Minimalismus-Wohnung – Dinge, die ich abschaffen werde

Umzug – weniger ist mehr

Bei mir stehen einige Veränderungen an. Wenn alles gut geht (danach sieht es aus), werde ich Mitte November in eine wunderschöne Dachwohnung mit 35qm umziehen.
Zum Umzug ganz unweigerlich gehört immer die Frage, was ich künftig nicht mehr brauche, was entsorgt werden kann. Für mich ist dies die Auseinandersetzung mit der Frage, welche Dinge nun die Schwelle der neuen Wohnung überschreiten dürfen und womit ich mich nicht mehr belasten will. Dabei geht es mir genau genommen nicht um die Anzahl von Dingen. Wenn ich von Minimalismus-Wohnung spreche, dann geht es mir um entspanntes Wohlfühl-Wohnen – dazu gehört für mich, wenig Aufwand zu haben und mich nicht mit so vielen Dingen zu belasten. Ich möchte wohnen, mich wohlfühlen und mich nicht ständig mit Erwerb, Pflege, Drumrum-Putzen und Entsorgung von irgendwelchem Kram befassen – und sei dieser noch so schick und modern.

Ich werde in den nächsten Wochen und Monaten immer mal wieder unter dem Stichwort Minimalismus-Wohnung: Entspannter wohnen und wohlfühlen“, einige Aspekte heraus greifen und veröffentlichen. Ein paar Fotos wird’s dann natürlich irgendwann auch noch geben.

Was brauche ich nicht? Dinge, die ich abschaffen werde:

Auto:
Das Auto wird endgültig verkauft, ich nutze es ohnehin schon lange nicht mehr alleine. Meine künftige Wohnung ist in ruhiger, aber zentraler Innenstadtlage, 15-20 Minuten Fußweg zur Arbeit. Ein Carsharing-Anbieter hat u.a. ein Elektro-Fahrzeug in unmittelbarer Nähe meines Arbeitsplatzes. Es gibt zudem etliche weitere Standorte und noch eine ganze Reihe weiterer Carsharing-Anbieter.
Vieles ist fußläufig oder mit ÖPNV gut zu erreichen. Die nächste U-Bahn und S-Bahn ist 5 Minuten entfernt. Wollte ich zum Hauptbahnhof laufen, wäre ich in ca. 25 Minuten dort, mit der U-Bahn benötige ich ca. 10 Minuten. Es gibt genügend Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, sogar 2 Bioläden sind in 5 Minuten zu erreichen, ca. 20 Minuten Fußweg oder 10 Minuten mit der U-Bahn entfernt, noch ein Bioladen. Der Wochenmarkt in der Stadt ist in ein paar Minuten U-Bahn-Fahrt zu erreichen. Nicht zuletzt heißt der sog. „Ruhrschnellweg“ (B1, A40) hier im Volksmund „Ruhrschleichweg“. Wir stehen im Ruhrgebiet eh mehr im Stau, als das wir fahren. Wozu also ein Auto??

Waschmaschine:
5-Minuten Fußweg entfernt ist ein Waschsalon, die Wohnungsgenossenschaft hat zudem ein weiteres sog. Waschhaus mit Waschmaschinen, die von allen genutzt werden können. Da in einem Waschsalon oder Waschhaus dann auch gleich mehrere Maschinen befüllt werden können und ich insbesondere auch derzeit keine Lust mehr habe auf  irgendwelche geplanten Obsoleszenzen, eine wirklich einfache und bequeme Lösung, die nun erstmal die nächste Zeit nutzen möchte.

Trockner
Direkt neben meiner Wohnung ist ein schöner und guter Trockenboden – das macht es nahezu perfekt. Hinzu kommt, dass ein Trockner ohnehin eine ziemliche Energieschleuder ist.

