Minimalismus warum? Gründe, Motive und Motivationen

Minimalismus = Verzicht?

Immer mal wieder höre ich es: Minimalisten verzichten auf etwas, z.B. auf schöne Dinge, auf die allerneusten Mode-Schnickschnack, usw.
Und immer wieder wird gesagt, Minimalismus würde bedeuten, dass die Dinge gezählt werden, am besten hat man nur 100 Teile und vorher endlos viele Dinge besessen. Und nun sitzen die Minimalisten in ihren leeren Wohnungen.

Soweit das Klischee.

Natürlich: Irgendwo kommt so ein Klischee ja her. Und natürlich gibt es viele Minimalisten, die wirklich endlos viele Dinge besessen haben, z.T. auch noch besitzen, weil das Minimalisieren ja mal auch nicht so eben von einen auf den anderen Tag erledigt ist. Aber: das ist ja nicht alles.

Es gibt in Wirklichkeit viele Gründe, Motive, Motivationen

Mir sind die folgenden Gründe für Minimalismus, also einen konsumreduzierten Lebensstil eingefallen:

1. Zuviel Dinge, zuviel Konsum:
Ein wichtiger Grund ist natürlich, dass etwas zuviel da ist – was Minimalismus ja auch eindeutig von Armut unterscheidet! Dieses Zuviel belastet und man möchte wieder mehr Freiheit in der Wohnung, aber auch im eigenen Leben haben, durchatmen können.

2. Stressbelastung:
Nicht nur die Dinge sind mehr geworden, für viele auch der Stress. Irgendwann nützen die ganzen Dinge, die man sich für Geld kaufen kann, auch nichts mehr und sind maximal eine kostenintensive Ablenkung. Weniger Dinge besitzen, bedeutet, dass Zeit und Geld eingespart werden kann. Schon allein die eingesparten Neukäufe bedeuten, dass deutlich weniger Zeit in vollen Geschäfte verbracht werden muss, kein stundenlanges Recherchieren im Internet, kein Ärger über geplante Obsoleszenz. Statt dessen: Einfach die Zeit genießen, sich Ruhe gönnen und schon dadurch für Stressreduzierung gesorgt zu haben. Im Idealfall ist evtl. sogar eine geringere Arbeitszeit möglich, was ebenfalls für einen Rückgang der Stressbelastung sorgt.

3. Reizüberflutung:
Es sind ja nicht nur die Dinge alleine. Fast ununterbrochen können wir uns heute ablenken lassen. Das Smartphone ist fast überall mit dabei. Statt Natur mal einfach zu genießen, wird sie fotografiert. Anstatt sich bei einer Party mit den Freunden einfach zu unterhalten, gibts Selfies und sonstige Fotos in großen Mengen. In nahezu jedem Geschäft dudelt Musik, an der U-Bahn-Haltestelle läuft Videowerbung. Das Fernsehen bringt Unterhaltung rund um die Uhr. Im Internet habe ich jederzeit Musik, Videos verfügbar, kann mich in sozialen Netzwerken austauschen. Es kommt nicht von ungefähr, dass viele minimalistisch lebende Menschen, sich früher oder später die Frage nach dem eigenen digitalen Konsum stellen und auch hier zu reduzieren beginnen.

4. Erhöhte Sensibilität:
Mein Eindruck ist, dass es eine ganze Reihe Minimalisten gibt, die einfach sehr feine und ausgeprägte Antennen haben. Es ist, als würde die Umwelt ein weniger intensiver wahrgenommen – all die Farben, Geräusche, Erlebnisse, Begegnungen. Es bedarf daher einer reizreduzierten Umgebung, um sich einfach besser erholen können.

5. Umweltbelastung:
Manchmal ist dieses Thema von Beginn an präsent, bei einigen Minimalisten taucht es später auf: Unser übermäßiger Konsum hat Folgen für die Umwelt. Wer weniger konsumiert, weniger Dinge benötigt, hat einen geringeren Verbrauch, was die Umwelt schont – wenn nicht gerade das eingesparte Geld für einen Urlaubsflug genutzt wird (Fliegen ist nunmal überhaupt nicht umweltschonend).

6. Wunsch nach mehr Unabhängigkeit:
Weniger Dinge zu besitzen, bedeutet unabhängiger von Alltagsbelastungen zu sein. Die Wohnung ist schneller aufgeräumt und geputzt, selbst ein Umzug ist schneller erledigt. Also bleibt Zeit für anderes. Geld kann für besondere besondere Erlebnisse, Auszeiten, etc. zurück gelegt werden. Es ist mehr frei verfügbare Zeit da, die für eigene Projekte, Ideen genutzt werden kann.

Habe ich wichtige Gründe vergessen? Ich freue mich über Ergänzungen, z.B. unten in den Kommentaren.

