Mit Achtsamkeit und Minimalismus durch die Weihnachtszeit

Alle Jahre wieder …

Derzeit fällt es mir wieder besonders auf: Spätestens Mitte bis Ende November werden plötzlich die Menschen in U-Bahnen und Geschäften hektischer, es wird voller. Taschen, Tüten, Pakete werden durch die Straßen geschleppt. Weihnachtsgedudel klingt aus Lautsprechern, gereizte Stimmen weisen Kinder und U-Bahn-Nachbar zurecht oder legen sich mit der Kassiererin im Supermarkt an. Mit blinkenden Weihnachtsmützen dekorierte Männer- und Frauengruppen bahnen sich leicht alkoholisiert den Weg zum Weihnachtsmarkt. Man will schließlich Spaß haben vor Weihnachten. Wie jedes Jahr wird immer noch gekauft, als gäbe es demnächst nichts mehr.
Natürlich gibt es inzwischen Menschen, die anders denken und handeln, die sich mit „Zeit statt Zeug“ beschäftigen, die statt Geschenkberge, Erlebnisse verschenken oder sich einfach Zeit für Andere nehmen. Aber machen wir uns nichts vor:  Das sind nur wenige, die meisten Menschen hat der weihnachtliche Konsumkoller voll im Griff.

 

Kinder brauchen uns –  nicht unsere Hektik

Dass Kinder doch Weihnachten so lieben, erscheint mir wie eine faule Ausrede. Denn Kinder sind durchaus in der Lage, mit viel weniger glücklich zu sein. Und natürlich haben Kinder Wünsche (die haben wir Erwachsene ja auch), aber sie wollen vor allem eins: mit einem vertrauten und liebevollen Erwachsenen zusammen sein. Als neulich ein Kind einen Weihnachtsmann bunt wie einen Clown malte – und dies auch so benannte – dachte ich: wie passend hat dieses Kind das vorweihnachtliche Treiben erfasst!
Die Menge an Dingen macht weder Kinder, noch uns selbst glücklicher, schon gar nicht wird Weihnachten schöner, wenn wir uns nach der üblichen vorweihnachtlichen Hektik erschöpft auf Weihnachten freuen und sich die wochenlange Anspannung dann in den üblichen Familienstreitereien entlädt.

 

Besinnlich – tun, was meinen Sinnen wirklich gut tut

Alljährlich merke ich, dass mir diese vorweihnachtliche Sintflut an Geräuschen, Gerüchen, Hektik und Anspannung gewaltig auf die Nerven geht. Ich genieße es, diesen vorweihnachtlichen Zirkus nach Möglichkeit zu vermeiden. Ich verstehe es gut, wenn Kinder Spaß an weihnachtlicher Dekoration haben, aber für mich als Erwachsene liebe ich es dekofrei. Keine Tannennadel findet den Weg in meine Wohnung, kein Glitzersterne, einfach nichts von all dem Zeug. Ich mag es einfach nicht. An Weihnachtsgeschenken hat in den letzten 30 Jahren lediglich mein Patenkind etwas bekommen, aber nachdem dies längst erwachsen ist, genieße ich die völlige Geschenkefreiheit. Es entspannt mich und ich erfreue mich daran.

Stattdessen liebe ich das Hell-Dunkel-Spiel der Jahreszeiten. In der dunklen Jahreszeit lässt sich das Aufgehen der Sonne so wunderbar am Fenster beobachten. Auch schaue ich gerne, wieviel Licht ich gerade in meiner Wohnung haben will. Dazu reichen mir meine normalen Lampen, die ich ohnehin habe. Manchmal darf es dann sogar eine Kerze sein.
Da ich eher zu den Frühaufstehern gehöre, setze ich mich z.Z. oft einfach mit einem leckeren Kaffee ans Fenster und schaue zu, wie die morgendliche Dunkelheit allmählich dem Licht des Tages weicht. Nichts ist für mich schöner, als den Kaffeegeruch in die Nase steigen zu lassen, den Geschmack zu genießen, während es draußen langsam heller wird.
Ich liebe es auch ganz besonders, nach Hause zu kommen und dann: Tür zu, Fenster zu: Ruhe! Kein Weihnachtsgedudel, keine lärmende Werbung. Einfach erholen, Atem holen und diese Zeit, diesen Freiraum, diesen wunderbaren Klang der Stille einfach und bewusst zu genießen.

Die kleinen Dinge, die kleinen Wunder des Lebens immer wieder zu sehen, zu entdecken und zu würdigen – das ist für mich Weihnachten und sogar ganzjährig erlebbar. Achtsam und minimalistisch gestaltet, sind solche Momente für mich eine Erholung für die Sinne und ein Atemholen für die Seele.

 

 

3 Kommentare

  1. Dein Artikel spricht mir aus der Seele, Gabi. Denn Konsumhektik, die von Jahr zu Jahr wachsenden Schoko-Weihnachtsmänner und die Beschallung der Vorweihnachts-Zeit gehen auch mir heftig auf die Nerven. Solche fremdbestimmten Reize führen uns weg von uns selbst. Insofern ist Minimalismus sicher eine Möglichkeit, stärker bei sich zu bleiben.
    So minimalistisch wie du lebe ich nicht – ich liebe (sparsame) Weihnachtsdeko und das Räuchermännchen, das schon meinen Großeltern gehörte. Doch ich versuche immer wieder, achtsam zu sein. Und mich auf das zu fokussieren, was Freude bringt oder Sinn macht.
    Schon witzig, dass wir beide zur gleichen Zeit einen Blog-Artikel über ein verwandtes Thema geschrieben haben.
    Viele Grüße aus Berlin
    Christine

  2. Andreas Brüggenkamp

    Liebe Gabi,

    deinem Artikel mag ich mich in weiten teilen anschließen. Man beachte worum es bei diesen Fest eigentlich gehen sollte bzw. was der eigentliche Anlass dieses Festes ist. Die Geburt des Erlösers „Jesus Chrsitus“.
    Ich habe zu keinen Zeitpunkt in der Bibel lesen können: „Sammelt euch Schätze für diese Welt an!“
    Im Gegenteil! Jesus rät in Matthäus 16,20 dazu sich Schätze für den Himmel zu sammeln und die sind bekanntlich nicht von materieller Natur.
    Wenn wir ZEIT mit unseren Lieben verbringen können ist das doch wirklich HIMMLISCH.

    Zusätzlich zu der von dir geschilderten Art und Weise dem Tag zu begegnen mag ich auch ganz gerne klassische Musik (gerne auch Weihnachtliche), aber diese zumeist laute Musik auf den Weihnachtsmärkten ist mir ein Dorn im Auge.

    In diesem Sinne wünsche ich dir gesegnete Weihnachten.

    • Hallo Andreas, dir ebf. noch eine weitere schöne Weihnachtszeit. Es ist durchaus aufallend, dass in vielen Religionen, so auch im Christentum, immer wieder Hinweise darauf sind, das Materielle nicht zu überbetonen.

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