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Digitale Welt

Unsere digitale Welt hat viele Möglichkeiten. Ich schätze diese sehr mit all ihren Geräten, mit all den vielfältigen Vernetzungs- und Informationsmöglichkeiten. Oft denke ich, wie schön es gewesen wäre, hätte ich diese Möglichkeiten als Jugendliche und junge Erwachsene gehabt. Damals habe ich manchmal wochenlang auf irgendein Buch gewartet, um an Informationen heran zu kommen. Und Telefonieren war auch so ein Thema. Einige ganz wenige Telefonate im Monat, immer schön nach 21 Uhr, damit es nicht so teuer wird. Eine Wahlwiederholung hatte mein erstes eigenes Telefon noch nicht. Es war grün, hatte eine Wählscheibe und hing an einer in der Wand fest installierten Schnur. Mit meinen wenigen Telefonaten kam ich auf rund 35 DM im Monat. An ein Fax war noch gar nicht zu denken. Das erste 20-bändige Taschenlexikon war dann eine aufregende Sache. So viele Informationen auf so relativ wenig Raum. Ich stöberte stundenlang in den Büchern – nicht, weil ich eine bestimmte Information suchte, sondern einfach so, weil es so schön war und so einfach und so informativ.

Heute ist dies alles viel einfacher. Es gibt kaum eine Information, die nicht irgendwo im Internet zu finden ist. Ich bin auch nicht mehr gezwungen, das halbe Ruhrgebiet nach irgendeiner passenden Hose abzusuchen, die mal nicht zu kurz für mich ist. Insbesondere muss ich nicht notgedrungen irgendwo in der Herrenabteilung nach einer Jeans schauen, die zwar lang genug ist, aber der Schnitt für mich als Frau nunmal nicht passt. Bin ich froh, dass dieser Zirkus vorbei ist! Finde ich nichts vor Ort, bestelle ich meine Hosen im Internet.

Ich genieße diese digitale Welt, ich nutze sie auch. Trotzdem: Es gibt auch ein Leben ohne ständig aufploppende Nachrichten am Smartphone und auch außerhalb des Laptop-Rahmens findet eine Menge Leben statt. Um etwas zu notieren, brauche ich nicht jedesmal irgendeine App auf dem Handy. Da reicht meistens auch ein gewöhnliches Notizbuch und ein Stift. Das ist viel unabgelenkter und irgendwie auch sinnlicher. Es ist insbesondere einfacher, mal nur den eigenen Gedanken nachzuhängen oder in sich hinein zu spüren.

Notizbuch mit Füller

Die digitale Welt sorgt dagegen für ständige Ablenkbarkeit. Die Gefahr von Reizüberflutung ist hoch. Auch wenn sich in der digitalen Welt vieles entdecken lässt, es besteht die Gefahr, dass wir dabei das Wichtigste verlieren: Uns selbst. Aus diesem Grund habe ich mich vor ca. 4 Monaten Zeit zunächst von Facebook, später auch von Twitter verabschiedet. Instagram ist mir zu aufwändig. Fotos machen und mir Hashtags überlegen, wenn ich mich einfach mal über das Social-Media-Netz ein wenig austauschen will, finde ich zu umständlich. Ich habe doch nicht meine Arbeitszeit reduziert, um die dann zur Verfügung stehende Zeit mit solch aufwändigen Dingen zu verbringen. Da schaue ich doch lieber mal bei den unterschiedlichsten Bloggern vorbei, die immer wieder Interessantes zu erzählen haben.

Erfreulicherweise gibt es auch die Minimalismus-Stammtische, sowie die auch in diesem Jahr stattfindende Minimal-Kon, das Jahrestreffen für Minimalismus-Interessierte aus dem deutschsprachigen Raum. Es gibt also immer noch zahlreiche Möglichkeiten, sich über Minimalismus und „Gott und die Welt“ auszutauschen, ohne dass irgendein Social-Media-Algorithmus darüber entscheidet, was ich sehe oder nicht.

Die Herausforderung und Chance unserer Zeit ist es, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen, sich aber nicht davon dominieren zu lassen. Damit haben wir die phantastische Möglichkeiten, die Vorteile der analogen und digitalen Welt miteinander in Einklang zu bringen.

Einen festen Ort für die Dinge finden

Einen festen Ort für die Dinge finden – das ist eine wichtige Grundlage jedes einfachen Aufräumens und erspart mühsames Suchen. Meine bisherigen beiden Schränke habe ich abgeschafft und nutze, wie bereits im vorletzten Beitrag erwähnt, nun die Abstellkammer als begehbaren Schrank. Als klassische Schränke gibt es ansonsten nur noch die Küchenschränke und einen Schreibtischcontainer.

