Achtsamkeit beim Essen

Lecker, aber ungesund … aber welche Ernährung ist denn gesund?

Wer von uns kennt das nicht: Mal beim Warten auf den Bus eine kleine Süßigkeit, die Kollegin hat Geburtstag und bringt Kuchen, die Pizza beim Italiener war größer als geplant. Aber auch: Endlich ernähre ich mich besser und dann: Unverständnis von Mitmenschen für die eigene Ernährungsform. Ich selbst habe immer mal wieder Phasen, in denen Allergien und Unverträglichkeiten stärker werden, kann mich auch noch gut an Essen als Stressausgleich erinnern. Und Theorien, wie eine gesunde Ernährung auszusehen hat, gibt es wie Sand am Meer. Was passt denn da zu mir und wie finde ich das heraus?

 

Achtsames Essen als Weg

Eine Antwort darauf – ganz ohne jede Dogmatik, Philosophie oder Ernährungsvorschrift habe ich im achtsamen Essen gefunden. Nachfolgend dazu einige Gedanken von Jon Kabat-Zinn zu Achtsamkeit biem Essen.. Am Ende dieses Textes dann noch ein Download der sog. „Rosinenübung“. Darin geht es darum, eine Rosine achtsam zu essen. Diese Übung finde ich sehr gut geeignet, um durch achtsames Essen, einen ganz eigenen Zugang zum Essen, zur Ernährung, zum eigenen Körpergefühl zu finden.

 

Jon Kabat-Zinn schreibt unter der Überschrift: Stressfaktor Ernährung:

„Anstatt auf das eigene Körpererleben zu achten, gut mit uns selbst umzugehen und uns so zu akzeptieren, wie wir sind, neigen wir dazu, uns selbst abzulehnen, wenn unser Körper nicht die herrschenden Normen erfüllt. Animiert vom Ideal ewiger Jugend und Schönheit, haben wir uns von der Realität des Körpers entfremdet und zu einer Gesellschaft entwickelt, in der gescheiterte Diäten und kalorienreduzierte Limonaden die üblichen Begleiterscheinungen der Suche nach dem »perfekten Körper« sind. Sehr sinnvoll ist dieser ganze Körper- und Diätenkult nicht. Warum trinken wir nicht einfach Wasser statt Diätlimonade? Warum folgen wir ausgeklügelten Programmen zur Gewichtsreduzierung, um anschließend in uns hineinzuschlingen, was wir uns zuvor versagt haben? Vielleicht ist es an der Zeit zu erkennen, dass wir unsere Energien in falsche Kanäle leiten. Anstatt uns um wahres Wohlbefinden, wirkliche Heilung und echtes Glück zu bemühen, sind wir übermäßig mit unserem Gewicht und unserem äußeren Erscheinungsbild beschäftigt. Wir täten aber sehr viel mehr für unsere Gesundheit, wenn wir, anstatt auf der neurotischen Jagd nach einem Phantom unsere Energie zu verschwenden, uns gewissen Grundfragen zuwenden würden, wie derjenigen, was gerade jetzt in unserem Geist vorgeht, während wir auch schon als Reaktion darauf nach etwas Essbarem greifen. Das Gefühl des Heißhungers oder das impulsive Verlangen nach etwas ganz Bestimmtem würde uns auf diese Weise bewusst, und wir könnten die auslösenden Stimmungen, Gefühle und Gedanken wahrnehmen und weiterziehen lassen, bevor wir uns automatisch etwas in den Mund stecken. Die Veränderung beginnt damit, einen inneren Prozess in Gang zu setzen, bei dem Sie versuchen, während des ganzen Tages (oder sooft Sie es eben schaffen) im Körper zu sein, sich in ihm zu spüren und im liebevollen und akzeptierenden Kontakt mit sich selbst zu bleiben. In Bezug auf das Essen bedeutet das konkret, der Entscheidung, etwas zu essen, in jedem Augenblick innerlich beizuwohnen. Es bedeutet, bei jedem Bissen mit allen Sinnen dabei zu sein und wirklich zu sehen, zu empfinden, zu schmecken und zu riechen, was Sie da verspeisen. Und es bedeutet, genau in sich hineinzuspüren, wie Sie sich vor, während und nach einer Mahlzeit fühlen. Beim achtsamen Essen geht es nicht um das starre Einhalten von Regeln, sondern um das sensible Gespür für eine natürliche Balance. Je mehr es Ihnen gelingt, bei der Erfahrung dieses Prozesses selbst zu bleiben und dabei alle hochkommenden Gefühle zu akzeptieren, auch die unangenehmen, umso klarer werden Ihnen Ihr Geist und Ihr Körper signalisieren, was Sie über Ihr Verhältnis zum Essen wissen müssen. Eine gesündere Ernährungsweise ist dann das natürliche Ergebnis einer in diesem Prozess neu gewonnenen Präsenz, Sensibilität und Stabilität.“

(Quelle: Jon Kabat-Zinn, Gesund durch Meditation, OW-Barth-Verlag, E-Book, Kapitel: Stressfaktor Ernährung)

 

Die Rosinenübung des MBSR:

Selbstverständlich kann man auch etwas anderes als eine Rosine für diese Übung benutzen. Für Kinder können das durchaus auch mal Gummibärchen sein 😉

Download Rosinenübung Audio – MP3
Download Rosinenübung Text – PDF

 

Die Links zum Download dieser Dateien sind auch in meinen Praxistipps zu finden. Dort befinden sich auch weitere Achtsamkeitsübungen.

4 Kommentare

  1. Hallo Gabi,
    ich habe gerade Deinen Artikel gelesen und dann gegessen.

    Gesehen
    schöne gelbe Kartoffeln-Kartoffelpüree, goldgelbe Schmelzzwiebeln in Butter und Öl geschmort
    Empfindung
    wärme, weichheit,
    Geschmack
    würzig, einfach lecker
    Geruch
    angenehm

    Herzliche Grüße
    Hope

  2. Ja, die liebe Achtsamkeit beim Essen – ein schwieriges Thema!

    Je höher der Stresslevel ist, desto schwieriger wird es, im Gleichgewicht zu bleiben.
    Kennst Du das Buch von Achim Peters, „Das egoistische Gehirn“ http://www.achim-peters.de/ ?

    Herzliche Grüße
    M21

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