Selbstfürsorge – Metta beim Yoga

Achtsames Yoga – das ist ein Bestandteil im MBSR, der achtsamkeitsbasierten Stressreduzierung. Das ein oder andere Mal hatte ich es ja schon erwähnt: Bewegung, genauer: Sport – das war immer schon ein schwieriges Kapitel für mich. (Siehe z.B. hier: http://www.achtsame-lebenskunst.de/achtsamkeit-koerperbeeintraechtigung/ oder hier http://www.achtsame-lebenskunst.de/achtsamkeitstag/ ).

 

Wie erlebt nun jemand wie ich, mit einigen motorischen Schwächen, achtsames Yoga und worin unterscheidet es sich von anderen Bewegungsübungen, die ich in der Vergangenheit gemacht habe?

 

Die Ausgangssituation: Körperliche Einschränkungen und „mithalten wollen“

Es begann damit, dass ich mit den Anleitungen schlichtweg nicht mit kam. Beim Üben in einer Gruppe geht es ja noch. Da war ich halt blöderweise nur fast immer die, die es am schlechtesten hin bekam. Wenn ich die gehörten Anleitungen nicht verstand, habe ich einfach zugeschaut, was die anderen gemacht haben und das dann auch probiert. Irgendwie wollte ich dann „normal“ erscheinen und nicht auffallen. Dabei sein wollen war wichtiger, als das, was persönlich für mich ging oder eben auch nicht.

Beim Üben Zuhause hatte ich eine Audio-CD plus einige Bilder. Aber Bilder bewegen sich nicht, daher geriet ich in eine einzige Folge von Stressreaktion, Anspannung, Anstrengung – Was hat sie gesagt? Wie geht das? Stimmt das jetzt, was ich hier mache? Beim Yoga im Stehen fand ich insbesondere das vergleichsweise lange Stehen am Anfang sehr mühsam. Warum dauerte das so lange? Da war nichts von „Stehen wie ein Berg“ zu spüren. Die Beine schmerzten, ich war unruhig, angestrengt. Das eine ausgeprägte Fußfehlstellung u.a. Ursache dafür ist, war mir anfangs nicht bewusst. Ich versuchte das, was ich immer gemacht habe: Irgendwie mitkommen, mitmachen, auch mal ein bisschen sportlich sein wollen…

 

Was ändern – und wie?

Mit der Idee der MBSR-Lehrerin, einfach jeweils eine Woche lang nur EINE Übung zu machen und dann in der nächsten Woche eine zweite dazu zu fügen, ging es schon mal deutlich besser. Aber der Stress mit dem langen Stehen blieb. Es folgte ein langes auf und ab, achtsames Yoga üben, vergessen, verdrängen, bewusst nicht machen und weg lassen, dann doch wieder probieren.

 

Yoga und Selbstfürsorge – Metta-für-mich

Ergänzt durch Gehmeditation wurde mir dann allmählich bewusst, wieviel Unsicherheit ich noch heute beim Gehen habe. Ich habe ganze vier Jahre gebraucht, um den Druck, den ich mir immer gemacht habe, „normale“ Bewegungen durchführen zu können, einfach mal schrittweise los zu lassen und nur im Rahmen MEINER Bewegungsmöglichkeiten achtsam zu sein. In einer Gruppenstunde in der letzten Woche gelang es mir dann erstmals, wirklich achtsam und gleichzeitig mit der nötigen Selbstfürsorge in der Bewegung zu sein: Wenn ich bemerkte, dass das Stehen zuviel wurde: hinsetzen. Wenn beim Vierfüßer-Stand die Handgelenke stark schmerzten, auch diese Übung einfach mal beenden, wenn es nicht mehr geht. Das war’s! Weniger ist mehr – auch im achtsamen Yoga des MBSR. Endlich ohne den Stress irgendwie mithalten zu wollen, spürte ich mich, meinen Körper, meine Bewegungsabläufe sehr viel deutlicher. Bewegung auch mal genießen, in dem Maß und Tempo, wie es mir möglich ist. Behutsamkeit und Selbstfürsorge – auch und gerade in der Bewegung. Es endlich mal egal sein lassen, was andere sagen, denken, für richtig halten, sondern das eigene Maß, das eigene Tempo in einer – wie ich es nenne – Metta-für-mich-Yoga-Achtsamkeit“.

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