7 Jahre Achtsamkeit: 1. Minimalismus

Es war vor fast genau 7 Jahren, als ich angefangen habe zu meditieren, anfangs an ZEN orientiert. Genau genommen, war es eher Zufall – was einem halt manchmal so zufällig zufällt… Über einige Umwege und Suchen, welche Achtsamkeitspraxis die passende für mich ist, fand ich zum MBSR, der achtsamkeitsbasierten Stressreduktion. Zu den anfänglichen Einzelstunden kamen später Achtsamkeitstage und die Teilnahme an MBSR-Gruppen hinzu. Vieles habe ich entdeckt in diesen 7 Jahren, manches wieder entdeckt und insbesondere habe ich zu viel mehr Lebensqualität gefunden. Dies passt nicht mal eben alles in diesen einen Text. Daher heute erstmal Teil 1: Achtsamkeit und Minimalismus.

 

Achtsamkeit und Minimalismus – 2 Seiten einer Medaille

Achtsamkeit und Minimalismus gehören für mich zusammen, wie zwei Seiten einer Medaille oder wie unzertrennliche Zwillinge. Die erste und wichtigste Auswirkung meiner Meditations- und Achtsamkeitspraxis war mein Entdecken, wie sehr mir ein minimalistischer Lebensstil gut tut. Endlich mal nicht Stress und Frust im Kaufhaus betäuben und statt dessen, diese wunderbaren freier werdenden Flächen genießen.

 

Minimalismus als Lebensluxus

Gibt es etwas minimalistischeres, als sich wirklich mal nur auf die Wahrnehmung des eigenen Atems zu konzentrieren? Es steckt unendlicher Reichtum darin. Das ist Zeitluxus pur und: Ohne Atem kein Leben. Dafür brauche ich nur mich selbst und den Entschluss, dieses Wunderwerk des eigenen Atems achtsam wahrzunehmen. 
Um zu meditieren, muss mir nicht einmal Räucherkerzen, Buddha-Statuen, Meditationskissen oder Klangschalen ins Zimmer stellen. Ich brauche keinen Meditationsaltar und muss nicht einmal Meditationsbücher lesen. Das kann ich natürlich alles tun, ich muss es aber nicht.

 

Minimalismus ist achtsame Lebensfülle

Ich habe in den zurückliegenden Jahren entdeckt, dass es anderes gibt, was mir viel mehr bedeutet. Ich mag beispielsweise die besondere Ästhetik warmer, natürlicher Holzmaterialien in Kombination mit der Farbe weiß. Das finde ich wunderschön und es ist etwas ganz besonderes für mich. Am liebsten mag ich es ein wenig unperfekt, d.h., wenn beides nicht so ganz aalglatt ist. Warum sollte ich mir da noch viel Kram in einen Raum stellen, wo ich das, was ich besonders mag, dann nicht mehr so intensiv und in purer Qualität genießen könnte? Das, was manche Menschen als „karg“ bezeichnen, ist es für mich nicht. Es ist Fülle – Lebensfülle – achtsame Lebensfülle.

 

Minimalismus – eine Konsequenz meiner Achtsamkeitspraxis

Zur Meditation gehört immer wieder das Loslassen. Minimalismus ist die äußerlich sichtbare Konsequenz, die ich daraus gezogen habe. Warum soll ich etwas festhalten, was überflüssig ist, was ich nicht mag, was mir nicht gut tut und was nicht zu mir passt? Meinen Atem halte ich auch nicht fest, ich lasse ihn fließen – und genau deshalb lebe ich!

7 Jahre Achtsamkeit, für mich bedeutet es: Ich mag es einfach – im doppelten Wortsinn.

Foto einer Zimmerecke im Dachgeschoß. Rechts oben im Bild ein Stück von einem Dachgaubenfenster, darunter ein Heizkörper. Unten ein Dielenfußboden, weiße Wände

Zimmer mit weißen Wänden und Dachschräge, einem Weißen Futonsofa, sowie Tisch mit Computer.

 


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4 Kommentare

  1. Servus Gabi,

    da ich ZEN übe und Du zumindest anfangs mit ZEN zu tun hattest, würde es mich sehr interessieren von Deinen Erfahrungen zu hören. Was gab bei Dir den Ausschlag für MBSR? Es würde mich freuen, von Deiner Suche des für Dich passenden Weges etwas erfahren zu dürfen

    Viele Grüße
    Dieter

    • Hallo Dieter,
      meine Entscheidung für MBSR war, dass ich MBSR auch mit einigen körperlichen Einschränkungen üben kann. Mit ZEN war dies viel zu belastend. Dazu ist eine mindestens durchschnittliche gesundheitliche Verfassung nötig. Die habe ich nicht. Ich habe seit meiner Geburt einige körperliche Einschränkungen. Damit im ZEN-Stil zu sitzen oder Gehmeditation zu üben, geht schlicht nicht. Im ZEN erlebte ich, dass es dort ein wichtiger Faktor ist, dass einige Körperhaltungen und Übungen in einer ganz bestimmten Art und Weise stattfinden sollen. Im MBSR kann ich viel besser auf meine Einschränkungen Rücksicht nehmen, Übungen variieren oder auch weglassen. Es ist sehr viel unkomplizierter, z.B. bei einer Sitzmeditation einen Stuhl mit Lehne zu benutzen oder bei einer längeren Gehmeditation die Schuhe zu benutzen, damit Beckentiefstand und Fußfehlstellungen nicht bei jedem Schritt zu Schmerzen und Verspannungen führen.

      Andere Dinge kommen dann ergänzend hinzu. Mir erschloss sich der Sinn nicht, warum es dunkle Kleidung sein muss, die teilweise benutzten Räucherstäbchen haben mir den Atem genommen. Auch war es für mich einige Rituale befremdlich, warum ich z.B. nur mit dem linken Fuß zuerst einen Meditationsraum betreten soll. Aber das war eigentlich nicht ausschlaggebend und notfalls hätte ich damit leben können (von den Räucherstäbchen mal abgesehen).

      Zum Glück gibt es ja recht unterschiedliche Meditations- und Achtsamkeitsansätze. Ich denke, entscheidend ist, welche Form jeweils passt. Es gibt da für mich kein „gut“ oder „schlecht“, sondern nur „passend“ oder „unpassend“.

      • Ja, ZEN und seine Rituale. Die Rituale haben eigentlich nur die Funktion, einen klaren Ablauf zu definieren, damit auch eine Vielzahl von Menschen schweigend miteinander klarkommen. Von linken Füssen weiss ich allerdings nichts. Ich kenne lediglich die Verbeugung als Achtsamkeitsgeste und die Klangschale als „Timer“. Die Vorschrift „Dunkle Kleidung“ gibt es bei uns auch, in der Praxis heißt das aber nur, dass man nicht in schrill-buntem erscheinen soll. Könnte ja manchen ablenken…
        Was ich auch nicht verstehe, wenn manche ZEN Zentren das tragen von traditionellen japanischer/chinesischer Meditationskleidung verlangen. Soll ja kein Folkloreverein sein, oder?

        Die Räucherstäbchen…manche mögen die nicht. Ich finde sie ganz nett. In alter Zeit dienten sie als „Timer“ für die Meditation. Waren sie abgebrannt, war die Meditationsrunde rum.

        Ganz besonders finde ich Deine Aussage, dass die Form passen muss. Die wesentlichen Grundgedanken sind ja oft ähnlich bzw. gleich.
        Viele Grüße,
        Dieter

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