Warum ich selber keine Youtube-Videos mache

Der kurze Youtube-Versuch mit schnellem Ende

Ich bin einige Male angesprochen worden, warum ich keine Youtube-Videos oder Podcasts mache. Youtube habe ich irgendwann vor längerer Zeit mal ausprobiert mit je einem 10 oder 15 Sekunden-Video von Küche und Wohnzimmer meiner alten Wohnung. Aber mehr zu machen, war mir zu viel Aufwand. Außerdem schreibe ich lieber. Fürs Schreiben brauche ich keine passende Kamera, keine besondere Beleuchtung, kein Stativ, keine besondere Software, kein Mikrofon und ich muss mich nicht in Videoschnitt einarbeiten.

Dann finde ich professionell gemachte Videos und Filme einfach viel ansprechender. Es wäre ein riesiger Akt, mich darin einzuarbeiten. Irgendwann habe ich daher die beiden oben erwähnten Minivideos sowohl von Youtube, als auch von meiner Festplatte gelöscht und meinen Youtube-Kanal geschlossen. Auf die Idee, dass ich Audio-Podcasts machen könnte, bin ich noch gar nicht gekommen. Auch da würde ich wieder ein Aufnahmegerät, ein Mikrofon, eine Audiosoftware benötigen. Irgendwo müsste ich meine ganzen entstehenden Daten ja auch sichern, da käme ich mit meinem 16GB-Stick schnell an Kapazitätsgrenzen. Texte nehmen kaum Speicherplatz weg. Alles in allem komme ich seit langem mit maximal 1 GB Daten insgesamt aus (also komplett, mit allem drum und dran). Mehr möchte ich dann auch nicht. Das ist so sehr bequem.
Und ich erspare mir nebenbei auch viele dieser ganzen Accounts mit dem endlosen Passwörter-Getöse und genieße das sehr.

Online-Minimalismus: Einfach mal was weglassen

Es gibt heute so viele Möglichkeiten, online etwas zu veröffentlichen, also Youtube, Audio-Podcasts, Instagram, Facebook, Twitter, usw. usw. usw. – Mir ist das einfach zu viel, zu unübersichtlich, zu aufwändig. Ich muss nicht auf allen Online-Hochzeiten tanzen. Deshalb lasse ich vieles weg, was an Online-Aktivismus so möglich ist. Ich betreibe nur diese Webseite. Ich finde, nicht jeder muss jeweils alles machen. Minimalismus heißt für mich auch, dass ich schaue, wo meine persönlichen Schwerpunkte sind, was ich am liebsten mag und mir am meisten liegt. Ich schreibe halt sehr gerne.

 

„Simplicity boils down to two steps: Identify the essential, eliminate the rest.“ (Leo Babauta)

 

Ich kann trotzdem Videos und Co. genießen

Es gibt Podcasts, die ich gerne höre, es gibt Videos, die ich mir gerne anschaue, aber ich muss das nicht auch alles selbst produzieren und überall mitzumischen. Trotzdem kann ich natürlich ausgewählt genießen, was andere dort so anbieten und lasse mich da gerne inspirieren. In meiner Minimalismus-Blogger-Liste tauchen daher neben den klassischen Webseiten, einige Podcasts und Video-Kanäle auf.

Offline statt Online: Minimalismus-Stammtisch

Es macht übrigens auch viel Spaß, sich einfach mal persönlich und offline auszutauschen. Für Minimalismus-Interessierte, die im Ruhrgebiet (oder in erreichbarer Nähe) wohnen: An diesem Samstag, 18.1.20, treffen wir uns ab 15 Uhr im Unperfekthaus Essen. Kommt einfach mal vorbei, wir freuen uns. Wer weiter entfernt wohnt: Schaut mal auf die Webseite minimalismus-stammtisch.de oder gründet einfach selbst einen Minimalismus-Stammtisch.

Zum Weiterlesen:

17 thoughts on “Warum ich selber keine Youtube-Videos mache

  1. Schreiben, das hat was „leises“. Beispielsweise die Werbung. Vor paar Jahrzehnten war da eine Ruhe, heute schnelle Schnitte und ein Geschrei. In den 70-iger Jahre Barbapapa. Es ließ sich Zeit, eine Geschichte zu erzählen. In einem Urlaub morgens um 5 Uhr suchte ich den Wetterbericht , es lief ein Kinderfilm. Hilfe, dachte ich!

    Weiter auf den Medien. Soviele Eintagsfliegen. Wir kennen noch alte Gesichter, seit vielen Jahren, die wirklich was zu sagen haben. Leise!

    So sehe ich diesen Minimalmus. Eher wieder eine Achtsamkeit.

    Januar. Wie sieht es mit euren Vorsätzen aus? Ich hab so keine. Ich nehm mir etwas für das Jahr vor. Letztes Jahr habe ich mich entschlossen, meine Bank und Versicherung zu wechseln, wo ich nie zufrieden war. Dieses Jahr möchte ich mein Testament schreiben. Die neuen Programme der VHS kommen gerade raus. Im Januar ist ein Abend Testament. Ich hatte mich kurzfristig angemeldet, nun bin ich mal gespannt!

    Das ist mein „Minimalismus“, gute Vorsätze. Achtsamkeit, für mich gucken was ist wichtig, wo stehe ich, was steht an, was brauche ich. Das ist „leise“.

    1. Es ist schön zu gucken, wie machen es die anderen.

      Ich bekam ein Buch geschenkt. Der KLeiderschrank. Da musste man gucken, welche Kleidung brauche ich. Wenn ich ein Hund hätte, sieht mein Kleiderschrank anders aus, als wenn ich oft mit dem Chef oder Geschäftspartner essen oder ins Konzert gehe. Im ersten Fall habe ich mehr Kleidung für draußen, im zweiten Fall mehr schicke Ausgehsachen.

