Achtsamkeit auf die Dinge

Minimalismus ist für mich Achtsamkeit auf die Dinge, mit denen ich mich umgebe. Achtsam auch auf die Kaufwünsche, die nicht selten spontaner Natur sind und eher einer Kauflaune zuzuschreiben sind, als wirklichen Bedürfnissen.

Wie gefällt mir, was ich um mich herum wahrnehme?

Wenn ich mich einmal aufmerksam und möglichst wertfrei in den eigenen vier Wänden umsehe: Was genau entdecke ich da um mich herum? Wie empfinde ich das, was ich sehe? Wenn ich die Dinge bewusst berühre: Wie fühlen sich Bücher an, Messer, Teller, Tassen, Computertastatur, Smartphone-Display? Setze ich mich dann auf das Sofa oder auf einen Stuhl und lasse nur meine Augen durch den dann sichtbaren Teil der Wohnung wandern und achtsam wirklich jedes Detail wahrnehmen: Wie gefällt meinen Augen, was ich sehe? Wie bewegen sich meine Beine, wenn ich durch die Wohnung gehe? Haben sie noch Beinfreiheit oder stoßen sie ständig vor irgendwas vor? Müssen sich meine Beine mühsam einen schmalen Gang entlang bewegen? Wie empfinde ich all das, was ich an Dingen angesammelt habe? Ist es in Ordnung für mich? Passt es so? Unterstützen mich diese Dinge oder engen sie mich ein?

Minimalismus ist für mich Achtsamkeit, ganz praktisch, ganz konkret, ganz bewusst. Minimalismus ist aber auch Achtsamkeit über die persönlichen Dinge hinaus. Minimalismus bedeutet auch, bewusst und freiwillig reduzierter zu konsumieren, weil der Hyperkonsum wertvolle Ressourcen ausbeutet und unserer Umwelt schadet. Es ist längst überfällig, den Konsumschalter umzulegen.

Die Wertschätzung der Dinge

Minimalismus bringt mir die Wertschätzung der Dinge zurück und ist so die beste Entdeckung, die ich je hatte. Die kleine Lampe auf meinem Schreibtisch erscheint mir viel schöner und wertvoller, wenn sie nicht allem möglichen Klimbim zugestellt ist. Die kleine Holzkommode neben meinem Schreibtisch ist sehr praktisch. Sie wird in dieser Form heute bereits nicht mehr produziert und ist somit ein kleines und noch aktives Stück Zeitgeschichte.

 

Ich entdecke viel mehr Details, die ich schön und angenehm empfinde, wenn ich mich mit weniger Dingen umgebe. Minimalismus als Achtsamkeit auf die Dinge, bringt Klarheit und Ruhe in mein Leben. Nach und nach schärft sich so der Blick für das, was wirklich wichtig, schön und persönlich wertvoll ist.

15 thoughts on “Achtsamkeit auf die Dinge

  1. Deine letzten supertollen Artikel haben mir auch wieder einen enormen Push gegeben, weiter zu reduzieren. Damit es auf 30 qm passt, wenn ich mal so eine kleine Wohnung finde wie du, und mir das keine mittlere Panik mehr beschert. So flogen 12 von 24 Schubladen raus. Und es tut sich Ordnung auf. Ich zeichne mir das vorher auf.

    Bye, bye, Minibackofen, ich backe eh nie was, meine Pizzazeit ist vorbei.

    2 Tische, auch nur Staubfänger … Danke!!! Schade, dass auf You Tube Leute meinen, das wäre Minimalismus, was sie da zeigen. 2 Nylontüten hochpreisige Kosmetik wegwerfen, unbenutzt, langweilig geworden. Um wieder Neues bei dm zu besorgen. Kitaähnlich ausgestattete Kinderzimmer ausmisten. 29 neue Pakete werden angeliefert. Ich habe sowas noch nie gesehen!

    Lg von Balkon zu Balkon. Tanja

    1. Hallo Tanja, das klingt ja phantastisch. Man entrümpelt ja immer mehr als nur Dinge. Meine Wohnung hat allerdings ein paar mehr Quadratmeter – mit Balkon und relativ großem Bad 41,7qm. Früher war diese Fläche für eine ganze Familie gedacht – eine Wohnküche und ein Schlafraum für Alle, plus Bad und kleine Speisekammer. Für eine Person ist es schon recht großzügig. Ich käme mit 10qm weniger ganz locker zurecht und gewöhne mich nur mühsam an den immer noch zu großen Raum. Nennt man wohl Luxusproblem.

