Minimalismus als Befreiung von den Fesseln des Konsums

Es tut sich was:

Menschen, die sich mit den Fesseln des Konsums nicht mehr so einfach abfinden wollen. Die, die nicht mehr atemlos den neuesten Produkten und Trends hinterher rennen. Die, die sich nicht mehr einnebeln lassen möchten. Die, die sich abseits vom Konsumgetümmel endlich wieder selbst spüren möchten: Welche Bedürfnisse habe ich eigentlich wirklich? Was möchte ich in meinem Leben anders haben? Mehr Beziehungen pflegen, weniger Arbeiten, Stress reduzieren, der haarsträubenden und die Zukunft gefährdenden Verschwendung Einhalt gebieten. Gründe gibt es viele, ebenso, wie es viele und z.T. sehr bunte und kreative Wege gibt, sich von diesen Fesseln zu befreien.

Da gibt es diejenigen, die ihr persönliches Umfeld minimalisieren und so neue Freiräume genießen. Oder es werden Repair-Cafés gegründet, Tauschbörsen durchforstet, Give-Boxen aufgestellt. Es wird verschenkt, verkauft, umgestaltet, große Bögen um die Einkaufscenter gemacht, diverse Challenges veranstaltet, sich über das Internet vernetzt, Treffen organisiert, diskutiert, Meinungen ausgetauscht, neue persönliche oder gesellschaftliche Lebensentwürfe erstellt.

Mich erstaunt es immer wieder, wieviel Bewegung, Intensität, Energie, Motivation, Suchen, Sich-Neu-Orientieren, Kreativität und Gemeinschaftssinn spürbar wird. Und ich hoffe, diese positive Energie weitet sich immer weiter aus, in all ihrer bunten Vielfältigkeit. Denn eine gemeinsame Richtung lassen diese unterschiedlichen Strömungen erkennen: der Wunsch nach Veränderung, der Wunsch, sich aus den Fessel des Konsums, der Fremdbestimmung und gefährdenden Verschwendung zu befreien.

Auch aus beruflicher Sicht freue ich mich darüber. Denn nach den vielen Jahren, die ich jetzt im Sozialbereich beruflich tätig bin, erlebe ich eins immer wieder: Wie dramatisch es ist, wenn Menschen, die mit z.T. sehr wenig Geld auskommen müssen, in endlos viele Probleme geraten, weil sie zumindestens ansatzweise auch mal mithalten wollen. Also letztlich einfach dazu gehören wollen – auch mal das neue Handy, den neuen Fernseher, die Playstation, usw., so wie die anderen auch. Sehe ich mir die Lebensgeschichten an, ist das sogar nachvollziehbar, aber hochdramatisch, wenn das Geld erstmal normalerweise für die nötigste Existenzsicherung reichen muss und für all diese neuen Dinge eigentlich kein Geld da ist.

Dass es jetzt immer mehr Menschen gibt, die diese Jagd nach den neuesten Konsumprodukten und vermeintlichem Zugehörigkeitsgefühl hinterfragen und nicht mehr einfach mitmachen, ist einfach wunderbar. Denn es zeigt: es geht auch anders, nachhaltiger, einfacher, genügsamer, kreativer, lebendiger, entspannter, fröhlicher. Ich freue mich für jede/n Einzelnen von Ihnen und Euch und wünsche mir, dass es immer mehr werden.

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