Downshifting – Belastungen abbauen

Downshifting – wie soll das gelingen?

Gerade in Zeiten hoher Belastung ist Downshifting immer wieder ein wichtiges Thema. Üblicherweise wird unter Downshifting die Reduzierung der Arbeitszeit verbunden – mit dem Ziel die persönliche Lebensqualität zu erhöhen. Vielleicht ist es im Alltag auch nicht wirklich die hohe berufliche Belastung, sondern eine wie auch immer geartete Unzufriedenheit mit der aktuellen beruflichen oder privaten Situation, die Gedanken an ein Downshifting wach werden lassen. Letztlich kann es aus ganz unterschiedlichen Gründen notwendig sein, die aktuelle Lebensplanung und Lebensführung zu überprüfen und ggf. Korrekturen vorzunehmen. Manchmal ist es allerdings Schwierig, weil es trotz des dringlichen Wunsches nach Downshifting, x-fache Gründe gibt, doch möglichst alles beim Alten zu belassen. Wie könnte Downshifting trotzdem gelingen?

 

Überprüfe, welche Belastung abgebaut werden sollten

Was genau ist es, was im Alltag alles zu Belastung und Überlastung führt? Beobachte in einen ersten Schritt deinen Alltag und mache abends – oder ggf. auch im Tagesverlauf – einige Notizen. Wo gibt es private oder berufliche Stresssituationen? Wo genau wird es schwierig und unerträglich? Was stört, was nervt, was fehlt?

 

Überprüfe, was Entlastung bringt

  • Entrümple den Terminkalender: Welche Termine können wegfallen? Plane genügend Übergangszeiten ein, notfalls plane auch Zeiten fürs Nichtstun ein.
  • Lange Arbeitswege überprüfen: Überprüfe, ob der ganze oder einen Teil des Arbeitsweges auch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV zurückgelegt werden kann. Lange Arbeitswege mit dem Auto sind extrem anstrengend, da Konzentration von der ersten bis zur letzten Minute notwendig ist. Wer in einer ländlichen Region wohnt, kann auch schauen, ob es irgendwo günstig gelegene Park-and- Ride-Parkplätze gibt und ein Teil der Fahrt auch ohne Auto erfolgen kann.
  • Stimmt der Arbeitsplatz überhaupt noch?
  • Ablenkungen ausschalten: So schön, wie die Ablenkung mit dem Smartphone ist, sie verhindert auch, ein wirkliches Abschalten und sorgt für immer neuen Input. Deaktiviere alle Apps, die nicht zwingend nötig sind, schalte die Mitteilungen aus.
  • Nutze vermeintliche langweilige Wartezeiten an Haltestelle oder roter Ampel als kurze Erholungszeiten – einfach mal die hochgezogenen Schultern fallen lassen, durchatmen.
  • Achtsamkeitsübungen helfen beim Abschalten. Anregungen und Downloads hier: Achtsamkeitsübungen

 

Checke ehrlich deine Finanzen

Verschaffe dir einen Überblick über deine Ein- und Ausnahmen.
Als erster Schritt, schaue, welche regelmäßige, wiederkehrende Kosten reduziert werden können. Das schafft finanzielle Freiräume fürs Downshifting:

  • Welche Ausgabenposten sind überflüssig? Welche Ausgaben könnten reduziert werden?
  • Muss es die super schnelle Internetleitung sein?
  • Auf welche Abos und Verträge kann auch verzichtet werden?
  • Geht es ohne Auto?
  • Welche Verträge wären verzichtbar oder könnten auf kürzere Laufzeiten umgestellt werden?
  • Gibt es preisgünstigere Versicherungen als die bestehenden?
  • Welche Versicherungen müssen überhaupt sein?
  • Passt die Wohnung zur aktuellen Lebensphase? Auch wenn die Wohnungssuche aufgrund hoher Mieten natürlich aktuell ein Problem ist, macht es aus meiner Sicht wenig Sinn, aus Gewohnheit langfristig in einer Wohnung zu bleiben, die viel zu groß ist und in der man sich nicht mehr richtig wohlfühlt. Große Wohnungen verbrauchen in der Regel mehr Heizung, müssen auch aufwändiger geputzt und aufgeräumt werden, u.U. sind auch die Nebenkosten höher.
  • Welche laufenden Ausgaben gibt es, die unnötig sind? Muss es immer das neueste Handy sein, die regelmäßigen Shoppingtouren, die überfüllten Kleiderschränke, die regelmäßigen Coffee to go´s, Fastfood, der Schnickschnack hier und dort?
  • Führe einige Wochen ein Haushaltsbuch, um eine Übersicht, über das persönliche Konsumverhalten zu bekommen. Setze deine Wünsche auf eine 30-Tage-Warteliste und schaue dann, ob diese Konsumwünsche dann noch aktuell sind.

