Meditation mit orthopädischen Handicaps

Meditation als körperliche Herausforderung

Regelmäßig zu meditieren, speziell die Sitzmeditation, stellt sicher immer eine gewisse köperliche Herausforderung dar. Wir sind es üblicherweise nicht gewohnt, regelmäßig eine längere Zeit ruhig in einer bestimmten Position zu sitzen. Auch körperlich gesunde Menschen ohne jede Einschränkung spüren dann schon mal die steifen Gelenke, mal zwickt es hier, mal dort. Im Laufe der Zeit lernt man dann, wie man mit solcherlei Einschränkungen oder Missempfindungen umgehen kann. Aber Meditation mit körperlichen Handicaps – geht das?

Mein persönlicher Weg

An anderer Stelle hatte ich schon einige Male von meinen körperlichen Einschränkungen berichtet. Siehe z.B. Achtsamkeitsübungen bei körperlichen Einschränkungen  oder Achtsamkeit und körperliche Beeinträchtigungen – meine Erlebnisse

Ich meditiere seit 8 Jahren trotzdem, aber anders. Einen geeigneten Weg zu finden, war und ist allerdings ein langer Weg. Ich lebe mit Fehlstellungen von Füßen, Beinen und Hüfte, hinzu kommt nicht zusammen gewachsener 5. Lendenwirbelbogen und überdehnbare Gelenke. Seit einigen Jahren bin ich zudem schwerhörig und benötige Hörgeräte. Die Folgen sind, dass ich schneller, als der „Durchschnitts-Meditierende“ an meine körperlichen Grenzen komme, muskulär verspanne, manches geht überhaupt nicht. Daher bin ich natürlich immer auf der Suche nach Tipps, Ideen und Anregungen.

Suche nach Anregungen und Hilfen

Vor längerer Zeit entdeckte ich, dass es spezielle Meditationskurse für Menschen mit chronischen Schmerzen gibt. Die Gründerin und Meditationslehrerin Vidamayala Burch litt nach einem Unfall an chronischen Schmerzen und hat diese besondere Form der Achtsamkeit entwickelt. Sie ist also eine Betroffene, was ich schon mal sehr überzeugend finde.

Da meine Einschränkungen aber anders gelagert sind, habe ich keine persönlichen Erfahrungen mit dieser Meditationsform. Da ich auch ansonsten keine ganz speziell auf orthopädische Handicaps ausgerichtete Achtsamkeitspraxis gefunden habe, habe ich selbst ausprobiert und bin dabei zu folgenden Erkenntnissen gekommen. Vielleicht helfen diese ja den ein oder anderen LeserInnen, die selbst mit orthopädischen Problemen zu tun haben:

Meditations-Tipps für Menschen mit orthopädischen Handicaps

  • Es ist sehr hilfreich und wichtig, die Wahrnehmung des eigenen Körpers zu verbessern. Das geht auch mit orthopädischen Einschränkungen. Der Bodyscan ist im Sitzen oder Liegen möglich und bietet eine ideale Ausgangsübung. Einige Anleitungen dazu sind hier zu finden: Achtsamkeitsübungen
  • Versuche nicht, „normal“ zu sein und unbedingt mithalten zu wollen. Überschreite nicht gewohnheitsmäßig deine eigenen Belastungsgrenzen. Auch dann nicht, wenn dir dies von anderen Menschen empfohlen werden sollte. Erfahrene und einfühlsame Meditations- und Achtsamkeitslehrer nehmen in der Regel Rücksicht, weisen idealerweise auf die nötige Selbstfürsorglichkeit hin. Trotzdem sind sie in der Regel körperlich deutlich fitter und gesünder und können nicht in deinen Körper hineinschauen. Warte daher nicht und verändere rechtzeitig deine Körperhaltung oder lege Pausen ein.
  • Nimm deinen Körper ernst, nimm deine Einschränkungen ernst, aber lass dich nicht davon allzu sehr begrenzen. Je nach persönlicher Einschränkung besteht die Gefahr, dass die Wahrnehmung des eigenen Körpers irgendwann so ins Zentrum der eigenen Wahrnehmung gerät, dass dies zu einer unnötigen Selbstbegrenzung wird.
  • Du hast einen Körper, aber du bist mehr als dein Körper. Übe dich daher immer auch in der Achtsamkeit der Gedanken und Gefühle.
  • Schaffe Ausgleiche, suche gezielt nach Meditationshaltungen und Formen, die dich entlasten. Meditationskissen, Lotussitz, Meditationsbänkchen – all das kann, muss aber nicht sein.
  • Gehe auf deine persönliche Entdeckungsreise, welche Haltung ganz persönlich für dich gut ist. Verschiedene Stühle, Sessel, Sofa, Balkonliege, ein kleines Kissen im Rücken, Erhöhung für die Beine, Abstützung für den Kopf oder in welcher Haltung auch immer: Was davon tut gut? Welche Haltung hilft und unterstützt dabei, besser in den Prozess des Meditierens hinein zu finden? Welche Haltung überlastet oder blockiert? Sieh diese persönliche Entdeckungsreise als eine deiner wichtigsten und zentralsten Meditationsübungen an, wenn du mit und trotz körperlicher Handicaps meditieren willst. Diese Entdeckungsreise ist gelebte Metta-Meditation, also eine wichtige Übung zur Selbstfürsorge für Menschen mit körperlichen Handicaps.
  • Finde deinen eigenen Meditationsablauf. Es kann hilfreich sein, Geh- und Sitzmeditation in kürzeren Abständen abzuwechseln oder durch einige, geeignete achtsame Yogaübungen zu ergänzen.

