder auf meine langjährige Arbeitszeit zurück blickte. Habe ich mich richtig entschieden? Immerhin gibts durchaus  Berufe, wo ich weniger Stress und mehr Geld hätte. Wäre es nicht besser gewesen, vielleicht doch irgend etwas anderes beruflich zu machen, als ausgerechnet Sozialpädagogin?

Nein! Allen Widrigkeiten und Schwierigkeiten zum Trotz. Ich kann nur hoffen, es scheitert nicht irgendwann daran, dass der gesamte Sozialbereich restlos kaputt gespart ist. Ich habe zwar einen mitunter schwierigen, aber auch sehr lebendigen Beruf. Es geht nicht ohne eigenverantwortliches und selbständiges Handeln. Das mag ich sehr. Ich habe mit konkreten, lebendigen Menschen zu tun. Nie käme ich damit klar, irgendwelche Dinge, Versicherungen und was auch immer zu verkaufen. Das würde gnadenlos scheitern, weil es mich einfach überhaupt nicht interessiert. Ich brauche mich auch nicht durch die Strukturen eines Lehr- und Stundenplans einer Schule quälen. Das wäre mir viel zu eng und ich wäre garantiert den ganzen Tag damit beschäftigt, all diese starren Regeln auf den Kopf zu stellen. Genau das wäre aber Sisyphusarbeit. Weder hätte das Schulsystem, noch ich etwas davon.

Zuviel Zeit investiert

Was mich an meinen zurückliegenden Arbeitswelten gestört hat: Ich habe viel zu viel Zeit investiert. Arbeiten bedeutete, eine Zeit lang auch an Wochenenden tätig zu sein, Bereitschaftsdienste und die „Normalität“, 12 Tage ohne Pause durchzuarbeiten. Es gab Wechelsdienste, Arbeitsverdichtungen sowieso. Dazu die lange Fahrzeiten, in denen ich entweder mit dem Auto im Stau stand, in vollen Zügen saß oder an kalten Bahnsteigen auf verspätete Züge wartete. Irgendwann bemerkte ich dann, dass sich der Wunsch breit gemacht hatte, mir durch Konsum, daß Leben ein wenig aufzuhübschen. Aber es entlastete mich nicht und meine Unzufriedenheit und der Wunsch, etwas zu verändern, nahm zu.

Mehr Zeit

Das, was mir inzwischen wirklich wichtig geworden ist: Zeit. Einfach das Leben und die Lebendigkeit in mir spüren. Den Kaffee beispielsweise nicht hektisch zu schlürfen, sondern ihn zu genießen. Beobachten, wie der Tag langsam heller wird. Stille einatmen. Dem Rhythmus des eigenen Lebens folgen. So viel Zeit und Energie haben, dass ich  meine Arbeitswelt noch immer gestalten kann und nicht nur ein Punkt nach dem anderen Punkt abhaken muss.

Weniger Ballast

Dinge, die unnötig sind, engen ein. Sie kosten nicht nur Geld, sondern auch die Zeit, die ich investiere, das Geld zu verdienen und auszugeben. So etwas empfinde ich wie einen riesigen Rucksack, der wie Blei auf meinen Schultern lastet. Jahrelang habe ich Wohnstandards viel zu wenig hinterfragt. „Man“ hat eben ein Bettgestell, ein Sofa, ein Kleiderschrank, usw.. Aber geht es mir überhaupt gut damit? Minimalismus war eine Befreiung für mich. Ich habe mich mit den meisten Möbeldingen nie richtig wohlgefühlt und so kamen und gingen diese Dinge immer wieder. Ich widmete ihnen viel zu viel Aufmerksamkeit. Wie verrückt ist das, viel Geld für einen Schrank auszugeben, damit ich darin u.a. das Zeug horten kann, welches ich eh nicht nutze und brauche?

Mehr Freiheit

Die meisten Menschen können nach wie vor kaum nachvollziehen, warum die relativ wenigen Dinge, die sich in meiner Wohnung befinden, für mich nicht wenig Dinge sind. Es ist mir eher immer noch zu viel. Ich folge damit nicht irgendwelchen modischen Entwicklungen. Wozu auch? Die ändern sich ja ohnehin immer wieder. Mit 56 Jahren gehöre ich definitiv nicht zur Generation Y, die so oft mit Minimalismus als Lebensstil in Verbindung gebracht wird. Erst recht muss ich nicht irgendwelchen Teenie-Träumen folgen. Ich gehöre auch nicht zu denen, die in Kindertagen mit Konsum überspült worden sind und nun die Nase davon voll haben. Ich muss mich aber auch nicht an die Gewohnheiten und Standards „meiner Generation“ anpassen. Ich wollte mich nie für ein Eigenheim quälen. Selbst von meinen derzeitig bewohnten 35qm, sind 10qm überflüssig. Ich muss nicht einmal die Welt retten. Ich bin außerdem so froh, dass ich mich nicht mehr um die Blechkiste auf 4 Rädern kümmern muss. All das ist für mich wirkliche Freiheit, wirklicher Luxus und purer Lebensgenuß.

Blick in ein fast leeres Zimmer: 3 Stühle - auf einem Stuhl steht ein Drucker. Rechts im Bildrand ein Schrank. Am linken Bildrand ein unnutzer großer Spiegel.
Blick auf die ca. 10 qm meiner Wohnung, die ich kaum nutze.

1 Jahr Minimalismus-Wohnung – ein Resumee

Vor etwas über einem Jahr zog ich in meine jetzige Wohnung. Nach 12 Jahren Wohnen in Beziehung und WG nun wieder eine Wohnung für mich alleine. Es war mir klar, dass Minimalismus als Lebensstil genau zu mir passt und  meine vier Wände entsprechend ausgerichtet sein sollten. Einige Teile musste ich mir aber trotzdem noch kaufen. Eine Rückblende nach etwas über einem Jahr, was sich bewährt hat und was nicht.

