Arbeitszeit reduzieren – Finanzen optimieren

Arbeitszeit reduzieren – ein Wunsch und ein Traum vieler Menschen. Doch wie lässt sich so etwas finanzieren?

Meine Arbeitszeitreduzierung

Es war irgendwann 2004 oder 2005 als ich erstmals meine Arbeitszeit reduziert habe, erst 80%, später 70%, seit einigen Jahren auf 50%.  Auch wenn ich meine Arbeit mag, sie belastet natürlich auch im Laufe der Jahrzehnte und jünger werde ich auch nicht. In der Sozialen Arbeit kann und will ich aber auch nicht meinen Job „irgendwie“ machen. Insbesondere in Zeiten zunehmender Arbeitsverdichtung ist dies ein Problem. Was also tun?

Wer als Erzieherin oder Sozialpädagogin arbeitet, kann in der Regel mal kleinere, aber keine größeren Rücklagen ansparen. Ich erinnere mich noch, als ich vor vielen Jahren in einem Gespräch feststellte, dass eine Sonderschullehrerin genau das Geld netto zur Verfügung hatte, welches ich zu diesem Zeitpunkt brutto verdiente – mit meinen damals Schicht- und Wochenenddiensten in Vollzeit. Dann auch noch Arbeitszeit reduzieren? Wie soll das funktionieren?

Finanzen optimieren

Arbeitszeit reduzieren geht. Es geht sogar recht gut. Natürlich hat dies Grenzen. Wer beispielsweise zum Mindestlohn arbeitet, hat da sehr viel engere Grenzen und leider in den seltensten Fällen überhaupt diese Möglichkeit. Aber selbst dann, wenn man als z.B. Sozialpädagogin keine so hohen Verdienste hat, ist einiges möglich. Allerdings ist es wichtig, systematischer und strukturierter mit den eigenen Finanzen umzugehen. Wie in früheren Beiträgen bereits erwähnt, führe ich seit über 20 Jahren ein Haushaltsbuch. Die Gründlichkeit dieses Haushaltsbuches variiert, aber immer enthalten sind neben den Einnahmen die festen Ausgaben, also die Kosten, die regelmäßig anfallen. Das bietet die Möglichkeit, wesentliche, regelmäßige Kostentreiber herauszufinden. Einige Beispiele:

Kostentreiber reduzieren

Auto
Ein Auto ist teuer. Nicht nur Anschaffung, sondern auch der Unterhalt. Wirklich alle(!) Kosten berücksichtigt, kostete mich ein Kleinwagen mit günstiger Versicherung immer mindestens 350€ im Monat. Inzwischen wohne und arbeite ich so, dass ich kein Auto mehr benötige. Die meisten Wege kann ich zu Fuß erledigen. Für den Rest gibt es den ÖPNV, in seltenen Fällen nutze ich einen Autoverleih.

Langfristige Verträge
Ich bemühe mich, möglichst auf langfristige Verträge zu verzichten und somit unabhängiger zu sein. Ich kann so viel eher überprüfen und verändern, ob und was ich jeweils brauche. Auf diese Weise habe ich mehr Geld für die Dinge zur Verfügung, die mir wirklich wichtig sind. Ich brauche keinen Handyvertrag und habe nur die nötigsten Versicherungen mit kurzen Laufzeiten. Selbst Strom und Gas bei einer Genossenschaft für Ökoenergie könnte ich schnell wechseln. Der Internetvertrag ist seit längerem gekündigt. Auch hier möchte ich auf kurze Laufzeiten wechseln. Statt Vertrag im Fitnessstudio, bewege ich mich lieber viel zu Fuß und habe so ausreichend Bewegung. Die ganzen Unterhaltungsabos, die es heute im Internet gibt, brauche ich nicht, auch ein Zeitschriften-Abo ist für mich gut verzichtbar.

Unterhaltungselektronik
Unterhaltungselektronik kann teuer werden, insbesondere, wenn man ständig die neuesten Geräte möchte. Wozu riesengroße TV-Bildschirme? Ich habe weder ein TV-Gerät, noch eine Stereoanlage. Ich brauche es einfach nicht und nutze den ca. 6 Jahre alten, gebraucht gekauften Laptop als Multifunktionsgerät. Es geht vieles auch ganz anders, einfacher und kostengünstiger. Jahrzehntelang bin ich beispielsweise prima mit einem einfachen Fernseher mit 3 Programmen ausgekommen und den besaß ich auch nicht durchgängig, sondern nur phasenweise. Bis zu meinem 25. Lebensjahr hatte ich nicht einmal ein eigenes Telefon, sondern bin zur Telefonzelle gegangen. Vereinsamt bin ich da auch nicht, ich musste mich nur anders organisieren. Heute reicht mir das Prepaidhandy, der Laptop und die Internet-Mediatheken der Fernsehsender, gelegentlich darf es auch Youtube sein. Damit habe ich bereits ein sehr viel bequemeres und komfortableres Leben, als es früher für mich vorstellbar gewesen wäre. Wer auf das neueste Smartphone verzichtet, kann ebenfalls eine Menge Geld sparen. Es gibt viele gut erhaltene Smartphones, sogar mit Garantie. Wer dies nutzt, tut auch der Umwelt etwas Gutes.

Wohnen
Auch im Ruhrgebiet ist das Wohnen teurer geworden, aber nicht in einem solch extremen Ausmaß wie Hamburg, München oder Berlin. Solch hohe Mieten wären für mich immer ein Grund, Wohn- und Arbeitsort zu wechseln. Dann habe ich auch eine eher kleinere Wohnung mit Wohnküche und Wohn-Schlafraum. Wobei ich erwähnen möchte, dass 41,72 qm (einschl. Balkon) für eine Person eigentlich nicht klein ist – unsere Wohnansprüche sind lediglich gestiegen. Früher wohnten ganze Familien auf einer solchen Fläche.

Minimalismus als Lebensstil ermöglicht zudem, in für heutige Verhältnisse eher kleinen Wohnungen noch großzügig zu wohnen. Ich brauche weder Kleiderschrank, noch Wohnzimmervitrine. Es gibt lediglich 3 Küchenunterschränke (einschl. Spüle), einen Schreibtischcontainer und einen 1qm großen Abstellraum mit Regal. Im Keller befinden sich dann noch zwei Farbeimer und einiges Renovierungszeugs. Damit habe ich alle meine Besitztümer verstaut. So etwas schafft Platz.

Bildausschnitt Küche mit Unterschränken: Spüle, 60er und 40er Schrank und einigen Küchenuntensilien auf der Arbeitsplatte Foto eines Schreibtischcontainers mit 3 Schubladen Fotoausschnitt: Ivarregal mit verschiedenen Kisten

Urlaub
Urlaub ist ebenfalls ein Kostentreiber. Heute scheint es fast schon Standard zu sein, dass man sich im Urlaub in ein Flugzeug setzt und irgendwo hinfliegt. Dies ist nicht nur ein ökologisches CO2-Desaster, sondern auch teuer und für An- und Abreise geht viel Zeit verloren. Meine schönsten und erholsamsten Urlaube hatte ich an Nord- oder Ostsee, bei Wanderungen in den hiesigen Mittelgebirgen und auf Balkonien.

Wir bezahlen Dinge nicht mit Geld, sondern mit unserer Lebenszeit

Es gibt viele Strellschrauben, an denen wir drehen können. Natürlich ist dies je nach Lebens- und Arbeitssituation unterschiedlich. Immer aber können wir uns bewusst machen, dass wir die Dinge nicht mit Geld, sondern mit der Lebenszeit bezahlen, die wir zum Geldverdienen brauchen, um uns diese Dinge kaufen zu  können.

