Vorweihnachtszeit, Schwerhörigkeit und minimalistische Stille

Es ist jedes Jahr zur Vorweihnachtszeit in etwa gleich: Je näher es auf Weihnachten zu geht, desto voller, hektischer, unruhiger, gereizter und gestresster scheint es zu werden. Die City meide ich um diese Jahreszeit nach Möglichkeit. Ich möchte mich nicht durch die Menschenmassen des riesengroßen Weihnachtsmarktes schieben, kein Weihnachtsklingeling-Musik hören, mich nicht mit Glühwein besäuseln. Als Minimalistin erspare ich mir den vorweihnachtlichen Konsumrausch und ich muss hier auch nicht irgendwelche größten Weihnachtsbäume bestaunen. Es ist mir einfach viel zu laut und viel zu voll.

Wenn dann auch noch auf Dienstbesprechungen plötzlich alle durcheinander sprechen, während dies im Rest des Jahres durchaus auch anders möglich ist, komme ich an Grenzen. Die Normalhörer diskutieren angeregt und vergessen einfach immer wieder, dass da eine Schwerhörige sitzt, die sich gerade kurz vor dem akustischen Supergau befindet. Wörter, Geräusche, Geklapper und Geplapper fliegt durch den Raum. Mein Gehör trifft es wie spitze, messerscharfe Pfeile.

Hörgeräte sind heute wirklich kleine und wunderbare Hightech-Computer, aber sie ersetzen kein normales Hören und die Hörverarbeitung ist anders. Für mich sind solche Lärmkulissen irgendwann nur noch Krach. Es ist laut, aber ich verstehe nicht mehr viel und bei all dem Nicht- und Halb-Verstehen ist es dann auch noch unglaublich anstrengend.

Normalerweise macht es Sinn, Hörgeräte wirklich regelmäßig und mindestens ca. 8 Stunden am Tag zu tragen, damit das Hörzentrum im Gehirn überhaupt die Chance hat, die noch hörbaren Geräusche angemessen zu verarbeiten. Ansonsten kann man es mit den Hörgeräten eigentlich auch lassen. Aber einen großen Vorteil habe ich:

Ich kann die Hörgeräte in besonders belastenden Situationen einfach auch mal runter regeln. Inzwischen stelle ich sie bei akustischer Reizüberflutung schlichtweg komplett aus. Das ist prima beim Bahnfahren und selbst im Supermarkt wunderbar. Ich brauche da keine säuselnde Musik und wenn das Einkaufswagengeklapper plötzlich gedämpfter klingt, ist das so wohltuend. An der Kasse stelle ich die Hörgeräte kurz an, danach sofort wieder aus. Muss ich im Büro nur etwas schreiben, ist es nicht erforderlich, dass ich die mich umgebende Geräuschkulisse komplett mitbekomme. Das lenkt ohnehin nur ab. Besonders in den oft so lauten und hektischen Vorweihnachtstagen ist das wirklich nervenschonend.

Komme ich an manchen vorweihnachtlichen Tagen nach Hause, dann genieße ich meine reizreduzierten und minimalistischen Wohnräume besonders. Es ist diese wunderbare minimalistische Stille, die ich dann besonders zu schätzen weiß. Eine weiße Wand ist da manchmal wie mein ganz persönliches Paradies. Am besten steht einfach mal nichts herum. Ich muss keine Musik hören, mir keine Filme anschauen. Tannenzweige, Kerzenduft, Sternchenglitzer mögen andere Menschen erfreuen. Bei mir bleiben sie draußen. Denn mich interessiert ein ganz anderer Genuss: Ich kann dann endlich in den wunderbaren Klang der Stille hinein lauschen und diese Stille ganz besonders achtsam in mich hinein atmen. Das ist er dann: mein persönlicher, achtsam-minimalistischer Vorweihnachtsgenuss.

