Achtsamkeitsübungen bei körperlichen Einschränkungen und Handicaps

Achtsamkeit bei körperlichen Einschränkungen und Handicaps – das ist ein sehr persönliches und wichtiges Thema für mich. Wieviel mehr oder weniger wohl meinende Tipps habe ich mir im Laufe des Lebens schon angehört? Es waren unzählige. Ich habe offensichtlich auf mein Umfeld immer so gewirkt, als reiche es, wenn ich mich mal körperlich anstrenge, ins Fitness-Studio gehe, usw.. Äußerlich wirkte ja alles – fast – normal. Das war und ist es aber nicht.

Als Erwachsene war ich jahrelang damit beschäftigt, die zahlreich verkürzten Muskeln wieder „normaler“ zu bekommen, was durchaus auch in gewissem Rahmen funktionierte. Aber alles ging nur sehr begrenzt. Irgendwas ist mit meiner Hüfte anders. Ich bin es derzeit leid, dem x.ten Orthopäden zu erklären, dass ich mit einer Hüftdysplasie zur Welt gekommen bin, immer noch nicht alles geklärt ist und ich nunmal mit einer gewöhnlichen Röntgenaufnahme bereits mehrfach nicht weiter gekommen bin. Hinzu kommt ein gebrochener bzw. nicht normal gewachsener 5. Lendenwirbel, überdehnbare Gelenke, Fehlstellungen von Füßen und Beinen. All diese körperlichen Einschränkungen wurden mir letztlich und vollständig erst durch MBSR deutlich. Vorher habe ich abwechselnd verdrängt, geübt, gehofft, resigniert. Dann bin ich auch noch seit mehreren Jahren schwerhörig und insbesondere in Gruppen ist das genaue Verstehen für mich viel belastender, als für Normalhörende. Auch die eher sanften Übungen des MBSR bringen und brachten mich an viele Grenzen:

Achtsames Yoga

Yogaübungen im Stehen sind eine Tortour. Egal, was ich unternehme, es geht nicht bzw. nur sehr schlecht und nie lange. Irgendwann die Erkenntnis: Ok, langes Stehen funktioniert nicht, funktioniert nie, auch nicht im Alltag.

Dann die anderen Yogaübungen des MBSR: Bei manchen Übungen machen mir meine dünnen und überdehnbaren Handgelenke einen Strich durch die Rechnung. Manche Dehn- und Drehbewegungen könnten das endgültige k.o für die bereits sehr dünne Bandscheibe an meinem falsch gewachsenen 5. Lendenwirbel sein.

Gehmeditation

Bei der Gehmeditation bemerke ich insbesondere dann, wenn wir uns im Uhrzeigersinn im Kreis bewegen, dass mich die Hüftfehlstellung in Kombination mit Fußfehlstellungen fast ständig aus dem Gleichgewicht bringt. Auch langsameres Geradeaus-Gehen erlebe ich aufgrund leichter Sichelfüße, immer wieder als eine größere Herausforderung.

Sitzmeditation

In der Sitzmeditation probierte ich vieles aus: Sitzbänkchen, Sitzkissen, Stuhl, höher, niedriger, länger, kürzer sitzend. Schneidersitz geht auch mit viel Dehnungsübungen nicht. Außerdem gerate ich immer wieder an Einschränkungen wegen des Lendenwirbels.

Achtsamkeitsübungen – was hilft mir?

Hilfreich war für mich die Empfehlung, individuell für mich zu schauen, was geht oder eben auch nicht. Denn: MBSR, Achtsamkeit, Meditation – das geht auch mit körperlichen Einschränkungen – aber es ist wichtig, Alternativen suchen, Übungen zu variieren und ggf. auch manches wegzulassen:

Yogaübungen im Stehen kann ich oft auch im Sitzen durchführen. Ich stelle mir vor, meine Sitzbeinhöcker sind meine Beine und Füße. Im Stehen führe ich Übungen nur so lange durch, wie sie annähend beschwerdefrei möglich sind. Für mich ungünstige Dreh- und Dehnbewegungen lasse ich weg.

Wenn ich Gehmeditation alleine übe, dann grundsätzlich nur auf geraden Strecken. Ich sehe die Gehmeditation immer auch als eine Möglichkeit auszuprobieren, welche und wieviel Stabilität in dieser Bewegungsform möglich ist. Auch achte ich darauf, dass ich ein für mich passendes Tempo finde.

Sitzmeditation übe ich für mehr Stabilität im Lendenwirbelbereich nur noch auf einem Stuhl mit Rückenlehne. Meditationskissen und Meditationsbänkchen sind für meine Hüfte unpassend. Auch achte ich darauf, meine Haltung öfter ein klein wenig zu wechseln und zu variieren. War es nicht Buddha selbst, von dem berichtet wird, dass er sich beim Meditieren an einen Baum lehnte? Wie symphatisch mir das ist! Leider finde ich diese Textstelle nicht mehr, aber interessanterweise jede Menge Bilder (siehe: https://www.google.de/search?q=Buddha+lehnte+sich+an+einen+Baum&client=ubuntu&hs=1A0&channel=fs&dcr=0&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwiu0uSa2M3YAhVFGsAKHQmAADUQsAQIJg&biw=1366&bih=591)

Ich variiere auch beim Bodyscan, um nicht in für mich einseitige und für mich ungesunde Haltungen zu geraten und um unsinnige Schmerzen und Verkrampfungen zu vermeiden.

Hilfreich ist es für mich auch, zeitlich andere Intervalle zu wählen. MBSR ist mit den vielen, unterschiedlichen Übungen sehr abwechslungsreich. Daher bietet es sich an, dies auch passend zu nutzen. Passend heißt für mich, dass ich oft kürzere Übungseinheiten nutze und diese aneinander reihe. Also beispielsweise folgen 5 Minuten Yoga, eine 10-minütige Meditation, die von 5-minütiger Gehmeditation abgewechselt wird, usw.. In einer Gruppe übend, wandle ich bei Bedarf ab, pausiere zwischenzeitlich und steige dann wieder in die Übung ein.

Meine Wünsche an MBSR-, Achtsamkeits- und Meditationslehrer

Gerade MBSR ist von Jon Kabat-Zinn in seinen Anfängen nicht vorrangig für die gesunden und körperlich normal belastbaren Menschen entwickelt worden. Ich finde, im MBSR macht es Sinn, sich dieser Besonderheit bewusst zu sein und daher auch in besonderem Maße Angebote für die Menschen bereit halten, die nicht „normal“ physisch belastbar sind. Wenn nicht die MBSR-Lehrenden, wer sollte es dann tun?

Klangschale auf Dielenfußboden

Achtsamer Umgang mit dem eigenen Körper

Was ich mir für mich und auch für andere Menschen mit körperlichen Einschränkungen wünsche, ist, dass Lehrende regelmäßig auf die notwendige und erforderliche Achtsamkeit im Umgang mit dem eigenen Körper hinweisen. MBSR ist kein Leistungssport. Nicht jede körperliche Einschränkung ist von außen her erkennbar und nicht jede/r Übende weiß überhaupt davon!

Achtsame Kreativität entwickeln

Wichtig finde ich gerade für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, dass sie zu kreativem und achtsamen Umgang mit Einschränkungen angeleitet, unterstützt und ermutigt werden. Welche Bewegungs- oder Übungsvarianten gibt es? Es geht immer vorrangig um Achtsamkeit, nicht darum, dass „Alle“ dass so machen und dass dies oder das ja schon immer so gemacht wurde.

