Loslassen – den inneren Kompass neu ausrichten

Loslassen – gerade dann, wenn der Stresspegel besonders hoch ist, die Konsumindustrie gerade mal wieder tausend neue Wünsche hochpuscht. Loslassen hilft. Für einige Augenblicke mal all die Pläne, Todo-Listen, Wünsche, Träume, Sorgen, Wichtigkeiten und Nichtigkeiten loslassen – sich selbst mit all dem mal loslassen.

Loslassen warum?

Mich interessiert weder Extrem-Minimalismus, noch buddhistische Erleuchtung. Für mich sind solche Varianten vergleichbar mit Leistungssport: sehr beeindruckend, irgendwann säumen dann vielleicht einige Bewunderer meinen Weg. Aber das wars dann auch. Ich brauche es nicht.

Was ich viel bedeutsamer finde: Wenn man nicht aufpasst, kann man sich in seiner eigenen Wichtigkeit komplett verrennen. Vor lauter Todo-Listen verlieren wir die Orientierung und bemerken nicht, dass wir längst gegen Windmühlenflügel kämpfen oder uns in unsinniger Sisyphusarbeit verloren haben. Aber das muss nicht sein.

Den inneren Kompass wieder neu ausrichten

Wichtiger finde ich, sich in einer Zeit, die von Schnelllebigkeit, Megakonsum, Stress und z.T.  von unglaublicher Verschwendung geprägt ist, den eigenen, inneren Kompass immer wieder neu auszurichten.

Warum mir selbst dies wichtig ist: Indem ich versuche, zwischendurch immer wieder all das loszulassen, was mich gerade umtreibt, verringere ich meine persönliche Geschwindigkeit. Es ist, als wenn ich vom schnell dahin rasenden Auto plötzlich wieder zu Fuß gehe: Ich entdecke wieder viel mehr einzelne Details. Auf den Grund eines Sees kann ich auch erst dann schauen, wenn das Wasser ruhig und klar geworden ist. Genau darum geht es: Möglichst klar erkennen, was in mir und um mich herum geschieht. Welche Themen beschäftigen mich? Welche Bedürfnisse habe ich? Welchen Verlockungen der Konsumindustrie gehe ich „auf den Leim“? Was brauche ich wirklich?

Der innere Kompass funktioniert sehr viel besser, wenn wir immer wieder zur Ruhe kommen und uns regelmäßig kleine Auszeiten gönnen, in denen wir Gedanken und Empfindungen zwar sehen, spüren – sie aber immer wieder loslassen.

Loslassen praktisch

Mir selbst hilft eine Gehmeditation besonders gut. Idealerweise in der Wohnung – vermeintlich völlig sinnfreies Gehen. Gehen, ohne irgendwo hin zu gelangen, gehen, ohne irgendwo anzukommen. Eine idealerweise gerade Gehstrecke suchen und einfach nur einen Schritt nach dem anderen gehen. Immer hin und her. Jeden Schritt bewusst spüren und alles loslassen, was im Kopf herum schwirrt, alles immer wieder loslassen, was man innerlich gerade wieder ausdiskutiert.

Man kann natürlich auch eine Sitzmeditation oder einen Bodyscan nutzen, spazieren oder joggen gehen(ohne Musikdauerberieselung), Yoga üben, achtsam Konsumieren, endlich mal diese überflüssigen Dinge loslassen oder sonst etwas tun, was beim persönlichen „Runterkommen“ hilft.

Loslassen und sich regelmäßig immer wieder einige Augenblicke lang mal nicht so wichtig zu nehmen – das erdet. Und vielleicht entdeckt ihr es dann auch: Das ihr viel mehr seid, als das, was ihr so gerade denkt, plant, meint. Wird die innere aufschäumende See irgendwann endlich ruhiger, dann ist es viel leichter, die wirklichen materiellen und nichtmateriellen Bedürfnisse zu erkennen und endlich ernst zu nehmen.

 

Geöffnete Hand, auf der ein Kompass liegt
Photo Aron Visuals ,Unsplash

 

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12 thoughts on “Loslassen – den inneren Kompass neu ausrichten

  1. Hallo Gabi,

    im Laufe der Zeit habe auch ich gemerkt, dass mir zu viel Konsum nicht gut tut. Irgendwann ist die Wohnung voll. Deinen Vergleich mit dem Warenlager finde ich sehr passend.

    Und unsere hektische und schnelllebige Gesellschaft macht es nicht besser. Da ist es sinnvoller, seinen eigenen Weg zu gehen. Also statt „Höher, Schneller, Weiter“ lieber Dinge wie Entspannung, Freiheit, Achtsamkeit und etwas Minimalismus.