Eine Frau, die als Stille-Symbol den Zeigefinger vor den Mund hält
Photo by Kristina Flour on Unsplash

Luxus anders definieren

Luxus aus achtsam-minimalistischer Perspektive

„… Sie definieren Luxus einfach nur anders…“ so oder so ähnlich formulierte die Journalistin Selina Stolze es gestern  in einem Interview mit mir für das Dortmunder Lokalradio 91.2. Diese Formulierung bringt es gut auf den Punkt. Luxus definiere ich anders und es ist für mich nicht die Menge an verfügbaren Dingen oder eine hübsch-hohe Zahl auf dem Girokonto. Luxus ist keine Yacht, kein Privat-Jet und aus goldenen Wasserhähnen fließt letztlich auch nur Wasser. Luxus ist für mich etwas anderes:

Zeit

Nachdem ich inzwischen halbtags arbeite, ist – trotz Notwendigkeit einer gewissen zeitlichen Flexibilität – die Zeit mein größter Luxus. Viele Jahre lang war ich wochentags täglich zwischen 11 und 13 Stunden unterwegs, volle Straßen, volle Züge. Ich erinnere mich an zugige Bahnhöfe, ausgefallene Züge, verstopfte Autobahnen und an meine Sehnsucht mich endlich durch den Feierabendverkehr durchgequält und Zuhause anzukommen zu sein. Aber dann musste ich erst noch einkaufen, oft stand noch das Frühstücksgeschirr ungespült in der Küche und das Auto musste zur Inspektion. Irgendwann bemerkte ich, dass ich in meiner Arbeit als Sozialpädagogin auch nicht mehr so richtig bei der Sache war. Es war ein schleichender Prozess. Ich agierte zunehmend nur noch aus meiner beruflichen Erfahrung heraus. Dadurch bekam ich meine Arbeit zwar irgendwie trotzdem noch recht gut hintereinander, aber innerlich war ich längst unzufrieden geworden. Die Arbeitsverdichtung in der sozialen Arbeit tat noch ihr Übriges dazu, dass ich mich nicht mehr wohlfühlte.

Ich bin sehr froh, dass diese Belastungen Vergangenheit sind. Ich gehe zu Fuß zur Arbeit und übe meinen Beruf wieder gerne aus, denn jetzt finde ich den nötigen Ausgleich für mich. Heute gelingt es mir meistens problemlos, nicht ausgerechnet zur Rushhour einkaufen zu müssen. Die Geschäfte sind leerer, weniger hektisch und in der Kassenzone tobt seltener das Chaos. Schon das alleine ist Luxus.

Zeitlichen Luxus genieße ich auch, indem ich mir entweder morgens viel mehr Zeit beim Frühstück lasse oder dann, wenn ich früher von der Arbeit zurückkomme, erst einmal in Ruhe die Füße hochlege.

Was überflüssiger Kram mir nicht bieten kann

Zeit zu haben, ist wertvoll für mich. Kein angesammelter und meistens überflüssiger Krimskrams dieser Welt kann mir diesen Genuss bieten, den ich habe, wenn ich den Wechsel der Jahreszeiten anhand der wunderschönen, uralten Bäume in unserem großen, begrünten Innenhof verfolgen kann. Ich bin wirklich froh und sehr glücklich mit meinen achtsam-minimalistischen Lebensstil. Ich brauche mich um kein Auto mehr kümmern, keine Stehrümchen abstauben, kein überflüssigen Krams in überfüllte Schrank stopfen und kann sehr entspannt auf irgendwelche Statussymbole pfeifen – auch das ist wunderbarer Luxus für mich.


Wer sich für das anfangs erwähnte Radio-Interview interessiert, kann es sich hier noch einmal anhören:

Dortmunder Minimalistin – Nur mit dem Nötigsten leben.  Radio 91.2

 

Der traumhaft schöne, herbstliche Blick von meinem Balkon:

Blick vom Balkon auf gelblich gefärbte Herbstbäume
Foto: Vera Dohmann Fotografenmeisterin

Schmeiß alles weg… ???

 

„Die Dinge sagen so viel über uns aus…“ (S. Bobert) –   Dieses Zitat stammt aus einem Youtube-Video von Prof. Dr. Sabine Bobert zum Thema „Schmeiss alles weg und werde frei!“, welches ich kürzlich gesehen habe. Gerade mit der Überlegung, dass die Dinge auch viel über uns selbst aussagen und wir Dinge mit Emotionen aufladen (und genau das auch kritisch betrachten können), kann ich sehr viel anfangen. Aber:

Schmeiß alles weg…?

