Der Weg zur Einfachheit – Minimalismus 2.0

Wenn das Grobe entrümpelt ist

Der Weg zur Einfachheit ist durchaus schon einmal mit Komplikationen gepflastert. Selbst dann, wenn das Grobe entrümpelt ist und man dann tatsächlich mal bei so etwas, wie einem minimalistischen Lebensstil gelandet ist – also bei einer Art Minimalismus 2.0. Das minimalistische Leben verläuft nicht selten etwas ruhiger und unspektakulärer. Manche Details werden wichtiger und andere Schwerpunkte kommen hinzu. Aktuell hat sich damit auch Daniel und Michael vom Minimalismus-Podcast beschäftigt: Episode 63 – Was kommt nach dem Ausmisten. Miriam vom Youtube-Kanal Yess to Less beschreibt, wie es ihr mit Minimalismus als gelegentliche Spaßbremse so geht. Selim gibt auf seinem Youtube-Kanal Minimalismus-Tipps für Profis und Philipp denkt als viel gereister Nomade über das Ende des Eigentums nach.

Wichtig ist nicht mehr vorrangig, wie entrümpelt wird, schon gar nicht, ob man nun so oder so und so viele Dinge besitzt. Oft bekommt das Konsumieren einen ganz anderen Stellenwert. Natürlich leben wir noch immer in einer Konsumgesellschaft, trotzdem shoppt es sich nicht mal mehr so eben einfach und alles will gut überlegt sein. Manchmal ein wenig mühsam, aber trotzdem lohnenswert.

 

Sinnvolle Lösungen finden und umsetzen

Auch mir geht es so, dass wenn Dinge gekauft werden müssen, ich inzwischen sehr lange hin und her überlege und mich auch mit der Korrektur von Fehlkäufen ein wenig schwer tue. Inzwischen sind dann doch mal einige Entscheidungen getroffen und umgesetzt.

Vor einiger Zeit berichtete ich von meinem nervtötenden Kühlschrank. Dazu die kleine Erfolgsmeldung, dass ich das Gerät an einen handwerklich interessierten Camper weitergeben konnte – perfekt, beide Seiten sehr glücklich. Ich habe nun eine Art Kühlwürfel und bin endlich sehr zufrieden.

Abstellkammer mit ca. 50x50cm großen Kühlschrank auf Unterschrank

Das Leben ohne Staubsauger funktioniert in meiner Wohnung über mehrere Monate hinweg ohne Probleme. Als Hausstauballergikerin muss ich ohnehin öfter sauber machen, daher sammelt sich erst gar nicht viel an Schmutz an. Allerdings wurde die Hausflurreinigung in den letzten Wochen immer mehr zum Problem. Ich bekam zunehmende allergische Reaktionen, Hustenattacken, etc.. Irgendwann war klar, dass ich die Notbremse ziehen muss – leider. Tja, ade Träume vom staubsaugerlosen Leben. Sehr ärgerlich für mich, zumal meine nun gefundene Lösung eines Akku-Staubsauger wirklich keine nachhaltige Entscheidung ist. Allerdings für meine Gesundheit bei der Treppenhausreinigung mehr als dienlich und eine wirklich große Erleichterung. Nach langem Ringen und Suchen hatte ich ein gut getestetes Gerät zu einem bezahlbaren Preis im Internet bestellt und mir dann vor Ort in die Filiale liefern lassen – damit klar ist, wohin ich mich im Gewährleistungsfall wenden kann 😉 . Nun hoffe ich inständig, das Ding hält. Ich habe es mal „Theodor“ getauft, damit ich mich etwas leichter an das kleine rote Elektromonster gewöhne.

Roter Akku-Staubsauger in einer Abstellkammer

 

Und nachdem ich dann doch mal zum „Schraubst du noch oder wohnst du schon?“ aufgerafft habe, besitze ich jetzt endlich eine Kommode für die Kleidung. Echtholz natürlich, möbelartige Papp-Plastik-Konstruktionen gefallen mir nicht. Vielleicht mache ich nochmal andere Schubladenknöpfe dran – aus Holz, das gefällt mir als Massivholzfan besser, als die Metallknöpfe. Zur Zeit scheitert es allerdings noch an meiner Unlust, mich zum Baumarkt zu bewegen…

weiße Holzkommode mit 3 Schubladen und schwarzen Schubladenknöpfen

 

