Ich habe nicht wenig Dinge

„Das sind aber wenig Dinge.“ Ist dir das nicht zu leer?“ „Fehlt dir da nichts?“

Nein, mir fehlt nichts. Und wenn, könnte ich es mir besorgen. Leer ist es bei mir auch nicht. Es ist lediglich nicht so zugerümpelt.

Ich habe nicht wenig Dinge – ich habe genug. Das ist ein Unterschied!

Und manchmal gönne mir einfach so einen kurzen Text – einfach so, entgegen jeder Bloggerkunst, gegen jede Seo-Weisheit oder was dafür gehalten wird. Denn davon habe ich schon lange genug  😉

 

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21 thoughts on “Ich habe nicht wenig Dinge

  1. Liebe Gabi,

    „Ich habe nicht wenig Dinge“ ist eine schöne Überschrift.

    Mein Vorbild – und ich bin leider noch weit von dem Ideal einer Wohnung entfernt, in der nur die wirklich geliebten und geschätzten Dinge aufbewahrt werden – ist die Großmutter meines Lebensgefährten.

    Oma Gertrud, jetzt 95 Jahre alt, ist vor ca. 5 Jahren von einem verschachtelten Bauerngehöft mit Wohnhaus, Scheune, Remise, Räucherkammer (bestimmt 150 – 200 Quadratmeter Fläche)… in ein kleines Zimmer in einem Seniorenheim, ca. 15 Quadratmeter groß, zuzüglich Bad, umgezogen.
    Und – Oma hat keine Sekunde gejammert, sich gegen den Umzug gewehrt …. Im Gegenteil, alle Kinder, Enkel samt Anhang, Urenkel und Freunde wurden eingeladen, sich aus dem Bestand im Haus das auszusuchen, was ihnen gefällt, schon immer gefallen hat … . Und die Möbel, die restliche Kleidung, die Tisch- und Bettwäsche … das wurde an karitative Organisationen gespendet. Auch bei den Erinnerungsstücken war Oma rigoros: Die schönsten Bilder wurden zu einer Collage zusammengestellt, die restlichen Fotos und Fotoalben durften die nächsten Generationen an sich nehmen.
    Es wurde mit warmen Händen geschenkt, und ohne jede Bitterkeit, ohne Trennungsschmerz ….

    So möchte ich auch einmal alt werden – Oma Gertrud hat die Erinnerungen in ihrem Kopf, nicht in vollgestopften Schränken, sie hat losgelassen, ohne sich an Dinge zu klammern. Und sie empfindet es nicht als Mangel, sondern als Loslassen, als Abgeben der Verantwortung, die sie ihr Leben lang getragen hat.
    „Ich habe nicht wenig Dinge“ …. das passt zu Oma – und zu einem Modell, das ich bewundere!

    1. Davor ziehe ich den Hut!
      Den meisten fällt das Loslassen aber sicherlich schwerer, gerade in höherem Alter.
      Besser ist es dann, schon vorher richtig auszumisten, dann hat man später eine Sorge weniger.
      Mir gefällt der Begriff: Mit warmen Händen geben. Mit 55 bin ich gerade kräftig dabei, doch leider haben meine Kinder und auch der Rest der Familie selbst schon so viel, dass kaum Bedarf besteht. Ich denke aber, dass es vielen so geht.
      Ich habe auch immer so ein ungutes Gefühl, wenn ich mich selbst entlasten will und meine Familie damit wieder um so mehr belaste. Dann haben die den Krempel!
      Da geb ich es dann doch lieber mit warmen Händen an mir Fremde weiter. 😊

      1. Es gibt hier bei uns auch wirklich noch genügend Menschen, die um jedes Teil froh sind, daher finde ich verschenken und spenden an sog. Fremde eine gute Idee – idealerweise indem man direkt nachfragt, was gebraucht wird. Am besten direkt vor Ort mal schauen, was es an Einrichtungen gibt, wie z.B. Hilfen für Obdachlose, Flüchtlinge, Frauenhaus und die üblichen Stellen wie Caritas, Diakonie, AWO, Sozialkaufhaus und Co. und mal direkt dort nachfragen, was gebraucht wird.