 

Nachteile ausgleichen statt mithalten

Zusammenfassend kann ich sagen, dass Meditation mit körperlichen Handicaps natürlich möglich ist. Es geht jedoch nur, indem man sich keinerlei Druck und Stress macht, mit irgendwelchen „Durchschnitts-Standards“ und „allgemein gültigen Regeln“ mithalten zu wollen, denn diese sind auf die „normale“ und „übliche“ körperliche Belastbarkeit ausgerichtet.

Eine Orientierungshilfe ist, dass die körperlichen Begrenztheiten im Zusammenhang mit der körperlichen Meditationshaltung nicht dazu führen, dass die Meditation dauerhaft davon dominiert oder sogar blockiert wird. Die eigenen orthopädischen Einschränkungen durch Hilfsmittel oder Veränderungen in Haltung und Ablauf ein wenig auszugleichen, erscheint mir viel sinnvoller.

Die wichtigste Achtsamkeitsübungen für Menschen mit orthopädischen Handicaps

Die äußere Haltung sollte so sein, dass sie hilft, zu einer inneren Haltung zu finden. Bei Menschen mit orthopädischen Handicaps muss diese äußere Haltung individuell an die Einschränkungen angepasst und immer wieder überprüft werden. Die aus meiner Sicht wichtigste und zentralste Achtsamkeitübung für diesen Personenkreis ist daher die, immer wieder aufs Neue achtsam auszuprobieren und erspüren, was möglich ist und was hilft, besser in den Prozess des Meditierens hinein zu finden.

Die Meditationstipps für Menschen mit körperlichen Handicaps sind auch als kostenloser Download im PDF-Format, sowie zusätzlich in einer Version für Blinde erhältlich:

 

PDF-Download: Meditationstipps für Menschen mit orthopädischen Handicaps

barrierefreie Version für Blinde:  Meditationstipps für Menschen mit orthopädischen Handicaps

E-Book ist jetzt da! Wenig Dinge braucht das Glück

Wenig Dinge braucht das Glück - Buchcover
Cover: © Lingenverlag

Der Lingen Verlag hat fleißig gearbeitet und nun ist mein Buch „Wenig Dinge braucht das Glück“ neben der Printversion, auch als E-Book erhältlich. Dies freut mich insbesondere für die E-Book-Fans und die Leser/-innen meines Blogs, die auch gezielt nach einem E-Book gefragt haben.

Das Buch ist in den gängigen Formaten verfügbar. Beispielsweise hier im ePUB-Format, im Kindle-Format oder bei Apple.

Viel Spaß beim Lesen und insbesondere einige Inspirationen für ein entspannteres und glücklicheres Leben mit weniger Dingen.