    Loslassen ist für mich ebenfalls sehr wichtig. Nur wenn wir altes loslassen entsteht Platz für neues.

    Gruß
    Jan

  2. Ich wieder. Mir ist inzwischen klar geworden, vieles muss man längerfristig planen und anleihern. Der Kompass ausrichten. Veränderungen können plötzlich kommen, doch es zeichnet sich ab. Die Beziehung bröckelt, schließlich entscheide ich mich, ich gehe (oder bleibe)! Ich such eine Wohnung! Die nächstbeste?

    Sicher nicht. Es ist ein Prozess. Wir sagen täglich Ja oder Nein zu unseren Leben. Wir entscheiden täglich wie es weitergehen soll. Vllt. lassen uns nur treiben und die Seele baumeln. Musestunden sind sehr wichtig!

    Ich geh in 12 Jahren Rente. 2 Jahre früher, wenns klappt. Ich will die Zeit nutzen, „bereit“ zu sein. Wenn man umzieht, man hat nicht die Zeit. Jetzt will ich überlegen, wo möchte ich dann sein? Warum?

    Entscheidungen brauchen Zeit. Spüren, welche Bedürfnisse habe ich. Nie hoppla-hopp. Keiner sagt, ich reduziere auf 50 Gegenstände und schmeiß alles raus! Nein, das ist eine bewußte Entscheidung, die nicht über Nacht oder Laune kommt. Was kann bleiben, was kann gehen?

    Rückblickend. Als ich von zuhause auszog, ich brauchte eine Bank, ein Girokonto. Die nächstbeste. Ich war nie zufrieden. Nun habe ich gedacht, wenn ich eh wieder in meine alte Heimat zurück möchte oder vllt. bleibe ich auch, warum nicht jetzt die Bank wechseln und zur alten zurückkehren? Die Zeit habe ich mir nie genommen. Heute wäre es dank modernen Technik möglich!

    Versteht vermutlich keiner … Freiheit!

  3. Ich finde der Gedanke schön! Eine kleine Auszeit gönnen, und nachspüren. Das muss nicht 3 Wochen Urlaub auf Bermuda sein, sondern einfach mal ein Abend oder noch kürzen. Wenn man warten muss, warum nicht mal kurz inne halten.

    Ich hab mir gerade überlegt. 1 Tag Urlaub hätte ich noch zu verbraten. Allerdings ist es schon fast November, die Tage spürbar kürzer und kälter. November nennt man den Totenmonat. Weihnachten Ende Dezember, so was trübsinniges. Furchtbar. Freundlose Zwangsbesinnung und Todhosigkeit. Dabei ist das so etwas lebendiges und freudiges!

    Ende November fangen die Weihnachtsmärkte an. Manche sind nur 1 Tag. Es gibt richtig schöne! So richtig anregende. Am Wochenende strömt alles, was ich nicht mag. Unter der Woche ist eine ganz andere Atmosphäre. Ich wollte schon letztes Jahr, was leider nicht klappte.

    Glaub, ich bin ein ziemlich kreativer Mensch. Mir fehlt im Alltag, einfach raus oder was gestalten. Das brauche ich, um mir nah zu sein. 🙂

  4. Meine Form der Entrümpelung und „Kompass neu ausrichten“ bezieht sich derzeit auf ein anderes Thema.
    Nachdem ich bemerkte, dass es mir nicht gut tut zu sehr im Außen zu leben ,Stichwort Onlinedating und die hochtoxischen Männer, die ich in mein Leben zog und die mich krank machten.
    So übe ich mich derzeit im mit mir Allein-Sein und merke, wie gut es mir tut.
    Auch eine Form von Minimalismus, wie ich finde. Sich auf sich selber konzentrieren, ohne egozentrisch zu werden und sich Bestätigung und Aufmerksamkeit selber geben.

  5. Den inneren Kompass neu ausrichten – das hast Du so schön geschrieben und ich weiß/fühle genau, was Du meinst.
    Ich finde, das ist eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt – ich fühle mich erst „wieder“ bei mir, wenn ich tanze. Ich nenne es „Tanzmeditation“, letztlich ist es „Authentic movement“, ich überlasse meinem Körper die Führung, denn er weiß besser als mein Kopf, was ich brauche/mein Körper braucht. Danach fühle mich mich verbunden/bei mir/glücklich! Das ist ein wunderbares Gefühl!!!

