Schmeiß alles weg… ???

 

„Die Dinge sagen so viel über uns aus…“ (S. Bobert) –   Dieses Zitat stammt aus einem Youtube-Video von Prof. Dr. Sabine Bobert zum Thema „Schmeiss alles weg und werde frei!“, welches ich kürzlich gesehen habe. Gerade mit der Überlegung, dass die Dinge auch viel über uns selbst aussagen und wir Dinge mit Emotionen aufladen (und genau das auch kritisch betrachten können), kann ich sehr viel anfangen. Aber:

Schmeiß alles weg…?

Mal so eben einfach alles wegwerfen stößt mir quer auf. Natürlich, auch ich habe im Leben schon etliche Dinge weggeworfen. Aber  „Schmeiß alles weg“ fühlt sich für mich nicht gut an – schon gar nicht ALLES  😉 Wir haben ohnehin schon zu viel Müll auf unserem Planeten und mit jeder überflüssigen Mülltüte wird es nicht lebenswerter bei uns.

Offener Müllcontainer übersäät mit Müll vor einer Häuserwand
Photo by NeONBRAND on Unsplash

Sich zunächst bei Dingen zu bedanken und sie dann einfach in den Müll zu werfen, fand ich bei Marie Kondo und ihrem „Magic Cleaning“ immer schon einen etwas seltsamen Ansatz. Ich persönlich bedanke mich nie bei meinen Sachen – es sind nämlich nur Dinge, aber mal so eben in den Müll: Nein, will ich auch nicht.

Alternative: Spenden – verschenken

Ich finde die Überlegung, was und welche Dinge ich spenden und verschenken, im Bedarfsfall auch verkaufen kann, sinnvoller. Mein wichtigstes Kriterium dafür ist ein Gedankenspiel: Wenn ich dieses Ding, welches ich wegwerfen will, nicht hätte, aber benötigen würde, wäre es in einem so guten Zustand, dass ich es selbst dann nehmen würde?
Nichts ist schlimmer, als anderen Menschen irgendein defektes oder hässlich gewordenes Gerümpel zu überlassen oder gar anzudrehen. Da ist es besser, ich werfe es tatsächlich weg. Oder ich könnte es vielleicht für das Upcycling nutzen oder zumindestens für das Recycling vernünftig entsorgen – sofern dies irgendwie machbar ist.

Weitere Alternative: Gebrauchen und verbrauchen

Manche Dinge kann man einfach auch so lange nutzen, bis sie nicht mehr zu gebrauchen sind. Ist es z.B. wirklich nötig, den Kleiderschrank zu entrümpeln? Ich kann die Kleidung doch auch einfach so lange anziehen, bis sie dann wirklich hinüber ist. Ok, wer immer die aktuellste Mode haben möchte, wird die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Auch gibt es Menschen, die wirklich so viel haben, dass sie die Kleidung auch in 40 oder 50 Jahren nie verbrauchen könnten. Aber darüber hinaus ist Kleidung irgendwann aufgetragen – und reduziert sich damit von ganz alleine.

Sinnvoller: Erst gar nicht Zurümpeln

Sinnvoller als auszumisten ist es, neue Dinge nur sehr überlegt und nur in Maßen wieder in das eigene Leben zu lassen. Die beste Entrümpelung bringt wenig, wenn ich die frei gewordenen Räume wieder mit tausenderlei Konsum vollrümple.

Der achtsame Umgang mit den Dingen

Achtsamkeit ist für mich, auch mal darauf zu achten, wie mein persönlicher und ganz praktische Umgang mit den Dingen aussieht. Dazu gehört:

  • Welche Dinge nutze ich wirklich?
  • Welche Dinge stehen nur herum?
  • Welche Energien, Hoffnungen, Träume oder Illusionen halte ich mit einzelnen Besitztümern evtl. fest?
  • Kann ich meine Dinge wertschätzen?
  • Wie sieht mein bewusster, achtsamer und wertschätzender Umgang mit den Dingen aus?

Achtsamkeit, Minimalismus und Gastfreundschaft

Der achtsame Umgang mit den Dingen hat für mich auch mit dem achtsamen Umgang mit anderen Menschen und mir selbst zu tun. Auf mich wirkt es immer ein wenig befremdlich, wenn im Minimalismus auf das persönlich reduzierte Geschirr hingewiesen wird. Nur noch 1 Tasse, eine Müslischale etc. – Wo ist denn da die Gastfreundschaft? Ich selbst will nicht ständig mit Besuchern ins Restaurant gehen. Papp- oder Plastikgeschirr zu verwenden, geht weder für mich, noch für die Umwelt und ich möchte dies Besuchern auch nicht zumuten.