Was sich nicht bewährt hat:

Einbauküche
Ein großer Einrichtungsbereich war meine Küche. Ich wusste zwar, dass ich ohnehin nicht so viel koche, daher eine kleine Ausstattung reicht. Aber die Herausforderung war der extrem kleine Küchenraum. [Wie ich diese Herausforderung gelöst habe, steht hier: Minimalismus in der Küche]

Blick auf die Holzarbeitsplatte mit links Spüle, dann Utensilien für Kaffee kochen, dann Einzelkochplatte mit Wasserkessel

Was mir jetzt nach einem Jahr Nutzung auffällt: Die Kombination von Holz und der Farbe weiß gefällt mir. Die Küche ist praktisch und hat in dem kleinen Raum tatsächlich viel Arbeitsfläche. Die Küche gefällt mir trotzdem nicht so richtig. Sie war halt vorrangig eine pragmatische Entscheidung. Einbauküchen sind nicht mein Ding. Ich werde sie nie mögen – auch dann nicht, wenn sie schön aussehen und praktisch sind. Ich bin ein Fan von Modulküchen: Hier eine Spüle, dort ein Kühlschrank und irgendwo noch eine Arbeitsfläche mit der Kochplatte. Weil ich Einbauküchen nicht mag, ist die jetzige Küche auch immer noch keine wirklich eingebaute Einbauküche. Das hätte ich mir eigentlich denken können, habe ich aber nicht … Und so sind die Fußleisten sind immer noch nicht dran, die Abschlussleisten der Arbeitsplatte ebenfalls nicht. Den Einbaukühlschrank hätte ich auch nochmal etwas exakter einbauen können. Ich hatte aber bislang einfach keine Lust daran und konnte mich entsprechend nicht dazu aufraffen. Es stört mich aber auch nicht so wirklich.

Bedarf an Schränken überschätzt
Meinen Bedarf an Schränken, um Zeugs unterzubringen, habe ich überschätzt. 3 kleine gebrauchte Holzschränke hatte ich. Alle drei stehen inzwischen auseinander gebaut im Keller. Die in die Schränkchen ursprünglich hinein gestellten Dinge, passten problemlos woanders hin. Also wenn noch jemand Ivarschränke braucht…

Ein wenig ähnlich geht es mir derzeit mit 2 weiteren Schränken, beide insgesamt 1,50m breit und 35cm tief. Irgendwann entdeckte ich die geniale Falttechnik von Marie Kondo und seither ist mir klar, dass Kommoden nicht nur für T-Shirts, sondern für viele andere Dinge sehr viel praktischer sind. Bei den Schränken geht es mir ähnlich, wie mit der Küche: Sehr schön, irgendwie passen sie aber nicht richtig zu mir. Zum Glück waren die Schränke nicht neu, sie sind also kein Fehlkauf, sondern haben schon einige Lebenszeit hinter sich. Ganz nebenbei fällt eine weitere „kleine Marotte“ von mir auf: Die Schränke haben keine Türgriffe, seit 11 oder 12 Jahren nicht. Mir gefällt es ohne Griffe besser.

2 birkenfarbene Schränke, 100 und 50cm breit.

Was sich bewährt hat:

Mein Futon. Auf einem Futon zu schlafen, ist einfach klasse. Ich genieße es immer noch und möchte darauf nicht wieder verzichten. [Näheres dazu hier: Auf einem Futon schlafen]

Futon zu eine Art Sofa zusammengefaltet

Die flexiblen Tische. Ich habe einen rechteckigen und einen quadratischen Tisch. Darüber hinaus noch einen sehr alten schwedischen Klapptisch in der Küche. Alles ist wunderbar flexibel. Da ich ohnehin gerne mal die Wohnung umräume, geht das mit diesen Tischen einfach wunderbar und ich kann sie sehr multifunktional nutzen [Siehe: Multifunktionales Wohnen]

rechteckiger Esstisch für 2 - 4 Personen

Kein Auto. Bin ich froh, kein Auto mehr zu haben! Es ermöglicht mir u.a. in Teilzeit arbeiten zu können. In 5 Minuten erreiche ich Bus, S-Bahn und U-Bahn. In 20 Minuten bin ich zu Fuß bei meiner Arbeitsstelle, in der gleichen Zeit mitten in der Innenstadt von Dortmund. Das anfängliche Carsharing habe ich wieder gekündigt, da ich es kaum genutzt habe. Im Bedarfsfall ist es günstiger für mich, mir einfach einen Leihwagen zu mieten.

Keinen Fernseher, keine Stereoanlage. Beides brauche ich nicht, es fehlt mir nicht und ich bin froh, dass dieses Zeug nicht bei mir herum steht. Ich nutze den Computer, der sich problemlos multifunktional verwenden lässt.

Nicht zu früh und nicht zu schnell kaufen hat sich ebf. bewährt. Nicht alles, was ich zu brauchen meine, verwende ich dann im Alltag auch. Fehlt etwas, kann ich es dann immer noch kaufen. Das meiste Zeugs fehlt aber meistens gar nicht. Es hätte eh bloß herum gestanden. Wozu drei Kochlöffel, wenn ich mit einem Kochlöffel auch prima klar komme? Und sollte mir wirklich irgendwann doch noch ein weiterer Kochlöffel fehlen, kann ich mir den dann auch noch kaufen.

Wie es weiter geht:

Die Küche wird einfach erst mal so bleiben, wie sie ist. Derzeit wohne ich im Dachgeschoß, da passt es so am besten. Da ich nächstes Jahr 57 Jahre werde und sicherlich nicht mehr mit 70 Jahren die Einkäufe in die 4. Etage schleppen möchte, mache ich mir zur Küche erst Gedanken, wenn mal irgendwann eine Wohnung in Erdgeschoß oder 1. Etage ansteht. Die Wohnlage ist perfekt für mich, daran möchte ich nichts ändern, auch gefällt mir genossenschaftliches Wohnen besser, als private Vermieter oder Vermieter, die ihre Häuser vorangig als reines Investitions- oder Spekulationsobjekt sehen.

Die Schränke werden über kurz oder lang sicherlich durch Kommoden oder ähnliches ersetzt. Diese passen besser zu mir, ggf. werde ich sie mit ein paar Rollen ausstatten, um sie leichter verschieben zu können.

Minimalismus ist Luxus

Wieder einmal ist mir klar geworden: Minimalismus als Lebensstil ist Luxus. Natürlich nicht der Luxus, viele Dinge zu besitzen, sondern der Luxus der individuellen Lösungen. Es ist der Luxus, sich am eigenen, persönlichen Bedarf orientieren zu können. Es ist der Luxus, wenig Zeit mit Putzen und Aufräumen zu verbringen.  Es ist auch der Luxus, dass ich für Dinge, die ich nicht kaufe, nun mal auch nicht arbeiten gehen muss.

