Filmtipp: Zeit für Stille

Zeit für Stille

Es ist der Samstag vor dem 1. Advent, als ich losziehe, um mir im Kino den Film „Zeit für Stille“ anzuschauen. Ich verlasse meine ruhige Wohngegend. Als ich mich der vielbefahrenen Straße nähere, dringt Autolärm an mein Ohr. An der U-Bahn-Haltestelle wird es wieder ruhiger, nur die Geräusche der Rolltreppe sind zu hören. Einige Menschen unterhalten sich, dann quietschen die Bremsen der heran fahrenden U-Bahn. Der Großteil der Menschen hier ist auf dem Weg in die Einkaufszone der Innenstadt. Das alljähliche Vorweihnachtsshopping hat längst begonnen. Die ehemals stille Adventszeit ist längst zu einem Weihnachtsjahrmarkt geworden – bunt, laut, voll. 

Frau von hinten fotografiert. Wehende Haare. Im Hintergrund verschwommen ein vorbeifahrender Zug.
Foto: © www.zeit-fuer-stille.de

Eine Handvoll Menschen hat schließlich trotzdem den Weg ins Kino gefunden. Es ist still, selbst die üblichen Popcorn-Raschelgeräusche fehlen.

 

Zeit für Stille – der Film

Grünes Feld. An der Grenze zum Horizont ein mittig stehender Baum
Foto: www.zeit-fuer-stille.de

Patrick Shen gelingt es in dem Dokumentarfilm, nicht nur Bilder zu zeigen und interessante Interviews zu führen, sondern die Inhalte für den Zuschauer erlebbar werden zu lassen. Ich bin im ersten Moment überrascht, über die heute so selten gewordenen, langen Bildeinstellungen, genieße sie dann aber um so mehr. Sie lassen tatsächlich meine Augen und Ohren zur Ruhe kommen und mich intensiver in den Film eintauchen. Plötzlich wird der im Wind wehende Grashalm interessant. Ob es der schweigende Wanderer ist, die Mönche im Kloster oder die Menschen bei der japanischen Teezeremonie, überall ist die Weite und das Aufatmen dieser Stille spürbar. Die Zeit scheint zu stehen und die vermeintlichen Grenzen zwischen Mensch und Natur verwischen.

Die Wirkungen des Lärms werden ebenfalls eindrucksvoll dokumentiert. Mir wird deutlich, was für eine mitunter verrückte Welt wir selbst produzieren. Die Auswirkungen des Lärms ist für mich bis in den Kinosessel hinein spürbar. Ich empfinde manche Geräusche so unangenehm, dass sich meine Muskulatur unwillkürlich zusammen zieht. Ich bin froh, als sich die Zeit für Stille wieder im Film und auch in mir ausweitet. 

Zeit für Stille: Ein sehens-, hörens- und spürenswerter Dokumentarfilm.

 

Daten zum Film:

Titel: Zeit für Stille
Regie: Patrick Shen
Sprache: Englisch mit deutschen Untertiteln
FSK: o. Altersbeschränkung
Laufzeit: 81 Min.
Kinostart: 30. November 2017
Verleih: Mindjazz-Pictures

Kinotermine

http://mindjazz-pictures.de/kinotermine

 

Webseite: www.zeit-fuer-stille.de

Trailer 1:

 

Trailer2 (ohne Worte):

 


 

2 Gedanken zu „Filmtipp: Zeit für Stille“

  1. Liebe Gabi,
    vielen vielen Dank für diesen sehr wertvollen Tipp. Ich werde nächsten Samstag nachmittag hier bei mir in der Stadt in den Film gehen.
    Stille Grüße,
    Steffi

  2. Hallo Gabi,
    danke für diesen Filmtipp!

    Wir haben uns den Film auch angesehen. Vorher hatten wir uns den Trailer angesehen und wussten in etwa worum es geht. Wir mussten einiges mit dem Auto fahren, in die große Stadt fahren. Es hat geschneit, auch in der Stadt. Sensibilisiert durch den Trailer hörten wir natürlich etwas genauer auf die Umgebung. Der Schnee dämpfte die Geräusch.
    Im ältesten Kino der Stadt, in dem man noch das Flair der alten Zeit ahnen konnte, wartete eine Hand voll Leute auf den Einlass in den Kinosaal. Kein Popcorn, keine Cola, keine Hektik, kein Krach. Nur die wartenden Menschen, die in dem schönen, Kronleuchter geschmückten Foyer standen und sich etwas unterhielten.
    Was für eine Atmosphäre! Was für ein Auftakt zu diesem Film! Und dann war ja auch noch der erste Advent…
    Den Film kann man nicht beschreiben. Er lebt von den Bildern und Geräuschen. Man muss ihn gesehen haben.
    Beeindruckt hat mich, dass niemand im Kinosaal aufgestanden ist, bevor das letzte Wort von der Bildfläche verschwunden war. Dann standen die Leute auf – leise, fast hätte man gedacht, es ist ihnen peinlich, dass das Raufziehen des Reißverschlusses ihrer warmen Winterjacken ein Geräusch verursacht.
    Ja, der Film gab mal wieder den Anstoß genauer hinzuhören.

    Liebe Grüße, M@ria

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