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Zuwenig Auswahl in der Überflussgesellschaft

#Konsumauszeit und Minimalismus ist nichts Neues für mich. Das gab es bei mir genau genommen immer schon. Allerdings meistens eher unfreiwillig, auch in unserer Überflussgesellschaft. Zwei Beispiele:

Vorweihnachtszeit:

Ich finde es schon seit Jahrzehnten höchst unangenehm und stressig, zwischen Mitte November und Weihnachten in die Stadt zu gehen, um noch irgendwelche Einkäufe zu tätigen. Es ist dort einfach sehr voll, die Menschen wirken hektischer als sonst, überall irgendein Weihnachtsgedudel, Lichterketten, Weihnachtsmänner. In den 80er-Jahren habe ich einfach gewartet, bis Weihnachten vorbei war, zwischen den Jahren war es dann ruhiger. Mit dieser Ruhe war es dann irgendwann aber auch vorbei, denn die Weihnachtsgeschenke-Umtauscher und die Gutschein-Einlöser wurden immer mehr. Na, dann bin ich da eben auch nicht Einkaufen gegangen.

-> #Konsumauszeit, weil es mir im vorweihnachtlichen Konsumwahn einfach zu laut, zu hektisch und zu voll ist.

 

Bekleidung

Bekleidung zu kaufen, war für mich immer schon ein mittleres Desaster. Hosen waren früher fast immer rund 10cm zu kurz. Bis heute habe ich dieses Problem. Allerdings habe ich inzwischen das „Glück“, dass die Hosen, dann „nur noch“ nach unmöglicher „Hochwasser-Hose“ aussehen. Warum gibt es für Männer eigentlich alle möglichen Größen, Weiten und Längen und für Frauen nicht?

Immer wieder hatte ich jahrelang auch Probleme mit Pullovern und T-Shirts. Ewige Modephasen hindurch gabs regelmäßig und immer wieder nur pastell oder pink, rosa, rot, orange. Ich mag diese Farben nicht als Bekleidungsfarben, sie stehen mir auch nicht, genauso wie schwarz und weiß einfach nicht passt. Irgendwelche Blümchenmuster waren auch noch nie mein Ding. Ich hatte in den letzten Monaten beispielsweise definitiv zu wenig Langarmshirts. Bei meinem Lieblingshersteller Trigema wird zwar in Deutschland produziert, aber seit ewigen Zeiten finde ich vorrangig schwarz, weiß, dunkelblau, pink, manchmal rot, manchmal irgendwelche anderen Blautöne oder mit blinkenden Svarovskisteinchen (mag ich ebenso wenig, wie das ganze Blümchen- und Rüschenzeugs!). Blau kann ich nicht mehr sehen, jahrzehntelang habe ich notgedrungen nichts anderes als blau getragen. Erd- und Naturtöne stehen mir besser, gefallen mir besser, diese finde ich aber nicht – auch nicht woanders. Aus der Not heraus, bin ich auf einen anderen Anbieter ausgewichen, der sogar fair produzierte Kleidung verkauft und habe – weil nichts anderes gefunden – dann 4 graue Langarmshirts gekauft, damit ich nicht weiterhin abends per Hand waschen muss.

-> #Konsumauszeit, weil Mode oft einseitig und Bekleidung nicht in passenden Größen vorhanden ist.

 

Unfreiwilliger Minimalismus

Unfreiwillig ist Minimalismus u.a. dann für mich, wenn ich trotz all des vielen angebotenen Zeugs, nicht das Passende finde. Freiwillig an dieser Entscheidung ist, auf weitere unsinnige, nervenaufreibende Suchen zu verzichten. Dieses Thema ist nicht neu. Damit habe ich seit Jahrzehnten zutun. Schon in den 80er- und 90er-Jahren gab es Zeiten, wo ich ernsthaft mit 1000 DM losgezogen bin, im festen Entschluss dieses Geld auch auszugeben. Aber ich bin unverrichteter Dinge wieder nach Hause zurück gekehrt, weil ich nichts passendes gefunden habe – frustriert und enttäuscht. So etwas finde ich höchst unangenehm. Unter anderem führt  es dazu, dass ich mir inzwischen vorher einfach endlos lange überlege, ob ich mir nun dies, das oder jenes kaufe oder nicht. Denn ich weiß nie:

  • Finde ich überhaupt etwas passendes?
  • Wie lange hält dieses Teil?
  • Ist es evtl. eine Fehlinvestition?

Es ist oft ein ewiger Gedankenkreislauf ohne wirkliches Ergebnis und dieses im-Kreis-drehen will ich einfach nicht mehr.

 

 

#Konsumauszeit – das Leben achtsamer gestalten

Als ich las, dass Svenja und Marc (Twitter: @apfel_maedchen & @sadfsh) ihre jährliche #Konsumauszeit für November angekündigt haben, kam mir spontan der Gedanke: Das ist es. Eine prima Aktion, um das eigene Leben achtsamer zu gestalten.