Minimalismus ist Burnout-Prävention

Letztlich ist Minimalismus sogar der Luxus, weiterhin erwerbstätig bleiben zu können. Ich kann meinen – manchmal sehr anstrengenden – Beruf als Sozialpädagogin weiter ausüben. Viel Konsum würde bedeuten, dass ich Vollzeit arbeiten müsste. Allerdings ist dies nach den vielen Jahrzehnten sozialer Berufstätigkeit genau das, was ich nicht mehr ohne weiteres schaffen würde und auch nicht mehr möchte. Minimalismus ist für mich daher auch eine perfekte Burnout-Prävention. Es geht mir so viel besser. Ich fühle mich wohler. Ich bin ausgeglichener und entspannter. Von diesem Luxus profitiere dann nicht nur ich selbst, sondern auch die Menschen, mit denen ich täglich beruflich zu tun habe.

Minimalismus – Wohnung: multifunktionales Wohnen

Minimalismus ermöglicht großzügiges Wohnen

Ich wohne sehr großzügig. Ich habe einen großen und einen kleinen Schreibtisch. Außerdem einen Esstisch, an dem bis zu acht Personen Platz haben. Dann gibt es noch einige andere Möbel, wie Bett, Sofa, Schrank, Schreibtischcontainer. All diese Dinge befinden sich in einem eher kleinen Raum von ca. 4,20 x 3,20m Größe – hierbei ist die anteilige Dachschräge noch nicht abgezogen. Und all diese Möbel in so einem kleinen Raum und das soll ein minimalistischer Wohnstil sein? Ja – und zwar so:

 

Multifunktionale Nutzung von Möbeln

Das Geheimnis des minimalistischen Wohnens ist Multifunktionalität:

Genau genommen habe ich nämlich nur zwei Tische:
–  ein kleinerer, quadratischer Tisch
–  ein etwas größerer rechteckiger Tisch
Damit lässt sich einiges gestalten:

Großer Schreibtisch
Möchte ich einen großzügigen, großen Schreibtisch, stehen beide Tisch nebeneinander.

Ein quadratischer und ein rechteckiger Tisch nebeneinander stehend zu einem großen Schreibtisch.

Kleine Kaffeerunde
Für den gemütlichen Kaffee mit 2 bis 4 Personen nutze ich den rechteckigen Tisch, während der quadratische Tisch weiterhin als Schreibtisch genutzt wird.

rechteckiger Esstisch für 2 - 4 Personen

Genug Platz für Besucher:
Kommen einmal mehrere Besucher, stehen beide Tische in der Raummitte und können so von bis zu 8 Personen genutzt werden. Da dies nicht täglich ist, ist es kein Problem, Computer und Futon einfach mal zur Seite zu räumen, um genug Platz zu haben.

quadratischer und rechteckiger Esstisch als lange Esstafel in der Mitte des Raumes stehend.

 

 

Sofa und Bett

Wenn ich zu Beginn von Sofa und Bett gesprochen habe: Das ist mein Futon. Nachts schlafe ich drauf. Im Bedarfsfall kann ich es aber auch einfach zusammengeklappt als Sofa nutzen. Wer sich näher für ein Futon interessiert, habe ich hier mehr dazu geschrieben: https://achtsame-lebenskunst.de/2017/03/12/auf-einem-futon-schlafen/

Futon zu eine Art Sofa zusammengefaltet

 

Minimalistisches Wohnen ist keine Askese

Minimalismus muss also nicht bedeuten, sich beim Wohnen einzuschränken und ist nicht mit Askese zu verwechseln. Die Dinge werden einfach nur anders benutzt. Ich favorisiere multifunktionale Lösungen. Ich liebe es, zu experimentieren und auszuprobieren. Mit eher kleinen und leichten Möbeln ist das zum Glück kein großer Aufwand. Durch solche multifunktionalen Lösungen ist es möglich, mich auf ganz unterschiedliche Bedarfe einzustellen und flexibel zu nutzen. All das gelingt auf sehr wenig Fläche.

Ich habe jetzt nur ein Luxusproblem. Der zweite, Raum ist nun fast leer. Die Panorama-Aufnahme verzerrt etwas die wirkliche Größe. Der Raum hat nahezu die gleichen Maße, wie das andere Zimmer. Da Luxusprobleme keine echten Probleme sind, ist dies aber zu vernachlässigen.

 

 


 

Achtsamkeit und Minimalismus als Lebensfülle

Minimalisiert: der Sessel ist weg…

Ich hatte ihn schon längere Zeit nicht genutzt: meinen Sessel und den dazugehörige Hocker. Dabei war er doch bequem, zumindestens dachte ich das. Denn meinen Körper achtsam erspürt, habe ich im Laufe der Zeit bemerkt, dass dieser Sessel für längeres Sitzen unbequem ist, zumindestens für mich. Also ist dieser Sessel jetzt weg und erfreut nun einen anderen Menschen. Denn Dinge sollten Freude bereiten und nicht Ursache für Mißgefühl sein – für mich ein wichtiger Minimalismus-Grundgedanke.

weißer Pöang-Sessel mit Fußteil

Meditierend den Wohnraum erspüren

Die meisten Menschen mit regelmäßiger Meditationspraxis haben einen festen Ort für ihre Meditation. Oft ist dieser Ort besonders gestaltet. Es gibt natürlich viele Gründe, warum das genau richtig und sinnvoll ist.
Ich habe dies anfangs auch so probiert und kam damit aber sehr schnell an meine Grenzen, genau gesagt, an meine körperlichen Grenzen. U.a. habe ich recht lange Beine, sowie einige angeborene Einschränkungen in der Beweglichkeit von Hüfte und Lendenwirbelsäule. Da passt immer irgendwas nicht. Meditationshocker, Meditationskissen, diverse Stühle, auf dem Futon liegend – es waren viele Varianten, die ich ausprobiert habe und dies an vielen, unterschiedlichen Stellen meiner Wohnung. Dies ist sicher etwas unüblich, aber meine begrenzten Möglichkeiten bei Meditationshaltungen, führen interessanterweise auch dazu, dass ich mich und meine Umgebung trotzdem differenzierter wahrnehme:

Das Wohnen fühlen

Achtsamkeitsübungen finden bei mir nicht an einer ganz bestimmten Stelle eines bestimmten Raums meiner Wohnung statt, während an den anderen Stellen der Wohnung der normale Alltag geschieht. Beides geht ineinander über und ist nicht getrennt voneinander. Dadurch erspüre ich im Laufe der Zeit viel mehr von dem, wie ich die einzelnen Zimmer, die Tages- oder Jahreszeiten wahrnehme und erlebe. Ich empfinde differenzierter, mit welchen Dingen und Möbeln ich mich wohlfühle oder auch nicht.

Optisch schön, aber …

Eine wichtige Entdeckung ist etwas sehr typisches für mich: Es gibt Dinge, die finde ich optisch einfach schön. Ich fühle mich aber trotzdem nicht wohl damit.