MBSR – Weiterentwicklung spezieller Angebote

Welche Übungsvarianten könnten seitens des MBSR‘s noch entwickelt werden? Ist es möglich, spezielle Angebote zu entwickeln, z.B. von MBSR-Lehrern mit einer Berufsausbildung in Physiotherapie? Sie hätten wertvolles Grundwissen, welches in die MBSR-Übungen einfließen könnte.

Könnten idealerweise sogar MBSR-Übungen in Zusammenarbeit mit Orthopäden und Physiotherapeuten entwickelt werden? Vielleicht geht es hierbei als Ziel nicht so sehr, den Übenden in einer bestimmten Zeit, bestimmte Übungen und Übungsreihen in einer festgelegten Abfolge zu vermitteln, sondern die Übenden in die Lage zu versetzen, besser und gezielter auf den eigenen Körper zu achten, Warnsignale frühzeitig wahrzunehmen und ihnen zu vermitteln, welche Übungen einfach eine Sache der (mühsamen) Übung sind und wo es wichtig ist, Übungen auch wegzulassen oder Alternativen zu finden.

Einfach üben können

Äußerlich wirke ich „fast normal“. Aber so normal ist es nun mal nicht. Trotzdem möchte ich nicht von Achtsamkeit und Meditation ausgeschlossen sein. Ich möchte Achtsamkeitsübungen einfach üben können und zwar ohne, dass ich in Dauerstress gerate, weil mich vieles überfordert. Nicht zuletzt ist mir Achtsamkeit und Meditation wichtig, weil ein gutes Körpergefühl  gerade auch bei körperlichen Einschränkungen besonders hilfreich ist. Phantastisch wäre es für mich, wenn es für Menschen mit körperlichen Einschränkungen und Handicaps, noch mehr Weiterentwicklungen, spezielle Anleitungen, Hilfen, Tipps und Angebote gäbe.

Grenzen von Normalitäts-Schablonen überwinden

Manchmal ist das, was wir so üblicherweise als „normal“ bezeichnen, so gar nicht normal. Und wenn es gar zu einer Art „Normalitäts-Schablone“ gerät, wird es Zeit, diese Begrenzungen zu überwinden. Ich lasse mal all die Normalitäts-Definitionen und  -diskussionen beiseite, konzentriere mich auf den ganz gewöhnlichen Alltag und greife mal eins meiner ebenfalls ganz gewöhnlichen Erlebnisse heraus:

„… Dann ist es auch egal…“

Ich war auf dem Weg zu einer MBSR-Übungsgruppe, als ich die Treppe vom Bahnsteig zur U-Bahn hinunter ging und mir ganz spontan und wohlgelaunt durch den Kopf ging: „Ok, dann bin ich jetzt eben alt. Dann ist es auch egal.“

Verdutztes Innehalten.

Mooooment!

So alt bin ich doch noch gar nicht. Ok, 56 Jahre. Aber nicht 65, nicht 76 und nicht 82. Aber irgendwas fühlte sich plötzlich anders an. Doch was überhaupt? Und was bedeutet denn für mich „egal?“ Und warum fühlt sich das dann auch noch gut an?

 

„Normalitäts-Schablonen“ überwinden

Ich nutzte die anschließenden Übungen der MBSR-Achtsamkeitsgruppe um hinzuspüren, wie es mir geht, hier und jetzt und von Moment zu Moment. Diese einzelnen Momente sind häufig besondere Herausforderungen, aber sie sind auch der Schlüssel zur Lösung.

Aufgrund einiger körperlicher (orthopädischer) Einschränkungen habe ich deutlich mehr Schwierigkeiten zu bewältigen, als die meisten anderen TeilnehmerInnen, manches geht gar nicht. Die rechte Hüfte ist deutlich unbeweglicher als die linke. Fußfehlstellungen machen etwas längeres beschwerdefreies Stehen nahezu unmöglich, ein deformierter Lendenwirbel und überdehnbare Gelenke machen Vorsichtsmaßnahmen nötig. Jahre und Jahrzehnte habe ich mich damit gestresst, mich damit herum gequält und bis zum Umfallen geübt. Ich wollte doch irgendwie nur mal dahin kommen, „normal“ mitmachen zu können. Es ging aber nicht, zumindestens nie annähernd so gut, wie die meisten anderen TeilnehmerInnen und dies nicht nur in MBSR-Gruppen, sondern auch in den diversen Gymnastik-, Fitness-, Physiotherapie- und weiß-ich-was-Gruppen.

Die letzten Wochen hat mich dies sehr beschäftigt. Und natürlich: Mit 20 oder 30 Jahren hatte ich auch diese Probleme, aber da konnte ich sie noch besser „wegstecken“ und  mich mit der Illusion aufrecht halten, dass ich einfach nur fleißig üben muss, damit es dann besser wird. Und klar, spüre ich nun mit 56 Jahren, dass darüber hinwegsehen oder üben, üben, üben eben auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Aber genau da liegt auch die Chance.

 

Grenzen erkennen

Was nicht „normal“ ist, muss auch nicht „normal“ sein. Genau das ist dann auch dieses „Dann-ist-es-auch-egal-Gefühl“, welches mich so wohltuend auf dem Weg zur U-Bahn durchströmte. Grenzen als Grenzen erkennen und  auch einfach mal zu akzeptieren, befreit. Es befreit von all dem Druck des „Normal-sein-Wollens.“

 

Grenzen überwinden

Es befreit auch, Grenzen an den richtigen Stellen einfach auch mal zu überwinden. Bei mir sind es beispielsweise die Grenzen der üblichen Meditations- und MBSR-Übungen. Mir reichen sie so nicht. Deshalb erweitere ich sie inzwischen, variiere, probiere und fühle hin, wie es mir geht, was ich brauche, was ich evtl. auch anders brauche, als die Menschen um mich herum.

All die vielen unpassenden „Normalitäts-Schablonen“ benötigen viel zu viel Energie. Nicht nur in MBSR und Meditation, sondern auch in so vielen anderen Bereichen: So scheint es heute fast „normal“, bis zum Umfallen zu konsumieren. Shoppen, bis der Arzt kommt. Ich will es aber nicht. Deshalb begrenze ich sowas und bin da gerne „unnormal“ . Ich gönne jedem seine und ihre Wohnungsdeko wirklich, ehrlich und von ganzem Herzen. Ich kann mich sogar daran erfreuen – bei Anderen! Bei mir will ich diese Deko nicht. Tannen gehören für mich in die Natur und nicht in den Christbaumständer. Den Kleiderschrank zu entrümpeln ist für mich auch kein Minimalismus, das ist nur das notwendige Übel auf dem Weg dahin.

Achtsamkeit und Minimalismus ist, wenn ich die Begrenztheiten des Zuviels überwinde und genau hinspüre, was ich wirklich brauche. Achtsamkeit und Minimalismus ist, wenn Raum zum Atmen da ist: Begegnung statt Begrenzung, Miteinander statt Gegeneinander, fürsorglich statt missgünstig. Es gibt lebenswerteres, als sich mit „Normalitäts-Schablonen“ und deren Begrenzungen aufzuhalten – genau das ist für mich Achsamkeit und genau das ist für mich auch Minimalismus.

 

 

Filmtipp: „Die heilsame Kraft der Meditation“

Klinische Studien und wissenschaftliche Experimente befassen sich bereits seit langem mit der heilsamen Kraft der Meditation. Die Dokumentation bei Arte erläutert die komplexen physiologischen Zusammenhänge zwischen dem meditierenden Geist und dem Organismus.

„Meditation und Medizin sind in zunehmenden Maße zwei Seiten ein und derselben Medaille“ – Jon Kabat-Zinn

Die heilsame Kraft der Meditation – Arte.de auf Youtube

 

 

 

 

Telefonieren mit Schwerhörigkeit

Wie hören Schwerhörige?

