Licht durch finsterste Nacht tragen – Metta-Meditation

Es gibt Zeiten, die sind so voll von Trauer und Schmerz, dass es schwierig und manchmal auch unpassend ist, überhaupt noch etwas zu sagen. Manchmal ist es gut, einfach mitfühlend da zu sein – mit anderen Menschen, aber auch mit sich selbst. In den letzten Jahren hat mir insbesondere die Metta-Meditation (oder: Meditation der liebenden Güte) als treue Begleiterin durch viele schwierige oder belastende Zeiten geholfen.

Nachfolgend einige Erläuterungen von Jack Kornfield zur Metta-Meditation. Am Ende des Textes ist für Interessierte noch ein Downloadlink zu einer PDF-Datei mit einer Anleitung für eine Metta-Meditation.

 

„Wir und alle, auf die wir treffen, haben in dem einen oder anderen Maße Anteil an dem Schmerz, der auf der Erde vorhanden ist. Wir sind aufgefordert, diesen Schmerz in uns selbst und anderen mit Mitgefühl wahrzunehmen. Aber wie gelingt uns das, wenn wir uns in einer Lebensphase befinden, in der wir scheinbar den Kontakt zur Kraft unseres Mitgefühls verloren haben, wenn wir uns abgeschottet haben vom eigenen Leiden und von dem anderer? Wir müssen damit anfangen, die Tränen um uns selbst zu spüren, bevor wir um andere weinen können. Diese Tränen sind in Wahrheit ein großes Geschenk. Sie sind dasselbe Wasser, das in jedem Frühling neues Leben aus der trockenen Erde wachsen lässt.

Bei den Lakota gilt Kummer als große Gabe, weil sie glauben, die Götter seien uns am nächsten, wenn wir leiden. Hat ein Lakota einen großen Verlust erlitten und trauert, so bezeichnet man ihn als »wacan«, als hochheilig. Seine Gebete gelten nun als besonders kraftvoll, weshalb andere ihn oft bitten, für sie zu beten.

Wenn du Verlust, Enttäuschung, Verletzung und Konflikt erlebst,

ruf ein Gefühl deiner eigenen Würde in dir wach.

Setz dich auf,

steh aufrecht da.

Bring dir selbst Achtung, Geduld und Mitgefühl entgegen.

Tust du das, so wirst du mit allem fertigwerden.

…Manchmal ist es freilich schwer, Mitgefühl für uns und andere zu haben, aber selbst wenn wir während einer schweren Leidensphase den Kontakt dazu verlieren, so ist Mitgefühl doch ein essentieller Bestandteil unserer wahren Natur. Gerade dieses Mitgefühl für uns und unsere Liebe zu uns selbst verleihen uns Kraft, das Licht durch die finsterste Nacht zu tragen. Und wenn Sie als erstes Mitgefühl für sich selbst praktizieren, dann werden Sie dadurch nicht nur eine Möglichkeit finden, Ihre Kämpfe und Ihren Kummer im Herzen zu bewahren, sondern auch lernen, eine Verbindung zum Leiden und zum Kummer aller Menschen zu finden, von denen Sie umgeben sind. Du bist mehr als dieser Schmerz. Erinnere dich daran, wer du wirklich bist. Dieses Mitgefühl für uns selbst hilft uns allen, zu überleben.“
Jack Kornfield, Das innere Licht entdecken. Meditation in schwierigen Zeiten, Kösel-Verlag, E-Book, Kapitel 3 – Geteiltes Mitgefühl

Eine kostenlose Anleitung für eine Metta-Meditation: Download Anleitung Metta-Meditation – PDF-Datei

2 Gedanken zu „Licht durch finsterste Nacht tragen – Metta-Meditation“

  1. Liebe Gabi,

    es hat lange gedauert bis ich wieder Muße erleben konnte. Genau jetzt, in den letzten Tagen und Wochen sitze ich wieder einfach so da. Ohne irgendeine Übung. Und erinnere mich. Zum Beispiel an diesen mich stärkenden Blog, den Du nach den Attentaten in Paris geschrieben hast. Ich habe ihn damals gleich gelesen und war unmittelbar – wieder – gewiss, was ich für mich tun kann. Dafür möchte ich Dir endlich einmal danken. Also : dankeschön!

    Sabine

    1. Gerade auf den von dir genannten aktuellen Hintergründen fand ich die Aussagen von Trendforscher Horx sehr passend: „Sie sind achtsam nicht nur der Welt und den Mitmenschen gegenüber, sondern auch den eigenen Gefühlen gegenüber. Sie lernen, ihre innere Angst vor der Zukunft zu moderieren. Sie verstehen, wie ihr Selbst mit der Welt zusammenhängt.“ (Quelle: https://www.newsroom.de/news/aktuelle-meldungen/vermischtes-3/trendforscher-horx-achtsamkeits-menschen-verabschieden-sich-von-den-angst-produktionen-der-medie/)

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