Minimalismus – Küche mit System

Die Küche – der Ort, wo es fast immer irgendwas aufzuräumen gibt, wo man nach Dingen kramt und alles schnell „wie auf einem Schlachtfeld“ aussieht. Es ist auch noch gar nicht so lange her, als ich etwas über den oft nervtötenden Kleinkram in der Küche geschrieben habe. Der Kommentar von Leserin Ursula, dass es hilfreich ist, mehr Platz in den Schränken zu lassen und möglichst nichts zu stapeln, war hierbei noch mal ein guter Tipp für mich – herzlichen Dank! Als wenn ich das – eigentlich – nicht wüsste. Zeit, dies endlich auch mal umzusetzen.

Ich habe daher in der Zwischenzeit nochmal intensiver überlegt, recherchiert und mit einigen Neuplanungen begonnen, die mir das Leben in der Küche einfacher, angenehmer und komfortabler machen. Ich nenne es: Küche mit System.

Das Drama bei den ganzen Küchentipps

Es gibt endlose Hinweise, wie man möglichst viele Dinge möglichst geschickt auf wenig Fläche komfortabel unterbringen kann. Es wird diskutiert, ob Schubladen besser als Schränke sind, welche technische Ausstattung erforderlich ist, wie man die Dinge hübsch arrangieren kann, usw.. Im Idealfall gibt es den Hinweis auf ausreichend Platz auf der Arbeitsplatte und die richtige Arbeitshöhe. Das ist alles schön, nett, manchmal auch hilfreich, sieht teilweise wunderschön aus. Mir reicht das aber nicht. Auch wenn ich alles schön arrangiere, gerate ich doch wieder in irgendein Küchenchaos, räume ich für mein Gefühl viel zu lange auf, manches schiebe ich auch ständig hin und her – genau das will ich aber nicht. Da muss es doch noch mehr bzw. besseres geben – eben: Küche mit System. Aber welches System?

Workflow in der Küche

Workflows gibts im beruflichen Bereich schon lange. Es geht darum, Arbeitsabläufe einfacher, rationeller und systematischer zu strukturieren. So geht die Arbeit besser und schneller von der Hand. Wie könnte sowas in der heimischen Küche aussehen? Ein einfaches Ordnungssystem wäre hilfreich – ganz unabhängig von dem ganzen kaufbaren Zusatzklimbim. Das sinnvollste System was ich bislang entdeckt habe, ist das, was eine Firma im Internet „Dynamic Spaces“ oder auch „Küchenzonen“ nennt. Dies ist nichts anderes, als die Dinge in den Schränken und der Küche so anzuordnen, dass daraus bestimmte Dinge-Zonen werden, die einen sinnvollen Workflow in der Küche ermöglichen. Ich habe mich in den nachfolgenden Punkten auch an diesen sog. Küchenzonen orientiert.

Ordnung mit System

Ordnung mit System heißt, bedeutet letztlich nichts anderes, als Aufräumen nach Kategorien. Eigentlich sehr simpel. Bei genauem Hinschauen viel mir aber auf, dass ich genau das häufig nicht umgesetzt habe. Also habe ich geschaut, wie sich das verbessern lässt. Hilfreich sind einige Grundregeln und das Prinzip der Küchenzonen. Natürlich sind diese nicht immer und für jeden passend (Ausnahmen bestätigen bekanntlich immer die Regel…), aber das grundsätzliche System ist schon sehr hilfreich:

Gleichartige Dinge am gleichen Ort

Räume gleichartige Dinge an den gleichen Ort. Wenn ein Teil der Lebensmittel im Kühlschrank sind und der andere Teil, der nicht in den Kühlschrank muss, am anderen Ende der Küche, so sind das unnötige Laufwege. Ebenso finde ich es umständlich, wenn die Spültücher hier und die Trockentücher dort aufbewahrt werden. Gleiches mit Pfannen, Töpfen und Kochlöffeln – befinden sich diese in verschiedenen Schränken in der Küche, läuft man sowohl beim Kochen, wie beim anschließenden Aufräumen ständig hin und her.

Minimalismus – Nur das, was wirklich nötig ist

Eine Küche wird übersichtlicher und ist schneller aufzuräumen, wenn man sich auf die wirklich wichtigen Dinge beschränkt. Niemand braucht 40 Kaffeebecher und 10 stumpfe Messer. Auch die oft endlose Galerie an diversen Plastikbehältern sollte gründlich überprüft werden. Motto: Zeug, welches nicht da ist, muss man auch nicht spülen und nicht aufräumen 😉

Dinge genau da, wo sie auch benötigt werden

Räume die Dinge möglichst da hin, wo sie gebraucht werden. Also beispielsweise Spül- und Trockentücher in der Nähe der Spüle aufbewahren und die Töpfe in der Nähe des Herdes, Messer und Schneidbretter in den Schränken unterbringen, wo die freie Arbeitsfläche in der Nähe ist.