Jede Minute im Leben gibt es nur einmal. Je älter ich werde, desto bewusster wird mir dies. Zeit ist DER Luxusfaktor, daher macht es Sinn sich zu fragen, wie und mit was ich diese Zeit füllen will – oder eben nicht.

 

Keinen Bock auf Werbung

Hier oder da werde ich immer mal wieder gefragt, warum ich keine Werbung, keine Anzeigen, keine Affiliates und irgendwelche anderen Dinge auf dieser Webseite mache, mit denen sich Geld verdienen lässt. Immer mal wieder erhalte ich auch diverse Anfragen von Unternehmen, ob ich nicht Geld verdienen will, indem ich dann für diese Firmen Werbung mache.

Darüber nachgedacht habe ich, manchmal auch sehr konkret. Schließlich habe ich durch diese Webseite auch gewisse Kosten und nicht unerheblich viel Zeit  investiere ich ebenfalls. Ich könnte alle möglichen Gründe aufführen, warum ich hier trotzdem werbe- und einnahmefrei schreibe. Aber ganz ehrlich:

Ich habe einfach keinen Bock auf Werbung.

Es ist mir zu umständlich. Damit sich Werbung lohnt, müsste ich darüber nachdenken, wie ich die Anzahl der Leser_Innen erhöhen könnte und am Ende auch noch, in welcher Regelmäßigkeit ich schreibe und idealerweise mit exakt der richtigen Menge an Wörtern. Ich habe mir irgendwann mal diese ganzen supergenialen Bloggertipps angeschaut und beschlossen: Nee, will ich nicht! Es gibt einfachere Wege, als ausgerechnet mit einem Blog Geld zu verdienen.

Ok, ich habe den Luxus, dies derzeit auch nicht zwingend zu benötigen. Als Sozialpädagogin bin ich in einer Teilzeitstelle tätig. Dann schreibe ich aktuell auch noch ein Buch, auch dafür erhalte ich Geld. Finanzielle Reichtümer habe ich damit natürlich nicht, aber ich kann meinen Lebensbedarf decken und sogar kleinere Rücklagen ansparen.

Darüber hinaus habe ich die letzten Jahre verstärkt darauf geachtet, dass meine monatlichen Fixkosten überschaubar sind und ich längerfristige Verträge möglichst vermeide. Das entspannt. Seit Mitte der 90er-Jahre führe ich ein Haushaltsbuch und weiß, dass mich ein Auto – einschl. Anschaffung und allen weiteren Kosten – immer rund 350€ im Monat gekostet hat. Das Auto ist lange verkauft. Meine sonstigen Kosten kenne ich auch sehr gut. Ich wohne beispielsweise zentral, kann vieles zu Fuß erledigen, da lohnt sich nicht einmal ein Monatsticket des ÖPNV. Einzeltickets sind inzwischen günstiger für mich. Mein Computer ist ein Gebrauchtgerät, ca. Jahrgang 2012. Das Handy ist ebf. gebraucht und von 2015. Dinge wie Geschirrspüler, Fernseher, Stereoanlage, Kaffeeautomat, irgendwelche Küchen-Zaubermixer brauche ich nicht. Netflix und Co. hatte ich nie. Es gibt also eine ganze Reihe von Bereichen, die ich einfach nicht finanzieren muss. Sollte sich dies einmal ändern (was ich nicht hoffe), werde ich natürlich neu darüber nachdenken müssen. Aber zurzeit brauche ich es nicht zwingend, also lasse ich diesen Werbekram einfach weg.

Der Vorteil für mich ist, dass ich mich so auf Inhalte konzentrieren und einfach das Schreiben kann, was mir aktuell durch den Kopf geht und was mich beschäftigt. Ich plane dies nicht. Das ist ja das Schöne an einem Blog. Es ist Freiheit für mich und meine Art von Luxus. Dieser Luxus macht mir unglaublich viel Spaß.

Übrigens: Nicht jede/r ist in einer solch komfortablen Situation, auch nicht alle Blogger_Innen. D.h., wenn euch Blogs gefallen und die Blogger_Innen brauchen die finanzielle Unterstützung, dann unterstützt sie einfach. Es spricht wirklich überhaupt nichts dagegen, es ist nichts Verwerfliches. Im Gegenteil. Es ist völlig in Ordnung. Ich selbst habe nur einfach keinen Bock auf Werbung und so lange ich mir diesen Luxus leisten kann, werde ich dies auch tun.

 

Minimalismus – vom Luxus, auf Werbung verzichten zu können

Wir sind umgeben von Werbung. Überall Bilder, Video’s, plakative Texte, was wir alles kaufen und konsumieren sollen. Fernseher, Radio, Webseiten, Werbeplakate an U-Bahn-Stationen – nahezu überall ploppt die Botschaft auf „Kauf mich“.

Kosten meiner Webseite – und Werbeanfragen

Auch ich lebe nicht „auf dem Mond“ und hatte schon zig mal Werbeanfragen für meine Webseite. Natürlich habe auch ich mir Gedanken dazu gemacht. Denn das Betreiben einer solchen Webseite kostet natürlich Geld, mein Geld. Aber ehrlich gesagt: Bei den bisherigen Anfragen war bislang noch nichts dabei, was mich auch nur annähernd überzeugt hätte. Die Notwendigkeit, dass ich selbst aktiv werde und auf die Suche gehe, hatte ich bislang zum Glück noch nicht. Weder will ich superteueres, edles Meditationszubehör verkaufen, noch möchte ich Werbung für irgendwelche heilversprechenden Super-Therapien machen. Um irgendwelche Bücher zu empfehlen, müsste ich die erstmal alle lesen. Daran habe ich derzeit einfach keine Lust. Bislang haben mich auch die Schwerhörigen-Handys noch nicht so überzeugt, dass ich sie eindeutig und zu 100% empfehlen würde. Mein Lieblingsbekleidungshersteller hat in letzter Zeit eine zu eingeschränkte Farbauswahl. Und klar, ich liebe Futons. Aber Futons sind auch nicht für jede/n etwas. Je nach gesundheitlicher Verfassung sind sie ein Segen oder ein Desaster. 

Finanzielle Entlastung durch Minimalismus

Minimalismus bringt mich auf andere Finanz-Ideen und ermöglicht es mir bislang sehr gut, die Kosten auf ganz andere Weise gegen zu finanzieren. Einige Beispiele:

 

Kein Pendeln mehr zur Arbeit
Lange Jahre bin ich zur Arbeit gependelt. Zeitweise mit dem Auto, lange Zeit mit dem ÖPNV. Beides kostet. Nicht nur Lebenszeit, sondern auch der Unterhalt des Autos bzw. die Kosten für das ÖPNV-Ticket, dann auch der Zeitvertreib mit hier einem Kaffee und da einer Zeitung. Ich habe vor knapp 5 Jahren den Arbeitsplatz gewechselt, bin letztes Jahr dann noch umgezogen, kann jetzt zur Arbeit laufen und habe so auch gleich mehr Bewegung in meinen Alltag integriert. Die meisten Wege mache ich zu Fuß. Ich brauche inzwischen nicht einmal ein eigenes Monats-Ticket für den ÖPNV. Es würde sich nicht lohnen.