Kurzinfo zum Buch

Lingen Verlag
ISBN:  978-3-96347-006-6
Erscheinungstermin: 15.8.2018
Gebundene Ausgabe, 144 Seiten
Preis:
Printversion: 9,95 €
E-Book: 7,99 €

Walfreiheit

Mitgefühl für Andere – diese wesentliche Übungspraxis der Metta-Meditation, ist immer auch verankert im Alltag, so wie dies Tanja Heller in Ihrem folgenden Gastbeitrag deutlich werden lässt:

Die Wale gehören euch nicht

Als Delfine unser Schiff auf hoher See in Griechenland begleiten – die Akrobaten der Meere – bin ich sehr dankbar. Da wir in den 80ern eine Orcashow in Spanien fluchtartig verließen. Bevor ein Delfin lächelnd durch einen Reifen sprang. Oder ein Orca fröhlich Wasser aus dem Schwimmbecken spritzte. Die Hüter der Meere legen in Freiheit 160 Kilometer am Tag zurück. Und tauchen 300 Meter tief. Sie in winzige Becken zu sperren, wie Zirkusclowns vorzuführen und für die Unterhaltungsindustrie zu unnatürlichen Kunststücken zu zwingen, bis sie sich zu Tode langweilen, ist falsch!

Bitte kauf auch du keine Eintrittskarte in dieses Tierleid aus Massenschlachtungen, Isolationshaft und Familientrennungen – man hört die Trauergesänge der Wale kilometerweit! Boykottiere Orcashows: Ein Leben in einem engen Betongefängnisse, das den Majestäten der Meere alles nimmt, was Freiheit ausmacht. Die Wale gehören euch nicht! Schließt die Delfinarien und setzt die sensiblen und klugen Säugetiere in betreuten Meeresbuchten aus, wo sie annähernd natürlich leben können.

Wären meine Eltern sitzengeblieben, hätte ich gelernt, dass das Entreißen eines Tieres aus seinem natürlichen Lebensraum zu meiner Belustigung völlig in Ordnung ist. Am liebsten hätte ich alle Tiere mit in die Freiheit genommen.

Für Tilikum. Geboren in Freiheit. Gestorben in SeaWorld.

 

Portrait Tanja HellerTanja Heller ist Freie Werbetexterin und Minimalistin aus Leidenschaft.

Buch verfügbar – E-Book folgt

Wenig Dinge braucht das Glück – Printversion und E-Book

Inzwischen ist mein Buch „Wenig Dinge braucht das Glück“ als Printversion in den üblichen Onlinestores erhältlich und kann auch in jeder Buchhandlung bestellt werden. Sobald die E-Book-Version verfügbar ist, informiere ich noch einmal darüber. Es wird voraussichtlich. nicht mehr lange dauern.

Kaufen und gleichzeitig etwas Gutes tun

Wer das Buch online kaufen möchte und mit dem Kauf automatisch auch etwas Gutes tun möchte, kann mal bei Buch7, dem Onlineshop mit der sozialen Seite, nachschauen. Buch7 spendet 75% der Gewinne an soziale, kulturelle oder ökologische Projekte.   Eine, wie ich finde, prima Idee.

Links

Vorschau – Downloads

Die kostenlose Vorschau einzelner Seiten aus dem Buch sind hier per Download erhältlich:

Wenig Dinge braucht das Glück

 

4 Buch-Exemplare zu gewinnen: Wenig Dinge braucht das Glück

4 auf einem Tisch liegende Bücher von "Wenig Dinge braucht das Glück"

Mein Buch „Wenig Dinge braucht das Glück. Aufräumen für ein entspannteres Leben“  steht kurz vor der Veröffentlichung. Das Buch wird in einigen Tagen nicht nur als klassische Print-Version (Softcover mit Klappen) erhältlich sein, sondern auch als E-Book.

Schon jetzt gibt es aber bei mir zwei kleines Highlights vorab:

1. Verlosung

Der Lingen-Verlag hat mir freundlicherweise einige Exemplare des Buches zur Verlosung zur Verfügung gestellt. Meinen herzlichen Dank dafür!

Wer eins von vier Buch gewinnen möchte, kann in hier auf dieser Seite unten in den Kommentaren einen kurzen Hinweis oder Kommentar hinterlassen. Bitte auch die Emailadresse angeben. Diese ist hier öffentlich natürlich nicht zu sehen, aber Voraussetzung, um im Lostopf zu landen, da ich die Gewinner per Email benachrichtigen werde.

Teilnahmeschluss ist der 19. August 2018. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Umtausch oder Barauszahlung des Gewinns sind nicht möglich. Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 18 Jahren. Viel Glück!

