Tipp: Papierkram reduzieren

Wer kennt das nicht: Für alle möglichen Haushalts- und Elektronikgeräte sind in der Regel Bedienungsanleitungen vorhanden. Broschüren, die dann irgendwo im Regal, Schrank oder sonstwo lagern. Gerne unpassend in ‘zig verschiedenen Größen, in endlos vielen Sprachen.

Ein einfacher Weg, hier zu reduzieren ist, auf der Homepage des Herstellers nachzusehen. Meistens ist die Bedienungsanleitung dort auch als PDF-Download zu bekommen. Ist ein Gerät erst einmal in der Anwendung verstanden, wird die Bedienungsanleitung danach in der Regel nur noch höchst selten genutzt. Wem die digitale Variante reicht, kann also getrost, die ganzen Herrscharen an Bedienungsanleitungen zum Altpapiercontainer bringen. Entweder die Datei auf dem Computer speichern oder einen Link zu der betreffenden Downloadseite speichern.

Minimalistische Spurensuche – Rückblick: 80ger Jahre

Es war 1984. “George Orwell-Jahr” sozusagen, für mich fühlte es sich aber ganz anders an: Ich hatte eine Arbeitsstelle für 4 Monate in Dortmund bekommen. Da ich nicht genau wusste, was danach ist, habe ich erstmal 2 kleine möblierte Zimmer bezogen:

Wohnzimmer mit Schreibtisch, In der Küche stand ein Bett mit dreiteiliger Matratze (oder wars Schlafzimmer mit Küche??), Bad außerhalb auf dem Flur. – Irgendwann der Entschluss: ich bleibe in Dortmund, aber es sollte eine andere Wohnung sein, dreiteilige Matratzen und ein 2-Platten-Herd, bei dem eine Herdplatte defekt war, sowie eine Einrichtung, die zum Himmel schrie, sollte es dann doch nicht auf Dauer sein. Es folgte die erfolgreiche Wohnungsssuche. In diversen 2nd Hand-Geschäften kaufte ich einige Möbel (Bett, Tisch, Stühle, Herd, Kühlschrank) ließ sie mir liefern. Einen Kleiderschrank übernahm ich von der Vormieterin – Was dann folgte, war der schnellste und einfachste Umzug meines Lebens:

Ich hatte mir von einem Freund ein Auto geliehen – der Freund unterstützte mich noch tatkräftig:  Rückbank und Kofferraum vom Auto vollgeladen, alle persönlichen Besitztümer waren drin – damit in die neue Wohnung, auspacken, fertig.

Übrigens:  Mit dem gezielten Wunsch nach Minimalismus hatte das nichts zutun. Dieser Begriff existierte in meinem Vokabular noch nicht. Ich war Berufsanfängerin mit kleinem Gehalt und hatte selbst in meinen kühnsten Träumen nicht die Idee, mir Geld zu leihen, um neue, schicke Möbel zu kaufen. Irgendwelche Sponsoren waren auch nicht da. Und – viel wichtiger: So war es auch viel spannender und aufregender: Sich nach und nach ein eigenes Leben aufzubauen, das erste Mal selbst tapezieren, zu improvisieren, bezahlbares Mobiliar zusammen zu suchen, Regal in der Straßenbahn zu transportieren und den Rest der Habseligkeiten innerhalb von rund 2 Stunden umziehen – das war klasse und fühlte sich einfach gut an.

Minimalistische Spurensuche – Rückblick: 70ger Jahre

Überflüssigen Ballast loswerden, nicht so viel Zeug haben: Rückblickend erkenne ich diesen minimalistischen Drang immer schon – und ich habe positive Erfahrungen damit:

In den 70ger Jahren sind wir als Teenies mit einer Gruppe des Jugendherbergsverbandes gewandert. Alles wichtige war im Rucksack verstaut. Da war kein überflüssiges Teil, schliesslich musste alles geschleppt werden. Jedes T-Shirt hatte ich vorher genau ausgewogen, das Stück Seife halbiert: Nur nicht mehr tragen als nötig. Einziger Luxus: Kleine Wandergitarre (abwechselnd getragen) und Mundorgel-Liederbuch. Die Jugendherbergen waren bei weitem nicht so ausgestattet wie heute, Trekkingbekleidung heutiger Tage gab es nicht, GPS auch nicht, Handys schon gar nicht. Gewöhnliche Wanderkarten taten ihre Dienste zuverlässig, sofern man mit ihnen umzugehen wusste. Ins Schwimmbad ging es eigentlich vorrangig zum Duschen (so hin und wieder mal….), die Wandersocken mussten eigentlich die ganze Woche reichen. Mitten in Deutschland waren wir fern ab von jeder Zivilisation. Fern von den Eltern, aber in einem sozialen Miteinander: Gemeinsam das abendliche Ziel erreichen, schwitzen, erzählen, singen, lachen, Natur geniessen. Es war schön, ich habe mich völlig frei und befreit gefühlt.

