Wohnen und Möbelstandards

Wohnen – Gedankenexperimente

Anlässlich meines bevorstehenden Umzuges wurde mir nochmal deutlich, dass Raumplaner auf dem Computer doch eine praktische Sache sind. Mir ging kürzlich ein Gedankenexperiment durch den Kopf, welches sich mit Wohnen und Möbelstandards beschäftigte. Ausgehend gesagt, ist meine künftige Küche ca. 15qm groß, der Wohn-Schlafraum ca. 16qm. Mir reicht dieser Platz locker aus, aber wie sieht das aus, wenn ich diese beiden Räume mal nach den üblichen Möbelstandards einrichte, wie ich diese in den entsprechenden Kaufhäusern und -katalogen so vorfinde? Also habe ich dies einfach mal mit den Raumplaner-Programm ausprobiert. Das Ergebnis:

links nach rechts: In Küche eine Küchenzeile 3,10m breit. Gegenüberliegend weitere Küchenunter- und -oberschränke 2m breit. In der Mitte ein Tisch mit 2 Stühlen. Im Wohnschlafraum ein Sofa mit Sofatisch davor. Daneben ein 2m breiter Kleiderschrank. Gegenüber: Bett mit 1,40 breite, 1 Nachttisch, 1 Fernsehgerät.

Ich bin mir nicht sicher, wieviele Menschen jetzt denken: Ok, sieht doch ganz „normal“ aus – außer, dass halt Wohnzimmer und Schlafzimmer kombiniert sind. In die eigentlich recht großen Küche habe ich aber nicht mal die heute so oft zu sehende Kücheninsel eingebaut, sie ist also eher einfach eingerichtet. Mich selbst überkam trotzdem schon beim „Einrichten“ der Räume ein Beklemmungsgefühl, insbesondere beim Wohn-Schlafraum. Alles so eng und vollgestellt. Der Kleiderschrank von 2 Meter Breite hat für mich etwas von Möbelmonster, aber so riesig groß scheint ein solcher Kleiderschrank heute nicht mehr zu sein. Es ist nicht einmal ein begehbarer Kleiderschrank. Wollte ich auch nur annähernd alles umsetzen, was heute „in“ „üblich“ oder sogar fast schon „Standard“ ist, müsste die Wohnung mindestens doppelt so groß sein.

Der aktuelle Stand bei mir

Mit meinen aktuellen Möbeln sähen die Räume ungefähr so aus:

Screenshot 3D-Sicht. Links eine kleine Abstellkammer mit Regalen, daran anschließend Küche mit 2,40m breiter Kücheneinheit. Gegenüber stehend ein Tisch mit 2 Stühlen. Auf der rechten Bildhälfte der Wohnraum. Ein Futon, kleiner Hocker. Gegenüber ein kleiner Tisch mit einem Stuhl, sowie einem kleinen Schränkchen.

Es ist erkennbar deutlich leerer. Natürlich gibt es Menschen, die sagen, dass dies doch fürchterlich leer ist. Aber mir gefällt es, weil ich dies als sehr viel freier und nicht so einengend empfinde. Ob und was noch genau noch an Einrichtung dazu kommt, wird sich zeigen. Ich werde künftig meine Kleidung gar nicht mehr im Kleiderschrank aufbewahren, sondern entweder in Kommoden unterbringen oder sogar in dem eigentlich als Abstellkammer gedachten Raum. Abstellkammern haben die Eigenschaft, dass sie irgendwann voll mit irgendeinem Gerümpel stehen. Da ich nicht so viele Dinge habe und nicht vor habe, diesen Raum vollzurümpeln, kann ich diese Abstellkammer auch für alles mögliche nutzen, selbst die Kleidung passt vermutlich problemlos dort hinein.

Wohnen und Alltagsachtsamkeit

Meine Überlegungen sind natürlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Außerdem: keine Ahnung, was mir nächste Woche oder nächstem Monat so einfällt. Schon gar nicht, will ich meine Varianten als irgendeinen neuen Standard erheben. Ich finde es einfach nur wichtig, sich von den üblichen Bildern, die uns als Werbung vor die Nase gesetzt werden, nicht verführen und zu stark beeinflussen zu lassen. Es ist viel sinnvoller, wirklich Alltagsachtsamkeit auch auf das Wohnen auszurichten, um so den eigenen Bedürfnisse besser entsprechen zu können. Ich erlebe dies sehr befreiend. Mein Bedürfnis ist es, einfacher und minimalistischer mit meiner Wohnraumgestaltung umzugehen. Für mich ist es verbunden mit dem wunderbaren Gefühl von Freiheit. Außerdem ist es sehr viel weniger Aufwand mit nervigem Aufräumen und Putzen. Ich möchte zudem auch nicht eine teure Miete für einen größeren Wohnraum bezahlen, um die üblichen, aber oft überflüssigen Möbelstandards unterzubringen, in denen ich dann u.a. all das überflüssige Zeugs horten kann, das ich weder brauche noch nutze. Das Geld und den Aufwand, den ich dafür hätte, spare ich mir und genieße dann lieber das Leben und die Freizeit auf meinem künftigen Balkon und in einer Wohnung, in der ich mich nicht eingeengt fühle.

Mein Achtsamkeits- und Minimalismus-Tipp:

Schaut und spürt wirklich genau hin, welchen Bedarf ihr habt, mit was ihr euch wohlfühlt und mit was auch nicht. Im Bedarfsfall mal ausprobieren und irgendein Teil mal testweise für einige Wochen im Keller oder auf dem Dachboden parken und dann schauen: Fühle ich mich dann besser oder schlechter oder ist es egal?