Meine Gedanken dazu:

Wir leben in einer hochkomplexen Gesellschaft. Unser Alltag ist oft rastlos. Wir sind konfrontiert mit Arbeitsverdichtung, Sorge um Arbeitsplätze und nicht wenige Menschen mit einer grottenschlechten Bezahlung. Wir konsumieren in der Regel viel zu viel, deutlich über unseren wirklichen Bedarf hinaus, manchmal auch komplett an unserem Bedarf vorbei. Damit schaden wir der Natur, anderen Menschen und letztlich sogar uns selbst. Unsere Meere vermüllen mit Plastik, die Vielfalt in der Natur geht bedenklich und dramatisch zurück, der Klimawandel ist bereits deutlich zu spüren – und wir beschäftigen uns noch immer mit dem neuesten Smartphone, der nächsten Flugreise in den Urlaub und quälen uns an Wochenenden durch die Shoppingcenter der Städte. Wie verrückt ist sowas? Manchmal kommt es mir vor, als laufen wir ständig irgendwelchen „Konsum-Schnullern“ hinterher und wollen einfach nicht wahr haben, dass uns diese Konsum-Schnuller immer hungrig zurücklassen werden.

Natürlich bin auch ich Teil dieser Gesellschaft. Seit einiger Zeit bemerke ich, dass ich zwar nicht ständig irgend etwas kaufe, schon gar nicht unnötige Dinge. Aber ich habe ständig Ideen für Käufe im Kopf. Es ist ein ständiges ideenreiches Gedankenkreisen, aber ohne auch nur einen Schritt weiter zu kommen. Wer sich aber ständig im Kreis dreht, muss sich nicht wundern, wenn es ihm oder ihr schwindelig wird. Vermutlich sind es einfach Ablenkungen vom eigentlichen Thema, welches mich parallel beschäftigt:

 

Weniger ist mehr – beim Konsumieren, aber auch beim Meditieren

Zumindestens bei mir ist das so. Mit einigen körperlichen Einschränkungen, die ich nunmal habe, kann ich im Alltag inzwischen ganz gut leben, aber gerade bei den formalen MBSR-Achtsamkeitsübungen gelange ich durch diese Einschränkungen ständig an Grenzen und in Überlastungssituationen. Auch wenn ich einige Yogaübungen inzwischen weglasse oder verändere und sehr auf mich achte, bleibt es schwierig. Ein von Geburt an unzureichend ausgebildeter Lendenwirbelbogen wächst nunmal auch mit intensiver Meditationspraxis nicht zusammen, erschwert aber das Üben ebenso, wie meine Schwerhörigkeit, wenn ich an einer Meditationsgruppe teilnehme.

Ich möchte dieses Jahr die #Konsumauszeit nutzen, um Alternativen für unsinniges Gedankenkreisen ums Konsumieren, aber auch neue Wege für Achtsamkeit und Meditation zu finden – integriert in meine ganz normalen Alltagsabläufe. Und genau hier passen dann auch vielfältige Ideen hin. Mal schauen, ob und was mir hierzu einfällt.

Über meine Erfahrungen und Erlebnisse werde ich im Verlauf des Novembers hier auf der Webseite dann noch berichten. Wer informiert werden möchten, kann sich unten für den Newsletter anmelden.

Informationen zur #Konsumauszeit hier: https://t.co/vQzW9G1uOR?amp=1

 

 

 

Minimalismus – Wohnung: multifunktionales Wohnen

Minimalismus ermöglicht großzügiges Wohnen

Ich wohne sehr großzügig. Ich habe einen großen und einen kleinen Schreibtisch. Außerdem einen Esstisch, an dem bis zu acht Personen Platz haben. Dann gibt es noch einige andere Möbel, wie Bett, Sofa, Schrank, Schreibtischcontainer. All diese Dinge befinden sich in einem eher kleinen Raum von ca. 4,20 x 3,20m Größe – hierbei ist die anteilige Dachschräge noch nicht abgezogen. Und all diese Möbel in so einem kleinen Raum und das soll ein minimalistischer Wohnstil sein? Ja – und zwar so:

 

Multifunktionale Nutzung von Möbeln

Das Geheimnis des minimalistischen Wohnens ist Multifunktionalität:

Genau genommen habe ich nämlich nur zwei Tische:
–  ein kleinerer, quadratischer Tisch
–  ein etwas größerer rechteckiger Tisch
Damit lässt sich einiges gestalten:

Großer Schreibtisch
Möchte ich einen großzügigen, großen Schreibtisch, stehen beide Tisch nebeneinander.

Ein quadratischer und ein rechteckiger Tisch nebeneinander stehend zu einem großen Schreibtisch.

Kleine Kaffeerunde
Für den gemütlichen Kaffee mit 2 bis 4 Personen nutze ich den rechteckigen Tisch, während der quadratische Tisch weiterhin als Schreibtisch genutzt wird.

rechteckiger Esstisch für 2 - 4 Personen

Genug Platz für Besucher:
Kommen einmal mehrere Besucher, stehen beide Tische in der Raummitte und können so von bis zu 8 Personen genutzt werden. Da dies nicht täglich ist, ist es kein Problem, Computer und Futon einfach mal zur Seite zu räumen, um genug Platz zu haben.

quadratischer und rechteckiger Esstisch als lange Esstafel in der Mitte des Raumes stehend.

 

 

Sofa und Bett

Wenn ich zu Beginn von Sofa und Bett gesprochen habe: Das ist mein Futon. Nachts schlafe ich drauf. Im Bedarfsfall kann ich es aber auch einfach zusammengeklappt als Sofa nutzen. Wer sich näher für ein Futon interessiert, habe ich hier mehr dazu geschrieben: https://achtsame-lebenskunst.de/2017/03/12/auf-einem-futon-schlafen/

Futon zu eine Art Sofa zusammengefaltet

 

Minimalistisches Wohnen ist keine Askese

Minimalismus muss also nicht bedeuten, sich beim Wohnen einzuschränken und ist nicht mit Askese zu verwechseln. Die Dinge werden einfach nur anders benutzt. Ich favorisiere multifunktionale Lösungen. Ich liebe es, zu experimentieren und auszuprobieren. Mit eher kleinen und leichten Möbeln ist das zum Glück kein großer Aufwand. Durch solche multifunktionalen Lösungen ist es möglich, mich auf ganz unterschiedliche Bedarfe einzustellen und flexibel zu nutzen. All das gelingt auf sehr wenig Fläche.

Ich habe jetzt nur ein Luxusproblem. Der zweite, Raum ist nun fast leer. Die Panorama-Aufnahme verzerrt etwas die wirkliche Größe. Der Raum hat nahezu die gleichen Maße, wie das andere Zimmer. Da Luxusprobleme keine echten Probleme sind, ist dies aber zu vernachlässigen.

 

 


 

Achtsamkeits-Inseln auf der Minimal-Kon 2017

Minimal-Kon: „Minimalistisch leben. Nachhaltig handeln. Achtsam sein.“

Unter diesem Motto findet am Samstag 28.10.2017 das 6. Minimalismus-Jahrestreffen statt. Im Unperfekthaus in Essen wird es viele interessante Vorträge und die Möglichkeit geben, sich mit anderen Minimalismus-Interessierten auszutauschen.

1 Tasse Cappuccino von oben fotografiert mit Text: Minimalkon 2017, Sa., 28.10.2017, Essen UPH

Ich bin ab 14:15 mit einem Vortrag zu Achtsamkeits-Inseln im Alltag dabei:

„Auch mit einem minimalistischen Lebensstil ist unser gesellschaftliches Umfeld von Multitasking, Reizüberflutung, Stress, einsuggerierten Bedürfnissen und ständigen neuen Kaufoptionen geprägt. Wie bleibe ich trotzdem bei dem, was mir wichtig ist oder wie finde ich dies heraus? Kleine und einfach umsetzbare Achtsamkeitsinseln im Alltag verhelfen zu mehr Ruhepunkten und innerem Abstand und schaffen so die Voraussetzungen, sich immer wieder neu zu fokussieren und innere Klarheit zu gewinnen.“

Ich freue mich schon auf ein persönliches Kennenlernen, Wiedersehen, auf Gespräche und vielfältige Anregungen.

Weitere Infos

http://www.minimal-kon.de/

 

 

Achtsamkeit und Minimalismus als Lebensfülle

Minimalisiert: der Sessel ist weg…

Ich hatte ihn schon längere Zeit nicht genutzt: meinen Sessel und den dazugehörige Hocker. Dabei war er doch bequem, zumindestens dachte ich das. Denn meinen Körper achtsam erspürt, habe ich im Laufe der Zeit bemerkt, dass dieser Sessel für längeres Sitzen unbequem ist, zumindestens für mich. Also ist dieser Sessel jetzt weg und erfreut nun einen anderen Menschen. Denn Dinge sollten Freude bereiten und nicht Ursache für Mißgefühl sein – für mich ein wichtiger Minimalismus-Grundgedanke.

weißer Pöang-Sessel mit Fußteil

Meditierend den Wohnraum erspüren

Die meisten Menschen mit regelmäßiger Meditationspraxis haben einen festen Ort für ihre Meditation. Oft ist dieser Ort besonders gestaltet. Es gibt natürlich viele Gründe, warum das genau richtig und sinnvoll ist.
Ich habe dies anfangs auch so probiert und kam damit aber sehr schnell an meine Grenzen, genau gesagt, an meine körperlichen Grenzen. U.a. habe ich recht lange Beine, sowie einige angeborene Einschränkungen in der Beweglichkeit von Hüfte und Lendenwirbelsäule. Da passt immer irgendwas nicht. Meditationshocker, Meditationskissen, diverse Stühle, auf dem Futon liegend – es waren viele Varianten, die ich ausprobiert habe und dies an vielen, unterschiedlichen Stellen meiner Wohnung. Dies ist sicher etwas unüblich, aber meine begrenzten Möglichkeiten bei Meditationshaltungen, führen interessanterweise auch dazu, dass ich mich und meine Umgebung trotzdem differenzierter wahrnehme:

Das Wohnen fühlen

Achtsamkeitsübungen finden bei mir nicht an einer ganz bestimmten Stelle eines bestimmten Raums meiner Wohnung statt, während an den anderen Stellen der Wohnung der normale Alltag geschieht. Beides geht ineinander über und ist nicht getrennt voneinander. Dadurch erspüre ich im Laufe der Zeit viel mehr von dem, wie ich die einzelnen Zimmer, die Tages- oder Jahreszeiten wahrnehme und erlebe. Ich empfinde differenzierter, mit welchen Dingen und Möbeln ich mich wohlfühle oder auch nicht.

Optisch schön, aber …

Eine wichtige Entdeckung ist etwas sehr typisches für mich: Es gibt Dinge, die finde ich optisch einfach schön. Ich fühle mich aber trotzdem nicht wohl damit.

Jetzt, wo mein Sessel weg ist, kommt mir mal wieder der Gedanke, dass es optisch doch vielleicht schöner wäre, ich würde etwas mehr in meine Wohnung stellen. Irgendeine Deko, vielleicht ein Teppich, Vorhänge, noch irgendein Möbelstück. Es muss ja nicht gleich ein Stehrümchen sein… Zu früheren Zeiten wäre ich vermutlich gleich losgelaufen, um irgendwas zu kaufen, was ich mir dann irgendwo in die Wohnung gestellt hätte, damit es irgendwie schöner und letztlich auch gesellschaftskonformer aussieht – bis ich es dann leid geworden wäre und wieder entsorgt hätte. Doch genau so möchte ich das heute nicht mehr und deshalb lasse ich mir Zeit.