Auch der Weg der Einfachheit entsteht beim Gehen…

Alles in allem ist es auch bei mir so, dass Konsumentscheidungen sehr viel langatmiger sind und das ist auch gut so. Ex- und Hopp-Käufe will ich nicht, was neu in meinen Besitz kommt, ist x-fach überlegt, durchdacht. Manchmal ein wenig mühsam, durchaus schon mal Fehlentscheidungen, die korrigiert werden müssen. Oder die Gesundheit fordert ihr Tribut. Trotzdem lohnt es sich. Die Gefahr, sich wieder vollzurümpeln ist viel geringer geworden, kein ständiges Rein und Raus an Dingen. Die Dinge, die ich besitze, haben einen anderen und wichtigeren Stellenwert bekommen. Zumindestens beim Wohninventar ist mir dies jetzt endlich recht gut gelungen. Beim digitalen Technikgedöns allerdings noch nicht so richtig und wirklich gut, aber der Weg zur Einfachheit ist halt mit Komplikationen gepflastert. Der Weg entsteht beim Gehen und Hindernisse sind Herausforderungen, keine Hemmnisse. Umwege erhöhen dann ja bekanntlich auch noch die Ortskenntnisse. Wenn man sich davon nicht aufhalten lässt, gelingt er dann doch, der Weg zur Einfachheit und das erlebe ich sehr wohltuend und erleichternd.

 

18 thoughts on “Der Weg zur Einfachheit – Minimalismus 2.0

  1. Hallo Gabi, ich schon wieder;)
    Mir ist jetzt etwas aufgefallen, was in manchen Blogs oder Youtubes nicht wirklich vorkommt. Dort werden Gegenstände ausgemistet, aber keiner kümmert sich um die Optimierung von Wegen in der Wohnung oder um Vereinfachungen, die Zeit und Wege sparen. Manches geht schon besser, wenn man umräumt. Möbel sollten nicht im Weg stehen. Zu Dingen, die man öfters benutzt sollte man sich nicht bücken oder strecken sollen, sondern in bequemer Erreichbarkeit sein. Dinge, die man seltener benutzt sollten vor Staub geschützt werden, also z.b selten benutze Küchengeräte in Schränke verstauen. Es ist ja schön , wenn man weniger im Raum halt aber wenn die Sonne auf den Schreibtisch knallt, dann kann man ihn für Bildschirmarbeit kaum nutzen. Es gibt so viele Beiträge im Netz, aber kaum einer sagt, warum er ein Möbel da hinstellt wo es steht, es bleibt bei der Bemerkung, dass es gebraucht und nachhaltig sei, aber die Erklärung fehlt mir, warum es (ausgerechnet) dort ist. Es steht ja nicht zufällig da, aber so manche Roomtour hinterlässt bei mir nur Fragezeichen, weil die Gegebenheiten nicht erklärt werden, sondern es auf Deko-, Nachhaltigkeits- , Ausmistlevel bleibt. Dein Blog ist da eine positive Ausnahme, ich erinnere mich an die Stühle bei Dir, bzw. deren Anzahl und Möbel, die mal verrückt wurden.
    Kann man sich minimalistisch einrichten und trotzdem unflexibel bleiben ? Ich fürchte das könnte sein.

    1. Wo du es sagst, stimmt – von Vereinfachung im Sinne praktischer Lösungen hört man eher selten was. Vieles bleibt auch an oder Oberfläche stecken.
      Neben den üblichen Laufwegen finde ich die einfache Sauberhaltung sehr angenehm. Bloß keine große Arbeit mit sowas. Ich ändere und optimiere immer mal wieder was. Schön aussehen ist mir zu wenig und ich finde das auch ziemlich langweilig. Als ich beim Buch schreiben, mal eine Schreibblockade hatte, habe ich den Schreibtisch umgeräumt, dann floss es mir wieder aus den Fingern.