Keine unnötige Technik
Ich bin durchaus technisch interessiert, finde ein Handy sehr bequem und genieße auch mein gebraucht gekauftes Tablet und den Computer. Ich finde, diese Dinge sind schon ein sehr großer Luxus und den genieße ich auch sehr. Ich muss aber deshalb nicht jede/n Kram mit einem technischen Gerät erledigen. Schon gar nicht brauche ich ständig etwas Neues. Mein Computer ist 7 Jahre alt und trotzdem so ein Multifunktionsgerät, dass er mir bequem alle anderen elektronischen Unterhaltungs-Geräte, wie TV-Gerät, Stereoanlage, DVD-Player etc., ersetzt.
Der Kaffee schmeckt handgemacht eigentlich sogar noch besser, als mit einer Kaffeemaschine. Er ist nämlich handgemacht viel heißer, was ich liebe. Dagegen erscheint mein Milchaufschäumer wie der pure Luxus. Er ist auch Luxus. Auch diesen Luxus genieße ich und gönne ihn mir. Ansonsten erspare ich mir eine technisch hochgerüstete Küche. Ich kann Eier nämlich auch noch ohne Eierkocher kochen und mir durchaus ein Essen ohne Zauber-Küchenmaschine zubereiten. Ich weiß nämlich noch, wie so etwas geht 😉 . Ich gehöre dann ohnehin nicht zu den leidenschaftlichen Köchinnen und beim Kochen ersetzt mir das geöffnete Fenster daher bequem die Dunstabzugshaube. Mein Stromverbrauch liegt derzeit bei 640 kwh/Jahr. Dadurch alleine lässt sich diese Webseite schon gut gegen finanzieren.

 

Minimalistische Wohnung
Die Wohnkosten sind gestiegen, nicht nur die Kaltmiete, auch die Nebenkosten. Natürlich habe auch ich mit diesem Thema zutun, ich habe lediglich das Glück, nicht in so einer teuren Miet-Metropole wie Berlin, Hamburg oder München zu wohnen, sondern im Ruhrgebiet. Auch da ist das Wohnen teurer geworden, aber die Preise sind nicht so extrem explodiert, wie in den anderen erwähnten Städten.
Es ist aber auch eine Frage des persönlichen Wohnanspruchs. Ich wohne derzeit auf 35qm, käme aber auch mit 10qm weniger aus. Mich interessiert nicht die große Schrankwand im Wohnzimmer, meine Bekleidung passt in einen 50cm-Schrank, mein Futon rolle ich zur Seite, ich lese ohnehin nur E-Books und sollte ich mir je ein Sofa kaufen, wird es garantiert nur ein(!) Sofa und nicht eine große Sofalandschaft. Wohnfläche für den großen Unterhaltungs-Technik-Park brauche ich ja auch nicht.

 

Verzicht auf Abo’s …
Es gibt tausende Möglichkeiten, irgendein Abo oder längerfristige Verträge abzuschließen. Aber ich brauche weder Netflix, noch Handyvertrag. Beim Internet Zuhause nutze ich die kleinste Leitung, die mir für knapp 20€ immer noch 10 Mbit/s Download und 1 MBit/s Upload ermöglicht. Einen Festnetz-Telefonanschluss brauche ich nicht. Eine schnellere Internet-Leitung gabs mal im Angebot, ich habe sie getestet, so viel besser war sie aber nicht. Also habe ich sie wieder abgeschafft.  Der höhere Preis hätte die bessere Leistung nicht gerechtfertigt. Ich komme auch so prima klar.

 

Lebensqualität

Aktuell komme ich mit dieser Variante der Gegenfinanzierung gut zurecht. Sie bietet mir eine Menge Lebensqualität. Ich habe dadurch keine Druck, mit Werbung Geld zu verdienen. Ich genieße es, bin mir aber auch bewusst, dass nicht alle Blogger sich diesen Luxus leisten können. Ich selbst weiß letztlich auch nicht, ob ich mal selbst in eine Situation komme, wo ich meine Haltung neu überdenken muss. Derzeit funktioniert es aber noch so und ich bin damit sehr zufrieden. Es ist mir sehr bewusst und ich freue mich, dass mir u.a. ein minimalistischer Lebensstil, diese äußerst luxuriöse Situation und dieses Stück Freiheit ermöglicht hat. Mir gefällt es natürlich auch, dass ich auf diese Weise, Ihnen und Euch, liebe Leser_Innen den Luxus eines werbefreien Lesens ermöglichen kann. 

Minimalismus – Reichtum – Armut

Minimalismus wird gelegentlich als ein Ausdruck einer übersättigten Gesellschaft beschrieben, aber auch, dass finanziell und beruflich unsichere Lebensbedingungen dabei eine Rolle spielen.

Aber was ist Minimalismus denn jetzt: Armut? Reichtum? Luxus?

 

Minimalismus und Freiwilligkeit

Ich möchte mich jetzt nicht mit Definitionen, Durchschnittseinkommen, Armutsgrenze etc. beschäftigen. Dies würde an dieser Stelle zu weit führen. Aber ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Minimalismus und Armut sehe ich in der Freiwilligkeit.

Dazu ein Beispiel: Als ich Mitte der 90er-Jahre nach rd. 12 Jahren Vollzeittätigkeit nochmal studiert und von Bafög gelebt habe, hatte ich wenig Geld, aber Armut war dies für mich nicht. Es war ein freiwilliger und zeitlich befristeter Zeitraum, in dem ich mich neu beruflich orientiert habe. Das war mitunter schwierig, aber ich hatte keinen Zwang, ich befand mich auch nicht in einer ausweglosen Situation.

 

Finanzielle Armut als ein absolutes und relatives Erlebnis

Erlebe ich Kinder, die in finanzieller Armut aufwachsen, dann wird deutlich, dass diese nicht das Bewusstsein für einen vorübergehenden Zeitrahmen haben können. Sie wachsen damit auf, dass es immer an allen Ecken fehlt, sie immer wieder auf alles Mögliche verzichten müssen. Armut kann dann zu einem existenziellen, absoluten und bedrückendem Erlebnis werden. Aber auch solche Armut ist gelegentlich relativ. Denn bereits in den 80er-Jahren erlebte ich Fälle, wo Kinder 2 Wochen immer die gleiche kaputte und ungewaschene Kleidung trugen, weil uns die Eltern sagten, es sei kein Geld dafür da. Als wir dann die Familie einmal Zuhause besuchten, war klar WARUM kein Geld da war. Denn direkt beim Betreten der Wohnung fiel der erste Blick u.a. auf den zentral positionierten und damals noch sündhaft teuren VHS-Videorekorder von über 2000 DM. Umgekehrt kenne ich aber auch sehr viele Eltern und Großeltern, die für ihre Kinder bzw. Enkel auf viele finanzielle Annehmlichkeiten und eigenem Komfort verzichten, so dass ich diese durchaus schonmal daran erinnert habe, sich doch auch ab und an selbst mal etwas zu gönnen.

 

Finanzieller Reichtum – und trotzdem arm

Armut erlebte ich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten aber auch in den sogenannten gut ausgestatteten Verhältnissen – nur es war dann eine ganz andere Armut: Finanziell war alles da und der vorhandene Luxus durchaus manchmal beeindruckend. Die Kinder hatten alle erdenkliche Ausstattung, aber eins fehlte ihnen: die Zeit der Eltern, die für diese finanzielle Ausstattung oft sehr viel arbeiteten. Oder den Kindern fehlte die freie Zeit für sich, weil sie gut gefördert, aber z.T. auch unter erheblichem Leistungsdruck stehend, täglich von einem Kurs zum nächsten gefahren wurden. Diese Kinder waren arm an Gelegenheiten für freies Spielen, arm an ungezwungenen Treffen mit Freunden, arm daran, dem Alter entsprechend, auch mal ohne Aufsicht von irgendeinem Erwachsenen zu sein.