Welche festen Orte für die Dinge passen nun?

Ein minimalistischer Lebensstil macht beim Finden des festen Ortes für die Dinge mal wieder besonders viel Sinn. Weniger Dinge zu besitzen ermöglicht mehr Flexibilität, das Auf- und Umräumen ist einfacher und schneller. Mir ermöglicht es, auch so etwas Gewöhnliches, wie das Anordnen und Verstauen von Dingen achtsamer zu gestalten und gezielt zu experimentieren. Ich beobachte derzeit meine Alltagsabläufe genauer und schaue, welche Dinge ich häufig nutze und welche selten. Das, was ich selten benötige, kommt ganz nach oben oder nach unten ins Regal, häufig genutzte Dinge befinden sich in bequemer Greifhöhe. Weniger Dinge als der Durchschnitts-Europäer zu besitzen, bedeutet nicht, dass mir Dinge egal sind. Im Gegenteil. So habe ich zwar nicht übermäßig viel Kleidung, aber jedes einzelne Bekleidungsstück bedeutet mir etwas und es ist mir wichtig, dass die Kleidung zusätzlich staubgeschützt ist. Daher habe ich den überwiegenden Teil der Bekleidung inzwischen in einigen Kisten verstaut. Für die restliche Bekleidung werde ich dies auch noch umsetzen. Immer wieder wandert noch das ein oder andere Ding von einem Regalfach ins nächste. Ich probiere aus, ich spüre hin, welcher feste Ort für die Dinge passend ist und welcher nicht. Hätte ich eine große Menge an Besitztümern, wäre dies viel mühsamer und aufwändiger. So, wie es jetzt ist, ist es eher spielerisch und experimentell. Es macht einfach auch Spaß. Genau dies ist ein Teil der Einfachheit, die den minimalistischen Lebensstil so interessant und lebenswert machen, nachdem die überflüssigen Dinge endlich entrümpelt sind.

Wo haben Minimalisten eigentlich ihren „unfotogenen“ Kram?

Thorsten stellte neulich in einem Kommentar die Frage, wo Minimalisten eigentlich ihre Drucker haben. Die sind auf Fotos nämlich in der Regel nicht zu sehen.  Da steht meistens ein einzelner Laptop auf einem ansonsten leeren Schreibtisch. Stimmt. Es gibt Dinge, die sich auch in einem minimalistischen Haushalt befinden, aber die nunmal nicht so fotogen sind und auf einem Bild nicht so schickt aussehen. Zwei Beispiele von mir:

Bei mir stand der Drucker immer in irgendeiner Zimmerecke. Da ich den Drucker aber wirklich nur äußerst selten benötige, ist er inzwischen auch in meinen begehbaren Schrank gewandert.

Blick auf das 2,26m hohe Holzregal in einer Abstellkammer. Im zweituntersten Regalfach links steht ein Drucker. Der Drucker ist mit einem Pfeil markiert.

Die wenige Male im Jahr kann ich ihn auch eben hervorkramen. Das stört mich weniger, als das Teil ständig im Zimmer herumstehen zu haben. Ich habe genau gesagt einen Monochrom-Laserdrucker mit Scan- und Kopierfunktion. Das Teil hält und hält und hält. Gäbe es den Drucker nicht, würde sich ein neues Gerät nicht mehr für mich lohnen. Die paar Ausdrucke könnte ich dann auch in einem Copyshop machen. Aber da ich das Gerät habe, nutze ich es halt – wenn auch selten.

Noch nicht alles hat übrigens einen guten Ort gefunden. Da ich mein Futon tagsüber aufrolle, muss irgendwo das Bettzeug hin. Derzeit lagert es noch nach dem Auslüften aufgerollt auf der Wäschekiste. Irgendwo muss halt auch diese Variante von unfotogenem Zeugs hin.

 Blick Richtung Tür. Links vorne ist ansatzweise das Futon zu sehen. Dann ein Schreibtischcontainer. Daneben einen Holzwäschekiste mit Bettzeug drauf. Dann folgt die Tür. Rechts von der Tür ein Klappfuton und ansatzweise ein Sofa.