Jetzt, wo mein Sessel weg ist, kommt mir mal wieder der Gedanke, dass es optisch doch vielleicht schöner wäre, ich würde etwas mehr in meine Wohnung stellen. Irgendeine Deko, vielleicht ein Teppich, Vorhänge, noch irgendein Möbelstück. Es muss ja nicht gleich ein Stehrümchen sein… Zu früheren Zeiten wäre ich vermutlich gleich losgelaufen, um irgendwas zu kaufen, was ich mir dann irgendwo in die Wohnung gestellt hätte, damit es irgendwie schöner und letztlich auch gesellschaftskonformer aussieht – bis ich es dann leid geworden wäre und wieder entsorgt hätte. Doch genau so möchte ich das heute nicht mehr und deshalb lasse ich mir Zeit.

Eher wenige Dinge zu besitzen, mag eine Wohnung auf den ersten Eindruck optisch nicht so attraktiv erscheinen lassen, aber mir geht es damit besser. Ich fühle mich viel leichter, befreiter – einfach, weil ich genauso bin, weil es zu mir passt und ich es genau so haben möchte. Mir fällt dadurch ein riesiger Ballast von den Schultern. All der Kram-Ballast, mit dem ich mir die Wohnung nicht vollstellen muss und all der Ballast des Unwohlseins, den ich mit diesem Kram gehabt hätte.

Ständiger Konsum von Dingen, die uns überflutenden Angebote von irgendwas, der Reiz des Neuen, die Moden und Trends – all das mag vordergründig attraktiv erscheinen, ist aber vorrangig fremdbestimmt und lässt unser Gespür abstumpfen, für das, was wirklich wesentlich in unserem Leben ist. Die Leere, die in Achtsamkeit und Minimalismus deutlich werden kann, mag vordergründig unangenehm erscheinen, sie ist aber nicht wirklich leer, sondern Quelle der Lebensfülle, die nun endlich nicht mehr behindert wird.

Minimalismus – vom Luxus, auf Werbung verzichten zu können

Wir sind umgeben von Werbung. Überall Bilder, Video’s, plakative Texte, was wir alles kaufen und konsumieren sollen. Fernseher, Radio, Webseiten, Werbeplakate an U-Bahn-Stationen – nahezu überall ploppt die Botschaft auf „Kauf mich“.

Kosten meiner Webseite – und Werbeanfragen

Auch ich lebe nicht „auf dem Mond“ und hatte schon zig mal Werbeanfragen für meine Webseite. Natürlich habe auch ich mir Gedanken dazu gemacht. Denn das Betreiben einer solchen Webseite kostet natürlich Geld, mein Geld. Aber ehrlich gesagt: Bei den bisherigen Anfragen war bislang noch nichts dabei, was mich auch nur annähernd überzeugt hätte. Die Notwendigkeit, dass ich selbst aktiv werde und auf die Suche gehe, hatte ich bislang zum Glück noch nicht. Weder will ich superteueres, edles Meditationszubehör verkaufen, noch möchte ich Werbung für irgendwelche heilversprechenden Super-Therapien machen. Um irgendwelche Bücher zu empfehlen, müsste ich die erstmal alle lesen. Daran habe ich derzeit einfach keine Lust. Bislang haben mich auch die Schwerhörigen-Handys noch nicht so überzeugt, dass ich sie eindeutig und zu 100% empfehlen würde. Mein Lieblingsbekleidungshersteller hat in letzter Zeit eine zu eingeschränkte Farbauswahl. Und klar, ich liebe Futons. Aber Futons sind auch nicht für jede/n etwas. Je nach gesundheitlicher Verfassung sind sie ein Segen oder ein Desaster. 

 

Gegenfinanzierung durch Minimalismus

Minimalismus bringt mich auf andere Finanz-Ideen und ermöglicht es mir bislang sehr gut, die Kosten auf ganz andere Weise gegen zu finanzieren. Einige Beispiele:

 

Kein Pendeln mehr zur Arbeit
Lange Jahre bin ich zur Arbeit gependelt. Zeitweise mit dem Auto, lange Zeit mit dem ÖPNV. Beides kostet. Nicht nur Lebenszeit, sondern auch der Unterhalt des Autos bzw. die Kosten für das ÖPNV-Ticket, dann auch der Zeitvertreib mit hier einem Kaffee und da einer Zeitung. Ich habe vor knapp 5 Jahren den Arbeitsplatz gewechselt, bin letztes Jahr dann noch umgezogen, kann jetzt zur Arbeit laufen und habe so auch gleich mehr Bewegung in meinen Alltag integriert. Die meisten Wege mache ich zu Fuß. Ich brauche inzwischen nicht einmal ein eigenes Monats-Ticket für den ÖPNV. Es würde sich nicht lohnen.

 

Keine unnötige Technik
Ich bin durchaus technisch interessiert, finde ein Handy sehr bequem und genieße auch mein gebraucht gekauftes Tablet und den Computer. Ich finde, diese Dinge sind schon ein sehr großer Luxus und den genieße ich auch sehr. Ich muss aber deshalb nicht jede/n Kram mit einem technischen Gerät erledigen. Schon gar nicht brauche ich ständig etwas Neues. Mein Computer ist 7 Jahre alt und trotzdem so ein Multifunktionsgerät, dass er mir bequem alle anderen elektronischen Unterhaltungs-Geräte, wie TV-Gerät, Stereoanlage, DVD-Player etc., ersetzt.
Der Kaffee schmeckt handgemacht eigentlich sogar noch besser, als mit einer Kaffeemaschine. Er ist nämlich handgemacht viel heißer, was ich liebe. Dagegen erscheint mein Milchaufschäumer wie der pure Luxus. Er ist auch Luxus. Auch diesen Luxus genieße ich und gönne ihn mir. Ansonsten erspare ich mir eine technisch hochgerüstete Küche. Ich kann Eier nämlich auch noch ohne Eierkocher kochen und mir durchaus ein Essen ohne Zauber-Küchenmaschine zubereiten. Ich weiß nämlich noch, wie so etwas geht 😉 . Ich gehöre dann ohnehin nicht zu den leidenschaftlichen Köchinnen und beim Kochen ersetzt mir das geöffnete Fenster daher bequem die Dunstabzugshaube. Mein Stromverbrauch liegt derzeit bei 640 kwh/Jahr. Dadurch alleine lässt sich diese Webseite schon gut gegen finanzieren.

