Meine Erfahrungen mit Achtsamkeit und Meditation

Meine erste Begegnung mit Meditation

Die erste Begegnung mit Meditation war für mich in direktem Anschluss an eine anstrengende und arbeitsintensive berufliche Phase. Daher war das Meditieren zu Beginn für mich wie ein endloser Luxus: keine abzuarbeitenden Papierstapel, kein Telefon, keine Emails, keine ToDo-Listen, keine Geräuschkulisse, keine Gespräche, kein Putzen, Spülen oder sonstwas, sondern: einfach da sitzen und den Atem beobachten.

Meine ersten Meditationserlebnisse

Sehr schnell viel mir dann aber auf, dass mit der äußeren Ruhe, der „innere Lärm“ zum Vorschein kam: statt mich auf den Atem zu konzentrieren, gingen mir tausende Dinge, Gedanken, Erinnerungen durch den Sinn. Dann in der Meditation immer wieder zurück kommen zur Atembeobachtung, wieder abschweifen, wieder zurück zum Atem und so fort. Mal so eben nichts weiter zu tun, als den Atemfluß zu beobachten, das war wirklich nicht so einfach. Wo war die Entspannung, das Abschalten?  Was sollte denn das für einen Sinn haben???

Nach einigen Meditationssitzungen fiel mir dann auf, dass mir meditieren erstaunlicherweise trotzdem gut tat. Ich fühlte mich danach wohler, obwohl ich gedanklich ständig abwanderte, zum Atem zurück kehrte, wieder abwanderte, wieder zurück kehrte. Ich verstand, dass es nicht darum ging „richtig“ zu meditieren, schon gar nicht „perfekt“, sondern genau dieses immer wieder zum Atem zurück kehren, dazu führte, dass ich mich nicht in irgendwelchen Gedanken, Gefühlen, Erinnerungen festhakte, sondern dies alles kommen und auch wieder gehen lassen konnte. Dadurch nahm ich mein Denken, Fühlen, körperliche Befindlichkeiten sehr viel genauer und differenzierter wahr, da ich es mit größerem inneren Abstand wahrnehmen konnte. Im Laufe der Zeit wurde dies für mich zu einer Art inneren Bestandsaufnahme von eigenen Denkmustern, emotionalen Reaktionen, körperlichen Befindlichkeiten.

Inneres Entrümpeln

Mir kommen Begriffe wie Inspektion, Entrümpeln, Minimalisieren, Navigieren in den Sinn – nur: dieses Mal gehts es erstmal nicht unmittelbar um Autos, Möbel oder überfüllte Kleiderschränke, sondern um mich selbst. Einen überfüllten Kleiderschrank entrümpele ich nicht, indem ich Kleidung wahllos herausgreife und in die Altkleidersammlung gebe. Ich schaue mir erstmal alles genau an, wähle aus, entscheide, was ich behalten will und was nicht.

Nicht viel anders ergeht es mir mit Achtsamkeit. Indem ich nicht gleich reagiere, gelingt es deutlich besser, mich nicht in Gedanken, Gefühlen oder Aktionen zu verstricken, sondern erstmal Abstand gewinnen und aus diesem Abstand heraus, deutlich gelassener, klarer und bewusster zu entscheiden und zu handeln. Gleichzeitig sind mir dabei auch viele Denk- und Verhaltensmuster deutlich geworden, die ich dadurch besser hinterfragen und auch verändern kann. In dem Bild vom Kleiderschrank ausgedrückt: Ist dieser entrümpelt, aufgeräumt, durchsortiert, minimalisiert, fühlt es sich so richtig gut an. Es erleichtert mir dies das Leben, ich kann mich leichter entscheiden und mich auf andere, schönere Dinge konzentrieren. Und so wie Kleiderschrank entrümpeln erstmal einen gewissen Arbeitsaufwand erfordert, so geht es mir mit Achtsamkeit auch. Achtsamkeit ist ein aktiver Prozess, sozusagen ein aktiver Prozess des Nicht-Tuns. Dieser hat aber so rein gar nichts mit Tagträumen, Wellness oder Langeweile zutun – obwohl all dies (und noch mehr!) durchaus auftauchen kann.

3 Kommentare

  1. Hallo. Heute Nacht konnt ich nicht schlafen, da hab ich mich durchs Internet gelesen bis es alle war 😉 und dabei bin ich auf deinen Blog gestoßen. Tönt interessant, vor allem die Themen Achtsamkeit und den Fokus aufs Innere zu lenken. Freu mich, deine Artikel zu lesen. LG Julia ✨

    • Hallo Julia, für mich hat Achtsamkeit sehr viel mit Selbstbestimmung zu tun. Es freut mich, wenn du mit meinen Blogbeiträgen etwas anfangen kannst. Das Internet alle lesen ist wirklich ein wunderschöner Begriff. Ich wünsche dir geruhsame Nächte.

  2. Hallo, Gabi,
    Ich glaube jedem ergeht es wie dir, wenn er mit dem Meditieren anfängt und selbst nach jahrelanger Praxis wander auch ich immer wieder in meiner Meditation ab. Die Übungen der Achtsamkeit helfen uns, dieses abwandern bewusst wahr zu nehmen und uns wieder auf die Übung zu konzentrieren.

    Osho schreibt dazu….
    „Dies ist eine sehr unvernünftige, beinahe verrückte Welt, in der du lebst. Wenn du es schaffst, einfach zu meditieren, hast du mehr gemacht, als man vom modernen Menschen erwarten kann
    Meditation führt langsam zur Erleuchtung. Eines Tages fragst du dich plötzlich: ‚Wo ist die Dunkelheit geblieben? Wo ist der ständige Gedankenstrom geblieben? Wo sind meine Ansichten geblieben?‘ Plötzlich bist du wie ein hohler Bambus, aber du bist nicht leer – du bist voller Freude und voller Jubel. Du möchtest ohne jeden Grund tanzen, du möchtest ohne jeden Grund singen. Lieder, die du nie komponiert hast, Tänze, die du nie gelernt hast. Sie tauchen einfach in deinem Bewusstsein auf.
    Das ist Erleuchtung, aber mach sie nicht zu deinem Ziel. Es reicht aus zu meditieren, alles andere kommt von selbst.“
    Osho, The Great Pilgrimage

    Achtsamkeit bedeutet für mich auch, meine Aufmerksamkeit auf den Moment zwischen zwei Gedanken zu richten, auf die totale Stille, auch wenn Sie nur Sekunden weilt. Dort hole ich Energie und Glückseligkeit raus.

    Liebe Grüße
    Frank

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