Man könnte es noch brauchen… – teure Dinge entrümpeln

Teure Dinge entrümpeln ist eine Herausforderung der besonderen Art. Gastautor Thorsten berichtet nachfolgend, wie er das Loslassen teurer Dinge bewältigt hat und warum dies gut für ihn war:

 

Hier meine kurze Geschichte um eine Trennung von teuren Dingen:

Endlich Zeit für Hobbys

Ich habe fast 40 Jahre ein Musikinstrument gespielt, genau genommen waren es mehrere hintereinander, so wie das Geld es zuließ. Vor ein paar Jahren habe ich aufgehört zu arbeiten und dachte, dass ich dann viel Zeit haben würde und mehr üben könnte. So kam es auch – im Prinzip. Mein letztes, vor 7 Jahren angeschafftes  Instrument war so teuer, dass ich dafür einen PKW hätte kaufen können, aber es gibt keine preiswerteren bei dieser Art, eine vier- bis fünfstellige Summe kostet diese Art Intrument schon, leider.

 

Nicht glücklich mit der teuren Anschaffung

So hatte ich nun Zeit, ein sehr gutes Instrument und was passiert : ich war damit nicht glücklich. Im Gegenteil, irgendwann hatte ich keine Lust mehr zu üben, es strengte mich irgendwie nur noch an, merkwürdig. Es sollte doch genau das Gegenteil passieren, zu Mal ich echte Fortschritte machte.

 

Die Nachkriegsgeneration hat nichts hergegeben … man könnte es noch brauchen

Die Minimalismusströmung hat mich seit über einem Jahr beeinflusst, ich hätte mich früher nie getraut etwas Wertvolles aufzugeben. Irgendwie habe ich mich die ganzen langen Jahre verpflichtet gefühlt. „War denn alles umsonst“, „Du darfst jetzt nicht aufgeben“ habe ich mir lange Jahre immer wieder gesagt. „Man gibt nichts leichtfertig auf“, irgendwie hat mich die Erziehung  da auch beinflusst glaube ich. Die Nachkriegsgeneration hat nichts hergegeben, sie hat im Keller und auf dem Dachboden gehortet. „Man könnte es noch brauchen“.

Also habe ich die Gedanken mit der Musik aufzuhören immer und immer wieder beiseite geschoben – und mich gequält. Es war, als würde ich einen Teil von mir selbst in Frage stellen. Ich habe dann nach schmerzhaftem Überlegen (jeder  der sich von einem Musikintrument getrennt hat wird das nachvollziehen können)   mein Instrument vor einem halben Jahr zum Händler gebracht und der hat es in Kommission genommen.  Das war echt heftig, ich habe es tatsächlich im Laden gelassen und fühlte mich total schuldig. Da stand es nun. Gestern hat der Händler angerufen und es mir abgekauft, in 11 Raten. Der finanzielle Verlust ist nebenbei 50%, auch vergleichbar mit einem PKW. Aber ein Euro, der rumsteht, ist auch nichts wert.

 

Die Trennung war entsetzlich schwer, die Befreiung davon ist enorm

Nun die persönliche Bewertung : ich habe eine schöne  Zeit mit dem Instrument verbracht, lange von Berufs wegen keine Zeit dafür gehabt und irgendwann war es wohl doch bloß eine Belastung für mich. Ich habe andere Dinge gefunden (Sprachkurs, Sport), die mich unter Leute und an die frische Luft bringen und auch ihre Zeit fordern. Haushalt, Kinder, Tiere, Garten, ich bin im Sommer lieber draußen anstatt drinnen mit dem Instrument zu üben. Die Trennung war entsetzlich schwer, die Befreiung davon ist enorm. Ich habe viel zu lange überlegt, habe schon mehrfach davor gestanden und konnte es dann doch nicht, in der Angst eine falsche Entscheidung zu treffen.

 

Teure Dinge entrümpeln – Schuldgefühle überwinden und glücklicher werden

Bei teureren und emotionalen Dingen ist ein Schuldgefühl enorm hinderlich. Das gilt es zu überwinden !

Heute sage ich : es war eben so, ich muss mir nichts vorwerfen. Jedes Teil, das nicht glücklich macht, darf gehen, egal was es gekostet hat.

 

5 thoughts on “Man könnte es noch brauchen… – teure Dinge entrümpeln

  1. Ich hak es als Erfahrung ab. Du hast das Instrument gekauft, es hatte Freude gemacht. Wir sind zu nichts verpflichtet. Nun nehm ich Flötenunterricht, ich muss bis zu meinem Lebensende Flöte spielen. Die Vorstellung ist doch g r a u e n h a f t!

    Du hast dieses Instrument gespielt und entdecktest was neues! Ich hatte den Fernkurs Astrologie besucht, den nie abgeschlossen hatte, dabei die Liebe zu den Menschen entdeckt.

    Lass das Instrument frei! Es wird jemand anders finden, der es „liebt“. Umgekehrt ja auch, etwas wird dich finden!

  2. Oh, das kann ich gut nachvollziehen. Ich hab mir vor 4 (!) Monaten ein neues Handy gekauft. Mein altes nervt mich manchmal, aber noch geht es. Fazit der Geschichte: das neue Handy liegt nachwievor in der Originalverpackung und ungenutzt in der Schublade. Ich kann mich nicht überwinden, mein altes herzugeben.

  3. Oh, das ist nett. Ja, die Erfahrung zählt, Lehrgeld ist bezahlt. Ich hätte es sonst nicht gewusst. Manche Dinge werden erst im Nachhinein klar oder brauchen ihre Zeit, um entschieden werden zu können.

  4. Da kann ich dir gerade sehr nachfühlen. Ich hadere da gerade mit einem Macbook, dass ich eigentlich gar nicht wirklich brauchen kann. Aber mal unbedingt haben musste. Aber sehe es mal so: Wenn du dir das Musikinstrument nicht gekauft hättest, würdest du gar nicht wissen, dass du damit nicht mehr musizieren willst. Es wäre dir immer als unerfüllter Traum durch den Kopf gegeistert.
    Der finanzielle Verlust … ist Lehrgeld.
    Und was willst du mit 2 PKWs! 😉
    LG
    Sabienes

    1. Also deine Argumentation ist ja echt wunderbar. Inzwischen sehe ich es auch so, dass ich mich über „teuer“ möglichst vor einem Kauf aufregen sollte. Nachher ist das Geld ausgegeben und nunmal weg. Ist das teure und nun ungeliebte Teil weg, werde ich dann wenigstens nicht mehr ständig daran erinnert. Bei mir war es das wöchentliche Abstauben des nicht mehr genutzten Klaviers – boah… Nerv… Klavier nervt, Staub nervt, Erinnerung an teuer nervt… Und dann irgendwann endlich weg.

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