2. Vorschau auf die Inhalte

Niemand kauft gerne „die Katze im Sack“, daher gibt es einzelne Seiten aus dem Buch, die hier als Vorschau (PDF-Datei) kostenlos herunter geladen werden können.

Hinweis für Blinde: Menschen, die auf eine barrierefreie RTF-Version angewiesen sind, können diese bei mir anfordern – entweder per Email oder durch einen Hinweis in den Kommentaren. Zum Zusenden benötige ich die Emailadresse. Die Emailadresse nutze ich selbstverständlich nur und ausschließlich zum Versand der Datei. Sie wird danach wieder von mir gelöscht.

Downloads – Auszüge aus: Wenig Dinge braucht das Glück

 


Gabi Raeggel
Wenig Dinge braucht das Glück . Aufräumen für ein entspannteres Leben
Lingen Verlag
ISBN: 978-3-96347-006-6

 

Die leeren Räume füllen

Ich gehöre nicht zu denen, die ihre Wohnung irgendwann mal sehr vollgestopft hatte und entsprechend viele Dinge entrümpeln müsste. Aber ich habe den Hang, zu viele Dinge kommen und wieder gehen zu lassen. Dieses Rein und Raus von Dingen finde ich nervtötend. Trotzdem muss ich aufpassen, dies nicht ständig zu wiederholen. Kürzlich wurde mir ein wichtiger Grund deutlich, warum ich dazu neige: Horror vacui – Wir können leere Räume schlecht ertragen und neigen dazu, diese leeren Räume füllen zu wollen.

Die Küche empfinde und empfand ich beispielsweise immer noch unfertig. Stundenlanges Nachdenken, ob ich eine Essecke dorthin machen will oder lieber ein Sofa oder eine gemütliche Küchenbank oder doch einen Sessel – ein ständiges rein und raus an Ideen. Bis ich mir dann irgendwann endlich die Frage stellte, ob mir irgendwas in der Küche fehlen würde, wenn der Raum kleiner wäre und nur das hinein passt, was sich dort gerade befindet. Ihr ahnt vermutlich schon die Antwort… in einem kleineren Raum hätte ich das Gefühl gehabt, dass alles  vollständig ist und nichts fehlt.

Das Problem ist also nicht, dass die Küche unfertig ist, sondern dass sie mehr Platz hat, als ich brauche. Aber muss und will ich wirklich einfach nur den Raum füllen? Und wenn ja, wozu und für wen? Für mich? Nein! Aber es ist noch immer etwas ungewöhnlich und manchmal fühlt es sich für mich  „unnormal“ an, so viel Platz in einer Einzimmer-Wohnung mit knapp 42qm zu haben. Also neige auch ich genau deshalb dazu, die leeren Räume füllen zu wollen. Dann habe ich auch immer so endlos viele Ideen dazu, die sich bestimmt prima umsetzen ließen und es sähe vermutlich sehr schick aus. Aber ich fühle mich in vollen Räumen nunmal nicht wohl. Da nützt mir „schick“ auch nichts.

Deshalb will und werde ich mir definitiv nichts mehr in die Wohnung stellen, was ich weder brauche, noch mag. Ich möchte mich nicht mit irgendeiner Deko abquälen, auf die ich überhaupt keine Lust habe. Ich möchte auch nicht irgendwas neu anschaffen, was ich hinterher sowieso wieder hinaus werfe.

Auch das ist ein wichtiger Aspekt von Minimalismus: Den eigenen „Marotten“ und tatsächlichen Bedürfnissen auf die Spur kommen und schauen, was man selbst wirklich will und braucht. Daher gilt für mich: Die leeren Räume füllen – ja, aber nur mit Leben, nicht mit unnötigem Kram.

 

Weiße Wand mit buntem Wandteppich. Davor steht ein Tisch mit 2 Stühlen.weiße Küchenzeile mit Holzplatte, Spüle, Einzelkochplatte. Außerdem Milchaufschäumer, Glasflasche, Espressokocher, Plastikbox mit Spümittel, Spülbürste, Spüllappen

Nur ein Atemzug…

Mitunter ist es nur ein Atemzug lang, da sind dann plötzlich die Zweifel da. Wachliegend durchwandern vielerlei Gedanken Kopf und Herz: Wo sind die Tage, all die Jahre hin? So vieles erlebt all die Zeit. Hat sich das gelohnt, die ganzen Anstrengungen, die Mühen?

