Black Friday und umfallende Reissäcke

Derzeit fallen wieder reihenweise Reissäcke um. Ihr kennt ihn doch bestimmt auch – diesen berühmten Sack Reis, der in China umgefallen ist und den hier bekanntlich Niemanden interessiert.  Eigentlich…  Denn der derzeit umfallende Sack Reis hat die Aufschrift „Black Friday“ oder „Cybermonday“ – und er fällt nicht nur in China um. Da wird dieser Sack Reis plötzlich total spannend.

Selbst vor meinem ganz gewöhnlichen analogen Briefkasten macht diese Sorte seltsamer, umfallender Reissäcke nicht Halt. Bei mir war es der Brief, der mir diverse Hilfsmittel bei Schwerhörigkeit anbot: Besser Fernsehen verstehen – ich habe aber kein Fernseher. Einen Lichtwecker – habe ich schon, Hörgerätebatterien – brauche ich zur Zeit nicht.

Das Internet ist voll von vergleichbaren, umfallenden „Black-Friday-Reissäcken“. Alles soooo super günstig, sooo total runter gesetzt. Mode, digitaler Schnickschnack hier und dort, zwischendrin auch noch das Weihnachtsgebimmel und ich frage mich, ob die Menschheit jetzt irgendwie komplett vom wilden Affen gebissen ist? Was soll das? Da scheint der biblische Tanz ums goldene Kalb ja fast noch eine Veranstaltung für Anfänger gewesen zu sein. EIN goldenes Kalb und da sind ALLE drum herum getanzt – Haha…!! Wir haben heute tausende goldene Kälber, zwischen denen wir atemlos hin und her hetzen. Der Black Friday wirft sie uns in unendlichen Formen und Angeboten hinterher.

Goldener Glitzer mit umgekipptem Glas
Photo by Sharon McCutcheon on Unsplash

 

Black Friday – ich empfinde es so, als müsse der überquellende Konsumirrsinn zum günstigen Preis „rausgekotzt“ werden (sorry für dieses unschöne Wort) – um Platz zu schaffen für neuen Kram. All dieses Zeug, mit dem wir als wild gewordene Konsumenten die Wohnungen vollrümpeln, die Müllberge höher werden lassen und uns selbst und unseren Planeten bis weit über die Erträglichkeitsgrenze hinaus belasten.

Alles nur für diesen kleinen Dopaminkick beim Kauf, vielleicht auch für die Zementierung des eigenen Sozialstatus, zur Ablenkung, zur Übertünchung eigener Unzufriedenheit oder für sonstwas.

Zum Glück gelingt es mir manchmal, mich auch ein wenig über diesen Konsum-Irrsinn schlapp zu lachen – das macht es irgendwie erträglicher. Meistens fällt mir dann auch wieder ein, dass es ja nur diese berühmten, umgefallenen und komplett unwichtigen Säcke sind. Statt Reis sind sie voll mit Klimbim und Konsum und den muss ich mir ja nicht in die Wohnung stellen. Zum Glück.

übereinander gestapelte Säcke
Photo by Julian Andres Carmona Serrato on Unsplash

 

Update 24.11:

Der Kaufnix-Tag

Tom hat dankenswerter Weise unten in den Kommentaren nochmal an den Kaufnix-Tag erinnert. Einfach und ganz bewusst, heute mal nichts kaufen und schauen, was der Tag sonst so zu bieten hat – außer kaufen. Eine schöne Aktion

9 Gedanken zu „Black Friday und umfallende Reissäcke“

  1. Hallo Gabi,

    es gibt nur zeri Möglichkeiten : ignorieren oder ausnutzen. Wer tatsächlich etwas benötigt, kann an diesem Tag die Preise hart vergleichen und den Konsumwahn ausnutzen. Timen lässt sich das vielleicht nicht so gut. Vielleicht ein alter Kühlschrank, ein neuer der weniger Strom verbraucht und wo es schon seit Jahren geplant war. Aber vielleicht ist das auch nur theoretisch, ich habe das nicht vor und habe das auch nie so gemacht. Früher gab es diesen Tag aber auch nicht. Halloween gab es auch nicht, heute ist er etabliert.

    Eine entfernte Verwandte sagte einmal zu uns : alles kommt nach 10 bis 20 Jahren von den USA nach Deutschland, das Gute und das Schlechte. Ich war skeptisch, dachte wir sind in Europa immun gegen Unverstand, aber sie hat Recht behalten. die Konsumschafe wollen das , die Verkaufsindustrie auch.