Leider ist es in den seltensten Fällen so, dass man beispielsweise so hört, wie bei einem leise gedrehten Radio. Dort sind alle Töne gleichmäßig leiser. Schwerhörige haben in der Regel ganz unterschiedliche Probleme. Mal fehlen die hohen, mal die mittleren, mal die hohen Töne. Stellen Sie mal an der Stereoanlage den Equalizer anders ein und nehmen Sie mal z.B. die hohen Töne heraus. Dann wird ein wenig eher deutlich, wie Schwerhörige hören.

Hörbeispiele:

„Du nuschelst so…“ Der schleichende Prozess der Schwerhörigkeit

Schwerhörigkeit ist ein oft schleichender Prozess. Typisch für sog. Innenohrschwerhörigkeit ist, dass man das schlechter werdende Gehör kaum bemerkt, aber irgendwann das Gefühl hat, dass viele Leute nuscheln. Mir fiel es auf, dass das Hören auf einem schnurloses Festnetztelefon für meine Kollegin völlig problemlos war, für mich aber das komplette Desaster. Ich habe es mir dann erstmal so erklärt, dass dieses Telefon meiner Kollegin nichts taugt… Typisch ist auch, dass das Hören in einer geräuschvollen Umgebung, wie z.B. einem Restaurant, deutlich schwieriger und insbesondere auch anstrengender wird.

Telefonieren – mein persönliches Desaster

Telefonieren gehört für mich zu dem Bereich, der wirklich schwierig für mich ist. Ein Drama in nicht enden wollenden Akten. Handys bzw. Smartphones habe ich in den letzten Jahren in allen mögliche Varianten probiert. Und: je lauter desto besser – nein, funktioniert nicht. Dienstlich hatte ich mal ein altes Nokia-Handy: sehr laut, verstanden habe ich trotzdem nichts.

Meine Erfahrungen mit unterschiedlichen Handys bzw. Smartphones

  • Samsung-Handys: Ich habe früher nahezu nichts verstanden. Bei den neueren Geräten scheint es nun besser zu sein.
  • Windowsphones: Telefonieren ging deutlich besser, aber die Akkus waren eine Katastrophe.
  • iPhones (der älteren Generation): Die Sprache war verständlicher, als bei vielen anderen Handys, aber für mich doch insgesamt noch zu leise.
  • Senioren- bzw. Schwerhörigenhandys: Manche waren einfach nur laut, manche rauschten fürchterlich. Die Klangqualität der Handys und Smartphones der Firma Doro waren deutlich besser. Meine anfängliche Begeisterung legte sich aber irgendwann wieder. Denn bei Hintergrundgeräuschen telefonieren (z.B. unterwegs), konnte ich damit auch nicht. Außerdem hatte ich gleich bei 2 Geräten nach einigen Monaten Probleme mit Lautsprecher und Mikrofon – das mag Zufall sein, störte mich aber natürlich trotzdem.

Lösungswege:

Testen, ausprobierenEs ist sinnvoll, einfach mal andere Handybesitzer zu fragen, ob man einmal testweise mit dem Gerät telefonieren kann, um sich einen ersten Höreindruck zu verschaffen. Die gröbsten Hörkatastrophen und Fehlkäufe kann man so gut ausschließen.

Hörgerätekompatibel? Nicht jedes Handy funktioniert mit jedem Hörgerät. Hier hilft nur ausprobieren. Manche Handys haben einen Hinweis, dass sie hörgerätekompatibel sind. Dies ist aber keine Garantie, dass es wirklich mit jedem Hörgerät funktioniert. Es gibt für hörgerätekompatibles Telefonieren die sog. M- und T-Standards. M3 bzw. M4 bedeutet beispielsweise hörgerätekompatibles Telefonieren mit Hörgeräten ohne T-Spule. T3 bzw. T4 bedeutet, dass das Hörgerät mit der T-Spule kompatibel ist. 

Qualitätsunterschiede bei unterschiedlichen Netzen: Meine Erfahrung zeigt, dass es Qualitätsunterschiede durch unterschiedliche Netze und Anbieter gibt. Bei einem Einsteigersmartphone mit Dual-Sim, verstehe ich über die Prepaidkarte von Alditalk (E-Plus/O2) nur sehr schlecht und undeutlich, über die Prepaidkarte von Vodafone dagegen recht gut. Es ist also auch hier immer eine Sache des Ausprobierens.

Headsets für Hörgeräteträger

Es gibt inzwischen diverse Headsets für Hörgeräteträger. In der Regel sind diese für Hörgeräteträger interessant, die ein Hörgerät mit sog. T-Spule haben.

Kleiner Tipp für Hörgeräte-Neulinge: Ich empfehle, unbedingt ein Hörgerät mit T-Spule zu verwenden und dann darauf zu achten, dass diese dann vom Akustiker auch aktiviert wird. Anschließend ggf. so lange vom Akustiker neu einstellen lassen, bis es am besten passt.
Vorteil: Mit einem induktiven Headset und der T-Spule des Hörgerätes wird der Ton direkt und deutlich klarer auf die Hörgeräte übertragen.

Sog. induktive Headsets gibt es mit Bluetooth-Übertragung vom Handy auf das Headset und vom Headset zum Hörgerät. Oder aber ein kabelgebundenes Headset, welches in den Kopfhöreranschluss des Handys gesteckt wird.

Ich persönlich komme mit dem kabelgebundenen Headset deutlich besser klar. Der Ton ist deutlicher. Außerdem leert sich der Handyakku im Bluetooth-Modus deutlich schneller, auch hat Bluetooth immer eine gewisse Zeitverzögerung, die mich gestört hat.
Mein Headset sieht eigentlich fast genauso aus, wie ein „normales“ Headset, nur statt Kopfhörer habe ich 2 sog. Induktionsbügel. Diese übertragen den Ton an meine Hörgeräte. Damit habe ich mit einem alten iPhone 3GS (normalerweise ist mir das viel zu leise), sogar problemlos im Restaurant und am Hauptbahnhof in Dortmund telefonieren können – das geht normalerweise überhaupt nicht.

Neue technische Standards –  Handys/Smartphones mit besserer Tonqualität

Entscheidender, als der Hinweis „Schwerhörigentelefon“ scheint mir die Tonqualität des Handys bzw. Smartphones als solches zu sein. Hier gibt es inzwischen interessante Entwicklungen. Da ich nicht unbedingt so den Hardcore-Technikfreak bin, ist mir dies erst vor einigen Tagen aufgefallen:

Unter den Begriffen: HD-Voice, HD-Voice plus, Crystal Clear und EVS-Codec gibt es inzwischen Handys, die bei der Tonübertragung mehr Ton-Frequenzen nutzen, so dass die Sprache verständlicher wird:

Das „normale“ Telefon nutzt Frequenzen zw. 0,5 und 3,4 kHz.
HD-Voice nutzt bereits die Frequenzen zwischen 0,05 – 7 kHz.
Der sog. EVS-Codec verwendet den gesamten Tonumfang der menschlichen Stimme: 0,02 – 20 KHZ.

Diese Technik scheint derzeit z.T. noch in der Entwicklung bzw. im Aufbau zu sein, so dass ich an dieser Stelle nur ansatzweise etwas sagen, wo was im Einzelfall wirklich funktioniert. Mit neueren Smartphones scheint das Telefonieren wirklich angenehmer zu sein. Ich vermute, dass dies tatsächlich an HD-Voice liegt. Wie weiter oben beschrieben, scheint aber auch das Handynetz eine gewisse Rolle zu spielen. Erfahrungen mit HD Voice plus bzw. Crystal Clear habe ich noch gar nicht. Da gibt es erst wenige kompatible Smartphones (teuer) und meistens auch teurere Tarife. Da ich höhere Töne über 7 Ghz  kaum oder gar nicht höre, der Preis noch recht hoch ist, ist fraglich, welchen Vorteil ich davon hätte. 