      Diese Kosmetikentrümpelungen auf Youtube sind ja schon fast ein Running Gag. Lustig finde ich auch, wenn zwar kaum Kleidung, kaum Teller oder Tassen, aber eine mega große und teure Digitaltechnik mit allen Raffinessen gezeigt wird.
      Manche Kinder tun mir nur noch leid. Die Armen mit dem ganzen Krempel. Die sind oft nicht nur mit ihren Spielzeugen, sondern auch mit ihren endlosen Bergen an Kleidung komplett überfordert. Ein Desaster, das ich schon seit vielen Jahren beobachte. Manche Kids sind dann auf ihre ganz eigene Art konsequent: Spielzeuge fliegen achtlos herum, werden zerstört und es gibt ein riesiges Drama, wenn sie ausnahmsweise diesen einen und einzigen Lieblingspulli nicht anziehen dürfen. Manchmal sinds auch die Nachbarskinder oder Freunde, die Playstation, Gameboy oder Smartphone den Garaus machen, so als hätten sie die Geräte mal eben durch den Fleischwolf gedreht – Zeter, Mordio und irgendwann neue Geräte, aber der „Fleischwolf“ ist ja nicht weit…

  2. Ich glaube, man braucht eine gewisse Veranlagung oder ein Training, um für die Wechselwirkung mit der Umwelt im Sinne eines vernünftigen und lebenswertesten Umgangs mit Natur, Tier und Mensch. Ich bin da leider sehr sensitiv und Geräusche, Farben, schlechter Geruch, zu helles Licht oder falscher Tonfall lassen mich leiden. Ist es Hypersensibilität , Perfektionismus oder Ehrgeiz, wer weiß. Andere sind flexibler und fühlen sich unter 1000 Leuten, bei lauten Lautsprechern und knaller Sonne pudelwohl. Ich möchte nur ein zu Hause, das nicht zu laut, genügend Platz und leeren Raum zum sich darin bewegen hat. Darin versuche ich seit 1,5 Jahren bewusster zu leben und zu gestalten. Noch immer fallen Gegenstände meinem sich verändernden Verständnis von Notwendigkeit,Schlichtheit und Ästhetik zum Opfer. Heute war es ein Plastikgefäß, in das man Messer oder anderes Besteck zum Trocknen stellen kann. Es hat Platz weggenommen, musste zum Putzen der Spüle immer wieder verräumt werden und wurde kaum genutzt. Man kann ein handgrspültes Messer auch gleich abtrocknen.

    1. Ich finde, gerade dann, wenn man – warum auch immer – empfindlich auf alle möglichen Sinnesreize reagiert, macht die bewusstere Wechselwirkung mit der Umwelt Sinn. Wie empfinde ich das, was ich da sehe, höre, rieche? Und wie gehe ich damit um? Wie reagiere ich darauf? Ich mag grelles Licht, starke Gerüche (wie manche Parfüms), vollgestopfte Räume beispielsweise auch nicht. Zeig mir 100 Schokoladen und ich finde keine – ist typisch, Reizüberflutung bringt nur Chaos bei mir.
      Mir fällt das übrigens schon lange auf, dass nicht wenige Menschen, die sich seit längerem mit Minimalismus beschäftigen, damit ein Thema haben. Ob man das dann hohe Sensibilität, Hochsensibel oder wie auch immer nennt: egal. Es ist nur wichtig, sich darüber bewusst zu sein. Dann fliegt das unnötige Plastikdings eben raus – ist auch eine Wechselwirkung mit der Umwelt.

      1. Ja, das passt. Und die Tage habe ich noch eine Entscheidung getroffen. Die Erdbeerpflanzen im Garten fliegen nach der Ernte raus. So lecker eigene Erdbeeren auch sind, sie machen verdammt viel Arbeit wuchern in die anderen Pflanzen hinein. Das Beet bestand mehrere Jahre, sie wären sowieso fällig, man soll sie nicht jahrelang auf einer Stelle haben. Dort stehen dazwischen Bienenblumen , zum Teil wild gekommen (Mohn, Johanniskraut), Pfefferminze (wuchert auch), Thymian, Schnittlauch, Salbei, Ringelblumen., Oregano. Die erfreuen mich viel mehr, sie locken Bienen und Hummeln an, machen kaum Arbeit und blühen so schön. Wenn die Erdbeeren weg sind sieht es vielleicht schon besser aus, größere Lücken könnten nach den Sommerferien mit Stauden gefüllt werden, mal sehen.