Der Wohnraumplaner ist übrigens eine Open-Source-Software und kostenlos verfügbar für die Betriebssysteme Windows, Mac, Linux und Solaris http://www.sweethome3d.com/de/

Mein Leben im JETZT

Bewegungen und Veränderungen

Mein Leben im JETZT ist gerade sehr bewegt. Solche Phasen im Leben hatte ich immer mal wieder. Meine beiden Bücher „Wenig Dinge braucht das Glück“ machen gute Fortschritte. Wesentliche Inhalte stehen und ich denke, dass ich in gut 3 Wochen fertig sein werde, die Veröffentlichung wird dann Mitte August sein. Inzwischen gibt es aber auch noch mehr Veränderungen. Ich werde zwischen Mitte Mai und Anfang Juni nochmal umziehen. Warum diese Entscheidung jetzt gefallen ist, hat viel mit Achtsamkeit auf meine Bedürfnisse zutun. Der Grund, warum ich diese ganzen Veränderungen und Bewegungen, neben meiner Berufstätigkeit gut hintereinander bekomme, ist mein minimalistischer Lebensstil.

Achtsamkeit – das Leben im jeweiligen Augenblick

Irgendwann in den letzten Monaten entdeckte ich die Tragweite und die unglaubliche Chance des Lebens im Augenblick. Leben findet tatsächlich JETZT statt. Zukunft ist nie bis ins letzte Detail planbar. Ich lebe im JETZT, genau in diesem Moment. Und das bedeutet für mich, ich brauche keinem Ziel, keinem Trend, keiner Mode, keiner Perfektion nachrennen. Bucketlist brauche ich nicht. Wirklich JETZT leben, bringt  Energien ins Fließen. Dadurch entwickelt sich genug – von ganz alleine.

Umzug und Älterwerden

Den jetzt anstehenden Umzug hatte ich eigentlich erst in ein paar Jahren vorgesehen, irgendwann zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr. Mir war beim Einzug in diese Wohnung von vorne herein klar, dass ich nicht mit 65 und älter, noch in die 4. Etage klettern und unter der Dachschräge duschen will. Als mir mein Leben im JETZT bewusst wurde, tauchte die Frage tauchte auf, wozu ich denn so lange warten will? Mir fehlt JETZT ein Balkon. Und bereits in den heißen Tagen des letzten Sommers, hat mich das abendliche Gemurmel der Gaststättenbesucher von Gegenüber, doch mehr gestört, als es vorher absehbar war.

Die neue Wohnung befindet sich hier in meiner Wohngegend, knapp 200m entfernt. Sie liegt in der 1. Etage, hat neben einem Balkon eine große Wohnküche, einen Wohn-Schlafraum, Bad und eine kleine Abstellkammer.

Grundriss der neuen Wohnung. Links: Wohnschlafraum, rechts daneben schließt sich die Küche an. Davon geht eine Abstellkammer und Balkon ab. Von der Küche geht es in den Flur. Im Flur der Zugang zum Bad.

Künftig gibt es also keine „Bergbesteigungen“ in die 4. Etage mehr. Damit ist die künftige Wohnung sogar fürs Älterwerden geeignet. Ich denke also im JETZT durchaus auch an das, was noch kommt. Manche Menschen mögen Gedanken an das Wohnen beim Älterwerden mit 57 Jahren zu früh finden. Ich nicht. Ich habe nämlich in den letzten Jahren mehrfach gesehen, wie es Menschen gehen kann, die sich um solche Themen nicht rechtzeitig kümmern. Irgendwann sitzen sie in Ihren Wohnungen und weil u.a. auch das Treppensteigen beschwerlicher geworden ist, gehen sie kaum noch vor die Tür. So möchte ich keinesfalls leben.

Ich kann mich nun viel unbeschwerter auf mein Leben JETZT konzentrieren. Dies zu einem Zeitpunkt, wo ich mich gut fühle und ich auch noch mit Einkaufstaschen problemlos in 4. Etagen klettern kann. Ich muss nicht warten, bis ein evtl. Desaster vor der Tür steht, ich kann es einfach frühzeitig umschiffen und so viel befreiter leben.

Minimalismus – das Leben im JETZT gestalten

Wie anfangs erwähnt, ist es gerade mein minimalistischer Lebensstil, der mir all die Veränderungen und Bewegungen in meinem Leben stressfrei ermöglicht. Ohne minimalistischen Lebensstil hätte ich keine Teilzeitstelle. Ohne Teilzeitstelle würde es die Bücher, die ich schreibe, definitiv nicht geben. Erst recht hätte ich es mir mit Vollzeitjob derzeit angetan, auch noch umzuziehen. Mit einem „normalen“ Hausstand eines üblichen westlichen Lebensstil, wäre das mehr als reichlich Arbeit, viel Vorbereitung und somit eine große Hürde. Die Dinge in meiner Wohnung sind dagegen schnell und in überschaubarer Zeit ein- und wieder ausgepackt. Immer wieder konzentriere ich mich auf das JETZT Wesentliche. Ich habe gerade durch diesen minimalistischen Lebensstil mehr Freiheit, mehr Optionen, wie ich mein Leben im JETZT gestalten kann – und ich genieße dies sehr.

Ich werde in den nächsten Wochen noch einige Male das Thema „Umzug – Minimalismus – Achtsamkeit“ aufgreifen und mich damit auseinandersetzen, was es für Gründe für und gegen einen Umzug gibt und wie man solche Phasen stressfrei gestalten kann.