Manches ist einfach viel zu sehr Zufall: Die Zeit, in die man hinein geboren wurde, der Ort, die Familie, das gesellschaftliche Umfeld. Manchmal erscheint mir mein Leben sehr beliebig. Gibt es irgendetwas, was mich von der Fliege an der Wand, dem Kieselstein im Bach oder vom verwelkenden Blatt unterscheidet, welches bald zu Boden fällt?

See mit Bäumen im Hintergrund. Auf der rechten Bildseite im Vordergrund einige Blätter, die fast zu Boden zu fallen scheinen

Will ich nicht doch etwas Besonders erreichen oder darstellen? Was ist schon eine Fliege an der Wand? Vielleicht lieber Erfolg haben? Karriere machen? Häuschen bauen? Urlaub planen? Von der finanziellen Unabhängigkeit träumen? Oder wenigstens ein kleines bisschen die Welt retten?

Und so Leben wir unser Leben oder basteln wir uns nur irgendeine Vorstellung davon zusammen? Leben verläuft nämlich selten gradlinig. Irgendwas ist immer. Es ist ein auf und ab, ein hin und her. Gerade mal was geplant, schon läuft irgendetwas anders.

Und vielleicht darf das einfach auch so sein. Es ist überhaupt nicht notwendig, das ganze Leben zu verplanen. Leben ist letztlich immer nur ein Atemzug – genau der Atemzug, der jeweils gerade stattfindet.

Einatmen – ausatmen, so simpel und so wunderbar. Einatmen – ausatmen – das ist Leben. Es ist immer nur ein Atemzug, aber dieser Atemzug ist Leben und er bringt in stetiger, achtsamer Wiederholung, irgendwann Stabilität, Gelassenheit und die Freude zurück. Es ist völlig egal, ob jünger oder älter, ob Mensch oder Fliege, Kieselstein oder verwelkendes Blatt – all das ist Leben.

Meditation und Minimalismus – innere und äußere Welt

Meditation und Minimalismus – von Beginn an waren dies zwei Bereiche, die für mich zusammen gehören. Etwas vereinfacht formuliert, ist es wie die innere und äußere Welt, die miteinander verbunden sind.

Meditation – die innere Welt

Regelmäßige Meditations- und Achtsamkeitspraxis bringt immer auch in Kontakt mit der persönlichen inneren Welt. Wenn beispielsweise wirklich einmal äußere Ruhe einkehrt, die Musikdauerschleife abgeschaltet, der Fernseher aus ist und auch auf sonstige Ablenkbarkeiten verzichtet wird, dann taucht der innere Lärm auf mit all den Gedanken, Gefühle, eventuellen körperlichen Missempfindungen. Das ist nicht ungewöhnlich, es ist nicht unnormal. Die Herausforderung und Aufgabe besteht in der Meditation darin, diesen inneren Lärm wahrzunehmen, aber sich nicht so sehr davon beeindrucken zu lassen. Es geht darum, dieses eigene Gedanken- und Gefühlskarussel immer wieder loszulassen. Das ist ein Bestandteil der Meditation und gehört einfach dazu.

Minimalismus – die äußere Welt

Für mich gehört zu dieser inneren Welt immer auch die äußere Welt dazu, wie z.B. der Ort an dem ich mich befinde mit allem, was ich dort wahrnehme. Meditation ist für mich immer auch zutiefst und ganz konkretes praktisches Tun.

Natürlich gibt es viele Menschen, die in einem mit vielen Dingen gefüllten Wohn- und Lebensraum sehr gut und wunderbar meditieren können. Ich kann dies aber nicht. Genauer gesagt, will ich es nicht. Einfach, weil es zu mir und meinem Leben so nicht passen würde. Ob ich diesen praktischen Meditationsteil dann Minimalismus nenne, ein Leben mit weniger Dingen oder sonst wie, ist letztlich egal. Zum inneren Loslassen gehört für mich eben auch das äußere Loslassen von überflüssigen Dingen und Ballast um mich herum. Ich empfinde dies oft wie einen durchgängigen Raum zwischen innerer und äußerer Welt. Der innere Freiraum hat für mich viel mit dem äußeren Freiraum zu tun. Beides sollte da sein, sollte miteinander im Einklang sein und beides ist mir wichtig. Die formale Meditation empfinde ich dabei oft wie ein Nährboden, auf dem mein persönlicher minimalistischer Lebensstil besser, stabiler und für mich positiver gedeihen kann.