  6. Gabi, das hast du ganz wunderbar in Worte gefasst!

    Loslassen lerne ich vor allem bei eigenen Zielen und Ansprüchen an mich selbst immer wieder neu. Das fällt mir nach wie vor nicht leicht.

    Gehmeditation in den eigenen vier Wänden würde für mich weniger funktionieren, wo es mich doch gerade nach draußen zieht. Aber gerade diese Vielfältigkeit bei Meditation finde ich großartig.

    Lieber Gruß
    Philipp

    1. In der Natur kann ich auch super gut abschalten, Gehmeditation in der Wohnung ist für mich dann so eine Art Intensivprogramm. Und ja, Meditation und generell Achtsamkeit lebt eben auch von der Vielfältigkeit – schauen, was zum eigenen Typ und ins eigene Leben am besten passt. Das sehe ich komplett entspannt.

  7. Für mich gilt : Außerhalb der Wohnung sein, auf dem Rad oder zu Fuß hilft. Das war schon immer so. Draußen ist Freiheit. Gedanken ordnen sich neu. Nicht immer, aber oft. Was man drinnen immer wieder dumpf erinnert und dann oft gedanklich oder real doch nicht zu Ende denkt oder bringt gelingt draußen manchmal, zumindest als Vorbereitung oder als Priorisierung, wenn es mehrere Dinge gibt , die im Kopf rumkreisen. Ist man länger weg, z.b durch eine Woche Urlaub geht das noch besser. Die ersten Tage Schwung nutzen und die Dinge angehen, die man im Urlaub evtl. priorisiert hat. Oder auch nicht, wenn man im Urlaub ganz abschalten kann oder will, je nachdem wo man ist oder tut.

    Ich war die Woche shoppen, jaaaa ! Ich habe es gewagt 2 Pullover zu kaufen, weil meine beiden Lieblingspullis langsam an Substanz und Farbe verlieren. Das letzte Mal habe ich welche so vor 5 bis 10 Jahren gekauft, vermute ich, ich kann mich nicht mehr erinnern. Letzten Winter waren sie schon an der Grenze, aber ich hasse es Klamotten zu kaufen, diese Bunker voll mit Damenwäsche , wo die Männersachen im obersten Stockwerk versteckt sind…. Jetzt habe ich vier Pullover und zwei davon gehen wohl bald….

    Insgesamt habe ich immer noch etwas zu viele Sachen, denke ich. Jedes Teil will seine Zeit. Und die bin ich nicht mehr bereit zu geben, weil sie mir davon läuft. Heute Sonntag, morgen schon wieder Mittwochs und abends kommt der Freitag schon wieder hervor. Nicht mit mir. Wenn da schon ganze Tage weghuschen, dann will ich Zeit dazwischen wenigstens selber steuern können. Ich habe kein Musikinstrument mehr, ich habe kein Aquarium mehr. Das alleine bringt mir mehrere Stunden mehr pro Woche, die ich für die Dinge aufwenden kann, die geblieben sind oder die weggeschafft werden können, z.b Unterlagen oder eben alte Pullover.

    1. Oh diese Unlust am Shoppen kann ich sehr gut nachvollziehen. Denn diese ganzen sog. Damenabteilungen haben zwar endlos Zeugs, aber vorrangig Dinge für die Durchschnittsfrau, also z.B. Hosen, die mir mind. 10cm zu kurz sind. Oh Blümchen, Rüschchen (gruselig), oder rosa und pink (auch gruselig). Dann lieber nur das Nötigste und raus in die Natur.

  8. Hihihi, ich bin gestern gebummelt. Ich such schönere, praktische Handschuhe. Im Sportgeschäft hingen welche, für Skifahren, okay, Größe 8,5, aber 70 Euro ??? Die weiße für 110 Euro. Der erste Impuls: Dann stricke ich welche! So wie ich möchte!

    Zum Aldi rein, Schnäääääääpchen! Kaufiiiiii! Kurz nach Gemüse geguckt. Grüne Bohnen, aus Marokko??? Letzte Packung, aber ein Pfund ist zuviel. Die Gelben Rüben, zwei Stück, wollten mit. Ich kam mit leichten „Gepäck“ wieder raus.

    Gerade die Schnäppchen, die gibts JETZT! Kaufe JETZT! Die arbeiten mit Zeitdruck. Ich denk oft, ich möchte noch überlegen oder vergleichen. Wenns „passt“, gerne. Aber ich steh im Laden, wenn ich noch lange überlege, ist es weg. Wie oft renn ich herum und such. Die Zeit habe ich meist nicht. Also, KAUFIIII? Neee!

    Ich müßte doch noch irgendwo Handschuhe haben …. *denk*

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