Blog Achtsame Lebenskunst

Minimalistische Spurensuche – Rückblick: 70ger Jahre

Überflüssigen Ballast loswerden, nicht so viel Zeug haben: Rückblickend erkenne ich diesen minimalistischen Drang immer schon – und ich habe positive Erfahrungen damit:

In den 70ger Jahren sind wir als Teenies mit einer Gruppe des Jugendherbergsverbandes gewandert. Alles wichtige war im Rucksack verstaut. Da war kein überflüssiges Teil, schliesslich musste alles geschleppt werden. Jedes T-Shirt hatte ich vorher genau ausgewogen, das Stück Seife halbiert: Nur nicht mehr tragen als nötig. Einziger Luxus: Kleine Wandergitarre (abwechselnd getragen) und Mundorgel-Liederbuch. Die Jugendherbergen waren bei weitem nicht so ausgestattet wie heute, Trekkingbekleidung heutiger Tage gab es nicht, GPS auch nicht, Handys schon gar nicht. Gewöhnliche Wanderkarten taten ihre Dienste zuverlässig, sofern man mit ihnen umzugehen wusste. Ins Schwimmbad ging es eigentlich vorrangig zum Duschen (so hin und wieder mal….), die Wandersocken mussten eigentlich die ganze Woche reichen. Mitten in Deutschland waren wir fern ab von jeder Zivilisation. Fern von den Eltern, aber in einem sozialen Miteinander: Gemeinsam das abendliche Ziel erreichen, schwitzen, erzählen, singen, lachen, Natur geniessen. Es war schön, ich habe mich völlig frei und befreit gefühlt.

Tipp: Weniger Zeug – weniger Versicherung!

Einen Vorteil für diejenigen, die in Deutschland wohnen, eine Hausratversicherung haben und benötigen, aber weniger Beiträge zahlen wollen:

Üblicherweise wird der Beitrag der Hausratversicherung nach Quadratmetern berechnet. Der Bund der Versicherten weist daraufhin, dass die Versicherungshöhe auch nach den konkreten Werten und nicht nur nach der Quadratmeterzahl ermittelt werden kann. Nähere Infos hier:

https://www.bundderversicherten.de/files/merkblatt/46-m-h-nmg.pdf

Um den Wert seines Hausrates ermitteln, kann man eine der folgenden Tabelle nutzen:

 

Das bedeutet: Ist z.B. die Wohnung nach einer Entrümpelungsaktion deutlich leerer als vorher und hat dann beispielsweise ältere bzw. einfachere Möbel, wenig oder kein Schmuck, keine hochwertige und teure Technik – dann stellt sich (neben der Überlegung, ob die Hausratversicherung dann überhaupt sein muss) die Frage: Kann der Versicherungsbeitrag gesenkt werden, obwohl die Wohnung gleich groß geblieben ist? Dies ist möglich, indem der Wert des Hausrates überhaupt erstmal ermittelt wird und die Versicherung dahingehend angepasst werden kann. Letztlich bedeutet das: weniger Zeug – weniger Versicherung. Viel (teures) Zeugs, viel Versicherung. Es bleibt aber dabei, dass man sich selbst erstmal bei den Versicherungen erkundigen muss, ob und was diese anbieten. Manche fordern eine Mindestversicherungsumme, andere nicht.

Noch eine Anmerkung: Ich gehöre nicht zu den Leuten, die alles und jedes versichern müssen! Ich habe jedoch auch konkret bei Familien erlebt, die ausgebrannt sind, wie es ist, wenn keine Hausratversicherung da ist. Neben den emotionalen Belastungen ist die praktische Seite zwar für eine einzelne erwachsene Person  irgendwie noch verkraftbar. Für Familien ist dies jedoch ein Desaster, für jedes Familienmitglied zumindestens die nötigsten Dinge wieder neu zu besorgen. Das, was nicht verbrannt ist, riecht dermaßen verkohlt, dass annähernd alles unbrauchbar wird – daran ändern leider auch ‘zig Spül- und Waschgänge nichts. Zum Glück passiert so etwas nicht oft, sollte aber aus meiner Sicht zumindestens für Familien auch nicht ganz außer Acht gelassen werden.

Einfachheit beim Telefonieren

Eigentlich möchte ich nur eins: Im Bedarfsfall einfach mal telefonieren. Ich gehöre nicht zu den Vieltelefonierern. Ich bin noch mit den Telefonen aufgewachsen, die fest in der Wand installiert waren – gerne im Flur, wo alle mithören und bitte immer erst nach 21 Uhr telefonieren – vorher war‘s zu teuer… da wurden auch die pubertärsten Teenies zu telefonischen Minimalisten, wenn auch ganz unfreiwillig.
Heute ist es grundsätzlich schon praktischer und bequemer: Rundum die Uhr telefonieren können mit Flatrate und speicherbaren Telefonnummern. Eigentlich …

Das Drama fing damit an, dass unsere DSL-Anschluss Zuhause immer langsamer wurde. Anbieter gewechselt, half aber nichts. Dann noch mal Wechsel: Plötzlich ging nichts mehr. Mehrere Anbieter sagten uns: DSL sei in vernünftiger Geschwindigkeit in unserem Haus nicht möglich. Ob wir vielleicht ISDN wollten oder einen Analoganschluss fürs Telefon … Angebote für Buschtrommeln und Brieftauben sind dann aber nicht eingegangen.