 

Filmtipp: Kaufen für die Müllhalde

Der Film „Kaufen für die Müllhalde“ ist aktuell bis zum 1.5.2018 auf Arte.de zu sehen. Die Filmemacherin Cosima Dannoritzer hinterfragt unsere moderne Wegwerfgesellschaft und den bei vielen Produkten einprogrammierten Verschleiß (geplante Obsoleszenz). Er zeigt aber auch Lösungsansätze und alternative Produktionsweisen auf.

Ich finde es hilfreich, sich immer mal wieder daran zu erinnern, wie wichtig es ist, achtsamer mit uns und den Resscourcen unseres Planeten umzugehen. Minimalismus ist für mich auf diesem Hintergrund auch eine Form praktisch gelebter Achtsamkeit im Umgang mit den Dingen.

Weitere Filmtipps gibt es hier:  Filmtipps Achtsamkeit

 

10 Tipps für die Gestaltung einer Minimalismus-Wohnung

Eine Minimalismus-Wohnung einrichten und gestalten

Mit wie vielen und mit welchen Dingen sollte eine Minimalismus-Wohnung eingerichtet werden? Der Minimalismus als Lebensstil bezieht sich hier nicht auf den Minimalismus als Designstil, sondern darauf, wie wir mit weniger Dingen zu mehr Zufriedenheit finden können. Aber wie wenig Dinge sollten es sein? Welcher Besitz macht denn nun Sinn? Was macht glücklich? Was passt?

Lebensverhältnisse sind unterschiedlich

Unsere Lebensverhältnisse sind genau genommen viel zu unterschiedlich, als das sich so mal eben festlegen ließe, dass dieses oder jenes ganz spezielle Ding oder gar eine bestimmte Anzahl an Dingen Sinn macht oder auch nicht. Ich würde mir nie anmaßen, die allein seligmachende Lösung zu haben. Ich halte viel davon, individuelle und zur jeweiligen Lebenssituation passende Lösungen zu entwickeln. Daher habe ich nachfolgend einige Tipps zusammen gestellt, die vorrangig als Orientierungs- und Reflexionshilfe gedacht sind. Ich möchte dazu ermuntern, einmal genauer zu erspüren und auszuprobieren, wie die persönliche passende Lösung für das eigene minimalistische Wohnen aussehen kann.

Orientierungs- und Reflexionshilfen für das minimalistische Wohnen

  1. Wohndauer: Wie dauerhaft, wie kurz oder wie lang werde ich voraussichtlich dort wohnen bleiben, wo ich jetzt wohne? Wer gerne und viel unterwegs ist, sollte sich nicht mit schweren und großen Möbeln quälen. Wer voraussichtlich immer am gleichen Ort bleibt, für den ist dieser Punkt zweitrangig, kann ggf. auch Einbauten vornehmen.
  2. Aufpassen im Möbelhaus: Sinnvoll ist es gerade beim Gang durch ein Möbelhaus, sich gedanklich immer die eigene Wohnung zu vergegenwärtigen. Ggf. einfach vorher nochmal einige Fotos auf dem Handy speichern und die Wohnung ausmessen. Die Ausstellungsräume von Möbelhäuser sind in der Regel sehr großzügig und es wird oft unterschätzt, dass ein Möbelstück dann später in der eigenen Wohnung sehr viel mehr Raum einnimmt und größer ist, als es im Kaufhaus vorher gewirkt hat.
  3. Verzichte auf Spontankäufe, achtsames Konsumieren ist auch bei der Wohnungseinrichtung sinnvoll – insbesondere, wenn du gerade in den den Abteilungen für Dekoration oder Unterhaltungselektronik unterwegs bist. Die ganze angebotene Ware wird über Nacht nicht aus den Geschäften verschwinden und kann auch ganz entspannt zu einem späteren Zeitpunkt gekauft werden – sofern sie dann überhaupt noch interessant ist.
  4. Möbel multifunktional nutzen: Einen minimalistischen Lebensstil kommt sehr entgegen, wenn Dinge, also auch Möbel, multifunktional genutzt werden können. Nicht jeder Mensch benötigt zwingend einen Schreibtisch, da kann auch einfach mal der Esstisch freigeräumt werden. Ein Bett kann als Sofa oder auch das Sofa als Bett genutzt werden. Küchenunterschränke können so in den Raum gestellt und mit einer etwas breiteren Arbeitsplatte versehen werden, dass sie sich nicht nur als Arbeitsfläche, sondern auch als Essplatz nutzen lassen. Idealerweise wird dann auf viele herum stehende Geräte und Untensilien verzichtet. Wer isst schon gerne mit der Kochkelle vor der Nase.
  5. Farben und Materialien – Achte auf eine persönlich stimmige Auswahl an Farben und Materialien. Oft ist hier weniger wirklich mehr. Einzelne ausgewählte Möbel oder besondere Erinnerungsstücke kommen besser zur Geltung, wenn sie nicht durch den restlichen darum herum angesammelten Kram „erschlagen“ werden.
  6. Vermeiden wilden Möbel- und Dekomix. Immer mal wieder ist mir aufgefallen, dass wir oft dazu neigen, alle möglichen einzelnen Teile schön zu finden (ein Möbelstück, dieses oder jenes einzelne Dekoteil), ohne wirklich darauf zu achten, ob eins zum anderen passt.
  7. Nicht zu viel auf einmal: Gerade beim Neueinrichten einer Wohnung oder ggf. auch nach einem Umzug, empfiehlt es sich, nicht gleich die Wohnung voll zu stellen. Versuche zunächst den Raum und die Atmosphäre des Raums, das einfallende Licht wahrzunehmen und zu erspüren. Überlege in Ruhe, welche Möbelstücke vorrangig sind und ob das ein oder andere Teil nicht vielleicht doch noch warten kann. Es macht keinen Sinn, sich eine größere Anzahl von Schränken oder Regalen zu kaufen, wenn man noch gar nicht weiß, ob man sie überhaupt voll bekommt. Und steht da erstmal ein halbleerer Schrank, ist es sehr verführerisch, ihn wieder mit (unnötigem) Kram zu befüllen.
  8. Schaffe oder nutze geschlossenen Stauraum: Für eine minimalistische Wohngestaltung macht es Sinn, sich geschlossene Stauräume zu schaffen, diese aber nicht mit einem Krempel-Sammelort zu verwechseln! Ggf. reicht es auch, einfach die ganzen Kleinteile im Regal in Kisten oder Schachteln zu verstauen und diese Kisten ins Regal zu stellen. Auch in der Küche macht es Sinn, möglichst viele Dinge im Schrank unterzubringen. Dann kann man immer noch im Alltag ausprobieren, welche einzelnen Teile doch auf der Arbeitsplatte abgestellt werden sollten.
  9. Erlaube dir eigene Wege und Lösungen, anstatt dich nur auf die Ideen der Möbelindustrie zu verlassen. Gönne dies auch den Menschen, mit denen du zusammen wohnst und lebst.
  10. Überstürze nichts, lass dir Zeit. Es geht nicht um Wettbewerb, sondern um Wohlfühlen. Dies ist insbesondere bei einem Umzug sinnvoll. So lässt sich erstmal wirklich ausprobieren und verändern, bis die richtige Lösung gefunden ist.