Mal so eben einfach alles wegwerfen stößt mir quer auf. Natürlich, auch ich habe im Leben schon etliche Dinge weggeworfen. Aber  „Schmeiß alles weg“ fühlt sich für mich nicht gut an – schon gar nicht ALLES  😉 Wir haben ohnehin schon zu viel Müll auf unserem Planeten und mit jeder überflüssigen Mülltüte wird es nicht lebenswerter bei uns.

Offener Müllcontainer übersäät mit Müll vor einer Häuserwand
Photo by NeONBRAND on Unsplash

Sich zunächst bei Dingen zu bedanken und sie dann einfach in den Müll zu werfen, fand ich bei Marie Kondo und ihrem „Magic Cleaning“ immer schon einen etwas seltsamen Ansatz. Ich persönlich bedanke mich nie bei meinen Sachen – es sind nämlich nur Dinge, aber mal so eben in den Müll: Nein, will ich auch nicht.

Alternative: Spenden – verschenken

Ich finde die Überlegung, was und welche Dinge ich spenden und verschenken, im Bedarfsfall auch verkaufen kann, sinnvoller. Mein wichtigstes Kriterium dafür ist ein Gedankenspiel: Wenn ich dieses Ding, welches ich wegwerfen will, nicht hätte, aber benötigen würde, wäre es in einem so guten Zustand, dass ich es selbst dann nehmen würde?
Nichts ist schlimmer, als anderen Menschen irgendein defektes oder hässlich gewordenes Gerümpel zu überlassen oder gar anzudrehen. Da ist es besser, ich werfe es tatsächlich weg. Oder ich könnte es vielleicht für das Upcycling nutzen oder zumindestens für das Recycling vernünftig entsorgen – sofern dies irgendwie machbar ist.

Weitere Alternative: Gebrauchen und verbrauchen

Manche Dinge kann man einfach auch so lange nutzen, bis sie nicht mehr zu gebrauchen sind. Ist es z.B. wirklich nötig, den Kleiderschrank zu entrümpeln? Ich kann die Kleidung doch auch einfach so lange anziehen, bis sie dann wirklich hinüber ist. Ok, wer immer die aktuellste Mode haben möchte, wird die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Auch gibt es Menschen, die wirklich so viel haben, dass sie die Kleidung auch in 40 oder 50 Jahren nie verbrauchen könnten. Aber darüber hinaus ist Kleidung irgendwann aufgetragen – und reduziert sich damit von ganz alleine.

Sinnvoller: Erst gar nicht Zurümpeln

Sinnvoller als auszumisten ist es, neue Dinge nur sehr überlegt und nur in Maßen wieder in das eigene Leben zu lassen. Die beste Entrümpelung bringt wenig, wenn ich die frei gewordenen Räume wieder mit tausenderlei Konsum vollrümple.

Der achtsame Umgang mit den Dingen

Achtsamkeit ist für mich, auch mal darauf zu achten, wie mein persönlicher und ganz praktische Umgang mit den Dingen aussieht. Dazu gehört:

  • Welche Dinge nutze ich wirklich?
  • Welche Dinge stehen nur herum?
  • Welche Energien, Hoffnungen, Träume oder Illusionen halte ich mit einzelnen Besitztümern evtl. fest?
  • Kann ich meine Dinge wertschätzen?
  • Wie sieht mein bewusster, achtsamer und wertschätzender Umgang mit den Dingen aus?

Achtsamkeit, Minimalismus und Gastfreundschaft

Der achtsame Umgang mit den Dingen hat für mich auch mit dem achtsamen Umgang mit anderen Menschen und mir selbst zu tun. Auf mich wirkt es immer ein wenig befremdlich, wenn im Minimalismus auf das persönlich reduzierte Geschirr hingewiesen wird. Nur noch 1 Tasse, eine Müslischale etc. – Wo ist denn da die Gastfreundschaft? Ich selbst will nicht ständig mit Besuchern ins Restaurant gehen. Papp- oder Plastikgeschirr zu verwenden, geht weder für mich, noch für die Umwelt und ich möchte dies Besuchern auch nicht zumuten.