Ansonsten sieht es in meinem Wohn-Schlafraum jetzt so aus:

Wohnzimmer. Blick von der Tür aus Richtung Fenster. Links ein Sofa, am Fenster ein kleiner eckiger Tisch mit Stuhl. Rechts das Futon und der Berliner Hocker

Das Sofa ist neu hinzugekommen. Es stammt vom Fairkaufhof Dortmund. Im Fairkaufhof werden neben den üblichen Gebrauchtmöbeln von Privatleuten, auch Spenden der umliegenden Möbelhäuser verkauft, die zwar gut erhalten und oft noch neu sind, aber dort nicht mehr verkauft wurden. So landen die Möbelstücke nicht auf dem Müll, sondern werden weiter verkauft. Manchmal sind wirkliche Schnäppchen dabei, so wie mein Sofa. Neuwertig, stabil, gutes Polster für 150€ mit Lieferung an den Aufstellort. Gleichzeitig erhalten einige zuvor arbeitslose Menschen, eine neue Qualifizierungs- und Beschäftigungsmöglichkeit. Ein Gewinn für Mensch und Umwelt. Das habe ich doch gerne unterstützt.

 

Internetanbieter – was mich ärgert…

Fragwürdige Anrufe

Ich lasse mich ungerne an der Nase herumführen. Auch nicht von meinem derzeitigen Internetanbieter Unitymedia. Mein gekündigter Vertrag für das Internet läuft in einem Jahr aus. Heute dann ein Anruf mit dem Angebot, man mache mir ein Angebot, dass ich statt 19,99€ dann nur noch 14,99€ bezahlen müsse. Im Gesprächsverlauf auch noch das Angebot dieses Internetanbieters, dass ich ein neues WLAN-Modem bekäme. Mich überzeugte dies nicht, da der Anbieter Eazy einen Internetanschluss von Unitymedia vertreibt, bei dem ich nur 11,99€ bezahlen müsste. Der Unitymedia-Anrufer meinte, mit Eazy arbeite man nicht mehr zusammen. Ich habe mal bei Eazy angefragt, ob das stimmt. Eazy informierte mich per Email, dass sie nachwievor mit Unitymedia arbeiten und kostengünstige Internettarife anbieten. Die Aussage des Unitymedia-Anrufers war also falsch.

Dann wurde im Laufe des Telefonates noch deutlich, dass dieser Anrufer mit mir einen neuen Internetvertrag am Telefon abschließen wollte, dies aber nicht eindeutig so benannte. Ich wurde hellhörig, nachdem mir der Anrufer wiederholt sagte, er würde mir das schriftlich zuschicken und die 14,99€ für 2 Jahre zusichern und ich könnte dann ja 2 Wochen lang einen Widerruf schicken, wenn ich das nicht wolle. Mich ärgert so etwas. Denn widerrufen muss ich ja nur das, was ich auch vertraglich abgeschlossen habe. Spätestens an dieser Stelle begriff ich endgültig, dass dieser Mann gerade dabei war, mir einen neuen Vertrag aufzuschwatzen, ohne dies gezielt auch so zu benennen. Ich wies daher klar und deutlich daraufhin, dass ich am Telefon keinen Vertrag abschließe und nichts zusage, was ich nicht zuvor schriftlich in den Händen halte und überprüfen kann. Der Anrufer meinte, dann müsse ich halt noch ein Jahr die 19,99€ bezahlen. Er legte auf, noch bevor ich meinen Satz zu Ende sprechen konnte.

Meine Konsequenz:

Der Vertrag mit diesem Internetanbieter ist gekündigt und bleibt es. Solche fragwürdigen Verkaufsgespräche interessieren mich nicht. Es geht mir nicht um 5€ oder 10€. Es geht mir an dieser Stelle überhaupt nicht ums Geld, sondern um Klarheit. Ich möchte als Kunde ernst genommen werden. Weder lasse ich mir auf der Nase herum tanzen, noch akzeptiere ich es, wenn man versucht, mich über den Tisch zu ziehen. Wenn Vertrag, dann möchte ich diesen mit Ruhe abschließen und erst nachdem ich alle Details zum Vertrag schriftlich vorliegen habe.

Statt dessen werde ich in Ruhe überprüfen, wieviel Internet ich überhaupt haben möchte und ob ich mit einem monatlich kündbaren mobilen Internet nicht genauso gut klar komme. Da ich hier Texte schreibe, aber üblicherweise keine Videos drehe, hält sich der Datenumfang, den ich benötige, in Grenzen. Für einen mobilen Anschluss bräuchte ich zudem nicht einmal einen Telekomtechniker, der hier die Leitung freischaltet. Telekomtechniker lassen bekanntlich oft gerne und manchmal sehr lange auf sich warten. Das ist auch so ein Heckmeck, auf den ich überhaupt keine Lust habe. Minimalismus ist eben auch die Freiheit, für meinen Internetkonsum nicht alles akzeptieren zu müssen, erst Recht nicht schlechtes Benehmen, auch nicht schlechten Service, schon gar nicht unklare Bedingungen.