 

 

Minimalismus-Stammtisch Essen/Ruhrgebiet – Aktuelles

Der Minimalismus-Stammtisch Essen/Ruhrgebiet ist inzwischen als Gruppe bzw. Projekt im Unperfekthaus in Essen angemeldet, so dass wir dort jeweils einen festen Raum haben.

Das nächste Treffen für Menschen, die sich gerne in lockerer Atmosphäre über den minimalistischen Lebensstil austauschen oder diesen erst kennenlernen möchten, ist am Samstag, 31.3.2018, ab 15 Uhr im Unperfekthaus, Raum 423 (4. Etage). Im Eingangsbereich müssen 7,90€ für eine Getränkeflatrate bezahlt werden. Hierfür erhält man nichtalkoholische Kaltgetränke und Kaffee und Tee – soviel man möchte.

Adresse: Unperfekthaus, Friedrich-Ebert-Straße 18-26, 45127 Essen.

Ergänzender Hinweis: Bitte die bis Sommer recht unterschiedlichen Termine beachten. Der Link mit Terminen ist hier zu finden: https://www.unperfekthaus.de/projekte/minimalismus-stammtisch-essen-ruhrgebiet

Kaffeetasse auf Tisch. Darüber in weißer Schrift: Minimalismus-Stammtisch Essen-Ruhrgebiet
Foto: © www.minimalismus-stammtisch.de

 

Lebensluxus

Es ist nachmittags kurz nach 15 Uhr an einem gewöhnlichen Wochentag und ich genieße den Lebensluxus:

Foto einer Wanduhr

Zeit.

Jahrzehntelang habe ich um diese Zeit üblicherweise eins gemacht: gearbeitet. Seit einigen Jahren arbeite ich halbtags und manchmal bin ich dadurch schon mittags Zuhause. Ich merke, wie sehr ich dies genieße. Die größte und aktuell wertvollste Währung ist Zeit und ich genieße sie.

Auch ich brauche natürlich ein gewisses Geld. Ich lebe nicht von Luft und Liebe, habe keinen Sponsor und auch nicht im Lotto gewonnen. Aber die Freiheit wird spürbar größer mit all den Dingen, die eben nicht mehr so dringend nötig sind. Natürlich ist es manchmal mühsam, sich immer wieder damit auseinander zu setzen, ob dieses oder jenes Teil wirklich neu gekauft werden soll. Mühsam, aber auch sehr befreiend. Es macht unabhängiger von Moden, Meinungen, Trends und irgendwelchen Existenzsorgen.

Das Auto ist lange verkauft, dafür muss ich nicht mehr arbeiten. Ich quäle mich nicht mit irgendwelchen Spülmaschinen, brauche keinen Kaffeevollautomat, erst recht keine Kapsel-Kaffeemaschine. Ich genieße es, in überschaubarer Zeit an einen Urlaubsort zu kommen und für die Anfahrt nicht viel Zeit zu benötigen. Dafür muss ich nicht um die halbe Welt fliegen. Computer und Handy sind gebraucht gekauft und ca. 5 Jahre alt. Ein Sofa habe ich nach rund 16 Monaten immer noch nicht. Einfach, weil mir das, was ich gesehen habe, nicht gefallen hat. Die Zeiten, in denen ich mir dann irgendwelche Möbelkompromisse in die Wohnung gestellt habe, sind vorbei. Entweder gefällt mir etwas oder es findet nicht den Weg in mein Zuhause. Da bin ich sehr pingelig geworden und merke, dass es mir gut tut.