Natürlich horte auch ich nicht endlos Geschirr, aber mal ein Essen für einige Personen ist kein Problem. Dazu brauche ich keine Galerie an unterschiedlichsten Gläsern, Tassen und Tellern, aber für ein gemütliches Essen reicht es dann doch noch. So viel Zeugs ist das nicht. Einen Designpreis würde ich nicht damit gewinnen, auch nicht irgendein Gala-Dinner veranstalten können. Aber es reicht und es rümpelt mein Leben nicht zu.

quadratischer und rechteckiger Esstisch als lange Esstafel in der Mitte des Raumes stehend.

 

Verlosung – Buch „Wenig Dinge braucht das Glück“

Verlosung

Es gibt noch ein Exemplar meines Buches „Wenig Dinge braucht das Glück“ welches ich hier noch einmal verlosen kann.

Foto des Buches

Wer also Interesse hat, das Buch zu gewinnen, kann einen kurzen Hinweis unten in den Kommentaren hinterlassen.  Bitte auch die Emailadresse angeben. Diese ist hier öffentlich natürlich nicht zu sehen, aber Voraussetzung, um im Lostopf zu landen, da ich den bzw. die Gewinner/-in per Email benachrichtigen werde.

Teilnahmeschluss ist der 25.11.2018. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Umtausch oder Barauszahlung des Gewinns sind nicht möglich. Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 18 Jahren.

Viel Glück!!

Eine Vorschau auf das Inhaltsverzeichnis, sowie einige Seiten ist hier per Download erhältlich. Eine barrierefreie Variante für Blinde ist auf Anfrage erhältlich.

Vorschau – Downloads

Auszüge aus: Wenig Dinge braucht das Glück:

 


Das Buch „Wenig Dinge braucht das Glück“ ist als Printversion (9,95€) und als E-Book (7,99€ ) erhältlich. Es kann direkt beim Lingen-Verlag, im Buchhandel und allen üblichen Onlinestores gekauft werden.

Achtsamkeit, Minimalismus und die Kunst, das richtige Maß zu finden

„Like a sandcastle, all ist temporary.
Build it, tend it, enjoy it.
And when the time comes, let it go.“
(Jack Kornfield)
Wie eine Sandburg ist alles vorübergehend.
Baue es auf, pflege es, genieße es.
Und wenn die Zeit gekommen ist, lass es los.“
(Jack Kornfield)

 

Es gibt nur wenige Sätze, die ich irgendwo mal gelesen habe und an die ich mich im Laufe der Zeit immer wieder erinnere. Das obige Zitat von Jack Kornfield  ist ein solcher Satz. Ich finde darin viel von dem, was Achtsamkeit und Minimalismus als Lebensstil ausmacht und hilft, das richtige Maß zu finden:

„Like a sandcastle all ist temporary“

Die eigenen Besitztümer einfach mal mit der Stabilität einer Sandburg zu vergleichen, macht deutlich, wie relativ die eigenen Besitztümer sind. Als physische Wesen benötigen wir natürlich Dinge. Es fängt schon beim Frühstück an. Einen Kaffee oder Tee kochen und anschließend genießen ohne, dass ich zumindestens einen Wasserkocher und eine Tasse, sowie Tee bzw. Kaffee zur Verfügung habe, ist schwierig. In der kalten Jahreszeit benötige ich ausreichend warme Kleidung und ohne irgendein Gerät, welches mir die aktuelle Zeit mitteilt, würde ich es kaum pünktlich irgendwo hinschaffen.

Aber muss es fürs morgendliche Kaffeekochen wirklich der Hightech-Kaffee-Vollautomat sein – und wenn ja, warum eigentlich? Hier trifft sich Achtsamkeit und Minimalismus: Ist es wirklich der damit verbundene Komfort oder doch eher das Hightech-Gerät als Statussymbol? Und wozu dient der übergroße Kleiderschrank? Um mich im Winter vor Kälte zu schützen, braucht es nicht 5 oder 10 Winterjacken, wenn ich ohnehin immer nur eine Jacke gleichzeitig anziehen kann. Was treibt an, wenn ich mir den Kleiderschrank trotzdem vollstopfe? Wann geht im eigenen Leben das richtige Maß verloren und wird zur unsinnigen Masse? Und warum?