Balkon-Meditation und Kochimprovisation

Nun sitze ich hier auf dem Balkon der neuen Wohnung. Ich genieße es, einen Nordbalkon zu haben. Während die Südbalkoner schwitzen, ist es hier angenehm mit einem herrlichen Blick auf wunderschöne und hochgewachsene Bäume.

Blick auf hochgewachsene Bäume. Im Vordergrund rechts unten ansatzweise der Rand einer Balkonmauer

Es erinnert ein wenig an „Mitten in der Stadt am Waldrand“. Meditation auf dem Balkon, dazu in einem Campingsessel – sicher etwas ungewöhnlich, aber wunderbar. Beim Ein- und Ausatmen höre ich das Zwitschern der Vögel und das Rauschen der Bäume, ich fühle den Wind auf meiner Haut und bemerke, wie unglaublich unwichtig meine Überlegungen sind, ob ich ergänzend zu den Jalousien nun Vorhänge will und wenn ja welche oder auch nicht.

Alles ist noch ein wenig improvisiert. Als ich hier meinen ersten Kaffee kochte, dachte ich spontan: „Wenn ich Kaffee kochen kann, ist die Küche fertig“ und musste lachen. So ganz stimmt das natürlich nicht. Einige größere Teile, die sich weder zu Fuß, noch mit dem kleinen Carsharingauto transportieren lassen, fehlen noch. Dazu gehören auch ein paar Küchenmöbel, die erst Anfang Juni in die neue Wohnung kommen.

Ich finde es unglaublich spannend, eine Wohnung erst nach und nach zu beziehen. Ich kann mir diesen Luxus leisten, da neue und alte Wohnung nur rund 200 Meter entfernt sind. Erstmal die leeren Räume erspüren, die Atmosphäre, das Licht und ausprobieren, ob ich lieber hier oder da schlafen will. Genialerweise habe ich jetzt so etwas wie einen begehbaren Schrank. Genau gesagt, ist es eine ca. 1qm große Abstellkammer und abgesehen von einigen Bad- und Küchenutensilien passt alles hinein, was ich so an Zeugs besitze. Die auf dem Foto zu sehende Einordnung ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber reicht für den ersten schnellen Überblick.

Blick auf ein Ivarregal mit 2,26m Höhe und ca. 85cm Breite. Untergebraucht sind von unten nach oben: Renoviermaterial, Nähmaschine und Nähzeugs, Büroartikel und Aktenordner, Kleidung und einige Taschen, sowie ein Rucksack. Im Vordergrund rechts eine kleine Leiter, links ein Staubsauger

Ohne einen minimalistischen Lebensstil und die immer wieder neue Ausrichtung darauf, was und wieviel Dinge ich wirklich benötige bzw. nicht benötige, hätten die letzten Monate so nicht stattgefunden. Weder hätte ich neben meiner normalen Arbeitsstelle, Zeit und Nerven gehabt, zwei Bücher zu schreiben, noch wäre ich in der Lage gewesen, einen „normalen“ Umzug mit „normal vielen Dingen“ zu stemmen. Doch selbst meinen überschaubaren Besitz habe ich als sehr viel empfunden, als er in Kisten, Taschen und Tüten gepackt war. Um mehr Zeugs möchte ich keinesfalls kümmern. Statt irgendwelche Unmengen an Besitz einzusortieren, sitze ich lieber hier und genieße Balkon-Meditationen und Kaffeekoch-Improvisationen. Seit heute gibt es auch die Cover für die Bücher, die ich natürlich nicht vorenthalten möchte:

Wenig Dinge braucht das Glück - Buchcover
Cover: © Lingenverlag
Buchcover: Mein Aufräumtagebuch
Cover: © Lingenverlag

 

 

 

 

 

 

 

 

Infos zu den Büchern gibts hier: https://achtsame-lebenskunst.de/meine-buecher/

 

 

 

Neu: Blog abonnieren – Wichtiger Hinweis!

Ein Hinweis, insbesondere für die LeserInnen, die meine Blogbeiträge abonniert haben und per Email informiert werden, wenn neue Beiträge auf meiner Webseite veröffentlicht werden:

Ich werde dieses Blogabo künftig nicht mehr wie bisher über Jetpack anbieten, sondern datenschutzkonform über Email Subscribers. Wer künftig noch über neue Blogbeiträge informiert werden möchte, sollte den Blog neu abonnieren. Dazu den Namen und die Emailadresse in das Formular eingeben und den dann per Email erhaltenen Link zur Bestätigung anklicken (Double Opt In – Verfahren) – ggf. in eurem Spam-Ordner schauen, falls diese Email nicht ankommt.

