Einen festen Ort für die Dinge finden

Einen festen Ort für die Dinge finden – das ist eine wichtige Grundlage jedes einfachen Aufräumens und erspart mühsames Suchen. Meine bisherigen beiden Schränke habe ich abgeschafft und nutze, wie bereits im vorletzten Beitrag erwähnt, nun die Abstellkammer als begehbaren Schrank. Als klassische Schränke gibt es ansonsten nur noch die Küchenschränke und einen Schreibtischcontainer.

Welche festen Orte für die Dinge passen nun?

Ein minimalistischer Lebensstil macht beim Finden des festen Ortes für die Dinge mal wieder besonders viel Sinn. Weniger Dinge zu besitzen ermöglicht mehr Flexibilität, das Auf- und Umräumen ist einfacher und schneller. Mir ermöglicht es, auch so etwas Gewöhnliches, wie das Anordnen und Verstauen von Dingen achtsamer zu gestalten und gezielt zu experimentieren. Ich beobachte derzeit meine Alltagsabläufe genauer und schaue, welche Dinge ich häufig nutze und welche selten. Das, was ich selten benötige, kommt ganz nach oben oder nach unten ins Regal, häufig genutzte Dinge befinden sich in bequemer Greifhöhe. Weniger Dinge als der Durchschnitts-Europäer zu besitzen, bedeutet nicht, dass mir Dinge egal sind. Im Gegenteil. So habe ich zwar nicht übermäßig viel Kleidung, aber jedes einzelne Bekleidungsstück bedeutet mir etwas und es ist mir wichtig, dass die Kleidung zusätzlich staubgeschützt ist. Daher habe ich den überwiegenden Teil der Bekleidung inzwischen in einigen Kisten verstaut. Für die restliche Bekleidung werde ich dies auch noch umsetzen. Immer wieder wandert noch das ein oder andere Ding von einem Regalfach ins nächste. Ich probiere aus, ich spüre hin, welcher feste Ort für die Dinge passend ist und welcher nicht. Hätte ich eine große Menge an Besitztümern, wäre dies viel mühsamer und aufwändiger. So, wie es jetzt ist, ist es eher spielerisch und experimentell. Es macht einfach auch Spaß. Genau dies ist ein Teil der Einfachheit, die den minimalistischen Lebensstil so interessant und lebenswert machen, nachdem die überflüssigen Dinge endlich entrümpelt sind.

Wo haben Minimalisten eigentlich ihren „unfotogenen“ Kram?

Thorsten stellte neulich in einem Kommentar die Frage, wo Minimalisten eigentlich ihre Drucker haben. Die sind auf Fotos nämlich in der Regel nicht zu sehen.  Da steht meistens ein einzelner Laptop auf einem ansonsten leeren Schreibtisch. Stimmt. Es gibt Dinge, die sich auch in einem minimalistischen Haushalt befinden, aber die nunmal nicht so fotogen sind und auf einem Bild nicht so schickt aussehen. Zwei Beispiele von mir:

Bei mir stand der Drucker immer in irgendeiner Zimmerecke. Da ich den Drucker aber wirklich nur äußerst selten benötige, ist er inzwischen auch in meinen begehbaren Schrank gewandert.

Blick auf das 2,26m hohe Holzregal in einer Abstellkammer. Im zweituntersten Regalfach links steht ein Drucker. Der Drucker ist mit einem Pfeil markiert.

Die wenige Male im Jahr kann ich ihn auch eben hervorkramen. Das stört mich weniger, als das Teil ständig im Zimmer herumstehen zu haben. Ich habe genau gesagt einen Monochrom-Laserdrucker mit Scan- und Kopierfunktion. Das Teil hält und hält und hält. Gäbe es den Drucker nicht, würde sich ein neues Gerät nicht mehr für mich lohnen. Die paar Ausdrucke könnte ich dann auch in einem Copyshop machen. Aber da ich das Gerät habe, nutze ich es halt – wenn auch selten.

Noch nicht alles hat übrigens einen guten Ort gefunden. Da ich mein Futon tagsüber aufrolle, muss irgendwo das Bettzeug hin. Derzeit lagert es noch nach dem Auslüften aufgerollt auf der Wäschekiste. Irgendwo muss halt auch diese Variante von unfotogenem Zeugs hin.

 Blick Richtung Tür. Links vorne ist ansatzweise das Futon zu sehen. Dann ein Schreibtischcontainer. Daneben einen Holzwäschekiste mit Bettzeug drauf. Dann folgt die Tür. Rechts von der Tür ein Klappfuton und ansatzweise ein Sofa.