Sich an solchen oder ähnlichen Stellen bewusst zu werden, dass die persönlichen Besitztümer der Dauerhaftigkeit einer Sandburg ähnlich sind, lässt diese in einem relativeren Licht erscheinen. Wir benötigen Dinge, aber sind sie soooo wichtig? Und wenn sie trotzdem so wichtig erscheinen, warum eigentlich genau?

„Build it, tend it, enjoy it“

Es ist es sehr entspannend und entlastend, Dinge wirklich genießen zu können. Es ist völlig in Ordnung, sich etwas aufzubauen. Das, was ich aufgebaut habe, kann und sollte ich pflegen und natürlich auch genießen.

Minimalismus bedeutet nicht, Dinge zu verdammen und schlecht zu reden. Im Gegenteil. Gerade in unserer „Ex-und-Hopp“-Gesellschaft sehe ich viel eher die Gefahr, dass wirkliche Pflege und Genuss von Dingen verloren geht. Kaum ist das neue Handy gekauft, ist es veraltet und wir wollen ein neues Gerät. Die Heimkinoanlage ist irgendwie immer noch nicht perfekt genug, die neue Bekleidung schnell unmodern und überholt.

Stattdessen achtsamer mit den eigenen Dingen umzugehen, sie zu pflegen und zu genießen, ist gleichermaßen Lebensgenuss, Dankbarkeit und wirkliche Freude.

„And when the time comes, let it go“

Loslassen ist mehr, als die so oft anzutreffende „Ex- und Hopp“-Mentalität unserer Tage. Loslassen ist immer auch die innere Auseinandersetzung mit dem, was ich loslasse. Wenn ich z.B. viel zu viel Zeit mit der Pflege von Dingen verbringe, ohne dass ich sie genießen kann, ist es Zeit, sich zu fragen, warum ich sie festhalte und was davon ich nun endlich loslassen sollte. Eltern kennen den Schmerz, die eigenen Kinder zunehmend auch wieder loszulassen, um ihnen ein eigenes selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Es gibt viele Bereiche, auch weit über die Dinge hinaus, in denen Loslassen bedeutsam ist.

 

Älter werden als Prozess des Loslassens

Zunehmend entdecke ich selbst auch das eigene Älterwerden als einen Prozess des Loslassens. Im 5. Lebensjahrzehnt muss ich mich nicht als „Berufs-Jugendliche“ stressen, sondern kann solche Ambitionen loslassen. Dadurch ist mir bewusster geworden, was im Laufe der Jahre einfacher geworden ist und wo ich heute viel entspannter, souveräner und sicherer durch meinen Alltag gehe als früher. Weder muss ich irgendwelchen Erfolgen, noch dem neuesten Schnickschnack hinterher rennen. Denn auch solche Bereiche sind lediglich Sandburgen, die ich eine zeitlang aufbauen, pflegen und genießen, aber irgendwann einfach auch wieder loslassen kann. Das befreit.

Die Kunst, das richtige Maß zu finden

Die Kunst, das richtige Maß zu finden, ist letztlich eng damit verbunden, dass nichts ewig und in Zement gemeißelt ist. Alles ist vorrübergehend und jede Lebensphase, jede Entscheidung, etwas Aufzubauen oder Loszulassen, ist eine Chance, damit das eigene Leben lebendig bleibt.

Es gibt in jeder Lebensphase Neues zu entdecken, wenn wir den Mut haben, wirklich im gegenwärtigen Moment zu leben, statt nur in der Vergangenheit zu verharren oder auf die Zukunft zu warten.

 

Eine Sandburg mit der Aufschrift: "Stop waiting"
Photo by James & Carol Lee on Unsplash

Konsumrausch

Es ist erst einige Wochen her, als uns die diesjährige, lange Dürreperiode, den Klimawandel bedrückend erfahrbar werden ließ. Inzwischen ist es kühler und regnerischer geworden und die vom besonderen Konsumrausch geprägten Wochen stehen vor uns.

