Smartphone abgeschafft

Telefon-Experimente…

Irgendwie ist es sowieso schwierig: Mein Verhältnis zu Telefonen. Es gibt kaum ein Teil, wo ich so unschlüssig bin und so oft immer wieder ausprobiert und herum experimentiert habe. Immer wenn ich dachte, nun endlich eine Lösung zu haben, war wieder irgendwas. Bei den Smartphonen kenne ich die Betriebssysteme Android, iOS und Windowsphone. So richtig überzeugt, hat mich aber nichts davon. Erschwerend für mich ist, dass ich aufgrund von Schwerhörigkeit, gerade beim Telefonieren erhebliche Probleme habe. Bei den meisten Handys verstehe ich einfach viel zu wenig. Telefonieren ist mühsam und anstrengend. Wäre dies Problem nicht, hätte ich mich vermutlich mit den Smartphones irgendwie arrangiert, mich aber letztlich auch nur etwas länger damit rumgeärgert.

Ein kleines rotes hörgerätekompatibles Einfachhandy ging vor einiger Zeit zu Bruch. Danach probierte ich es einige Wochen lang doch wieder mit einem gebrauchten iPhone. Damit konnte ich sogar halbwegs gut telefonieren, war aber irgendwie nicht richtig zufrieden, habe mich mehr damit herum gequält, als das es mir Freude bereitet hätte. 

Smartphones sind zweifelsohne praktisch, vielfältig, können viele einzelne Geräte ersetzen. Deshalb hatte ich ja auch immer wieder ein Smartphone. Was ein Smartphone aber nicht kann – und das begreife ich erst jetzt so langsam: Es kann nicht dafür sorgen, dass ich dieses Gerät auch mag. Ich mag einfach keine Smartphones. Punkt. Sie sind maximal so lange interessant, bis ich deren Funktionsweise kenne. Ich kann damit umgehen, finde mich recht schnell damit zurecht. Sie sind praktisch. Ich mag sie aber nicht.

Smartphone mit Headset für Schwerhörige

Smartphone Dorophone Startseite ohne Widgets

Foto eines Windowsphones

 

Was mir an Smartphones nicht gefällt

Smartphones müssen relativ oft aufgeladen werden. Ich habe derzeit ein Dienst-Smartphone welches ich mehrfach am Tag aufladen muss. Extrem nervtötend. Dann auch noch ein privates Smartphone täglich aufzuladen, finde ich schlichtweg ätzend.
Die relativ kleinen Displays der Smartphones sind sehr unkomfortabel. Ein Smartphone mit relativ großem Display ist dann aber auch mehr als merkwürdig, wenn ich damit telefonieren will. So ein riesen Ding am Ohr will ich nicht. Es ist auch viel schlechter zu verstauen.
Auch um das einfachste Smartphone muss ich mich mehr kümmern, als um ein einfaches Tastenhandy. Ich möchte beispielsweise nicht ständig irgendwelche Mitteilungen unterwegs bekommen. Das ständige Geblinke und Gepiepe macht mich komplett kirre. Daher muss ich immer erst mühsam alle möglichen Funktionen des Smartphones deaktivieren. 
Als Wecker ist ein Smartphone für mich untauglich – viel zu leise für meinen Bedarf. Außerdem möchte ich so ein Gerät auch nicht ständig nachts noch in Ohrnähe haben.

 

Warum es auch ohne Smartphone geht und welchen Vorteil dies hat

 

Vereinfachte Lebenssituation
Meine Wohnsituation und der Arbeitsweg haben sich seit meinem Umzug im letzten Jahr geändert. Ich kann zur Arbeit zu Fuß gehen, brauche nicht mehr die aktuellen Fahrpläne durchstöbern, keine Alternativen für nicht fahrende S-Bahnen etc. suchen. Da ich schon seit längerem kein Auto mehr habe, brauche ich das Smartphone auch nicht mehr als Navigationsgerät und aktuelle Staumeldungen sind mir als autoloser Privatmensch auch wunderbar egal.