Also doch lieber nach Alternativen umgesehen:
Es folgten mobiles Internet und endlose Versuche mit mobilen Festnetznummern: Homezone, Festnetznummer für unterwegs – kaum zu fassen, was es da alles gibt. Ich glaube, wir haben so ziemlich alle Varianten durch. Aber auch dort: immer wieder Einschränkungen, es lief nicht und so nette Erklärungen wie z.B. : „Bei Ihnen sind zu viele Mobilfunkmasten in der Umgebung.“ Aha, so ein Problem gibts auch …?

Ich habe durch meine Schwerhörigkeit bedingt, eine endlos scheinende Menge an Handys ausprobiert, gekauft, verkauft. Netzanbieter gewechselt. Trotzdem: „Hä? Wie bitte?…“ Nachdem ich mit einem Schwerhörigenhandy auch nicht klar kam, bin ich irgendwann bei einem gebrauchten iPhone gelandet. Damit lief es – ausgerechnet mit einem Smartphone, dann auch noch ein iPhone.  Naja, immerhin habe ich ein älteres, gebrauchtes Modell, so dass ich der Nachhaltigkeit zumindestens etwas nachgekommen bin.

Ich wollte dann jetzt aber – so ganz unminimalistisch – die Gelegenheit nutzen und ab und an doch unterwegs kurz ins Internet (Fahrpläne bzw. Verspätungen im ÖPNV checken, Navigation, etc.). Das war allerdings im Laufe der Zeit ziemlich teuer, da mein Anbieter nur große Internetpakete hatte. Soviel benötige ich nicht. Die Kosten waren definitiv zu hoch, kleinere Pakete versprach der Anbieter für irgendwann mal. So lange wollte ich aber auch nicht warten, bis sich meine Kosten wieder in erträglichen Höhen bewegen.

Zuhause stand unterdessen wieder ein normales Festnetztelefon mit Kabelinternet. Lief beides prima – außer, dass ich nicht telefonieren konnte. Ich konnte mit dem Telefon einfach nichts verstehen. Ich überlegte: Schwerhörigentelefon? Telefonverstärker? Hörgerätekompatible Kopfhörer? Aber welcher, wie teuer , was funktioniert?  Und dann wieder kaufen, ausprobieren, verkaufen? – Nein, es nervt!!! Ich will doch einfach nur maaaanchmal telefonieren und ab und an ins Internet.

Wir haben den Weg aus dem telefonischen Irrgarten dann doch noch gefunden:
Irgendwann kam die befreiende Erkenntnis:  Einfach weg mit dem üblichen Festnetznummern, weder klassisch Zuhause, noch mobil. Weder ein Gerät an der Wand im Flur, noch ein Telefon mit 10m-Schnur, auch nicht ein schnurloses Telefon, keine Wählscheibe, keine Tasten, keine Buschtrommel, keine Brieftaube, kein Fräulein vom Amt.
Das iPhone habe ich mit einer Simkarte aus dem Discounter bestückt und ein für mich passendes kleineres Paket gebucht – im Bedarfsfall monatlich kündbar, für mich deutlich günstiger und komfortabler. –  Und was soll ich sagen: Es läuft!

Wer mich unbedingt per Festnetz erreichen will, kann dies übrigens immer noch tun: eine (virtuelle) Festnetznummer aus dem Internet, die ich üblicherweise für Faxversand nutze. Dort läuft nur eine Mailbox. Die Nachricht werden mir per Email zugeschickt. Diese kann ich auch für mich gut verstehbar am Computer abhören und rufe im Bedarfsfall mit dem Smartphone zurück.

Kein Vertrag, kein neuer telefonischer Test-Irrlauf, keine Neukäufe, keine neuen Verkäufe, kein neues Schwerhörigen-Zubehör, keine endlosen neuen PINS, Passwörter, Freischaltcodes. Keine neuen Irrläufe durch‘s Telefonland. Ausgerechnet ein Smartphone mit Mobilnummer macht mir das Leben jetzt einfacher. Und:
Ich habe neulich – so ganz unminimalistisch – fast eine komplette Stunde am Stück telefoniert.  Ohne Rauschen, Knacken, Nuscheln, ohne „Hä“ und „Wie?“ und „Was?“ – Wer hätte es gedacht.

© Gabi Raeggel, 2014-2018 https://achtsame-lebenskunst.de/