Es geht mir nicht um viele oder wenig Dinge, sondern um viel Leben und viel Lebensqualität. Achtsamkeit ist dabei wie der Silberfaden, der durch den Stoff des Alltages gewebt ist. Ich erlaube mir, meine eigenen Wege und Schwerpunkte zu finden – auch in der Art, wie ich Achtsamkeit lebe und praktiziere. Ich probiere, experimentiere gerne und ich genieße es, das Leben immer wieder neu zu gestalten. Das ist für mich der wahre Lebensluxus.

 

 

Mein Leben mit weniger Dingen

Ich entdecke es immer wieder: Mein Leben mit weniger Dingen ist das, was zu mir passt. Der achtsame Umgang mit den Dingen hat für mich viel zutun mit Achtsamkeit für mich selbst. Minimalismus ist nichts anderes für mich, als achtsamer mit mir und meinem Bedürfnissen umzugehen. Warum das so ist, lässt sich genau genommen recht leicht erklären.

Rückblende 80er-Jahre – Versuche, „konventionell“ Wohnen zu wollen…

Meine erste eigene Wohnung bezog ich 1982. Einige Gebrauchtmöbel waren die erste Ausstattung, später waren es zwei möblierte Zimmer mit Gemeinschaftsbad auf dem Flur. Es folgte eine Wohnung mit einem bunten Gemix aus Gebraucht- und Neumöbeln, Mitte der 80er Jahre eine WG mit erster eigener Waschmaschine statt Waschsalon und das erste Festnetztelefon statt Telefonhäuschen. Was für ein Ereignis! 1987 folgte eine 2-Zimmer-Wohnung, die ich lange Jahre alleine, danach in einer Beziehung bewohnte.

Auch in den 80er-Jahren habe ich habe es schon immer geliebt, Dinge zu verändern, Möbel umzustellen, irgendwelche Wohnimprovisationen auszuprobieren. Es ging mir gut damit. Bis ich dann irgendwann Mitte bis Ende der 80er-Jahre überlegte, ob ich nicht doch mal langsam irgendwie „konventionell“ werden müsste, also so, wie halt der Durchschnitt der Leute so wohnt. Sowohl privat, als auch beruflich waren die meisten Menschen längst gut ausgestattet mit eleganten Küchen, phantastischen Sitzgarnituren und allerlei Schnick und Schnack. Und ich stand da und hatte immer noch die Baumarktspüle aus den 70er-Jahren.

Blick auf die beschriebene 70er Jahre-Baumarktspüle

Küche der 80er Jahre: von links nach rechts: Ansatzweise kleiner Gefrierschrank, weißer Unterschrank mit handbetriebener Brotschneidemaschine. Ytonsteine und Holzbrett als Regal mit kleinem Radio darauf. Rechts in der Ecke eine Jaffa-Kiste mit alter Kaffeemühle. Im rechten Vordergrund: weißer Stuhl und ansatzweise erkennbarem Tisch auf dem eine rötliche Decke liegt.

 

 

 

 

 

Also machte ich mich auf die Suche nach irgendwelchen Einbauküchen, die mir aber nie gefielen oder mir zu teuer erschienen. Sofas kamen und gingen, Fernsehgeräte kamen und gingen, sonstiges Mobiliar ebenfalls. Kaum hatte ich einige Zeit irgendwas „Schönes“ in der Wohnung, entsorgte ich es wieder. Gerade in den Zeiten, in denen ich alleine wohnte, war es besonders heftig. Da musste ich mich ja nur mit mir selbst einigen – das ging schnell 😉 . Einerseits gefielen mir diese ständigen Veränderungen, andererseits bekam ich es mit dem, was ich mir unter „konventioneller Einrichtung“ vorstellte, nie hin. Heute muss ich fast darüber lachen.

Eigene Bedürfnisse erkennen durch Achtsamkeit und Minimalismus

Meinen wirklichen Wohnbedürfnissen näherte ich mich genau genommen erst, als ich 2010 die Achtsamkeit für mich entdeckte und kurz darauf den Minimalismus als Lebensstil. Leben mit weniger Dingen. Oh, ist das phantastisch. Es ist nämlich egal, wie „man“ wohnt. Wichtig ist, mit welchen Dingen ich mich wohlfühle. Und ich fühle mich nunmal definitiv wohler, wenn nicht so viel Zeugs um mich herum steht.

Als ich irgendwann dann mal von Marie Kondo und ihrer Konmarie-Methode las („behalte nur das, was dich glücklich macht“), dachte ich spontan: „Ok, diese Methode konsequent zu Ende gedacht, gibts ja nur wenig Dinge, die mir wirklich etwas bedeuten.“

Blick ins Wohnzimmer: Kleine Kommode mit Wlan-Router und Steckerleiste. Daneben Stehlampe. Dann ein Tisch. Darauf ein Laptop, ein Glas, eine Glaskaraffe. Über dem Tisch an der Wand ein Bild mit Gräsern. Rechts vom Tisch ein zum Sofa zusammengefaltetes Futon. Rechts vom Futon: ein Hocker mit Bild, Klangschale, Lampe.

Klangschale auf Holzfußboden

 

 

 

 

 

Mein Futon gehört dazu, dann gefallen mir Tisch und Stuhl und der Computer, mit dem ich gerade diesen Text erstelle. Ganz neben: Es sieht aktuell schon wieder ganz anders aus, als auf dem Foto und vielleicht ist es nächste Woche schon wieder eine neue Variante….  Ich besitze eine Klangschale, die dann tatsächlich einfach nur den Sinn hat, dass ich sie schön finde und die mich gelegentlich einfach an meine formelle Achtsamkeitspraxis erinnert. Aber auch diese Dinge wären im Bedarfsfall austauschbar. Der Rest meiner Besitztümer machen mich nicht glücklich, sie sind aber praktisch und nützlich (z.B. Reinigungsgeräte wie Staubsauger oder Schrubber, aber auch meine Brille, die Hörgeräte, Kleidung, Dinge für die Küche, usw..).

