Kriterien für Wohnqualität – entspannter Wohnen

Rückblende: Beim Wohnen nur halb nachgedacht

Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der die Kosten für die Miete einer Wohnung in die Höhe schossen: die 90er-Jahre. Mitte der 90er-Jahre habe ich dann nach rund 12-jähriger Berufstätigkeit nochmal studiert. Ich wohnte zu diesem Zeitpunkt alleine in einer 2-Zimmer-Wohnung mit rd. 50qm. Angesichts von bevorstehendem Bafög und somit niedrigem Einkommen, stand für mich die Überlegung an, ob ein Umzug in eine kleinere Wohnung Sinn macht. 

Ich habe mich damals dagegen entschieden. Bei rund 10qm weniger Platz hätte ich trotzdem die gleiche Miete bezahlt. Wozu also umziehen? Was erstmal logisch klingt, ist es bei genauerer Betrachtung nicht: Hätte ich nämlich etwas genauer überlegt, wäre mir klar geworden, dass nochmal deutlich weniger Platz völlig ausreichend gewesen wäre. Mein Mobiliar hatte keinen wirklichen materiellen Wert. Ich hätte problemlos noch vieles weglassen können und ein WG-Zimmer oder Mini-Wohnung wäre völlig ausreichend gewesen. Das hätte mir einiges an Finanzdruck während des Studiums erspart. In den 90er-Jahren bin ich aber auf genau diese Idee nicht gekommen. 

 

Einfacher Wohnen – mehr Lebensqualität, weniger Stress

Heute denke ich: Auch ganz ohne Studium, auch mit ganz normaler beruflicher Tätigkeit macht es Sinn, mich nicht mit unnötiger Wohnungsausstattung aufzuhalten. Wohnraum ist teuer, außerdem ist weniger Kram schneller aufgeräumt und geputzt. Ich liebe es, wenn ich Platz um mich herum habe und keinen großen Aufwand betreiben muss. Die Menge an aufbewahrten Dingen sagt außerdem nichts über wirkliche Wohnqualität aus. Aber was genau ist denn Wohnqualität?

 

Kriterien für Wohnqualität: einfaches und entspanntes Wohnen

Es gibt natürlich ganz unterschiedliche Bedürfnisse, die alle ihre Berechtigung haben. Für mich sind es die folgenden Kriterien, die mir besonders wichtig sind: 

  • Wohnen muss bezahlbar sein.
  • Alles raus, was nicht dem eigenen Wohlbefinden dient. (Ich finde, die Minimalismus-Wohnqualitäts-Grundregel überhaupt!)
  • Der Aufwand für Aufräumen und Putzen sollte gering sein.
  • Sich nicht an Möbel hängen. Ich halte nichts von der zunehmend grassierenden Wegwerf-Mentalität bei Möbeln. Möbel sollten halten und zwar möglichst lange. Trotzdem: Möbel machen unbeweglich, verteuern einen Umzug und viel Möbel benötigen nun mal viel (teueren) Wohnraum.
  • Idealerweise gibt es Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe.
  • Idealerweise geht es ohne eigenes Auto.

 

Küche

Zur Küche hatte ich ja schon etwas geschrieben. Siehe: Minimalismus in der Küche. Noch einige ergänzende Anmerkung: Selbst meine wirklich eher minimalistisch ausgestattete Küche, hat mich alles in allem gut 1000€ gekostet. So sehr wie ich diese Küche mag, so teuer finde ich sie aber auch. Hätte ich zum Zeitpunkt des Umzuges irgendeine halbwegs brauchbare und annähernd stabile Billigspüle gefunden, hätte ich nicht so viel für eine Küche bezahlt. So gerne und oft koche ich nämlich nicht.  Die meiste Zeit meines Lebens bin ich prima mit nebeneinander stehender Baumarktspüle, Kühlschrank und Herd klar gekommen.

Wohnzimmer/Schlafzimmer 

Was braucht es wirklich? Was braucht es nicht? Wo gibt es Alternativen?