 

Arbeitszeit und künftige Rente

Wer sich angesichts von gewünschter Arbeitszeitreduzierung Gedanken um die Höhe der gesetzlichen Rente macht: Lass dir von der gesetzlichen Rentenversicherung einen Versicherungsverlauf zusenden, sowie eine aktuelle Rentenauskunft. Dann überprüfe, ob alle Versicherungszeiten angegeben sind und nimm ggf. eine Kontenklärung vor. Berücksichtige, dass die künftige Rente anhand eines Punktesystems berechnet wird. Wer denkt, wenn ich so und so viel eingezahlt habe, müsste ich doch auch so und so viel herausbekommen, liegt u.U. falsch. Dann muss der Anteil der Rente auch noch versteuert werden und auch Kosten für die Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen werden. D.h., es gibt einen Unterschied von Brutto- und Nettorente. Hier sollte berücksichtigt werden, dass weniger brutto in der Regel auch weniger Abzüge bedeutet und somit mehr vom Netto bleibt.

 

Downshifting heißt auch: Lebe jetzt!

Downshifting – wie auch immer dies jeweils persönlich gestaltet wird – bedeutet letztlich auch, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Gedanken um die zukünftige Rente sind schön und wichtig, aber wie diese künftig aussieht, wissen wir nicht wirklich. Und: Erstmal muss man auch möglichst gesund und zufrieden überhaupt dort hingelangen. Wer sich im Hier und Jetzt völlig verausgabt, um sich irgendwie und irgendwann Auto, große Wohnung, jährlich mehrere Urlaube und tausenderlei eigentlich unnötigen Konsumkrams leisten zu können, wird dies irgendwann nicht mehr genießen können.

 

Eine Sandburg mit der Aufschrift: "Stop waiting"
Photo by James & Carol Lee on Unsplash

7 thoughts on “Downshifting – Belastungen abbauen

  1. Ich wollte eigentlich schreiben, dass ich mein Aquarium abschaffen will, aber es ist nicht so einfach wie ich dachte. Im Ergebnis ist bloß eine Riesenwassserpflanze entfernt worden und ich habe heute 8 Fische (Neons) für einen symbolischen Euro abgegeben. Jetzt gefällt es mir wieder ganz gut. Mehr Raum mit weniger drin. Es sind noch immer zu viele Fische (Guppies), aber das wird sich auch noch klären.
    Ich hatte ja eine Zimmerpflanze verkauft, dann habe ich die zweite genommen und 9 Ableger gemacht und getopft, schwupps ist wieder alles voll. Aber keine Angst, die sind zum Verkauf. Morgen kommt jemand, der will bis zu vier Ableger mitnehmen. Wenn die Perspektive da ist, dass es bald wieder weniger wird, dann ist es wohl akzeptabel.
    Ich habe tatsächlich mal zu viel weggeworfen, jetzt muss ich für 20 EUR eine Einkommenssteuererklärung von Finanzamt nachfordern, die ich im Eifer entsorgt hatte. Man lernt daraus.

  2. Hallo Gabi, wie schön, ein neuer Artikel.

    „Was stört, was nervt, was fehlt?“ Überflüssiges nervt, aber man merkt es nicht immer 🙁
    Ich bin aus dem Urlaub zurück und gehe mit etwas Elan :hüstel: an die Dinge. Manche Dinge kosten Zeit, weil man sie erkennt und dann verschiebt, dann vergisst, dann wieder erkennt , schon wieder verschiebt, Gründe fürs Verschieben gibt es, auch sehr faire. Ein Teufelskreis.
    Seit gestern : habe ich einen Nagel eingeschlagen, der locker war, wusste ich schon seit Wochen. Habe ich einen Handtuchhalter festgeschraubt, war schon seit Wochen so. Habe ich im Garten ein Beet halb leer geräumt (wuchernde Erdbeeren machen zu viel Arbeit). Nervte mich seit Wochen.
    Eine Zimmerpflanze wurde soeben verkauft, ich habe zwei davon. Ich mag sie, aber eine macht genauso viel Spaß wie zwei davon. Also warum doppelt ? Doppelte Pflege, doppeltes Wuchten in den Garten und nach dem Urlaub wieder zurück, gießen, düngen. Jemand hat sich gerade sehr darüber gefreut und ich habe etwas Geld dafür bekommen. Außerdem habe ich noch ein Wandregal über ein Kleinanzeigenportal eingestellt. Neu, nie benutzt, 100 mal angefasst, umgezogen. Endlich ist der Denkprozess soweit, es loszulassen. Hier war es : „Man könnte es ja noch brauchen“. Wenn das nach zwei Wochen noch drin steht, geht es ans Sozialkaufhaus. Was zu viel oder nicht verwendet wird kann weggegeben werden und sollte es auch.