 

Minimalistische Wohnung
Die Wohnkosten sind gestiegen, nicht nur die Kaltmiete, auch die Nebenkosten. Natürlich habe auch ich mit diesem Thema zutun, ich habe lediglich das Glück, nicht in so einer teuren Miet-Metropole wie Berlin, Hamburg oder München zu wohnen, sondern im Ruhrgebiet. Auch da ist das Wohnen teurer geworden, aber die Preise sind nicht so extrem explodiert, wie in den anderen erwähnten Städten.
Es ist aber auch eine Frage des persönlichen Wohnanspruchs. Ich wohne derzeit auf 35qm, käme aber auch mit 10qm weniger aus. Mich interessiert nicht die große Schrankwand im Wohnzimmer, meine Bekleidung passt in einen 50cm-Schrank, mein Futon rolle ich zur Seite, ich lese ohnehin nur E-Books und sollte ich mir je ein Sofa kaufen, wird es garantiert nur ein(!) Sofa und nicht eine große Sofalandschaft. Wohnfläche für den großen Unterhaltungs-Technik-Park brauche ich ja auch nicht.

 

Verzicht auf Abo’s …
Es gibt tausende Möglichkeiten, irgendein Abo oder längerfristige Verträge abzuschließen. Aber ich brauche weder Netflix, noch Handyvertrag. Beim Internet Zuhause nutze ich die kleinste Leitung, die mir für knapp 20€ immer noch 10 Mbit/s Download und 1 MBit/s Upload ermöglicht. Einen Festnetz-Telefonanschluss brauche ich nicht. Eine schnellere Internet-Leitung gabs mal im Angebot, ich habe sie getestet, so viel besser war sie aber nicht. Also habe ich sie wieder abgeschafft.  Der höhere Preis hätte die bessere Leistung nicht gerechtfertigt. Ich komme auch so prima klar.

 

Lebensqualität

Aktuell komme ich mit dieser Variante der Gegenfinanzierung gut zurecht. Sie bietet mir eine Menge Lebensqualität. Ich habe dadurch keine Druck, mit Werbung Geld zu verdienen. Ich genieße es, bin mir aber auch bewusst, dass nicht alle Blogger sich diesen Luxus leisten können. Ich selbst weiß letztlich auch nicht, ob ich mal selbst in eine Situation komme, wo ich meine Haltung neu überdenken muss. Derzeit funktioniert es aber noch so und ich bin damit sehr zufrieden. Es ist mir sehr bewusst und ich freue mich, dass mir u.a. ein minimalistischer Lebensstil, diese äußerst luxuriöse Situation und dieses Stück Freiheit ermöglicht hat. Mir gefällt es natürlich auch, dass ich auf diese Weise, Ihnen und Euch, liebe Leser_Innen den Luxus eines werbefreien Lesens ermöglichen kann. 

 

 

 

Ausmisten, Entrümpeln – und wohin damit?

Entscheidungskriterien beim Ausmisten und Entrümpeln

Natürlich kann, aber muss nicht jede/r gleich Minimalist_in werden. Vielleicht geht es manchmal einfach nur darum, endlich Platz schaffen, ein wenig auszumisten und endlich wieder mehr Übersicht in den eigenen vier Wänden zu bekommen.

Nur wonach entscheide ich, was wirklich brauchbar und was überflüssig ist und wohin dann mit all den ausgemisteten Dingen? Dazu nachfolgend einige Tipps:

 

Entscheidungsfragen – Was kann weg?

  • Wie lange und wie oft habe ich diesen Gegenstand im letzten Jahr genutzt?
  • Warum habe ich diesen Gegenstand überhaupt? 
  • Warum will ich dieses Gegenstand haben / behalten?
  • Welche Erinnerungen und Gefühle verbinde ich heute und jetzt mit diesem Gegenstand?

 

Gegenstände mit Erinnerungswert / positiven oder negativen Gefühlen:

Wenn ein Gegenstand mit negativen Erinnerungen und Gefühlen verbunden ist: Ausmisten!

Wenn ein Gegenstand mit positive Erinnerungen oder Gefühlen verbunden ist: Sind „nur“ die Erinnerungen und die damit verbundenen Gefühle positiv oder stimmt auch noch das gegenwärtige Gefühl und der aktuelle Nutzen?

Beispiel: Ein Gegenstand kann an einen geliebten Menschen erinnern, aber der Gegenstand steht trotzdem herum, verstopft den Schrank, ich muss ständig drum rum putzen und empfinde zwar die Erinnerung an den Menschen schön, aber eigentlich nicht mehr den Gegenstand: Lösung: Es gibt ja vielleicht auch andere Erinnerungsmöglichkeiten an diesen Menschen: Ich kann diesen Gegenstand z.B. fotografieren oder ein Foto dieses Menschen aufhängen. Darüber hinaus:

Erinnerungen bewahren wir in unseren Herzen, nicht in Regal und Kleiderschrank! 

 

Entscheidungskriterien – Was ist überflüssig:

  • Nicht getragene Kleidung und Schuhe
  • Unidentifizierbare Dinge (alles, wo nicht klar ist, warum es noch da ist oder wo es überhaupt einmal hergekommen ist – z.B. Kabel von längst entsorgten Geräten…)
  • Bad, Kosmetik, Körperpflege: Gibts mehrfache Zahnpasta, Duschgels, Seifen, Cremes, etc.: Zuerst aufbrauchen, bevor Neues gekauft wird.
  • Einzelne Teile, wo eigentlich immer zwei zusammen gehören, wie Dosen ohne Deckel, fehlender Schuh, Handschuhe, Socken etc.
  • Spielzeug aus denen der Nachwuchs längst rausgewachsen ist.
  • Abgelaufene Medikamente: Insb. bei Medikamenten vorsichtig – im Bedarfsfall Arzt fragen, im Zweifelsfall: nicht einnehmen, entsorgen (Apotheken nehmen diese zurück)
  • Überflüssiges Küchenzubehör: Sind die 4 Kaffee-Service im Schrank wirklich nötig? Und was ist mit den 7 Pfannen, 10 Töpfen, Entsafter, 2 Kaffeemaschinen, 10 Küchenmesser? Wie oft werden all die Dinge überhaupt genutzt? Werden sie überhaupt genutzt?
  • Dinge, die seit Jahren ungenutzt im Keller oder auf dem Dachboden lagern. Wären sie irgendwie bedeutsam, hätten wir sie längst hervor gekramt.