Schlafen:

Ein Bettgestell nimmt richtig viel Platz weg. Durch eine geschickte Wahl des Bettes, lässt sich viel Platz sparen, z.B.:

  • Klappbett bzw. Schrankbett: nicht ganz kostengünstig, aber lässt sich hochklappen, sieht dann aus wie ein Schrank und schafft tagsüber jede Menge Platz.
  • Wer mit einer härteren Unterlage gut klar kommt: Ein Futon lässt sich zusammen rollen, nimmt wirklich kaum Platz weg. (siehe: Auf einem Futon schlafen)
  • Wer eine „normale“ Matratze möchte: Selbst ein Lattenrost mit Matratze ist flexibler als ein normales Bettgestell. Beides lässt sich bei Bedarf schnell zur Seite räumen. Auch diese Variante hatte ich jahrelang und kam damit gut klar.
  • Kombilösungen: Das Bett wird zu Couch und umgekehrt. Für handwerkliche Talente eine klasse Möglichkeit: das Siwo-Sofa von van Bo Le Mentzel: http://hartzivmoebel.blogspot.de/p/siwo-sofa.html

 

Bequeme Sitzmöglichkeit:

Muss und soll es ein extra Sofa sein? Gibt es Alternativen?  Dazu einige Beispiele: 

  • ein Futon lässt sich auch als Sofa nutzen: Nicht für jede/n das Richtige, aber für mich super bequem. Ich liebe es!Weißes Futon, als Sofa zusammengeklappt

 

  • Kombi-Lösung wie das oben bereits erwähnte Siwo-Sofa von van Bo Le Mentzel. Hier wird eine normale Matratze genutzt, die sich bei Bedarf austauschen lässt, somit ist angenehmes Schlafen, aber auch gemütliches Sitzen möglich.
  • Gemütliche Sessel, die ggf. etwas höher sind und sich gleichzeitig auch für das Sitzen am Esstisch nutzen lassen.

 

Weniger Kram = weniger Aufbewahrungsmöbel

Es ist eine einfache Regel: für die Dinge, die ich nicht habe, brauche ich auch kein Regal, keine Schrank und damit auch keinen Platz in der Wohnung. Z.B.:

  • Wieviel Besuch habe ich in der Regel? Muss es wirklich ein Geschirr für 24 Personen sein? Kann ich bei großer Anzahl von Besuchern auch mal was ausleihen?
  • Nippes und Stehrümchen, Bücher in die ich seit Jahren nicht mehr hineingeschaut habe, CD-Sammlungen, die ungehört im Regel verstauben, irgendein Kram aus Kindertagen und vieles mehr: all das nimmt Platz weg. Werden diese Dinge nicht genutzt, verstopfen sie nur unsere Wohnung.
  • Fernseher sind heute riesengroß. Muss das sein? Geht es auch kleiner? Kann ich den Computer nicht einfach mit einem TV-Stick ergänzen? Muss es überhaupt ein Fernseher sein? Vieles lässt sich heute per Livestream im Internet anschauen oder in der Mediathek der einzelnen Sender.
  • Bin ich Musikliebhaber und daher ist es der Platz für die Stereoanlage wert? Oder reicht mir auch der Laptop bzw. Computer, den ich ggf. mit Lautsprecherboxen ergänze?

 

Weitere Anregungen im WWW:

Weitere Anregungen für einfaches Wohnen ohne großen Aufwand und Platz: Im Internet gibt es dazu inzwischen eine ganze Reihe von Anregungen, wie z.B. von der Tinyhouse-Bewegung. Natürlich können und müssen wir nicht alle in ein Tinyhouse ziehen, aber die Ideen, wie auf kleinem Raum Fläche effektiv genutzt werden kann, sind beeindruckend. Einige Beispiele hier:

 

 

 

 

 

7 Kommentare

  1. Liebe Gabi, da bin ich ganz Deiner Meinung! Wir hätten uns früher nie vorstellen können auf 55 qm zu zweit zu wohnen und es als zu groß zu empfinden. Auch finanzielle Sorgen sind uns nicht fremd gerade durch s Studium… wir sind so froh und dankbar das wir Minimalisten geworden sind. Irgendwann wollen wir in eine kleinere Wohnung oder am allerliebsten in ein Tiny house ziehen ??? das wäre einfach wundervoll!!! Viele Grüße Maren