    Downsizing beim Smartphone ist schwierig, ich musste mir gerade ein Neues holen, ohne geht es nicht mehr wirklich. Da gebe ich aber nicht viel für aus, sie halten bloß ein paar Jahre, dann haben sie entweder zu wenig Speicherplatz für immer hungrigere Apps oder die USB-buchse ist ausgeleiert oder der Ton geht nicht mehr. Man muss sie als Verbrauchsmaterial sehen, wie früher ein Collegeblock, ein Füller oder Tintenpatronen. Irgendwann voll oder leer oder kaputt. Die Obsoleszenz könnte unter 5 Jahren legen, vermutlich bei 3. Falls mein Tablet kaputt geht, mit dem neuen Smartphone bräuchte ich keins mehr, es scheint leistungsstärker zu sein und der Bildschirm ist trotz der kleineren Größe echt klasse.

    Bei der Arbeitszeit zurückzustecken, das könnte ich glaube ich nicht wirklich. Dafür bin ich nicht der Typ fürchte ich. Das habe ich zum Glück hinter mir, es gibt durchaus ein erfülltes Leben „nach der Arbeit“.

    1. Das ist auch eine gute Idee: Einfach mal ganz praktisch die vielen kleinen Baustellen beseitigen und sich so mehr Luft verschaffen.
      Die Sache mit Smartphone und Co. finde ich auch recht schwierig. In der Tat halten die Geräte nicht sonderlich lange. Selbst wenn die Hardware hält, werden die Smartphones über die Software vorzeitig veraltet. Smartphones verbrauchen endlos Ressourcen, sind aber nur eine Art Verbrauchsmaterial. Wobei das genau auch ein Grund ist, sich genau zu überlegen, ob es das neueste und super teure Gerät sein muss. Lohnt sich nicht wirklich. Uraltes Gebrauchtgerät funktioniert aber auch nicht.

    2. Hallo Gabi, das Downshifting ist bei mir gerade in voller Fahrt und so vereinnahmend, dass ich kaum mal Zeit habe, mich hier zu beteiligen 😊
      Ich hatte das etwas unterschätzt. Trotz jahrelangem Ausmisten ist der Wechsel von 80 auf knapp 28 qm heftig und verlangt ständig Entscheidungen und natürlich auch Aktivitäten. Mein zukünftiges 1-Zimmer Appartement ist jetzt leer und die alten Tapeten sind runter und es gefällt mir so gut, dass ich ständig prüfe, auf was ich noch verzichten kann, damit es trotz der Kleinheit nicht so voll wird. Es sind schon auch einige Anschaffungen notwendig, um den neuen Gegebenheiten Rechnung zu tragen. Und leichte Ummodellierungen Richtung behindertengerecht(er). Zwei Monate habe ich noch Zeit. Dann ist endlich ein wichtiges Teilziel erreicht… Möglicherweise ist das nächste Ziel dann die Abschaffung des Autos. Auf jeden Fall lese ich hier weiter mit und freue mich immer über deine hilfreichen Artikel. Grüße Petra

      1. Hallo Petra, heftig und bewunderndwert.Ich würde im neuen Appartment erst Mal nichts groß anschaffen, was nicht ganz klar ist. Meine Erfahrung ist, dass man erst Mal eine Weile gewohnt haben muss, dann spürt man wo und was. Es könnte sein, dass das Licht blöd fällt oder etwas 5 cm übersteht und schwupps hast Du alles umgeräumt oder irgendwas fliegt raus. Dumm , wenn es etwas neu Gekauftes wäre.

      2. Mir geht es so, dass ich die Frage, was darf überhaupt mit, sehr viel interessanter finde, als die Überlegung, was miste ich aus.
        Dein Projekt ist ja echt eine ziemliche Nummer, aber es wird sich bestimmt lohnen – alleine, was weniger zu putzen und aufzuräumen ist – genial. Mit jedem Jahr, was an Leben dazu kommt, sollte irgendwas einfacher werden – und sei es nur, sich das Abstauben des ganzen Klimbims zu ersparen. So lebt es sich dann einfach schöner. Viel Erfolg und Freude für dich.

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