Lebensstil vereinfachen – Loslassen von Zeit

Zeitfresser loslassen

Meinen Lebensstil vereinfachen bedeutet für mich, dass ich nicht nur auf die Dinge im Sinne von Gegenständen verzichte, sondern einmal die ganzen „Zeitfresserchen“ unter die Lupe nehmen. Solche Zeitfresserchen können z.B. die digitalen Errungenschaften wie Smartphone, Computer, Internet sein, aber auch das Fernsehen, manchmal sogar ein Hobby, welches vielleicht ausgeufert ist. Aber auch die viele Termine, Verabredungen, Pläne, also die ganze Geschäftigkeiten des Lebens, sowie meine Vorstellungen davon, wie ich die Zeit nutzen möchte, loszulassen.

 

Nichts verpassen – in Hochgeschwindigkeit und Aktionismus durch den Tag

Es gab Zeiten, wo mir dies überhaupt nicht gelang. Ich hatte Sorge, bei all der zeitaufwändigen beruflichen Tätigkeit, mein eigenes Leben zu verpassen. Also habe ich versucht, die Zeit gut zu nutzen: Die Zugfahrt, die Wartezeit an der Haltestelle – lesen, im Internet surfen, Musik hören. Damit es Zuhause möglichst schön ist, dann auch eben schnell putzen, aufräumen, rödeln. Ach ja, das Musikhobby: Mal wieder singen, Klavier spielen und fast unbemerkt, mir den nächsten Stress aufhalsen: das will ich dann jetzt auch noch gut können….  Trotzdem war da so ein nagendes Gefühl von Unzufriedenheit, welches aber nur kurzfristig verschwand, als ich ablenkte: Ob ich vielleicht doch dieses oder jenes besseres digitales Teil für das Internetsurfen unterwegs benötige oder neue Musikstücke runterladen oder welche neuen Bücher ich lesen will. Solche Überlegungen brauchen dann ja auch wieder Zeit.

 

Unzufriedenheit und Ablenkung entrümpeln und loslassen

Meine Unzufriedenheit wurde durch diese Ablenkungen nicht weniger, die eigene innere Unruhe und der erlebte Stress dafür aber immer größer. Erst als ich neben der Arbeitszeitreduzierung auch mal meine ganzen Ansprüche an Freizeit, Hobbys, Beschäftigungen überprüft, reduziert und gründlicher entrümpelt hatte, konnte ich in vielen kleinen Schritten innerlich loslassen und den Augenblick einfach mal nur genießen.

 

Lebensstil vereinfachen – inneren Raum schaffen

Meinen Lebensstil zu vereinfachen bedeutet heute für mich, nicht nur auf vollgestopfte Räume meiner Wohnung zu verzichte. Es bedeutet für mich auch, inneren Raum zu schaffen, indem ich meine Ansprüche, Aktivismus, Perfektionismus, Erlebnishunger und weiß ich was alles einfach mal sein lasse und einfach nur da bin: Nicht gleich agieren, planen, tun, sondern den Augenblick wahrnehmen – auch das  was um mich herum und in mir los ist. Und all dies dann wieder loslassen, an mir vorbei ziehen lassen. Oft bin ich dann erleichtert, weil ich das Gefühl habe, die Welt dreht sich wieder langsamer und ich kann aufatmen, durchatmen.

 

Jon Karat Zinn: Kleine Vereinfachungen können große Wirkung haben:

„Schon kleine Vereinfachungen in unserem Lebensstil können große Wirkung haben. Wenn man seine ganze Zeit mit Tun anfüllt, bleibt natürlich nichts von ihr übrig, und vermutlich weiß man nicht einmal, warum das so ist. Das  Leben zu vereinfachen bedeutet, Prioritäten zu setzen, sich zu überlegen, was man tun muss, was man tun möchte, und auf gewisse Dinge bewusst zu verzichten.  .…. Dazu kann gehören, zu Hause nicht die ganze Zeit den Fernseher oder das Radio laufen zu lassen. Sie müssen wahrscheinlich nicht alle Wege mit dem Auto erledigen. Es ist vielleicht auch nicht nötig, so oft das Handy einzusetzen. Und möglicherweise brauchen Sie auch gar nicht so viel Geld. Wenn Sie anfangen, über Möglichkeiten nachzudenken, sich das Leben zu vereinfachen, kommen Sie wahrscheinlich auch immer mehr dahin, sich Ihre Zeit wirklich zu eigen zu machen, das heißt ganz in Besitz zu nehmen, was Ihnen ohnehin gehört, um es mit Leben zu erfüllen, jeden Ihrer Augenblicke. Sie haben nicht unendlich viele davon.
….
Echtes Wohlbefinden, Ausgeglichenheit und innerer Friede existieren außerhalb der Zeit. Wenn Sie sich dazu entschließen, täglich eine gewisse Zeit damit zu verbringen, innerlich still zu werden, und seien es nur zwei, fünf oder zehn Minuten, treten Sie in diesem Moment aus dem Fluss der Zeit heraus. Die Erfahrung von Gelassenheit, Entspannung und Zentriertheit, die aus dem bewussten Loslassen der Zeit entsteht, verwandelt das Erleben der Zeit. Es wird möglich, mit dem Strom der Zeit durch den Tag zu gehen, anstatt gegen ihn anzukämpfen, sich von ihm getragen statt getrieben zu fühlen, einfach dadurch, dass man dem gegenwärtigen Augenblick bewusst begegnet.“
(Quelle: Jon Kabat-Zinn, Gesund durch Meditation, E-Book, Teil IV, Kapitel 26: Zeit und Zeitstress)

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1 Kommentare

  1. Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie bei den meisten nach dem ‚Ausmisten‘ materieller Dinge ‚das Andere‘ kommt, dasÜberdenken überzogener Ansprüche an sich selbst, über die Angst, etwas zu verpassen. Da ist ein weites Feld zu beackern.
    Liebe Grüße, Ingrid

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