Ansonsten sieht es in meinem Wohn-Schlafraum jetzt so aus:

Wohnzimmer. Blick von der Tür aus Richtung Fenster. Links ein Sofa, am Fenster ein kleiner eckiger Tisch mit Stuhl. Rechts das Futon und der Berliner Hocker

Das Sofa ist neu hinzugekommen. Es stammt vom Fairkaufhof Dortmund. Im Fairkaufhof werden neben den üblichen Gebrauchtmöbeln von Privatleuten, auch Spenden der umliegenden Möbelhäuser verkauft, die zwar gut erhalten und oft noch neu sind, aber dort nicht mehr verkauft wurden. So landen die Möbelstücke nicht auf dem Müll, sondern werden weiter verkauft. Manchmal sind wirkliche Schnäppchen dabei, so wie mein Sofa. Neuwertig, stabil, gutes Polster für 150€ mit Lieferung an den Aufstellort. Gleichzeitig erhalten einige zuvor arbeitslose Menschen, eine neue Qualifizierungs- und Beschäftigungsmöglichkeit. Ein Gewinn für Mensch und Umwelt. Das habe ich doch gerne unterstützt.

 

15 Gedanken zu „Einen festen Ort für die Dinge finden“

  1. Bei Tchibo gibt’s Tiny Häuser. Schon gesehen, liebe Gabi, Umzugsheldin? Ich genieße gerade mein kühlstes und leerstes Zimmer. Der Kopf ist schön frei. Mich nerven gerade mehr die Menschen als die Dinge. Und wenn man’s ihnen sagt, geht der Stress erst richtig los. Das Ikea Podest wäre auch schön für dich. Nur irgendwie zu breit. Hast du es dann noch live gesehen? Lg in die neue Wohnung. Tanja

    1. Hallo Tanja, Grüße in dein kühles und leeres Zimmer. Das hast du gut erfasst: Das Ikeapodest hat mich auch schon sehr interessiert. Aber: Erst gab es das beim örtlichen Ikea NOCH nicht, die Verkäufer kannten es nicht einmal, obwohl es längst im Katalog stand. Dann etwas gewartet, dann nicht mehr erhältlich. Da weder online noch in den umliegenden Läden zu bekommen, habe ich jetzt den Elchladen mal angeschrieben, ob es das jetzt wirklich gewesen sein sollte. Bei Ikea stand das Teil neulich unten zwischen den Blumen, kurz vor der Lagerhalle (hä??). Ob das wohl als Witz und nicht als Möbel zum Verkaufen gedacht war? Aber die Idee aus 2 Podesten ein Bett zu basteln und ansonsten flexibel zu nutzen gefällt mir. Ich hoffe, ich muss es nicht am Ende noch selbst basteln.
      In ein Tinyhouse ziehe ich nicht. Interessant, dass solche Trends gleich aufgegriffen werden. Ist mir aber zu teuer. Außerdem, abends in so einen Spitzboden krabbeln, wo sich im Sommer die Hitze nett staut – nee, nee. So, wie es jetzt ist, passt es perfekt. Natur genießen und gleichzeitig alles Wichtige zu Fuß in der Nähe erreichbar. Das ist prima und bleibt hoffentlich sehr viele lange Jahre so.

      1. Kurzes Einharken: Wenn die Fenster entsprechend einbaut sind, und alles gut isoliert ist (daran glaub ich bei den Tchibo Häusern nicht), dann staut sich die Hitze gar nicht so. Wir schlafen im Gartenhaus im Spitzboden (quasi wie ein 20 qm Tiny Houses) und es ist super, allerdings mitten in der Innenstadt würde ich auch nicht stehen wollen. Das Haus ist in einer netten Gartenanlage in der es auch kühlenden Baumbestand gibt.
        Wenn du mal in Bremen sein, solltest, bist du herzlich eingeladen! Nicht nur wegen dem Haus 🙂
        Was mir dort auch auffällt, auf kleinem Raum ist jedes nicht notwendige Teil wirklich zu viel und Ordnung zu halten, viel wichtiger als sonst.

        1. Hallo Nadine, ich bin in der nächsten Zeit leider nicht irgendwo in der Gegend von Bremen, aber wenn, schaue ich mir doch gerne euer Gartenhäuschen an. Zum Glück gibt es ja viele Lebens- und Wohnmodelle und die Unterschiedlichkeit finde ich sehr inspirierend.