Kleiner Hinweis für schlecht hörende Menschen ohne Hörgerät:

Die Technik der heutigen digitalen Hörgerät ist deutlich besser geworden. Hörgeräte sind nicht einfach nur eine Verstärkung der Lautstärke, sondern können individuell an die eigene Hörschädigung angepasst werden. Auch die sog. HdO (Hinter dem Ohr) – Hörgeräte sind recht klein und fallen optisch kaum auf.

Je länger man wartet, desto schwieriger ist es, sich an die Hörgeräte zu gewöhnen. Das Gehirn vergisst die nicht mehr gehörten Töne nach ca. 6 Jahren und es ist entsprechend aufwändig, dieses Hören wieder zu erlernen und sich an die Hörgerätetechnik zu gewöhnen.

 

Zum Weiterlesen: Informationen zu Schwerhörigkeit – Linktipp: 

Was bedeutet es, schwerhörig zu sein?  https://rehagroenenbach.wordpress.com/schwerhorigkeit-verstehen/

Kommunikation mit Schwerhörigen:  https://rehagroenenbach.wordpress.com/kommsu/ 

Achtsame Schritte aus der Erschöpfung

Es gibt sie Tage, wie diesen hier:

Die Müdigkeit in den Knochen, sie scheint einfach nicht verschwinden zu wollen. Gleichzeitig bin ich aufgedreht. Die Befindlichkeit gleicht einem heiß gelaufenen Motor. Innerlich rotiert es, Gedanken und Gefühle laufen auf Hochtouren, während ich erschöpft im Sessel sitze. Zum Schlafen zu wach und zu aufgedreht, zum Wachsein viel zu müde. Eindrücke, Erlebnisse kreisen ebenso in mir, wie irgendein Ärger oder die vielen Ideen, Projekte, Pläne, die mir noch im Kopf herum geistern. Gleichzeitig merke ich aber: Erschöpfung macht sich in mir breit. Es ist genug. Es ist hier und jetzt genug.
Es ist wie bei einem Handyakku: Der leere Akku wird nicht automatisch durch meinen Wunsch, telefonieren zu wollen wieder voller. Ich muss das Gerät einfach mal aus der Hand legen und an die Steckdose hängen.

Und während ich erschöpft da sitze und noch keinerlei Ahnung davon habe, wie ich meinen inneren Akku je wieder aufladen kann, spüre ich irgendwo zwischen all meinem inneren Gedanken- und Gefühlszirkus, zwischen all der Müdigkeit und Erschöpfung, dass es ihn doch noch gibt: den Wunsch nach Ruhe, die Sehnsucht nach Unabgelenktheit – ganz unabhängig davon, was meine immer noch tobenden Gedanken und Empfindungen mir gerade sonst noch so erzählen wollen.

Achtsame Schritte für mehr Lebensenergie

Ich habe entdeckt, dass es im Wesentlichen die folgenden vier Bereiche sind, die mir helfen, aus einer solchen Erschöpfung wieder heraus zu finden – insbesondere dann, wenn es sich um eine Kombination aus Erschöpfung und starker innerer Anspannung handelt:

1. Zeit

Es gibt Situationen, da braucht es vor allem eins: Zeit.
Zeit zum „runter kommen“, Zeit zum Atem holen. Zeit zum Ausatmen, Zeit zum Aufatmen. Manchmal geht es nicht anders, als sich diese Zeit  zu nehmen, Termine zu streichen, ein Wochenende einfach mal zu vergammeln und sich ggf. freie Zeiten im Terminkalender gezielt einzuplanen.

2. Gehen – Gehmeditation

Sich Zeit nehmen ist mitunter aber nicht so einfach und zur Ruhe kommen auch nicht. Gerade dann, wenn selbst eine Sitzmeditation zu mühsam und unerträglich erscheint, hilft dann besonders die Gehmeditation. Gehen löst Spannungen. Ideal ist es, wenn man ganz ziellos auf- und abgehen kann und nicht von A nach B kommen muss.

Ich habe beispielsweise diese wunderbar gerade Strecke, die ich in meiner Wohnung vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer und wieder zurück laufen kann – immer wieder. Zum Glück steht dort kein Mobiliar im Weg. Und so kann ich einfach gehen, immer auf und ab, auf und ab. Ich spüre das Abrollen meiner Füße, die unterschiedlichen Lichtverhältnisse, entdecke die leichten Unebenheiten des Bodens, registriere die Wendung am Ende, nehme das Zurücklaufen, die erneute Wendung wahr. Die Gedanken wandern immer noch, aber ich kann sie jetzt immer wieder freundlich zurück leiten: Zum Spüren der Fußbewegungen, zum Einatmen, zum Ausatmen, zum Wahrnehmen des Raums um mich herum. Ich muss nirgendwo hin, ich muss nirgendwo ankommen – außer bei mir selbst. Und so kann ich gehen, gehen, gehen, auf und ab, ab und auf. Irgendwann, nach und nach, spüre ich dann tatsächlich, wie die „innere Betriebstemperatur“ wieder in normalere Temperaturbereiche kommt.

Manchmal hilft auch eine längere Wanderung – aber ohne Musik auf den Ohren, ohne Kilometer runter zu rasseln oder Rekorde aufzustellen. Hilfreich ist es, wenn die Wegstrecke bekannt ist und Wanderkarte oder Navigationsgerät in der Tasche bleiben kann. Einfach gehen, auch mal längere Zeiten schweigend gehen, Schritt für Schritt und immer wieder versuchen, sich selbst und die Natur um sich herum mit allen Sinnen wahrzunehmen.

3. Zeit des vermeintlichen Nichts-Tuns

Solche Gehmeditations-Zeiten sind wertvoll. Zeiten, in denen scheinbar nichts passiert. Zeiten, in denen ich nicht dies, das oder jenes tue. Zeiten, in denen ich versuche, all die Wichtigkeiten, Ablenkungsmöglichkeiten und muskulären Spannungen einfach mal loszulassen und diese mit jedem Schritt an den Boden abzugeben.

4. „Nichts-Zeiten“ – „Being, not doing“

Hilfreich ist es auch, sich wirklich bewusst „Nichts-Zeiten“ zu gönnen – keine Termine, keine Ziele. Einfach da sein, nichts tun – „Being, not doing“. Gehmeditation ist eine wunderbare Möglichkeit, allmählich wieder einen Zugang zu solchen Nichts-Zeiten zu finden.

Bei mir ist es so, dass dann, wenn ich mich wieder besser fühle, zu einer solchen „Nichts-Zeit“ auch gehört, dass ich bei einer morgendlichen Tasse Kaffee, das Aufgehen der Sonne betrachte. Manchmal sitze ich einfach da und beobachte das Ein- und Ausströmen meines Atem oder lausche den Vögeln bei ihrem Gesang. Gelegentlich schaue ich mich einfach um. Dann entdecke ich sie wieder, diese freie Flächen in meiner Wohnung, die ich dank eines minimalistischen Lebensstils sehr genieße. Genau in solchen Situationen erhole mich in meiner wunderbaren Nichts-Zeit. Denn dieses Nichts ist in Wirklichkeit kein Nichts, sondern eine große Fülle an Ruhe, Klarheit und Erholung.