Fernseher:
Einen Fernseher brauche ich definitiv nicht. Schon seit Jahren habe ich nur einen TV-Stick für den Laptop benutzt. Aber den benötige ich auch nicht. Im Internet sind viele TV-Sendungen zudem auch bereits im Livestream oder anschließend in der Mediathek zu sehen.  Der Sinn von irgendwelchen riesigen TV-Bildschirmen erschloss sich mir noch nie. Die riesigen Köpfe auf der Leinwand, der evtl. nötige Zusatzvertrag für HD-TV für schärferes Sehen – all das will ich nicht, brauche ich nicht, hat für mich nichts mit Lebensqualität zutun. Außerdem: Wenn ich etwas auf einer großen Leinwand sehen will, kann ich auch ins Kino gehen.

Radio, Stereoanlage:
Der Laptop ermöglicht auch hier einen einfachen Ersatz. Die schicksten Lautsprecherboxen sind ebf. nicht erforderlich. Aufgrund meiner Schwerhörigkeit, gehts mir vorrangig um entspanntes Hören, da nutzen Lautsprecherboxen nur begrenzt. Es geht mit Laptop und geeignetem Kopfhörer daher ebenso gut.

Minimalismus-Wohnung: Entspannter wohnen und wohlfühlen

Weitere Fragen und Themen werden folgen, manches ist noch offen. Immer geht es für mich um wirkliches Wohlfühlen und um die Reduzierung von Belastung. Ein für mich wichtiges Kriterium dafür, dass ich mich wirklich wohlfühle: nicht aufwändig, Freiräume lassen, und die Frage, ob und welche Alternativen es ggf. gibt.

Update: Wie ich minimalistisches Wohnen umgesetzt habe, steht hier:

Minimalismus-Wohnung – Anregungen und Tipps zum minimalistischen und achtsamen Wohnen

 

 

Fühlen, was ich wirklich brauche – Achtsamkeit, Yoga und Körperbehinderung

Fühlen, was ich wirklich brauche…

Achtsamkeitsübungen sind und waren für mich insbesondere dann, wenn es um die Körperwahrnehmung geht, immer wieder eine besondere Herausforderung. Ich habe ja auch schon einige Male darüber berichtet (siehe unten angefügte Links). Denn erst durch die regelmäßige Achtsamkeitspraxis ist mir überhaupt bewusst geworden, dass ich mich mit einer Körperbehinderung durchs Leben bewege. Allerdings mit einer Behinderung, die erstmal gar nicht so auffällt. Wie oft habe ich früher Physiotherapie gemacht, wie oft Orthopäden aufgesucht, wie oft mir im Sportunterricht angehört, mir fehle es halt nur an Engagement und ich solle mich nicht so anstellen. Niemand sagte mir, was wirklich mein Problem ist – niemand schaute wirklich genau hin.

 

Bewusstwerden der wirklichen Einschränkungen

Erst durch Achtsamkeit ist mir vieles bewusst geworden und daher jetzt auch anders damit umgehen und letztlich auch gezielter auf Suche nach Klarheit durch medizinische Diagnostik gehen. So fiel mit in der Gehmeditation überhaupt erst auf, dass ich kaum sicheren Halt mit den Füßen finde. Das Yoga im Stehen war ebenfalls immer ein Drama. Egal, was und wieviel ich übte, es ging nicht. Inzwischen weiß ich: Leichte Sichelfüße, die dann noch sehr schmal sind, Senk- und Spreizfuß kommen noch ergänzend dazu. Dann ohnehin leicht schiefe Beine, ein gebrochener Lendenwirbel mit dem ich vermutlich schon mein ganzes Leben herum laufe. Hinzu kommen überdehnbare Gelenke, die z.B. einen Vierfüßerstand schon mal zum Desaster werden lassen. Dann bin ich ja auch noch schwerhörig, was das Üben in einer Gruppe nochmal schwieriger macht. Was mache ich nun mit diesen ganzen Einschränkungen? Es einfach sein lassen? Fast war ich dazu geneigt.

 

Lösungen – Erleben, was ich wirklich kann!