Ich hoffe, dies gelingt problemlos und würde mich freuen, wenn Ihr als LeserInnen weiterhin den Weg auf meine Webseite findet.

 

Minimal-Kon – Anmeldephase gestartet

Ab heute ist es möglich, sich zur diesjährigen Minimal-Kon anzumelden.
Bereits zum 7. Mal treffen sich Minimalist_innen und interessierte aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) um sich über den minimalistischen Lebensstil auszutauschen.

WANN: Samstag, 22.09.2018
WO: Unperfekthaus, Friedrich-Ebert-Straße 18, 45127 Essen

Weitere Informationen und Anmeldung zur Minimal-Kon

hier: http://www.minimal-kon.de/

Logo der Minimal-Kon mit Text: Minimal-Kon 2018, Essen, UPH 22.9.18. Foto einer Kaffeetasse
Foto: http://www.minimal-kon.de

 

Entrümpeln – wohin mit dem Zeug?

Endlich entrümpelt. Aber wohin mit all dem Zeugs? Entrümpeln als solches ist ja schon mühsam. Oft noch mühsamer ist es, das entrümpelte Zeugs endlich loszuwerden. Daher hier ein paar Anregungen und Adressen:

  • wohindamit.org Dort kann man nach Adressen von Sozialkaufhäusern etc. etc., recherchieren, die Dinge annehmen.
  • Liste öffentlicher Bücherschränke   Öffentliche Bücherschränke gibt es immer mehr. Auf dieser Liste kann man nachschauen, ob sich ggf. auch ein solcher Schrank in der Nähe befindet.
  • alles-und-umsonst.de – Hier kann man etwas Verschenken. Meine Erfahrung ist allerdings, dass man Dinge eher für 1€ bei den diversen Internet-Kleinanzeigen- oder Auktionsportalen, wie z.B. Ebay oder Ebay Kleinanzeigen etc. los wird, als das man sie verschenkt.
  • Giveboxen – Liste     Kostenlos geben und nehmen. Ob sich eine Givebox in der Nähe befindet, kann man auf dieser Liste nachschauen.
  • Ansonsten: Einfach mal in der eigenen Umgebung bei den ganzen sozialen Anbietern nachfragen, ob und was gebraucht wird. Manchmal freuen sich auch Freunde oder Verwandte, Nachbarn usw.

Wichtig beim Loswerden von Dingen:

  • Wirklich nur Brauchbares abgeben und verschenken!
  • Nötige niemandem deinen Kram auf. Daher im Bedarfsfall  nachfragen, ob jemand die Dinge auch wirklich haben möchte.
  • Wenn Müll – was sich ja nunmal selten ganz vermeiden lässt – dann  dann auf vernünftige Mülltrennnung achten und nicht einfach alles in die graue Tonne werfen.

Habe ich etwas Wichtiges vergessen? Gibt es weitere Ideen oder Adressen? Dann einfach in die Kommentare schreiben oder mir diese Infos per Email schicken. Ich füge diese auf Wunsch hier ein.

Minimalismus – der Blick auf das Wesentliche

Ich habe noch einmal sehr deutlich gespürt, dass vieles von dem, was ich in den letzten Monaten gemacht habe, nie ohne meinen minimalistischen Lebensstil funktioniert hätte. In den letzten 4 Monate lag mein Fokus ganz klar auf meiner normalen Berufstätigkeit und dem Schreiben des Buches, sowie der nötigen Erholung dazwischen. Mit einem „üblichen“, d.h. annähernd durchschnittlichem Konsumstil wäre in meinem Berufsfeld eine Vollzeitstelle nötig. Dann hätte ich aber nie ein Buch schreiben können, schon gar nicht wäre ich dann in der Lage gewesen, jetzt auch noch umzuziehen. Der Blick auf das Wesentliche, also auf das, was hier und jetzt gerade so ansteht, erleichtert mir wirklich vieles.

Die Manuskripte für meine Bücher „Wenig Dinge braucht das Glück“ sind inzwischen beim Verlag. Entrümpeln, Aufräumen und Achtsamkeit miteinander zu verbinden, ist schon etwas ungewöhnlich. Aber mir gefällt es. Natürlich hätte ich noch dies, das und jenes schreiben können. Irgendwann war ich aber an dem Punkt, an dem ich bemerkte, dass alles, was ich noch hinzufüge, in den Bereich der Verschlimmbesserung gehen würde. Irgendwann ist es dann einfach genug mit dem Schreiben – selbst dann, wenn ich einzelne Themen noch ins Unendliche ausweiten könnte. Aber wenn die Leser_Innen vor lauter Lesen nicht zum Aufräumen kommen, ist das ja auch irgendwie unsinnig 😉. Nun warte ich gespannt auf die Layouts für das Cover des Buches.

