Impressionen aus einem Kaufhaus: Konsum-Prozession

Ich hatte versprochen, beim Tragen einiger Teile zu helfen und so war ich gestern im Möbel-Konsumtempel unterwegs. Als ich eine zeitlang einfach nur wartete, beobachtete ich die Menschen, die mit vollgepacktem Einkaufswagen, wie in einer Prozession, an mir vorbei zogen: Strahlende junge Erwachsene, die sich gegenseitig ihre “Beute” zeigten, weinende Kleinkinder, genervte Eltern, angespannt diskutierende Paare.

Erstaunlicherweise befand sich im Einkaufswagen in der Regel gar nicht mal vorrangig Möbelteile („wohnst du schon oder schraubst du noch…“), sondern aller erdenklicher Krims und Krams: Duftkerzen, Untersetzer, Kissen, Spiegel, Plastiklöffel, Bilderrahmen, etc. etc. etc. Ich dachte: oh je, dass ganze Zeugs in die Wohnung schleppen, auspacken, zwischendrin die Kinder beruhigen, Platz für den Krimskrams finden und die ganzen Verpackungen umweltgerecht sortiert, wieder aus der Wohnung heraustragen und entsorgen.

Ein bisschen fühlte ich mich wie auf einem fremden Planeten – heilfroh über die Freiheit, nicht mitmachen zu müssen in diesem Kaufrausch, nicht den Konsumgöttern zu huldigen. Weder musste ich mir mein Gehirn mit Duftkerzen vernebeln lassen, noch Opfergaben am „Kassen-Altar“ darbringen.

Und was soll ich sagen? Es war dann einfach nur schön – mittendrin in dieser wirren, bunten Warenwelt-Prozession: der innere Freiraum des Nicht-Kaufen-müssens und der äußere Freiraum einer nicht vollgestopften Wohnung.

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