Die Lösung, hatte Sabine, Leiterin der MBSR-Gruppe für Übende mit Vorerfahrung, an der ich immer wieder teilnehme: Sie schlug vor, sich manche Übungen nur gedanklich vorstellen, Varianten zu suchen, auch beim Yoga wirklich mitfühlend mit sich selbst zu sein und nur so viel und so weit zu gehen, wie es gut tut. Kurzum: Im Bedarfsfall anders üben und immer wieder hinzufühlen, ob diese oder jene Übung so wirklich gut oder anders vielleicht besser ist.
Letzten Donnerstag entdeckte ich dann eine interessante Variante für mich: Die Yoga-Übungen im Stehen führte ich überwiegend im Sitzen durch und entdeckte dabei die Stabilität der Sitzbeinhöcker. Und so ging es mir durch den Sinn: SitzBEINhöcker, sind doch auch irgendwie Beine – zumindestens für mich. Sitzen ist für mich auch Stehen. Für mich eine unglaubliche Befreiung: Endlich Stabilität!

 

Varianten, Individualität, Kreativität, Lebensfreude

Ein interessanter Nebenbei-Effekt ergab sich für mich: Jenseits von „08/15“, „Schema F“ und „alle üben gleich“ etwas anders machen können, sich dieses Anders-Tun zugestehen, setzte bei mir auch innerlich etwas frei: Viele neue Ideen und Gedanken gingen mir plötzlich durch den Kopf. Statt des üblichen Stresses durch solche Übungen, spürte ich nun Freiheit, kreative Inspiration und einfach Lebensfreude in mir. Keine Sport- oder Gymnastiklehrer, kein Krankengymnast hat ein solch wunderbares Erlebnis durch Körperbewegung und Körperwahrnehmung je bei mir erreichen können, wie es nun durch wirklich achtsames Yoga und dem nötigen Selbstmitgefühl möglich geworden ist.

 

 

 

Achtsames Reduzieren – Minimalismus befreit innerlich

Dinge mit Erinnerungswert reduzieren

Lange Jahre habe ich aktiv Musik gemacht, viele Jahre aktiv im Chor, auch Gesangs-Solistin, Jazz, Swing, Brazilian Music – Musik finde ich klasse, bis heute. Aber ich mache nur noch wenig aktiv Musik – und wenn, dann eigentlich vorrangig für mich. Ich spiele dann eher Klavier. Dass ich hier meilenweit von irgend so etwas wie Können entfernt bin, stört mich zum Glück wenig.  Ich genieße die Musik – es tut einfach gut.

Mit meiner Schwerhörigkeit ist mir das häufige Singen im Laufe der Zeit einfach zu belastend und anstrengend geworden. Schon während meiner aktiven Zeit war dies belastend und auch anstrengend, es war mir jedoch nicht bewusst. Mir war nicht klar, dass ich einige Töne und Frequenzen nicht oder nur schlecht gehört habe. Dass mir ein HNO-Arzt bereits vor langen Jahren mal gesagt hatte, dass ich einige höhere Töne nicht so gut höre – verdrängt. Ich kannte noch nichts von Achtsamkeit – und bin einfach über meine Anstrengung hinweg gegangen, auch über die Anstrengung, dass ich eigentlich nicht über längere Zeit gut stehen kann.

All dies wurde mir letztlich erst nach und nach durch Achtsamkeit auf meinen Körper klar und dass es mir nicht gut tut, mich mit einem „ich-will-das-aber-trotzdem“ herum zu quälen, sondern einfach mal die vorhandenen Einschränkungen zu sehen, zu akzeptieren und einen behutsameren Umgang damit zu erlernen.

Ungenutzte Dinge belasten

Was für mich immer ein wenig ein Stachel im Fleisch ist bzw. war, sind einige Dinge, die ich noch aus der aktiven Zeit hier habe. Konkret: Gesangsmikrofon, Mikrofon-Ständer, ein Mischpult. Immer mal wieder ging mir durch den Kopf, dass ich diese Dinge seit Jahren nicht benutzt habe und auch absehbar nicht nutzen werde. Auf die Idee, diese loszuwerden, bin ich lange nicht gekommen. Denn: Oh, diese Anschaffungen waren ja teuer, ob ich sie doch noch mal nutze??? Eigentlich war aber klar, dass ich sie nicht mehr benutze. Und so hatte ich immer dann, wenn ich diese Dinge gesehen habe, ein mulmiges Gefühl, manchmal auch Ärger, weil sie nun nur herum lagen: die ungenutzten, ehemals teuren Dinge. Auch dachte ich immer wieder an all die Zeit, Energie und Geld, welches ich in die Musik insgesamt gesteckt hatte und dadurch nun mit eher negativen Gefühlen verbunden waren.