Fast wie ganz nebenbei, habe ich dann auch noch die neue Wohnung gefunden, in die ich bald einziehen werde. Als ich gestern aus dem Fenster schaute, sah ich zufällig, wie jemand schräg gegenüber auszog und erstmal alle Dinge draußen auf die Wiese vor das Haus stellte. Lieber Himmel bin ich froh, weniger Besitztümer zu haben. Ein „normaler“ Umzug hat etwas von Horror pur. Meine Sachen einzupacken war zum Glück kein großer Aufwand und ich bin in diesem Punkt sehr entspannt.

Eine Zimmerecke, in der 2 größere und 2 kleinere Kartons stehen, sowie 5 unterschiedlich große Taschen und 1 Koffer stehen. Am rechten Bildrand ein auseinander genommener Schrank.

Auf dem Bild oben fehlen nur noch einige Dinge aus Küche und Bad, die derzeit noch in Verwendung sind. Einiges Werkzeug und Putzutensilien landen ja ohnehin immer als erstes in der neuen Wohnung.

Blick in Küchenunterschrank: rote Kiste mit Putzuntensilien, 2 Holzkästen mit einigen Küchenutensilien. Vor dem Schrank stehend: 1 Werkzeugkiste, rechts daneben eine weiße Box mit Nahrungsmittelvorräten
Die wesentlichen Dinge für die Zeit kurz vor und nach dem Umzug.

Der einzige Haken dieses minimalistischen Umzuges ist eigentlich nicht wirklich ein Haken: Ein Umzug mit Umzugsunternehmen hätte sich weder für mich, noch für das Umzugsunternehmen gelohnt. Zuwenig Kram. So etwas nenne ich Luxusproblem. Also lasse ich mir etwas mehr Zeit. Das ein oder andere Teil wird sogar zu Fuß in der rund 200 Meter entfernten neuen Wohnung landen. Ganz einfach deshalb, weil ich sowieso häufiger dort entlang gehe. Dann werden noch ein paar Teile mit dem Carsharingauto transportiert und Anfang Juni die Möbel. Beim nächsten Minimalismus-Stammtisch Ruhrgebiet am 3.6. ist dann alles in der neuen Wohnung. Dass zwischendurch alles ein wenig improvisiert ist, stört mich nicht – ganz im Gegenteil. Es macht mir sogar Spaß. Mich erinnert es an Camping mit den eigenen Möbeln und somit empfinde ich eher Urlaubsgefühle, als Umzugshorror. Es muss einfach nicht immer perfekt sein. Wenn ein paar Dinge mal nicht ständig griffbereit sind, stört es in keinster Weise. Ich kann essen, schlafen, mich erholen. Der Blick auf das Wesentliche fällt mir leichter als früher. Das entspannt und befreit.

im Vordergrund ein Holztisch auf dem eine Kaffeetasse, Wasserflasche, Glas und Laptop stehen. Im Hintergrund ein Fenster. Es sind 2 Baumkronen zu erkennen.

Alles ist miteinander verbunden – Earth Overshoot Day

Dieses Jahr war er bereits am 2.5. – der Earth Overshoot Day, auch Welterschöpfungstag“, „Weltüberlastungstag“, „Ökoschuldentag“ oder „Erdüberlastungstag genannt. Es ist das Datum, an dem wir hier in Deutschland bereits unseren Anteil an den Ressourcen unseres Planeten für dieses Jahr verbraucht haben. Drei Planeten würden wir benötigen, wenn alle Menschen so konsumieren würden, wie wir hier in Deutschland. Und immer noch sind da Menschen, die nicht wahrhaben wollen, dass wir mit unserem ausuferndem Konsumverhalten unsere eigene Lebensgrundlage und die zukünftiger Generationen zerstören.

Achtsamkeit – Wir sind keine getrennt voneinander existierenden Wesen

Wie verrückt unser Lebensstil ist, wird mir nicht zuletzt durch meine Achtsamkeitspraxis deutlich. Mit jedem bewusstem Atemzug spüre ich, dass wir uns nicht als voneinander getrennte Wesen sehen können. Letztlich ist alles miteinander verbunden. Mit jedem Einatmen lassen wir ein Stück dieser Welt in Form von Luft in uns hinein, mit jedem Ausatmen geben wir wieder etwas ab. Tun wir dies nicht, sterben wir. Ohne Verbundenheit kein Leben. Die Zellen unseres Körpers, unsere Haut, unsere Knochen, unsere Organe erneuern sich und ständig sterben Körperzellen ab. Alle paar Jahre sind wir also so etwas wie runderneuert.

