Wenig Dinge?

Wenig Dinge – was ist schon wenig? Wieviel ist wenig? Wenig Dinge habe ich beispielsweise eher aus der Perspektive anderer Menschen. Ich selbst empfinde dies ganz anders. Im digitalen Zeitalter ist es recht einfach, Dinge zu minimalisieren. Es ist vielleicht Arbeit, einige überflüssige Dinge loszuwerden, aber es ist keine heroische Heldentat, keine besondere Leistung, Askese ist es schon gar nicht.

Früher gab es beispielsweise das Röhrenfernsehgerät, Radio, Stereoanlage, Schallplatten, später CD‘s, irgendwann Videorecorder und Videokassetten zum Filme schauen. Dann noch die Bücher im Regal. All diese Dinge kann ich durchaus heute auch noch besitzen, ich muss es aber nicht. Heute besitze ich ein Laptop und Smartphone, habe einen Internetzugang und damit ist alles verfügbar, wofür ich früher Fernseher, Videorecorder, Radio, Bücher, das Wählscheiben-Telefon im Flur und noch so vieles mehr benötigte. All das kann ich nun mit diesen beiden kleinen Digitalgeräten erledigen. Es sind gerade einmal zwei Geräte. Unglaublich.

Wie wunderbar minimalistisch sieht das aus? Ruckzuck wirkt die Wohnung, als sei kaum etwas drin. Dabei ist die Möglichkeit zu Unterhaltung und Information immer noch da. Sogar viel mehr. Der Zugang ist viel einfacher. Es gibt eine endlose Auswahl an Musik, Filmen, Büchern, Informationen, Vernetzungsmöglichkeiten. Ich muss nicht mehr bis 21 Uhr warten, bis das Telefonieren preisgünstiger ist. Es öffnen sich Türen, die früher unvorstellbar gewesen wären.

Ich genieße es sehr, nicht mehr so viel Zeugs herumstehen zu haben. Dadurch habe ich die Möglichkeit, mich auf die wirklich wesentlichen physischen Besitztümer zu beschränken. In kleinen Räumen ist so viel mehr Platz. Abstauben und aufräumen geht blitzschnell. Das ist wunderbar, solche Arbeiten machen mir eh keinen Spaß. Ein minimalistischer Lebensstil ist einfach wunderbar bequem .

Vermutlich habe ich im Vergleich zu anderen Europäern tatsächlich weniger Dinge. Genau genommen habe ich heute aber viel mehr Komfort, als ich es mir je hätte erträumen lassen. Wenn ich einige Dinge weniger als üblich besitze, so bin ich deshalb nichts besonderes und ich leiste nichts besonderes. Da kann man „die Kirche mal im Dorf lassen.“ Die technischen Geräte haben sich einfach nur geändert. Ich lebe genau genommen sogar in viel mehr Luxus als früher. Dieser Luxus sieht nur ganz anders aus und macht sich nicht an der Menge der äußerlich erkennbaren Dinge in der Wohnung fest.

 

 

2 Gedanken zu „Wenig Dinge?“

  1. Die Hochtechnisierung hat seine Tücken, das Wahlscheibentelefon ging damals ohne Strom, es wurde aus der Spannung im Telefonnetz betrieben. Geht der Laptopakku kaputt gibts gar nix mehr ( moderne Laptops bestehen auf die Akkuspannung und laufen nicht mit Netzteil alleine). Ist mir schon passiert. Wenig Geräte erhöht das Risiko, dass mehrere Sachen auf einmal nicht mehr gehen. Dem entgegen steht der von der Industrie verbreitete Trend für jede Aufgabe ein eigenes Ding zu benötigen. Der Haushaltsmaschinenterror , dessen Krönung die Kaffeekapselmaschine oder der Kaffeevollautomat sein dürfte macht die Küchen kleiner. Irgendwo muss es einen individuellen Mittelweg geben, wo es für einen selbst passt. Vielleicht den alten Laptop als Notfallgerät einlagern, wenn ein neuer angeschafft werden muss ?!

    1. Die Kunst heute ist wirklich, das richtige Maß zu finden. Brauche ich den Laptop auch beruflich, ist es schon wichtig, schnell einen Ersatz zu haben. Privat fände ich das nicht so dramatisch. Ich sichere z.B. ohnehin regelmäßig meine Daten und könnte auch einfach übergangsweise mal jemand fragen, ob ich einmal meinen USB-Stick an dessen Gerät anschließen kann, wenn es nötig ist. Telefon ohne zusätzlichen Strom war tatsächlich eine gute Sache.

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