Die Minimalismus-Falle

Wie das Leben so manchmal ist:  #Konsumauszeit – und prompt sind einige Dinge einfach kaputt. Ich greife mal das banalste Beispiel überhaupt heraus: Socken sind hinüber. Einer nach dem anderen. Gestopft, wieder getragen, wieder kaputt. Irgendwann reicht eben auch die Kunst des Stopfens nicht mehr. Dieses Thema habe ich häufiger und das schon sehr lange. Und so entdecke ich sie wieder: die Minimalismus-Falle.

Ich entdecke, dass ich Konsumauszeit deshalb spannend finde, weil ich dann nichts einkaufen muss und nicht, weil ich zu häufig losziehe. Das, was nach Minimalismus aussieht, ist in Wirklichkeit einfach nur Einkäufe vor mir herzuschieben – bis zu dem Zeitpunkt, wo ein Einkauf sein MUSS, aber zeitlich und inhaltlich eigentlich überhaupt nicht passt. 

Konsumkritikzeit

Ein Grund für diese Einkaufsunlust ist die Qualität der Dinge. Die Konsumauszeit ist in den letzten beiden Wochen für mich eher zu einer Konsumkritikzeit geworden. Viele Dinge, insbesondere elektrische Geräte, haben einfach eine deutliche kürzere Haltbarkeit. Ich spüre immer mehr, wie sehr mich das stört. Schon aus diesem Grund alleine habe ich oft keine Lust daran, mir überhaupt irgendwas zu kaufen. Gleichzeitig gibt es ein Überangebot an allem möglichen Krams. Die Auswahl ist endlos. Einkaufen wird schnell zum arbeitsaufwändigen Hürdenlauf, bei dem ich mich durch Testberichte, Onlineshops und Geschäfte vor Ort quälen muss und so gerate ich in die Minimalismus-Falle:

 

Minimalismus-Falle 1 – Überfülle

Wenn ich etwas einkaufen will bzw. muss und habe dann Pech, ist die Stadt voll mit Menschen. Ich quäle mich durch die überfüllte Einkaufszone, wühle mich durch das mit Menschen und Dingen überfüllte Kaufhaus, stehe gefühlt ewig an einer Kasse. Kaufe ich online, habe ich zwar mehr Ruhe, aber das zu kaufende Ding auch nicht selbst in der Hand. Dann die Überlegung, welchen Shop ich jetzt nehmen soll, diesen oder jenen? Manchmal geht bei der Bestellung, manchmal beim Versand etwas schief. Irgendwas ist ja immer. – Also lasse ich es gerne mit dem Einkaufen, bis es wirklich nicht mehr anders geht und ziehe entsprechend schlecht gelaunt los…

 

Minimalismus-Falle 2: Perfektionismus

Perfektionismus im Zeitalter geplanter Obsoleszenz – das ist auch eine Hausnummer…
Ich hätte gerne immer DAS perfekte Produkt. Elektrische Geräte sollen ewig halten, keinen Platz weg nehmen, wenig Strom verbrauchen. Kleidung am liebsten bio und fair gehandelt, genau nach meinem Geschmack und in meiner Lieblingsfarbe, genau passend, preislich angemessen und direkt bei mir um die Ecke zu kaufen. Natürlich gerne all diese Vorteile gleichzeitig. Klappt natürlich nie. – Also lasse ich es dann mit dem Einkaufen. Meistens hänge ich tage-, wochen- oder monatelang in irgendwelchen Entscheidungsschleifen fest ohne jedes Ergebnis. Nach meinem Geschmack ist dies aber viel zu viel Aufmerksamkeit auf Dinge, die ich noch gar nicht habe.

 

Raus aus der Minimalismus-Falle

Mir geht es darum, mich mit der Anschaffung von notwendigen Dingen, möglichst nicht so lange und möglichst stressfrei zu beschäftigen. Auch das ist für mich Minimalismus: Wie minimalisiere ich Aufwand und Stress:

 

Meine Ideen dazu:

  • den eigenen Bedarf regelmäßig überprüfen: Wieviele und welche Dinge brauche ich tatsächlich?
  • Geht es auch ohne dieses oder jene einzelne Teil?
  • Zeitdruck vermeiden
  • Typische Zeiten überfüllter Kaufhäuser meiden (z.B. samstags, Vorweihnachtszeit, …)
  • Prioritätenliste – welche Aspekte meiner perfektionistischen Ansprüche sind am wichtigsten, wo sind ggf. Kompromisse möglich?
  • Frühzeitige Einkaufsliste erstellen – was wird in den nächsten Wochen oder Monaten vermutlich notwendig? 

