Mein Weg zum Minimalismus

Mein Weg zum Minimalismus, wenn ich diesen mal an meinen Dingen festmache, macht mir deutlich, dass es nie einen wirklichen Plan gab. Das wäre mir auch zu kopflastig gewesen. Ich habe geschaut, was mir gut tut und einfach ausprobiert.

Am Anfang stand mein Mobilar, es folgten Küchenausstattung, Digitalgeräte, Kleidung.

Möbel

Blick in den Wohnraum mit Podesten und Futon links, geradeaus vor dem Fenster ein Tisch mit 2 Stühlen, rechts ansatzweise Stuhl und Schreibtisch erkennbar

Es gab einiges hin und her – mit dem Ergebnis, dass ich eigentlich viel weniger brauche, als ich das dachte. Zwei kleine Holzschränkchen waren unnötig. Die als Kleiderschrank genutzten 35cm tiefen Schränke sind entsorgt. Fehlkäufe waren Sofa und Kommode. Bewährt haben sich die beiden kleinen Podeste, die ich als Bett, Sessel und Sofa nutzen kann. Ein Klappfuton dient mir als Sessel und Gästebett. Mein Futon zum Schlafen habe ich vor einigen Monaten wegen meines gespaltenen 5. Lendenwirbelbogens, gegen eine Kapok-Klappmatratze getauscht.  Diese ist härter als das Futon und verhilft mir nachts zu noch mehr Stabilität.

 

 

Küche

Küchenzeile mit Spüle links, einer Kochplatte und einem Schubladenschrank auf dem ein Espresskocher steht

Sie ist einfach da und auf das Nötigste beschränkt. Ich koche, aber aus Notwendigkeit, nicht aus Leidenschaft. Ein wenig stört mich, dass alles, was in den Bereich von Kochen, Waschen und Putzen gehört, auch mit minimalistischer Ausstattung für meine Verhältnisse recht dingeintensiv ist. Das sind ja nicht nur Töpfe und Co., sondern auch Vorräte fürs Waschen, Kochen, Putzen. Auch da habe ich gar nicht so viel. Aber es kommt halt eins zum anderen.

Den richtigen Kühlschrank zu finden, war ein Desaster. Einbaukühlschrank war Unsinn und zu groß. Der freistehende Kühlschrank war kleiner, aber immer noch zu groß und qualitativ ein Reinfall. Meine Minikühlbox mit ca. 45 Liter ist jetzt richtig klasse und steht in der Abstellkammer. Ansonsten schaue ich, dass ich möglichst viel weglasse, insbesondere, wenn es Geräte sind, die Strom benötigen. Ende 2016 habe ich beispielsweise beschlossen, mir erst dann einen neuen Handmixer zu kaufen, wenn ich ihn tatsächlich auch benötige. Bislang war das noch nicht der Fall, also habe ich bislang auch noch keinen.

 

 

Kleidung

Geöffnete Schublade mit Shirts, Hosen und Jacken
Meine minimalistische Ganzjahres-Garderobe

 

Daran habe ich wirklich mehrere Jahre „gebastelt“. Ich nutze schon länger die Kombi aus Hose, T-Shirt/Langarmshirt und Jacke. Aber die Farben… Ich liebe grün, ab und an darf es auch dunkelrot sein. Früher habe ich meistens bei Trigema gekauft, die haben aber kaum noch grün im Angebot. Das, was ich an sog. fairer und Bio-Kleidung gekauft habe, war erschreckend schnell hinüber. Grüne Shirts habe ich dann trotzdem irgendwie noch bekommen. Aber passende Jacken zu finden, war sehr schwierig. Also habe ich irgendwann entschieden, bei den Jacken auch auf die leicht erhältlichen Farben schwarz-grau-weiß zu setzen. Das entstresst. Eine einfache Lösung, aber es hat tatsächlich Jahre gedauert, bis ich an diesem Punkt war.

 

Büro

2 geöffnete Schubladen mit Aktenordnern und einigen Bürountensilien

Das Aussortieren war hier eher unspektakulär. Meine Papiere und Unterlagen sehe ich immer mal wieder durch, ob sich darin nicht doch noch irgendwas befindet, was weg kann. Inzwischen habe ich nur noch einen (schmalen) Aktenordner und einen Schnellhefter mit Unterlagen. Es gibt ein Grundbestand an Stiften etc., nur das Nötigste. Es reicht, ich komme gut klar.

