Weniger Stress durch Alltagsachtsamkeit

Gerade in den letzten Tagen und Wochen ist mir immer wieder deutlich geworden, wie wohltuend es ist, kleine Achtsamkeit-Inseln in den normalen Tageslauf einzubauen. An manchen Tagen fühle ich mich einfach mehr belastet, als an anderen. Das können die vielen anstehenden Termine sein, die allseits verstopften Autobahnen, die sich auftürmende Arbeit, wichtige Besprechungen oder das Organsieren meines bevorstehenden Umzuges. Es gibt auch Zeiten, wo ich merke, dass ich – warum auch immer – einfach „schlecht drauf bin“, ich fühle mich gestresst oder es läuft einfach nicht richtig rund. Gerade in diesen Zeiten entdecke ich, wie gut es ist, mit Hilfe von Alltagsachtsamkeit aus dem negativen Strudel wieder herauszufinden. Doris Iding hat in ihrem Buch „Der kleine Achtsamkeitscoach“ einige Übungen zur Alltagsachtsamkeit beschrieben. Zwei dieser Übungen stelle ich nachfolgend vor, die ich als besonders hilfreich erlebe. Sie helfen mir, aus dem Strudel von Stress, Unzufriedenheit und automatischen Reaktionen heraus zu finden und wieder ruhiger, konzentrierter und präsenter zu werden:

Einen Umweg machen
„Machen Sie einen Umweg. Gehen Sie an Tagen, an denen Sie das Gefühl haben, es vor Stress kaum auszuhalten, nicht mit Sieben-Meilen-Schritten ins Büro, sondern machen Sie ganz bewusst vom Parkplatz oder von der U-Bahn aus einen Extragang – Schritt für Schritt, am besten in Zeitlupe – um den Block. Auch wenn Ihr Verstand erst einmal kurz am Rädchen drehen wird, werden Sie nach nur wenigen Metern innerlich zur Ruhe kommen – und die Dinge im Büro mit etwas mehr gesundem Abstand angehen.“
[Quelle: Doris Iding: Der kleine Achtsamkeitscoach, Gräfe und Unzer-Verlag, E—Book, Kapitel „Auf dem Weg der Achtsamkeit bleiben“.] 

 

Zur eigenen Mitte finden
Stellen Sie das Radio ab. Sitzen Sie so aufrecht wie möglich und mit geradem Rücken. Die Zunge liegt entspannt am Gaumen. Die Hände ruhen locker auf den Oberschenkeln. Blicken Sie entspannt geradeaus, ohne etwas Bestimmtes zu fixieren.Nun lenken Sie die Aufmerksamkeit auf den Atem. Beobachten Sie, wie er ganz von selbst kommt und geht. Begleiten Sie den Atem mit einer sanften Bewegung der Hände: Beim Einatmen zeigen die Handflächen nach oben. Stellen Sie sich vor, dass sie dadurch Energie aufnehmen, die Sie unterstützt, zu Ihrer eigenen Mitte zu kommen. Beim Ausatmen zeigen die Handflächen nach unten. Nun stellen Sie sich vor, dass Sie Stress und Nervosität abgeben. Bleiben Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit ganz beim Atem. Wenn die Gedanken immer wieder zum bevorstehenden Termin abschweifen, dann sagen Sie am besten beim Einatmen »ein« und beim Ausatmen leise »aus«.“
[Quelle: Doris Iding: Der kleine Achtsamkeitscoach, Gräfe und Unzer-Verlag, E—Book, Kapitel: Achtsamkeit im Alltag]

 

 

Entscheidend ist der nächste Atemzug – Leben in Veränderung

Wie lebt es sich, wenn die äußeren Bedingungen schwierig sind? Kann Achtsamkeit helfen? Entlastet Minimalismus an der richtigen Stelle?

Derzeit habe ich die Möglichkeit, dies – unfreiwillig – ganz praktisch auszuprobieren. Daher weiß ich im Moment auch noch nicht so genau, wie die nächsten rund 5 – 6 Wochen auf diesem Blog so aussehen. Schreibe ich wie sonst meistens am Wochenende, schreibe ich viel oder wenig oder selten? Aktuell weiß ich es nicht so genau. Wer über neue Beiträge aktuell informiert werden möchte: Ich informiere über Twitter und Facebook, auch gibt es die Möglichkeit, sich über neue Blogbeiträge per Email informieren zu lassen (siehe Formular am Ende dieses Beitrages).

 

Mein aktuelles Wohn-Desaster:

Die aktuelle Wohnung kann kaum noch als solche bezeichnet werden. Mein kleines WG-Zimmer ist eigentlich der einzige Raum, wo es noch halbwegs erträglich ist. Noch immer werden wir durch tägliches und nächtliches Geschrei und Fäkaliengeruch der dementen Nachbarin massiv beeinträchtigt. Es zehrt – bei aller Toleranz – an den Nerven und der Gesundheit. Gespräche, Briefe, Einschalten zahlreicher Behörden, sowie wiederholte Kontakte zu Vermieterin, Einschalten von Polizei, Anwälten – irgendwie fühlt sich hier scheinbar niemand so wirklich für solche Fälle zuständig. Ich bin froh, wenn ich diese Wohnung, dieses Haus und den Vorort Dortmund-Lütgendortmund bald verlassen kann. Dann habe ich auch keine Eigenheimbesitzer mehr in der Nachbarschaft mit all den Rasenmähern und Rasenkantenschneidern, keine endlosen und lärmenden Volks- und Dorffeste, kein stundenlanges Hundegebell, keine Samstagfrüh-Laubsauger und keine Geruchsbelästigung der Eigenheimbesitzer-Kamine.

 

Von Dingen und Illusionen trennen

Mitte November ist es endlich soweit: Ich kann meine neue, kleine und wunderbare Wohnung beziehen. Trotz meines ohnehin minimalistischen Lebensstils: Es fand sich in den letzten Wochen doch noch dies, das und jenes, von dem ich mich getrennt habe. Nicht nur von Dingen, auch von Illusionen:
Beispielsweise von der Illusion, mit dem Fahrrad fahren wird es noch mal was. Nein, wird es nicht. Die schlaglochgespickten Straßen und Radwege sind nichts für meine Wirbelsäule. In der Innenstadt wird alles fußläufig erreichbar sein. Ich habe ein ÖPNV-Ticket und mich beim Carsharing angemeldet.
Dann gibts bzw. gab es noch mein E-Piano. Ich weiß, dass ich gute musikalische Antennen habe, die Fortschritte waren durchaus beeindruckend. Aber die Belastung der Schwerhörigkeit ist da. Die Hörgeräte sind ein Segen, aber das Hören strengt mich sehr viel mehr an als früher. Irgendwann war mir endgültig klar, dass mich aktiv zu musizieren mehr stresst, als entspannt. Ich genieße jetzt oft einfach die Stille oder auch, das ich das leise Rauschen der Blätter im Wind, dank der Hörgeräte, endlich wieder genießen kann.