 

Achtsamkeit auf sich selbst, statt ständiger Abgelenktheit
In den Zeiten, in denen ich noch längere Arbeitswege hatte, fiel mir irgendwann auf, wie häufig ich immer wieder im Smartphone „herum daddelte“. Zeit vertreiben, Wartezeiten überbrücken, irgendwelche aktuellen Infos abrufen – es gibt so unendlich vieles, was man mit einem Smartphone machen kann. Nur eins wurde schwieriger für mich: innerlich abzuschalten und „runter zu kommen.“ Statt ins Smartphone zu schauen, mal die auf- oder untergehende Sonne beobachten, den Vögeln zu hören oder einfach auch mal „Löcher in die Luft zu schauen“ – das entspannt einfach viel mehr.

 

Es gibt vielfältige Wege der Kommunikation
Unbedingt WhatsApp haben zu müssen, um Kontakte zu pflegen: Brauche ich nicht. Es gibt Email, viele Chat-Alternativen, man kann nach wie vor immer noch ganz gewöhnlich telefonieren und SMS geht ja irgendwie auch noch. Und ich muss auch nicht ständig, überall und auch nicht permanent unterwegs kommunizieren. Das geht nach wie vor sehr viel komfortabler von Zuhause aus. Die ersten Jahre mit eigener Wohnung, hatte ich nicht mal ein Festnetztelefon, sondern bin zum Telefonieren zum nächsten Telefonhäuschen gegangen (die gabs da noch). Vereinsamt bin ich in dieser Zeit auch nicht. Bei meinen Fahrten mit dem ÖPNV bekomme ich dann heutzutage unfreiwillig die häufigsten Inhalte beim Telefonieren mit: „Ich bin jetzt gerade in der Bahn.“ So so, dafür brauche ich ein Handy? Nein, brauche ich nicht. So aufregend wichtig sind mir solche Mitteilungen nicht.

 

Und wenn ich doch mal mobiles Internet etc unterwegs nutzen möchte?

Ich habe noch ein Tablet, dieses Gerät mag ich wirklich und ich ärgere mich über mich selbst, dass ich die Lösung, die mir seit langem immer wieder im Kopf herum geisterte, nicht konsequenter verfolgt habe: Bei gelegentlichem Bedarf kann ich auch dieses Tablet unterwegs mit einer Prepaid-Simkarte nutzen. Ich habe eine Simkarte, mit der ich unterwegs auch ohne gebuchtes Internetpaket kostenlos Chat-Nachrichten verschicken kann, z.B. wenn es zu laut zum Telefonieren ist und mir die Tastatur des Handys zu umständlich ist. Bei mehr Bedarf kann ich entweder tageweise mobiles Internet buchen oder aber auch mal ein 30-Tage Paket, wenn es mehr werden sollte. Dieses Tablet hole ich ohnehin nicht ständig aus der Tasche, das ist viel zu umständlich. Ich nutze es nur, wenn ich es wirklich wichtig finde und meistens bleibt es Zuhause. Wenn ich es dann benutze, kann ich wenigstens vernünftig etwas auf dem 9,7 Zoll Display erkennen und muss mich nicht mit einem Winzig-Display herum schlagen.

 

Einfacher leben mit 3 Geräten…

Unter’m Strich sind das dann allerdings mehr Geräte. Statt einem Smartphone habe ich jetzt: Einfachhandy, Tablet und für Zuhause noch einen kleinen Wecker. Den überhöre ich dann aber auch nicht, da er neben dem üblichen Gebimmel, auch Vibrations- und Lichtalarm hat.

Mehr Geräte, trotzdem ist diese Lösung für mich sehr viel minimalistischer, als weiterhin ein Smartphone zu nutzen. Insbesondere bin ich damit zufriedener, weniger genervt und sehr viel unabgelenkter. Mein Orientierungssinn ist wieder besser geworden, weil ich nicht mehr ständig die Navifunktion des Smartphones nutze. Bin ich mit der Bahn unterwegs, werde ich inzwischen auch lockerer: Da ich jetzt relativ zentral wohne, komme ich immer irgendwie an. Ich muss keinen Vorort-Zug mehr erwischen. Vom Dortmunder Hauptbahnhof aus sind es rd. 1,5km nach Hause. Die kann ich genau genommen sogar locker zu Fuß gehen. Man glaubt es kaum, aber ich komme tatsächlich auch ohne Navi, Fitness-Tracker und Schrittzähler an.

