Lebensluxus

Es ist nachmittags kurz nach 15 Uhr an einem gewöhnlichen Wochentag und ich genieße den Lebensluxus:

Foto einer Wanduhr

Zeit.

Jahrzehntelang habe ich um diese Zeit üblicherweise eins gemacht: gearbeitet. Seit einigen Jahren arbeite ich halbtags und manchmal bin ich dadurch schon mittags Zuhause. Ich merke, wie sehr ich dies genieße. Die größte und aktuell wertvollste Währung ist Zeit und ich genieße sie.

Auch ich brauche natürlich ein gewisses Geld. Ich lebe nicht von Luft und Liebe, habe keinen Sponsor und auch nicht im Lotto gewonnen. Aber die Freiheit wird spürbar größer mit all den Dingen, die eben nicht mehr so dringend nötig sind. Natürlich ist es manchmal mühsam, sich immer wieder damit auseinander zu setzen, ob dieses oder jenes Teil wirklich neu gekauft werden soll. Mühsam, aber auch sehr befreiend. Es macht unabhängiger von Moden, Meinungen, Trends und irgendwelchen Existenzsorgen.

Das Auto ist lange verkauft, dafür muss ich nicht mehr arbeiten. Ich quäle mich nicht mit irgendwelchen Spülmaschinen, brauche keinen Kaffeevollautomat, erst recht keine Kapsel-Kaffeemaschine. Ich genieße es, in überschaubarer Zeit an einen Urlaubsort zu kommen und für die Anfahrt nicht viel Zeit zu benötigen. Dafür muss ich nicht um die halbe Welt fliegen. Computer und Handy sind gebraucht gekauft und ca. 5 Jahre alt. Ein Sofa habe ich nach rund 16 Monaten immer noch nicht. Einfach, weil mir das, was ich gesehen habe, nicht gefallen hat. Die Zeiten, in denen ich mir dann irgendwelche Möbelkompromisse in die Wohnung gestellt habe, sind vorbei. Entweder gefällt mir etwas oder es findet nicht den Weg in mein Zuhause. Da bin ich sehr pingelig geworden und merke, dass es mir gut tut.

Es geht mir nicht um viele oder wenig Dinge, sondern um viel Leben und viel Lebensqualität. Achtsamkeit ist dabei wie der Silberfaden, der durch den Stoff des Alltages gewebt ist. Ich erlaube mir, meine eigenen Wege und Schwerpunkte zu finden – auch in der Art, wie ich Achtsamkeit lebe und praktiziere. Ich probiere, experimentiere gerne und ich genieße es, das Leben immer wieder neu zu gestalten. Das ist für mich der wahre Lebensluxus.

 

 

8 Gedanken zu „Lebensluxus“

  1. Das Geilste: Man muss auch keine Spülmaschine mehr ausräumen, wenn man keine hat. 🙂 Hab ich heute morgen noch gedacht. Auch nicht mit dem Hund rausgehen … Meine ältere Nachbarin sagt jedes Jahr, ich hätte es richtig gemacht, wenn sie mühsam ihre vielen Büsche schneidet. Ja, da bin ich gerne radikal. Genieß DEINE Zeit in deiner schönen Wohnung, Gabi.

    Lg, Tanja

    1. Die Nachbarin kommt aber vermutlich jedes Jahr aufs Neue nicht auf die Idee, deinem Beispiel zu folgen. Na, Hauptsache, du hast kein Palaver. Dann grüß mir mal deine nicht vorhandenen Büsche, die nicht vorhandene Spülmaschine und den nicht vorhanden Hund 😉

  2. Hallo Gabi!
    Ein schöner Beitrag, den ich -zumindest in punkto Arbeitszeit voll nachvollziehen kann. Ich arbeite auch nur 50%. Allerdings an 2,5 Tagen. Den Rest er Woche bin ich zu Hause und genieße meine Zeit u.a. mit Büscheschneiden. ;-). Wichtig ist dabei aber wohl der Genuss, nicht der Zwang es tun zu müssen. Hier kann ich in meinem eigenen Rhythmus werkeln und werde nicht von der Außenwelt gehetzt. Unser Morgenmüsli besteht rund ums Jahr zu einem großen Teil aus Beeren aus der eigenen Ernte. Beeren mit Geschmack und ohne Transportweg. Der Vorrat reicht wohl recht genau an die neue Ernte heran. Das ist auch ein sehr schönes Gefühl, eben auch etwas Stolz etwas Gutes geschaffen zu haben.
    Thema Geld: Wir abeiten beide Teilzeit. Natürlich haben wir weniger Geld, aber wir haben uns eingerichtet und kommen gut mit dem Weniger hin. Eine vermeintlich tolle Kaffeemaschine u. ä. Schnickschnack haben wir auch nicht, aber ich genieße es bei meinem größeren Haushalt eine Spülmaschine zu haben.

    1. Hallo M@ria, oh 2,5 Tage – das ist natürlich auch schön. Geht bei mir nicht, da ich in meinem Job dann für einige Menschen zu wenig erreichbar wäre. Aber ich will nicht meckern, 4-Tage-Woche mit einer Halbtagsstelle ist wirklich auch ein ziemlicher Luxus. Den Stolz auf Vorräte aus eigenem Anbau kann ich sehr gut nachvollziehen. Bei mir waren es mal einige, wenige Balkontomaten (für mehr reichte der Platz nicht), darauf war ich mega stolz 🙂

  3. Der Bericht ist echt gut, danke dafür! Was ihn noch einen kleinen Tick besser gemacht hätte, wenn die Wanduhr tatsächlich die Zeit anzeigen würde, die vorher steht. Nenn mich penibel, aber das ist mir direkt aufgefallen und jetzt stört es mich …

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