  2. Hallo liebe Gabi,
    ich verfolge Deinen Blog nun schon seit geraumer Zeit und ich möchte Dir jetzt einmal Danke sagen. Ich bin 66 Jahre alt und Deine klugen Gedanken über Minimalismus, Achtsamkeit, Konsumverhalten und Umgang miteinander sprechen mir aus der Seele.
    Ich lebe zwar nicht ganz so minimalistisch wie Du, schon deshalb weil ich nicht über die Bedürfnisse meines Sammelfreudigen Ehemannes hinweggehen kann, aber es wird auch zunehmend weniger (welch ein Widerspruch ) in meinem Leben. Mache bitte weiter so, Du bist eine wunderbare Inspiration für mich.

    1. Hallo Barbara, es freut mich natürlich immer, wenn ich hier oder da ein paar Ideen oder Inspirationen weiter geben kann. Besonders spannend finde ich die ganzen, vielen unterschiedlichen Wege. Meine Variante ist da ja nur eins von vielen Beispielen. Wäre es überall, so wie bei mir – gruselig langweilig. Dazu ist das Leben zum Glück viel zu bunt und viel zu unterschiedlich.

  3. Hallo,
    wie schwer ist es z.B. Modellbahn und Zubehör los zu werden. Ein schwieriges Thema ist die Trennung von vielen Familienfotos nach dem meine Eltern verstorben sind.
    Ohne diese und Zinngedöns hätte ich einen großen Schrank weg. Ich vermisse einen Raum zumindest, der mir die Freiheit zu atmen und Rückzug aus dem Alltag gewährt.
    Sache die von einem Raum in den anderen Raum wandern ohne jemals genutzt zu werden, sind schrecklich belastend. Da ich nicht alleine wohne und wir zu dritt sind, erschwert es die Situation noch mehr, denn meine Frau steht auf DEKO.
    Für mich ein Wort mit negativer Ausrichtung. Ich sag nur 7 Umzugskarton Weihnachts -Deko dazu noch ….
    Je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr verkrampft sich mein Körper

    1. Hallo Robert, wie gerne würde ich da behaupten, ich hätte irgendeine garantiert funktionierende Wundermethode in der Hand. Habe ich leider nicht und wer immer das behauptet, den kann ich nicht wirklich ernst nehmen.
      Ich denke, es ist wichtig, immer bei dem Kram anzufangen, für den man selbst verantwortlich und über den man selbst entscheiden kann – ohne irgendwen fragen zu müssen. Dann an einer Stelle anfangen und Mühsal hin oder her – genau da weiter machen, weiter machen, weiter machen. Das hat was von Marathon. Aber dann stellen sich irgendwann auch erste Erfolge ein und damit mehr Zufriedenheit und zumindestens eine erste kleine Ecke in der Wohnung, die freier geworden ist und die du dir als deine persönliche Oase gestalten kannst.

    2. Hallo Robert, Ich wünsche Dir Durchhaltevermögen und Erfolg auf Deinem Weg. Nur Mut! Bei mir hat vor acht Jahren ein Umdenken eingesetzt, die Umsetzung hält noch immer an. Aber doch konkrete Gedanken, zu dem, was du schreibst: Zinn wurde früher gerne als „Wertanlage“ verschenkt. Man kann es auch heute noch zu Geld machen, Schmelzereien etc. kaufen es Dir ab. Die Eisenbahn hingegen… Ich weiß, man hat im Hinterkopf, was alles mal gekostet hat. Habe schließlich gerade meinen Haushalt von 80 auf 22 qm verkleinert. Aber schlussendlich ist verschenken viel leichter als verkaufen. Das Gefühl, die Sache los zu sein, ist genauso großartig. Und eher besser, wenn jemand freudestrahlend mit der geschenkten Sache abzieht, als wenn man mit ein paar gefühlt zu wenigen Scheinen dasteht. Familienbilder, da gibt es viele Wege, mit um zu gehen. Digitalisieren, nur die aufheben, an die man sich auch erinnert, etc.
      Du wirst Deinen Weg finden. Wie Gabi schreibt, es ist Arbeit und eine Standardmethode gibt es nicht. Aber der Weg ist auch spannend. Man lernt sich selbst besser kennen, entdeckt neue Themen und manchmal neue Motivationen. Mein Partner ist übrigens auch ein Sachensammler, aber ich wohne wenigstens nicht mit ihm zusammen….
      Viele Grüße Petra