 

Leben ist Veränderung – zum Glück

Im Buddhismus wird immer wieder auf die Vergänglichkeit hingewiesen und dass nichts bleibt, wie es ist. Irgendwer nannte es mal, dass die Veränderung die einzige Beständigkeit im Leben ist. Ich spüre dies auch – derzeit: zum Glück. Auch belastende Situationen ändern sich wieder. Und obwohl in der Achtsamkeitspraxis der gegenwärtige Moment so entscheidend wichtig ist: Ich finde es aktuell wunderbar, ein wenig in die Zukunft zu träumen – und da ist dann doch wieder der gegenwärtigen Moment: mir genau darüber bewusst zu sein. Ich spüre viel Vorfreude auf die bevorstehende wohnliche Veränderung. Es macht mir große Freude, mir genau zu überlegen, was, wieviel oder wie wenig Dinge ich dort haben und nutzen möchte. Minimalismus ist für mich Lebenselexier, es ist die Art, wie ich immer schon war: Ich hänge nicht an bestimmten Gegenständen, ich benutze sie lediglich und kann sie im Bedarfsfall auch gut wieder los lassen. Irgendein Lifestyle interessiert mich dabei überhaupt nicht. Was mich interessiert ist Freiheit und Lebensqualität – dafür brauche ich zum Glück keine vollgestopfte Wohnung, es ist aber auch nicht nötig, irgendeinen minimalistischen Olymp zu erklimmen.

 

Entscheidend ist der nächste Atemzug

Sehr wohltuend ist es, wenn es mir gelingt, in all den aktuellen Belastungen, einfach den nächsten Atemzug bewusst wahrzunehmen und zu genießen. Achtsamkeit erdet mich. Manchmal ist der Atem dann so etwas wie eine wohltuende Salbe, insbesondere auch dann, wenn ich einmal sehr angespannt oder erschöpft bin. Es tut außerdem gut, nicht nur Dinge, sondern auch Illusionen loszulassen, manchmal auch einen Atemzug lang all den Ärger und den Stress. Es hilft mir, Abstand zu gewinnen, mich immer wieder auf den nächsten Schritt zu konzentrieren und auch die schönen Momente wahrzunehmen. Jack Kornfield hat es einmal so wunderbar treffend, so richtig und so wohltuend formuliert, dass ich ihn hier nochmal abschließend zitieren möchte:

„The path through trouble is always made a step at a time, a breath at a time, a day at a time“. (Jack Kornfield)

 

 

 

Gehen – Achtsamkeit und Minimalismus in Bewegung

Ich entdecke immer mehr, das ist meine Form der Bewegung: Gehen. Wer schon mal ein Kind gesehen hat, wie es die ersten freien Schritte laufen kann, wird sich vielleicht an die Freude erinnern, welche im Gesicht des Kindes sichtbar wurde. Sicherheit gewinnen, das Gleichgewicht halten, und die Welt schrittweise aus einer neuen Perspektive selbständig entdecken: eine schöne und wichtige Erfahrung.

Gehen ist für mich insbesondere der Inbegriff von Achtsamkeit und Minimalismus in Bewegung. Gehen ist zudem eine sehr ursprüngliche Form, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Weder brauche ich dazu ein Auto, noch Benzin, keine Fahrkarte, kein Fahrrad, keine stylische Ausrüstung. Gerade mal Schuhe sind nötig, aber die brauche ich ja üblicherweise sowieso und im Bedarfsfall würde es eigentlich oft sogar barfuß gehen – was aber nicht so mein Ding ist. Gehen ist für mich eine geradezu wunderbare Möglichkeit, bewusst das eigene Tempo zu reduzieren in einer Gesellschaft, die so oft von Schnelligkeit und Geschwindigkeit geprägt ist.

Achtsames Gehen: Stress abbauen, einen klaren Kopf bekommen

Achtsames Gehen hilft mir immer wieder, vor und nach stressigen Situationen schrittweise „runter zu kommen.“ Erst letzte Woche hatte ich ein solch eindrückliches Erlebnis:

Ich steckte in einer beruflichen Situation, in der ich mich über einige Fachleute sehr geärgert hatte. Ich war innerlich aufgewühlt, weil ich bemerkte, da läuft etwas falsch, es werden falsche Wege eingeschlagen. Gleichzeitig bemerkte ich aber auch, dass mein Aufgewühltsein eine annähernd vernünftige Lösung verhindern würde. In einer so innerlich angespannten und aufgewühlten Stimmung, in ein Gespräch zu gehen, sich irgendwie zusammen zu reißen und nach sinnvollen Lösungen zu suchen: Es wäre ein elendiger Krampf geworden, ein ewiges Diskutieren und anschließend wäre der gleiche Ärger vermutlich immer noch da gewesen. Nur diesmal nicht nur bei mir, sondern auch bei meinem Gegenüber. Wie soll es da zu einer vernünftigen Lösung kommen?

Also bin ich morgens auf dem Weg zur Arbeit bewusst einige Straßenbahnhaltestellen eher ausgestiegen und den restlichen Weg zu Fuß gegangen – ganz bewusst: Schritt für Schritt, einatmen, ausatmen, den Boden unter meinen Füßen spüren und all die ablenkenden Gedanken, wirren Gefühle immer wieder freundlich, aber konsequent auf das Abrollen der Füße zurück führen. Ganz langsam merkte ich, wie ich tatsächlich schrittweise innerlich ruhiger wurde, mein Atem tiefer, regelmäßiger. Das Gehen sorgte dafür, dass ich körperliche Anspannungen besser loslassen konnte. Ich fing an das schöne Wetter wahrzunehmen, die klare Luft und immer wieder meine Füße, Schritt für Schritt für Schritt für Schritt. Über die Lösung meines beruflichen Problems habe ich auf diesem Weg bewusst nicht nachgedacht. Trotzdem: Im Büro angekommen, war mein Kopf viel klarer, innerhalb einiger weniger Minuten hatte ich mir einige Notizen gemacht und so die Voraussetzung für eine sinnvolle Lösung geschaffen. Insbesondere aber war ich wieder entspannter und habe ich mich endlich wieder wohlgefühlt.

Gehen: Für mich ist es mehr, als nur von A nach B zu kommen. Es ist eine Form von Bewegung, die mich nicht überfordert und die ich auch als eher unsportlicher Mensch noch gut bewältigen kann. Gehen ist für mich eine Möglichkeit, körperliche und emotionale Anspannungen abzubauen. Entscheidend dabei ist gar nicht mal vorrangig das zu erreichende Ziel. Gehen ist für mich immer auch eine Möglichkeit, schrittweise die eigene Mitte wieder zu finden. Aus dieser inneren Mitte heraus kann ich entspannter und mit klarerem Kopf handeln.

 

 

Einfach leben – auch beim Älter werden

Den persönlichen Lebensstil vereinfachen, Unnötiges loszulassen – Minimalismus ist aus meiner Sicht ist nicht nur für jüngere Menschen ein Thema, sondern gerade dann auch relevant, wenn wir älter werden – und wir werden nunmal alle älter – früher oder später.

Meine Erfahrungen bislang sind: Die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit im Alter scheint nur begrenzt von der Menge an Geld abzuhängen, die diese Menschen zur Verfügung haben – sofern die nötigste Existenz gesichert ist. Was sehr unterschiedlich ist, ist die Art und Weise, wie diese Menschen – mal ganz unabhängig vom Geld – ihren Alltag gestalten.

Wesentliche Bereiche, die ich mir dabei aufgefallen sind:

  • Wohnen
  • Vereinfachen
  • Zwischenmenschliche Beziehungen und Begegnungen
  • persönliche Interessen und Hobbys
  • Bewegung

Wohnen:

Der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier. Jahre oder gar jahrzehntelang in der gleichen Wohnung, dem gleichen Haus, der gleichen Umgebung zu wohnen bedeutet, im Bedarfsfall ist ein evtl. notwendiger Wechsel mühsam.