  2. Hallo Gabi hat der Kühlblock kein Eisfach, ? Braucht man ja nicht unbedingt.
    Ich habe heute unseren 10 Jahre alten Fernseher verkauft. Für 10€. Dafür wurde er aber auch abgeholt. Er geht ins Ausland , weil er kein DVBT2 hat. Schön, dass er dort weiterlaufen kann. Habe noch Batterien und einen alten Handyakku recycelt. Im Garten wurden Pflanzen umgesetzt und für ganze 4,50 das Blumenbeet die entstandene Lücke aufgehübscht. Das war die erste Ausgabe für den Garten dieses Jahr. Minimalismus geht, aber langsam und kontinuierlich. Mein Kleiderschrank hat auch wieder ein paar Teile gelassen und in der Küche ein paar Küchenutensilien, die nicht gebraucht werden. Manches dauert lange. Wer nichts kauft braucht sich keine Sorgen machen, früher oder später werden Dinge abgetragen, unnütz, kaputt, technisch überholt. Dann wird es weniger .

    1. Hallo Thorsten, die Kühlbox hat kein Eisfach. Ich hatte ohnehin nur ein paar Tiefkühlbeeren darin fürs Müsli. Die kann man auch einfach im ein Glas umfüllen, dann im Kühlschrank aufbewahren. Geht ein paar Tage problemlos.

      Ich finde, sich einfach Zeit lassen beim Minimalismus, ist eine gute Sache. Man sagt ja nicht umsonst, „gut Ding will Weile haben“. Sieht man ja am Fernseher-Beispiel. Der muss jetzt nicht in den Müll und der neue Besitzer freut sich bestimmt wie Bolle.

      1. Auftauen im Kühlschrank ist sogar energiesparend und wird empfohlen. Machen wir auch. Hoffe, der Würfel rappelt nicht im Karton oder schlägt gegen die Wände. Aber sicher schnurrt er ganz leise oder gar nicht merklich hörbar.

  3. Hallo Gabi. Magst du nicht auch mal über das Entrümpeln von Freunden/Menschen/Gewohnheiten schreiben? Würd mich freuen von dir zu lesen! Lieben Gruß Anja

    1. Hallo Anja, ja, ich kann diese Themenbereiche gerne aufgreifen. Das Leben besteht ja bekanntlich nicht nur aus Dingen. Und hat man mal den gröbsten Dingekram weggeräumt, dann tauchen halt auch noch andere Themen auf.

  4. Hallo Gabi,
    unseren Brotkasten haben wir gestern rausgeworfen. Wir kaufen unser Brot in Baumwollsäckchen und bewahren es auch darin auf. Unser Brotkasten war aber nicht so schön wie deiner un dließ sich schwer öffnen. Unten war er rabenschwarz, weil „jemand“ ihn vor mehr als 11 Jahren auf eine heiße Herdplatte stellen musste.
    Bei der Allergie kommst Du nicht ums Feuchtwischen drumrum denke ich. Da gibt es so einen Minimalisten auf Youtube, die benutzt so einen zusammenlegbaren Mob. Wäre ichts für uns, der Staubsauger kommt noch in die kleinste Ritze jeder Schublade oder sonstwo.

    Was das Sharing versus Eigentum angeht bin ich sehr skeptisch, ich lehne es eher ab. Da sitzt in einem Youtube ein Typ mit dem Laptop im Zug und sagt, den hat er von einem Freund geborgt. Aha, ähnlich wie beim bedingslosen Grundeinkommen sehe ich die Gefahr, dass da Schnorrerei bei rauskommen kann. Sozial ist, wenn jemand was nimmt und dafür auch was gibt. Ganz linke Zeitgenossen nehmen bloß, andere sollen es halt verdienen oder besitzen und dann abgeben – sobald sie mehr haben. Das empfinde ich als zutiefst unsozial. Deswegen : Sharing oder Grundeinkommen gibt es bloß, wenn man selbst etwas in die Gemeinschaft etwas einbringt, entweder in Form eines Gutes, das andere dann ausleihen oder in Form von Arbeitskraft. Einfach mal so eine Bohrmaschine irgendwo her, weil man selbst keine kauft und jemand hat ja eine wie praktisch, wenn jeder so denken würde gäbe es keine Bohrmaschine. Das kann es nicht sein. Es muss sich ausgleichen.

    1. Was du beschreibst, ist ja eher schnorren – „Schnorring-Economy“ sozusagen 😉 . Bei Sharing bin ich der Meinung, ist es ein Geben und Nehmen. Einseitigkeiten finde ich komplett daneben und haben mit sharing im Sinne von Teilen nichts zutun.