    Deswegen denke ich : Halloween ist o.k. (für die Kinder, die bei uns keinen richtigen Karneval/Fasching haben), aber beworbene Konsumorgien sind furchtbar. Ich ignoriere das. Mein Emaileingang war furchtbar, ich habe alles mit Regeln geblockt, Hygiene muss sein !

    1. An sich finde ich, dass dieser Black Friday wirklich ein rabenschwarzer Tag ist, es sei denn – so wie Thorsten schon geschrieben hat – man benötigt wirklich etwas. Wir haben uns neue Bettdecken gekauft, da unsere bereits über 10 Jahre alt sind und wir diese schon längere Zeit mal austauschen wollten. Und die waren um 70% reduziert und wirklich ein Schnäppchen bei sehr guter Qualität! Mein Vorschlag also: Den Tag nutzen und trotzdem achtsam bleiben 🙂

  2. Hallo Gabi, du sprichst mir mal wieder aus der Seele. Aber leider wird wohl nicht nur Zeug verkauft, das weg muss, sondern auch massenhaft extra für diesen Tag produzierte Waren angeboten. Deren Reste dann demnächst noch billiger verramscht oder verschrottet werden. Gestern Abend wurde übrigens in den Fernsehnachrichten durchaus kritisch über den Black Friday berichtet.
    Viele Grüße Petra

  3. Ich kann es einfach nicht verstehen.
    Also dieses „kuck mal das ist doch was tolles!“ oder „Sowas bräuchten wir auch!“
    Da geht man in einen Laden hinein (was schon schlimm genug ist), weil man ein ganz bestimmtes Kleidungsstück nachkaufen muss und verlässt im schlimmsten Fall die Räumlichkeiten mit Säcken von Kleidungen, die vermutlich alles andere als Fair produziert worden sind. Und warum das alles? Nur des kaufens wegen?
    Ich kann sowas einfach nicht nachvollziehen.

    Ich persönlich versuche wo es geht einen Neukauf zu vermeiden. Kleidung kaufe ich selten ein und wenn versuche ich zunächst etwas gebrauchtes zu finden oder tausche ggf. mit jemanden. Irgendwie bekomme ich zwischendurch eh immer ein paar Teile geschenkt die dann ein trauriges dasein in meinem Schrank haben und nur zu besonderen anlässen raus dürfen bis ich sie dann weiterverschenke.
    Wirklich neu kaufe ich nur Technik ein. Und das auch wirklich nur dann, wenn für mich eine unbedingte Notwendigkeit darin besteht eine Ersatzinvestition zu machen. Dies war zugegeben nicht immer so, aber man lernt im Leben bekanntlich nie aus. Für mich gibt es derzeit wenig, was ich wirklich kaufen müsste. Ich brauche kein Fernseher, Bücher kann man sich leihen und am besten verbringt man seine Zeit eh mit seinen liebsten um einen Tisch versammelt. Leider scheinen viele von uns das noch nicht begriffen zu haben.

  4. Guten Morgen,
    Heute ist übrigens der Kauf-nix-Tag 😉
    Der wir zB von Greenpeace und Attac unterstützt die beiden machen die Leute in Saarbrücken darauf aufmerksam vor der Europa-Galerie (Einkaufszentrum) einfach mal nichts zu kaufen.
    Ich denke mal, das wird auch in anderen Städten so sein, und ich hoffe dass immer mehr Leuten die Augen geöffnet werden.
    LG Tom

  5. Oh wie wahr!!!
    Ich habe mir heute bewusst die Angebote im Internet angeschaut und mich darüber gefreut, was ich alles nicht kaufe und nicht brauche.
    In der Innenstadt waren heute die Parkhäuser überfüllt. Der Konsum hat die Stadt in der Hand.
    Heute war ich mit einer lieben Bekannten im Restaurant – wir haben gut gegessen und uns nett unterhalten. Auch das ist in gewisser Weise Konsum, aber Konsum mit Mehrwert, wie ich finde! Ich möchte keinen verurteilen, wirklich nicht.

    Heute habe ich viel an meine Großmutter gedacht, die damals im Dorf aufgewachsen ist und wo die Fahrt in die Stadt schon immer was ganz besonderes war – und dennoch war sie glücklich mit dem, was sie hatte.

    1. „mich darüber gefreut, was ich alles nicht kaufe und nicht brauche.“

      Klasse ! Kopfkino wie ich es mag. Durch die Shoppingcenter gehen und (Plastik)müll anschauen und dagegen immun sein. Kostet nix und motiviert zum weiteren Ausmisten eventueller Konsumleichen in der Wohnung.

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