Auch dann, wenn einige Dramen noch nicht direkt für uns spürbar sind, auch dann, wenn die Verdrängungsmechanismen gut funktionieren, ist klar, dass die Zeiten vorbei sind, in denen wir einfach fröhlich vor uns hin konsumieren konnten, ohne diese Verbundenheit und die Notwendigkeit eines bewussteren Umgangs mit unseren Resscourcen in den Blick zu nehmen.

Veränderungen – Die Chance der kleinen Schritte

Veränderungen sind aber auch nicht mal so eben umgesetzt. Ich kenne das von mir selbst und würde mich nie als auch nur annähernd gutes Beispiel nachhaltiger Lebensführung bezeichnen. Trotzdem ist einiges möglich und ich habe festgestellt, dass die besten und nachhaltigsten Veränderungen durch eine „Chance der kleinen Schritte“ gelingen. An irgendeiner Stelle anfangen und sei es noch so wenig und noch so klein. Und dann das, was man angefangen hat, fortführen. Das macht selbst dann Sinn, wenn alle anderen persönlichen Bereiche noch weit entfernt von jeder umwelt- und ressourcenschonenden Lebensweise sind.

Kleine Anfänge waren für mich beispielsweise, dass ich zu dem Zeitpunkt, als ich eine neue Getränkeflasche über unterwegs benötigt habe, dann keine Plastikflasche mehr gekauft habe. Ich habe mich für eine teurere, aber dafür auch sehr langlebige Edelstahlflasche entschieden. Gleiches setzte ich mit meiner Brotbox um.

Edelstahlflasche mit 2 Edelstahlbrotbehältern

Das war auch nur ein kleiner Anfang, aber es war ein Anfang. Andere Bereiche folgten schrittweise. Als Kaffeeliebhaberin rühre ich die Kapselkaffeemaschine auf der Arbeit nicht an und halte mich auch nicht mit Äußerungen darüber zurück, was ich von solchen Geräten halte: Nichts. Brauche ich neue Kleidung, schaue ich zuerst und vorrangig, ob ich auch in Deutschland produzierte Kleidung kaufen kann. Die ist in der Regel viel haltbarer, die Transportwege kürzer und damit der ökologische Fußabdruck auch sehr viel geringer. Da ich insgesamt deutlich weniger Kleidung habe und kaufe, als die meisten anderen Menschen um mich herum, kann ich es mir auch leisten, wenn diese Kleidung etwas teurer ist. Als die Plastikgefrierdosen nacheinander den Geist aufgaben, habe ich angefangen, die einfachen Schraubgläser von Gurken und Co. zu sammeln und diese zum Einfrieren zu benutzen. Es funktioniert phantastisch. Auch Lebensmittelvorräte wie Müsli, Nudeln, Reis, etc. lassen sich damit hervorragend aufbewahren. Dass ich seit längerem kein Auto mehr habe, war die beste Entscheidung meines Lebens. Dies freut nicht nur unsere Umwelt, sondern ich habe auch sehr viel weniger Stress, spare viel Geld und ich bewege mich einfach mehr. Natürlich: Mit vielen Bereichen bin ich noch sehr unzufrieden, oft macht mir die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. Ich brauche beispielsweise Batterien für meine Hörgeräte, da die existierenden Akkus immer noch indiskutabel sind. Dann habe ich einige Allergien und Unverträglichkeiten, was die Lebensmittelauswahl einschränkt. Manches habe ich auch einfach noch nicht umgesetzt. Trotzdem: Selbst wenn die kleinsten Minischrittchen noch so winzig sein mögen, sind diese immer noch besser, als Stillstand, Verdrängung und den Kopf in den Sand zu stecken.

Nachhaltigkeit als praktische Metta-Meditation

Jede und jeder von uns kann sich überlegen, irgendeinen ganz kleinen Schritt hin zu einem umweltverträglicheren Verhalten zu gehen. Auf diese Weise können wir dazu beitragen, den Earth-Overshoot Day als ersten Schritt zumindestens wieder ein Stück weiter nach hinten zuverlegen. Und sage niemand irgendwann, er oder sie habe nicht gewusst, dass wir so wenig fürsorglich mit den Resscourcen unserer Erde umgehen.