Notizbuch mit Füller als Ausweg aus der Minimalismus-Falle

 

 

 

14 Gedanken zu „Die Minimalismus-Falle“

  1. Sehr erkennbar und ehrlich von dir. Ich wünsche dir viel Glück beim einkaufen und das perfekte Produkt finde ich meistens auch nicht… ich bin soooooo froh das ich zum Weihnachtsstress NICHT einkaufen muß 😊😊😊

  2. Ich habe diese Herausforderung mit Listen und Standardisierung gelöst.

    Jeder Bedarf kommt auf eine Liste. Da gibt es die normale Einkaufsliste, die Liste für Wünsche mit Bedenkzeit, die Bücherliste etc.
    Ich habe mich auf bestimmte Marken bei der Bekleidung eingeschossen, ist praktisch mein Stil , so brauche ich nicht lange zu suchen.
    Online kaufe ich fast nichts ein, den Stress mit suchen, bestellen, warten auf das Paket, abholen von der Post etc. tue ich mir nicht mehr an. Reklamationen bei einem Händler vor Ort sind auch leichter und schneller erledigt.
    Ich habe einen Speiseplan, so ist die Bevorratung ein Kinderspiel und das Budget sehr leicht planbar.
    Mein derzeitiger Status: Null Stress mit Einkaufen. 😉

  3. Was du beschreibst, kenne ich gut! Vor allem das mit dem Perfektionismus. Einerseits finde ich das ganz gut, denn es passiert eine natürliche Auslese: wenn es mir zu Jubel Stress ist, das beste (oder sagen wir für meine Bedürfnisse und Ansprüche optimale) Produkt zu finden, brauche ich es vielleicht gar nicht so dringend?
    Andererseits ist es natürlich selbst kreierter Stress, den man auch vermeiden möchte. Ich halte es so, wie du vorgeschlagen hast: ich notiere mir alles, was ich brauche oder wo ich merke, dass es demnächst den Geist aufgibt. Wenn ich dann mal Zeit und Muße habe, nehme ich die Besorgung eines der Dinge auf der Liste in Angriff. Ganz entspannt und ohne Druck.

  4. Wir haben gestern darüber gesprochen, dass jetzt nicht mehr nur Glühbirnen abgeschafft wurden (wohinter ja an sich noch ein wenig Sinn zu erkennen war), sondern jetzt ganz viele Lampen nur noch Einweglampen sind. Wenn die Lampe kaputt ist, tausche ich nicht mehr nur die Birne aus, sondern die ganze Lampe. Ja, und das gilt auch für Stehlampen, Deckenlampen etc. Der Verkäufer zu meiner Freundin: Aber sie haben doch 3 Jahre Garantie! Meine Freundin: Ja, und danach?!?

    Da bin ich ehrlich gestanden sehr froh, über unseren ganz unminimalistischen Hamsterkauf an 60 Watt-Birnen, von denen vielleicht eine oder zwei jährlich benötigt werden (Für zehn Jahre wird der Vorrat wohl reichen).
    LG Nadine

    1. Jaaaa, das ist mit dem Einzug der LED-Lampen gekommen. Die Stehlampe ist Einweg? Macht doch nix, die birne hält bestimmt 15 Jahre, dann kann man ja mal ne neue Lampe kaufen. Die Idee, dass jemand eine Lampe vielleicht NOCH LÄNGER benutzen will, scheint heutzutage was abartiges zu sein. Wahrscheinlich gibts in 15 Jahren eh wieder was anderes, und die LEDs gibts nicht mehr zu kaufen …..

    2. Ich finde es wirklich auch ein Unding, dass es solche Einweglampen überhaupt gibt. Ich habe hier so eine Lampe, weil ich beim Kauf im letzten Jahr überhaupt nicht auf so eine Idee gekommen bin, dass es das überhaupt gibt. Na, das nächste Mal passiert mir das nicht. Dann stöber ich halt auf dem Flohmarkt.