Entscheidung zur Reduzierung:

Vorgestern dann endlich meine Entscheidung: Ich gebe diese Dinge ab: der Mikrofonständer ist bereits verschenkt, mein Mikrofon und Mischpult wird verkauft. Und nun merke ich eine Befreiung in mir:

Endlich mal eine Lebensphase verabschieden und damit verbunden merke ich nun auch, dass mir früher die Achtsamkeit für meine wirklichen Bedürfnisse gefehlt hat: Ich habe nämlich eigentlich lieber im Chor oder Vocalensemble als Solo gesungen. Solo war eine Art Notlösung, da ich eine zeitlang mit meinem Stimmumfang nicht so gut in den typischen Chor-Stimmen klar kam. Genau aus diesem Grund hatte ich auch Gesangsunterricht genommen, mich dann aber eigentlich mehr in das Solo-Sängerinnen-Dasein geflüchtet, als dass ich mich wirklich dafür entschieden hatte. Dies klappte dann auch noch gut. Begabungen ohne Achtsamkeit können halt schnell aufs Glatteis führen. Ich bekam wirklich sehr positive Feedbacks,  kaufte mir die Gesangsanlage – und hatte eins übersehen: Singen mit mehreren Menschen macht einfach mehr Spaß. Ich hatte dies – ohne meine jetzige Achtsamkeitspraxis – einfach verdrängt. Es machte mir nicht einmal viel aus, vor einem Publikum Solo zu singen, hatte nur minimal Lampenfieber. Es bedeutete mir aber auch positiv nicht wirklich etwas. Der Kick, den viele andere haben, hatte ich einfach nicht, bekam ihn auch nie. Die Gesangsanlage habe ich kaum benutzt. Die paar Male hätte ich mir locker auch etwas ausleihen können, der Kauf war rückblickend betrachtet unnötig, ein klassischer Fehlkauf.

Reduzieren von Dingen – Minimalismus befreit innerlich

Jetzt merke ich, dass ich mich befreiter fühle, wo ich mich genau von diesem Fehlkauf verabschiede, verabschiede ich mich auch von den damit verbundenen Gefühlen und Gedanken an „war teuer, deshalb MUSS ich es doch vielleicht noch nutzen – aber es passt ja nicht mehr“. Mit dem Abgeben dieser Dinge, kann ich auch innerlich besser loslassen und mich von diesem Lebensabschnitt besser verabschieden.

Und nun tauchen auch wieder die ganzen positiven Gefühle auf: Es war – trotz allem, was ich in dieser aktiven Musikzeit nicht wahrgenommen habe – eine wunderschöne Zeit. Nun kann ich dies auch wieder sehen und genießen. Darüber freue ich mich wirklich. Musik ist heute nicht mehr so dominant, aber es gibt sie noch, aber weniger und an meine Schwerhörigkeit angepasst. Ich fühle sehr genau hin, was und wieviel mir gut tut, womit ich mich und mein Gehör wirklich erfreue und nicht überfordere.

Die Dinge abzugeben ist befreiend, denn ich lasse jetzt endlich auch die damit verbundenen negativen Stimmungen und Gedanken los. Genau dies ist ein wesentlicher Aspekt an Achtsamkeit und Minimalismus für mich, weil inneres und äußeres Loslassen miteinander verbunden ist.

Was bleibt ist die schöne Erinnerung, meine immer noch vorhandene Liebe zur Musik  – aber jetzt entspannt, angepasst an meine jetzige Lebenssituation, angepasst an meine körperliche Befindlichkeit und orientiert an dem, was mir gut tut.

