Die leeren Räume füllen

Ich gehöre nicht zu denen, die ihre Wohnung irgendwann mal sehr vollgestopft hatte und entsprechend viele Dinge entrümpeln müsste. Aber ich habe den Hang, zu viele Dinge kommen und wieder gehen zu lassen. Dieses Rein und Raus von Dingen finde ich nervtötend. Trotzdem muss ich aufpassen, dies nicht ständig zu wiederholen. Kürzlich wurde mir ein wichtiger Grund deutlich, warum ich dazu neige: Horror vacui – Wir können leere Räume schlecht ertragen und neigen dazu, diese leeren Räume füllen zu wollen.

Die Küche empfinde und empfand ich beispielsweise immer noch unfertig. Stundenlanges Nachdenken, ob ich eine Essecke dorthin machen will oder lieber ein Sofa oder eine gemütliche Küchenbank oder doch einen Sessel – ein ständiges rein und raus an Ideen. Bis ich mir dann irgendwann endlich die Frage stellte, ob mir irgendwas in der Küche fehlen würde, wenn der Raum kleiner wäre und nur das hinein passt, was sich dort gerade befindet. Ihr ahnt vermutlich schon die Antwort… in einem kleineren Raum hätte ich das Gefühl gehabt, dass alles  vollständig ist und nichts fehlt.

Das Problem ist also nicht, dass die Küche unfertig ist, sondern dass sie mehr Platz hat, als ich brauche. Aber muss und will ich wirklich einfach nur den Raum füllen? Und wenn ja, wozu und für wen? Für mich? Nein! Aber es ist noch immer etwas ungewöhnlich und manchmal fühlt es sich für mich  „unnormal“ an, so viel Platz in einer Einzimmer-Wohnung mit knapp 42qm zu haben. Also neige auch ich genau deshalb dazu, die leeren Räume füllen zu wollen. Dann habe ich auch immer so endlos viele Ideen dazu, die sich bestimmt prima umsetzen ließen und es sähe vermutlich sehr schick aus. Aber ich fühle mich in vollen Räumen nunmal nicht wohl. Da nützt mir „schick“ auch nichts.

Deshalb will und werde ich mir definitiv nichts mehr in die Wohnung stellen, was ich weder brauche, noch mag. Ich möchte mich nicht mit irgendeiner Deko abquälen, auf die ich überhaupt keine Lust habe. Ich möchte auch nicht irgendwas neu anschaffen, was ich hinterher sowieso wieder hinaus werfe.

Auch das ist ein wichtiger Aspekt von Minimalismus: Den eigenen „Marotten“ und tatsächlichen Bedürfnissen auf die Spur kommen und schauen, was man selbst wirklich will und braucht. Daher gilt für mich: Die leeren Räume füllen – ja, aber nur mit Leben, nicht mit unnötigem Kram.

 

Weiße Wand mit buntem Wandteppich. Davor steht ein Tisch mit 2 Stühlen.weiße Küchenzeile mit Holzplatte, Spüle, Einzelkochplatte. Außerdem Milchaufschäumer, Glasflasche, Espressokocher, Plastikbox mit Spümittel, Spülbürste, Spüllappen

10 Gedanken zu „Die leeren Räume füllen“

  1. Hallo Gabi,

    als mir gefällt der freie Raum in deiner Wohnung sehr! Ich mag die Idee mit der Obstschale. 🙂

    Was das Optimieren anbelangt: Das ist ebenso wie Minimalismus ein Prozess. Wenn die Welt still stehen würde, wäre man wahrscheinlich schon irgendwann fertig. Aber da alles im Fluss ist und sich Lebensumstände sowie unsere Einstellungen ändern, passen wir entweder uns oder unsere Umgebung fortlaufend an.

    Lieber Gruß
    Philipp

  2. Ich habe heute morgen mit meiner Frau über einen Schrank gesprochen, der auf der einen Seite des Wohnzimmers stand, seit 10 Jahren. Wir haben festgestellt, dass dort einfach zu viel ist (schmales Regal und Fernsehregal und eben dieser Schrank). Da wir hier kein Möbelstück abschaffen können oder wollen, haben wir den Schrank auf der gegenüberliegenden Seite neben den gleichgroßen Vitrinenschrank gestellt. Alle vier Möbelteile gehören optisch zusammen und wurden mal als quasi Schrankwand erworben. Dort gegenüber wirkt es gar nicht zu viel. Die beiden Schränke unterstützen sich sogar gegenseitig. Und auf der anderen Seite ist in annähernd gleicher Breite der Rest. Möbel können Unwucht in Räume bringen. Wir haben unseren Blick inzwischen etwas geschärft scheint es.

    1. Solche Beispiele sind doch wunderbar. Ich finde, darum geht es doch: Die ganz persönlichen Lösungen finden, nicht irgendeinen 0815-Durchschnitt oder elendig alte Gewohnheiten, den neuesten Hype oder sonstwas. Einfach Lösungen, die passender und stimmiger sind.

  3. Dein Sofa ist meine Kleiderstange, Gabi. Thorsten hatte recht. Verstaubte zu schnell. Hab sie wieder raus. War mir auch zu unruhig. Warum kommt denn immer wieder der Wunsch auf nach mehr oder weniger, noch optimierter? Das frage ich mich gerade bei mir. Eigentlich müsste man doch mal fertig sein mit Minimalismus. Mir ist der Raum zu groß. Also in der Küche merke ich das bei mir auch. Und das Offene verstaubt zu schnell. Brauche da so Kästen.

    Lg, Tanja

      1. Ich glaube bei mir ist es einerseits der Wunsch nach Kontrolle, ich will nicht, dass sich das Zeug weiter „unkontrolliert vermehrt“. Dazu aber auch Bequemlichkeit, vielleicht ein bisschen Ästhetik, funktionaler Nutzen der Dinge, der Wunsch nach Balance zwischen Raum, Mensch und Dingen, die darin sind. Die Dinge sollrn dem Menschen dienen, nicht umgekehrt. Minimalismus endet nicht, es kommen ja schon mal Dinge dazu. Dafür geht vielleicht das ein oder andere, meine Frau hat es auf den Punkt gebracht: Nicht so viel Neues anschaffen. Mit dem Entsorgen alter Dinge, wird es dann von selbst weniger, es wird mehr raus- als reingetragen, bis es passt. Heute haben wir 6 Biergläser aussortiert. Wir benutzen Sie nie. Sollten wir wirklich einmal Bier zu Hause trinken, dann muss es aus der Flasche oder eher aus dem großen Wasserglas passieren. Wir haben sie seit über 15 Jahren im Vitrinenschrank, Wahnsinn. Erst heute konnten wir uns dann aber sehr zügig durchringen. Neue Gläser kommen nicht, wir haben einen echten Platzgewinn.

        Ein ziemlich leerer Raum ist übrigens purer Luxus und war früher sehr reichen Leuten wie Adeligen und Königen vorbehalten.

  4. Liebe Gabi,
    mir fällt spontan schon wieder ein, dass ich bei Leere eine Schüssel mit Obst aufstellen würde. Es zieht den Blick an und wirkt wie eine Katze. Du weißt ja, dass eine Katze einen beliebig großen Raum füllt. 😉 Da ist nichts mehr leer und Obst ist Deko , die aufgegessen wird.

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