Natürlich horte auch ich nicht endlos Geschirr, aber mal ein Essen für einige Personen ist kein Problem. Dazu brauche ich keine Galerie an unterschiedlichsten Gläsern, Tassen und Tellern, aber für ein gemütliches Essen reicht es dann doch noch. So viel Zeugs ist das nicht. Einen Designpreis würde ich nicht damit gewinnen, auch nicht irgendein Gala-Dinner veranstalten können. Aber es reicht und es rümpelt mein Leben nicht zu.

quadratischer und rechteckiger Esstisch als lange Esstafel in der Mitte des Raumes stehend.

 

3 Gedanken zu „Schmeiß alles weg… ???“

  1. Da schreibt mal jemand das, was mich bei manchen Minimalismus-Tipps auch manchmal stört 🙂
    z.B. das mit dem minimalistischen Geschirr … oder auch so wenig Möbel haben, dass die Gäste alle auf dem Boden sitzen müssten, was ja nicht allen möglich ist … solche Sachen. Ich hab auch nicht sooo wenig Kleidung, denn ich wohne alleine und möchte auch im Sommer so viele T-Shirts haben, dass ich meine Waschmaschine nicht für 3 Shirts laufen lassen muss, sondern sie voll kriege.
    Und oft wird ja auch gesagt, dass man die meisten Dinge eh nicht braucht (was sicher stimmt), und wenn doch, sie im Notfall ja nochmal besorgen kann. Klar kann man – aber wozu soll ich eine Sache zweimal für mich produzieren lassen? Da find ichs aber manchmal echt schwierig, die Balance zu treffen, ich will ja auch nicht lauter Zeug behalten für „wer weiß, wann ichs nochmal brauche“
    Der Ansatz von Marie Kondo hat mir aber schon manchmal geholfen, ihr gehts ja auch vor allem ums weggeben, nicht unbedingt in den Müll werfen. Und dieses „bei den Dingen bedanken“ hilft mir manchmal, mich von Dingen zu trennen, die ich ganz sicher eigentlich nicht haben will, aber aus irgendwelchen emotionalen Gründen auch nicht loslassen kann.

  2. Einfach alles wegwerfen geht nicht, es muss sortiert und überlegt werden. Ich bin nun schon ein Jahr dabei mit Pausen und bin immer noch nicht durch. Bei mir ist inzwischen die Erkenntnis, dass ich nichts übereilt wegwerfen/entsorgen muss. Es hat gedauert bis es zu mir kam und es kann auch dauern bis es geht. Schon damit man sich nicht überfordert oder falsche Entscheidungen trifft.

    Wo ich mir unsicher bin das bleibt erstmal, anderes wurde gespendet. Aber viel ist auch in der gelben Tonne gelandet. Und das ist jedes Mal eine Art Mahnung, denn manche Sachen hätte man im Nachhinein ja gar nicht kaufen brauchen. Da ist das Geld weg, der Platz weg, dann muss es geputzt oder sortiert werden und am Ende hat man noch mal Arbeit beim Entsorgen und ein schlechtes Gewissen. So ein Mist.

    Z.b so eine Aufbewahrungbox aus Plastik mit Rollen mit Deckel für unters Bett. Klasse, wir haben kein Bett wo man es unterschieben könnte, so ist es über lange Jahre im Abstellraum gelandet wo ich es konstant gehasst habe, weil es auch noch so einen ätzend pinkfarbenen Deckel hat. Jemand könnte es irgendwann gebrauchen. Ja, seit 20 Jahren warten wir auf den, oder schon länger, jetzt ist das Teil Geschichte.

    Da seit einem Jahr kaum noch was dazukommt wird das Wegwerfen/Recyclen insbesondere von Plastik, Metall und Papier irgendwann mal aufhören , es ist jetzt schon spürbar besser. Mit jedem Ding das geht lassen sich die Übriggebliebenen besser wiederfinden.

    Und alles was da im Haushalt ist hat eine Wechselwirkung : Aussehen, Funktionalität, Emotionalität etc. Das Gehirn muss all dieses filtern und verarbeiten, wir merken das meist gar nicht. Das ist mentale Arbeit ! Je weniger im Weg steht, desto freier kann das Gehirn denken. Diese vielen Dinge ketten sich an unseren Geist, wir dürfen nur die zulassen, die uns funktional etwas bringen oder dauerhaft Freude bereiten.

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