Einfacher umziehen

Nachdem mein Umzug einige Wochen zurückliegt und so etwas wie Normalität einkehrt, einige Gedanken, wie es sich einfacher umziehen lässt – sofern man bei einem solchen Thema überhaupt von ‚einfach‘ sprechen kann.

Umzug – Entscheidungen treffen

Der wichtigste Teil eines Umzuges ist, sich erstmal dazu zu entscheiden:

Treff keine übereilten Entscheidungen

Wenn der Grund für einen Umzug lediglich die zu klein gewordene Wohnung ist, überprüfe, ob sich mit einer gründlichen Entrümpelung Platz schaffen lässt und somit ein Umzug überhaupt nötig ist. Wohnraum ist viel zu teuer geworden, als das man ihn zur Unterbringung von unnötigem Zeugs verwenden sollte. „Hals über Kopf-Entscheidungen“ sind ebenfalls in den seltensten Fällen sinnvoll. Daher ist es immer eine gut,  über wichtige Entscheidungen erstmal eine oder mehrere Nächte zu schlafen.

Warte nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag

Umgekehrt macht es aber auch keinen Sinn, Entscheidungen ewig vor sich herzuschieben. Lebt man sehr lange an einem Ort, wird ein Umzug irgendwann auch emotional schwieriger und mühsamer. Ich hatte beispielsweise mal eine 2-Zimmer-Wohnung, in der sich sowohl als Single, als auch als Paar gut leben ließ. Als ich dort einzog, war ich Mitte Zwanzig, als ich auszog Mitte 40. Während meines Studium waren die Kosten für die Wohnung eigentlich zu hoch  ( Wohnqualität – einfach entspannter wohnen) . Anschließend war es dann die Belastung durch weite Anfahrtswege zur Arbeit, die zu hoch waren. Rückblickend eine fragwürdige und teure Lebenszeit auf Straße und Schiene. Eine konsequente Entscheidung zu treffen wäre besser gewesen, d.h. entweder neuer Job oder neue Wohnung.

Umzug und Älter werden

Ebenfalls nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag warten sollte man mit einem Umzug, wenn es darum geht, sich mit dem eigenen Älterwerden auseinander zu setzen. Zu oft erlebte ich in den vergangenen Jahren, wie es ist, wenn ältere Menschen in irgendwelchen 2.,3. oder gar 4. Etagen ohne Aufzug wohnen bleiben. Irgendwann kamen etliche dieser Menschen nicht bzw. kaum noch die Treppen hoch und runter. Und so saßen sie dann Tag um Tag vor ihrem Fernseher, bis sie letztlich überhaupt nicht mehr raus gingen. Es macht also durchaus Sinn, dass man sich spätestens bis zum Rentenalter mal gekümmert haben sollte, wie man künftig wohnen will und ob sich nicht doch eine passendere und besser zugängliche Wohnung finden lässt. Wenn dann auch noch Einkaufsmöglichkeiten usw. in der Nähe sind, lässt es sich nicht nur einfacher umziehen, sondern anschließend auch einfacher leben. Erst mit 75 Jahren oder später nochmal einen Umzug zu stemmen, kann man natürlich, nur einfacher wird es dann nicht. Selbst mit meinen 57 Jahren fand ich den vergleichsweise überschaubaren Umzug sehr viel belastender, als früher mit sehr viel mehr Dingen. Wer so etwas nicht erkennt, macht sich etwas vor.

Wenn sich noch vieles ändert

Manche von uns befinden sich auch in Lebenssituationen, wo sich absehbar noch vieles ändern wird. Die erste eigene Studentenbude ist beispielsweise eine tolle Sache, aber da absehbar ist, dass nach dem Studium ohnehin noch ein Umzug ansteht, ist es unsinnig, sich die erste eigene Wohnung bis zur Stehkante mit schweren Möbeln zu befüllen. Ähnlich ist es, wenn man weiter entfernt eine neue Arbeitsstelle annimmt, die aber zeitlich befristet ist. Mobile Möbel, die einen einfacheren Umzug ermöglichen, sind dann wirklich sinnvoller.

Umzug – der Blick auf das Wesentliche

Entrümple frühzeitig und konsequent

Bereits bei dem Entschluss, eine neue Wohnung suchen zu wollen, kann man anfangen, sich um die Dinge zu kümmern, die nicht mehr mit in die neue Wohnung sollen. Es macht wirklich Sinn, nochmal jedes einzelne Teil zu überprüfen. Selbst wenn nur eine einzige Kiste mit zu entrümpelten Dingen zusammen kommt, muss die nach dem Umzug nicht ausgepackt werden. Außerdem passt ein neues Zuhause mit altem, überflüssigen Krempel auch nicht so richtig zusammen.

Welche Dinge sind wirklich wichtig?

Ein Umzug ist eine prima Gelegenheit, sich mit DEM wichtigen Minimalismus-Thema überhaupt zu befassen: Welche Dinge sind wirklich wichtig?

Es reicht in der Regel ein Blick darauf, welche Dinge zuletzt eingepackt werden – weil man sie eben noch bis zuletzt braucht. Hinzu kommt die Frage, welche Dinge als erstes wieder ausgepackt werden – vermutlich genau die Dinge, die man zuletzt eingepackt hat. Fertig ist der Blick auf die wesentlichen Dinge. Die Frage, ob Lippenstiftsammlung oder Seife wichtiger ist, erübrigt sich ebenso, wie die Überlegung, ob man abends statt eines Schlafplatzes, nicht vielleicht doch noch eben die Heimkino-Anlage installieren und die SAT-Schüssel auf dem Dach ausrichten sollte.