So ist ein Haus beispielsweise für eine Familie mit Kinder ggf. schon sehr praktisch. Aber sind diese Kinder erwachsen, ist das Haus bereits reichlich groß für 2 Personen. Ist dann irgendwann einer der beiden Ehepartner vielleicht sogar gestorben, steht der übrig gebliebene Partner da mit dem großen Haus – und oftmals genau dann, wenn die Versorgung und Instandhaltung eines solchen Hauses mühsam wird. Nicht zu reden, von all den Treppenstufen, die irgendwann vielleicht nur noch mühsam zu überwinden sind.
Schwierig kann es selbst mit der Mietwohnung werden: Auch eine überschaubare 3-4-Zimmer-Wohnung ist relativ groß und teuer, wenn die Kinder ausgezogen sind, der Partner verstorben ist. Miete und Betriebskosten müssen für die gesamte Wohnung bezahlt werden, es sind immer noch die gleiche Anzahl an Fenstern, die geputzt werden müssen und die Energiekosten sind gestiegen: Selbst bei sparsamen Umgang bedeutet mehr Wohnfläche mehr Heizkosten.

Ich habe zwar ohnehin kein Haus und wohne zur Miete. Aber selbst dann, wenn ich ein Haus hätte, würde ich mir rechtzeitig überlegen, ob ich wirklich irgendwann im Alter dort noch alleine wohnen möchte (oder muss). Auch ein gemietete Wohnung muss zur jeweiligen Lebenssituation passen. Eine noch so schöne Wohnung, aus der ich z.B. im Alter wegen Geh-Einschränkungen nicht mehr herauskommen sollte, wäre für mich der absolute Supergau. Da würde ich es für mich im Zweifelsfall noch deutlich humaner finden, im Altenheim per Rollstuhl in den Garten geschoben zu werden. Auch fußläufig die wichtigsten Einkäufe erledigen zu können, ist für mich ein wesentliches Element für Lebensqualität. Sich für jeden kleinen Einkauf in ein Auto setzen zu müssen, ist einschränkend – außerdem kommen zu den Kosten für die relativ große Wohnung, dann ja auch noch die Kosten für das Auto dazu.

Vereinfachen

Wer kennt das nicht: Es sammelt sich halt im Laufe eines Lebens doch dies, das und jenes an und je länger man bzw. frau lebt, desto mehr kann es werden. Gerade bei der älteren Generation wundert es mich schon manchmal, wieviele Dinge sich dort im Laufe des Lebens angesammelt haben. Natürlich ist vieles erinnerungsbehaftet, haben einige Menschen auch die Notzeiten der Kriegs- und Nachkriegszeiten erlebt, aber das ändert nichts daran, dass viele Dinge, viel Energie binden. Braucht es wirklich noch das gute 100-teilige Service mit Goldrand, die endlosen Mengen an Bettwäsche, mit der problemlos die Betten für eine Fußballmannschaft ausgestattet werden könnten? Was ist mit den vielen Büchern, die ich sowieso nicht mehr lese? Was mit den vielen Erinnerungs-Kinkerlitzchen, dem Setzkasten und weiß ich was? Als Erinnerung davon, würde ja auch ein Foto reichen.
Solche Dinge binden Wohnraum (irgendwo muss das Zeug ja hin), sie binden aber auch innere Energie, indem ich mich möglicherweise zu viel zwischen all diesen Erinnerungen bewege und daran festhalte, obwohl es längst mühsam oder unsinnig geworden ist, all diese Dinge zu pflegen.

Ich möchte mich mit der Pflege des Besitzes nicht mehr befassen, als nötig. Jetzt nicht, erst recht aber auch nicht in Zukunft. Werde ich älter, wird es natürlich irgendwann mühsamer, das ganze Zeugs abzustauben. Auch verhindern viele Dinge eher den Gedanken an wohnliche Veränderungen. Denn viele Dinge umzuziehen ist mühsamer, als nur wenige Dinge umzuziehen. Eine kleinere Wohnung im Erdgeschoss ist nunmal viel einfacher zu beziehen, wenn ich rechtzeitig vorher immer wieder meinen Besitz auf sinnvoll und nicht sinnvoll überprüft und mich ggf. auch von vielen Dingen getrennt habe. Außerdem kann ich mich auch wunderbar heimisch und bei mir selbst Zuhause fühlen, wenn ich mich nur noch mit meinen wirklichen Lieblingsteilen umgebe. So etwas fühlt sich einfach richtig gut an.

Zwischenmenschliche Begegnungen und Beziehungen

Natürlich braucht jeder Mensch mal Zeit und Ruhe für sich allein. Gerade mir geht es nach den vielen Jahren sozialer Arbeit oft so. Das ändert aber nichts daran, dass wir als Menschen nunmal soziale Wesen und üblicherweise auf Dauer eher nicht fürs Eremiten-Dasein geeignet sind. Ich denke im Hinblick auf das Älterwerden ist es sogar wichtig, sich die Fähigkeit zu erhalten, auf andere Menschen zuzugehen, Begegnungen zu genießen und zu gestalten, vielleicht sogar Erfahrung und Wissen weiter zu geben. Dies macht einen erheblichen Teil an Lebenszufriedenheit aus. Im Idealfall kann diese sich sogar auch noch auf andere Menschen positiv auswirken.

Persönliche Interessen und Hobbys

Die persönliche Lebenszufriedenheit und Lebensqualität ist deutlich höher, wenn sich die persönlichen Interessen nicht nur auf Beruf und Erfolg, sowie später im Alter auf das Erledigen des Haushalts, sowie TV-Schauen beschränkt, sondern die Zeit genutzt wird, um persönlichen Interessen, Hobbys nachzugehen oder einfach auch mal auszuprobieren. Bin ich jünger, geht es darum, Stärken und Interessen erstmal zu entdecken, später im Berufsleben, einen Ausgleich zu finden und im Alter einfach auch noch Spaß und einen Sinn zu finden.

Bewegung

Ich bin ja bekanntlich nicht so der Sportmensch, aber wenn ich irgendwas verstanden habe, dann ist es: in Bewegung bleiben – und zwar ganz unabhängig, wie alt ich nun gerade bin.

Ich muss deshalb nicht den Mount Everest erklimmen oder sonstige Höchstleistungen vollbringen. Aber: einfach bewegen, die Alltagswege zu Fuß gehen, das bringt etwas. Meine guten Vorsätze, mehr Sport machen zu wollen, haben nie lange gehalten, aber Bewegung ganz normal in die Alltagsabläufe zu integrieren, klappt wunderbar. Gehe ich die Treppe z.B. zu Fuß hoch, statt den Aufzug zu nutzen, kann ich mir den Stepper im Fitness-Studio schon mal sparen. Es gibt so viele Wege, die sich einfach auch zu Fuß erledigen lassen, dass ich es wunderbar finde, so etwas auch zu nutzen. Bin ich dann auch öfter mit Bus und Bahn unterwegs, anstatt ständig mit dem Auto, dann weiß ich eben auch, wie z.B. die Fahrkartenautomaten funktionieren und stehe nicht irgendwann nach Jahrzehnten Autofahrer-Dasein vor einem dieser Geräte, wie der berühmte „Ochs vor’m Berg“. Dann kann ich zusätzlich einfach mal gelegentlich eine Haltestelle früher aussteigen und den Rest laufen.