 

Der wirkliche Reichtum des Minimalismus

Wieviele finanzielle Möglichkeiten und Reserven bei minimalistisch lebenden Menschen da sind, ist sehr unterschiedlich. So lange diese Menschen sich nicht in einer ausweglosen Situation befinden und nicht zu einem minimalistischen Lebensstil gezwungen sind, scheint dies nach meinen bisherigem Eindruck nicht wirklich relevant und vorrangig zu sein. Minimalismus ist eher durch die damit verbundene Freiheit der Entscheidung gekennzeichnet. Die freiwillige Entscheidung dazu, dem Druck des Konsumierens nicht mehr unreflektiert nachgeben zu wollen und die Erkenntnis, dass es  noch sehr viel mehr gibt, als der endlosen Konsumspirale hinterher zu hecheln.

Der Reichtum des Minimalismus ist ein anderer. Zeit ist der neue Luxus. Zeit für zwischenmenschliche Begegnungen und Austausch, Zeit und Raum für Kreativität, Phantasie. Zeit für Lebensentwürfe und Zeit dafür, sich Gedanken darüber zu machen, wie eine Gesellschaft aussehen kann, die mit ihrem „schneller-weiter-höher“ an Grenzen gekommen ist und lebenswerte Alternativen benötigt.

 

 

Konsumfallen erkennen – Was zieht mir das Geld aus der Tasche?

Doch wieder unnötig einkauft?

Wer von uns kennt das nicht? Irgendwie doch wieder etwas gekauft, was eigentlich nicht hätte sein müssen. Doch wieder in die Konsumfalle getappt. Auch wer seinen Alltag achtsam gestaltet und einen minimalistischen Lebensstil hat, kann in diese Falle geraten.

Neulich hat nicht viel gefehlt, da wäre ich mitten hinein getappt in die Konsumfalle und hätte ich mir fast ein neues (gebrauchtes) Laptop gekauft. Wären nicht meine Umzugsvorbereitungen gewesen und damit wenig Zeit und auch nicht unbedingt das Geld, mich jetzt auch noch um ein anderes Laptop zu kümmern, hätte ich mir wohl tatsächlich ein neues Gerät gekauft. Aus jetziger Sicht wäre es schade gewesen, denn inzwischen läuft mein alter Laptop dank neuem Netzkabel und ersetzter fehlender Taste wieder gut. Meine Konsumfalle war meine Ungeduld mit dem zwischenzeitlich „zickenden“ alten Gerät, mein Ärger darüber, dass der Laptop nicht mehr perfekt lief und ich überhaupt Geld investieren musste. Letztlich war es aber auch meine digitale und technische Neugier, wie ich mit einem anderen Gerät und anderen Betriebssystem so klar komme. Eine Konsumfalle wäre der Neukauf eines Gerätes deshalb gewesen, weil ich nicht wirklichen Druck hatte, ein sehr gutes und perfekt laufendes Gerät zu besitzen. Meine komplette Datensicherung passt locker auf einen USB-Stick. Ich nutze den Laptop überwiegend nur zum Schreiben, ab und an Tabellen, manchmal einige Fotos, selten Musik, dann kommen noch Internet und Emails hinzu. So viel ist das nicht, kein Multimedia, keine aufwändigen Dateien oder Prozesse, schon gar nicht programmiere ich irgendwas. Eine komfortable digitale Schreibmaschine mit Internetanschluss und gelegentlich in kleinerem Umfang Fotos oder Musik – das reicht eigentlich.

Natürlich hat jede/r andere Bereiche, in denen er oder sie schwach wird. Einige können kaum an einem Schuhgeschäft vorbei gehen, andere liebäugeln mit dem neuesten Smartphone, denken über das neue Sportgerät nach und vieles mehr. Auch die ganz persönlichen Gründe, weshalb die Konsumfalle zuschnappt, sind sehr unterschiedlich. Es gibt die berühmten Stress- und Frustkäufe, den Belohnungskauf, Gewohnheiten, soziale Zugehörigkeiten, usw. usw. – Die EC-Karte ist schnell gezückt, das Geld mindestens ebenso schnell vom Konto gebucht und irgendwann taucht es auf, dieses flaue Gefühl, dass dieser oder jener Kauf doch eigentlich nicht hätte sein müssen, das neue Teil doch nicht die erwarteten Verbesserungen bietet oder der Kontostand ins Wanken geraten ist. Aber sich nur darüber ärgern bringt nicht viel.

Konsumfallen konstruktiv nutzen

Wenn schon in die Konsumfalle gelaufen, dann lässt sich dieser Umstand auch konstruktiv nutzen. Wir können genau hinschauen, was da eigentlich genau passiert ist, in welcher Situation wir uns befunden haben, wie wir uns gefühlt haben und was vielleicht vorher gewesen ist. Nachfolgend einige Fragen, die helfen können, einen persönlich konstruktiven Umgang mit den großen und kleinen Konsumfallen zu finden:

 

  1. Gibt es vergleichbare Dinge, die mich immer wieder besonders ansprechen?
  2. Gibt es vergleichbare Situationen, in denen ich immer wieder „schwach“ werde?
  3. Welche Sinne waren vor dem Kauf besonders aktiv? (z.B. besondere Gerüche, Sehen von schönen Dingen)
  4. Was ist vor dem Kauf passiert?
  5. Welche Hoffnungen, Träume, Wünsche verbinde ich mit dem Produkt?
  6. Möchte ich mit dem Produkt „dazu gehören“? Wenn ja zum wem? Suche ich Anerkennung, Bewunderung, Aufmerksamkeit?
  7. In welcher Stimmung habe ich mich vor und beim Kauf befunden? Wollte ich mich mit dem Kauf trösten, Frust abbauen, belohnen, unangenehme Gefühle verdrängen, Langweile übertünchen?
  8. Erkenne ich Konsum-Ersatzhandlungen bei mir? (z.B. Ausgleich für stressigen Tag, Ärger mit Familie,…)
  9. Was könnte mir statt dessen wirklich helfen? 
  10. Was hätte ich wirklich gebraucht? Dieses Ding oder vielleicht etwas ganz anderes?

Diese Tipps sind auch als PDF-Datei zum Download erhältlich: Konsumfallen konstruktiv nutzen – Download

 


 

Die Achtsamkeits-Treppe – die 6 Stufen des achtsamen Konsumierens

Was will und brauche ich wirklich? Gerade vor größeren Einkäufen, aber auch bei den täglichen kleinen „Konsumfallen“ stellt sich diese Frage. Um Fehlentscheidungen und später bereute Spontankäufe zu vermeiden, habe ich eine kleine Achtsamkeits-Treppe für das achtsame Konsumieren entwickelt – geeignet gerade mitten im Einkaufszentrum, vor dem nächsten unbedachten Klick im Internet-Shop.  Hierzu ein Link, um diese Achtsamkeits-Treppe (PDF-Datei) herunter laden zu können.

 

Bild von beschrifteten Stufen, angeordnet wie eine Treppe.

Link: Die Achtsamkeits-Treppe, PDF-Download

Anleitung: Insbesondere vor größeren Käufen, aber auch bei den täglichen kleinen „Konsumfallen“, können Sie diese Achtsamkeits-Treppe nutzen, um zu einer bewussten Entscheidung zu kommen und mögliche Fehlentscheidungen und Spontankäufe zu vermeiden.