Eher wenige Dinge zu besitzen, mag eine Wohnung auf den ersten Eindruck optisch nicht so attraktiv erscheinen lassen, aber mir geht es damit besser. Ich fühle mich viel leichter, befreiter – einfach, weil ich genauso bin, weil es zu mir passt und ich es genau so haben möchte. Mir fällt dadurch ein riesiger Ballast von den Schultern. All der Kram-Ballast, mit dem ich mir die Wohnung nicht vollstellen muss und all der Ballast des Unwohlseins, den ich mit diesem Kram gehabt hätte.

Ständiger Konsum von Dingen, die uns überflutenden Angebote von irgendwas, der Reiz des Neuen, die Moden und Trends – all das mag vordergründig attraktiv erscheinen, ist aber vorrangig fremdbestimmt und lässt unser Gespür abstumpfen, für das, was wirklich wesentlich in unserem Leben ist. Die Leere, die in Achtsamkeit und Minimalismus deutlich werden kann, mag vordergründig unangenehm erscheinen, sie ist aber nicht wirklich leer, sondern Quelle der Lebensfülle, die nun endlich nicht mehr behindert wird.

Minimalismus – wen interessieren schon Sockenzählereien

Minimalismus – das Klischee

Immer wieder wird Minimalismus in Verbindung damit gebracht, dass Menschen in ihren leeren Wohnungen auf dem Fußboden sitzen, ihre Socken, T-Shirts und Tassen zählen und möglichst auch noch peinlich darauf achten, ob sie nun bloß nicht über die Summe von 100 Teilen kommen. Dabei war diese 100-Teile-Geschichte nur mal eine Aktion von Dave Bruno und er bezog sich nur auf seine persönlichen Dinge. All die von seiner Familien gemeinsam genutzten Dinge standen nicht auf seiner Liste und meines Wissens hat er sein Bücherregal dabei auch nicht mitgezählt…

Zählereien mag interessieren, wen es will. Mich nicht. Und die minimalistisch lebenden Menschen, die ich kenne, interessiert es meistens auch nicht. Die finden das eher lustig und manchmal sind sie auch genervt, weil dieses Minimalismus-Zähl-Klischee immer wieder sehr hartnäckig durch die Medien getrieben wird.

 

Minimalismus jenseits der Zählerei

Beim Minimalismus als Lebensstil geht es genau genommen um ganz andere Themen. Beispielsweise darum, nicht mehr im Teufelskreis von Arbeit und Konsum bis zur Atemlosigkeit zu rotieren, Lebensqualität jenseits der Shoppingmeilen zu finden, mehr Zeit für die Kinder zu haben, zur Ruhe zu kommen und vieles mehr. Unser Planet ächzt unter den Ausbeutungen und Belastungen, die wir ihm täglich zumuten. Wozu? Für wen? Für was?

 

Wie kurzsichtig ist unser Lebensstil geworden?

Kommen auf dem neuesten Hightech-Fernsehgerät qualitativ bessere Sendungen? Was hat ein annähernd normalsichtiger Mensch davon, wenn der TV-Bildschirm und damit auch die zu sehenden Figuren, etwas größer oder kleiner sind? Welchen Einfluss hat es ganz ernsthaft auf mein Wohlergehen, ob das T-Shirt nun gestreift oder unifarbenen ist? Warum um alles in der Welt ist es nötig, Unmengen an allen möglichen Krempel Zuhause zu lagern, ohne ihn überhaupt zu benutzen? Schaue ich mir wirklich die riesige DVD-Sammlung an? Lese ich all die Bücher noch? Und was ist eigentlich so spannend daran, sich morgens vor einem komplett überfüllten Kleiderschrank mit der Auswahl der passenden Kleidungsstücke herum zu quälen? Ich liege genau diese Zeit viel lieber länger im Bett.

 

Es gibt nichts, was ich tue, WEIL es minimalistisch ist

Mein Ausgangspunkt für einen minimalistischen Lebensstil war die Reduzierung von Stress. Ich habe mir lange Zeit keinerlei Gedanken um Minimalismus gemacht. Als Meditation und Achtsamkeit in meinen Alltag kamen, habe ich deutlicher gespürt, womit ich mich wohl fühle und habe erst dadurch entdeckt, dass es für meine bevorzugte Art zu leben, tatsächlich ein Wort gibt: Minimalismus. Dieser so vielfältige Lebensstil passt zu mir. Damit geht es mir gut. Mit weniger Dingen fühle ich mich freier. Wenn nicht viel rumsteht, bin ich mit dem Haushalt schneller fertig. Das, was ich nicht besitze, muss ich nicht aufräumen. Klimbim und Stehrümchen mochte ich darüber hinaus wirklich noch nie. 

 

Ich habe Spaß an Dingen

Minimalismus hat mich sehr viel pingeliger gemacht. Ich finde, Kaffee aus Pappbechern ist nicht nur ein Umweltdesaster, sondern schmeckt einfach nicht. Ich genieße es sehr, wenn ich den Proviant, den ich mit zur Arbeit nehme, nicht in irgendwelche Plastikboxen packen muss. Ich genieße meine wunderschönen und haltbaren Edelstahlboxen.