Atemlose Weihnachtszeit

Schon seit Jahrzehnten empfinde ich diese Zeit vor Weihnachten atemlos. Hektik, Lautstärke und Anspannung nehmen mit jeder Woche zu. Weihnachtskekse liegen schon seit Wochen in den Regalen. Der merkwürdige Gruselspaß zu Halloween ist gerade überstanden, da werden Laternen gebastelt und Martinsbrezel gekauft. Zu Nikolaus beschränken wir uns schon lange nicht mehr auf „Apfel, Nuss und Mandelkern“. Kann ich dann zu Weihnachten irgendwie noch verstehen, wenn Kinder beschenkt werden, so ist es mir völlig schleierhaft, warum Erwachsene untereinander so oft keine Alternative zum Schenken von Dingen finden können. Warum so viel? Es gibt doch so viele Wege, sich gegenseitig etwas Gutes zu tun.

Eine Sammlung von Geschenketüten
Photo by freestocks.org on Unsplash

Liegt Weihnachten hinter uns, kümmern wir uns um die Vorbereitungen zur Silvesterfeier und im Neuen Jahr können wir uns dann mal irgendeinen guten Vorsatz fürs Neue Jahr vornehmen. Meistens tauchen dann in den Regalen der Geschäfte irgendwelche Fitnessdinge auf, die wir kaufen sollen, um die weihnachtliche Völlerei wieder abzutrainieren.

Wenn sich der Rausch in Streits entlädt

Konsumrausch – das sind die vielen unsinnigen Dinge, mit denen wir uns die Wohnung vollrümpeln. Konsumrausch ist aber auch die ständige Hetzerei von einer Feier zur nächsten. Berauscht sein auch von den Anspannungen und Vorbereitungen aufs weihnachtliche Fest. Je mehr wir uns hineinsteigern, um so größer ist die Gefahr, dass sich die anfängliche Vorfreude in hohe Anspannung umwandelt und sich irgendwann in handfesten Streits entlädt. Trotzdem lenken wir uns ab, berauschen wir uns. Doch ein Rausch ist schnell vorbei, was irgendwann folgt, ist die Ernüchterung.

Innehalten

Es mag etwas altbacken klingen, die Wochen bis Weihnachten zum Innehalten zu nutzen, aber ist es nicht das, was wir wirklich brauchen? Einfach mal einige vorweihnachtliche Termine streichen (man muss ja wirklich nicht auf jeder Advent- und Weihnachtsfeier anwesend sein), den weihnachtlichen Konsum- und Geschenkewahnsinn reduzieren. Sich Zeit nehmen. Vielleicht mal MIT den Kindern spielen, anstatt nur die Kinderzimmer mit Zeugs vollzurümpeln. Zur Ruhe kommen und auch mal schauen, welches Geschenk wir unserer geschundenen Umwelt machen können: Das Auto stehen lassen, Plastikmüll reduzieren, Fast-Fashion ablehnen, einen Bogen um die Coffee-to-go-Becher machen, nicht noch mehr Elektronikschrott produzieren und vieles mehr. Sich selbst, den Mitmenschen und der Umwelt etwas Gutes tun, dafür brauchen wir keinen Konsumrausch. Innehalten, Alternativen finden, unnötigen Stress und Geschenkballast reduzieren- auch das ist praktizierte Achtsamkeit und sinnvoller Minimalismus.

 

handgeschriebenes Papier mit Aufschrift "Mindfulness" an einem Fenster stehend.
Photo by Lesly Juarez on Unsplash

Abschließend angemerkt, habe ich mich 1986 von dieser weihnachtlichen Geschenke-Orgie verabschiedet. Das Patenkind bekam noch etwas, alle anderen nicht. Ein Jahr vorher angekündigt, gab es natürlich (erwachsene) Menschen, die davon überhaupt nicht begeistert waren, aber sie haben es alle überlebt und ich habe in den zurückliegenden 32 Jahren wirklich nichts vermisst.

Zeit geniessen

Weniger ist mehr

Weniger ist mehr gilt für mich nicht nur für Dinge. Weniger ist mehr gilt für mich auch für die Zeit, die ich mir nehme, denn meine Zeit muss nicht vollgestopft sein mit Aktivität. Ich muss auch nicht ständigen Attraktionen hinterherlaufen. Dazu genieße ich es viel zu sehr, etwas mit Ruhe tun zu können.

