Achtsamkeit, Minimalismus – raus aus den Schubladen

Neulich entdeckte ich zufällig dieses Zitat:

„Glaube nichts, weil ein Weiser es gesagt hat.
Glaube nichts, weil alle es glauben.
Glaube nichts, weil es geschrieben steht.
Glaube nichts, weil es als heilig gilt.
Glaube nichts, weil ein anderer es glaubt.
Glaube nur das, was Du selbst als wahr erkannt hast.“
Buddha

Mir ging durch den Sinn, an was wir heute so üblicherweise alles glauben, beispielsweise daran, dass uns die „Götter des Konsums“ demnächst nicht nur die neueste Smartphone-Generation bescheren, sondern dann auch noch das Smarthome. Da ist dann kein Weiser, der uns etwas sagt, sondern der Kühlschrank. Er teilt uns mit, was wir einkaufen müssen. Die Modeindustrie erklärt die 52. Saison pro Jahr für „heilig“ und wir sollen natürlich daran glauben. Vom „Tanz ums goldene Kalb“, erzählte schon das Alte Testament und noch immer tanzen wir diesen Tanz unablässig weiter.

Natürlich gibt es Menschen, die diesen Tanz um‘s „goldene Konsum-Kalb“ leid sind und den Minimalismus als Lebensstil für sich entdeckt haben. Stress und Druck in unserer Gesellschaft führt dazu, dass sich plötzlich immer mehr Menschen für Achtsamkeit interessieren. Aber wie schnell sind wir auch hier in Gefahr, uns zu sehr an dem zu orientieren, was andere glauben. Bin ich noch minimalistisch, wenn ich eine Bücherwand oder einen Kaffeekocher Zuhause habe? Oder gar mehr als 2 Hosen und 5 T-Shirts im Schrank? Kann ich mich ernsthaft als Achtsamkeit-Übende bezeichnen, wenn mir mal tagelang so gar nichts achtsames gelingt, nicht mal ein einziger Atemzug? Minimalismus ist angeblich nur etwas für Singles, die mit 100 Teilen durch die Welt wandern und Achtsamkeit ist plötzlich ideal für Firmenbosse, die durch Meditation noch erfolgreicher werden wollen. Und so werden viele „Glaubens-Schubladen“ gebaut und wir packen dies, das und jenes hinein oder zaubern irgendwelche vermeintlichen Weisheiten hervor.

„Glaube nur, was du selbst als wahr erkannt hast“ – dieser Satz klingt in einem gesellschaftlichen Umfeld, das von Vereinzelung geprägt ist, fast unglaublich. Passt das noch in die heutige Zeit? Das klingt irgendwie egoistisch. – Aber ist es das wirklich?

Ich denke, wenn ich mich an irgendwelchen Konsum- oder Schubladengläubigkeiten orientiere, so ist dies viel egoistischer. Beispielsweise sind solche Schubladen sehr bequem. Konsum schafft zumindestens einige sekundenlange Glücksmomente und wenn ich die nur oft genug aneinander reihe, dann reihen sich ja vielleicht auch diese kleinen Glücksmomente aneinander. Zumindestens kann ich mir das einreden. Übernehme ich die Weisheiten anderer und unterscheide nicht genug zwischen Schublade, Weisheit und Schubladenweisheit, so muss ich nicht selbst nach Antworten suchen. – Allerdings ist meines Wissens, noch niemand mit dem Fahrstuhl in den Himmel der Erkenntnis gelangt. Daran wird auch das Smarthome nichts ändern.

Ich würde mir selbst nie anmaßen, erkannt zu haben, was wahr ist. Ich bin in keinster Weise irgendwie erleuchtet und einfach nur froh, wenn mir ab und an mal ein kleines Licht aufgeht. Damit habe ich schon genug zutun. Eins dieser kleinen Lichter ist, dass ich kaum anderen Menschen wirklich begegnen und schon gar nicht ernsthaft unterstützen kann, wenn ich nicht auch mir selbst begegnet bin. Und vielleicht gelingt es uns dann ja doch, dass wir uns ganz ohne Schubladen-Denken in all unserer Vielfältigkeit begegnen und gegenseitig inspirieren können.

Ein Gedanke zu „Achtsamkeit, Minimalismus – raus aus den Schubladen“

  1. Gut geschrieben Gabi. Ich glaube immer mehr daran, dass die eigene Erfahrung einen die eigene Wahrheit lehrt. Mit dem eigenen Körper in Einklang treten und wahrnehmen was einem wirklich gut tut. Und nur weil mir etwas gut tut, heisst das noch lange nicht, dass es jemand anderem auch gut tun muss. Jeder sollte seine eigenen Erfahrungen sammeln und daraus Schlüsse ziehen.

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