 

„Das war doch mal teuer“

Irgendwann war ein Teil mal teuer und ist ggf. nie oder nur selten genutzt worden? Vergiss es , bzw. lass es los – insb. die Bedenken, das es mal etwas gekostet hat. Diese Überlegung müssen wir nämlich anstellen, bevor wir etwas kaufen! Es wird nachträglich nicht billiger. Mit jedem Tag, den diese Dinge ungenutzt herum stehen, werden sie in der Regel weniger wert. Nichts macht weniger Sinn, als Dinge, die nur irgendwo herumstehen, verstauben zu lassen und sie nicht zu nutzen. Erst recht nicht, wenn diese teuren Dinge dann vielleicht auch noch regelmäßig das eigene schlechte Gewissen aktivieren, weil man eben doch seit Jahren nicht das Fitnessgerät, Klavier, etc. genutzt hat. Besser ist es, alte Träume zu begraben, als das diese am Ende zum Albtraum mutieren. Vielleicht freut sich ja ein anderer Mensch über diesen Gegenstand und nutzt ihn dann auch. 

 

 

Minimalismus – das Leben einfacher machen

Minimalismus ist nichts anderes, als sich das Leben einfacher zu machen und die Frage zu beantworten, was ich wirklich will, was ich mag, was ich brauche. Weder muss ich mich in eine leere Wohnung setzen, noch Socken zählen. Selbst der Wunsch, der oder die beste Minimalist_in sein zu wollen, lässt sich minimalisieren 😉

 

 

Meine neue mobile Küche: genial einfach – einfach genial

Dieser Gastbeitrag ist von Tanja Heller. Sie gewährt uns Einblicke in ihre umgestaltete Küche, die nicht nur für Liebhaber minimalistischer Küchen interessant sein dürfte:

Eine Küche ganz nach meinem Geschmack      
Schnell auf- und abgebaut

Flexibel, funktional und chic
Leicht dahinter zu reinigen
Alles hat seinen festen Platz und ist griffbereit

Hinten ein Küchenwaagen mit Kochplatte. Daneben Gläser mit diversen Lebensmittelvorräten. Davor stehend ein Tisch mit Obst und Gemüse, sowie einem Köcher mit Stiften. Im Bildvordergrund eine Bank

Perfekt für Individualisten
Ich bin neunzehn Mal umgezogen und kann Einbauküchen nicht leiden. Sie sind für Rechtshänder gemacht. Wie der Rest der Welt. Ich fühle mich diskriminiert. Oberschränke sind für mich wie Schlagzeugspielen: Ich kann es nicht.

Ich will keine Designerküche. Lieber als Frau autonom sein
Bei Umzug einfach den Stecker vom Minibackofen ziehen.
Statt den Elektriker anzurufen.

Spüle (mobil, Sunnersta von Ikea), darunter eine Ablagefläche mit einem Minibackofen. Auf der Spüle ein Wasserkocher.

Kochen, wo ich will
Im Sommer auf dem Balkon oder im Garten.

Links mobile Kochplatten (2er-Set, rechts Vorratsgläser und Flasche Öl. Alles auf einer Holzplatte stehend

Reif für die (Küchen-)Insel?
Der ganze Umbau in Sekunden.

Minikühlschrank mit Glastür und einigen Lebensmitteln drin. Links davon stehend eine kleine Kaffemaschine.

Nicht in fertigen Verhältnissen leben
Minimalismus heißt genau das für mich, immer mehr. Ich habe z. B. keine Deckenlampe. Ich bin lichtempfindlich. Bis ich den idealen Stuhl für Besucher gefunden habe, besitze ich keinen. Wir finden andere Lösungen. Keine fertigen. Auch das ist ein spannendes Experiment.

Hab ich noch alle Tassen im Schrank?
Das Wohnequipment genau auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen, lohnt sich. Alles, was nicht da ist, macht keine Arbeit. Man kann so vieles weglassen und es fehlt nicht.

2 jeweils übereinander stehende weiße schmal Metallschränke. 3 von 4 Türen sind geöffnet. Zu sehen sind Geschirr, sowie einige Lebensmittel


Portrait Tanja HellerTanja Heller ist Freie Werbetexterin und Minimalistin aus Leidenschaft. Mehr über Tanja Heller auf ihrer Website: www.texterin-mit-biss.de . Tanja Heller hat zwei interessante Bücher zu Minimalismus und einen einfachen Lebensstil veröffentlicht: 

https://www.epubli.de/shop/autor/Tanja-Heller/11740

 

Minimalismus – Kriterien für Wohnqualität

Rückblende: Beim Wohnen nur halb nachgedacht

Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der ich den Begriff ‚Minimalismus‘ noch nicht kannte und als die Kosten für die Miete einer Wohnung in die Höhe schossen: die 90er-Jahre. Mitte der 90er-Jahre habe ich dann nach rund 12-jähriger Berufstätigkeit nochmal studiert. Ich wohnte zu diesem Zeitpunkt alleine in einer 2-Zimmer-Wohnung mit rd. 50qm. Angesichts von bevorstehendem Bafög und somit niedrigem Einkommen, stand für mich die Überlegung an, ob ein Umzug in eine kleinere Wohnung Sinn macht.

Ich habe mich damals dagegen entschieden. Bei rund 10qm weniger Platz hätte ich trotzdem die gleiche Miete bezahlt. Wozu also umziehen? Was erstmal logisch klingt, ist es bei genauerer Betrachtung nicht: Hätte ich nämlich etwas genauer überlegt, wäre mir klar geworden, dass nochmal deutlich weniger Platz völlig ausreichend gewesen wäre. Mein Mobiliar hatte keinen wirklichen materiellen Wert. Ich hätte problemlos noch vieles weglassen können und ein WG-Zimmer oder Mini-Wohnung wäre völlig ausreichend gewesen. Das hätte mir einiges an Finanzdruck während des Studiums erspart. In den 90er-Jahren bin ich aber auf genau diese Idee nicht gekommen.

 

Minimalistisch Wohnen – mehr Lebensqualität, weniger Stress

Heute denke ich: Auch ganz ohne Studium, auch mit ganz normaler beruflicher Tätigkeit macht es Sinn, mich nicht mit unnötiger Wohnungsausstattung aufzuhalten. Wohnraum ist teuer. Weniger Kram bedeutet schnelleres aufräumen und putzen. Ich liebe es, wenn ich Platz um mich herum habe und keinen großen Aufwand betreiben muss. Die Menge an aufbewahrten Dingen sagt außerdem nichts über wirkliche Wohnqualität aus. Aber was genau ist denn Wohnqualität?