„Probieren geht übers Studieren“ heißt es im Volksmund. Daher einige Anregungen zu Meditation und Minimalismus:

Der richtigen Zeitrahmen für die Meditation

Meditation lebt von der regelmäßigen Wiederholung und Übung. Es gibt zahlreiche Anleitungen, die dabei helfen können einen Einstieg in die Meditation zu finden. Aber wie lässt sich der richtiger Zeitrahmen für die Meditation finden?

Mich hat die Frage nach dem für mich passendem zeitlichen und inhaltlichem Rahmen immer wieder beschäftigt. Einerseits habe ich einige Einschränkungen in der Beweglichkeit, die ich berücksichtigen und für die ich Lösungen finden muss, andererseits bin ich auch einfach nicht der Typ für „Schema F“. So gut und sinnvoll Vorgaben und Empfehlungen von außen sein mögen, diese „einfach“ übernehmen und mir aneignen, das ist nicht mein Ding. Ich möchte meine eigenen Lösungen finden, erst dann fühle ich mich wohl. Daher habe ich lange Zeit experimentiert, wie nun ein passender Zeitrahmen, speziell für die Sitzmeditation gefunden werden kann und bin zu folgenden Ideen und Lösungen gekommen:

Den richtigen Zeitrahmen für die Meditation finden

  1. Lieber kurze und regelmäßige Meditationszeiten, als nur gelegentliche lange Meditationen. So beeindruckend es ist, wenn man sich am Wochenende beispielsweise gleich 2 Stunden Zeit nimmt, es bringt wenig, wenn die restliche Woche nichts läuft. Daher ist es besser, sich im Bedarfsfall nur 5 Minuten Zeit zu nehmen, dann aber täglich.
  2. Im Bedarfsfall auf andere Achtsamkeitsübungen ausweichen. Dies macht dann Sinn, wenn so wirklich gar nichts zu gelingen scheint. Auch hier ist es wichtig auf Regelmäßigkeit zu achten. Beispielsweise sich beim morgendlichen Duschen, wirklich auf das Duschen konzentrieren, das Wasser auf der Haut spüren, das abtrocknen, usw – gedankliche Pläne für den Tag immer wieder loslassen und zur Wahrnehmung des Duschens zurückkehren. – Ich habe in Phasen, wo ich mich nur schwer auf das Meditieren einlassen konnte, damit begonnen, den Weg zur Arbeit für achtsames Gehen zu nutzen. Diese Übung gestaltete sich im Laufe der Zeit zu einem wunderbaren, entspannten Rahmen vor und nach dem Arbeiten, den ich bis heute beibehalte. Ich achte darauf, den Boden unter meinen Füßen zu spüren, den Wind auf meiner Haut, den Regen, die Sonne, die Geräusche. Solche einfachen Übungen helfen, dranzubleiben und den Zugang zur Meditation nicht ganz zu verlieren und irgendwann dann doch wieder „die Kurve zu bekommen.“
  3. Offenes Meditieren. Mit offenem Meditieren meine ich, die Sitzmeditation ohne festen, vorgegebenen zeitlichen Rahmen zu gestalten. Ich habe es so gehandhabt, dass ich einfach mal längere Zeit ausprobiert habe, wie lange ich die Sitzmeditation von mir aus übe und wann der Zeitpunkt da ist, wo ich denke: „Ok, jetzt reicht es.“ Im Laufe der Zeit kristallisierte sich so ein gewisser Rahmen heraus. Bei mir lag er bei ca. 15 Minuten.
  4. Offenes Meditieren – Plus: Mit offenem Meditieren – Plus meine ich, zu der persönlich gefundenen angenehmen Zeit (siehe zuvor in Punkt 3) nochmal einige, wenige Minuten anzufügen. Ich habe dann beispielsweise an die 15 Minuten, die ich mich in der Regel gut aufs Meditieren einlassen konnte, nochmal 5 Minuten hinzugefügt. Dies lässt den Hintergrund der eigenen Grenzen bewusster wahrnehmen und Lösungen finden, sowie diese Grenzen schrittweise ein Stückchen zu erweitern.
  5. Mit eigenen Einschränkungen und Begrenzungen bewusst umgehen und persönliche Lösungen ausprobieren: Wichtig erscheint es mir auch, die eigenen Grenzen und Einschränkungen besonders achtsam wahrzunehmen. Egal, ob körperliche Erkrankungen oder Beeinträchtigungen, Stressreaktionen, Behinderungen, emotionale Tiefs oder was auch immer eine Rolle spielt: Es ist wichtig, nicht darüber hinwegzugehen, sondern im Bedarfsfall eigene und ganz persönliche Lösungen zu finden. Ich verzichte beispielsweise inzwischen bewusst auf Meditationshocker oder Meditationskissen und nutze einen Stuhl für die Sitzmeditation. Manchmal lege ich mir ein kleines Kissen in den Rücken, manchmal nutze ich einfach den Balkonstuhl und achte sehr bewusst darauf, dass es mir körperlich gut geht. Außerdem dehne und bewege ich mich zwischenzeitlich und lockere ggf. meine Muskulatur – mit Sicherheit sehr viel öfter, als der „Durchschnitts-Meditierende“ (wenn es denn so etwas gibt).
  6. Gerade für Anfänger sinnvoll finde ich den Bodyscan. Er ist eine ideale Basisübung, um ein besseres Gefühl für die eigenen körperlichen Reaktionen zu bekommen. Auch wer Erfahrung im Meditieren hat, wird vom Bodyscan immer wieder profitieren.
  7. Ob man besser morgens, abends oder im Tagesverlauf meditiert, ist aus meiner Sicht ebenfalls etwas, was man ausprobieren sollte. Je nach meiner jeweiligen Arbeitszeit, wechselt diese beispielsweise bei mir.