Alltagsachtsamkeit – von Bahnhöfen, Coffee-to-go und innerer Freiheit

Werbung und Konsum – scheinbar überall

Angebote zu Konsumieren begegnen uns täglich. Verlasse ich beispielsweise das Haus um zur Arbeit zu gehen, komme ich an einer Bushaltestelle vorbei. Dort finde ich spätenstens am Bushäuschen irgendeine Werbung. Laufe ich dann weiter zu dem kleinen Bahnhof (ist eher eine Zughaltestelle als ein Bahnhof), finde ich dort dann interessanterweise bis auf Hinweise der Dt. Bahn und des hiesigen Verkehrsunternehmens keine weitere Werbung. Also Fahrt zum Dortmunder Hauptbahnhof und dann manchmal sogar im Zug: Werbung – für irgendwas, für irgendwen. Ich komme am Hauptbahnhof dann an einem der hinteren Gleise an und muss dann zunächst durch die Unterführung laufen. Auf dem Weg zur U-Bahn-Haltestelle begegenen mir: mehrere Kioske mit Kaffee (Coffee-to-go), dann ein größerer Kaffestand mit diversen Snacks, Kaltgetränken und Süßwaren, ein Fish-Fastfood mit Kaffee, ein Waffelstand mit Kaffee, 2 Bäckereien mit Kaffee, 1 Drogeriemarkt (dort könnte ich Kaffeepulver kaufen), 2 Buchhandlungen – ausnahmsweise mal ohne Kaffee, dafür Süßwaren. Würde ich aus dem Bahnhof hinaus gehen, wären rechts 2 Fastfood-Anbieter (die natürlich ebf. Kaffee haben), links nochmal Fastfood (klar hat der auch noch mal Kaffee), dann nochmal eine Art kleines Cafe oder Restaurant (… und was gibts da? ….) Es folgt eine Supermarktkette, die dort ein speziell auf die Bedürfnisse von Reisenden ausgerichtetes Angebot hat (und natürlich auch wieder Kaffee bzw. Coffee-to-go und Süßwaren an der Kasse).
Konsumieren als automatische Reaktion auf unangenehmes Erleben

Ob ich es will oder nicht, begegnen mir also eine Vielzahl von sinnlichen Eindrücken und endlos scheinende Ess- und Trinkangebote. Über viele Jahre hinweg, hatte ich am Hauptbahnhof dann auch noch eine längere Wartezeit von ca. 20 Minuten. 20 Minuten, in denen es wegen der Ungemütlichkeit noch am angenehmsten erschien, zu Konsumieren – in diesem Fall der Konsum von Getränken oder Essen. Lange habe ich dies nicht einmal wirklich bewusst wahrgenommen und mich in der Anfangszeit einfach nur auf einen zusätzlichen morgendlichen Kaffee gefreut. Ich hatte allerdings Zuhause gerade erst gefrühstückt und eigentlich brauchte ich wirklich nicht noch einen Kaffee am Bahnhof.
Was tun?

Natürlich hätte ich mich in einer solchen Situation entscheiden können: Ok, ich mache eine Minimalismus-Challenge – ich kaufe 30 Tage keinen Coffee-to-go. Damit hätte ich mein automatisiertes Konsumverhalten verändert, was wirklich auch ein erster wichtiger Schritt ist. Aber ich kenne mich: Ich wäre danach recht schnell wieder in die alten Verhaltensmuster zurück gefallen oder erst gar nicht bis zu Tag 30 gekommen. Denn die äußere, sehr unangenehm empfundene Situation war ja immer noch die gleiche. Der zugige Bahnhof noch genauso ungemütlich, die Sitzgelegenheiten fehlten immer noch, die vielen Kaufanreize waren auch noch da.
Was mache ich denn damit? Und noch wichtiger: Was macht das mit mir? Wie reagiere ich darauf?

Alltagsachtsamkeit: Was passiert da eigentlich gerade genau?