 

 

 

 

 

Minimalismus und Finanzen – Ideen zur Vereinfachung

Wie minimalisiere ich den Aufwand für meine Finanzplanung und wie behalte ich trotzdem eine Übersicht?

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Ideen und Anregungen im Umgang mit Finanzen. Obwohl ich bereits seit den 90er-Jahren ein Haushaltsbuch führe, beschäftigt mich immer wieder die Frage, wie sich dieser ganze Bereich noch weiter vereinfachen und minimalisieren lässt. Mein Ziel: mit wenig Aufwand möglichst viel Überblick haben.

Bei allem, was ich an Ideen habe, ist mir natürlich klar: So, wie die persönliche und wirtschaftlich-finanzielle Situation bei jede/m anders sind, ist vermutlich auch der Bedarf nach Übersicht immer ein wenig anders. Daher gibt es wohl auch so viele unterschiedliche Arten und Weisen, die Übersicht über die eigene persönliche Finanzplanung zu behalten. Hier meine Erfahrungen und Optimierungen auf der Suche nach einer noch besseren und einfacheren minimalistischen Finanzplanung. Vielleicht ist ja auch die ein oder andere Anregungen dabei:

1. Bewährt: Haushaltsbuch – die Jahresübersicht

Bewährt hat sich meine Tabellenkalkulation, mit der ich eine Ein- und Ausgabenübersicht für das ganze Jahr erstelle. Von Januar bis Dezember sind dort neben den Einnahmen, auch alle anstehenden, festen Ausgaben (Miete, Versicherungen, etc.) aufgelistet. Auf diese Weise sehe ich, wieviel Geld ich dann noch für die weiteren, sog. beweglichen monatlichen Ausgaben zur Verfügung habe. Durch eine solche Tabellenübersicht entsteht zusätzlich schnell auch Klarheit, wo sich evtl. unnötige Ausgaben ansammeln. Beispielsweise, irgendwelche Abo’s, zu teuere Versicherungen, etc. etc.
Ich habe mich nach einigem Ausprobieren gegen die Verwendung von diversen Apps bzw. Computersoftware und für eine einfache Tabelle entschieden. Fertige Apps haben in der Regel bereits Vorgaben, Einteilungen, ich muss diese – sofern möglich – erst ändern, im ungünstigsten Fall die Software überhaupt erst kaufen. Ich hatte schlichtweg keine Lust, mich damit intensiv zu befassen. Letztlich erfüllt eine simple Tabellenkalkulation den gleichen Zweck für mich und ich kann dort alles Überflüssige gleich weglassen. Genau genommen würde auch ein Notizbuch und Bleistift, sowie Kenntnisse in den Grundrechenarten ausreichen. Auf einem Blatt Papier bzw. in einer Tabelle werden die Monate von Januar bis Dezember notiert, dann die Einnahmen in den jeweiligen Monaten und danach alle festen, regelmäßig wiederkehrende Kosten. Das sind z.B. Miete, Versicherungen, usw.. Dann: Einnahmen – feste Ausgaben = verfügbares Guthaben für die beweglichen Kosten (also, die Ausgaben, die in unterschiedlicher Höhe anfallen, wie Lebensmittel, Freizeit, usw.).

2. Den Ausgaben – „Kleinkram“ vereinfachen

Ab und an habe ich dann auch immer wieder bei den sog. beweglichen, also veränderlichen Ausgaben wirklich auf den Cent genau hingeschaut und alles aufgeschrieben, was anstand. Dies ist jedoch recht mühsam, daher mache ich dies auch nicht regelmäßig. Im Laufe der Zeit haben sich aber Erfahrungswerte heraus gebildet. Nur, irgendwann stimmen die dann nicht mehr. Also habe ich überlegt, was ich tun kann und wie ich die Finanzen weiter vereinfachen kann:

Vereinfachungs-Idee: Budgets

Budget nach Art der Ausgaben:
Einige Ideen zur Vereinfachung und Übersicht fand ich bei Daniel Siewert von schlichtheit.com: Daniel hat vor einiger Zeit einmal ein E-Book geschrieben mit dem Titel „Finanzen für Minimalisten“ (die Neuauflage hier: Geld oder Leben?: Ein alternativer Umgang mit Geld, nicht nur für Minimalisten). Hilfreich fand ich dort die Idee insbesondere, ein Budget für die täglichen kleineren Barausgaben zu nutzen. Ob ich dafür eine extra Geldbörse nutze oder mir die Kosten in einen Notizblock oder ein Smartphone-App notiere, ist eine Sache des persönlichen Geschmacks.

Budget nach Prozenten und Art der Ausgaben:
Ähnliches habe ich in dem Buch v. Leo Babauta/Sina Jasur „Mehr Geld. Eine praktische Anleitung für den Alltag“ gefunden. Auch dort fand ich diese folgende Idee der Budgets wieder, z.B. die 60-10-10-10-10 – Regel:
60%   für alle monatlichen Kosten für Wohnen, Essen, Internet, Versicherungen, usw. usw.
10%   Rücklage für Vorsorge – Rente
10%   langfristiger Sparplan (oder Schuldenabbau)
10%   kurzfristige Rücklagen (für Reparaturen, Instandhaltung, Auto-Inspektion etc.)
10%   Spaßgeld, „was immer du willst“

Das Haushalts-Girokonto – (eine Idee vorrangig für Familien, Paare und WG’s):
Wer nicht alleine wohnt, kann neben dem eigenen normalen Girokonto, ein weiteres (kostenloses) Girokonto auf Guthabenbasis für den Haushalt anlegen. Also für all die Kosten, die gemeinsam entstehen und getragen werden. Das kann die Miete, Energie, Internet, Rundfunkgebühr sein, evtl. auch gemeinsam gekaufte Lebensmittel, usw.. Dort wird dann regelmäßig eine feste Summe überwiesen, von der diese Kosten dann bezahlt werden. Sinnvollerweise sollte auch hierfür eine Haushaltsbuch bestehen.

Budget nach Art und Zeitpunkt der Ausgaben:
Praktikabel und übersichtlich für mich ist es, nach Ausgabengruppen und der Zeit zu schauen, wann ich was ausgebe bzw. wann etwas vom Konto gebucht wird. Dadurch habe ich im Wesentlichen nur drei 3 Budget-Gruppen:

  1. Budget für Ausgaben am Monatsende: (bei Eintreffen des Gehaltes):
    Überweisung Haushaltsgeld. Ich hebe für mich das persönliche Taschengeld für den nächsten Monat von der Bank ab. Dieses persönliche Taschengeld halte ich dann in der Regel nicht in einem Haushaltsbuch fest. Ich gönne mir hier, einfach damit auszukommen – egal für was, Hauptsache, es passt bis zum Monatsende. Es ist das, was Leo Babauta „Spaßgeld“ nennt (ein klasse Begriff).
  2. Budget für regelmäßige Ausgaben im Monatsverlauf: Bei mir sind dies derzeit nur 2 Abbuchungen zum 1. jeden Monats: das ÖPNV-Ticket, sowie eine Spende für mein-grundeinkommen.de
  3. Budget für wechselnde Ausgaben im Monatsverlauf : Dies sind Kosten, die in unterschiedlicher oder gleicher Höhe und zu wechselnden Zeitpunkten im Monatsverlauf anstehen, wie z.B. evtl. weitere Fahrkarten, Kosten für Gesundheit, persönliche Anschaffungen oder die Prepaid-Aufladung fürs Handy.