 

Ganz nebenbei:
Wenn ich unterwegs bin und sehe, wie sehr Smartphones überhand genommen haben, wenn ich dann fast nur noch darauf warte, dass der erste Smartphone-Dauernutzer vor die nächstbeste Laterne läuft, lächle ich manchmal in mich hinein und fühle mich dann plötzlich irgendwie „supercool“, „hipp“ und „stylisch“ mit meinem kleinen Einfachhandy. 😉

Foto eines Einfachhandys, Klapphandys in Silber mit schwarzen Tasten.

 

12 Kommentare

  1. Danke für den Denkanstoß. 🙂

    Am liebsten wäre mir eine Lösung komplett ohne Mobilfunk. Wozu unterwegs erreichbar sein? War ich in meiner Jugend auch nicht, und da hat es auch geklappt mit Absprachen etc. Ich muss noch mal grübeln um eine Lösung finde, die für mich auch tragbar ist, befürchte aber, dass die Maximal-Lösung nicht tragfähig ist.

    Evtl. mit einer „Übungswoche“ anfangen, in der das Handy einfach abgeschaltet in der Ecke liegen bleibt. Ich muss mal „weiterdenken“. 🙂

    Dir noch einen schönen Sonntag.

    • Die Kommunikationswege haben sich auch einfach verändert. Vieles ist schneller, einfacher geworden. Aber ist es auch besser? Manchmal ja, aber eben nicht immer. Und ich überlege, ob genau diese Erfahrung eben auch eine Rolle spielt: Wenn man halt ohne solche Mobiltelefonie lange Jahre und Jahrzehnte gelebt hat und weiß, dass es doch auch ohne ging. Da hat man sich wenigstens auch mal persönlich was zu erzählen, anstatt alles nur per Chat hin- und her zu funken. Ganz ohne Handy ginge es bei mir nicht, will ich auch gar nicht. Ich habe nämlich kein Festnetztelefon mehr. Aber das Handy lässt sich auch simpler, einfacher nutzen, auf lautlos stellen, etc. – Für mich passen die Smartphones nicht, aber für andere Menschen ja schon. Ich finde nur, dass diese Geräte im Alltag einfach viel zu dominant sind.

  2. Hallo Gabi,

    ich hatte vor ein paar Jahren schon mal darüber geschrieben, was für mich der Hauptgrund ist, kein Smartphone zu besitzen: Zeit. Sowohl Anschaffungs, als auch Wartungskosten und Nutzungszeit sind bei Smartphones wesentlich höher. Mittlerweile habe ich trotzdem eins, weil ich kein Tastenhandy gefunden habe, das meine Anforderungen erfüllt hat. Damit es nicht überhand nimmt, richte ich mir gern feste Handyzeiten und auch Offline-Tage ein. Und am liebsten lasse ich das Handy einfach zu Hause. 🙂

    Stichwort: Displaygröße. Bei Tastenhandys sind die doch viel kleiner. Ich kenne derzeit kein Smartphone, bei dem ich sagen würde, dass der Bildschöne zu klein ist – und ich habe schon die kleinste Ausführung, weil die wenigstens in die Hosentasche passt, ohne stark auszubeulen. Aber das sehe ich in ein paar Jahren womöglich wortwörtlich anders…

