Einfachheit beim Telefonieren

Eigentlich möchte ich nur eins: Im Bedarfsfall einfach mal telefonieren. Ich gehöre nicht zu den Vieltelefonierern. Ich bin noch mit den Telefonen aufgewachsen, die fest in der Wand installiert waren – gerne im Flur, wo alle mithören und bitte immer erst nach 21 Uhr telefonieren – vorher war‘s zu teuer… da wurden auch die pubertärsten Teenies zu telefonischen Minimalisten, wenn auch ganz unfreiwillig.
Heute ist es grundsätzlich schon praktischer und bequemer: Rundum die Uhr telefonieren können mit Flatrate und speicherbaren Telefonnummern. Eigentlich …

Das Drama fing damit an, dass unsere DSL-Anschluss Zuhause immer langsamer wurde. Anbieter gewechselt, half aber nichts. Dann noch mal Wechsel: Plötzlich ging nichts mehr. Mehrere Anbieter sagten uns: DSL sei in vernünftiger Geschwindigkeit in unserem Haus nicht möglich. Ob wir vielleicht ISDN wollten oder einen Analoganschluss fürs Telefon … Angebote für Buschtrommeln und Brieftauben sind dann aber nicht eingegangen.

Also doch lieber nach Alternativen umgesehen:
Es folgten mobiles Internet und endlose Versuche mit mobilen Festnetznummern: Homezone, Festnetznummer für unterwegs – kaum zu fassen, was es da alles gibt. Ich glaube, wir haben so ziemlich alle Varianten durch. Aber auch dort: immer wieder Einschränkungen, es lief nicht und so nette Erklärungen wie z.B. : „Bei Ihnen sind zu viele Mobilfunkmasten in der Umgebung.“ Aha, so ein Problem gibts auch …?

Ich habe durch meine Schwerhörigkeit bedingt, eine endlos scheinende Menge an Handys ausprobiert, gekauft, verkauft. Netzanbieter gewechselt. Trotzdem: „Hä? Wie bitte?…“ Nachdem ich mit einem Schwerhörigenhandy auch nicht klar kam, bin ich irgendwann bei einem gebrauchten iPhone gelandet. Damit lief es – ausgerechnet mit einem Smartphone, dann auch noch ein iPhone.  Naja, immerhin habe ich ein älteres, gebrauchtes Modell, so dass ich der Nachhaltigkeit zumindestens etwas nachgekommen bin.

Ich wollte dann jetzt aber – so ganz unminimalistisch – die Gelegenheit nutzen und ab und an doch unterwegs kurz ins Internet (Fahrpläne bzw. Verspätungen im ÖPNV checken, Navigation, etc.). Das war allerdings im Laufe der Zeit ziemlich teuer, da mein Anbieter nur große Internetpakete hatte. Soviel benötige ich nicht. Die Kosten waren definitiv zu hoch, kleinere Pakete versprach der Anbieter für irgendwann mal. So lange wollte ich aber auch nicht warten, bis sich meine Kosten wieder in erträglichen Höhen bewegen.

Zuhause stand unterdessen wieder ein normales Festnetztelefon mit Kabelinternet. Lief beides prima – außer, dass ich nicht telefonieren konnte. Ich konnte mit dem Telefon einfach nichts verstehen. Ich überlegte: Schwerhörigentelefon? Telefonverstärker? Hörgerätekompatible Kopfhörer? Aber welcher, wie teuer , was funktioniert?  Und dann wieder kaufen, ausprobieren, verkaufen? – Nein, es nervt!!! Ich will doch einfach nur maaaanchmal telefonieren und ab und an ins Internet.

Wir haben den Weg aus dem telefonischen Irrgarten dann doch noch gefunden:
Irgendwann kam die befreiende Erkenntnis:  Einfach weg mit dem üblichen Festnetznummern, weder klassisch Zuhause, noch mobil. Weder ein Gerät an der Wand im Flur, noch ein Telefon mit 10m-Schnur, auch nicht ein schnurloses Telefon, keine Wählscheibe, keine Tasten, keine Buschtrommel, keine Brieftaube, kein Fräulein vom Amt.
Das iPhone habe ich mit einer Simkarte aus dem Discounter bestückt und ein für mich passendes kleineres Paket gebucht – im Bedarfsfall monatlich kündbar, für mich deutlich günstiger und komfortabler. –  Und was soll ich sagen: Es läuft!

Wer mich unbedingt per Festnetz erreichen will, kann dies übrigens immer noch tun: eine (virtuelle) Festnetznummer aus dem Internet, die ich üblicherweise für Faxversand nutze. Dort läuft nur eine Mailbox. Die Nachricht werden mir per Email zugeschickt. Diese kann ich auch für mich gut verstehbar am Computer abhören und rufe im Bedarfsfall mit dem Smartphone zurück.

Kein Vertrag, kein neuer telefonischer Test-Irrlauf, keine Neukäufe, keine neuen Verkäufe, kein neues Schwerhörigen-Zubehör, keine endlosen neuen PINS, Passwörter, Freischaltcodes. Keine neuen Irrläufe durch‘s Telefonland. Ausgerechnet ein Smartphone mit Mobilnummer macht mir das Leben jetzt einfacher. Und:
Ich habe neulich – so ganz unminimalistisch – fast eine komplette Stunde am Stück telefoniert.  Ohne Rauschen, Knacken, Nuscheln, ohne „Hä“ und „Wie?“ und „Was?“ – Wer hätte es gedacht.

Teile diesen Beitrag

2 Kommentare

  1. Guten Morgen,
    da ich gerade dein Blog von hinten anfange zu lesen, welche virtuelle Festnetznummer/Anbieter kannst du empfehlen bzw. nutzt du?
    Gehst du mit dem Laptop auch ins Internet? Wenn ja, ist das nicht recht kostspielig, da du keine dsl Flat nutzt?

    • Telefonieren ist wirklich ein schwieriges Thema für mich. Zurzeit sieht es so aus: Ich habe überhaupt kein Smartphone mehr und telefoniere mit einem einfachen Schwerhörigenhandy. Dort habe ich eine 2,99€-Mini-Telefon-Flat für endlose Telefonate ins gleiche Netz. Rest zahle ich einzeln, ist nicht mehr so viel. Ich komme auf max. 5-7€ im Monat. Ansonsten gibts ja eine endlose Auswahl,an Prepaid-Flatrates für alle Gelegenheiten. Festnetznummer habe ich keine mehr. Bei Sipgate oder Simquadrat lief es aber gut. Für mich hat es sich nur nicht gelohnt. Ins Internet gehe ich mit dem Laptop über einen Kabelanschluss. In der letzten Wohnung ging nichts anderes und daher habe ich das jetzt auch noch. Bislang läuft das super, sehr schnell und stabiler als DSL, teurer ist es auch nicht. Es ist eine Flatrate, daher kann ich so oft ins Internet, wie ich Lust habe. Dann gibts ja auch so etwas wie Skype. Ich glaube, es ist die Frage der eigenen Telefoniergewohnheiten. Möglichkeiten gibts endlos.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.