Spontankäufe und Einkaufskoller – Hilfe durch Achtsamkeit

Vermutlich haben es die meisten von uns schon erlebt: Irgendein Einkaufskoller und schwupps, dieses oder jenes Ding spontan gekauft, um sich später dann zu fragen: Was will ich damit eigentlich???? Und wie verhindere ich sowas künftig?

 

Dem Einkaufskoller nicht erliegen – praktische Tipps 

Es gibt eine ganze Reihe wertvoller praktischer Tipps, um nicht solchen Spontankäufen zu erliegen. So stösst man in Minimalismus-Kreisen auf die Anregung, sich Kaufwünsche nicht sofort zu erfüllen, sondern diese auf eine 30-Tage-Liste zu setzen oder die 10-Minuten-Regel zu nutzen (z.B.: erst nochmal aus dem Geschäft rausgehen oder mit dem gewünschten Teil erstmal noch ein wenig durch den Laden laufen, bevor ich zur Kasse gehe). Auch die EC- und Kreditkarte zu Hause zu lassen und nur begrenzt eine kleinere Menge Bargeld mitzunehmen, ist ein wertvolle Hilfe. Allein durch solche Tipps habe ich mir schon so manchen unsinnigen Einkauf erspart.

Bei diesen Anregungen geht es darum, nicht spontan einzukaufen, sondern einen zeitlichen Abstand zu schaffen zwischen „will ich haben“ und „kaufe ich“ Insbesondere, wer einen Hang zu Spontankäufen hat und immer mal wieder dem „Einkaufskoller“ erliegt, ist mit solchen Tipps ein gutes Stück gegen Spontankäufe und Einkaufskoller gewappnet.

 

Achtsamkeit – sich den eigenen inneren Raum erschließen

Genau der oben beschriebene entstehende zeitliche Abstand kann auch dazu genutzt werden, sich den eigenen inneren Raum zu erschließen und sich näher mit den eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Sehnsüchten auseinander zu setzen. Ich kann also z.B. nicht einfach „nur“ abwarten, ob sich der Kaufwunsch vielleicht nach einer gewissen Zeit von alleine erledigt hat, sondern die Gelegenheit zu nutzen, einmal sehr genau hinzuschauen und hinzufühlen:

 

  • Was spielt sich da eigentlich in dem Moment in mir ab, wenn gerade mal wieder so ein Kaufwunsch in mir auftaucht (sei dies nun ein gebrauchtes oder neues Teil…)?
  • Welche körperlichen, emotionalen Reaktionen spüre ich in mir?
  • Was geht mir an Gedanken durch den Kopf?
  • Welche Verbesserungen erhoffe ich mir von diesem Gegenstand?
  • Gibt es vielleicht noch ein ganz anderes Bedürfnis, welches ich jetzt habe?
    Wenn ja, welches?
  • Und erfüllt dieses Ding mein Bedürfnis wirklich?

 

Bei mir selbst habe ich beispielsweise auf diese Weise entdeckt, dass es manchmal einfach Gewohnheiten waren, die sich verselbständigt hatten (z.B. im Sommer an einer Eisdiele vorbei kommen – klingeling: „Ich will ein Eis…“). Gewohnheiten lassen sich ja dann auch mal ändern … Oft war es auch der Versuch, meinen erlebten Stress auszugleichen – dazu gab es bei genauerer Betrachtung auch bessere Alternativen, als durch volle Kaufhäuser zu laufen. Immer wieder hatte ich aber auch das Problem, dass ich mich schwer damit tat, gleich ein hochwertigeres und besseres Gerät zu kaufen, mit dem ich dann auch wirklich zufrieden bin. Statt dessen besorgte ich mir etwas Preiswerteres, was dann doch nicht ausreichte und binnen kurzer Zeit musste wieder was Neues her. Das war Minimalismus an der völlig falschen Ecke – mehr Dinge, statt weniger und unter’m Strich hatte ich auch nichts gespart. Durch die zunehmende Übung von Achtsamkeit im Alltag, wurden mir meine Reaktionen deutlicher bewusst und ich hatte dann auch die Chance, sie wirklich zu verändern.

Achtsam in den Blick zu nehmen, was bei Kaufwünschen in mir geschieht kann zu innerer Freiheit und großer Erleichterung führen, anstatt sich Wünsche „nur“ zu versagen. Linda Lehrhaupt hat dies in den nachfolgenden Zeilen noch einmal sehr schön formuliert:

 

„Linda Lehrhaupt. – Dem Begehren neue Räume öffnen

In der Achtsamkeitspraxis geht es nicht darum, unsere Wünsche und Sehnsüchte „wegzumeditieren“. … Es geht vielmehr darum, unsere Wünsche und Sehnsüchte, unser Verlangen und Begehren als Teil unserer Menschlichkeit anzunehmen und zugleich zu erkennen, in welchem Ausmaß wir von ihnen dominiert werden. Die Zen-Lehrerin Geri Larkin machte dies einmal in ihrer einfühlsamen und sehr praktischen Art und Weise deutlich: „Ich selbst habe mich immer sehr erleichtert gefühlt, sobald ich mir eingestehen konnte, dass ich etwas unbedingt haben wollte. Denn dann konnte ich damit aufhören, so zu tun, als ob ich es nicht haben wollte. Und dann stellte sich das, was mir so begehrenswert erschienen war, als eine reine Wunschvorstellung dar. Wenn wir unsere Wünsche einfach als das sehen, was sie sind – Wünsche – dann verlieren sie ihre Macht über uns.“