Platz schaffen – das Leben erleichtern – Lebensqualität erhalten

Angenehme Erinnerungen, positive Erlebnisse und Erfahrungen sind gut und wichtig. Ich kann mich erinnern, ich kann auch rückblickend genießen, aber ich muss auch schauen, was meine jetzige Situation und meine jetzige, aktuelle Befindlichkeit mir sagt. Für mich ist dies ein ganz wesentlicher Aspekt von Achtsamkeit im Alltag.
Loslassen zu können ist gerade dann besonders wichtig, wenn Dinge und Gewohnheiten eher zu einer Belastung werden. Dies erfordert vor allem, ehrlich mit sich selbst zu sein und es erfordert den Mut, Dinge und Gewohnheiten zu verabschieden. Aber es lohnt sich: Um Neues zu entdecken, muss ich nunmal  auch Platz schaffen, sozusagen den Weg frei räumen – äußerlich, wie innerlich. Dies ist ganz unabhängig vom Alter so – und in jedem Fall immer dann wichtig, wenn ich mir meine Lebenskraft und Lebensfreude erhalten möchte.

 

Lesetipps:

 

Meditation, Ideal und Realität – 10 Tipps, wenn es schwierig ist

Meditation als Ideal

Gebe ich den Begriff „Meditation“ mal in eine Bilder-Suchmaschine ein, dann entdecke ich dort vorrangig wunderschöne Landschaften, Sonnenauf- bzw. untergänge, kerzengrade Menschen im Lotussitz, mittendrin in diesen schönen Landschaften (siehe z.B. hier: https://www.ecosia.org/images?q=meditation )
Beim Begriff „Meditationsplatz“ tauchen in der Bildersuchmaschine dann viele Orte auf, die Ruhe, Harmonie ausstrahlen, meistens weiche und in schönes Licht getauchte Farben. (siehe z.B. hier: https://www.ecosia.org/images?q=Meditationsplatz&size=&aspect=&f=false ). Mir gefallen solche Bilder, sie strahlen viel Ruhe, Harmonie und oftmals auch Naturverbundenheit aus. Schon das Anschauen alleine macht Freude. Natürlich wäre es schön, die Meditation wäre dann bei mir genauso: kerzengerade im Lotussitz in einem wunderbaren Ambiente und ich bin selbstverständlich ebenso harmonisch und ruhig.

 

Meditation als Realität

Die Realität des Alltages ist oft ganz anders. Ich wohne beispielsweise im Ruhrgebiet. Hier habe ich schon mal keinen Sonnenaufgänge am Meer zur Verfügung. Palmen gibts schon mal gar nicht. Auch sitze ich höchst selten irgendwo alleine in der Natur, denn viele Millionen Menschen teilen sich hier eine begrenzte Menge Raum. Dass nicht immer idealtypisches Wetter ist, brauche ich – gerade zur Zeit – eigentlich nicht erwähnen.
Manchmal habe ich mich in einer Meditation aber trotzdem wunderbar ruhig gefühlt und dies natürlich sehr genossen. Aber machen kann ich eine solche innere Ruhe nicht. Meditation ist oft so alltäglich, unspektakulär – zumindestens bei mir. Denn in der Meditation habe ich nun mal mit mir und meinen ganz persönlichen, aktuellen und ganz alltäglichen Befindlichkeiten zutun – halt genau so, wie das Leben selbst auch ist und ich dies erlebe.

 

Meditation und Selbstfürsorge

Natürlich bin ich selbst auch innerlich manchmal sehr weit weg von irgendwelchen Meditations-Idealen. Entweder zwickt und zwackt es irgendwo im Körper, es mir gehen 1000 Dinge durch den Kopf oder ich bin überdreht und verspannt. Der häufig zu lesende Tipp, möglichst immer den gleichen Meditationsort zu wählen, funktioniert bei mir ebenso wenig, wie immer die gleiche Meditationshaltung zu wählen. Gerade in Phasen, wo ich festzustecke und wie erstarrt bin, helfen mir Varianten sehr viel mehr. Einfach mal den Ort ändern, die Haltung, die Zeit – das lockert meine Festgefahrenheit wieder. Manchmal habe ich längere Zeiten im Liegen meditiert oder häufiger Geh- und Sitzmeditation abgewechselt, mal mit und mal ohne CD-Anleitung geübt. Mir ist deutlich geworden, dass es besser ist, selbstfürsorglich darauf zu achten, was ich brauche, als das ich resigniere oder mir an irgendwelchen Meditations-Idealen die „Zähne ausbeiße“. Sind die schwierigen Phasen mal länger als gedacht, dann sind sie einfach da. Vielleicht gelingt es mir, sie zu begrüßen, achtsam wahrzunehmen, wieder zu verabschieden und zur Beobachtung meines Atems zurück zu kehren. Denn solche Phasen bleiben ja nicht für immer. Sie kommen und gehen ebenso, wie die Nacht vom Tag abgelöst wird oder das Einatmen vom Ausatmen.

Meditation, wenn es schwierig ist – 10 Tipps:

Gerade dann, wenn es schwierig ist, wenn das Kopfkino einen Film nach dem anderen dreht, körperliche Beschwerden überhand nehmen oder es sonstige Gründe gibt, warum das Meditieren schwierig bis unmöglich erscheint, hat sich nach meiner Erfahrung folgendes bewährt:

  1. Beständigkeit, Ausdauer
    Trotz allem versuchen, dran zu bleiben – und sei es nur 2 Minuten morgens auf der Bettkante oder nur 10 Atemzüge lang. 
  2. Gemeinsam meditieren
    In einer Gruppe zu üben, ist eine völlig andere Erfahrung und sehr wohltuend und hilfreicher, als „nur“ alleine Zuhause zu üben.
  3. Anleitungen suchen
    Sehr hilfreich ist, an Einzel- oder Gruppenangeboten von meditationserfahrenen Menschen teilzunehmen. Dies bringt nochmal ganz neue Perspektiven, Motivationen und im Idealfall auch persönliche Tipps und individuelle Unterstützung, wenn es mal schwierig wird. Natürlich ist es hierbei völlig in Ordnung und wichtig, genau hinzuschauen, ob es auch zwischenmenschlich passt und die vermittelten Ansätze ins eigene Leben und zum eigenen Typ passen.
  4. Beständigkeit nicht Starre!
    Variationen suchen, wenn es „klemmt“: Gerade im MBSR (Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) gibt es vielfältige Achtsamkeitsübungen, die insbesondere Anfängern einen guten Einstieg ermöglichen: Sitzmeditation, Gehmeditation, achtsames Yoga, achtsames Essen, Alltags-Achtsamkeit – und selbst in der ZEN-Meditation mit den sehr klaren und festgelegten Haltungen und Strukturen, wechseln Sitz- und Gehmeditation ab.
  5. Meditation und Selbstfürsorge
    Es kann hilfreich sein, einmal zu versuchen, die Haltung, Tageszeit, Ort und Meditationsform bewusst zu verändern und dann schauen, wie sich dies anfühlt. Es kann sehr hilfreich sein, bewusst wahrzunehmen und auch auszuprobieren, ob ich beispielsweise besser morgens oder abends, in längeren oder kürzeren Intervallen meditiere und welchen Rahmen ich für mich brauche.
  6. Informieren und Erfahrungen sammeln:
    Nicht für jede/n passt alles gleich gut. Es haben sich im Laufe der Jahrtausende sehr unterschiedliche Meditations- und Achtsamkeitsformen und -ansätze entwickelt. Am besten vorher mal informieren, welche Übungsmöglichkeiten es in der Umgebung gibt, sich über die Meditationsansätze informieren und ausprobieren. Vielleicht passt aber auch die Achtsamkeit in der Bewegung sehr viel besser, als z.B. die Sitzmeditation.
  7. Meditation ist kein Heldentum.
    Auf besondere persönliche Einschränkungen unbedingt Rücksicht nehmen! Meditation ist kein Wettbewerb, es braucht keine heroisches Taten und Erfolge. Es gibt kein Siegertreppchen, keine Medaillen, keine ehrenhaften Auszeichnungen. 
  8. Ich muss Niemandem etwas beweisen
    – nicht mal mir selbst. 
  9. Weniger ist mehr – auch beim Meditieren.
    Gerade für Anfänger gilt: Besser langsam, allmählich und beständig – als schnell, viel, intensiv, aber unbeständig.
  10. Leistungsdenken gehört nicht zur Meditation
    Leistungsdenken darf – wann immer dies in der Meditation auftaucht – gerne auch wieder losgelassen werden. Selbst sehr erfahrene Meditierende kämen nie auf die Idee zu sagen: „Ich kann (besser) meditieren“. Sie sprechen eher davon, dass sie Meditation bereits einige Jahre länger üben.