  2. Zumindest ist das Dach dieser Tiny Häuser von Dachdeckern gemacht. Ich hätte aber Angst vor der Geräuschverschmutzung. Brauche Ruhe und Vogelgezwitscher. So ein Prasseln aufs Dach würde mich z. B. verrückt machen. Hier schrie 10 Tage eine Katze im Garteninnenhof. Da habe ich mir auch dreifachverglaste Fenster nachts gewünscht. Im Tiny Haus will ich mir das alles gar nicht vorstellen. Dann lieber eine Wohnung. Ist auch günstiger, nachhaltiger weil haltbarer.

    Ich frug (heisst das so?) mich gerade beim Instagramdurchklicken, ob Stress ein Statussymbol geworden ist? Ich hab keinen und mache viel.

    Lg Tanja

    1. Stress als Statussymbol, na würde mich nicht wundern. Mir wäre Instagram auf jeden Fall zu stressig. Jedes Mal ein Foto machen und dann immer diese vielen Hashtags. Es gibt bestimmt auch lärmgedämmte Holzhäuschen. Aber wenn es Eigentum ist, muss man sich um so viel Kram selbst kümmern. Manchen Menschen macht das Spaß. Mir nicht.

  3. Oh, danke für das Update zum Drucker. Meiner ist A3. Als ich den kaufte, war ich der Meinung, dass ich den größeren nehmen müsse, beim gleichen Preis. Jetzt habe ich den Salat. Ich habe noch nie A3 gedruckt oder gescannt. Das würde mir heute nicht mehr passieren. Sollte er irgendwann das Zeitliche segnen, dann würde ein A4 LaserDrucker in die Wahl kommen. Die Vorstellung einen Copyshop aufzusuchen habe ich noch nicht. Es gibt hier auch keinen in Reichweite denke ich, die Meisten haben wohl zugemacht. Da müsste ich mal recherchieren. Gestern wat ich in einem Unverpacktladen. Schön, wenn die das als Service anbieten würden. Ein Drucker für 1000 Kunden oder so.

    1. Hallo Thorsten, es wäre in der Tat schön, wenn es einfach an mehr Stellen möglich wäre, unkompliziert eine Datei von z.B. einem USB-Stick zu drucken, wo auch immer. An Unistandorten gibts das oft, so auch hier in Dortmund. Andererseits habe ich das Druckerteil hier, ist nur DIN A4 und Platz in der Abstellkammer war auch. Also stört das Ding auch nicht wirklich. Das dich ein A3-Drucker gelegentlich nervt, kann ich gut nachvollziehen.

  4. Die Bilder aus deiner Wohnung bisher finde ich traumhaft. Ich würde gerne mehr sehen. *verliebt guck*
    Machst du mal eine „Roomtour“ wenn alles da ist wo du es haben willst? 🙂
    Mein Drucker kann sich mit dem Heim-Netzwerk verbinden. Daher ist es ziemlich gleich wo er steht, wenn denn eine Steckdose in der Nähe ist. Vermutlich machen viele Minimalisten es so oder haben keinen. Ich brauche ihn auch selten aber manchmal ist es ganz praktisch/bequem, wenn man nicht erst zum Copyshop muss.
    Zeigst du mal deinen Rollcontainer? Solche Dinger finde ich sehr praktisch. Deine Küche würde ich den neuen Räumlichlichkeiten auch gerne mal sehen.
    Wie viel hast du im Bad stehen?
    Mir gefallen die Türen und der Fußboden, sowie der Schrank. Das Sofa war eine gute Idee. Das sieht zum sitzen bequemer aus als das Futon.

    1. Hallo Linda, Roomtour: Kann ich machen, dauert dann aber noch. Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch, z.B. ein Unterschrank in der Küche.
      Der Rollcontainer ist eigentlich eine Ivarkommode (Ikea), die gibts jetzt nur noch in 80cm Breite und ist in der schmalen Version nicht mehr zu haben. Ich habe einfach ein paar Rollen drunter montiert.
      Du warst übrigens der 1000. Kommentar 👍

  5. Mir gefällt deine Wohnung/Einrichtung – finde ich sehr inspirierend! Bitte gerne mehr Fotos!

    Seit ich dich vor einiger Zeit auf Twitter gelesen und dein Blog gefunden habe, hab ich auch mit dem entrümpeln angefangen und noch einen langen Weg vor mir, aber mein „Zeug“ wird endlich deutlich weniger und ich versuche mir bewusst zu mache, was ich alles brauche oder eher nicht!