 

 

Ich habe nämlich Spaß an Dingen. Dazu muss ich diese Dinge aber nicht alle zählen. Es reicht mir, wenn ich sie einfach genießen kann. Ich brauche nicht Werbung, Meinungen, Trends, Lifestyle und was auch immer, um mir einsuggerieren lassen, was ich konsumieren und schön finden soll. Es ist mein minimalistischer Luxus, dies an meinen tatsächlichen Bedürfnissen auszurichten. Ich will nicht allen möglichen Krempel in die Wohnung lassen, nur weil dies in unserer Konsumgesellschaft so üblich ist. Dass meine Wohnung eher leer ist, empfinden andere Menschen vielleicht so, ich nicht. Meine Wohnung ist lediglich auf meinen ganz persönlichen Bedarf ausgerichtet. Es fühlt sich nämlich sehr gut an, immer besser differenzieren zu können, was Spontanwunsch, Kauflaune, Frustkauf und was wirkliches Bedürfnis ist. 

Wen interessieren schon langweilige Sockenzählereien. Es geht nicht um viele Dinge. Es geht auch nicht um wenig Dinge. Es geht ums Leben. Mein, dein und unser Leben und wie wir dieses Leben gestalten wollen.

 

 


 

Abschalten – Zeichen setzen

Multimediale Ablenkungen runter fahren

Was genau beschäftigt mich eigentlich, wenn ich mich mal nicht dem Aktionismus hingebe und mich nicht in den vielen multimedialen Ablenkungen verliere? Diese Frage beschäftigt mich schon länger, bin ich doch auch selbst manchmal gerne und lange irgendwo in den digitalen Welten unterwegs.

Multimediale Ablenkungen runter zu fahren, hat auch damit zutun, sich selbst wieder ernst zu nehmen. Sich selbst wahrnehmen und ernstnehmen, die eigenen Gedanken, Gefühle, die eigene Befindlichkeit. Wir leben zwar im digitalen Zeitalter – unser Gehirn, unsere Psyche ist aber nach wie vor analog und können nur in begrenztem Umfang Informationen aufnehmen und verarbeiten.

Wenn mir etwas zu viel wird, dieses Zuviel einfach mal ganz bewusst und aktiv abzuschalten, möglichst rechtzeitig, möglichst regelmäßig. Ich muss nicht jede politische und gesellschaftliche Nachricht, jede noch so kleine Wasserstandsmeldung verfolgen. Insbesondere dann nicht, wenn die Gefahr besteht, dass ich in einen überdrehten Aktionismus gerate und mir dadurch absehbar irgendwann „die Puste ausgeht“.

 

Einen langen Atem haben

Wenn es irgendetwas gibt, was ich als Sozialpädagogin in rd. 35 Jahren sozialer Arbeit und Beratung gelernt habe, dann, dass Entwicklungen und Veränderungen einen langen Atem brauchen, manchmal einen sehr langen Atem. Und liebe Leser_Innen, glaubt es mir, ich weiß wirklich sehr genau, von was ich hier gerade schreibe. Ich kenne viele Lebenswege, die einem verflochtenem und verworrenem Dschungel gleichen. In diesem Dschungel sind nicht nur die Betroffenen, sondern zeitweise auch ich – fachlich begleitend – unterwegs. Nicht selten versagen da alle Landkarten und Navigationsgeräte. Diskutieren, taktieren, perfekte ToDo-Listen helfen da nicht. Selbst ein noch so großes pädagogisches Handlungsrepertoire erscheint mitunter, wie ein lahmer Witz. Es geht nur mit fachlich und menschlich authentischer Präsenz. Es braucht Sensibilität, Klarheit, Wachheit und viel Ausdauer. All dies kommt eher einem gemeinsamen Marathonlauf „über Stock und Stein“ gleich, als einem kurzen, kraftvollen 100-Meter-Sprint.

Bewusstes Abschalten ist da keine Flucht ins Private – im Gegenteil. Es dient dazu, Überdrehtheit und Erschöpfung zu verhindern und selbst handlungsfähig zu bleiben. Das eigene Tempo, den eigenen Lebensrhythmus in sich zu spüren, ist wichtig, lebenswichtig. Miteinander statt Gegeneinander zählt. Es geht darum, sich wirklich zu begegnen und Lösungen suchen, anstatt sich im Konkurrenzkampf zu verlieren und sich gegenseitig übertrumpfen zu wollen.

 

Achtsamkeit und Minimalismus als gesellschaftliche Notwendigkeit

Minimalismus und Achtsamkeit sind für mich nicht einfach irgendein Trend. Sie sind eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Insbesondere, weil immer größere Bevölkerungsgruppen in unserem Land sich abgehängt, von der Gesellschaft vernachlässigt fühlen, weil sie nur noch um’s tägliche Überleben kämpfen, zwischen Jobcentern, Wohngeldstelle, Bildungs- und Teilhabe-Anträgen zermalmt werden. Dass auch diese Menschen versuchen, das persönliche Wohlbefinden durch Digitalkonsum zu steigern, ist nachvollziehbar. Irgendwie doch noch dazu zugehören wollen, das ist so menschlich  – auch wenn genau dadurch die Gefahr besteht, sich selbst darin zu verlieren.

 

Zeichen setzen

Es ist Zeit, Zeichen zu setzen. Wohin gesellschaftliche Fehlentwicklungen führen, zeigen nicht nur aktuelle Bundestagswahl-Ergebnisse. Ich erlebe dies – wie oben beschrieben – gerade in meinem beruflichen Umfeld tagtäglich, hautnah und sehr existentiell. 