Die Budgethöhe habe ich nach meinen durchschnittlichem Erfahrungswert gewählt. Bleibt am Monatsende dann noch Geld übrig, nutze ich dies, um z.B. meine Prepaidkarte fürs Handy genau zu diesem Zeitpunkt aufzuladen (was mein Budget der nächsten Monate entlastet) oder das übrig gebliebene Geld wandert aufs Tagesgeldkonto als kurzfristige Rücklage, für Ausgaben, die evtl. oder auch konkret absehbar in den nächsten Wochen oder Monaten anstehen.

3. Übersicht behalten

Natürlich gibt es ganz unterschiedliche Wege, die Übersicht zu behalten. Ich bevorzuge es, immer die jeweils einfachste Lösung für mich heraus zu finden. Am einfachsten ist es für mich, wenn ich Taschengeld bar ausgebe, die anderen Kosten erfolgen ohnehin in der Regel per Überweisung, in Einzelfällen auch mit Kartenzahlung. Diese Ausgaben sind auf dem Girokonto als Ausgabenposten zu sehen, so dass ich sie nicht kleinlich in einem Notizbuch oder Smartphone-App erfassen muss.

4. Vorteile für mich:

  • Ich habe eine schnellere Übersicht, indem es eigentlich nur 3 Budget-Gruppen sind und ich nicht eine lange Liste unterschiedlichster Einzeldinge erfassen muss.
  • Dadurch, dass ich Taschengeld wirklich nur als Taschengeld nutze, verhindere ich, dass ich in schleichende Ausgaben hinein gerate, mir andererseits aber auch spontan etwas gönnen kann – Spaßgeld halt.
  • Hier ein T-Shirt, dort ein Buch oder Smartphone-Zubehör – all das möchte ich nicht unüberlegt und spontan, sondern gezielt und bewusst überlegt. Solche Dinge habe ich daher in meine Budgetgruppe 2 für wechselnde Ausgaben verschoben – was bedeutet: Ich schaue erstmal zu Hause auf mein Konto, meine Haushaltstabelle und entscheide dann, welche Ausgaben ich wirklich will und brauche.

5. Meine Erfahrungen:

  • Was ich bereits jetzt deutlich spüre, ist eine deutliche Entlastung dadurch, dass ich jetzt noch schneller überblicke, in welchen Bereichen eigentlich das Geld so bleibt bzw. verschwindet.
  • Die 60-10-10-10-10 – Regel von Leo Babauta ist klasse, passt bei mir aber nicht.  Mein Anteil für die allgemeinen Ausgaben liegt bei einer eher sparsamen Lebensführung bei locker mindestens 80% – allerdings arbeite ich auch als Sozialpädagogin in Teilzeit.
  • Die finanziellen bzw. wirtschaftlichen Realitäten sind bei jede/m ein wenig anders. Auch bei mir ändert sich dies immer wieder. Das ist normal, nicht tragisch. Eine einfache Übersicht kann ich trotzdem haben.
  • Für Familien, Paare, WG’s ist ein gemeinsames Haushalts-Girokonto eine deutliche Entlastung, da alle gemeinsamen Kosten und wichtigen Kosten, wie Wohnen, Energie und Lebensmittel dort gebucht werden können. Die Übersicht über die restlichen persönlichen Kosten wird so nochmal deutlich einfacher.
  • Es lohnt sich, sich ab und an einfach mal intensiver Gedanken um die eigenen minimalistische Finanzgestaltung zu machen und anschließend in diesem Bereich weniger Arbeit und mehr Übersicht zu haben.

6. Weiterführende Links:

 

 

Minimalismus: Die 5 W-Fragen des achtsamen Konsumierens

Doch wieder neu gekauft…?

Wohnung, Kleiderschrank und den eigenen elektronischen Technikfuhrpark zu entrümpeln, kann sehr befreiend sein, aber wie schaffe ich es, mir im Laufe der Zeit nicht wieder alles mögliche Zeugs in die Wohnung zu stellen? Bei genauer Betrachtung nutze ich viele von diesen Dingen nach einer gewissen Zeit nicht mehr. Beim Minimalismus als Lebensstil ist das Entrümpeln ebenfalls nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, nicht wieder die eigenen, alten Kaufgewohnheiten zu verfallen. Aber das ist auch manchmal leichter gesagt, als getan. Manchmal sind es spontane Kaufimpulse, ein tolles Sonderangebot, Freunde oder Kollegen schwärmen von diesem oder jenem.

Von mir selbst kenne ich z.B. die Belohnungs- und Frustkäufe. Irgendwas war vielleicht schwierig, stressig, nervig und dann entdecke ich auf dem Nachhauseweg irgendwas, was mir Erleichterung verspricht. So war ich beispielsweise durch meine Schwerhörigkeit bedingt, eine zeitlang sehr anfällig für alles, was mir leichteres Hören versprach – ein anderer Kopfhörer, der keine Pieperei bei den Hörgeräten verursacht oder der einen vermeintlich besseren Klang hat oder ein anderes Handymodell oder sonstwas. Mir das Hören beim Telefonieren zu vereinfachen, macht natürlich Sinn, aber besonnener zu sein, mir mehr Zeit zu lassen, gleich in bessere Technik zu investieren, statt Fehlkäufe zu tätigen, wäre schon sinnvoller gewesen.

Inzwischen gelingt mir deutlich besser, wirklich bewusst zu überlegen – gerade auch dann, wenn es schwierig ist. Am oben genannten Beispiel meiner Schwerhörigkeit, geht das Konsumieren auch anders:

Akzeptanz, der nicht zu ändernden Umstände:

Ich muss mit Schwerhörigkeit nicht zwingend genauso viel verstehen, wie normal Hörende, d.h., es darf dann einfach auch mal eingeschränkt sein – wenn es halt so ist.

Alternativen suchen:

  • Ich erinnere mich gelegentlich daran, dass ich jahrzehntelang prima ohne Handy und mobiles Telefonieren klar gekommen bin. Auch bin ich damals nicht ständig in Telefonzellen gerannt.
  • Ich telefoniere möglichst wenig bis gar nicht unterwegs.
  • Wenn es sein muss, schreibe ich eine SMS oder wenn WLAN zur Verfügung steht, eine Chat-Nachricht

Was ist gerade mit mir los?

Durch Achtsamkeit im Alltag wird mir deutlicher, wann ich in der Gefahr bin, Frustkäufe zu tätigen und überlege mir dann, welche Möglichkeiten der aktuellen Frustbewältigung es noch gibt. So habe ich entdeckt, dass mein Nachteil der Schwerhörigkeit auch ein Vorteil ist. Denn ich kann Lärm „dimmen“: Ich schalte die Hörgeräte aus und nehme den Lärm sehr viel gedämpfter wahr – eine Wohltat! Oder einfach den Sonnenschein genießen oder den Feierabend, oder oder…

Kaufgewohnheiten ändern – die 5 W-Fragen

Gerade bei evtl. Spontankäufen, aber auch bei allen geplanten Anschaffungen finde ich die folgenden fünf W-Fragen von Friedhelm und Ruth Schwarz sehr hilfreich. Sie sorgen für ein kurzes Innehalten, gerade auch dann, wenn ich nicht nur über diese Fragen nachdenke, sondern mir auch Zeit nehme, einmal genauer in mich hineinzufühlen:

„Die folgenden fünf W-Fragen werden Ihnen dabei helfen, kostspielige Gewohnheiten zu identifizieren. Die Fragen lauten:

1. Warum will ich es?
2. Warum will ich es jetzt und nicht später?
3. Warum will ich es zu diesem Preis?
4. Warum will ich dies und nicht etwas anderes?
5. Was passiert, wenn ich es nicht bekomme?“

[Quelle: vgl.: Friedhelm und Ruth Schwarz, Warum am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist. Kostspielige Denkfehler und wie man sie vermeidet. Ariston-Verlag, E-Book, Kapitel 4: Wie wir schlechte Gewohnheiten ändern können.]

