Der richtigen Zeitrahmen für die Meditation

Meditation lebt von der regelmäßigen Wiederholung und Übung. Es gibt zahlreiche Anleitungen, die dabei helfen können einen Einstieg in die Meditation zu finden. Aber wie lässt sich der richtiger Zeitrahmen für die Meditation finden?

Mich hat die Frage nach dem für mich passendem zeitlichen und inhaltlichem Rahmen immer wieder beschäftigt. Einerseits habe ich einige Einschränkungen in der Beweglichkeit, die ich berücksichtigen und für die ich Lösungen finden muss, andererseits bin ich auch einfach nicht der Typ für „Schema F“. So gut und sinnvoll Vorgaben und Empfehlungen von außen sein mögen, diese „einfach“ übernehmen und mir aneignen, das ist nicht mein Ding. Ich möchte meine eigenen Lösungen finden, erst dann fühle ich mich wohl. Daher habe ich lange Zeit experimentiert, wie nun ein passender Zeitrahmen, speziell für die Sitzmeditation gefunden werden kann und bin zu folgenden Ideen und Lösungen gekommen:

Den richtigen Zeitrahmen für die Meditation finden

  1. Lieber kurze und regelmäßige Meditationszeiten, als nur gelegentliche lange Meditationen. So beeindruckend es ist, wenn man sich am Wochenende beispielsweise gleich 2 Stunden Zeit nimmt, es bringt wenig, wenn die restliche Woche nichts läuft. Daher ist es besser, sich im Bedarfsfall nur 5 Minuten Zeit zu nehmen, dann aber täglich.
  2. Im Bedarfsfall auf andere Achtsamkeitsübungen ausweichen. Dies macht dann Sinn, wenn so wirklich gar nichts zu gelingen scheint. Auch hier ist es wichtig auf Regelmäßigkeit zu achten. Beispielsweise sich beim morgendlichen Duschen, wirklich auf das Duschen konzentrieren, das Wasser auf der Haut spüren, das abtrocknen, usw – gedankliche Pläne für den Tag immer wieder loslassen und zur Wahrnehmung des Duschens zurückkehren. – Ich habe in Phasen, wo ich mich nur schwer auf das Meditieren einlassen konnte, damit begonnen, den Weg zur Arbeit für achtsames Gehen zu nutzen. Diese Übung gestaltete sich im Laufe der Zeit zu einem wunderbaren, entspannten Rahmen vor und nach dem Arbeiten, den ich bis heute beibehalte. Ich achte darauf, den Boden unter meinen Füßen zu spüren, den Wind auf meiner Haut, den Regen, die Sonne, die Geräusche. Solche einfachen Übungen helfen, dranzubleiben und den Zugang zur Meditation nicht ganz zu verlieren und irgendwann dann doch wieder „die Kurve zu bekommen.“
  3. Offenes Meditieren. Mit offenem Meditieren meine ich, die Sitzmeditation ohne festen, vorgegebenen zeitlichen Rahmen zu gestalten. Ich habe es so gehandhabt, dass ich einfach mal längere Zeit ausprobiert habe, wie lange ich die Sitzmeditation von mir aus übe und wann der Zeitpunkt da ist, wo ich denke: „Ok, jetzt reicht es.“ Im Laufe der Zeit kristallisierte sich so ein gewisser Rahmen heraus. Bei mir lag er bei ca. 15 Minuten.
  4. Offenes Meditieren – Plus: Mit offenem Meditieren – Plus meine ich, zu der persönlich gefundenen angenehmen Zeit (siehe zuvor in Punkt 3) nochmal einige, wenige Minuten anzufügen. Ich habe dann beispielsweise an die 15 Minuten, die ich mich in der Regel gut aufs Meditieren einlassen konnte, nochmal 5 Minuten hinzugefügt. Dies lässt den Hintergrund der eigenen Grenzen bewusster wahrnehmen und Lösungen finden, sowie diese Grenzen schrittweise ein Stückchen zu erweitern.
  5. Mit eigenen Einschränkungen und Begrenzungen bewusst umgehen und persönliche Lösungen ausprobieren: Wichtig erscheint es mir auch, die eigenen Grenzen und Einschränkungen besonders achtsam wahrzunehmen. Egal, ob körperliche Erkrankungen oder Beeinträchtigungen, Stressreaktionen, Behinderungen, emotionale Tiefs oder was auch immer eine Rolle spielt: Es ist wichtig, nicht darüber hinwegzugehen, sondern im Bedarfsfall eigene und ganz persönliche Lösungen zu finden. Ich verzichte beispielsweise inzwischen bewusst auf Meditationshocker oder Meditationskissen und nutze einen Stuhl für die Sitzmeditation. Manchmal lege ich mir ein kleines Kissen in den Rücken, manchmal nutze ich einfach den Balkonstuhl und achte sehr bewusst darauf, dass es mir körperlich gut geht. Außerdem dehne und bewege ich mich zwischenzeitlich und lockere ggf. meine Muskulatur – mit Sicherheit sehr viel öfter, als der „Durchschnitts-Meditierende“ (wenn es denn so etwas gibt).
  6. Gerade für Anfänger sinnvoll finde ich den Bodyscan. Er ist eine ideale Basisübung, um ein besseres Gefühl für die eigenen körperlichen Reaktionen zu bekommen. Auch wer Erfahrung im Meditieren hat, wird vom Bodyscan immer wieder profitieren.
  7. Ob man besser morgens, abends oder im Tagesverlauf meditiert, ist aus meiner Sicht ebenfalls etwas, was man ausprobieren sollte. Je nach meiner jeweiligen Arbeitszeit, wechselt diese beispielsweise bei mir.

Meditation – sich einlassen, statt aushalten oder weglassen

Wichtig erscheint mir insbesondere eins: In der Meditation geht es nicht darum, sich an irgendeinem Durchschnitt orientieren oder irgendwelchen Empfehlungen einfach nur zu folgen. Meditation ist keine sportliche Leistung. Es geht auch nicht darum, etwas auszuhalten. Meditation bedeutet, sich auf das Meditieren wirklich einzulassen. Der zeitliche Rahmen sollte sich genau daran orientieren und dürfte je nach Person und Situation unterschiedlich lang oder kurz sein. Im Laufe der eigenen Übungspraxis gelingt es dann in der Regel immer besser, mit den eigenen persönlichen Grenzen umzugehen und bei Bedarf individuelle und tragfähige Lösungen zu finden.

Die Quelle meiner Texte…

Ganz nebenbei: Meditation ist die Quelle meiner Texte auf dieser Webseite. Ohne das Meditieren – mit all den Hochs und Tiefs, die es dort gibt – wäre ein Größteil meiner Texte hier nie entstanden. Ich hätte viele meiner Gedanken und Ideen einfach nicht gehabt. Natürlich meditiere ich nicht, DAMIT mir etwas einfällt, das würde nie im Leben funktionieren. Meine Texte entstehen eher im Loslassen aller Pläne, Vorhaben und ToDo-Listen und sind eher die Folge oder auch Auswirkung der Meditation.

Klangschale auf Dielenfußboden

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