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Bzgl. Display: Beim Einfachhandy muss ich ja nur Zahlen tippen, daher finde ich das vernachlässigenswert. Beruflich brauche ich ein Smartphone wegen Kontakte zu Gehörlosen. Wenn man da viel schreibt und tippt, ist es restlos nervtötend. Was aber z.T. auch als Brillenträgerin eine Frage der Fehlsichtigkeit ist. Deinen Umgang mit Smartphones gefällt mir, denn er ist wirklich reflektiert und bewusst. Bei mir hakt es z.T. auch an passenden Smartphone-Geräten. Die sind einfach nicht ausreichend auf besondere Bedürfnisse ausgerichtet. So werden Smartphones für Schwerhörige auch gerne mit Smartphones für Senioren in einen Topf geworfen. Hallo? Ich weiß, wie man so ein Ding bedient, ich brauche kein einfaches Bedienmenü und es nützt mir nichts, wenn die Klingel super laut ist. Ich brauche auch keine Fernwartung durch Verwandte oder Freunde. Ich will aber mit den Dingern telefonieren. Ich höre beim Telefonieren meistens nur Genuschel, es rauscht, es gibt Störgeräusche, es ist zu leise. Kurzum: es macht keinen Spaß. Und für all die anderen Dinge kann ich auch ein Tablet nehmen. Ok, aber dieses Problem haben auch – zum Glück – nicht alle.

  3. hallo gabi,

    hab gerade meine ganze technikschublade abgeschafft. kamera verschenkt. drei tastaturen zurück gesendet weil nur angeblich mit tablet kompatibel. hach, jetzt fühl ich mich super! laptop unbenutzt wieder verkauft. alte kabel entsorgt. mobiles internet hab ich 2 monate gezahlt aber nicht genutzt. dank treuebonus noch geld dabei verdient. also gekündigt. unterwegs bin ich erreichbar: man kann mich ansprechen. für internet hab ich keine zeit unterwegs. wie schön, dass du deinen weg gefunden hast!

    lg tanja

    • Hallo Tanja, das klingt, wie eine Befreiung und genau so sollte es auch sein: befreiend. Ob das nun diese oder jene Dinge, Smartphone ja oder nein: Hauptsache, es ist passend.

  4. Christian Roth

    Ich habe bei meinem Smartphone bei fast allen Apps die Benachrichtigungen abgeschaltet und eine Ruhezeit von 18:00 bis 07:00 Uhr eingerichtet.
    Weiters nutze ich Threema als Messenger und den verwenden nur meine wichtigsten Bezugspersonen.
    Musste für eine Arbeitsgruppe WhatApp zur Koordination installieren und wurde fast verrückt, da ich für jedes „LOL“ eine Benachrichtigung bekommen habe … Sinnfrei.
    Aber ich habe mein Leben so organisiert, dass ich fast keinen PC/Notebook mehr brauche, da ich alles mit meinem Smartphone abdecken kann.
    Mein Smartphone hat ein großes Display, ist sehr still und ein feines, kleines, optimiertes Helferlein 🙂

    • Ich finde es ja sehr beruhigend, dass es doch mehr Menschen als es so mitunter aussieht, sehr klare Haltungen, Regelungen für sich gefunden haben. Ich vermute, dass diejenigen, die sich für Minimalismus ernsthafter interessieren, eben in den unterschiedlichsten Bereichen den Wunsch nach „weniger ist mehr“ haben.

  5. Hallo Gabi,
    bei deinem Beispiel mit der Laterne muss ich gerade daran denken, dass vor einiger Zeit ein Spaziergänger mit dem Handy in der Hand vor einen LKW gelaufen und gestorben ist in Herdecke. Einfach auf die Straße gelaufen ohne zu gucken. Ziemlich hoher Preis für die Smartphone-Nutzung…
    Ich sortiere mich auch immer wieder neu. Einerseits finde ich die neuen Kommunikationswege praktisch, manchmal sorgt es auch für mehr und bessere Kommunikation. Anderseits verliere ich mich auch immer wieder darin. Zuhause übe ich mich darin es ziemlich konsequent aus der Hand zu legen und einfach an einem festen Ort liegen zu lassen.
    Auf ein Extradiensthandy würde ich auch nicht verzichten – ich habe das gerne getrennt. Privat und dienstlich.
    Liebe Grüße
    Nanne

    • Hallo Nanne, das ist ja dann schon fürchterlich – mit der Straßenlaterne, das fände ich ja irgendwie halb so wild. Das Diensthandy ist unverzichtbar für mich, auch dienstliches und privates klar zu trennen, sonst wäre ich binnen kürzester Zeit eine Nervensäge. Ich telefoniere ja während der Arbeitszeit auch konsequent nicht privat.

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