Minimalismus-Wohnung – Wieviel Küche?

Einen aktualisierten Beitrag zu Küche und Minimalismus und was ich aus den nachfolgenden Überlegungen dieses Beitrages umgesetzt habe, hier: https://achtsame-lebenskunst.de/2017/02/02/minimalismus-in-der-kueche/

 

Wieviel Küche brauche ich? Wieviel Minimalismus in der Küche darf und soll es sein? Diese Frage beschäftigt mich schon länger. Heute war ich mal wieder unterwegs und habe mir Küchen angeschaut, schließlich werde ich in meiner neuen Wohnung eine Küche brauchen. Also war ich in einem Möbelhaus in der Region, ein Familienunternehmen. Das ist doch viel schöner, als ständig durch irgendwelche Möbeldiscounter zu laufen.

 

Verwirrender Küchenmaximalismus

Was mir nicht so wirklich klar war, bevor ich das Möbelhaus betrat: Allein im Untergeschoss 350 Küchen, dazu dann die ganzen Küchen im Erdgeschoss. Was da alles aufgebaut war… u.a. jede Menge Schränke, damit jede Menge Kram rein passt: Oberschränke, Unterschränke wohin das Auge reicht. Und dann gibts inzwischen riesig große Kochfelder. Mich wundern auch die vielen glänzende Lackfronten – wer putzt die eigentlich?? Die Backöfen haben allen erdenklichen technischen Zauber. Es gibt gewöhnliche Kühlschränke, Retro-Kühlschränke, sog. amerikanische Kühlschränke. Außerdem muss offensichtlich jeder Quadratmillimeter ausgenutzt werden. Es soll schließlich viel rein passen: Küchenmaschine, Kaffeeautomat, Teflonpfannen, Keramikpfannen, Edelstahlpfannen, Gußeisen-Pfannen, Thermo-Dingsbums, ein großer Fuhrpark an Messern in allen Varianten, die endlosen Küchenhelfer und und und… Gibts eigentlich noch den Schnellkochtopf oder ist der jetzt out? Wie auch immer: Man könnte denken, der überwiegende Teil unserer Bevölkerung besteht aus leidenschaftlichen Hobbyköchen, die stundenlang das schönste Essen in diesen schicken Küchen kreieren. Aber in den Lebensmittelgeschäften gibt es immer mehr Fertiggerichte – da passt was nicht.

 

Was brauche und mag ich wirklich?

Meine Welt sind diese Möbelhaus-Küchen definitiv nicht. Oberschränke stören mich. Selbst meine bisherigen Überlegungen, ob der Spülbereich nun so oder so oder anders ist, sind eigentlich unwichtig – solange die Höhe für meine Körpergröße passt. Ich mag die vielen, derzeit modernen Holzimitate nicht, denen man das Plastik aus etlichen Metern Entfernung schon ansieht. Wenn Natur, dann doch bitte die echte und da ist es auch schöner, mich wandernd durch sie hindurch zu bewegen. Ich habe auch definitiv überhaupt keine Lust, die Fronten einer Lackküche zu putzen. Eine Küche ist kein Ort für mich, um mich mit teurem Küchen-Hightech-Kram zu präsentieren. Die wesentlichen Elemente einer Küche sind Spüle, Kühlschrank, Kochplatten und ggf. Backofen. Ich brauche auch nicht jeden Quadratmillimeter Platz. Ich koche zwar, aber genau genommen nicht so wirklich gerne. Ich möchte lediglich meinem Körper etwas Gutes tun und mir ab und an ein Essen zubereiten. Dazu brauche ich keine hochgerüsteten Kühlschränke, Kochfelder, Pfannen, Küchenmaschinen-Wunder und weiß ich was. Es ist einfach nicht erforderlich, dass ich in einer gestylten Hightech-Küche ein Fertiggericht in die Mikrowelle schiebe – so etwas ist für mich ein Zeichen akuten Konsumfiebers.

 

Wie auch immer meine Küche letztlich aussehen wird:

Ich möchte in und mit einer Küche nicht viel Arbeit haben. Mir steht der Sinn nicht danach, mich ewig lange mit dem Säubern der Küchenmaschinen und Hochglanzfronten zu beschäftigen. Ich möchte eine überschaubare Anzahl an Dingen schnell finden und aufräumen können. Nicht fest eingebaute Kochfelder finde ich persönlich sehr praktisch, weil ich sie einfach und bequem beiseite räumen kann. Ich mag freie Flächen. Ich liebe es, wenn ich auch in kleinen Küchen Platz habe. Ich möchte meine Zeit nicht damit verbringen, mich durch eine große Menge an Kram zu wühlen, um den jeweils richtigen, der 15 Kochlöffel zu finden. Ich will für eine teure Küche erst recht nicht sehr lange arbeiten und sparen müssen. Da gebe ich mein Geld lieber für höherwertige Nahrungsmittel aus.