  4. Wohne nun seit drei Wochen in der kleinen Wohnung. Ohne Abstellraum außerhalb der Wohnung und Balkonanteil sind es immerhin 22 qm. Aufgeteilt in Vorraum (mit Pax-Schrank!), Bad und Wohnraum inkl. Küchenecke. Ich liebe es. Alles was ich mag und brauche ist in Reichweite. Es ist sicherlich nicht minimalistisch, aber jemand meinte kürzlich «sehr strukturiert«. Und hell. Und durch den Klapptisch immer genug Platz für Yoga und Gymnastik und auf die große Tischfläche, die ich jahrelang gewohnt war, brauche ich auch nicht zu verzichten (brauche viel Platz beim Bulletjournal schreiben, Bastelarbeiten etc.)
    Es gibt keine hohen Schränke im Raum, nur zwei breite Regalbretter aus Holz, eines über der Küche und eines überm Bett. Ich habe alles unterbsekommen, die 80 gm von vorher sind Geschichte. Werde aber noch weiter reduzieren, aber damit muss ich mir ja keinen Stress machen. Super ist der Abstellraum statt Keller, den habe ich mit Regalen ausgerüstet für Campingausrüstung, Wandersachen etc.
    Empfinde es als wohltuend dass nix zweimal rumliegen muss, z B. Kugelschreiber oder Tempos in jedem Raum. Und Putzen ist die reine Freude. Bin ja nicht mehr so gesund, die alte Wohnung habe ich am Stück gar nicht putzen können. Ich empfinde es geradezu als luxuriös so zu wohnen.

    1. Hallo Petra, es freut mich wirklich, dass du in deiner neuen Wohnung gut angekommen bist und nun ein sehr viel entspannteres Leben genießen kannst. Von 80qm auf 22 qm ist wirklich eine stolze Leistung, ich ahne die Arbeit, die das gemacht hat. Aber es hat sich ja gelohnt hat. Da wünsche ich dir viel Freude in deiner neuen Art von Luxus.

  5. Strafarbeit und Lehrgeld. Hab mir die beiden Ikea Helmer wieder gekauft und aufgebaut, die ich letztens erst abgeschafft habe. Dafür flogen 2 Spintschränke. In Zukunft werde ich meine Arbeit mehr wertschätzen. Das ist nämlich viel Aufwand alles akribisch zu sortieren. Ich kann nur in denen Ordnung halten. Für mich hast du wenig. Innen bist du reich. Wieder ein Sofa in der Küche war DIE Idee. Macht glücklich! LG – Tanja

    1. Oh ja, die Sache mit dem Lehrgeld kennen wohl die meisten von uns… Sofa in der Küche, das ist auch super. Räume nach Bedarf und nicht nach üblichem Standard nutzen.
      Ich sehe es eher so, dass ich viel Fläche habe, ich käme auch mit 10qm weniger klar (also 30qm), ohne dass es eng würde. Aber solche Wohnungen wären entweder im Dachgeschoss – da will ich nicht mehr hin. Oder wären sündhaft teuer gewesen. Na, dann habe ich halt ein bisschen viel Platz.

  6. Die Kellerszene ist cool. 😊
    Mein Keller bildet so das Mittel dieser beiden Keller.
    Auf den fast leeren Keller arbeite ich hin, ach ja, und dann ist da noch die Bodenkammer. 😳
    Bedingt durch den Umzug in eine kleinere Wohnung.
    Als recht ungeduldiger Mensch frustriert mich die viele Zeit, die das Aussortieren benötigt. Aber es wird, Schritt für Schritt.
    Oder gleich ein Haufen mit Brennpaste und Zunder, wie Silbermond es besingt.
    Das wäre dann schnell und schmerzlos.
    Aber nicht nachhaltig genug. 🙂

  7. Manchmal denke ich an mein altes WG-Zimmer zurück. Was war drin? Möbel wie ein Bett, Tisch, Stuhl, Kommode, Regal. Das Bett diente tagsüber als Kommode. Der Fernseher, kleine schwarzweiße Röhre, geliehen, stand auf der Kommode. Was noch?

    Als ich auszog, packte ich einen Koffer voll Bücher, ca. 20 kg, und war immer noch reichlich da zum Ausräumen. Das Zimmer war klein und dennoch nicht vollgestopft.