    • Hallo Maren, ich finde, durch die Tinyhäuser kommen nochmal ganz neue Inspirationen, gerade was das multifunktionale Nutzen von Gegenständen angeht.
      Allerdings sehe ich manches dabei auch kritisch: Z.B. wäre hier im Ruhrgebiet für diese Art des Wohnens kaum Platz, in ländlichen Regionen ist natürlich Platz genug.
      Und: Tinyhouses finde ich schwierig, wenn mehr als eine Person drin wohnt. Mit Kindern in der Pubertät kann ich es mir z.B. überhaupt nicht vorstellen. Weniger wegen des gemeinsamen Platzes, sondern wegen des fehlenden Rückzugraums. Auch in einer Beziehung finde ich es hilfreich, wenn es die Möglichkeit gibt, sich auch mal zurück zu ziehen, z.B. schon wegen unterschiedlicher Biorhythmen, Arbeitszeiten. Oder einfach nur, weil einer lesen, der andere schlafen will. Oder einer will morgens Kaffee kochen, während der bzw. die zweite Person noch schlummern möchte. Wollen dann z.B. „Eule“ und „Lärche“ gemeinsam in ein Tinyhouse ziehen, dürfte das abenteuerlich werden. Mir persönlich wären dann eine gewöhnliche Wohnung mit zwei (kleinen) Räume lieber – Tiny-Wohnung sozusagen.

      • Liebe Gabi,
        ein „Tiny Flat“ (also Wohnung) wäre für mich auch das Ideale. Ich möchte kein Haus haben, da sämtliche Verantwortung und Kosten (z.B. für Reparaturen) bei mir lägen.
        Wir haben schon mal zu zweit in weniger als 40 qm gelebt. In eine größere Wohnung (erst ca. 60, nun 55 qm) zogen wir eigentlich nur wegen des vielen Krams, den wir so ansammelten. Jetzt reduziere ich und habe immer mehr Möbel und damit Platz „übrig“ und würde gerne wieder in einer kleineren Wohnung leben. Allerdings ist auch mir eine Rückzugsmöglichkeit sehr wichtig.

        • Hallo Aeris, die Rückzugsmöglichkeit kann ich sehr gut nachvollziehen. Das wird m.E. beim Hype um die Tinyhouses gerne mal übersehen (so klasse ich diese Häuschen auch finde). Wir leben ohnehin schon in einer sehr überdrehten Gesellschaft und für eine Beziehung finde ich diese gelegentlichen Rückzugsmöglichkeiten eher förderlich.

  2. Hallo Gabi,

    wie schön, dass du noch mal einen kompakten, allumfassenden Beitrag dazu schreibst!

    Bei mir ist es jetzt ein gebrauchtes Holzbett geworden. Das war sowohl die günstigste, als auch die ökologisch sinnvollste Variante.

    Das Bett steht im Mittelpunkt meines Zimmers. Da ich ohnehin tagsüber stets auswärts arbeite und ich mal probieren wollte, Arbeits- und Lebensraum zu trennen. Entsprechend ist mein Zimmer jetzt vor allem für einen Zweck bestimmt: Als Rückzugsort zum Ausruhen und Schlafen.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Hallo Philipp, deine Variante klingt wirklich gut und macht Sinn. Es geht ja immer darum, was wirklich wichtig ist. Das unterscheidet Minimalismus von irgendeiner Mode bzw. Trend. Ich bin ohnehin immer der Meinung, dass das, was Wichtig ist, bei jede/m etwas anders ist bzw. sein kann. Bedürfnisse, Lebenssituationen sind sowieso sehr verschieden und können sich dann ja auch nochmal ändern. Dir gute Erholung!!
      Gabi

  3. Super Bericht, kann mich kaum satt lesen, inspiriert mich mega – Danke! =)

    Als bequeme Sitzmöglichkeit habe ich mir meinen Kindheitstraum erfüllt und eine Hängematte im Wohnzimmer, so kann ich gemütlich sitzen, dösen und last but not least – schaukeln =)) Und wenn Freunde kommen ist die Hängematte immer irgendwie besetzt 😉

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