Einfachheit beim Telefonieren

Eigentlich möchte ich nur eins: Im Bedarfsfall einfach mal telefonieren. Ich gehöre nicht zu den Vieltelefonierern. Ich bin noch mit den Telefonen aufgewachsen, die fest in der Wand installiert waren – gerne im Flur, wo alle mithören und bitte immer erst nach 21 Uhr telefonieren – vorher war‘s zu teuer… da wurden auch die pubertärsten Teenies zu telefonischen Minimalisten, wenn auch ganz unfreiwillig.
Heute ist es grundsätzlich schon praktischer und bequemer: Rundum die Uhr telefonieren können mit Flatrate und speicherbaren Telefonnummern. Eigentlich …

Das Drama fing damit an, dass unsere DSL-Anschluss Zuhause immer langsamer wurde. Anbieter gewechselt, half aber nichts. Dann noch mal Wechsel: Plötzlich ging nichts mehr. Mehrere Anbieter sagten uns: DSL sei in vernünftiger Geschwindigkeit in unserem Haus nicht möglich. Ob wir vielleicht ISDN wollten oder einen Analoganschluss fürs Telefon … Angebote für Buschtrommeln und Brieftauben sind dann aber nicht eingegangen.

Also doch lieber nach Alternativen umgesehen:
Es folgten mobiles Internet und endlose Versuche mit mobilen Festnetznummern: Homezone, Festnetznummer für unterwegs – kaum zu fassen, was es da alles gibt. Ich glaube, wir haben so ziemlich alle Varianten durch. Aber auch dort: immer wieder Einschränkungen, es lief nicht und so nette Erklärungen wie z.B. : „Bei Ihnen sind zu viele Mobilfunkmasten in der Umgebung.“ Aha, so ein Problem gibts auch …?

Ich habe durch meine Schwerhörigkeit bedingt, eine endlos scheinende Menge an Handys ausprobiert, gekauft, verkauft. Netzanbieter gewechselt. Trotzdem: „Hä? Wie bitte?…“ Nachdem ich mit einem Schwerhörigenhandy auch nicht klar kam, bin ich irgendwann bei einem gebrauchten iPhone gelandet. Damit lief es – ausgerechnet mit einem Smartphone, dann auch noch ein iPhone.  Naja, immerhin habe ich ein älteres, gebrauchtes Modell, so dass ich der Nachhaltigkeit zumindestens etwas nachgekommen bin.

Ich wollte dann jetzt aber – so ganz unminimalistisch – die Gelegenheit nutzen und ab und an doch unterwegs kurz ins Internet (Fahrpläne bzw. Verspätungen im ÖPNV checken, Navigation, etc.). Das war allerdings im Laufe der Zeit ziemlich teuer, da mein Anbieter nur große Internetpakete hatte. Soviel benötige ich nicht. Die Kosten waren definitiv zu hoch, kleinere Pakete versprach der Anbieter für irgendwann mal. So lange wollte ich aber auch nicht warten, bis sich meine Kosten wieder in erträglichen Höhen bewegen.

Zuhause stand unterdessen wieder ein normales Festnetztelefon mit Kabelinternet. Lief beides prima – außer, dass ich nicht telefonieren konnte. Ich konnte mit dem Telefon einfach nichts verstehen. Ich überlegte: Schwerhörigentelefon? Telefonverstärker? Hörgerätekompatible Kopfhörer? Aber welcher, wie teuer , was funktioniert?  Und dann wieder kaufen, ausprobieren, verkaufen? – Nein, es nervt!!! Ich will doch einfach nur maaaanchmal telefonieren und ab und an ins Internet.

Wir haben den Weg aus dem telefonischen Irrgarten dann doch noch gefunden:
Irgendwann kam die befreiende Erkenntnis:  Einfach weg mit dem üblichen Festnetznummern, weder klassisch Zuhause, noch mobil. Weder ein Gerät an der Wand im Flur, noch ein Telefon mit 10m-Schnur, auch nicht ein schnurloses Telefon, keine Wählscheibe, keine Tasten, keine Buschtrommel, keine Brieftaube, kein Fräulein vom Amt.
Das iPhone habe ich mit einer Simkarte aus dem Discounter bestückt und ein für mich passendes kleineres Paket gebucht – im Bedarfsfall monatlich kündbar, für mich deutlich günstiger und komfortabler. –  Und was soll ich sagen: Es läuft!

Wer mich unbedingt per Festnetz erreichen will, kann dies übrigens immer noch tun: eine (virtuelle) Festnetznummer aus dem Internet, die ich üblicherweise für Faxversand nutze. Dort läuft nur eine Mailbox. Die Nachricht werden mir per Email zugeschickt. Diese kann ich auch für mich gut verstehbar am Computer abhören und rufe im Bedarfsfall mit dem Smartphone zurück.

Kein Vertrag, kein neuer telefonischer Test-Irrlauf, keine Neukäufe, keine neuen Verkäufe, kein neues Schwerhörigen-Zubehör, keine endlosen neuen PINS, Passwörter, Freischaltcodes. Keine neuen Irrläufe durch‘s Telefonland. Ausgerechnet ein Smartphone mit Mobilnummer macht mir das Leben jetzt einfacher. Und:
Ich habe neulich – so ganz unminimalistisch – fast eine komplette Stunde am Stück telefoniert.  Ohne Rauschen, Knacken, Nuscheln, ohne „Hä“ und „Wie?“ und „Was?“ – Wer hätte es gedacht.