Kein K(r)ampf mit der Sitzmeditation

Nichts geht – wie machen das die anderen eigentlich nur?

Es gab immer wieder Zeiten, in denen ich andere Meditierende nahezu bewundert habe. Gefühlte ewig und drei Tage ruhig und aufrecht sitzend im Schneidersitz, Lotussitz auf irgendwelchen niedrigen Kissen. Wahnsinn. Ging bei mir überhaupt nicht. Insbesondere in Phasen, in denen ich mich gestresst fühlte, ohnehin „unter Dampf“ stand, hatte ich oft das Gefühl, mir bricht der Rücken durch, so verspannt war ich manchmal. In diese Verspannung reinatmen, freundlich sich selbst gegenüber – ja das hat dann manchmal ein bisschen geholfen, aber auch nicht immer und eigentlich auch nicht so wirklich. Lange Zeit ging das so – und in mir der Wunsch:

 

Ich möchte das auch mal so gut hinbekommen.

Neid, Ärger, Ehrgeiz – all das kam und ging. Irgendwann bemerkte ich, ich steckte regelrecht fest. Immer wieder die gleichen Reaktionen, Verspannungen, egal was ich machte.

 

Was tun? Ansprüche runter schrauben!

Irgendwann konnte ich mich dann endlich dazu entschließen, mal meine starre Vorstellung von dem, wie „man“ richtig sitzt bei der Meditation und insbesondere meine Ansprüche an mich runter zu schrauben. Und so habe ich es irgendwann dann einfach mal anders versucht und mich entweder hingelegt oder Sitz- und Gehmeditation in kürzeren Abständen miteinander abgewechselt.

 

Achtsamkeit und Fürsorglichkeit für mich selbst

Inzwischen spüre ich schon bevor ich überhaupt meditiere, ob und was dran ist. Und wenn ich bemerke, dass die Gefahr droht, dass ich vor lauter Sitzmeditations-Stress und überhöhten Ansprüche an mich selbst, in irgendeinen Meditationskrampf komme oder auch einfach nur einen sehr anstrengenden Tag hatte, dann kann ich inzwischen (nach gefühlt endlosem Üben) auch meinen falschen Ehrgeiz loslassen und meditiere halt mal nicht im Sitzen. Ich finde mich dabei in wunderbarer Weise durch die Aussagen von Bob Stahl und Elisha Goldstein bestätigt:

 

„Auf vielen Bildern von meditierenden Menschen sitzen sie in Furcht einflößenden Haltungen mit geschlossenen Augen, was die Übung für Anfänger unzugänglich oder fremd erscheinen lassen kann. Wir möchten jetzt klarstellen, dass keine Notwendigkeit besteht, bestimmte oder ungewöhnliche Körperhaltungen einzunehmen, wenn Sie meditieren. Die einzige Anleitung lautet, dass Sie eine Haltung einnehmen sollten, in der Sie wach und aufmerksam auf Ihre Übung sein können. Bei Achtsamkeit geht es nicht darum, eine bestimmte Sitzhaltung oder auch nur einen bestimmten inneren Zustand einzunehmen. Es geht darum, zu dem gegenwärtigen Moment aufzuwachen, gleich in welcher Haltung Sie sich befinden – körperlich oder innerlich.“
(Quelle: Bob Stahl & Elisha Goldstein, Stressbewältigung durch Achtsamkeit, Das MBSR-Praxisbuch, Arbor-Verlag, S.46)

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