 

Minimalismus – Kriterien für Wohnqualität: einfaches und entspanntes Wohnen

Es gibt natürlich ganz unterschiedliche Bedürfnisse, die alle ihre Berechtigung haben. Für mich sind es die folgenden Kriterien, die minimalistisches Wohnen ausmachen und die ich besonders wichtig finde:

  • Wohnen muss bezahlbar sein.
  • Alles raus, was nicht dem eigenen Wohlbefinden dient. (Ich finde, die Minimalismus-Wohnqualitäts-Grundregel überhaupt!)
  • Der Aufwand für Aufräumen und Putzen sollte gering sein.
  • Sich nicht an Möbel hängen. Ich halte nichts von der zunehmend grassierenden Wegwerf-Mentalität bei Möbeln. Möbel sollten halten und zwar möglichst lange. Trotzdem: Möbel machen unbeweglich, verteuern einen Umzug und viel Möbel benötigen nun mal viel (teueren) Wohnraum.
  • Idealerweise gibt es Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe.
  • Idealerweise geht es ohne eigenes Auto.

 

Küche

Zur Küche hatte ich ja schon etwas geschrieben. Siehe: Minimalismus in der Küche. Noch einige ergänzende Anmerkung: Selbst meine wirklich eher minimalistisch ausgestattete Küche, hat mich alles in allem gut 1000€ gekostet. So sehr wie ich diese Küche mag, so teuer finde ich sie aber auch. Hätte ich zum Zeitpunkt des Umzuges irgendeine halbwegs brauchbare und annähernd stabile Billigspüle gefunden, hätte ich nicht so viel für eine Küche bezahlt. So gerne und oft koche ich nämlich nicht.  Die meiste Zeit meines Lebens bin ich prima mit nebeneinander stehender Baumarktspüle, Kühlschrank und Herd klar gekommen.

 

Wohnzimmer/Schlafzimmer

Was braucht es wirklich? Was braucht es nicht? Wo gibt es Alternativen? Vieles kann digitalisiert werden oder lässt sich multifunktional nutzen:

Schlafen:

Ein Bettgestell nimmt richtig viel Platz weg. Durch eine geschickte Wahl des Bettes, lässt sich viel Platz sparen, z.B.:

  • Klappbett bzw. Schrankbett: nicht ganz kostengünstig, aber lässt sich hochklappen, sieht dann aus wie ein Schrank und schafft tagsüber jede Menge Platz.
  • Wer mit einer härteren Unterlage gut klar kommt: Ein Futon lässt sich zusammen rollen, nimmt wirklich kaum Platz weg. (siehe: Auf einem Futon schlafen)
  • Wer eine „normale“ Matratze möchte: Selbst ein Lattenrost mit Matratze ist flexibler als ein normales Bettgestell. Beides lässt sich bei Bedarf schnell zur Seite räumen. Auch diese Variante hatte ich jahrelang und kam damit gut klar.
  • Kombilösungen: Das Bett wird zu Couch und umgekehrt. Für handwerkliche Talente eine klasse Möglichkeit: das Siwo-Sofa von van Bo Le Mentzel: http://hartzivmoebel.blogspot.de/p/siwo-sofa.html

 

Bequeme Sitzmöglichkeit:

Muss und soll es ein extra Sofa sein? Gibt es Alternativen?  Dazu einige Beispiele:

  • ein Futon lässt sich auch als Sofa nutzen: Nicht für jede/n das Richtige, aber für mich super bequem. Ich liebe es!

Futon zu eine Art Sofa zusammengefaltet

  • Kombi-Lösung wie das oben bereits erwähnte Siwo-Sofa von van Bo Le Mentzel. Hier wird eine normale Matratze genutzt, die sich bei Bedarf austauschen lässt, somit ist angenehmes Schlafen, aber auch gemütliches Sitzen möglich.
  • Gemütliche Sessel, die ggf. etwas höher sind und sich gleichzeitig auch für das Sitzen am Esstisch nutzen lassen.

 

Weniger Kram = weniger Aufbewahrungsmöbel

Es ist eine einfache Regel: für die Dinge, die ich nicht habe, brauche ich auch kein Regal, keine Schrank und damit auch keinen Platz in der Wohnung. Z.B.:

  • Wieviel Besuch habe ich in der Regel? Muss es wirklich ein Geschirr für 24 Personen sein? Kann ich bei großer Anzahl von Besuchern auch mal was ausleihen?
  • Nippes und Stehrümchen, Bücher in die ich seit Jahren nicht mehr hineingeschaut habe, CD-Sammlungen, die ungehört im Regel verstauben, irgendein Kram aus Kindertagen und vieles mehr: all das nimmt Platz weg. Werden diese Dinge nicht genutzt, verstopfen sie nur unsere Wohnung.
  • Fernseher sind heute riesengroß. Muss das sein? Geht es auch kleiner? Kann ich den Computer nicht einfach mit einem TV-Stick ergänzen? Muss es überhaupt ein Fernseher sein? Vieles lässt sich heute per Livestream im Internet anschauen oder in der Mediathek der einzelnen Sender.
  • Bin ich Musikliebhaber und daher ist es der Platz für die Stereoanlage wert? Oder reicht mir auch der Laptop bzw. Computer, den ich ggf. mit Lautsprecherboxen ergänze?

 

Weitere Anregungen

Wohnzimmer minimalistisch gestalten: https://achtsame-lebenskunst.de/2016/12/26/minimalismus-im-wohnzimmer/

Minimalistisches Schlafzimmer: http://www.schlichtheit.com/minimalistisches-schlafzimmer/

Weitere Anregungen für einfaches Wohnen ohne großen Aufwand und Platz: Im Internet gibt es dazu inzwischen eine ganze Reihe von Anregungen, wie z.B. von der Tinyhouse-Bewegung.Natürlich können und müssen wir nicht alle in ein Tinyhouse ziehen, aber die Ideen, wie auf kleinem Raum Fläche effektiv genutzt werden kann, sind beeindruckend. Ohne Minimalismus geht es hier nämlich nicht. Einige Beispiele hier:

 

 

 

 

 

Auf einem Futon schlafen – Futon statt Bett

Auf einem Futon schlafen: Foto eines weissen Futons auf einem Holzdielenboden

 

Das Futon im minimalistischen Schlafzimmer

„Auf einem Futon zu schlafen, wie ist das eigentlich?“ Diese Frage wird mir häufig gestellt. Bei der Überlegung, wie ein minimalistisches Schlafzimmer gestaltet werden kann, taucht diese Überlegung sehr oft auf. Ich verwende seit längerem ein Futon zum Schlafen und fühle mich sehr wohl damit. Hier nochmal einige ergänzende Informationen und Anmerkungen dazu:

 

Ein Futon ist ein Futon

– keine „Art Isomatte“ (wie es in diesem TV-Interview mit mir genannt wurde). Dauerhaft auf einer Isomatte zu schlafen, wäre selbst mir zu hart. Gerade im asiatischen Raum, aber auch im arabischen Kulturkreis ist ein Futon eine durchaus übliche und „normale“ Art zu schlafen. Inbesondere in Japan sind die Wohnungen oft sehr klein, Futons werden einfach tagsüber zusammen gerollt und der Platz dann zum Wohnen benutzt.