Achtsamkeit im Alltag kann genau hier ansetzen. Beispielsweise erstmal achtsam wahrnehmen, was mir auf meinem Weg begegnet und wie ich darauf reagiere – möglichst vorurteilsfrei, ohne Wertungen, ohne gleich zu planen, was ich verändern will. Wirklich einfach erstmal nur wahrnehmen: Was sehe, höre, rieche ich? Wie fühlt sich mein Körper an? Gibt es emotionale Reaktionen? Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf?

Bei dieser Form der Alltagsachtsamkeit habe ich z.B. festgestellt, dass mein morgendlicher Coffee-to-go, eine Ablenkungsreaktion ist. Ablenkung von der Wartezeit, der ungemütlichen Atmosphäre, der Kälte im Winter, dem Bahnhofslärm, dem Menschentrubel, den vielen, mich überflutenden Geräuschen. Und es ist durchaus spannend, so etwas dann noch mal über einen längeren Zeitraum zu beobachten.

Coffee-to-go – Achtsamkeit

Also habe ich mal über einige Zeit einige Coffee-to-go-Achtsamkeit ausprobiert. Zunächst habe ich den Kaffee bewusst weglassen: Wie reagiere ich? Wie fühle ich mich? Wie verbringe ich die kaffeelose Zeit?

Dann habe ich mir den Kaffee bewusst gegönnt: Wie geht es mir dann? Spüre ich Vorfreude? Wie ist der Geruch? Wie empfinde ich die Wärme? Wie ist der Geschmack? Hält der Kaffeekonsum, was er verspricht? Fühle ich mich danach besser?

Mir ist durch diese morgendliche Kaffee-Achtsamkeit aufgefallen, dass ich durchaus immer etwas unterschiedlich reagiere und empfinde: Manchmal ein Genuß, manchmal aber auch nicht. Denn Kaffee aus Pappbechern schmeckt z.B. nicht wirklich gut, Gedanken zu dem entstehenden Müll gingen mir plötzlich regelmäßig durch den Kopf. Die Vorfreude war oft größer, als der reale Genuß und der Bahnhof war ja immer noch der gleiche. Manchmal war es aber trotzdem erholsam, ein gerade hergestelltes, heißes Getränk in den Händen zu haben. Ich bemerkte auch, dass es schön ist, wenn ich mir etwas Gutes tue – insbesondere, wenn ich mir ganz bewusst etwas Gutes tue.

Dadurch kam mir dann aber auch gleich der Gedanke , wie ich mir denn wohl noch etwas Gutes tun kann. Geht das nur mit dem gekauften Coffee-to-go? Gibts Alternativen dazu? Wie sehen die aus?
Alltags-Achtsamkeit: Was tut mir gut?

Mal wahrnehmen, was mir in einer eher ungemütlichen und unangenehmen Umgebung gut tut – das war mein Vorhaben: Ich bin also wieder morgendlich losgegangen und habe den Weg zur Haltestelle für eine wohltuende Geh-Meditation genutzt. Dadurch änderte sich meine Wahrnehmung. Diesmal registrierte ich interessanterweise nicht als erstes das Bushäuschen mit der Werbung, sondern das aktuelle Wetter: Der Wind, der meine Haut angenehm berührt, der Regen, der nicht nur vorrangig nass ist, sondern dessen Prasseln zu einer Musik werden kann. Dann fiel mir auf, dass der Blick an der Zughaltestelle sehr schön ist, wenn ich nur mal genau hinschaue: ein Feld, Wiesen, Wälder, Kleingartenanlage. Manchmal konnte man die im Osten aufgehende Sonne beobachten und zuschauen, wie sich die Sonnenstrahlen langsam ihren Weg zwischen den Bäumen bahnten und die Landschaft in ein wunderschönes Licht tauchten. Auch die erste 15-minütige Zugfahrt zum Hauptbahnhof war in der Regel angenehm. Eine angenehme, kleine und saubere Privatbahn mit freundlichem Personal (sowas gibt’s, leider fährt die Privatbahn diese Strecke nicht mehr). Die Mitreisenden dösten, lasen, schauten aus dem Fenster oder ins Smartphone – und meistens war es ruhig, angenehm ruhig. Als mir bewusst wurde, dass ich dies sehr angenehm empfand, habe ich solche Situationen ganz bewusst wahrgenommen und bemerkt, wie ich mir damit etwas Gutes tue. Ich schaute jetzt bewusst aus dem Zugfenster und beobachtete, wie die Landschaft an mir vorbei zog oder ich nutzte die Fahrt für eine kleine Atem-Meditation oder ich spürte bewusst das Ruckeln des Zuges, achtete auf die Geräusche beim An- und Abfahren.