      Mein Schrank ist entsprechend voll! Ich wandere gerne, man findet mich auch in Konzerte. Ich arbeite voll und brauche „Büro“-Kleidung.

      Meine Küche. Ich besuche Mittagstische wenn ich arbeite. Koch auch für mich alleine. Wenn ich meine Mutter besuche, bringe ich Kuchen und Abendessen mit. Ende Januar habe ich Geburtstag und die Kollegen freuen sich über Kuchen.

      So, als Beispiel. Mir geht es nciht drum, wer hat die leerste Wohnung, sondern passt es zu meinem Leben.

      1. Sehe ich genauso – Es muss ins eigene Leben passen. Minimalismus ist kein Wettbewerb und keine Fortsetzung der Leistungsgesellschaft mit anderen Mitteln.

        Manche Arbeitsstellen haben nunmal einen Dresscode und so wenig Küchenkram im Schrank zu haben, dass man nicht mal jemand auf einen Kaffee einladen kann und man entweder Pappbecher hinstellt oder ins Restaurant muss, fand ich immer schon ziemlich schräg. Wo bleibt da der soziale Aspekt, die Unkompliziertheit, die Spontanität?

    2. Der Briff „leise“ trifft es wirklich gut.

      Ich gehöre wirklich nicht zu den Leuten, die sagen „früher war alles besser“, aber was da heute oftmals auf den Markt geworfen wird bei Kinderfilmen … und wieviel … Früher gabs mal Kinderstunde nachmittags und das wars. Die Sendungen waren tatsächlich insgesamt ruhiger. Heute kann man ganztägig vorm Fernseher hängen, schnelle Schnitte, Action… oh je… und da wundert sich die Welt über unkonzentrierte Kinder.

    3. Ich habe Vorsätze, aber dauerhaft. Ich überlege, wie ich Minimalismus stressfrei gestalte . Ich möchte den Überblick, sagen wir ruhig die Kontrolle so weit möglich haben, wo es geht. Sagen können wo ein Gegenstand ist, der sich in meinem Besitz befindet. Feste Orte ich weiß , aber eine Rosenschere wurde schon mal woanders reingesteckt, weil es zum Schuppen mit den Gartengeräten zu nass oder dunkel war. Dann gesucht unter den gefühlt noch zu vielen Orten und Dingen.

      Bei den Minimalismusvideos sind einige, die reden schnell und hektisch. Lückenlos geschnitten. Um einen Inhalt zu erfassen, muss man anhalten , zurückspulen und dann hat man Zeit darüber nachzudenken. Ich glaube, die wollen mir nur was verkaufen. Wer so schnell redet, erwartet kein Verstehen. Es geht ums Überrumpeln.

      Es geht zu Hause alles Stück für Stück. Ich schaue mir Dinge länger an und entscheide dann spontan, ob und wann und wieviel ich umsetze. Drei Herbstanemonen umgepflanzt , zwei Jahre keinen Platz gefunden. Jetzt musste es sein. Schneide ich noch die kleine Eibenhecke ? Ja oder Nein, heute oder morgen , alles ist richtig, wenn es nicht aus den Augen verloren geht.

      1. Das geht mir auch so: Sich Zeit lassen, wirklich genau hinschauen, nochmal drüber schlafen – wozu da irgendeine Hektik machen? Im Bereich von Minimalismus gibts schon eine Menge „Strohfeuer“ – großer Wirbel, der aber schnell vergeht. Zum Glück gibts aber auch einige – auch unter den Youtubern – die länger dabei bleiben und auch wirklich was zu sagen und zu zeigen haben, auch ganz ohne diese schnellschnittige Minimalismus-Hektik.

  2. Ich sehe mir ja – eigentlich – schon ganz gerne Minimalismus-Videos an. Eigentlich. Denn leider wird da ja immer nur geredet und geredet. Aber so wenig gezeigt. Mir helfen immer Beispiele. Und wenn dann gleich am Anfang so eines Videos dann noch ein total überdrehter Begrüßungssingsang kommt „haaaaalllooooo….“ stelle ich schon wieder aus. Einfach keinen Bock auf sowas. Dann lieber Text und lesen.

  3. Ich hab letztens auch drüber nachgedacht, warum ich das nicht will und mich gefragt, ob du noch die Wohnung auf YT zeigst. Ich muss da immer an die Kleine denken, die ganz außer sich war als sie mich auf dem Straßenfest sah und bis dahin wohl dachte: ich lebe nur in dieser Straße. Nein, ich bin ein richtiger Mensch. Ich lebe nicht im Internet. Wer mich in Bewegtbildern sehen will, darf vorbei kommen. Ohne Kamera. GLG

    1. Vielleicht DIE Erfahrung mit Achtsamkeit für mich: Da sein, präsent sein, aufmerksam, im Moment – aber sich selbst einfach mal nicht sooo wichtig zu nehmen. Das entlastet, macht den Kopf frei von irgendwelchen unpassenden Leistungs- und Erfolgsphantasien, die nicht ins eigene Leben passen. Letztlich ist es ja typabhängig: Einer mag lieber dieses, ein anderer lieber jenes Medium – nur ich brauche nicht alles. Weil so wichtig bin ich nicht, will ich auch nicht sein. Ich lebe ja trotzdem, es geht mir gut und das ist doch sehr schön.

  4. Liebe Gabi, ich finde es super, dass du „nur“ schreibst. Ich finde den ganzen anderen Tamtam auch eher nervig und zuviel des Guten. Ich lese hier immer sehr gerne, vielen Dank für die tollen Texte.

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