Heute verstehe ich, warum bei mir zu früher viele Dinge und Besitztümer kamen und gingen. Ich dachte, all diese Dinge müssten mir viel bedeuten. Das war aber nicht so. Ich habe die Dinge benutzt – auch gerne benutzt. Manche waren schön, manche praktisch, manche beides. Manche Dinge haben mich sehr lange begleitet, wie z.B. meine Baumarktspüle. Aber ich habe mich nie über irgendwelche Besitztümer definiert. Viel wichtiger war und ist es mir, dass ich mich wohl fühle, dass die Dinge sich an meinen jeweiligen Bedarf anpassen lassen und bloß nicht immer alles wie in Zement gemeißelt, gleich ist.

Mein Leben mit weniger Dingen in der Zukunft

Wohin genau mich mein Leben mit weniger Dingen führt, weiß ich nicht genau. Die Gegend, in der ich jetzt wohne, gefällt mir. Ich möchte hier wohnen bleiben und maximal in der Nähe irgendwann in Erdgeschoß oder 1. Etage ziehen. Zur Nomadin werde ich daher nicht mutieren. Es dürfen daher immer auch einige Möbel sein, die ich nutze. Die einzige Voraussetzung ist eine gewisse Mobilität dieser Möbel. Ich räume nämlich immer noch liebend gerne um. Ich experimentiere gerne. Möbel und Dinge müssen sich an meinen jeweiligen Bedarf anpassen lassen. Und Veränderungen sollten kein großer Zeitaufwand, schon gar kein Kraftakt sein. Ob meine Art mit weniger Dingen zu wohnen, dann konventionell oder unkonventionell ist, ist mir zum Glück heute völlig egal. Ich muss nicht zu den Dingen passen, sondern die Dinge müssen zu mir passen.

 


Ergänzend noch ein aktueller, kurzer Hinweis:
Ich bin inzwischen nicht mehr über Facebook und Twitter oder sonstige soziale Netzwerke erreichbar. Einige Infos dazu hier: https://achtsame-lebenskunst.de/2018/02/11/kurzer-hinweis-kein-facebook-mehr/

 

Achtsamkeit, Minimalismus – raus aus den Schubladen

Neulich entdeckte ich zufällig dieses Zitat:

„Glaube nichts, weil ein Weiser es gesagt hat.
Glaube nichts, weil alle es glauben.
Glaube nichts, weil es geschrieben steht.
Glaube nichts, weil es als heilig gilt.
Glaube nichts, weil ein anderer es glaubt.
Glaube nur das, was Du selbst als wahr erkannt hast.“
Buddha

Mir ging durch den Sinn, an was wir heute so üblicherweise alles glauben, beispielsweise daran, dass uns die „Götter des Konsums“ demnächst nicht nur die neueste Smartphone-Generation bescheren, sondern dann auch noch das Smarthome. Da ist dann kein Weiser, der uns etwas sagt, sondern der Kühlschrank. Er teilt uns mit, was wir einkaufen müssen. Die Modeindustrie erklärt die 52. Saison pro Jahr für „heilig“ und wir sollen natürlich daran glauben. Vom „Tanz ums goldene Kalb“, erzählte schon das Alte Testament und noch immer tanzen wir diesen Tanz unablässig weiter.

Natürlich gibt es Menschen, die diesen Tanz um‘s „goldene Konsum-Kalb“ leid sind und den Minimalismus als Lebensstil für sich entdeckt haben. Stress und Druck in unserer Gesellschaft führt dazu, dass sich plötzlich immer mehr Menschen für Achtsamkeit interessieren. Aber wie schnell sind wir auch hier in Gefahr, uns zu sehr an dem zu orientieren, was andere glauben. Bin ich noch minimalistisch, wenn ich eine Bücherwand oder einen Kaffeekocher Zuhause habe? Oder gar mehr als 2 Hosen und 5 T-Shirts im Schrank? Kann ich mich ernsthaft als Achtsamkeit-Übende bezeichnen, wenn mir mal tagelang so gar nichts achtsames gelingt, nicht mal ein einziger Atemzug? Minimalismus ist angeblich nur etwas für Singles, die mit 100 Teilen durch die Welt wandern und Achtsamkeit ist plötzlich ideal für Firmenbosse, die durch Meditation noch erfolgreicher werden wollen. Und so werden viele „Glaubens-Schubladen“ gebaut und wir packen dies, das und jenes hinein oder zaubern irgendwelche vermeintlichen Weisheiten hervor.

„Glaube nur, was du selbst als wahr erkannt hast“ – dieser Satz klingt in einem gesellschaftlichen Umfeld, das von Vereinzelung geprägt ist, fast unglaublich. Passt das noch in die heutige Zeit? Das klingt irgendwie egoistisch. – Aber ist es das wirklich?

Ich denke, wenn ich mich an irgendwelchen Konsum- oder Schubladengläubigkeiten orientiere, so ist dies viel egoistischer. Beispielsweise sind solche Schubladen sehr bequem. Konsum schafft zumindestens einige sekundenlange Glücksmomente und wenn ich die nur oft genug aneinander reihe, dann reihen sich ja vielleicht auch diese kleinen Glücksmomente aneinander. Zumindestens kann ich mir das einreden. Übernehme ich die Weisheiten anderer und unterscheide nicht genug zwischen Schublade, Weisheit und Schubladenweisheit, so muss ich nicht selbst nach Antworten suchen. – Allerdings ist meines Wissens, noch niemand mit dem Fahrstuhl in den Himmel der Erkenntnis gelangt. Daran wird auch das Smarthome nichts ändern.