Zeichen setzen kann und darf auch klein und ganz alltäglich sein. Es kann beispielsweise darin bestehen, einfach mal zu schauen, wie der eigene Alltag ein wenig achtsamer und minimalistischer gestaltet werden kann, um so wieder zu sich, zu anderen und zu wirklicher Lebensqualität zu finden:

  • Statt der nächsten Shoppingtour einfach mal ein längerer Spaziergang im Wald
  • Das neueste Smartphone liegen lassen und das alte Gerät weiter nutzen
  • Die ständig aufploppenden Nachrichten im Smartphone deaktivieren
  • In Gesprächen mit anderen Menschen (insbesondere Kindern!), das Handy in der Tasche lassen.
  • Öfter mal den Flugzeugmodus des Handy’s benutzen.
  • Das Handy mal Zuhause lassen.
  • Die meisten Smartphones haben eine Einstellmöglichkeit, dass nur bestimmte Anrufer zugelassen werden. Ideal z.B. für Eltern, die für ihre Kinder erreichbar bleiben wollen, aber ansonsten einfach auch mal offline unterwegs sein möchten.
  • Das Internet auch Zuhause öfter einfach mal ausschalten.
  • Insbesondere in Familien: Obergrenzen für Internet-Zeiten festlegen, an die sich dann neben den Kindern, auch die Eltern halten.
  • Welche sozialen Netzwerke müssen nicht sein?
  • Eigene Konsumgewohnheiten überprüfen: Welche Dinge in meiner Wohnung liegen seit langem ungenutzt herum? Wozu habe ich sie noch?
  • Sich in Freigiebigkeit üben: Brauche ich all das, was ich besitze? Wem könnte mein Besitz sehr viel besser dienen als mir?
  • ….

 

Den wirklichen Reichtum entdecken

Natürlich gelingt das nicht immer und schon gar nicht sofort. Aber es lohnt sich, den eigenen Reichtum zu entdecken. Nicht den Reichtum irgendwelcher Zahlen auf dem Girokonto, nicht irgendwelche überflüssigen Besitztümer, sondern den wirklichen Reichtum des eigenen SoSeins, den Reichtum eines wirklichen, zwischenmenschlicher Miteinanders und all der Reichtum, der sich sonst noch, fernab vom Besitztums-Anhäufungen und digitaler Überflutung, entdecken lässt.

 

 

 

 

Filmtipp: „Die heilsame Kraft der Meditation“

Klinische Studien und wissenschaftliche Experimente befassen sich bereits seit langem mit der heilsamen Kraft der Meditation. Die Dokumentation bei Arte erläutert die komplexen physiologischen Zusammenhänge zwischen dem meditierenden Geist und dem Organismus.

„Meditation und Medizin sind in zunehmenden Maße zwei Seiten ein und derselben Medaille“ – Jon Kabat-Zinn

Die heilsame Kraft der Meditation – Arte.de auf Youtube

 

 

 

 

Minimalismus – vom Luxus, auf Werbung verzichten zu können

Wir sind umgeben von Werbung. Überall Bilder, Video’s, plakative Texte, was wir alles kaufen und konsumieren sollen. Fernseher, Radio, Webseiten, Werbeplakate an U-Bahn-Stationen – nahezu überall ploppt die Botschaft auf „Kauf mich“.

Kosten meiner Webseite – und Werbeanfragen

Auch ich lebe nicht „auf dem Mond“ und hatte schon zig mal Werbeanfragen für meine Webseite. Natürlich habe auch ich mir Gedanken dazu gemacht. Denn das Betreiben einer solchen Webseite kostet natürlich Geld, mein Geld. Aber ehrlich gesagt: Bei den bisherigen Anfragen war bislang noch nichts dabei, was mich auch nur annähernd überzeugt hätte. Die Notwendigkeit, dass ich selbst aktiv werde und auf die Suche gehe, hatte ich bislang zum Glück noch nicht. Weder will ich superteueres, edles Meditationszubehör verkaufen, noch möchte ich Werbung für irgendwelche heilversprechenden Super-Therapien machen. Um irgendwelche Bücher zu empfehlen, müsste ich die erstmal alle lesen. Daran habe ich derzeit einfach keine Lust. Bislang haben mich auch die Schwerhörigen-Handys noch nicht so überzeugt, dass ich sie eindeutig und zu 100% empfehlen würde. Mein Lieblingsbekleidungshersteller hat in letzter Zeit eine zu eingeschränkte Farbauswahl. Und klar, ich liebe Futons. Aber Futons sind auch nicht für jede/n etwas. Je nach gesundheitlicher Verfassung sind sie ein Segen oder ein Desaster. 

 

Gegenfinanzierung durch Minimalismus

Minimalismus bringt mich auf andere Finanz-Ideen und ermöglicht es mir bislang sehr gut, die Kosten auf ganz andere Weise gegen zu finanzieren. Einige Beispiele:

 

Kein Pendeln mehr zur Arbeit
Lange Jahre bin ich zur Arbeit gependelt. Zeitweise mit dem Auto, lange Zeit mit dem ÖPNV. Beides kostet. Nicht nur Lebenszeit, sondern auch der Unterhalt des Autos bzw. die Kosten für das ÖPNV-Ticket, dann auch der Zeitvertreib mit hier einem Kaffee und da einer Zeitung. Ich habe vor knapp 5 Jahren den Arbeitsplatz gewechselt, bin letztes Jahr dann noch umgezogen, kann jetzt zur Arbeit laufen und habe so auch gleich mehr Bewegung in meinen Alltag integriert. Die meisten Wege mache ich zu Fuß. Ich brauche inzwischen nicht einmal ein eigenes Monats-Ticket für den ÖPNV. Es würde sich nicht lohnen.