Raum schaffen
Wir brauchen also nicht gegen unsere Begehren anzukämpfen. Alles, wogegen wir ankämpfen wird dadurch sowieso nur noch stärker. Ebenso wenig brauchen wir diese Gefühle zu verdrängen, denn das Verdrängte findet immer Schleichwege, um in verzerrter Form in unser Leben zurückzukehren.
Anstatt uns also von unseren Sehnsüchten und unseren Begehren abzuwenden, versuchen wir, diesen mit aller Offenheit zu begegnen. Dies hat mit Nachgiebigkeit übrigens nichts zu tun. Es beinhaltet vielmehr die Verpflichtung, so genau und sorgfältig wie möglich die Auswirkungen zu erforschen, die dieses Begehren in uns auslöst. Hierfür loten wir den Unterschied aus zwischen dem ursprünglichen Wunsch und dem daraus entstehenden Drang, diesen zu erfüllen. Wir schaffen einen Raum zwischen Spüren und Handeln, denn dann müssen wir nicht mehr sofort reagieren und dem ersten Impuls nachgehen. Wir bleiben erst einmal bei dem, was ist und was wir spüren. Dadurch erhalten wir neue Perspektiven und können uns bewusst zwischen verschiedenen Handlungsoptionen entscheiden.“
[Quelle: Linda Lehrhaupt, die Wellen des Lebens reiten. Mit Achtsamkeit zur inneren Balance, Kösel-Verlag, E-Book, Kapitel „Dem Begehren neue Räume öffnen“]

 

Wenn Kaufen zu Zwang oder Sucht wird

Manchmal reichen solche beschriebenen Tipps und Anregungen nicht aus. Wer ernsthafte Probleme hat und immer wieder mehr kauft, als er bzw. sie braucht und dann irgendwann auch nicht mehr zahlen kann, sollte sich nicht scheuen, fachliche Hilfe zu suchen. Nimmt das Kaufen Dimensionen von Zwang und Sucht an, stecken in in der Regel ganz andere Bedürfnisse und Notwendigkeiten dahinter, die sich mit Einkaufen und einer endlosen Menge an verfügbarem Geld nicht erfüllen lassen.

Lesetipp:

 

 

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5 Kommentare

  1. Hallo Gabi!

    Wieder einmal ein echt genialer Beitrag von Dir, den ich sofort auch bei meinem Jahresprojekt Achtsamkeit dazu verlinkt habe. Danke auch fürs Teilen in der EiNaB-Gruppe, da passt es ja auch ganz wunderbar dazu thematisch! Ich freue mich sehr, dass Du nun auch hier aktiv bist.

    Gerade die Sache mit dem Konsumieren hat ja ganz viel mit dem Thema Umwelt/Nachhaltigkeit/grünes Bewusstsein etc. zu tun.

    Früher war ich auch sehr gefährdet für Impulskäufe, speziell wenn ich gefrustet oder sehr gestresst war. Manchmal habe ich sogar gesagt „Der Stress beim Arbeiten hat mich heute wieder xx Euro/Schilling gekostet.“

    Inzwischen habe ich mir das Kaufen sehr abgewöhnt, mit der Zeit kann man sich nämlich wirklich entwöhnen. Es hat mir ermöglicht zu erkennen, wo etwas in meinem Leben nicht rund läuft. Erst durch den Kaufstopp war ich auch tatsächlich in der Lage etwas zu verändern, bis dahin habe ich viele Gefühle einfach zugedeckt. Mir geht es übrigens mit Schokolade auch so ähnlich. Deshalb ist es für mich auch sehr wertvoll, KEINE Schokolade zu essen und mich statt dessen zu fragen, was will ich eigentlich wirklich, wo ist das Problem wirklich etc. So wie Du oben auch einige Fragen vorschlägst.

    Und ja – Pawlow lässt grüßen, Gewohnheiten sind auch wirklich gemein…

    lg
    Maria

    • Hallo Maria, danke fürs Verlinken beim Achtsamkeits-Jahresprojekt. Das hatte ich jetzt noch gar nicht auf dem Schirm und mit den Instragram-Welten habe ich mich immer noch nicht beschäftigt. Das Thema Konsum greift wirklich in alle möglichen Bereiche mit rein und da die Werbeindustrie auch mit allen Tricks der Werbepsychologie direkt unser Lebensgefühl zum Kaufen beeinflussen will, ist es einfach wichtig, sich auch emotional klar zu werden, was gerade los ist, damit man auch wirklich mit klarem Kopf eine Entscheidung treffen kann.
      Dein Satz „Der Stress beim Arbeiten hat mich heute wieder xx Euro/Schilling gekostet.“ bringts wirklich auch auf den Punkt

      • Hallo Gabi!

        Ich habe bei meiner Achtsamkeitslinkparty den Backlink entfernt, damit das Verlinken künftig einfacher ist. Mir geht es dabei jetzt nicht darum, so viele Backlinks wie möglich zu sammeln, sondern eine schöne vielfältige Sammlung von interessanten Achtsamkeitsbeiträgen anzulegen.

        Also jederzeit herzlich willkommen, einfach so zu verlinken, wenn Du daran denkst oder sonst mache ich das für Dich, wenn mir ein Beitrag ganz besonders gut gefällt.

        lg
        Maria

  2. Pingback: Wuensche revisited – konsumblockade

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