Ich würde mir selbst nie anmaßen, erkannt zu haben, was wahr ist. Ich bin in keinster Weise irgendwie erleuchtet und einfach nur froh, wenn mir ab und an mal ein kleines Licht aufgeht. Damit habe ich schon genug zutun. Eins dieser kleinen Lichter ist, dass ich kaum anderen Menschen wirklich begegnen und schon gar nicht ernsthaft unterstützen kann, wenn ich nicht auch mir selbst begegnet bin. Und vielleicht gelingt es uns dann ja doch, dass wir uns ganz ohne Schubladen-Denken in all unserer Vielfältigkeit begegnen und gegenseitig inspirieren können.

Minimalismus: Lebensabschnitte beenden

Lebensabschnitte beenden

Manchmal macht es Sinn, Dinge auch deshalb zu verabschieden, um Lebensabschnitte beenden zu können. Sehr häufig ist es eine Beziehung, die zu Ende gegangen ist. Man lebt nun getrennt und gewisse Dinge müssen einfach raus und verändert werden: Für viele ist es das Bett, manchmal sind es auch Möbel aus dem Wohnzimmer, Küchengeräte oder vieles andere mehr. Jede/r hat andere Schwerpunkte und andere Dinge, die er oder sie nun auch loswerden möchte.

Mein wichtigster und erster Lebensabschnitt, den ich mit dem Loswerden von Dingen beendet habe, war meine Schulzeit. Das ist lange her. Im Sommer 1978 hatte ich meine „Mittlere Reife“ und habe mit größtem Vergnügen meine ganzen Schulunterlagen einzeln in kleinste Schnipsel zerrissen und dann zusätzlich im Werkstattofen meines Vaters verbrannt. Ich kannte damals den Begriff Minimalismus nicht, es gab kein Internet, keine sozialen Netzwerke, keine Webseite. Aber: Es hat so gut getan! Beim Durchsehen alter Fotos habe ich vor einigen Monaten bis auf ein Foto, alle Digital-Fotos aus der letzten Wohnung gelöscht, zu unangenehm war das Wohnen zuletzt dort. Oder es war ein einzelnes Foto, welches ich an meine musikalisch aktive Zeit behalten habe, als wirklich schöne Erinnerung. Es war eine schöne Zeit, aber sie ist zu Ende. Das ist jetzt ok und es geht mir damit gut.

Das „10-Dinge-Spiel“

Neulich habe ich mal das „10-Dinge-Spiel“ konsequent zu Ende gedacht. Gemeint ist damit die Überlegung, welche 10 wichtigsten Dinge ich im Bedarfsfall, wie Wohnungsbrand, retten würde. Erstmal hoffe ich, dass es nie zu einer solchen Situation kommt. Ich kenne Menschen, denen es so gegangen ist: Es war gruselig! Als ich mich der 10-Dinge-Frage trotzdem gestellt habe, wurde mir zu meinem eigenen Erstaunen klar, dass eigentlich fast alles ersetzbar ist. Trage ich Kleidung, habe Brille, Hörgeräte, Geldbörse mit einigen Ausweiskarten etc. dabei, dazu einen USB-Stick mit den wichtigsten Daten, sowie im Idealfall sogar das Handy, ist der Rest letztlich ersetzbar bzw. rekonstruierbar.

Die Sinne zur Ruhe kommen lassen

Schöne Erinnerungen trage ich in mir, dafür brauche ich keine voll gestellten Räume. Ich genieße es, wenn mein Blick nicht durch tausenderlei Dinge abgelenkt wird. Es ist so wohltuend, wenn meine Sinne zur Ruhe kommen können. Wenige Dinge haben für mich viel mit Achtsamkeit mir selbst gegenüber zutun. Irgendwelche Wohnstandards sind mir egal. Die Lebensabschnitte, wo ich mit mit solchen Themen befasst habe, sind zum Glück lange vorbei. Die Vorstellung, mich irgendwann als alter Mensch, zum Ende des Lebens hin, daran aufrecht erhalten zu müssen, dass ich doch so einen schönen 4-Meter-Kleiderschrank vollgestopft mit Zeugs habe, wäre gruselig für mich. Das ist kein Leben, sondern ein Horten von Dingen aus Zeiten, die längst vergangen sind. Am Ende des Lebens bleibt einmal das, was ich bin, nicht das, was ich besitze. Dinge müssen sich gut anfühlen. Sie müssen mit mir, mit meinem Leben im Hier-und-Jetzt zutun haben. Was die Zukunft bringt, weiß niemand ganz genau, aber ich weiß, was die Gegenwart ist: Es ist genau dieser eine Moment.

Minimalismus – der Weg zu mir und meinen Bedürfnissen

Minimalismus, das ist der Weg zu mir, zu meinen Bedürfnissen – ganz unabhängig davon, was „normal“ „Trend“ „üblich“ „durchschnittlich“ ist. Diese Freiheit von Zeug ist genau das, was ich mag. Es entspannt mich und lässt mich ruhiger werden. Es hat immer Menschen gegeben, die all die vielen Dinge nicht mehr wollten. Dazu muss ich nicht erst Diogenes in der Tonne bemühen. Es wird immer Menschen geben, die mit weniger Dingen und einem einfachen Lebensstil, mehr Lebenszufriedenheit empfinden werden. Ich empfinde es als unglaublichen Luxus, bewusst und achtsam auf meinen wirklichen Bedarf im Hier und Jetzt zu achten und in genau diesem Lebensabschnitt  die Dinge nutzen zu können, die ich hier und jetzt wirklich mag und brauche.