Wirklicher Luxus

Solche beschriebenen Zeiten sind für mich ein besonderer Luxus – gerade auch in unserer oft so hektischen und schnelllebigen Welt. Diese Form des Luxus kann ich aber nicht machen, schon gar nicht kaufen oder erzwingen. Es geht darum, diese Nichts-Zeit nach und nach zuzulassen und akzeptieren zu können. Je nach persönlicher eigener Verfassung kann dies mitunter dauern, manchmal sehr lange. Aber es lohnt sich.

Link-Tipp: Anleitungen zu Gehmeditation:

Gehmeditation – Text, PDF von Gabi Raeggel, Achtsame Lebenskunst
Gehmeditation – Text, PDF von Dt. Fachzentrum für Stressbewältigung, Achtsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung
Gehmeditation im Alltag – eine Anleitung  von ich-will-meditieren.de 

Weitere Links hier: Achtsamkeitsübungen

 

achtsam – minimalistisch – unperfekt

Manchmal bin ich doch sehr beeindruckt. All diese wunderbaren Tipps, die ich hier und da lese: Wie der Tag am besten geplant werden kann, welche Todo-Listen ich brauche, wie ich gesund bleibe, wie ich mich richtig entspanne, Sport mache, den Verkaufsverführungen widerstehe, meinen Tag achtsam und minimalistisch gestalten kann… Und dann taucht irgendwann auch noch das Fernsehen bei mir auf und man gewinnt den Eindruck, ich sei super perfekt asketisch: wenig Zeug, Futon, minimalistisch Küche, kaum Luxus – außer dem Computer (aber der ist von 2010, also auch nicht gerade neu).

Tja und so sind wir dann alle perfekt oder arbeiten zumindestens dran. Aber sind wir das wirklich und wollen wir es überhaupt sein?

Wie minimalistisch perfekt ist mein Minimalismus?

Was mich selbst angeht: Ich habe meinen Kleiderschrank einmal gründlicher durchgesehen und sogar mal durchgezählt:
Das vielleicht Auffälligste: 12(!) T-Shirts, plus nochmal 2 Shirts, die ich noch „fürs Grobe“ nutze, also wenn es was zu renovieren oder umfangreicher zu putzen gibt. Wenn ich künftig nochmal ein farblich passendes T-Shirt finde, werde ich es kaufen und auf Vorrat hinlegen. Passende Kleidung zu finden ist für mich schwierig, da minimalisiere ich lieber den Stress als die Menge meiner T-Shirts. – Wenig Kleidung ist was anderes für mich. Früher hatte ich deutlich weniger, maximal die Hälfte. Da war ich genau genommen minimalistischer als jetzt.

Dann die Technik:
Ich habe heute einen Computer, ein Smartphone, ein Mini-Laptop, ein Tablet. Ein kleines Einfachhandy liegt auch noch in der Schublade. Es sind nicht die neuesten Geräte, erst recht nicht die schnellsten, schon gar nicht die angesagtesten Geräte. Aber sie funktionieren und wenige Geräte sind es nun mal definitiv nicht – im Gegenteil. Früher hatte ich im Vergleich dazu ein Radio-Cassetten-Recorder und ein Schwarzweiß-TV. Fürs Telefonieren bin ich noch bis Mitte der 80er Jahre ins Telefonhäuschen gegangen. Klar haben sich die Zeiten geändert, ich genieße dies auch sehr! Aber es ist doch nicht so, dass ich heute weniger Dinge besitze und super minimalistisch, schon gar nicht minimalistisch perfekt bin.
Es ist also schon sehr relativ mit dem Minimalismus, meinem Minimalismus. Perfekt ist er nicht, asketisch bin ich auch nicht.

 

Unperfekt – Manchmal gelingt nichts

Es gibt sie, diese Tage: Das Wetter ist schön, ich habe Zeit, ich habe 1000 Dinge im Kopf, aber irgendwas umsetzen: Nichts! Ok, vielleicht bin ich erschöpft: Da muss ich muss mich unbedingt mal entspannen. Aber auch das gelingt an einigen Tagen überhaupt nicht. Locker werden müssen ist ja auch ein Gegensatz in sich und passt nicht. Und so verdaddle ich die Stunden, weiß irgendwann nicht mehr, wo sie geblieben sind. An solchen Tagen war ich des öfteren gleichermaßen verärgert, wie enttäuscht: Es ist doch schade, wenn die Stunden so dahin fließen. Erst recht, wenn in diesen Stunden dann nicht einmal wenigstens ein einzelner achtsamer Atemzug gelingt.

 

Adé Perfektionismus

Ich habe mich vom Perfektionismus schrittweise einfach mal verabschiedet. Es muss bei mir nicht perfekt sein. Ich muss nicht perfekt sein. Es ist mir einfach zu anstrengend und wirklich gesund ist Perfektionismus auch nicht.
Wenn ich irgendwas durch die jahrelangen Achtsamkeitsübungen gelernt habe, dann ist es, die Dinge gelassener anzugehen und auch entspannter mit mir selbst umzugehen. Ich kann und darf hier und jetzt einfach mal so sein, wie ich bin. Und das ist ok so. Auch, wenn ich es selbst völlig schräg finde. Ich kann auch einfach mal meinen Tag verträumen, mich in tausenderlei Ablenkungen verirren, einen Fehlkauf tätigen, die Todo-Listen in den Mülleimer werfen oder mal alles blöd finden.

 

Was tun? Die Sinne benutzen

Was ich tun kann in diesen Phasen voller Unperfektheit, Schrägheit, Ablenkbarkeit, Unachtsamkeit: Ich kann versuchen, mir mal wertfrei bei all meinem (Nicht-)Tun zuzuschauen: Was passiert mit mir? Was tue ich da gerade? Was tue ich nicht? Gelingt mir dies nicht in der Situation selbst, dann kann ich auch im Nachhinein einmal versuchen, einmal genauer hinzuschauen:

  • Wie geht/ging es mir?
  • Bin/war ich zufrieden, unzufrieden?
  • Bin/war ich müde, erschöpft, wach, überdreht?
  • Wie geht/ging es mir mit meiner Unperfektheit?
  • Wie geht/ging es mir mit all den liegen gebliebenen Dingen?
  • Mache ich mir Selbstvorwürfe?
  • Bin ich enttäuscht von mir?
  • Bin ich entspannt und zufrieden?
  • Finde ich Antworten? Wenn nicht, wie halte ich das aus?

 

Im Rhythmus der Natur, im Rhythmus des Lebens

Phasen sind Phasen – und keine Dauerzustände. Leben ist immer auch von gewissen Gegensätzen geprägt: Es gibt die sehr aktiven Phasen, die von inaktiver Zeit abgewechselt werden. Mal laufen die Tage gut, die Arbeit ist systematisch erledigt, dann sind wieder Zeiten, wo scheinbar nichts gelingt.

Wir sind einfach auch ein Stück Natur. Jedem Einatmen folgt ein Ausatmen. Es ist wie am Meer, wo die Flut von der Ebbe abgelöst wird. Dem Regen folgt irgendwann der Sonnenschein, dem Tag die Nacht. Problematisch wird es erst, wenn kein Ausgleich mehr da ist und dieser Rhythmus des Lebens völlig aus dem Takt gerät. Nicht nur die Natur kann durch unser Verhalten aus dem Takt geraten, auch wir selbst. Beispielsweise, wenn die emotionalen „Nacht-Zeiten“ sehr lange andauern und wir vielleicht nicht mehr alleine hinausfinden. Oder die verdaddelte und verträumte Zeit zu einem Dauerzustand wird – aber auch, wenn ich so aktiv bin, dass ich nicht mehr zur Ruhe komme.

Unperfekt sein zu dürfen ist eben auch Luxus. Und – solange wir uns im Rhythmus des Lebens befinden – ist dieser Luxus erschwinglich, schadet niemandem und er ist einfach erholsam. Wir sind nichts weiter als ein Stück Natur – genau deshalb habe ich auch die Gräser als mein Logo ausgesucht.