    Ich lese und begleite dein Blog auf jeden Fall weiter, es ist sehr hilfreich! Anfangs fand ich deinen „Minimalismus“ zu extrem, aber mittlerweile weiß ich, dass das bei dir auch ein Prozess war, sehe ich jetzt an mir, so flott geht das alles nicht 😉

    1. Hallo SuMu, es wird noch etwas dauern, aber ich werde sicher nochmal etwas ausführlicher auf meine jetzige Wohnsituation eingehen und da gibts natürlich dann auch einige Bilder.
      Sehr befreiend finde ich das Reduzieren von Dingen dann, wenn es ins eigene Leben möglichst gut passt und wenn man sich mit den eigenen Dingen wohlfühlen kann. Daher finde ich es klasse, wenn du nach und nach schaust, welche Dinge in dein Leben passen oder eben nicht. Ob das dann ein paar Teile mehr oder weniger sind, viel, wenig oder keine Deko – was soll’s, ist doch unwichtig. Nichts wäre langweiliger, als irgendwie glattgebügelt und normiert überall die annähernd gleiche Menge an Zeugs zu finden. Minimalismus ist auch viel Selbstbestimmung.

      Meine Form, wie ich es so mache, ist einfach, wie es meinem Bedürfnis entspricht. Das ist keine Norm, kein Maßstab, sondern einfach nur so, wie ich mich wohlfühle. Genau das herauszufinden, ist ein unglaublich spannender, wenn auch gelegentlich durchaus anstrengender Prozess. Aber sehr lohnenswert. Ich selbst habe beispielsweise überhaupt nicht das Empfinden, dass ich wenige Dinge habe. Es fehlt ja nichts. Ich mache keine Konsumdiät, habe keinen Kaufstopp eingelegt oder sonstwas.

  6. Einen zweiten Stuhl fände ich eventuell doch schön, auch wenn man evtl. alleine wohnt, aber ich sag das mal nur so. Jeder wie er will.

    Das „unfotogene Zeugs“ ist für mich nicht unfotogen. Es bringt etwas Leben in die sachliche Installation, man sieht „hier lebt jemand und der kommt gleich wieder zurück“, ist doch schön. Ähnlich wie eine Schale Obst auf dem Tisch/Kommode oder ein halboffenes Fenster oder Tür. Hoffentlich kann man verstehen, was ich meine.

    Eine einzelne Pflanze müsste bei mir sein, leider bin ich selbst „pflanzensüchtig“ und muss da sehr aufpassen.

    1. Hallo Thorsten, 1 Stuhl, das sehe ich genauso, das wäre mir auch zuwenig. Die anderen beiden Stühle sind mit dem 2. Tisch in der Küche. Dann noch 2 Balkonstühle und zwei defekte und entsorgte Stühle werden noch ersetzt. Ich orientiere mich daran, wieviel Besucher maximal gleichzeitig da sind. Die sollten auch alle sitzen können und auch richtige Gläser oder Kaffeetassen nutzen können. Ich horte keine großen Mengen, aber für 6 Besucher reicht es. Mehr Personen würden wegen meiner Hörschädigung akustischen Stress bedeuten, den ich Zuhause nicht haben möchte. Auf dem Fußboden sitzen und aus Pappbechern trinken, wäre für mich auch nicht minimalistisch, sondern ein Sozial-Horror. Auch im minimalistischen Haushalt darf es gastfreundlich sein, wir sind als Menschen nunmal soziale Wesen und mir gefällt das auch.

      1. Oh, verstehe. Alles durchdacht. Mit Stűhlen halten wir es ähnlich, aber wir haben mehrere Wohnebenen und man muss überlegen, was man durch das gewendelte Treppenhaus trägt. In Folge haben wir mehr Stühle als rechnerisch notwenig. Die Vollholzmöbel in der Sitzecke (seit diesem Jahr, vorher 18 Jahre gepolsterte Sitzecke aus Sperrholz) bewegt niemand, die sind grottig schwer. Dann gibts noch halbschwere gepolsterte Stühle und sehr leichte Metallklappstühle. Unter dem Dach noch zwei Drahtsessel von anno tobac. Da sitzen wir selten drauf, die Katzen aber sxhlafen dort fast jeden Tag. Mehrere Ebenen sind für Minimalismus nicht gerade förderlich. Wir haben trotzdem nur einen Staubsauger, obwohl das jedes Mal ein Balanceakt ist.

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