–> Diese 10 Tipps sind auch als Download verfügbar: PDF-Download: Meditation – 10 Tipps, wenn es schwierig wird

 

–> Weiterführende Tipps:  Achtsamkeitsübungen

 

Minimalismus: Spontankäufe vermeiden – Hilfe durch Achtsamkeit

Vermutlich haben es die meisten von uns schon erlebt: Irgendein Einkaufskoller und schwupps, dieses oder jenes Ding spontan gekauft, um sich später dann zu fragen: Was will ich damit eigentlich???? Und wie verhindere ich sowas künftig?

Dem Einkaufskoller nicht erliegen – praktische Tipps 

Es gibt eine ganze Reihe wertvoller praktischer Tipps, um nicht solchen Spontankäufen zu erliegen. So stösst man in Minimalismus-Kreisen auf die Anregung, sich Kaufwünsche nicht sofort zu erfüllen, sondern diese auf eine 30-Tage-Liste zu setzen oder die 10-Minuten-Regel zu nutzen (z.B.: erst nochmal aus dem Geschäft rausgehen oder mit dem gewünschten Teil erstmal noch ein wenig durch den Laden laufen, bevor ich zur Kasse gehe). Auch die EC- und Kreditkarte zu Hause zu lassen und nur begrenzt eine kleinere Menge Bargeld mitzunehmen, ist ein wertvolle Hilfe. Allein durch solche Tipps habe ich mir schon so manchen unsinnigen Einkauf erspart.

Bei diesen Anregungen geht es darum, nicht spontan einzukaufen, sondern einen zeitlichen Abstand zu schaffen zwischen „will ich haben“ und „kaufe ich“ Insbesondere, wer einen Hang zu Spontankäufen hat und immer mal wieder dem „Einkaufskoller“ erliegt, ist mit solchen Tipps ein gutes Stück gegen Spontankäufe und Einkaufskoller gewappnet.

Achtsamkeit – sich den eigenen inneren Raum erschließen

Genau der oben beschriebene entstehende zeitliche Abstand kann auch dazu genutzt werden, sich den eigenen inneren Raum zu erschließen und sich näher mit den eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Sehnsüchten auseinander zu setzen. Ich kann also z.B. nicht einfach „nur“ abwarten, ob sich der Kaufwunsch vielleicht nach einer gewissen Zeit von alleine erledigt hat, sondern die Gelegenheit zu nutzen, einmal sehr genau hinzuschauen und hinzufühlen:

 

  • Was spielt sich da eigentlich in dem Moment in mir ab, wenn gerade mal wieder so ein Kaufwunsch in mir auftaucht (sei dies nun ein gebrauchtes oder neues Teil…)?
  • Welche körperlichen, emotionalen Reaktionen spüre ich in mir?
  • Was geht mir an Gedanken durch den Kopf?
  • Welche Verbesserungen erhoffe ich mir von diesem Gegenstand?
  • Gibt es vielleicht noch ein ganz anderes Bedürfnis, welches ich jetzt habe?
    Wenn ja, welches?
  • Und erfüllt dieses Ding mein Bedürfnis wirklich?

 

Bei mir selbst habe ich beispielsweise auf diese Weise entdeckt, dass es manchmal einfach Gewohnheiten waren, die sich verselbständigt hatten (z.B. im Sommer an einer Eisdiele vorbei kommen – klingeling: „Ich will ein Eis…“). Gewohnheiten lassen sich ja dann auch mal ändern … Oft war es auch der Versuch, meinen erlebten Stress auszugleichen – dazu gab es bei genauerer Betrachtung auch bessere Alternativen, als durch volle Kaufhäuser zu laufen. Immer wieder hatte ich aber auch das Problem, dass ich mich schwer damit tat, gleich ein hochwertigeres und besseres Gerät zu kaufen, mit dem ich dann auch wirklich zufrieden bin. Statt dessen besorgte ich mir etwas Preiswerteres, was dann doch nicht ausreichte und binnen kurzer Zeit musste wieder was Neues her. Das war Minimalismus an der völlig falschen Ecke – mehr Dinge, statt weniger und unter’m Strich hatte ich auch nichts gespart. Durch die zunehmende Übung von Achtsamkeit im Alltag, wurden mir meine Reaktionen deutlicher bewusst und ich hatte dann auch die Chance, sie wirklich zu verändern.

Achtsam in den Blick zu nehmen, was bei Kaufwünschen in mir geschieht kann zu innerer Freiheit und großer Erleichterung führen, anstatt sich Wünsche „nur“ zu versagen. Linda Lehrhaupt hat dies in den nachfolgenden Zeilen noch einmal sehr schön formuliert:

 

„Linda Lehrhaupt. – Dem Begehren neue Räume öffnen

In der Achtsamkeitspraxis geht es nicht darum, unsere Wünsche und Sehnsüchte „wegzumeditieren“. … Es geht vielmehr darum, unsere Wünsche und Sehnsüchte, unser Verlangen und Begehren als Teil unserer Menschlichkeit anzunehmen und zugleich zu erkennen, in welchem Ausmaß wir von ihnen dominiert werden. Die Zen-Lehrerin Geri Larkin machte dies einmal in ihrer einfühlsamen und sehr praktischen Art und Weise deutlich: „Ich selbst habe mich immer sehr erleichtert gefühlt, sobald ich mir eingestehen konnte, dass ich etwas unbedingt haben wollte. Denn dann konnte ich damit aufhören, so zu tun, als ob ich es nicht haben wollte. Und dann stellte sich das, was mir so begehrenswert erschienen war, als eine reine Wunschvorstellung dar. Wenn wir unsere Wünsche einfach als das sehen, was sie sind – Wünsche – dann verlieren sie ihre Macht über uns.“

Raum schaffen
Wir brauchen also nicht gegen unsere Begehren anzukämpfen. Alles, wogegen wir ankämpfen wird dadurch sowieso nur noch stärker. Ebenso wenig brauchen wir diese Gefühle zu verdrängen, denn das Verdrängte findet immer Schleichwege, um in verzerrter Form in unser Leben zurückzukehren.
Anstatt uns also von unseren Sehnsüchten und unseren Begehren abzuwenden, versuchen wir, diesen mit aller Offenheit zu begegnen. Dies hat mit Nachgiebigkeit übrigens nichts zu tun. Es beinhaltet vielmehr die Verpflichtung, so genau und sorgfältig wie möglich die Auswirkungen zu erforschen, die dieses Begehren in uns auslöst. Hierfür loten wir den Unterschied aus zwischen dem ursprünglichen Wunsch und dem daraus entstehenden Drang, diesen zu erfüllen. Wir schaffen einen Raum zwischen Spüren und Handeln, denn dann müssen wir nicht mehr sofort reagieren und dem ersten Impuls nachgehen. Wir bleiben erst einmal bei dem, was ist und was wir spüren. Dadurch erhalten wir neue Perspektiven und können uns bewusst zwischen verschiedenen Handlungsoptionen entscheiden.“
[Quelle: Linda Lehrhaupt, die Wellen des Lebens reiten. Mit Achtsamkeit zur inneren Balance, Kösel-Verlag, E-Book, Kapitel „Dem Begehren neue Räume öffnen“]