Auf einem Futon schlafen – Futon statt Bett

Auf einem Futon schlafen: Foto eines weissen Futons auf einem Holzdielenboden

 

Das Futon im minimalistischen Schlafzimmer

„Auf einem Futon zu schlafen, wie ist das eigentlich?“ Diese Frage wird mir häufig gestellt. Bei der Überlegung, wie ein minimalistisches Schlafzimmer gestaltet werden kann, taucht diese Überlegung sehr oft auf. Ich verwende seit längerem ein Futon zum Schlafen und fühle mich sehr wohl damit. Hier nochmal einige ergänzende Informationen und Anmerkungen dazu:

 

Ein Futon ist ein Futon

– keine „Art Isomatte“ (wie es in diesem TV-Interview mit mir genannt wurde). Dauerhaft auf einer Isomatte zu schlafen, wäre selbst mir zu hart. Gerade im asiatischen Raum, aber auch im arabischen Kulturkreis ist ein Futon eine durchaus übliche und „normale“ Art zu schlafen. Inbesondere in Japan sind die Wohnungen oft sehr klein, Futons werden einfach tagsüber zusammen gerollt und der Platz dann zum Wohnen benutzt.

 

Tatami

Ein Tatami, wie es in Japan oft üblich ist und als Unterlage für das Futon genutzt wird, hat lediglich optische Gründe. Es wird in Japan auch als normaler Fußbodenbelag genutzt.

 

Individuelle Lösungen suchen – nicht für jede/n passt alles

Ob ein Futon der ideale Schlafort ist, lässt sich so generell nicht sagen. Für manche Menschen ist es ideal, für andere nicht. Wer es liebt, eher hart zu schlafen, wird mit dem Futon besser zurecht kommen, als jemand, der gerne weich liegt. Für mich war es die ersten beiden Tage etwas ungewohnt, da das übliche Federn der „normalen“ Matratzen fehlt. Mehrere Tage Anpassung, sind durchaus normal. Wer öfter campt und an Luftmatratzen, Feldbetten oder Isomatten gewöhnt ist, hat auch mit einem Futon vermutlich keine Probleme.

 

Die Pflege eines Futons

Die Pflege eines Futons ist wichtig. Es gibt inzwischen auch Futons mit Latex-, Roßhaar- oder sonstigen Kombinationen, dort wird das Futon nahezu wie eine normale Matratze mit Lattenrost und einem Bettgestell genutzt. Will man ein Lattenrost und ein klassisches Futon nutzen, sollte dies engere Abstände haben, als die üblichen Lattenroste, damit sich die Baumwollfüllung nicht im Laufe der Zeit in die Zwischenräume drückt.

Hat man ein klassisches Futon, ist es wichtig, dies regelmäßig zu lüften, aufzurollen und auch zu wenden.  Auch ein gelegentliches Sonnenbad auf dem Balkon soll wegen der desinfizierenden Wirkung gut sein. Ich habe mir angewöhnt, das Futon täglich aufzurollen und regelmäßig zu wenden. Dies wird schnell zur täglichen Gewohnheit, der Aufwand ist aber natürlich schon etwas höher, als beim normalen Bettenmachen. Ich habe mich für einen abnehmbaren Bezug entschieden, so dass sich dieser auch waschen lässt.

Auf einem Futon schlafen: Foto eines aufgerollten Futons

 

 

 

 

 

Futon und Gesundheit

Die gesundheitlichen Aspekte sind ebenfalls sehr unterschiedlich und ich würde hierzu nie allgemeine Aussagen treffen. Daher verzichte ich auch an dieser Stelle auf allgemein gültigen Tipps. Es gibt Menschen mit Rückenproblemen, die davon profitieren und denen es auf Dauer besser geht, für andere Menschen mit den gleichen Rückenproblemen ist es ein Desaster. Ich selbst habe durch meine regelmäßige Achtsamkeitspraxis inzwischen eine recht gute Körperwahrnehmung und bekomme dadurch viel besser mit, was mit gut tut oder nicht. Ich empfehle all denen, die mit Rückenproblemen oder körperlichen Einschränkungen zutun haben, auf jeden Fall zu erhöhter Vorsicht. Im Zweifel lieber auf ein Futon verzichten.

Meine persönliche Motivation und Situation:
Weder bin ich sportlich, noch gehöre ich zu den Menschen, die das haben, was man einen „gesunden Rücken“ nennt. Im Gegenteil. Mein 5. Lendenwirbel ist verschoben bzw. anders geformt. Die Bandscheibe an dieser Stelle hat dadurch bereits gelitten und ist dort schon recht dünn. Aufgrund einiger anderer, weiterer körperlicher Einschränkungen könnte man auf die Idee kommen, ich bräuchte eine orthopädische Spezialmatratze. Dem ist aber nicht so. Auch mit Rücken und Gelenken geht es auf dem Futon deutlich besser, als bei einer normalen Matratze. Ich gehöre außerdem zu den Leuten, die so ziemlich jede Unebenheit, gerade im Liegen spüren. Ich habe mich früher schnell unwohl gefühlt, schlecht geschlafen, ständig neue Matratzen gekauft. D.h., das Schlafen auf dem Futon wirkt zwar sehr minimalistisch, aber der eigentliche Grund ist Komfort: Ich schlafe dort besser, ich fühle mich besser, es geht mir besser.

 

Auf einem Futon schlafen, wenn man älter wird:

Da ich des öfteren auch gefragt werde, wie ich das denn so auf Dauer, gerade im Alter machen will: Das wird die Zeit zeigen. Entscheidend ist, womit ich mich wohl fühle und womit es mir gut geht. Mit jetzt 56 Jahren geht es mit dem Futon noch prima. Die ersten Tage war es durchaus mühsam, von dem Futon ins Stehen zu kommen, heute ist das kein Problem mehr. Übung macht den Meister, auch mit 50+.  Im Zweifelsfall würde ich mir dann eher ein Podest bauen und die Matte darauf legen, als das ich wieder zu klassischem Bett, Lattenrost und üblicher Matratze wechsle.

 

Platzsparend und multifunktional:

Es gibt zusammenfassend keine einheitliche Empfehlung, die ich aussprechen kann, denn ob Futon ja oder nein, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Nicht zu verachten finde ich aber in Zeiten hoher Kosten fürs Wohnen, dass ein Futon recht wenig Platz benötigt. Außerdem kann es durchaus multifunktional benutzt werden. Für mich ist es u.a. auch eine ideale Unterlage für die Sitzmeditation oder auch um dort als eine Art Sofaersatz zu „chillen“, zu lesen und mich einfach zu entspannen. Das ist sicher alles ein wenig unkonventionell. Aber statt einem Futon hätte ich ansonsten: Bett, Zabuton (Unterlage f. Sitzkissen zum Meditieren) und Sofa. Genau an der Stelle ist ein Futon eben doch minimalistisch. Es spart Möbel, Aufwand, Platz und ich fühle mich mit dieser Art des Weniger sehr bereichert.

 

Auf einem Futon schlafen: Foto eines Futons, dass zu eine Art Sofa zusammengefaltet ist.