 

Tatami

Ein Tatami, wie es in Japan oft üblich ist und als Unterlage für das Futon genutzt wird, hat lediglich optische Gründe. Es wird in Japan auch als normaler Fußbodenbelag genutzt.

 

Individuelle Lösungen suchen – nicht für jede/n passt alles

Ob ein Futon der ideale Schlafort ist, lässt sich so generell nicht sagen. Für manche Menschen ist es ideal, für andere nicht. Wer es liebt, eher hart zu schlafen, wird mit dem Futon besser zurecht kommen, als jemand, der gerne weich liegt. Für mich war es die ersten beiden Tage etwas ungewohnt, da das übliche Federn der „normalen“ Matratzen fehlt. Mehrere Tage Anpassung, sind durchaus normal. Wer öfter campt und an Luftmatratzen, Feldbetten oder Isomatten gewöhnt ist, hat auch mit einem Futon vermutlich keine Probleme.

 

Die Pflege eines Futons

Die Pflege eines Futons ist wichtig. Es gibt inzwischen auch Futons mit Latex-, Roßhaar- oder sonstigen Kombinationen, dort wird das Futon nahezu wie eine normale Matratze mit Lattenrost und einem Bettgestell genutzt. Will man ein Lattenrost und ein klassisches Futon nutzen, sollte dies engere Abstände haben, als die üblichen Lattenroste, damit sich die Baumwollfüllung nicht im Laufe der Zeit in die Zwischenräume drückt.

Hat man ein klassisches Futon, ist es wichtig, dies regelmäßig zu lüften, aufzurollen und auch zu wenden.  Auch ein gelegentliches Sonnenbad auf dem Balkon soll wegen der desinfizierenden Wirkung gut sein. Ich habe mir angewöhnt, das Futon täglich aufzurollen und regelmäßig zu wenden. Dies wird schnell zur täglichen Gewohnheit, der Aufwand ist aber natürlich schon etwas höher, als beim normalen Bettenmachen. Ich habe mich für einen abnehmbaren Bezug entschieden, so dass sich dieser auch waschen lässt.

Auf einem Futon schlafen: Foto eines aufgerollten Futons

 

 

 

 

 

Futon und Gesundheit

Die gesundheitlichen Aspekte sind ebenfalls sehr unterschiedlich und ich würde hierzu nie allgemeine Aussagen treffen. Daher verzichte ich auch an dieser Stelle auf allgemein gültigen Tipps. Es gibt Menschen mit Rückenproblemen, die davon profitieren und denen es auf Dauer besser geht, für andere Menschen mit den gleichen Rückenproblemen ist es ein Desaster. Ich selbst habe durch meine regelmäßige Achtsamkeitspraxis inzwischen eine recht gute Körperwahrnehmung und bekomme dadurch viel besser mit, was mit gut tut oder nicht. Ich empfehle all denen, die mit Rückenproblemen oder körperlichen Einschränkungen zutun haben, auf jeden Fall zu erhöhter Vorsicht. Im Zweifel lieber auf ein Futon verzichten.

Meine persönliche Motivation und Situation:
Weder bin ich sportlich, noch gehöre ich zu den Menschen, die das haben, was man einen „gesunden Rücken“ nennt. Im Gegenteil. Mein 5. Lendenwirbel ist verschoben bzw. anders geformt. Die Bandscheibe an dieser Stelle hat dadurch bereits gelitten und ist dort schon recht dünn. Aufgrund einiger anderer, weiterer körperlicher Einschränkungen könnte man auf die Idee kommen, ich bräuchte eine orthopädische Spezialmatratze. Dem ist aber nicht so. Auch mit Rücken und Gelenken geht es auf dem Futon deutlich besser, als bei einer normalen Matratze. Ich gehöre außerdem zu den Leuten, die so ziemlich jede Unebenheit, gerade im Liegen spüren. Ich habe mich früher schnell unwohl gefühlt, schlecht geschlafen, ständig neue Matratzen gekauft. D.h., das Schlafen auf dem Futon wirkt zwar sehr minimalistisch, aber der eigentliche Grund ist Komfort: Ich schlafe dort besser, ich fühle mich besser, es geht mir besser.

 

Auf einem Futon schlafen, wenn man älter wird:

Da ich des öfteren auch gefragt werde, wie ich das denn so auf Dauer, gerade im Alter machen will: Das wird die Zeit zeigen. Entscheidend ist, womit ich mich wohl fühle und womit es mir gut geht. Mit jetzt 56 Jahren geht es mit dem Futon noch prima. Die ersten Tage war es durchaus mühsam, von dem Futon ins Stehen zu kommen, heute ist das kein Problem mehr. Übung macht den Meister, auch mit 50+.  Im Zweifelsfall würde ich mir dann eher ein Podest bauen und die Matte darauf legen, als das ich wieder zu klassischem Bett, Lattenrost und üblicher Matratze wechsle.

 

Platzsparend und multifunktional:

Es gibt zusammenfassend keine einheitliche Empfehlung, die ich aussprechen kann, denn ob Futon ja oder nein, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Nicht zu verachten finde ich aber in Zeiten hoher Kosten fürs Wohnen, dass ein Futon recht wenig Platz benötigt. Außerdem kann es durchaus multifunktional benutzt werden. Für mich ist es u.a. auch eine ideale Unterlage für die Sitzmeditation oder auch um dort als eine Art Sofaersatz zu „chillen“, zu lesen und mich einfach zu entspannen. Das ist sicher alles ein wenig unkonventionell. Aber statt einem Futon hätte ich ansonsten: Bett, Zabuton (Unterlage f. Sitzkissen zum Meditieren) und Sofa. Genau an der Stelle ist ein Futon eben doch minimalistisch. Es spart Möbel, Aufwand, Platz und ich fühle mich mit dieser Art des Weniger sehr bereichert.

 

Auf einem Futon schlafen: Foto eines Futons, dass zu eine Art Sofa zusammengefaltet ist.