    2. Ich finde das auf youtube erschreckend, dass viele meinen sie wären Minimalist und dann diese Challenges….🙈ich finde dein Blog super und bin froh dein Abonnent zu sein…

      1. Hallo Tanja, danke für dein Feedback! Der Begriff „Minimalismus“ wird nicht selten für das verwendet, was man früher ganz banal „ausmisten“ nannte. Dann gibt es diejenigen, die einfach scharf auf hohe Klickzahlen sind, dann die, die sich gerne selbst präsentieren, und und und…

        Spannend wird es doch, wenn man überlegt, wie man dann den minimalistischen Lebensstil gestaltet in einem Umfeld das nunmal stark von Konsum geprägt ist – und warum überhaupt?

        Ich habe entschieden, mich auf die Inhalte zu konzentrieren und den Rest wie Monetarisierung, Aufmerksamkeit und all den wilden Zauber einfach nicht weiter zu beachten – das ist halt mein Luxus und es ist schön, wenn ich da nicht der letzte Mohikaner bin.

        1. Wir Männer klicken das pubertäre Kosmetikgedöhns sofort weg, den ganzen Kosmetikmüll in einen Sack und nie wieder was kaufen. Männer wollen beim Kuscheln keinen Ruß und keine hautfarbene Knete an der Backe haben. Geschminkte bleiben in ihrer Rüstung einsam oder finden was sie verdienen: ne blindgesteuerte Oberfläche mit Aufreißauto.

  3. Liebe Gabi,
    erst einmal: ganz ganz lieben Dank für Deine Beiträge und Deinen Blog! Für mich ist er in der Fülle des Internets einer der wenigen Orte, die ich regelmäßig besuche und damit auch ein Beispiel für die besondere Freude und Wertschätzung an bzw. für ausgesuchte Dinge.
    Analog zu den Dingen, mit denen ich mich umgebe – und da teile ich (wie meistens ;-)) Deine Erfahrung, merke ich diesen Effekt auch im Internet. Mittlerweile versuche ich auch dort, mich auf Wesentliches und mir wirklich Wichtiges zu beschränken. Auch hier bringt Achtsamkeit Klarheit und Ruhe und schärft meinen Blick für das Wesentliche.
    Danke für Deine Inspiration!
    Liebe Grüße
    Steffi

    1. Hallo Steffi – im Internet ist es in der Tat letztlich das gleiche. Es freut mich natürlich immer, wenn ich mit dem, was ich schreibe, anregen und inspirieren kann.
      Ich habe mich in Anfangszeiten mal informiert und dann beschlossen, dass ich mir den Luxus leiste, mit dieser Webseite kein Geld verdienen zu müssen. Zuviel Aufwand, zu wenig Ergebnis und zu viel Fremdsteuerung. Daher keine bezahlte Werbung, keine Affiliates, kein Versteuern dieses ganzen Krams (ich müsste dann extra ein Gewerbe anmelden…). Auch wenn inzwischen des öfteren die Ministatistik von Statify sagt, dass die täglichen Seitenaufrufe 4-stellig sind, ist das letztlich egal. Kein lechzendes Schauen, ob die Klickzahlen für ein paar Einnahmen reichen. Das ist wunderbar unabhängig. So kann ich mich einfach auf das konzentrieren, was mir wichtig ist und wenn die ein oder anderen LeserInnen etwas damit anfangen können, um so besser. Das ist dann auch schöner, als irgendeine monetäre Entlohnung (mit viel Aufwand für ein paar Cents) – auch das ist Minimalismus, zumindestens für mich.

      1. Die Bilder mit schlichten Möbeln sind inspirierend. Das Wesentliche ohne Barockschnörkel.Ich bin schon ziemlich weit in meinem Zu Hause. Trotzdem verändert sich immer noch was. Das Nachdenken in einem leereren Raum fällt leichter, Ablenkungen sind weniger vorhanden. Seit ein paar Tagen geht eine Balkontür wieder auf, die vorher halb durch eine Couch versperrt war. Durch das Verschieben von Couch (2 Stück) und Tisch kann die Tür jetzt frei aufschwingen. Das Ganze geht nur, weil wir vor einigen Monaten ein größeres Regal rausgeworfen haben. Warum hat es Monate gedauert, diese Situation zu verbessern. Merkwürdig.

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