Sich Zeit lassen

An freien Tagen ist es beispielsweise ein besonderer Genuss, mir morgens einfach Zeit lassen zu können. Dann kann ich meinen Gedanken nachhängen, den Geruch von Kaffee in die Nase steigen lassen, das morgendliche Duschen zelebrieren, einen Schluck kühlendes Wasser genussvoll die Kehle hinunterfließen lassen. Das Zähneputzen macht viel mehr Spaß, wenn ich es mir als Zahnmassage vorstelle und es ist schön, wenn ich der trockenen Haut ein wenig wohltuendes Öl gönne.

Freiräume

Freiräume sind viel mehr, als die von überflüssigem Kram befreiten Schränke und Wohnräume. Zeit ist der Freiraum, den ich nicht immerzu mit Terminen und Aktivitäten füllen muss. Stattdessen gönne ich mir die Freiheit, zweck- und zielgebundenes Denken und Handeln einfach mal loszulassen, um die kleinen und so wertvollen Momente eines Tages besonders zu genießen. Ob ich das dann Alltagsachtsamkeit oder Zeit-Minimalismus nenne, ist eigentlich egal. Es ist insbesondere einfach ein großer und luxuriöser Genuss.

 

Foto einer nur teilweise sichtbaren Person, die eine Tasse festhält mit der Aufschrift: A simple Life
Photo by Easton Oliver on Unsplash

 

Zeit nehmen und Zeit geniessen – Anregungen zu Achtsamkeit:

Zeit wirklich geniessen zu können, ist auch eine Übungssache. Den gegenwärtigen Moment überhaupt erst einmal bewusst wahrzunehmen, dafür kann Achtsamkeit sehr hilfreich sein:

Achtsamkeitsübungen

 

 

Wie Achtsamkeit zu mehr Zufriedenheit führen kann – Zeitungsartikel

Der Reutlinger Generalanzeiger hat einen Beitrag zu meinem Vortrag in Reutlingen veröffentlicht. Wer sich dafür interessiert, kann diesen Beitrag hier online nachlesen:

Reutlinger Generalanzeiger: Wie Achtsamkeit zu mehr Zufriedenheit führen kann

 

Der Beitrag der gedruckten Version der Zeitung kann auch als PDF angeschaut werden:  Der Blick für das Wesentliche. Wie Achtsamkeit zu mehr Zufriedenheit führen kann –  PDF-Datei

Logo mit Nordseegräsern und Text: Achtsamer Leben. Wege zu einem entspannteren und entrümpelteren Alltag

Der achtsame Umgang mit der Natur

„Viele von uns haben schon erlebt, wie wohltuend und belebend Achtsamkeit in der Natur sein kann. Entsprechend bedeutsam ist es, diesen Lebensraum zu erhalten und zu pflegen. Wie kann ein achtsamer Umgang mit der Natur aussehen und welche kleinen, aber konsequenten achtsamen Schritte sind möglich?“

Ein Gastbeitrag, zu diesem mir immer bedeutsamer werdenden Thema, ist auf der Webseite von Das tut mir gut! zu lesen:

Der achtsame Umgang mit der Natur

 

Blick auf hochgewachsene Bäume. Im Vordergrund rechts unten ansatzweise der Rand einer Balkonmauer

Vortrag „Achtsamer Leben“ in Reutlingen

Veranstaltungshinweis: Vortrag „Achtsamer Leben“

Am 13.10.2018 bin ich ab 18:30 in Reutlingen beim Reutlinger Generalanzeiger zu Gast und halte einen Vortrag zum achtsameren Leben mit weniger Dingen.

Reutlingen liegt rd. 40km südlich von Stuttgart. Wer dort also in der Nähe wohnt oder dort zu dieser Zeit in der Nähe unterwegs ist, ist herzlich eingeladen. Ich würde mich freuen, die ein oder anderen von Euch begrüßen zu können.

Veranstaltungsdetails:

  • Freitag, 12.10.2018, 18:30 Uhr
  • Reutlinger General-Anzeiger, Burgstraße 1–7, Reutlingen, Oertel+Spörer Saal
  • Eintritt: 7€
  • Tickets sind erhältlich:
    • vor Ort: GEA-Service-Center am Burgplatz
    • per Email: tickets@gea.de
    • telefonisch: 07121 302210

Ergänzende Infos: https://events.gea.de/event-portal_veranstaltung,-achtsamer-leben-_vaid,63.html