Die sechs Küchenzonen

Im wesentlichen besteht die Küche mit System aus den folgenden fünf bis sechs Bereichen. Sinnvoll ist es – soweit wie möglich und praktisch umsetzbar – diese Zonen auch räumlich zu verorten und die Schränke entsprechend zu befüllen, damit man z.B. nicht die Nudeln hier und das Gemüse aus der entgegen gesetzen Richtung hervor holen muss.

  1. Zone: Lebensmittel-Vorrat: Lebensmittel (Kühlschrank, Vorratsschrank mit Lebensmitteln)
  2. Zone: Aufbewahrung: Alles, was man zum Essen benötigt (z.B. Geschirr, Besteck, Schüsseln)
  3. Zone: Vorbereitung: Dinge für die Vorbereitung (z.B. Messer, Schneidbretter, Sparschäler, Rührschüsseln, etc.)
  4. Zone: Kochen (z.B. Kochplatten, Herd, Kochtöpfe, Pfannen, Kochlöffel, Pfannenwender, Schneebesen,…)
  5. Zone: Reinigen/Entsorgen (der Spülbereich, Müllentsorgung, Spülmittel, Trockentücher, …)
  6. Zone: Auslagern. Für den Fall, dass die Küche klein und der Platz begrenzt ist: Überprüfe, welche Dinge eher selten benötigt werden und daher auch anderswo in Wohnung, Keller oder Dachboden untergebracht werden können, aber im Bedarfsfall auch dort gut erreichbar sind. Das können Saisonartikel sein, wie die Plätzchenformen für Weihnachten, der Elektrogrill für die Sommerabende auf dem Balkon, Raclettgerät, Fondue, Waffeleisen, Friteuse oder ähnliches. Ein weiterer Vorteil hierbei: Holt man die Dinge nicht mehr hervor, weil man sie nicht sieht, sind sie letztlich überflüssig und können dann auch verschenkt oder verkauft werden.

 

Küche mit System – der aktuelle Stand bei mir

Ich habe angefangen, meine Küchenschränke nach dem o.g. System neu zu sortieren, fertig ist das im Moment aber noch nicht. Da ich den Hang zum „Tetris im Küchenschrank“ habe, (sprich: es sind immer ziemlich viele Dinge auf kleiner Fläche), möchte ich dies perspektivisch entzerren und möglichst wenig stapeln und mir einfach mehr Platz für die Dinge lassen. Dafür benötige ich dann doch noch ein paar ergänzende Schränke, diese sind noch nicht da.

Ein paar Übergangsbeispiele:

Aus ergonomischen Gründen steht die Kochplatte jetzt etwas tiefer. Die Töpfe befinden sich nun bequem darunter. Die gestapelten beiden Pfannen möchte ich künftig möglichst auch noch entzerren.

Induktionskochplatte auf Holzarbeitsplatte. Darunter eine geöffnete Schublade mit Pfannen, Töpfen, Pfannenwender, Kochlöffel

 

Die Lebensmittel habe ich jetzt komplett in meiner Abstellkammer untergebracht. Diese hat ein Fenster nach außen – also gute Belüftung – und wurde ursprünglich auch mal als Speisekammer eingebaut (zu den Zeiten, als Kühlschranke in den Familienhaushalten noch unüblich waren). Also nutze ich das jetzt auch so. Auch dieser Bereich ist noch nicht ganz fertig. Der unten auf dem Foto zu sehende Klapptisch steht dort nur übergangsweise, um dort Gemüse zu lagern. Er wird noch durch einen Rollwagen mit Körben ersetzt. Dieser Rollwagen ist aber auch noch nicht da. Ein Rollwagen deshalb, weil ich dann leichter dort sauber machen kann und beim Kochen auch einfach den Roll-Gemüsewagen in die Küche holen kann.

 

Abstellkammer mit Unterschrank. Im Unterschrank sind Lebensmittelvorräte zu sehen. Auf dem Unterschrank ein kleiner Kühlschrank, darauf eine Brottrommel. Rechts ein schmaler Klapptisch mit eingem Gemüse darauf.

 

Alle anderen Bereiche sind noch deutlicher in der Umstrukturierung. Dort ist noch nicht viel erkennbar. Trotzdem bemerke ich bereits jetzt etliche Erleichterungen, indem gerade das Ein- und Ausräumen bereits jetzt schneller von der Hand geht. Die minimalistische Küche mit System macht daher für mich wirklich Sinn. Es erleichtert mir absehbar vieles und ich bin insbesondere auch zufriedener. Mal schauen, wie es weiter geht…

 

Zum Weiterlesen:

Wie wohnen andere Minimalisten: