Gern ein wenig anders – Inhouse-Nomaden

Geht es um Wohnen, habe ich immer schon gerne umgeräumt und verändert. Tisch, Bett, Schrank – gerne hier, da und dort. Irgendwann fiel mir der Begriff Inhouse-Nomaden ein und ich dachte: Ja stimmt, so ein Begriff passt. Ich muss nicht mit dem Rucksack die Welt jetten, aber innerhalb der Wohnung finde ich es nur schwer erträglich, wenn die Dinge immer am gleichen Ort stehen.

Das Rein und Raus der Möbel

Immer mal wieder habe ich versucht, irgendwie so etwas wie eine eher „normale“ Möblierung auf die Reihe zu bekommen. Es gelang mir nur begrenzt und vorübergehend oder nur für die gemeinsamen Bereiche in Partnerschaft und WG. In meinen persönlichen Bereichen war es immer ein hin und her. Damit verbunden aber leider aber ein viel zu häufiges Rein und Raus an Möbeln. Endlose Varianten von Bettgestellen kamen und gingen. Kleiderschränke waren immer gruselig. Ich mag sie einfach nicht. Irgendwann habe ich die Türen der Kleiderschränke tapeziert, dann bemalt, dann entfernt und stattdessen mit bunten Vorhängen versehen. Aber es gefiel mir immer noch nicht. Es folgte die Variante, mir aus Regalen, Jalousien und Vorhängen einen begehbaren Kleiderschrank zu bauen. Diese Konstruktion hielt länger, aber spätestens, wenn man dann irgendwann zu zweit in einer kleinen Wohnung lebt, wird es doch zu eng. Also doch „normale Schränke“, irgendwann dann die 35cm-tiefen Schränke. Die sahen dann nicht mehr ganz so nach Kleiderschrank aus. Mit Sofas bin ich erst seit kurzem durch. Ich mag sie nicht, zumindestens nicht für mich. Auch hier gab es im Laufe der Jahre viel rein und raus. Sofas  kann ich woanders bestaunen und drauf sitzen, bei mir selbst will ich sie nicht.

Gern ein wenig anders

Den Hang, gerne dies und das anders als üblich zu gestalten, hatte ich rückblickend immer schon. Als Teenager ertrug ich irgendwann das Bettgestell nicht mehr und habe Lattenrost und Matratze direkt auf die Erde gelegt. Den Schreibtisch beklebte ich mit Folie, irgendwelche Bilder und Sprüche hingen abwechselnd mal hier und mal da an der Wand und ersetzten mir in dem engen Zimmer das Möbelrücken. In den 70er-Jahren reichte sowas noch locker aus, um sich als Teenie bequem von der Erwachsenenwelt abzugrenzen.  😉 Es dauerte nur etliche Zeit, bis ich verstand, dass dieser Hang zum Inhouse-Nomaden altersunabhängig ist und einfach grundlegend zu meiner Persönlichkeit gehört.

Bedarfsgerechte Möbel für Inhouse-Nomaden

Minimalismus passt wirklich bestens zu meiner Art des Nomadentums am gleichen Ort. Bei Neuanschaffungen lasse ich mir heute bewusst viel Zeit. Erst wenn ich mir wirklich zu 100% sicher bin, dass es dieses oder jenes Teil sein soll, kaufe ich es. Vorher denke ich dann auch lieber erst über irgendwelche Improvisationen nach. Die sind ohnehin viel interessanter. Ich mag es variabel und multifunktional. Meine beiden Holzpodeste mit Futon und Klappfuton kann ich beispielsweise als Sessel, Sofa, Couchtisch und Bett nutzen.

2 Holzpodeste 1x1m mit Futon und Klappfuton

Wie schon einmal berichtet, ist der eigentlich als Abstellkammer gedachte kleine Raum, jetzt mein begehbarer Schrank. Das ist DIE Schranklösung für mich, weil es kein Schrank ist. Hier bewahre ich – Minimalismus sei dank – außer den Küchenutensilien allen Kram auf, den ich besitze. Adé Kleider- und Wohnzimmerschränke – wunderbar!

Blick auf ein Ivarregal mit verschiedenen Kisten, einigen Büchern und Aktenordnern.

 

Mein Küchenblock ist bei kleinen Details immer noch nicht fertig. Will ich ihn überhaupt fertig stellen? Das wäre das Ende von Ideen und Varianten, die mir durch den Kopf wandern. Wenn ich schon die Küche nicht ständig durch die Wohnung schieben kann, dann wenigstens die Ideen dazu in meinem Kopf. Die mobile Küche von Tanja Heller finde ich z.B. faszinierend, aber Minimalismus heißt für mich heute, bloß keine voreiligen Neukäufe ins Auge zu fassen.

Inhouse-Nomaden und schwere, unbewegliche Möbel sind nicht kompatibel. Aber Inhouse-Nomaden und Minimalismus: das passt prima. Und so sitze ich mit dem Tisch mal am sonnigen Fenster, mal mitten im Raum, mal schlafe ich hier, mal da, mal dort. Platz genug habe ich, weil Schrankwände, Bettgestelle und Sofas der Vergangenheit angehören – und genau so fühle ich mich endlich wohl.

3 Gedanken zu „Gern ein wenig anders – Inhouse-Nomaden“

    1. 😂😂😂 – Da bin ich mir definitiv sicher. Landleben liegt mir nicht, hier ist es perfekt für mich. Genau wegen solche Art von Fragen, habe ich mich nur zulange selbst blockiert. Jede/r hat im Idealfall seine/ihre ganz individuelle Variante vom Wohnen. Meine Varianten sind sicher sehr ungewöhnlich, aber es sind ja meine Varianten. Weder sind sie besser, noch schlechter, nur anders.
      Darüber hinaus denke ich, sind wir leider viel zu oft von Gewohnheiten und den bunten Prospekten der Möbelindustrie beeinflusst.

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