Alles gleich und trotzdem ganz anders

Als ich am Hauptbahnhof ankam, war der Lärm, die vielen Menschen, die ständigen Kauf-, Essens- und Trinkangebote natürlich immer noch da. Aber ich bemerkte jetzt auch, dass es diese unangenehme Atmosphäre war, die mich üblicherweise zum Kaffeekonsum brachte. Das bot mir die Chance, das im Alltag anzuwenden, was ich in den formalen Meditationen immer wieder übte: wahrnehmen und loslassen. All das, was ich sah, hörte, roch, war noch genauso da, aber zum Objekt meiner Achtsamkeit geworden und dadurch reagierte ich nicht einfach automatisch. Außerdem hatte ich jetzt auch noch etwas anderes zu tun, als ganz automatisch zu konsumieren und mich über die unangenehme Atmosphäre zu ärgern, nämlich wahrnehmen: Der Lärm war nicht einfach nur Lärm, sondern ich nahm wahr, wie sich der Lärmpegel veränderte, ich nahme wahr, wie ich darauf reagierte. Manchmal spürte ich den Ärger in mir hoch kriechen, manchmal zog ich meine Schultern hoch. Aber nun war ich war weniger in meiner Reaktion auf diese Umgebung verfangen und war dadurch auch besser in der Lage, mal zu schauen, was ich tun konnte, damit ich mich besser fühle – tief durchatmen beispielsweise, die Schultern entspannen, usw.

Fast waren die Bahnhofseindrücke dann so, wie die vorbei ziehende Landschaft während der Zugfahrt – ein Momenteindruck, etwas was da ist, aber auch wieder verschwindet – ich wartete ja nicht ewig, sondern zeitbegrenzt auf den Anschlusszug. Auf diese Weise entdeckte ich dann selbst in dieser unangenehmen Bahnhofsatmosphäre etwas, was mir gefiel:
Draußen auf dem Bahnhofsvorplatz konnte man wunderbar die am sog. „Dortmunder U“ laufenden Video-Installationen sehen. Zur Erläuterung für Nicht-Dortmunder: Das Dortmunder-U ist ein großes Gebäude, die ehemalige Union-Brauerei, die heute als kulturelles Zentrum genutzt wird. Dort zu sehen, ist u.a. die Video-Kunst, die sog. „Fliegenden Bilder“ des Filmemachers Adolf Winkelmann – gut sichtbar an den oberen Fenstern und auch von weitem zu sehen. Wie sinnvoll, nicht sinnvoll, haarsträubend teuer oder auch nicht dieses Dortmunder-U als Ganzes auch ist – es war und ist sehr wohltuend am trüben Morgen, diese bunten Bilder zu sehen – ganz ohne Werbung, einfach nur Landschaften und Szenen aus dem Ruhrgebiet. Morgendlicher Kunstgenuß statt Kaffeekonsum, einfach wunderbar.

Der Taxistand, der Parkplatz, die umher schwirrenden Menschen, Autolärm, Lautsprecherdurchsagen der Bahn, verspätete Züge, zugige Hallen, fehlende Sitzgelegenheiten – all das war noch genauso da wie zuvor. Achtsamkeit ist ja keine Zauberei und es geht ja auch nicht darum, alles Negative wegzuschieben, zu verdrängen oder so zu tun, als mache mir jetzt plötzlich nichts mehr aus. All das war immer noch unangenehm, aber durch die vorausgegangenen Alltags-Achtsamkeitsübungen konnte ich meine Reaktion auf dieses Umfeld wieder loslassen. Das ging dann auch ganz gut ohne Kaffee, Süßigkeiten und all die anderen Dingen, die dort kaufbar waren.