 

 

Minimalismus-Wohnung – Dinge, die ich abschaffen werde

Minimalismus-Wohnung: Entspannter wohnen und wohlfühlen

 

Bei mir stehen einige Veränderungen an. Wenn alles gut geht (danach sieht es aus), werde ich Mitte November in eine wunderschöne Dachwohnung mit 35qm umziehen. 
Zum Umzug ganz unweigerlich gehört immer die Frage, was ich künftig nicht mehr brauche, was entsorgt werden kann. Für mich ist dies die Auseinandersetzung mit der Frage, welche Dinge nun die Schwelle der neuen Wohnung überschreiten dürfen und womit ich mich nicht mehr belasten will. Dabei geht es mir genau genommen nicht um die Anzahl von Dingen. Wenn ich von Minimalismus-Wohnung spreche, dann geht es mir um entspanntes Wohlfühl-Wohnen – dazu gehört für mich, wenig Aufwand zu haben und mich nicht mit so vielen Dingen zu belasten. Ich möchte wohnen, mich wohlfühlen und mich nicht ständig mit Erwerb, Pflege, Drumrum-Putzen und Entsorgung von irgendwelchem Kram befassen – und sei dieser noch so schick und modern.

Ich werde in den nächsten Wochen und Monaten immer mal wieder unter dem Stichwort Minimalismus-Wohnung: Entspannter wohnen und wohlfühlen“, einige Aspekte heraus greifen und veröffentlichen. Ein paar Fotos wird’s dann natürlich irgendwann auch noch geben.

 

1. Was brauche ich nicht? Dinge, die ich abschaffen werde:

Auto:
Das Auto wird endgültig verkauft, ich nutze es ohnehin schon lange nicht mehr alleine. Meine künftige Wohnung ist in ruhiger, aber zentraler Innenstadtlage, 15-20 Minuten Fußweg zur Arbeit. Ein Carsharing-Anbieter hat u.a. ein Elektro-Fahrzeug in unmittelbarer Nähe meines Arbeitsplatzes. Es gibt zudem etliche weitere Standorte und noch eine ganze Reihe weiterer Carsharing-Anbieter.
Vieles ist fußläufig oder mit ÖPNV gut zu erreichen. Die nächste U-Bahn und S-Bahn ist 5 Minuten entfernt. Wollte ich zum Hauptbahnhof laufen, wäre ich in ca. 25 Minuten dort, mit der U-Bahn benötige ich ca. 10 Minuten. Es gibt genügend Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, sogar 2 Bioläden sind in 5 Minuten zu erreichen, ca. 20 Minuten Fußweg oder 10 Minuten mit der U-Bahn entfernt, noch ein Bioladen. Der Wochenmarkt in der Stadt ist in ein paar Minuten U-Bahn-Fahrt zu erreichen. Nicht zuletzt heißt der sog. „Ruhrschnellweg“ (B1, A40) hier im Volksmund „Ruhrschleichweg“. Wir stehen im Ruhrgebiet eh mehr im Stau, als das wir fahren. Wozu also ein Auto??

 

Waschmaschine:
5-Minuten Fußweg entfernt ist ein Waschsalon, die Wohnungsgenossenschaft hat zudem ein weiteres sog. Waschhaus mit Waschmaschinen, die von allen genutzt werden können. Da in einem Waschsalon oder Waschhaus dann auch gleich mehrere Maschinen befüllt werden können und ich insbesondere dann auch kein Theater mit Haltbarkeit von Waschmaschinen, irgendwelchen geplanten Obsoleszenzen haben werde, eine wirklich einfache und bequeme Lösung, die nun erstmal einige Zeit nutzen möchte. 

Trockner
Direkt neben meiner Wohnung ist ein schöner und guter Trockenboden – das macht es nahezu perfekt. Hinzu kommt, dass ein Trockner ohnehin eine ziemliche Energieschleuder ist. 

Fernseher:
Einen Fernseher brauche ich definitiv nicht. Schon seit Jahren habe ich nur einen TV-Stick für den Laptop benutzt. Aber den benötige ich auch nicht. Im Internet sind viele TV-Sendungen zudem auch bereits im Livestream oder anschließend in der Mediathek zu sehen.  Der Sinn von irgendwelchen riesigen TV-Bildschirmen erschloss sich mir noch nie. Die riesigen Köpfe auf der Leinwand, der evtl. nötige Zusatzvertrag für HD-TV für schärferes Sehen – all das will ich nicht, brauche ich nicht, hat für mich nichts mit Lebensqualität zutun. Außerdem: Wenn ich etwas auf einer großen Leinwand sehen will, kann ich auch ins Kino gehen.

Radio, Stereoanlage:
Der Laptop ermöglicht auch hier einen einfachen Ersatz. Die schicksten Lautsprecherboxen sind ebf. nicht erforderlich. Aufgrund meiner Schwerhörigkeit, gehts mir vorrangig um entspanntes Hören, da nutzen Lautsprecherboxen nur begrenzt. Es geht mit Laptop und geeignetem Kopfhörer daher ebenso gut.

 

Minimalismus-Wohnung: Entspannter wohnen und wohlfühlen

Weitere Fragen und Themen werden folgen, manches ist noch offen. Immer geht es für mich um wirkliches Wohlfühlen und um die Reduzierung von Belastung. Ein für mich wichtiges Kriterium dafür, dass ich mich wirklich wohlfühle: nicht aufwändig, Freiräume lassen, und die Frage, ob und welche Alternativen es ggf. gibt. Doch dazu später mehr.

 

 

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Fühlen, was ich wirklich brauche – Achtsamkeit, Yoga und Körperbehinderung

Fühlen, was ich wirklich brauche…

Achtsamkeitsübungen sind und waren für mich insbesondere dann, wenn es um die Körperwahrnehmung geht, immer wieder eine besondere Herausforderung. Ich habe ja auch schon einige Male darüber berichtet (siehe unten angefügte Links). Denn erst durch die regelmäßige Achtsamkeitspraxis ist mir überhaupt bewusst geworden, dass ich mich mit einer Körperbehinderung durchs Leben bewege. Allerdings mit einer Behinderung, die erstmal gar nicht so auffällt. Wie oft habe ich früher Physiotherapie gemacht, wie oft Orthopäden aufgesucht, wie oft mir im Sportunterricht angehört, mir fehle es halt nur an Engagement und ich solle mich nicht so anstellen. Niemand sagte mir, was wirklich mein Problem ist – niemand schaute wirklich genau hin.

 

Bewusstwerden der wirklichen Einschränkungen

Erst durch Achtsamkeit ist mir vieles bewusst geworden und daher jetzt auch anders damit umgehen und letztlich auch gezielter auf Suche nach Klarheit durch medizinische Diagnostik gehen. So fiel mit in der Gehmeditation überhaupt erst auf, dass ich kaum sicheren Halt mit den Füßen finde. Das Yoga im Stehen war ebenfalls immer ein Drama. Egal, was und wieviel ich übte, es ging nicht. Inzwischen weiß ich: Leichte Sichelfüße, die dann noch sehr schmal sind, Senk- und Spreizfuß kommen noch ergänzend dazu. Dann ohnehin leicht schiefe Beine, ein gebrochener Lendenwirbel mit dem ich vermutlich schon mein ganzes Leben herum laufe. Hinzu kommen überdehnbare Gelenke, die z.B. einen Vierfüßerstand schon mal zum Desaster werden lassen. Dann bin ich ja auch noch schwerhörig, was das Üben in einer Gruppe nochmal schwieriger macht. Was mache ich nun mit diesen ganzen Einschränkungen? Es einfach sein lassen? Fast war ich dazu geneigt.

 

Lösungen – Erleben, was ich wirklich kann!