 

Wenn Kaufen zu Zwang oder Sucht wird

Manchmal reichen solche beschriebenen Tipps und Anregungen nicht aus. Wer ernsthafte Probleme hat und immer wieder mehr kauft, als er bzw. sie braucht und dann irgendwann auch nicht mehr zahlen kann, sollte sich nicht scheuen, fachliche Hilfe zu suchen. Nimmt das Kaufen Dimensionen von Zwang und Sucht an, stecken in in der Regel ganz andere Bedürfnisse und Notwendigkeiten dahinter, die sich mit Einkaufen und einer endlosen Menge an verfügbarem Geld nicht erfüllen lassen.

Lesetipp:

 

 

Minimalismus – und was dann? Von Muße und neuen Ideen

Was kommt nach dem Aussortieren? Gerade erst hat sich der Blog apfelmaedchen.de mit dieser Frage befasst. Dazu gibts dort bereits eine Reihe interessanter Antworten. (Siehe: Was kommt nach dem Aussortieren – Wir fragen, 5 Minimalist_Innen antworten ). Dies war anregend für mich, mir auch nochmal einige Gedanken dazu zu machen, warum da so oft ein „inneres Loch“ entsteht und wie wir damit umgehen können.

Endlich geschafft – und dann das „innere Loch“ statt Euphorie und Energie

Manchmal ist es einfach so, dass nach der ersten Euphorie, endlich etwas geschafft zu haben, erstmal so etwas wie ein „inneres Loch“ entsteht. Wer kennt das nicht, wenn endlich das Gerümpel entfernt ist, die Abschlussprüfung geschafft, der Umzug erledigt und alle Kisten ausgepackt oder auch nur die Steuererklärung abgegeben ist. ENDLICH fertig – tja und ich kenne das auch: Eigentlich müsste ich doch tanzend durch die Wohnung hüpfen, eine Party veranstalten oder sonst was. Und was tue ich statt dessen: Ich fühle mich dann oft entweder leer oder geschafft oder beides und hänge erstmal vorrangig auf dem Sofa herum. Irgendwie ist das manchmal sogar schön, aber wie oft war ich auch verwundert, warum ich jetzt nicht endlich aktiv bin, irgendwas unternehme, meine Hobbys pflege oder oder…

Warum eigentlich – bzw. warum eigentlich nicht?

Nicht jede/r hängt erstmal durch. Aber es kommt vor und ehrlich gesagt: So selten ist das ja auch nicht.
Bei der Überlegung, warum das so ist, lande ich dann gleich bei der Gegenfrage: „Warum eigentlich nicht?“ Denn: Was spricht eigentlich dagegen?
Wer hat festgelegt, dass wir immer aktiv und „gut drauf“ sein müssen?
Ist dies nicht auch ein Zeichen von Rastlosigkeit, von Leistungsdenken, welches sich sogar bis in unsere Freizeit zieht? Wir leben in einer sog. schnelllebigen Welt, sind mit ständigen Informationen, Bildern, Geräuschen umgeben. Innerhalb von kürzester Zeit können wir von A nach B fliegen, immerzu rastlos, ruhelos. Wir leben zwar im sog. digitalen Zeitalter, aber Körper, Psyche und auch unser Denken hat ja letztlich noch immer eine analoge Struktur, wir sind schließlich keine Maschinen.

Muße statt Muss

Wer auch immer sich mal mit dem Thema Kreativität befasst hat, wird wissen, dass neue Ideen in der Regel nicht aus einem Hochgeschwindigkeitsmodus heraus entstehen.

Muße, sich Zeit lassen, die Gedanken schweifen lassen, lesen, Musik hören oder auch einfach „Löcher in die Luft gucken“ – all das dient dazu, den „inneren Akku“ wieder aufzuladen. Hirnforscher sprechen davon, dass sich dadurch wieder neuronale Verknüpfungen im Gehirn neu bilden können.

Wir müssen also gar nicht immer aktiv und „oben auf“ sein. Nicht umsonst, sprechen wir ja z.B. davon, eine Entscheidung mal ein paar Nächte zu überschlafen. Und ich finde es nicht einmal tragisch, wenn auch erstmal so etwas wie ein „inneres Loch“ entsteht. Denn das Gefühl innerer Leere oder „schlecht drauf“ sein, ist erst dann ein Problem, wenn ich dauerhaft darin stecke und ich das Gefühl habe, nicht wieder heraus zu kommen (Und dann sollte ich auch unbedingt etwas dagegen tun und mir auch dabei helfen lassen).

Übrigens: Auch wer meditiert, macht vereintlich „nichts“ und trotzdem ist es etwas sehr aktives, nämlich aktives Nicht-Tun aus dem heraus sich viel Neues entwickeln kann.

Eine Frage der Zeit – neue Ideen, neue Aktivitäten

In der Achtsamkeit gibt es den genialen Tipp, wie man eigenen negativen Gedanken und Gefühlen auch anders begegnen kann: Statt z.B. zu sagen „Ich bin traurig“, kann ich sagen „Traurigkeit zieht durch mich durch.“ Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied in der Formulierung. Denn ich kann dadurch einen inneren Abstand gewinnen. Mir ist dadurch klar geworden, dass nichts ein ewiger Dauerzustand ist, ich dies aber durchaus in der betreffenden Situation so empfinden kann.

Oftmals entsteht genau aus solchen Mußephasen (die durchaus auch mal als Langeweile oder „schlechte Laune“ empfunden werden können) dann letztlich doch etwas Neues. So haben z.B. nicht wenige Minimalisten alte oder neue Hobbys entdeckt, sei es Musik, Handwerk, Gesundheit, Ernährung, Sport oder was auch immer. Oder mit dem Minimalismus geht zunehmend eine bewusstere, nachhaltigere Lebensführung einher. Nicht selten geht es irgendwann nicht mehr einfach nur um weniger Dinge, sondern einen generell bewussteren Umgang mit Konsum und sozialer Gerechtigkeit.
Mich erstaunt und erfreut es auch immer wieder, dass Minimalisten untereinander in der Regel sehr viel Toleranz und Akzeptanz für die durchaus sehr unterschiedlichen Lebensstile und Ausprägungsgrade von materiellem Besitz haben. Dinge loszulassen scheint sich förderlich auf das soziale Miteinander auszuwirken. Dass Minimalismus vorrangig aus den berühmten 100 Teilen besteht, scheint Medien mehr zu interessieren, als minimalistisch lebende Menschen selbst. Diese sind meistens längst einen Schritt weiter 😉

Vom geistreichen Nichtstun – Artikel bei Zeit-Online

Wer noch mehr wissen möchte: Interessante und lesenswerte Informationen aus der Gehirnforschung zum Nichtstun fand ich bei Zeit-online:  http://www.zeit.de/2010/49/Geistreiches-Nichtstun

 

Achtsamkeit: Misserfolg als Chance

Manchmal geht’s einfach daneben…

Manchmal sind die Vorhaben so prima, so gut. Und dann klappt es irgendwie doch nicht so ganz. Also z.B. mein Vorhaben, regelmäßig morgens kurz noch das Geschirr spülen. Eigentlich dauert es eh nicht lange, ist in maximal 10 Minuten erledigt und ich bin sowieso Frühaufsteherin. Passt also  eigentlich prima. Aber es dauert leider ebenfalls nicht lange, bis sich das Geschirr dann doch wieder stapelt. Oder ich will Zuhause endlich mehr achtsames Yoga üben – und dann bekomme ich es nur in der MBSR-Gruppe oder an Achtsamkeitstagen hin – monatelang.