Meditation – sich einlassen, statt aushalten oder weglassen

Wichtig erscheint mir insbesondere eins: In der Meditation geht es nicht darum, sich an irgendeinem Durchschnitt orientieren oder irgendwelchen Empfehlungen einfach nur zu folgen. Meditation ist keine sportliche Leistung. Es geht auch nicht darum, etwas auszuhalten. Meditation bedeutet, sich auf das Meditieren wirklich einzulassen. Der zeitliche Rahmen sollte sich genau daran orientieren und dürfte je nach Person und Situation unterschiedlich lang oder kurz sein. Im Laufe der eigenen Übungspraxis gelingt es dann in der Regel immer besser, mit den eigenen persönlichen Grenzen umzugehen und bei Bedarf individuelle und tragfähige Lösungen zu finden.

Die Quelle meiner Texte…

Ganz nebenbei: Meditation ist die Quelle meiner Texte auf dieser Webseite. Ohne das Meditieren – mit all den Hochs und Tiefs, die es dort gibt – wäre ein Größteil meiner Texte hier nie entstanden. Ich hätte viele meiner Gedanken und Ideen einfach nicht gehabt. Natürlich meditiere ich nicht, DAMIT mir etwas einfällt, das würde nie im Leben funktionieren. Meine Texte entstehen eher im Loslassen aller Pläne, Vorhaben und ToDo-Listen und sind eher die Folge oder auch Auswirkung der Meditation.

Klangschale auf Dielenfußboden

Einen festen Ort für die Dinge finden

Einen festen Ort für die Dinge finden – das ist eine wichtige Grundlage jedes einfachen Aufräumens und erspart mühsames Suchen. Meine bisherigen beiden Schränke habe ich abgeschafft und nutze, wie bereits im vorletzten Beitrag erwähnt, nun die Abstellkammer als begehbaren Schrank. Als klassische Schränke gibt es ansonsten nur noch die Küchenschränke und einen Schreibtischcontainer.

Welche festen Orte für die Dinge passen nun?

