Achtsamkeit – vom Umgang mit schwierigen Gefühlen

Wer kennt das nicht: Manchmal spielen die Gefühle „Achterbahn“. Sei es ein Streit in der Familie, mit Freunden oder Nachbarn, der nervende Kollege, der Ärger über die angeordneten Überstunden, die Angst und Sorge um ein Familienmitglied, Sorge um die Zukunft, Trauer über einen gestorbenen Menschen oder auch längst zurück liegende Ereignisse. Gerade in der Meditation können solche Gefühle deutlicher werden, da diese dann nicht durch Geschäftigkeit, Ablenkung, „Frust-Essen“ weggeschoben werden können.

 

Vom Umgang mit intensiveren Gefühlen

Wenn ich diese nicht verdränge, nicht wegschiebe, aber mich auch nicht darin verstricken will, was dann? Dazu zunächst einen Text von Marie Mannschatz, den ich dazu sehr hilfreich und passend finde. Außerdem in einem zweiten Schritt noch ergänzende praktische Tipps von mir.

 

„Gefühle erkennen und benennen:

… Wenn Sie .. bemerken, dass ein starkes Gefühl Ihre Aufmerksamkeit vom Atem weglenkt, dann stellen Sie den Atem zur Seite und wenden Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit dem Gefühl zu.
Wo ist das Gefühl im Körper spürbar? Welchen Raum nimmt es ein? Hat es ein Zentrum, ein Volumen? Eine Abgrenzung? Spüren Sie die Wut im Rumpeln der Gedärme oder durch Herzstiche? Was passiert in Ihrem Körper, wenn Sie in Gedanken schimpfen? Was passiert, wenn Sie dem Nebel vor den Augen Ihre ganze Aufmerksamkeit schenken?
Können Sie erkennen, ob die Emotionen von einem bestimmten Ort im Körper aufsteigen, ob es eine Quelle, eine Wurzel der Emotionen gibt? …
Versuchen Sie, alle Gefühle in der Meditation anzunehmen, wie sie sind. Wenn Sie einen Namen für das Gefühl finden, benennen Sie es leise innerlich: ‚Ärger-Ärger‘ oder ‚bitter-bitter‘ oder ‚glücklich-glücklich‘ etc. Wenn Ihnen jedoch kein Begriff dazu einfällt, suchen Sie nicht danach, sondern spüren Sie hauptsächlich die Vorgänge im Körper. Gefühle sind stets eine Mischung aus körperlichen und geistigen Prozessen. Was passiert gleichzeitig im Geist, wenn Sie einen Schweißausbruch vor Unsicherheit bekommen? Welche Gedanken, Bilder, Pläne, Erinnerungen gehören zu Eifersucht, Neid, Hoffnung, Rachsucht? …
aus: Marie Mannschatz, Meditation – Mehr Klarheit und innere Ruhe, Gräfe und Unzer Verlag, S.64

 

Tipps über die formalen Achtsamkeitsübungen hinaus:

  • Über den Körper der Psyche helfen:
    • Ein Tipp dazu sind die Übungen von Dr. Croos-Müller. Sie hat die Methode Body2Brain entwickelt und dazu auch einige wunderbare, leicht lesbare und herrlich bebilderte kleine Bücher  geschrieben. Sehr einfache und im Alltag gut anzuwendende Soforthilfe-Übungen. Hier sind Infos und Literaturhinweise: http://www.croos-mueller.de/18301.html
  • Bewegen an frischer Luft: Ein Spaziergang, eine Fahrradtour können manchmal Wunder wirken. Genießen Sie die frische Luft, den Wind, die Bewegung – oder auch das Auspowern, wenn Ihnen danach ist. Und danach vielleicht eine herrlich warme Dusche, ein heißer Tee oder Kaffee – werden Sie auch in diesem Bereich achtsam-kreativ mit allem, was Ihnen gut tut.
  • Es gibt nichts, mit dem Sie zwingend alleine fertig werden müssen. Sprechen Sie mit Vertrauten über Ihre Befindlichkeit. Scheuen Sie sich auch nicht, sich ggf. darüber hinaus fachliche Hilfe und Unterstützung zu suchen.

 

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