Jede/r hat da natürlich andere Themen. Manche Leute kommen an der neuesten Bekleidung oder Schuhhäusern nicht vorbei, kaufen vielleicht den x-ten Pullover, obwohl doch genügend im Schrank sind. Oder es muss unbedingt ein neues Handy sein, obwohl das alte Handy noch klaglos seinen Dienst versieht. Manchmal ist es auch das zuviele Geld, was bei häufigen Restaurantbesuchen drauf geht oder der Duft nach dem x-ten frischem Kaffee unterwegs oder die gebrannten Mandeln, die auf einem der vielen Weihnachtsmärkte verführerisch um die Nase wehen.

Irgendwann kommt dann der Gedanke: „Ach, dann ist es mir dann eben egal…“ oder es macht sich Frust, Enttäuschung, Ärger über sich und die Welt breit. Vielleicht ist auch die Finanzplanung über den Haufen geworfen und führt zu neuen Dramen. Der positive Schwung des Anfangs ist einem flauen, schalen Gefühl gewichen. Vielleicht machen sich Selbstzweifel breit oder wir suchen unser Heil in Verdrängung oder Aktivismus.

Es gibt immer einen Grund – und eine Lösung:

Weder müssen wir uns dauerhaft in Verdrängung oder Aktivismus, noch in Selbstzweifel vergraben. Es gibt die Möglichkeit, diese kleinen oder größeren Alltagstiefs, die Misserfolge als Chance zu nutzen. Denn sie bieten eine hervorragende Möglichkeit mal ein wenig nachzuforschen, was da eigentlich los war: Warum genau haben die eigenen Vorhaben eigentlich nicht geklappt? Warum ist der anfängliche Schwung versandet? Und bitte nicht an der Plattidüde „ich habe eben zuwenig Selbstdisziplin“ aufhalten. Es gibt nämlich immer einen Grund – und vielleicht ist dieser Grund wichtig, entscheidend, hilfreich und wird so zur Lösung für das Dilemma.

 

Wie können Misserfolge zu Chancen werden? Anregungen zur Alltags-Achtsamkeit:

  • Hinfühlen, hinschauen, hinhören: Insbesondere auf die eigene Befindlichkeit, die „innere Stimme“. Was passiert da eigentlich so ganz genau, wenn dann doch wieder etwas nicht funktioniert hat? Was geschieht oder geschah da um mich herum? Wie fühle ich mich jetzt? Was und wie habe ich mich vorher gefühlt?  Welche Sinne sind und waren angesprochen? Was war vielleicht so attraktiv, das ich das eigene Vorhaben, doch wieder fallen gelassen habe?
  • Sich Zeit nehmen und sich Zeit lassen. Wo steht geschrieben, dass alles sofort und zu 100% klappen muss? 10% sind mehr als 0%, ein Schritt besser als kein Schritt.
  • Trotzdem freundlich mit sich selbst sein: Ein Misserfolg ist kein Weltuntergang. Statt ständiger Selbstvorwürfe kann es hilfreicher sein, sich selbst gut zuzureden, sich selbst zu ermutigen. Auch die klitzekleinsten Versuche können gesehen und ausreichend würdigt werden.
  • Auf nicht-bewusste Gewohnheiten achten: Manchmal sind es Gewohnheiten, die sich langsam, allmählich und unbewusst eingeschlichen haben. Das kann der Zeitungskiosk oder der Bäcker sein, an dem ich morgens vorbei komme. Oder das Süßigkeitenregal an der Kasse, wo ich vielleicht nach Feierabend mal eben zugreife – einfach, weil ich das meistens so mache.
  • Mut zu kleinen Schritten: Tanja Heller nannte es mal so wunderbar: „Zerleg das Mammut.“ Manchmal sind die Vorhaben und Ziele einfach zu groß und zu weit gesteckt. Immer gibt es die Möglichkeit, sich kleinere Teilschritte und Teilziele zu überlegen und so Spaß an kleinen Erfolgen zu bekommen. Wenn es nicht für die große Joggingrunde 3 x pro Woche reicht, warum nicht einfach mal auf dem Nachhause-Weg eine Bushaltestelle früher aussteigen und den Rest gehen – vielleicht 1 x in der Woche, z.B. wenn eh das Wochenende vor der Tür steht?

 

Misserfolg als Chance – Meine Erfahrungen:

Ich konnte auf die zuvor beschriebene Weise eine ganze Menge für mich herausfinden. So ist mir z.B. irgendwann aufgefallen, dass der zur Gewohnheit gewordene tägliche Kaffee am Hauptbahnhof nichts anderes war, als der Frust über einen damals sehr langen Anfahrtsweg. Ich hatte mir den Kaffee weiter gegönnt, aber mal hingefühlt, was da eigentlich in und mit mir los war. Ich bemerkte, dass die vielen Kaffee’s, der Süßkrams hier und da, die Zeitschriften und was es sonst noch so unterwegs zu kaufen gab, Frustkäufe waren. Der Anfahrtsweg war zu weit, die Arbeitsstelle passte nicht mehr. Da half dann kein einfacher Kaffeeverzicht, sondern nur noch ein Stellenwechsel, um aus diesen Frustkäufen heraus zu kommen.

Oder mein oben beschriebenes Nicht-Yoga-Üben: Dadurch, dass ich mir keinen Druck gemacht habe, unbedingt Yoga Zuhause üben zu wollen, aber innerlich am Thema dran geblieben bin, fiel mir irgendwann auf, wieviel Druck ich mir bei solchen Dingen immer mache. Jahre- und jahrzehntelang bin ich über eigene körperliche Einschränkungen einfach hinweg gegangen. Auch das wurde mir letztlich durch meinen vermeintlichen Misserfolg des Nicht-Übens klar. Nach und nach gelang und gelingt es mir, genau dies nicht als Misserfolg, sondern als Chance zu sehen. So habe ich mir dann erstmal zugestanden, eben nur im Rahmen der MBSR-Gruppe zu üben. Dort habe ich mir dann schrittweise und mühsam erarbeitet, einfach mal sehr viel behutsamer, langsamer, kleinschrittiger vorzugehen. Einige Übungen lasse ich inzwischen weg oder passe sie an und finde dadurch allmählich zu einer viel besseren und insbesondere stressfreieren Körperwahrnehmung. Inzwischen komme ich dann tatsächlich auch mal zu dem Erlebnis, das Zuhause ein paar klitzekleine Yoga-Übungen zu machen, durchaus hilfreich und wohltuend sein kann. Zeit meines Lebens waren nahezu alle Sportarten für mich blanker Stress, nie wohltuend und fast immer unpassend. Nun kann ich die Chance meines Misserfolges endlich konstruktiv und wohltuend für mich nutzen – in vielen kleinen Schritten, mit Erfolgen und auch immer noch mal mit Misserfolgen, die ich auch weiterhin als Chance nutzen werde.