Achtsamkeit: Mehr klare Gedanken und emotionale Kompetenz

Gerade in der Werbung werden seltener logische Argumente genannt, als viel mehr unsere Sinne, Wünsche, Träume und unterschiedlichste Begehrlichkeiten geweckt. Unabhängig davon, ob ich gerade viel oder wenig Geld zur Verfügung habe, denke ich, dass mehr Achtsamkeit beim Konsumieren eine gute Möglichkeit ist, nicht nur für eigene gedankliche Klarheit zu sorgen, sondern mit mehr emotionaler Kompetenz, sich für das zu entscheiden, was wirklich wichtig und sinnvoll ist – und nicht für das, was ich mir einreden lasse oder wo ich mir vielleicht sogar gerade selbst etwas vor mache.

 

Downshifting – 3 Schritte für mehr Lebensqualität

Höher werdender Arbeitsdruck einerseits, überhaupt eine Arbeitsstelle zu bekommen, drohende Arbeitslosigkeit, viele befristete Arbeitsstellen, flexibles Arbeiten, evtl. häufiger wechselnde Arbeitsorte. All das ist in der Regel heute Realität. Und auch wer selbständig ist, weiß letztlich nie, wann der nächste Auftrag kommt, ob das Geld zum Leben reichen wird.

Bei mir sind es jetzt über 33 Jahre, die ich berufstätig bin. Auch wenn ich zwischenzeitlich den Arbeitsplatz gewechselt habe, habe ich sogar den Luxus einer unbefristeten Stelle. Aber so luxeriös ist das auch nicht: Auch eine Angestellte weiß nie, wie lange der Betrieb existieren wird, Garantien gibts nicht.

Arbeits- und Existenzdruck: Verhaltens- und Reaktionsmuster 

Ich habe im KollegInnenkreis in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten viele unterschiedliche Reaktionen auf die zuvor beschriebene Unsicherheit erlebt. U.a. sah ich, wie sich einige Kolleginnen selbst stressten bis zur Stehkante, selbst als der zeitweilig in der finanziellen Krise befindliche Betrieb längst wieder stabil war. Überstunden bis zum Umfallen, soziale Akkord-Arbeit (sowas gibts) – aber keinesfalls auch nur ein bisschen Arbeitszeit reduzieren. Denn: Das Auto, der Urlaub, die große Wohnung, die luxeriösen Möbel – all das wollte schließlich finanziert sein. Ich habe etliche kollegiale Burn-Outs miterlebt, stand vor einigen Jahren selbst irgendwann zumindestens am Rand davon. Ich wurde zunehmend kraftloser, war irgendwann mehr mit dem Abhaken von abrechenbaren Zeiten, als mit der inhaltlichen Arbeit selbst beschäftigt. Und als Ausgleich konsumierte ich mehr: Ich hörte einige Monate lang auf dem Weg zur Arbeit fast immer Musik, kaufte Smartphone und Tablet, um mich auf der recht langen Fahrt zu beschäftigen – und mich auch auf diese Weise letztlich zuzudröhnen.

Wenn Arbeitsbedingungen nicht mehr passen

Wenn mir eins in den letzten 33 Jahren Berufstätigkeit deutlich geworden ist: So zu tun, als belastet mich Dauerstress und Sorge um Arbeitsplatz nicht, ist naiv.  Passen Arbeitsbedingungen nicht mehr, ist die Gefahr groß, dass sie krank machen  – egal wie stabil, engagiert und motiviert wir uns fühlen. Und oft kommt oft noch der unreflektierte Umgang mit Konsum und die Ansprüche an den eigenen materiellen Lebensstandard hinzu. Damit meine ich das, was genau genommen noch deutlich über unsere normale existenzielle Sicherung hinaus geht.  Erst als ich bei mir selbst bemerkte, dass Konsum als Ersatzhandlungen mir nicht mehr half, zu entspannen und „runter zu kommen“, suchte ich nach anderen Lösungen, reduzierte schrittweise meine Arbeitszeit und begann, mein Konsumverhalten der zurück liegenden Jahre nochmal zu hinterfragen. Was ich fand und noch immer finde, war vor allem eins: mehr Lebensqualität und mehr Lebenszufriedenheit.

 

Downshifting: Drei Schritte für mehr Lebensqualität

Sich von Berufsstress und den Belastungen des eigenen Lebensstils zu befreien, dabei haben mir die folgenden drei Schritte geholfen:

1) Mehr Unabhängigkeit durch Übersicht über die eigenen Finanzen

  • Welche Lebenshaltungskosten habe ich eigentlich? Mir hat – wie früher schon beschrieben – das Haushaltsbuch sehr geholfen. Dies ist super, um den Überblick zu behalten, wo das Geld eigentlich landet und um zu schauen, ob das wirklich immer so nötig ist. Ich habe vieles entdeckt, was nicht nötig war – und habe keinerlei wirkliche Einschränkungen dadurch!

 

2) Achtsamkeit: Genau hinspüren, hinschauen, was in mir und um mich herum passiert:

  • Wie ergeht es mir genau mit dieser Arbeit, mit dieser Arbeitsstelle, mit der Art, wie ich mit meiner Arbeit umgehe und meinen Arbeitsalltag gestalte?
  • Welche „Ersatzhandlungen“ habe ich um meinen Arbeitsstress auszugleichen und was kann mit statt dessen wirklich helfen?
  • Regelmäßige Zeiten für formale Meditations- und Achtsamkeitsübungen sind eine wichtige Unterstützung und Strukturierungshilfe, um wirklich dran zu bleiben, einen passenderen Lebensrhythmus zu finden und nicht wieder in den alten Verhaltens- und Reaktions- und Konsum-Muster zu verfallen.

 

3) Bewusstes Konsumieren:

Ob ich es als Minimalismus bezeichne oder reduziertes, bewusstes oder achtsames Konsumieren nenne: Es geht letztlich immer ums Gleiche:

  • Brauche ich dieses Dings wirklich – oder will ich es nur haben?
  • Welche Dinge sind wirklich von guter Qualität, so dass sie auch lange halten?
  • Belastet mich dieses Ding oder befreit es mich?
  • Welchen Anteil am Kauf haben Status, Trend, Mode…?
  • Will ich mich wegen größerer Anschaffungen und Investitionen wirklich mit jahrelangen Rückzahlungsverpflichtungen an Kreditinstitute belasten?
  • Gibt es eine Alternative zu dem, was ich anzuschaffen plane?

 

 

 

 

„Es klingt paradox, aber die Chance, eine positive Veränderung im persönlichen Arbeits- und Lebensstil herbeizuführen, liegt eben in der sich wandelnden Arbeitswelt, die Downshifting und damit einen anderen, vom Berufsstress befreiten Lebensstil für viele Menschen zu einer echten Alternative werden lässt. …  Erwarten Sie also besser keine bruchlose, strikt geradeaus gerichtete Karriere mehr, an deren Ende Ihnen Ihr Chef einen goldenen Füller überreicht und Sie in den wohlverdienten Ruhestand schickt. Stellen Sie sich stattdessen auf den Wandel und die neuen Bedingungen ein. Wenn Sie vorbereitet sind, kann Sie nichts überraschen. … Und wer den Wandel begriffen und sich auf mögliche Veränderungen eingestellt hat, kann von der neuen Arbeitswelt profitieren und wählt den günstigsten Zeitpunkt zum Downshifting selbst.“
Quelle: Hajo Neu, Weniger arbeiten, mehr leben, Campus-Verlag, E-Book, Kap.: Der arbeitende Mensch vor seiner größten Herausforderung

 

 

Arbeitszeit ist Lebenszeit – der Realstundenlohn-Rechner

Arbeitszeit ist Lebenszeit, Lebenszeit steht aber nicht unbegrenzt zur Verfügung. Nicht nur für Minimalisten ist daher interessant: Welchen zeitlichen und finanziellen Gesamtaufwand muss ich eigentlich betreiben, um meiner beruflichen Tätigkeit nachzugehen und die (wirklich nötige?) Menge an Geld zu verdienen?