 

Keine unnötige Technik
Ich bin durchaus technisch interessiert, finde ein Handy sehr bequem und genieße auch mein gebraucht gekauftes Tablet und den Computer. Ich finde, diese Dinge sind schon ein sehr großer Luxus und den genieße ich auch sehr. Ich muss aber deshalb nicht jede/n Kram mit einem technischen Gerät erledigen. Schon gar nicht brauche ich ständig etwas Neues. Mein Computer ist 7 Jahre alt und trotzdem so ein Multifunktionsgerät, dass er mir bequem alle anderen elektronischen Unterhaltungs-Geräte, wie TV-Gerät, Stereoanlage, DVD-Player etc., ersetzt.
Der Kaffee schmeckt handgemacht eigentlich sogar noch besser, als mit einer Kaffeemaschine. Er ist nämlich handgemacht viel heißer, was ich liebe. Dagegen erscheint mein Milchaufschäumer wie der pure Luxus. Er ist auch Luxus. Auch diesen Luxus genieße ich und gönne ihn mir. Ansonsten erspare ich mir eine technisch hochgerüstete Küche. Ich kann Eier nämlich auch noch ohne Eierkocher kochen und mir durchaus ein Essen ohne Zauber-Küchenmaschine zubereiten. Ich weiß nämlich noch, wie so etwas geht 😉 . Ich gehöre dann ohnehin nicht zu den leidenschaftlichen Köchinnen und beim Kochen ersetzt mir das geöffnete Fenster daher bequem die Dunstabzugshaube. Mein Stromverbrauch liegt derzeit bei 640 kwh/Jahr. Dadurch alleine lässt sich diese Webseite schon gut gegen finanzieren.

 

Minimalistische Wohnung
Die Wohnkosten sind gestiegen, nicht nur die Kaltmiete, auch die Nebenkosten. Natürlich habe auch ich mit diesem Thema zutun, ich habe lediglich das Glück, nicht in so einer teuren Miet-Metropole wie Berlin, Hamburg oder München zu wohnen, sondern im Ruhrgebiet. Auch da ist das Wohnen teurer geworden, aber die Preise sind nicht so extrem explodiert, wie in den anderen erwähnten Städten.
Es ist aber auch eine Frage des persönlichen Wohnanspruchs. Ich wohne derzeit auf 35qm, käme aber auch mit 10qm weniger aus. Mich interessiert nicht die große Schrankwand im Wohnzimmer, meine Bekleidung passt in einen 50cm-Schrank, mein Futon rolle ich zur Seite, ich lese ohnehin nur E-Books und sollte ich mir je ein Sofa kaufen, wird es garantiert nur ein(!) Sofa und nicht eine große Sofalandschaft. Wohnfläche für den großen Unterhaltungs-Technik-Park brauche ich ja auch nicht.

 

Verzicht auf Abo’s …
Es gibt tausende Möglichkeiten, irgendein Abo oder längerfristige Verträge abzuschließen. Aber ich brauche weder Netflix, noch Handyvertrag. Beim Internet Zuhause nutze ich die kleinste Leitung, die mir für knapp 20€ immer noch 10 Mbit/s Download und 1 MBit/s Upload ermöglicht. Einen Festnetz-Telefonanschluss brauche ich nicht. Eine schnellere Internet-Leitung gabs mal im Angebot, ich habe sie getestet, so viel besser war sie aber nicht. Also habe ich sie wieder abgeschafft.  Der höhere Preis hätte die bessere Leistung nicht gerechtfertigt. Ich komme auch so prima klar.

 

Lebensqualität

Aktuell komme ich mit dieser Variante der Gegenfinanzierung gut zurecht. Sie bietet mir eine Menge Lebensqualität. Ich habe dadurch keine Druck, mit Werbung Geld zu verdienen. Ich genieße es, bin mir aber auch bewusst, dass nicht alle Blogger sich diesen Luxus leisten können. Ich selbst weiß letztlich auch nicht, ob ich mal selbst in eine Situation komme, wo ich meine Haltung neu überdenken muss. Derzeit funktioniert es aber noch so und ich bin damit sehr zufrieden. Es ist mir sehr bewusst und ich freue mich, dass mir u.a. ein minimalistischer Lebensstil, diese äußerst luxuriöse Situation und dieses Stück Freiheit ermöglicht hat. Mir gefällt es natürlich auch, dass ich auf diese Weise, Ihnen und Euch, liebe Leser_Innen den Luxus eines werbefreien Lesens ermöglichen kann. 

 

 

 

7 Jahre Achtsamkeit: 2. wirkliche Bedürfnisse

Vor 7 Jahren entdeckte ich Achtsamkeit und Meditation für mich. Vieles hat sich dadurch geändert und verändert. Da dies nicht alles in einen einzigen Text hineinpasst, heute Teil 2:

Wirkliche Bedürfnisse

Als Sozialpädagogin (und im Erstberuf Erzieherin) bin ich schon aus beruflichen Gründen vorrangig fokussiert auf die Bedarfe anderer Menschen. Das ist seit Jahrzehnten mein Beruf und ich mache diesen Beruf tatsächlich immer noch sehr gerne. Aber natürlich ist so ein Beruf auch anstrengend und belastend. Ich spürte diese Belastung irgendwann immer deutlicher, die Stressymptome nahmen zu – was mich letztlich auch zu Meditation und Achtsamkeit brachte.