7 Kommentare

  1. Hallo Gabi,
    Stichwort: Quinoa. Diese Woche habe ich endlich mal das Zeug gekauft. Ist ja „in“. Hab ich erst seit einem Jahr vor. Gepufft als Müsli. Beim ersten Bissen dachte ich: „Brauche ich nicht.“ Auch beim Essen lieber keine Hypes mitmachen. Einfachheit reicht mir.
    Ich spare viel Zeit weil ich eine Art Uniformität lebe, nicht nur im Kleiderschrank, sondern auch bei Tischen oder Lampen, auch beruflich mit Briefings. In der Grundschule sagte mal eine Lehrerin zu meiner Tochter, ich würde immer so geniale Formulare erfinden. :)) Es ist wohl eine Art des vereinfachten Denkens, in Vielfalt eine Struktur bringen zu wollen, in mir. HSP ordnen halt gerne Dinge an. Hätte ich 5 Kinder, wären sie wohl immer nach Größe sortiert. Ich kann ja eh nur in einem Zimmer sein oder ein Paar Schuhe tragen. Warum sollte ich einen Überfluss an Dingen haben, der wieder nur den Pflegeaufwand erfordert? Jetzt beim Sperrmüll ist mir aufgefallen, dass es nicht nur die 5 Minuten Sachen raustragen war, was mich belastete. Mein Rücken war verzogen. Sondern viel mehr die Gedanken darum, ob auch jemand hilft. Ich wurde reich mit Helfern beschenkt. Es ging nur um drei Bretter, die mir zu schwer waren. Diese vielen Gedanken an dem Tag, das sollte man auch mit einbeziehen. Wie gut fühlt sich jetzt wieder der leere Keller an! Das ist für mich unbezahlbar!

    Liebe Grüße – Tanja

    • Hallo Tanja, stimmt – es gibt ja wirklich viele Ebenen der Vereinfachung. Ich muss immer aufpassen, dass ich mich nicht verzettel, weil ich z.B. dann immer wieder andere, neue Ideen, Gedanken habe, damit aus einem normalen Text nicht gleich ein Roman wird. – –
      Oh, ein leerer Keller – das ist was tolles. Da sind wir hier noch nicht so weit. Genieße es mal so richtig!
      Gabi

  2. Hallo Gabi,
    für mich ist Minimalismus überhaupt kein Verzicht, sondern im Gegenteil die Entscheidung mich mit ganz bestimmten Dingen in meinem Leben zu beschäftigen und so intensiv Zeit wie möglich mit Menschen verbringen, die mir wichtig sind – zu arbeiten, weil mir das auch wichtig ist und grundsätzlich Spaß macht, wenn die Bedingungen gut sind. Ich habe nicht vergessen, dass ich noch was zu Minimalismus und danach für die schreiben wollte. Ein wichtiger Punkt – vielleicht der von der größten Bedeutung: Meine Lebensqualität hat sich verbessert, massiv – seit ich weniger kaufe, ausgemistet habe und grundsätzlich so wenig wie möglich / nötig besitze.
    Minimalismus ist für mich vor allem ein großes JA für das, was Teil meines Lebens ist und sein darf.
    Liebe Grüße
    Nanne
    P.S.
    Das mit dem Captcha Code funktioniert bei mir nicht immer. Manchmal kommentiere ich deswegen nicht.

    • Hallo Nanne, ich habe keine Ahnung, woran das mit dem nicht funktionierenden Captcha Code liegt. Ohne dem ufert leider der Spam aus. Mal schauen, ob mir irgendwas dazu einfällt…
      Mehr Lebensqualität durch weniger Zeug: Genau das ist es bei mir auch ?

  3. Hallo Gabi!

    Ich habe entdeckt, dass es hilft, wenn ich vor dem Kommentieren den Captcha-Code neu erstellen lasse und dann erst eingebe. Vielleicht ist da ein time-off eingebaut denke ich mir. Jedenfalls seitdem ich das mache, klappt es. Und das ist nicht nur bei Deinem Blog so, bei manchen anderen passiert das auch.

    Schöner Beitrag, der nachdenklich macht. Von mir selbst weiß ich nur, dass mir alles zu viel wurde, es war wohl auch so eine Rückkoppelung aus dem Leben, die sich da abgebildet hat. Nachdem ich alles reduziert hatte, wurde der ökologische Aspekt wichtiger und dominiert jetzt. Mir ist wichtig, nicht mehr so viel in mein Leben rein zu lassen, Noch einmal ausmisten möchte ich nicht.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria, ich habe jetzt mal einen anderen Captcha Code installiert. Vielleicht läuft der besser.
      Ich denke, wer minimalisiert, dem ist halt irgendwas zuviel: entweder das Zeug oder der Alltags- bzw. Berufsstress oder die Reizüberflutung.
      Deinen Blog finde ich sehr inspirierend fürs selber praktische tun. Es wird halt vieles frei, wenn man nicht mehr mit shoppen beschäftigt ist.

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