Jeder kleine Schritt hin zu einer nachhaltigeren Lebensweise ist für mich praktische Metta-Meditation, gelebte Achtsamkeit. Achtsamkeit auf mich, auf uns, auf unsere Welt und darauf, dass wir nun mal nicht als voneinander getrennte Wesen existieren, sondern alle miteinander verbunden sind – täglich und mit jedem Atemzug.

Keinen Bock auf Werbung

Hier oder da werde ich immer mal wieder gefragt, warum ich keine Werbung, keine Anzeigen, keine Affiliates und irgendwelche anderen Dinge auf dieser Webseite mache, mit denen sich Geld verdienen lässt. Immer mal wieder erhalte ich auch diverse Anfragen von Unternehmen, ob ich nicht Geld verdienen will, indem ich dann für diese Firmen Werbung mache.

Darüber nachgedacht habe ich, manchmal auch sehr konkret. Schließlich habe ich durch diese Webseite auch gewisse Kosten und nicht unerheblich viel Zeit  investiere ich ebenfalls. Ich könnte alle möglichen Gründe aufführen, warum ich hier trotzdem werbe- und einnahmefrei schreibe. Aber ganz ehrlich:

Ich habe einfach keinen Bock auf Werbung.

Es ist mir zu umständlich. Damit sich Werbung lohnt, müsste ich darüber nachdenken, wie ich die Anzahl der Leser_Innen erhöhen könnte und am Ende auch noch, in welcher Regelmäßigkeit ich schreibe und idealerweise mit exakt der richtigen Menge an Wörtern. Ich habe mir irgendwann mal diese ganzen supergenialen Bloggertipps angeschaut und beschlossen: Nee, will ich nicht! Es gibt einfachere Wege, als ausgerechnet mit einem Blog Geld zu verdienen.

Ok, ich habe den Luxus, dies derzeit auch nicht zwingend zu benötigen. Als Sozialpädagogin bin ich in einer Teilzeitstelle tätig. Dann schreibe ich aktuell auch noch ein Buch, auch dafür erhalte ich Geld. Finanzielle Reichtümer habe ich damit natürlich nicht, aber ich kann meinen Lebensbedarf decken und sogar kleinere Rücklagen ansparen.

Darüber hinaus habe ich die letzten Jahre verstärkt darauf geachtet, dass meine monatlichen Fixkosten überschaubar sind und ich längerfristige Verträge möglichst vermeide. Das entspannt. Seit Mitte der 90er-Jahre führe ich ein Haushaltsbuch und weiß, dass mich ein Auto – einschl. Anschaffung und allen weiteren Kosten – immer rund 350€ im Monat gekostet hat. Das Auto ist lange verkauft. Meine sonstigen Kosten kenne ich auch sehr gut. Ich wohne beispielsweise zentral, kann vieles zu Fuß erledigen, da lohnt sich nicht einmal ein Monatsticket des ÖPNV. Einzeltickets sind inzwischen günstiger für mich. Mein Computer ist ein Gebrauchtgerät, ca. Jahrgang 2012. Das Handy ist ebf. gebraucht und von 2015. Dinge wie Geschirrspüler, Fernseher, Stereoanlage, Kaffeeautomat, irgendwelche Küchen-Zaubermixer brauche ich nicht. Netflix und Co. hatte ich nie. Es gibt also eine ganze Reihe von Bereichen, die ich einfach nicht finanzieren muss. Sollte sich dies einmal ändern (was ich nicht hoffe), werde ich natürlich neu darüber nachdenken müssen. Aber zurzeit brauche ich es nicht zwingend, also lasse ich diesen Werbekram einfach weg.

Der Vorteil für mich ist, dass ich mich so auf Inhalte konzentrieren und einfach das Schreiben kann, was mir aktuell durch den Kopf geht und was mich beschäftigt. Ich plane dies nicht. Das ist ja das Schöne an einem Blog. Es ist Freiheit für mich und meine Art von Luxus. Dieser Luxus macht mir unglaublich viel Spaß.

Übrigens: Nicht jede/r ist in einer solch komfortablen Situation, auch nicht alle Blogger_Innen. D.h., wenn euch Blogs gefallen und die Blogger_Innen brauchen die finanzielle Unterstützung, dann unterstützt sie einfach. Es spricht wirklich überhaupt nichts dagegen, es ist nichts Verwerfliches. Im Gegenteil. Es ist völlig in Ordnung. Ich selbst habe nur einfach keinen Bock auf Werbung und so lange ich mir diesen Luxus leisten kann, werde ich dies auch tun.

 

© Gabi Raeggel, 2014-2018 https://achtsame-lebenskunst.de/