Update 16.2.20: Da ich nach Minimalisieren von Unterlagen gefragt wurde: Ich entsorge Papiere, sobald die Aufbewahrungsfristen abgelaufen sind. Auch hier gilt für mich: Von Dingen, die ich nicht besitze, brauche ich auch keine Rechnungsbelege verwahren 😉
Info zu Aufbewahrungsfristen für Privatpersonen: https://aufbewahrungsfristen.org/privat/  und https://www.test.de/Aufbewahrungsfristen-Welche-Unterlagen-Sie-nicht-wegwerfen-sollten-5033069-0/ Mehr zu Minimalismus im Büro – und meinen Stand von Oktober 2018:  https://achtsame-lebenskunst.de/2018/10/14/minimalismus-im-buero

 

Digitalgeräte

Tablet mit Tastatur und Maus auf einem Schreibtisch

Die speziellen Schwerhörigen-Handys waren in recht kurzer Zeit hinüber. Ich bin nach einigen Versuchen mit Windows- und Androidhandys wieder zum gebraucht gekauften Apfelhandy zurück gekehrt. Damit höre ich noch am relativ besten, diese Geräte sind auch durchweg hörgerätekompatibel. Ganz praktisch ist das Telefonieren über einen Messenger, da die Sprachqualität hier deutlich besser ist – noch idealer ist Videotelefonie bzw. Videochat. Neu habe ich mir so ein Apfelhandy übrigens noch nie gekauft. Es gibt einige Internethändler, die gebrauchte Geräte durchchecken und mit 1 Jahr Gewährleistung verkaufen. Das ist nachhaltiger für die Umwelt und das eigene Portemonnaie. Tablet statt Laptop (bzw. Desktop-Computer) funktioniert nach jetzt rund 7 Monaten immer noch sehr gut.

Sonstige Unterhaltungselektronik habe ich nicht. Die fehlt mir auch nicht. Ich war bereits 47 Jahre, als ich erstmals überhaupt über die üblichen drei öffentlich-rechtlichen Antennen-Fernsehprogramme hinaus gekommen bin. Und auch bis dahin hatte ich immer nur phasenweise einen Fernseher, anfangs noch mit der Überlegung, ob nicht ein Schwarz-Weiß-Gerät ausreicht und es überhaupt „Buntfernsehen“ sein muss. 😅 Mit den ganzen netten und verflixten Streaming-Angeboten habe ich nichts am Hut. D.h., der Unterhaltungs-Mega-Konsum ist mir immer noch ein wenig fremd geblieben – zum Glück.

 

Auto

Als neulich auf der Arbeit Diskussionen und Aufregungen darüber aufkamen, wie denn Privat-PKWs bei dienstlichen Fahrten versichert sind, konnte ich mich entspannt zurück lehnen. Ich besitze keinen Privat-PKW und wir haben Dienstautos, die wir für unsere beruflichen Außentermine nutzen können. Allerdings beinhalten die Dienstwagen keine Privatnutzung. Also bedeutet das den ein oder anderen zusätzlichen Fußweg von und zur Arbeitsstelle. Aber auf diese Weise habe ich gleich ein wenig körperliche Bewegung und kann mir das Laufband im Fitnessstudio sparen. Außerdem (er-)spare ich mir die Kosten fürs Auto, die Autoversicherung, die Parkplatzsuche, im Winter Scheiben frei kratzen, die Werkstatttermine, die Ruhrgebiets-Dauerstaus und insbesondere jede Menge Nerven und Aufregungen.

 

Mein Weg zum Minimalismus: Mach es einfach

Zusammenfassend ist mein Weg zum Minimalismus ein Weg des Ausprobierens und Experimentierens gewesen. Mach es einfach – langes Nachdenken führt manchmal, aber nicht immer zum Handeln und somit zum Ergebnis. Einfach mal anfangen, lohnt sich. Letztlich interessiert es mich auch nicht, wie wenig oder viele Dinge es sind. Mich interessiert die Einfachheit und die Stressreduzierung, die damit verbunden sind. Und da lohnt es sich ganz besonders, wirklich immer wieder genau hinzuschauen, ob die Dinge wirklich das eigene Leben erleichtern oder aber vielleicht nur die eigene, vordergründige Bequemlichkeit bedienen. Vielleicht ist es auch Frust-Shopping, Statussymbol, Gewohnheit oder sonst was.

 

Foto einer nur teilweise sichtbaren Person, die eine Tasse festhält mit der Aufschrift: A simple Life
Foto: Easton Oliver

 

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