  5. Hallo Gabi,

    hab mein Lieblingskleid 7 mal zum halben Preis. Es mündet wirklich in Hamsterkäufe. Und vor den Flammen von h und m gerettet. Was ist schon perfekt? Die Stromsparbirnen von Ikea sind super. Hab’s gewagt! Leicht gelbes Licht. Ich horte die bestimmt auch bald. Ich kenne das auch, dass man sich nicht entscheiden kann. Typisch hochsensibel! Ich frage mich dann, ist es existenziell oder geht es nur um … ein Paar Socken? Dann kauf dir ruhig die falschen. Statt Unangenehmes aufzuschieben –
    ging mir lange so mit Formularen – vielleicht am nächsten Tag machen und dich mit 2 Sachen belohnen, die du gerne tust. Bis 1.11 stehen die Wintersachen bei mir. Danach kaufe ich nix mehr wegen dem Weihnachtsrummel. Spontan dachte ich aber auch, du brauchst noch nicht wirklich Socken wenn es da noch so viel nachzudenken gibt.

    Lg Tanja

    1. Hallo Tanja, einfach mal die möglicherweise falschen Teile kaufen: habe ich bei den Socken tatsächlich gewagt. Yeah! Immer noch besser, als Einkaufsstress. Das stimmt wirklich. Diese Sachen mit dem Datum finde ich klasse. Und bis 1.11. für das Winterzeugs ist ideal, denn danach ist der beginnende Weihnachtszirkus unerträglich.

  6. Hallo Gabi!

    Wie recht Du doch hast, perfekt auf den Punkt gebracht. Kenne ich alles von mir selbst auch.

    Dass ich seit Herbst 2013 bereits Konsumauszeit lebe, kann kaum jemand glauben. Für mich ist das eine Erleichterung, denn Einkaufen ist nur Stress.

    Ein Beispiel aus den letzten Wochen – mein Badeanzug ist kaputt. Derzeit bin ich gerade auf Reha und gehe jeden Tag schwimmen. Am ersten WE wurde klar, die Gummiteile haben ihr Leben (wörtlich) ausgehaucht und sind porös und steif und sogar der Stoff wurde brüchig.

    Wie kann ein Badeanzug so schnell kaputt gehen frage ich mich und rechne dann kurz nach, wie alt er ist. Ok, so schnell war es doch nicht.

    Nachdem noch 2 1/2 Wochen vor mir lagen, wollte ich einen neuen Badeanzug kaufen. Am ersten Tag habe ich es kunstvoll verdrängt und habe mich noch nicht einmal selbst gewundert. Am zweiten Tag habe ich bewusst die Öffnungszeiten verstreichen lassen. Am dritten Tag bin ich endlich ins Geschäft um festzustellen, sie haben genau 1 Modell wie ich es will. Und das passt nicht.

    Also habe ich die Neuanschaffung wieder verschoben und gemeint, die (mittlerweile) 2 Wochen hält er schon noch durch.

    Ich bin froh und glücklich dass es den Kostnixladen gibt. Keine Menschenmassen, kein Ausverkauf, kein Durcheinander. Die perfekte Konsumalternative für mich.

    Das ist slow-konsuming , denn man braucht Zeit um das zu finden, was man möchte. Man kann sich die Zeit auch lassen, denn nichts drängt.

    So soll es sein.

    Danke für den tollen Beitrag!

    lg
    Maria

  7. Hallo Gabi,

    ich reihe mich hier mit ein – besonders bei den Socken!

    Dadurch, dass ich nicht so viele Paare habe, trage ich sie sehr intensiv, was sich in schnellerer Abnutzung zeigt. Momentan trage ich alle meine Socken ab, weil ich bisher noch kein Paar gefunden habe, dass meiner Prüfung standhält. Dabei kann es doch nicht so schwer sein, dünne Wollsocken ohne Kunstfaser in der Farbe Grau oder Natur zu produzieren, sollte man denken. Weit gefehlt. Beitrag dazu folgt.

    Das mit den Einweglampen ist mir auch neu. Unter diesen Umständen nehme ich meine Deckenlampe beim nächsten Umzug vielleicht doch mit und lagere sie bei meinen Eltern ein, anstatt sie dem Nachmieter zu überlassen.

    Was Haltbarkeit anbelangt, empfinde ich die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren als Witz! Fünf Jahre fände ich eher vernünftig. Je nach Produkt auch gern zehn oder dreißig. Das würde tendenziell auch Dumpinglöhnen und schlechten Arbeitsbedingungen vorbeugen.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    1. Hallo Phillip, die längere Gewährleistung fände ich auch eine super Sache. Ich wäre durchaus bereit, mehr zu investieren, wenn ich wüsste, das Teil hält, wurde fair produziert und vergrößert den Müllberg nicht noch weiter. Und mein Eindruck ist, dass es zwar viel Zeugs gibt, aber trotzdem wenig Auswahl. Will man nicht die üblich vorhandene Massenware, wird es schwierig.

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