Es geht mir hier nicht darum, nur einseitig nach finanziellen Aspekten zu schauen – nach dem Motto: wenn ich nicht viel Geld bekomme, lohnt die Arbeit nicht. Geht es mir mit meinem Beruf gut, fühle ich mich wohl, habe ich genug zum Leben: Dann ist es ok so – egal, wie hoch der Realstundenlohn im Einzelnen ist. Aber es gibt Situationen, wo man sich fragen sollte: Lohnt sich das? Geht’s mir überhaupt gut? Gibt’s Alternativen?
Außerdem (ebf. sehr wichtig): Wie lange muss ich denn eigentlich arbeiten, bis ich mir dieses oder jenes Produkt kaufen kann? Ist das Produkt es mir persönlich wert? Ist es so wichtig? Aber auch da geht’s nicht einfach um billig. Ich gebe z.B. durchaus gerne mehr Geld aus, wenn ich weiß: Ein Produkt hält, ist hochwertig, vielleicht im Idealfall sogar fair produziert, etc.  

Zeitlicher und finanzieller Gesamtaufwand

Wieviel Zeit insgesamt investiere ich? Also, bei der klassischen Angestelltentätigkeit: die reine, vertraglich vereinbarte Arbeitszeit, plus die nicht gezahlten Zeiten, also Pausen und Fahrzeit. Einfach gesagt, der Aufwand, vom morgendlichen Losfahren bis zum abendlichen Heimkehren.
Dann ist noch die Frage, wieviele zusätzliche Kosten ich durch meine Tätigkeit habe, die ich ohne die berufliche Tätigkeit nicht hätte? Das kann z.B., das Essen in der Kantine sein, die Kaffee’s zwischendurch, Geld für die Geburtstagskasse der KollegInnen, die Fahrkarte, besondere Kleiderordnung, usw..
Und wenn ich dann alles mal miteinander verrechne, wieviel realer Stundenlohn (nicht zu verwechseln mit vertraglich vereinbarter Arbeitszeit und Gehalt) ergibt dies eigentlich?

Ich habe zum Berechnen des Realstundenlohns mal eine kleine Tabellenkalkulation erstellt, mit der sich dies recht einfach ausrechnen lässt. Diese Tabelle ist eher etwas für die Angestelltentätigkeit, aber mit ein wenig eigener Statistik und Anpassung evtl. ja vielleicht auch für die selbständige Tätigkeit geeignet bzw. erweiterbar. Die Tabellenvorlage ist für Libreoffice/Openoffice und Excel kostenlos hier erhältlich:
Download Realstundenlohn-Rechner Libreoffice odt
Download Realstundenlohn-Rechner Excel xls

Vorteil: Die Frage nach dem Gesamtaufwand ist natürlich erstmal generell interessant. Insbesondere natürlich bei der Frage, ob es denn die Sache für mich wert ist, ob sich ggf. etwas verändern lässt oder ob ich wirklich der richtigen Arbeit nach gehe?  Es geht nicht einfach nur um viel oder wenig arbeiten, wenige oder viele Produkte, teure oder billige, sondern aus einer klaren und reflektierten Sicht heraus, bewusste Entscheidungen zu treffen. Idealerweise ohne sich unbewusst von Werbung, Moden, Trends, Meinungen und persönlichen Gewohnheiten beeinflussen zu lassen.

Achtsames Konsumieren dank Realstundenlohn-Rechner

Es ist äußerst praktisch und hilfreich, sich vor jeder Anschaffung mal die Frage zu stellen, wieviel Arbeits- und Lebenszeit ich für die Anschaffung dieses Produktes bereits investiert habe. Wenn ich weiß, dass z.B. der Discounter-Laptop oder die Küchenmaschine ein Schnäppchen ist, aber vermutlich nicht so lange halten wird: Will ich den dann wirklich haben? Wenn ja: Warum eigentlich? Ist mir dieses Gerät meine Zeit und mein Geld wert? Wieviel Lebenszeit habe ich verbracht, um mir dieses (möglicherweise nicht ganz so haltbare) Schnäppchen zu kaufen? Und wie sehr wird es mich ärgern, wenn dieser Laptop bzw. die Küchenmaschine möglicherweise direkt nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistungsfrist kaputt geht und nicht mehr repariert werden kann? Solche Fragen lassen sich eigentlich mit nahezu allen Produkten stellen.  Meine Erfahrung ist, dass ich mit genau solchen Fragen, sehr viel klarer, besser und insbesondere zufriedener entscheide.

Ergänzender Tipp – das Haushaltsbuch

Zum Realstundenlohn-Rechner passt übrigens ergänzend auch noch gut das Haushaltsbuch (ebf. für Excel und LibreOffice erhältlich).
Download Haushaltsbuch Libreoffice ods
Download Haushaltsbuch Excel xls
In das Haushaltsbuch lässt eintragen, welche Ein- und Ausnahmen im Laufe des Jahres entstehen. Selbst wenn dort nur die Festkosten (also die regelmäßig wiederkehrenden Abzüge) eingetragen werden, wie Miete, Strom, Fahrtkosten etc.) lassen sich auf diese Weise bereits Einsparpotentiale rausfiltern.

Meine persönlichen Erfahrungen

Ich habe das Berechnen meines Realstundenlohns vor längerer Zeit auch selbst vorgenommen. Ich hatte damals noch recht lange Fahrzeiten, entsprechend auch hohe Fahrtkosten, plus dadurch bedingte Frustkäufe und kam dann (Frustkäufe nicht mitgerechnet!) auf einen realen Stundenlohn von nicht einmal 6€. Und das mit 1 Ausbildung, 1 Studienabschluss und diversen Zusatzqualifizierungen (die ebf. viel Zeit und Geld gekostet haben). Dadurch wurde mir schlagartig klar, dass bei der beruflichen Belastung, die ich dann noch hatte, alles nicht mehr zusammen passte. Ich arbeite jetzt inhaltlich letztlich das Gleiche, habe aber weniger Zeitaufwand und insb. bessere Arbeitsbedingungen. Für mich war diese Berechnung außerdem noch einmal eine Bestätigung, dass ich nicht mehr bereit bin, für irgendeinen Konsumschnickschnack mehr auszugeben, als wirklich nötig. Ich möchte das verdiente Geld sinnvoll ausgeben, nicht für unnötigen Krams, mit dem ich eher das Wohlergehen der Produzenten fördere. Letztlich war es mir auch hier wichtig „aus dem Autopiloten“ (Zit. v. Jon Kabat Zinn) auszusteigen. Nicht einfach gewohnheitsmäßig arbeiten, kaufen, arbeiten, sondern einfach mal genau hinzuschauen, wie die persönliche aktuelle Situation ist und welche Konsequenzen ich für mich daraus ziehe.