Blick ins Wohnzimmer: Kleine Kommode mit Wlan-Router und Steckerleiste. Daneben Stehlampe. Dann ein Tisch. Darauf ein Laptop, ein Glas, eine Glaskaraffe. Über dem Tisch an der Wand ein Bild mit Gräsern. Rechts vom Tisch ein zum Sofa zusammengefaltetes Futon. Rechts vom Futon: ein Hocker mit Bild, Klangschale, Lampe.

 

Vom Schmerz, unnötige Dinge zu behalten

Von Besitz trennen schmerzt?

Es heißt immer wieder, dass persönlichen Besitz abzugeben, die gleichen Hirnareale aktiviert, wie physischer Schmerz. Ich kenne mich nicht mit Neurowissenschaften aus, behaupte aber mal ganz einfach, dass es umgekehrt genauso sein kann. Anders ist die befreiende Wirkung von Minimalismus wohl auch kaum zu erklären.

Wie schmerzhaft ist es, Dinge zu behalten?

Wie schmerzhaft ist es eigentlich, Dinge zu behalten, obwohl ich sie nicht (mehr) mag oder sie mir nicht gut tun? Das können die Utensilien für Hobbys sein, die seit Jahren brach liegen oder das edle Sportzeug, welches für ein Halbmarathon-Training gedacht war, aber als überzeugter Couch-Potato, nur für eine zweimalige, mühsame Quälerei durch den Stadtpark gereicht hat. Natürlich könnten wir uns genau an der Stelle mit neuem Konsum betäuben, um genau diesen Schmerz der unsinnigen Dinge nicht zu spüren.

Dann gibt es auch die Dinge, die wir aus einer spontanen Konsumlaune heraus gekauft haben, um dann später festzustellen, dass sie komplett unsinnig und überflüssig sind. Nun steht das Zeugs also rum. Es hat ja schließlich Geld gekostet. Also trösten wir uns damit, dass die Dinge doch mal nützlich sein könnten. Irgendwann mal…vielleicht… Oder doch verkaufen? Aber man bekommt einfach nichts mehr dafür. Also steht das Zeug immer noch rum.

Manchmal ist es der ganze Kleinkram, der unsere Wohnung verstopft. Auch Kleinkram in größerer Menge kann unzufrieden machen, weil er immer irgendwo rum liegt, endlich irgendwo untergebracht, abgestaubt und aufgeräumt werden müsste. Und wie belastend ist es eigentlich, Stauraum für Dinge zu finden, die man nicht (mehr) mag, die nicht gut tun oder überflüssig sind? Manchmal ist es auch einfach „nur“ der banale physische Schmerz, wenn man z.B. nachts beim Gang zum WC, über die herum liegenden Dinge stolpert, für die in Regalen und Schränken kein Platz mehr ist.

Und so belasten diese Dinge unser Leben und unser Wohlbefinden. Wenn der unnötige Kram Zuhause herum steht, dann ist es auch schmerzhaft, sich ständig an Fehlkäufe oder Hobbys zu erinnern, die doch nicht so richtig passend waren. Es kostet zudem einiges an Lebensenergie, die Illusion aufrecht zu erhalten, dass man dieses oder jenes Teil nochmal verwenden kann. Meistens spüren wir längst im tiefsten Innern, dass es nie so sein wird. Trotzdem halten wir an Dingen und den damit verbundenen Illusionen fest. Genau dann kann es ein schmerzbefreiender Prozess sein, solche Dinge endlich zu verabschieden, um neue Lebensenergien gewinnen zu können.

Die einfachste Regel, sich von Dingen zu trennen

Überlege vor dem Kauf, was das Ding kostet und dass irgendwann der Zeitpunkt kommen wird, wo genau dieses Teil überflüssig sein wird. Wenn, dann rege dich vor einem Kauf auf, wie teuer etwas ist und verabschiede diese „Teuer-Aufregungen“ endgültig und für immer, sobald du an der Kasse bezahlt hast! Ob du dich dann 1 Tag, 1 Woche oder 1 Jahr später von genau diesem Ding wieder verabschiedest, ist letztlich egal. Das Geld ist futsch und genau dieses ausgegebene Geld kann nun mal nicht gleichzeitig für etwas anderes genutzt werden.

Schadensbegrenzung: Befreie dich!

Manchmal geht es beim Reduzieren von persönlichem Besitz auch um Schadensbegrenzung. Auch dies gehört zum achtsamen und fürsorglichen Umgang mit sich selbst. Das kann der Schmerz der Erinnerung an einen Fehlkauf sein, das Missgefühl, es mit diesem Hobby oder jener Sportart doch nicht so hinbekommen zu haben. Vielleicht sind es negative Empfindungen und Erinnerungen an Zeiten, Menschen, Lebenssituationen, die mit bestimmten Dingen verbunden sind. Mag sein, dass es beim Reduzieren dieser Dinge, dann immer noch ein Trennungsschmerz gibt. Aber gerade die negativen Erinnerungen und Empfindungen, die mit diesen Dingen verbunden waren, haben nun endlich eine Chance, auch innerlich verabschiedet zu werden.