Die Lösung, hatte Sabine, Leiterin der MBSR-Gruppe für Übende mit Vorerfahrung, an der ich immer wieder teilnehme: Sie schlug vor, sich manche Übungen nur gedanklich vorstellen, Varianten zu suchen, auch beim Yoga wirklich mitfühlend mit sich selbst zu sein und nur so viel und so weit zu gehen, wie es gut tut. Kurzum: Im Bedarfsfall anders üben und immer wieder hinzufühlen, ob diese oder jene Übung so wirklich gut oder anders vielleicht besser ist.
Letzten Donnerstag entdeckte ich dann eine interessante Variante für mich: Die Yoga-Übungen im Stehen führte ich überwiegend im Sitzen durch und entdeckte dabei die Stabilität der Sitzbeinhöcker. Und so ging es mir durch den Sinn: SitzBEINhöcker, sind doch auch irgendwie Beine – zumindestens für mich. Sitzen ist für mich auch Stehen. Für mich eine unglaubliche Befreiung: Endlich Stabilität!

 

Varianten, Individualität, Kreativität, Lebensfreude

Ein interessanter Nebenbei-Effekt ergab sich für mich: Jenseits von „08/15“, „Schema F“ und „alle üben gleich“ etwas anders machen können, sich dieses Anders-Tun zugestehen, setzte bei mir auch innerlich etwas frei: Viele neue Ideen und Gedanken gingen mir plötzlich durch den Kopf. Statt des üblichen Stresses durch solche Übungen, spürte ich nun Freiheit, kreative Inspiration und einfach Lebensfreude in mir. Keine Sport- oder Gymnastiklehrer, kein Krankengymnast hat ein solch wunderbares Erlebnis durch Körperbewegung und Körperwahrnehmung je bei mir erreichen können, wie es nun durch wirklich achtsames Yoga und dem nötigen Selbstmitgefühl möglich geworden ist.

 

 

 

Minimalistischer Arbeitsplatz – achtsam umgestaltet

Endlich wohlfühlen am Schreibtisch

Für meinen Arbeitsplatz Zuhause suche ich nun schon seit längerem eine für mich passende Lösung. Der Grund: Seit längerer Zeit ist mir beim Sitzen am Schreibtisch immer wieder aufgefallen, wie sich meine Hüfte verkrampft und ich reichlich schief und krumm vor dem Laptop saß. Eine zeitlang ignorierte ich dies, dann versuchte ich, mich gerade hinzusetzen. Aber das reichte nicht aus, um mich wohl zu fühlen. Meine Beine und meine Hüfte waren immer noch verkrampft, der Laptop nun viel zu niedrig und zu weit weg. Was also tun?

Was genau ist das Problem?

Wie fühlt sich mein Körper an? In der formalen Achtsamkeitpraxis habe ich dies immer wieder geübt. Die Wahrnehmung des Körpers lässt sich aber auch prima im Alltag anwenden – eine Grundvoraussetzung um überhaupt erstmal mitzubekommen, wo genau das Problem ist. Wie und warum saß ich so schief und verkrampft da? Ich habe während meines letzten Urlaubes die Gelegenheit genutzt, um achtsam meine schiefe Haltung wahrzunehmen, indem ich diese Haltung einen kurzen Moment lang „eingefroren“ habe, d.h. ich blieb einige Sekunden in dieser Haltung sitzen. Ich fühlte mich nun durch meinen gesamten Körper hindurch, habe also einen kurzen Bodyscan gemacht. Dabei wurde mir folgendes deutlich:

Problem 1: Stuhl zu niedrig

Schnell wurde mir dann klar, dass mein Stuhl für die Länge meiner Beine einfach viel zu niedrig ist. Das Problem kenne ich eigentlich. Aber da fast alle Stühle für mich zu niedrig sind, registriere ich es kaum noch. Möbel sind halt vorrangig auf Leute mit Durchschnittsgrößen ausgerichtet. Meine Beinlänge ist dann wohl nicht durchschnittlich (das Elend kenne ich ja auch vom Hosenkauf).
Ich überlegte mir, ob ich mir statt eines normalen Küchenstuhls nicht doch mal endlich einen Schreibtischstuhl anschaffe. Aber die Stühle, die ich in den ein oder anderen Geschäften probierte (ebf. mit einem Minibodyscan) , hatten dann entweder recht kleine Sitzflächen, waren ziemlich klapprig oder der ganze Stuhl war so wuchtig (sog. „Chefsessel“), dass ich mir so ein „Monster“ nicht in’s Zimmer stellen wollte. Mitunter war der Schreibtischstuhl dann auch so teuer, dass ich mir einen solchen Stuhl derzeit schlichtweg nicht leisten kann und will.
Lösung: Ich konnte mir vorerst einen älteren Schreibtisch-Stuhl leihen, dieser Stuhl hatte ohnehin nur herum gestanden und findet somit jetzt mal wieder eine Verwendung.

Problem 2: Laptop zu niedrig

Als ich nun die richtige Sitzhöhe hatte, war der Laptop so weit weg und damit der Bildschirm so klein, dass ich dann mit dem Oberkörper sehr weit vorn gebeugt am Schreibtisch saß. Also probierte ich einen Laptopständer. Aber der Laptopständer war nicht hoch genug. Ich saß immer noch so schief, krumm und verkrampft am Schreibtisch.
Lösung: Ich hatte noch auf dem Dachboden einen älteren Monitor, den ich an meinen Laptop anschließen konnte. Der Monitor stand dann aber auch noch zu niedrig. Also habe ich ihn noch auf einen ungenutzten Deckel einer Holzkiste gestellt. Jetzt passt es.

Problem 3: Häufiges Knie anstossen am Tisch

Seit längerer Zeit habe ich meinen alten Esstisch als Schreibtisch genutzt. Dieser Tisch ist aber so konstruiert, dass ich mir nun bei meiner idealen Sitzhöhe häufig die Knien daran gestoßen habe.
Lösung: Ein uralter Klapptisch aus Schweden – ebf. nicht mein Tisch, aber ich kann ihn benutzen 🙂 . Eine neuere und etwas größere Variante gibt’s übrigens heute noch in dem bekannten schwedischen Möbeldiscounter zu kaufen. Aber wozu, wo ich diesen alten Schwedentisch nutzen kann. Dieser Tisch kann auf minimalistische 29cm zusammen geklappt werden. Man kann ihn einseitig aufklappen, dann hat er ins. 75cm oder auch beidseitig, dann sind es ca. 120cm.
Der Laptop findet dann, wenn ich nur eine Tischseite ausgeklappt habe – was meistens der Fall ist – nicht noch zusätzlich auf dem Tisch Platz, da nutze ich derzeit einfach einen Stuhl. Ein wenig stört mich auch das Kabelchaos, aber der Monitor hat halt schon ein gewisses Alter (müsste von 2008 sein), dafür ist er aber mit 23 Zoll schön groß und auch sehr gut.

Meine Erfahrungen mit dieser Lösung:

Ich finde es genial, dass ich ganz normal gerade und viel entspannter sitzen und schreiben kann. Ich muss aber aufpassen, dass ich mich nicht wieder gewohnheitsmäßig zu krumm vorgebeugt hinsetze. Insbesondere entlastet dies nun meinem Rücken, meiner Hüfte und meine Beine.
Der Tisch ist einfach nur klasse. Er ist multifunktional und entspricht meinen Vorstellungen eines einfachen und minimalistischen Möbelstücks. Möchte ich Platz im Zimmer haben, klappe ich ihn zusammen und Monitor und Laptop finden trotzdem darauf Platz. Müssen einmal doch viele Dinge auf dem Tisch Platz finden, klappe ich ihn halt nach beiden Seiten aus. Der Tisch hat aufgrund seines Alters schon deutliche Gebrauchsspuren. Trotzdem finde ich es einfach schön, so einen alten, aber immer noch funktionierenden Tisch zu nutzen und auch den in die Jahre gekommenen Monitor sinnvoll weiter verwenden zu können. Nachhaltiger ist diese achtsame entwickelte Lösung meines minimalistischen Arbeitsplatzes dann ja auch noch.