    Heute habe ich eine Wohnung. Puh! Ich denke oft, es weniger die Quantität als die Qualität. Also, was nützt mir das? Eine Wohnung genauso, viel um die Ohren bei der Arbeit oder im Alltag. Nicht nur der Alltag wird immer aufwändiger. Ich brauche um so mehr einen Rückzugsort, wo ich Kraft schöpfe oder Anregungen hole.

    Wenn ich die Eltern angucke, sie hoben jeden Schnipsel auf. Mit liebevollen Augen nicht mit erhobenen Zeigefinger! Es ist prinzipiell nicht schlecht, jedoch man muss es einfach nutzen und weitergeben. Meine Mutter lebt noch, wir Kinder streiten wegen jeden kaputten Fetzen wie der Hund mit seinem Knochen. Drei Generationen lebten in den Haus, nichts durfte weg. Auch wenn es keinen Nutzen mehr hat. Wir wissen beide, wenn man Umziehen muss, es ist einfach keine Zeit mehr.

    Allein der letzte Umzug, der war irre. Wir lösten nach 10 Jahren eine 3-Zimmer-Wohnung auf und jeder zog in eine Wohnung, nachdem wir schon beim Zusammenzug nicht alles doppelte ausmisteten. Alles in Kisten schmeißen, das war schon viel. Das war über 45 Kisten , davon 9 mit Bücher, für eine Person! Ich hatte mir die Zeit genommen, alles in Ruhe einzusortieren. Es ist leider eine Weile her und vieles liegengeblieben. Die Sommer waren heiß und nachts nicht an Schlaf zu denken.

    Drum sehe ich das heute anders. Der Krust muss weg! Auch meine persönliche Interessen haben sich geändert. Ja, in 12 Jahren will in die Rente und entsprechend vorbereiten und bereit sein. Offen sein, was da kommt. Die Koffer auspacken, worauf ich sitze.

    1. Ich finde, es spricht ja erstmal überhaupt nichts dagegen, wenn man Dinge besitzt, die man noch gebraucht. Es muss auch nicht immer alles neu sein – Stichwort Nachhaltigkeit. Aber wenn der Kram oder Krust (schönes Wort!) keinen Nutzen mehr hat, da ist der entscheidende Knackpunkt. Wer heute über 50 Jahre und vom Alter her bei den sog. Babyboomer angesiedelt ist, muss da sicherlich erstmal die alten und nicht mehr passenden Sammel-Werthaltungen überwinden.
      Das erinnert mich an Margreta Magnusson (irgendwo zw. 80 und 100 Jahre alt). In einem Video erzählt sie erst, sie hätte ja doch noch ein bisschen viele Bücher, zeigt dann irgendwann ihren Keller: außer einem Fahrrad ist nichts drin – wow, total beeindruckend. Und sie geht mit Älterwerden und Dinge loswerden wirklich sehr entspannt und lebensbejahend um. Das kommt auch in ihrem Buch immer wieder zum Ausdruck, was für mich das eigentlich spannende war. („Ach, das gibts auch…!?“) Das kenne ich von dieser Generation wirklich überhaupt nicht, daher fand ich das sehr faszinierend. Hier das Video, ab ca. 2:30 die Kellerszene: https://youtu.be/fXj3iy1Sgc4

      1. Ich habe 8 Sporttshirts, mehrere Sport- und Fahrradhosen. Ein ganzes Sortiment. Ich habe das heute sortiert und nichts weggetan, weil sich die Sachen über die Jahre doch abnutzen und dann irgendwann doch weniger werden. Man weiß nur nicht was zuerst kaputt geht, also abwarten.

        Ach ja, speziell für Gabi : bei Thalia gibt es einen Adventkalender, jeden Tag kannst Du dann eine andere Räucherkerze rausholen und anzünden , haha, wohl kaum. Vor 30 Jahren hätte ich das noch gar nicht übel gefunden, heute schrecken mich künstliche Luft- und Räuchersachen ab.

        1. Hallo Thorsten, ich finde, Kleidung verbraucht sich im Laufe der Zeit ohnehin von selbst. Das funktioniert maximal bei denen nicht so ohne weiteres, die genug Zeugs für die nächsten 40 Jahren haben. Deine Sachen sind ja echt überschaubar.

          Räucherkerzenadventkalender – oh je… Gäbe es eine Konsum-Horrorlisten (Kram, den die Welt nicht braucht), hätte dieses Teil auf jeden Fall ein Plätzchen sicher.

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