Licht durch finsterste Nacht tragen – Metta-Meditation

Es gibt Zeiten, die sind so voll von Trauer und Schmerz, dass es schwierig und manchmal auch unpassend ist, überhaupt noch etwas zu sagen. Manchmal ist es gut, einfach mitfühlend da zu sein – mit anderen Menschen, aber auch mit sich selbst. In den letzten Jahren hat mir insbesondere die Metta-Meditation (oder: Meditation der liebenden Güte) als treue Begleiterin durch viele schwierige oder belastende Zeiten geholfen.

Nachfolgend einige Erläuterungen von Jack Kornfield zur Metta-Meditation. Am Ende des Textes ist für Interessierte noch ein Downloadlink zu einer PDF-Datei mit einer Anleitung für eine Metta-Meditation.

 

„Wir und alle, auf die wir treffen, haben in dem einen oder anderen Maße Anteil an dem Schmerz, der auf der Erde vorhanden ist. Wir sind aufgefordert, diesen Schmerz in uns selbst und anderen mit Mitgefühl wahrzunehmen. Aber wie gelingt uns das, wenn wir uns in einer Lebensphase befinden, in der wir scheinbar den Kontakt zur Kraft unseres Mitgefühls verloren haben, wenn wir uns abgeschottet haben vom eigenen Leiden und von dem anderer? Wir müssen damit anfangen, die Tränen um uns selbst zu spüren, bevor wir um andere weinen können. Diese Tränen sind in Wahrheit ein großes Geschenk. Sie sind dasselbe Wasser, das in jedem Frühling neues Leben aus der trockenen Erde wachsen lässt.

Bei den Lakota gilt Kummer als große Gabe, weil sie glauben, die Götter seien uns am nächsten, wenn wir leiden. Hat ein Lakota einen großen Verlust erlitten und trauert, so bezeichnet man ihn als »wacan«, als hochheilig. Seine Gebete gelten nun als besonders kraftvoll, weshalb andere ihn oft bitten, für sie zu beten.

Wenn du Verlust, Enttäuschung, Verletzung und Konflikt erlebst,

ruf ein Gefühl deiner eigenen Würde in dir wach.

Setz dich auf,

steh aufrecht da.

Bring dir selbst Achtung, Geduld und Mitgefühl entgegen.

Tust du das, so wirst du mit allem fertigwerden.

…Manchmal ist es freilich schwer, Mitgefühl für uns und andere zu haben, aber selbst wenn wir während einer schweren Leidensphase den Kontakt dazu verlieren, so ist Mitgefühl doch ein essentieller Bestandteil unserer wahren Natur. Gerade dieses Mitgefühl für uns und unsere Liebe zu uns selbst verleihen uns Kraft, das Licht durch die finsterste Nacht zu tragen. Und wenn Sie als erstes Mitgefühl für sich selbst praktizieren, dann werden Sie dadurch nicht nur eine Möglichkeit finden, Ihre Kämpfe und Ihren Kummer im Herzen zu bewahren, sondern auch lernen, eine Verbindung zum Leiden und zum Kummer aller Menschen zu finden, von denen Sie umgeben sind. Du bist mehr als dieser Schmerz. Erinnere dich daran, wer du wirklich bist. Dieses Mitgefühl für uns selbst hilft uns allen, zu überleben.“
Jack Kornfield, Das innere Licht entdecken. Meditation in schwierigen Zeiten, Kösel-Verlag, E-Book, Kapitel 3 – Geteiltes Mitgefühl

Eine kostenlose Anleitung für eine Metta-Meditation: 

Download Anleitung Metta-Meditation – PDF-Datei

Download Anleitung Metta-Meditation- RTF-Datei für Sehbehinderte

 

Lebensgefühl kann man nicht kaufen

Immer super drauf …? Das Gefühlsleben lässt sich nicht normieren

Mitunter habe ich den Eindruck, dass es gerade auch in der Freizeit so etwas wie eine ungeschriebene Regel zu geben scheint, dass wir möglichst immer „super drauf“ sind oder sein müssen, endlos viel Spaß haben sollen und überhaupt alles so wunderbar ist. Man kann sich ja im Bedarfsfall dieses oder jenes schöne Lebensgefühl auch kurzerhand kaufen – zumindestens verspricht das die Werbung für irgend einen neuen Schnickschnack. Aber wenn wir ehrlich sind: Wir sind nicht immer „gut drauf“ top motiviert und unerschütterlich. Manchmal fühlt sich unser Leben richtig schwierig an. Das eigene Gefühlsleben lässt sich nicht so ohne Weiteres normieren, in Wirtschaftsformen einpressen oder an einen Lifestyle anpassen. Schon gar nicht können wir dauerhaft verdrängen oder uns selbst belügen, ohne dass es uns irgendwann damit schlecht geht. Weder gelingt dies durch zuviel oder zu wenig Arbeit, Aktivismus, Erlebniskonsum, noch durch Werbeversprechen für irgend einen Konsum-Schnickschnack. Emotionen sind da, bewusst oder nicht bewusst. Es ist die Frage, wie wir damit umgehen.

 

Dazu einen Text von Bob Stahl & Elisha Goldstein:

„… Haben Sie sich je gefragt, warum es „Lebensversicherung“ heißt, obwohl es in Wirklichkeit eine Todesversicherung ist? Diese Frage klingt wirklich banal, aber sie kann als Erinnerung daran dienen, wie durchgängig die Medien und unsere Kultur den Fokus von schwierigen Themen ablenken. Wir sind von Botschaften umgeben, die darauf hinweisen, dass wir jung bleiben, einen tollen Körper haben und jedes Mal zu Medikamenten greifen sollten, wenn wir krank oder traurig sind oder Angst haben. Obwohl Medikamente gelegentlich für Gesundheit und Wohlbefinden entscheidend sein können, ist es auch wichtig, im Umgang mit Stress, Schmerz und sogar Krankheit innere Resilienz zu kultivieren.

Wenn man sich schwierigen Emotionen zuwendet und Stress, Angst und Schmerz konfrontiert, ist das kein leichter Weg. Er kann sich unsicher anfühlen, und Sie müssen vielleicht ein Gefühl des Unwillens überwinden. Aber was kann man sonst tun? Es ist, wie das Sprichwort sagt: ‚Du kannst weglaufen, aber du kannst dich nicht verstecken.‘ Sie werden wahrscheinlich entdecken, dass Ihr Schmerz größer wird, wenn Sie nicht mit ihm umgehen, und schließlich kann er zu schwer werden, um ihn weiter zu tragen.“

(Quelle: Bob Stahl & Elisha Goldstein, Stressbewältigung durch Achtsamkeit, S. 176, Arbor-Verlag)

 

Gefühle bzw. Gefühlszustände lassen sich nicht im Shopping-Center kaufen.

Dort kann ich mich maximal ablenken, betäuben, berieseln und mir was vormachen lassen. Achtsamkeit dagegen bedeutet, hinschauen und hinfühlen, was da ist. Insbesondere schwierige, unangenehme Gefühle wahrzunehmen, bedeutet aber nicht, sich hineinzusteigern oder sie krampfhaft in den Griff bekommen zu müssen. Es bedeutet, überhaupt erst einmal anzuerkennen, dass  diese Gefühle da sind und schrittweise einen freundlicheren und behutsameren Umgang  damit zu erlernen.