Im Rahmen der unterschiedlichen Achtsamkeitsübungen, gelangte eine Frage im Laufe der Zeit immer mehr für mich in den Mittelpunkt: Wo bleibe ICH eigentlich? Was ist MEIN Bedarf? Was sind meine wirklichen Bedürfnisse? Alle möglichen Wünsche hatte ich durchaus. Aber Wünsche sind einfach das, was sie sind: Wünsche. Sind sie deshalb auch meine wirklichen Bedürfnisse?

Wünsche konsumieren, statt Bedürfnisse erfüllen

Monatelang übte ich überwiegend ‚Metta für mich selbst.‘ Ich bemerkte, dass die jahrzehntelange überwiegende Konzentration auf das Wohlergehen Anderer dazu geführt hatte, dass ich innerlich blind geworden war für meine persönlichen Bedürfnisse. Es fühlte sich an, als seien diese irgendwo im Nebel unsichtbar geworden oder in irgendeinem Dickicht verloren gegangen. Achtsamkeit brachte mich dazu, zu erkennen, dass das, was ich für meine Bedürfnisse gehalten habe, keine wirklichen Bedürfnisse waren. Irgendwelche technischen Gadgets, der neue PC oder zumindestens ein paar neue Zusatzteile für den Computer: das waren lediglich Wünsche. Es war die Faszination des Neuen, mit der uns die Konsumindustrie eine heile Welt vorgaukeln möchte und die ich zeitweise gerne übernahm. Es war für mich die wunderbare Ablenkbarkeit von den Belastungen des Alltages und der Wunsch, mir etwas Gutes zutun. Aber genau das gelang mir damit nicht. Mit der Erfüllung von Konsumwünschen kam nur kurzfristige Zufriedenheit. Das gute Gefühl hielt nur kurz und wich neuer Unzufriedenheit.

Wirkliche Bedürfnisse entdecken

Ich entdeckte im Laufe der Zeit ganz andere Bedürfnisse. Mein Bedürfnis nach Information und dem Stillen meiner Neugier, kann ich beispielsweise mit einem internetfähigen Gerät sehr einfach und bequem nachkommen. Ich brauche dazu aber nicht ständig ein neues Gerät – erst Recht nicht, wenn dieses dann lediglich für ein kurzfristiges Gute-Laune-Gefühl sorgt. Mein Bedürfnis mich über das Schreiben auszudrücken, kann ich beim Tippen auf einer Computertastatur natürlich sehr viel besser nachkommen, als auf einer handelsüblichen Schreibmaschine früherer Tage. Insbesondere ist es für mich sehr viel einfacher, als alles mit der Hand zu schreiben. Aber auch zum Schreiben brauche ich nicht ständig ein neues Gerät oder neue, aufwändige Software. Im Gegenteil: Nutze ich früher eine umfangreiche Textverarbeitung, reicht mir heute meistens ein kleiner Editor. 

Ein weiteres Beispiel: Jahrelang hatte ich den Wunsch, sportlich mit anderen Menschen so einigermaßen mithalten zu wollen. Es gelang mir nie. Es war halt ein Wunsch, der nicht zu meinen wirklichem Bedarf passte. Einige meiner von Geburt an vorhandenen körperliche Einschränkungen fielen zwar nie sonderlich auf – sie waren und sind aber da. Gerade durch Gehmeditation und achtsames Yoga spürte ich sie dann deutlich wie nie. Es war ein langer und schwieriger Prozess, mein ganz persönliches Sosein zu akzeptieren und mich – endlich – meinen Möglichkeiten entsprechend, bewegen zu können oder eben auch nicht. Die langsam ausgeführten Bewegungen in der Gehmeditation und in den Yogaübungen des MBSR’s haben mir zu mehr Körpergefühl verholfen, als all die vielen Fitness- und Gymnastikstunden mit denen ich mich jahrelang zuvor beschäftigt hatte.

Die Faszination mich in einer Atemmeditation wirklich nur auf eine Sache, nämlich das Atmen, beschränken zu können, führte mich zu einem weiteren wesentlichen Bedürfnis: Dem intensiven Wunsch nach „Weniger ist mehr.“ Reizüberflutungen im Alltag, aber auch den eigenen vier Wänden abzubauen war und ist für mich ein ganz wesentlicher Aspekt von Lebensqualität. Achtsamkeit führte dazu, dass mir mein teilweise hohes Maß an Sensibilität deutlich geworden ist. Dies brachte mich im Laufe der Zeit zu der Erkenntnis, wie wichtig es ist, nicht einfach darüber hinwegzugehen. Minimalismus ist insbesondere auf diesem Hintergrund einfach ein ganz persönliches und wichtiges Bedürfnis von mir, um nicht im Dschungel der tausend Wahrnehmungen und Ablenkbarkeiten kirre zu werden.

 

Aufmerksamer mit mir und aufmerksamer mit Anderen

7 Jahre Achtsamkeit haben übrigens nicht dazu geführt, dass ich nun zu irgendeinem Egoisten mutiert wäre. Im Gegenteil. Je deutlicher mir meine wirklichen Bedürfnisse geworden sind, desto entspannter und klarer war und bin ich im Kontakt mit anderen Menschen – auch im beruflichen Kontext. Es gab Zeiten, in denen ich dank meines großen beruflichen Erfahrungsschatzes eigentlich nur noch funktioniert habe. Doch das hilft letztlich Niemandem und ließ mich zunehmend unzufrieden werden. Heute bin ich zum Glück wieder sehr viel zufriedener, entspannter und in meiner beruflichen Arbeit fokussierter und klarer geworden.

 

Zum Weiterlesen:

7 Jahre Achtsamkeit: 1. Minimalismus