Minimalismus in der Küche ist für mich wirklich die pure Bequemlichkeit. Ich brauche keine hochgerüstete Wohlstandsküche, in der ich mich erst mit all den technischen Raffinessen auseinander setzen muss. Davon wird das Essen auch nicht gesünder. Wenn diese Küchen sich wenigstens mal selbst aufräumen würden, das wäre mal Innovation… Ehrlich gesagt: Diese ganzen schicken und gestylten Küchen sind mir auch zu langweilig. Trotz all der vermeintlichen Varianten sehen sie ohnehin irgendwie alle gleich aus: Schrank an Schrank mit ein paar technischen Geräten dazwischen. Die Anforderungen und Bedürfnisse an eine Küche sind je nach Lebenssituation natürlich unterschiedlich. Trotzdem: Wann ist eine Küche noch einfach zur Nahrungszubereitung da und wann beginnt das Konsumfieber und damit auch der hochgerüstete Küchenwahnsinn?

 

 

Ergänzung – 3.10.16: Küche aus Massivholz für 500€:

Ein Beispiel, wie es auch anders geht, hat mir Sandra O. zugeschickt und mir erlaubt, das Foto ihrer Küche zu veröffentlichen. Die Küche entstand in Eigenarbeit, die Materialkosten beliefen sich auf 500€. Sandra ist alleinerziehend und lebt mit ihren 3 Kindern nicht nur mit dieser wunderbaren Massivholzküche, sondern auch ökologisch, minimalistisch, plastikarm und vegan.

Foto einer selbstgebauten Massivholzküche. Diese sieht aus, wie ein großes Regal mit integrierter Spüle, Backofen und offenen Regalen mit Körben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 Kommentare

  1. Hallo Gabi!

    Das ist ein sehr spannendes Thema, was du da ansprichst. Wit hatten das „Küchenthema“ vor 3 Jahren im Rahmen unseres Umzugs. Nachdem wir uns in Möbelhaus eine hatten planen lassen, die € 6.000,- mit günstigen Geräten gekostet hätte, haben wir beschlossen, die Küchenzeile selber zu bauen. Mein Freund ist zum Glück ein begnadeter Heimwerker 😀
    Wir haben keinen Schnickschnack – keine Oberschränke, keine Laden etc.
    Das gesamte Geschirr haben wir in einer Vitriene (20 Jahre alt und aus Vollholz – ich hoffe auf weitere 20 Jahre), die wir von meinen Eltern haben, weil sie dafür in ihrer neuen Küche keinen Platz mehr hatten. Meine 2 Kochlöffel hab ich von meiner Oma übernommen (die sind auch schon über 20 Jahre alt), Geschirr nur so viel, wie nötig. Neukauf gibt es keinen mehr, da der Platz alle ist. Somit verwenden wir alles, was wir haben und es passiert uns nicht, dass sich im hintersten Winkel irgendwas versteckt, dass wir nach Jahren wieder mal entdecken.
    Durch den Eigenbau der Küchenzeile konnten wir ins hochwertige Geräte mit möglichst wenig Stromverbrauch leisten.
    Und es reicht vollkommen für unsere Bedürfnisse. Wir kochen gerne und viel (beinahe täglich). Und jeder bewundert unser Meisterwerk 😀

    Liebe Grüße
    Sabrina

    • Hallo Sabrina, das finde ich wirklich phantastisch, dass es abseits von Möbelhäusern, Katalogen, Internetshops doch Kreativität, Eigeninitiative und den wirklichen eigenen Bedürfnissen angepasste Lösungen gibt. Und kein Holzlöffel aus heutiger Produktion wird vermutlich nochmal 20 Jahre. Wir haben hier Holzlöffel, die sind viel jünger und zersplittern jetzt so nach und nach …

  2. Pingback: Kreativ und minimalistisch: Möbel selber bauen

  3. Hallo Gabi, ich musste gerade richtig lachen über diesen Beitrag, er spricht mir aus dem Herzen!!! Unsere Küche haben wir second hand für 250 € gekauft und in 3 verschiedenen Wohnungen wieder eingebaut. Wenn irgendwo ein Kratzer entsteht mich juckt das nicht!!! Schrecklicher Gedanke so Lackfronten reinigen zu müssen!!! Hoffe das du etwas schönes und praktisches gefunden hast!
    Viele Grüße Maren

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