Vor dem eigentlichen Umzug landet meistens erstmal einiges an Putz- und Werkzeug in der Wohnung. Irgendwas zu putzen oder zu renovieren ist ja immer. Nach dem Umzug ist dann eine Schlafgelegenheit wichtig, ein wenig Kleidung, ein paar Dinge zur Körperpflege, die nötigsten Dinge, um zu mindestens behelfsmäßig etwas essen und trinken zu können. Sind alle möglichen Kisten und Möbeln noch verpackt, sind die ersten Stunden und Tage nach einem Umzug ein Dinge-Minimalismus vom Feinsten. Wenn wir ehrlich sind, stören uns die noch etwas chaotisch umherstehenden Kisten und Möbel doch sehr viel mehr, als die Tatsache, dass es anfangs vielleicht noch etwas improvisiert zugeht.

Den Faktor Zeit nutzen

Ein Umzug kann auch prima als „Packing Party“ genutzt werden, sofern Zeit und Nerven dafür ausreichen. Die Kisten werden nicht sofort ausgepackt, sondern nach und nach – jeweils immer genau die Dinge, die dann auch tatsächlich genutzt werden. Nach Nutzung dürfen diese Dinge dann in die Schränke etc. wandern. Dann mal schauen: Was liegt nach 4 Wochen noch ungenutzt in den Kisten drin? Wurde es vermisst? Können diese Dinge dann nicht gleich entrümpelt werden? Oder mal im Keller zwischengeparkt und schauen, ob man irgendetwas davon innerhalb des nächsten Jahres hervorkramt?

Irgendwelche Dinge sind es ja meistens doch noch, die nach einem Umzug dann doch neu angeschafft werden. Als positiv erlebte ich es, nicht alles sofort und komplett einzurichten, sondern mir wirklich Zeit zu nehmen. Die Fehlkäufe können so gut minimiert werden.

Manchmal liegen dann aber doch Ideal und Realität ein wenig voneinander entfernt – auch bei mir. Ich hatte beispielsweise immer wieder den Hang, mir Möbel zu kaufen, die ich dann relativ schnell wieder loswerden wollte, weil sie mir dann doch nicht gefielen oder unpraktisch waren. Natürlich war ich der Meinung, dass mir dies jetzt nicht noch mal passiert. Ist es aber doch: Das kleine, neu gekaufte Gebrauchtsofa hat einen schönen Stoff, dieser ist qualitativ sehr gut, aber grob gewebt. Schnell entdeckte ich, dass so etwas für Hausstauballergiker wie mich, nichts ist. Tja, hätte ich mir denken können, habe ich aber nicht. Selbst etwas umsetzen, ist dann doch eben immer schwieriger, als darüber zu reden oder zu schreiben 😉 Da ich mich mit Fehlern nicht lange aufhalte, hat das Sofa bereits einen neuen Besitzer gefunden.

 

Foto eines Sofas, mit roten Strichen durchkreuzt.

 

 

 

3 Gedanken zu „Einfacher umziehen“

  1. Bei der Packing Party ist jeder mehr oder weniger schon bei jedem Umzug involviert. Keiner packt alles sodort aus und nutzt dann erst den ersten Gegenstand. Aber irgendwie wird das mulmige Gefühl überflüssige Dinge ein- und auszupacken meist übergangen. Man braucht auch Platz dafür, die Kisten stehen ja herum. Und wer hat Platz für Möbel und unschöne Kisten in der Wohnung? Manche haben dann einen Teil der Kisten in der Kammer oder im Keller. Eine zweite Chance Dinge zu hinterfragen, wenn man denn drauf kommt. Wenn keiner sagt, man soll es wehtun, oder man nicht zufällig Minimalismus im Netz findet, dann tut man das gut erzogen auch nicht.

    Zum Sofa : Die Konsequenz Dinge besser oder richtig zu tun wird durch gegenläufige Strömungen behindert. Manchmal braucht man mehrere Anläufe bis man einen besseren Zustand erreicht und man ärgert sich, dass man vorher nicht drauf kam. Man ändert sich, hat neue Erfahrungen . Was heute richtig ist, war früher falsch oder umgekehrt. Da heißt es wachsam bleiben.

    1. Für die Packing-Party braucht man in der Tat viel Platz und gute Nerven. Ein Allheilmittel ist das nicht, ggf. lässt sich auch prima eine Teil-Packing-Party veranstalten, z.B. alle Bücher oder CD’s oder oder…. Erstmal auf die Idee zu kommen, überhaupt mal das angesammelte Zeug zu hinterfragen, ist u.U. schon ein Kraftakt. Und zu dem „gut erzogen“ fällt mir immer wieder ein, wie „gut erzogen“, dass so ist, einfach Dinge anzusammeln, die man nicht nutzt, nicht wirklich mag, aber andere Menschen möglicherweise sehr viel besser verwenden könnten. Oder man könnte mit weniger Dingen, z.B. als Single oder Paar in eine kleinere Wohnung ziehen und einer Familie mit Kindern Platz machen. Fände ich bei der aktuellen Wohnsituation auch eine prima Sache.

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