Ein minimalistischer Lebensstil macht beim Finden des festen Ortes für die Dinge mal wieder besonders viel Sinn. Weniger Dinge zu besitzen ermöglicht mehr Flexibilität, das Auf- und Umräumen ist einfacher und schneller. Mir ermöglicht es, auch so etwas Gewöhnliches, wie das Anordnen und Verstauen von Dingen achtsamer zu gestalten und gezielt zu experimentieren. Ich beobachte derzeit meine Alltagsabläufe genauer und schaue, welche Dinge ich häufig nutze und welche selten. Das, was ich selten benötige, kommt ganz nach oben oder nach unten ins Regal, häufig genutzte Dinge befinden sich in bequemer Greifhöhe. Weniger Dinge als der Durchschnitts-Europäer zu besitzen, bedeutet nicht, dass mir Dinge egal sind. Im Gegenteil. So habe ich zwar nicht übermäßig viel Kleidung, aber jedes einzelne Bekleidungsstück bedeutet mir etwas und es ist mir wichtig, dass die Kleidung zusätzlich staubgeschützt ist. Daher habe ich den überwiegenden Teil der Bekleidung inzwischen in einigen Kisten verstaut. Für die restliche Bekleidung werde ich dies auch noch umsetzen. Immer wieder wandert noch das ein oder andere Ding von einem Regalfach ins nächste. Ich probiere aus, ich spüre hin, welcher feste Ort für die Dinge passend ist und welcher nicht. Hätte ich eine große Menge an Besitztümern, wäre dies viel mühsamer und aufwändiger. So, wie es jetzt ist, ist es eher spielerisch und experimentell. Es macht einfach auch Spaß. Genau dies ist ein Teil der Einfachheit, die den minimalistischen Lebensstil so interessant und lebenswert machen, nachdem die überflüssigen Dinge endlich entrümpelt sind.

Wo haben Minimalisten eigentlich ihren „unfotogenen“ Kram?

Thorsten stellte neulich in einem Kommentar die Frage, wo Minimalisten eigentlich ihre Drucker haben. Die sind auf Fotos nämlich in der Regel nicht zu sehen.  Da steht meistens ein einzelner Laptop auf einem ansonsten leeren Schreibtisch. Stimmt. Es gibt Dinge, die sich auch in einem minimalistischen Haushalt befinden, aber die nunmal nicht so fotogen sind und auf einem Bild nicht so schickt aussehen. Zwei Beispiele von mir:

Bei mir stand der Drucker immer in irgendeiner Zimmerecke. Da ich den Drucker aber wirklich nur äußerst selten benötige, ist er inzwischen auch in meinen begehbaren Schrank gewandert.

Blick auf das 2,26m hohe Holzregal in einer Abstellkammer. Im zweituntersten Regalfach links steht ein Drucker. Der Drucker ist mit einem Pfeil markiert.

Die wenige Male im Jahr kann ich ihn auch eben hervorkramen. Das stört mich weniger, als das Teil ständig im Zimmer herumstehen zu haben. Ich habe genau gesagt einen Monochrom-Laserdrucker mit Scan- und Kopierfunktion. Das Teil hält und hält und hält. Gäbe es den Drucker nicht, würde sich ein neues Gerät nicht mehr für mich lohnen. Die paar Ausdrucke könnte ich dann auch in einem Copyshop machen. Aber da ich das Gerät habe, nutze ich es halt – wenn auch selten.

Noch nicht alles hat übrigens einen guten Ort gefunden. Da ich mein Futon tagsüber aufrolle, muss irgendwo das Bettzeug hin. Derzeit lagert es noch nach dem Auslüften aufgerollt auf der Wäschekiste. Irgendwo muss halt auch diese Variante von unfotogenem Zeugs hin.

 Blick Richtung Tür. Links vorne ist ansatzweise das Futon zu sehen. Dann ein Schreibtischcontainer. Daneben einen Holzwäschekiste mit Bettzeug drauf. Dann folgt die Tür. Rechts von der Tür ein Klappfuton und ansatzweise ein Sofa.

Ansonsten sieht es in meinem Wohn-Schlafraum jetzt so aus:

Wohnzimmer. Blick von der Tür aus Richtung Fenster. Links ein Sofa, am Fenster ein kleiner eckiger Tisch mit Stuhl. Rechts das Futon und der Berliner Hocker

Das Sofa ist neu hinzugekommen. Es stammt vom Fairkaufhof Dortmund. Im Fairkaufhof werden neben den üblichen Gebrauchtmöbeln von Privatleuten, auch Spenden der umliegenden Möbelhäuser verkauft, die zwar gut erhalten und oft noch neu sind, aber dort nicht mehr verkauft wurden. So landen die Möbelstücke nicht auf dem Müll, sondern werden weiter verkauft. Manchmal sind wirkliche Schnäppchen dabei, so wie mein Sofa. Neuwertig, stabil, gutes Polster für 150€ mit Lieferung an den Aufstellort. Gleichzeitig erhalten einige zuvor arbeitslose Menschen, eine neue Qualifizierungs- und Beschäftigungsmöglichkeit. Ein Gewinn für Mensch und Umwelt. Das habe ich doch gerne unterstützt.