  5. Mit diesen Möbelknäufen/-knöpfen aus Keramik lässt sich so eine schlichte Kommode ganz gut aufhübschen und zum Unikat machen. Du brauchst evtl. nur einen kleinen Holzbohrer von Hand. Komisch, ich wusste, dass es genau diese Kommode wird. 🙂 Ich komme mit Kommoden nicht klar. Bei mir muss alles einhändig funktionieren. Hast du noch Platz zur Wand gelassen beim neuen Kühler? Also mich stört weder eine Waschmaschine, noch der Staubsauger im Spintschrank.

    Meine Wohnungssuche war wieder ergebnislos. Ich weiß wieder, was ich alles nicht will und brauche und wohne schon in der schönsten. Dann ist sie halt zu groß. Bin wenig chaosbereit. Einraumwohnung kann ich mir nicht vorstellen. Ich müsste einen zu großen Raum nachts heizen. Geht nicht ohne bei mir. Das rechnet sich nicht. Zweiraum finde ich nicht oder mit seperater Küche. Ich mag auch deinen undogmatischen Blog sehr.

    Lg Tanja

    1. Jetzt hätte ich fast: „Hallo Tanja Heller-Seherin“ gesagt. 😉 Ich schaue mal, was der Baumarkt so zu bieten hat. Die Ikea-Knöpfe gefallen mir nicht.
      Passende Wohnung ist z.Z. wirklich nicht prickelnd. Zum Glück hast du ja keinen Druck.

  6. Liebe Gabi,
    Du bist für mich immer wieder ein großes Vorbild im achtsamen Nachspüren, was Du brauchst. Du bist dabei – so ist meine Wahrnehmung – immer flexibel und ohne Dogma unterwegs, das finde ich ganz ganz großartig, da schaue ich mir viel ab 🙂
    Ich mag auch keine Staubsauger, aber aus dem gleichen Grund muss halt einer sein. Ich hätte natürlich gerne ein schickes, leichtes Teil (unser Staubsauger muss immer in den Keller und dann 3x pro Woche hochgeholt werden – sehr nervig), aber noch geht das alte Teil, also heißt es durchhalten.
    Letzte Woche habe ich auch wieder einen Fehlkauf zu vermelden. Wir haben ja seit 1 Jahr einen Balkon, bislang stand da ein Schwingsessel vom Möbelschweden. Allerdings war ich der Meinung, wir brauchen einen Tisch+Stühle. Also alles aufgebaut um dann festzustellen, dass mir der Balkon viel zu voll ist und ich das Gefühl habe, kaum noch atmen zu können :-/ Jetzt muss ich es wieder umtauschen und kann unseren Schwingsessel umso mehr wertschätzen. Einziger Nachteil (und der Grund für die Anschaffung des Tisches): wir haben nur einen und können deswegen – zumindest auf die klassische Weise – nicht gemeinsam auf dem Balkon sitzen. Aber da ich sowieso am liebsten auf dem Boden sitze (ist mir dadurch wieder bewusst geworden), ist das auch nicht weiter problematisch…
    Schönes Wochenende!

      1. Dein Dogma ist kein Dogma zu haben. Nun sieh zu wie Du aus der von mir gebastelten Paradoxie wieder rauskomnst. Vielleicht ein Spaziergang draußen oder ein offensiv verrücktes Möbel, das sich nicht fügen wollte. 😉

          1. Spaß muß sein. Ich habe heute Kleidung ausgemistet. Drei Müllbeutel voll und ab in den Altkkeidercontainer .Marie Kondo kann ich nicht. Bei mir wird im Kreis immer mal eine Stelle abgearbeitet und nach einiger Zeit ( 1 Jahr oder mehr ?) wiederholt. Dinge bei denen ich mir nicht sicher war werden dann oft klarer. Ich habe noch nie den Putz-Schrank und noch nie den Wirtschaftsraum komplett ausgeräumt. Nur Einzelnes rausgezerrt, immerhin. Es ist anstrengend zu entrümpeln, beim Groben stehen zu bleiben reicht leider nicht.

          2. Spaß gehört definitiv zu den Dingen, die man nicht entrümpeln sollte… Marie Kondo-System funktioniert – aber nicht bei jedem. Mir persönlich ist dieses System beispielsweise einfach zu starr. Bei mir läuft das eher nach Lust- und Laune-Prinzip. Damit komme ich prima klar. Sich manchmal einfach Zeit lassen, ist auch ein nicht zu unterschätzender Faktor. Das überflüssige Zeug läuft ja nicht weg … 😉

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