Freiheit gewinnen

Ich bin durch Achtsamkeit freier geworden, selbst zu gestalten, bewusst zu entscheiden – auch darüber, ob ich Konsumieren möchte oder nicht. Kaffeekonsum unterwegs habe ich beispielsweise kaum noch. Wenn ich mir heute mal einen Kaffee zwischendurch gönne, dann ist das ist das eine bewusste Entscheidung und ein bewusstes Wahrnehmen, was gerade passiert. Ich achte darauf, dann wirklich zu genießen – wann immer möglich in einer vernünftigen Porzellantasse, sitzend und – mein Vorteil als Schwerhörige – mit ausgeschalteten Hörgeräten (suuuper!). Kleine Anregung: Wen der Lärm ebenfalls stört: einfach mal Ohrstöpsel (Ohropax und Co.) ausprobieren. Es ist dann gar nicht nötig, sich ständig über Kopfhörer mit Musik zu bedudeln – es sei denn, mal als kleine Achtsamkeitsübung im Alltag: Wann schalte ich die Musik ein? Wie geht es mir damit? Was passiert wenn ich sie aus lasse und wie geht es mir damit? …. 😉

Minimalismus: Die 5 W-Fragen des achtsamen Konsumierens

Doch wieder neu gekauft…?

Wohnung, Kleiderschrank und den eigenen elektronischen Technikfuhrpark zu entrümpeln, kann sehr befreiend sein, aber wie schaffe ich es, mir im Laufe der Zeit nicht wieder alles mögliche Zeugs in die Wohnung zu stellen? Bei genauer Betrachtung nutze ich viele von diesen Dingen nach einer gewissen Zeit nicht mehr. Beim Minimalismus als Lebensstil ist das Entrümpeln ebenfalls nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, nicht wieder die eigenen, alten Kaufgewohnheiten zu verfallen. Aber das ist auch manchmal leichter gesagt, als getan. Manchmal sind es spontane Kaufimpulse, ein tolles Sonderangebot, Freunde oder Kollegen schwärmen von diesem oder jenem.

Von mir selbst kenne ich z.B. die Belohnungs- und Frustkäufe. Irgendwas war vielleicht schwierig, stressig, nervig und dann entdecke ich auf dem Nachhauseweg irgendwas, was mir Erleichterung verspricht. So war ich beispielsweise durch meine Schwerhörigkeit bedingt, eine zeitlang sehr anfällig für alles, was mir leichteres Hören versprach – ein anderer Kopfhörer, der keine Pieperei bei den Hörgeräten verursacht oder der einen vermeintlich besseren Klang hat oder ein anderes Handymodell oder sonstwas. Mir das Hören beim Telefonieren zu vereinfachen, macht natürlich Sinn, aber besonnener zu sein, mir mehr Zeit zu lassen, gleich in bessere Technik zu investieren, statt Fehlkäufe zu tätigen, wäre schon sinnvoller gewesen.

Inzwischen gelingt mir deutlich besser, wirklich bewusst zu überlegen – gerade auch dann, wenn es schwierig ist. Am oben genannten Beispiel meiner Schwerhörigkeit, geht das Konsumieren auch anders:

Akzeptanz, der nicht zu ändernden Umstände:

Ich muss mit Schwerhörigkeit nicht zwingend genauso viel verstehen, wie normal Hörende, d.h., es darf dann einfach auch mal eingeschränkt sein – wenn es halt so ist.

Alternativen suchen:

  • Ich erinnere mich gelegentlich daran, dass ich jahrzehntelang prima ohne Handy und mobiles Telefonieren klar gekommen bin. Auch bin ich damals nicht ständig in Telefonzellen gerannt.
  • Ich telefoniere möglichst wenig bis gar nicht unterwegs.
  • Wenn es sein muss, schreibe ich eine SMS oder wenn WLAN zur Verfügung steht, eine Chat-Nachricht

Was ist gerade mit mir los?

Durch Achtsamkeit im Alltag wird mir deutlicher, wann ich in der Gefahr bin, Frustkäufe zu tätigen und überlege mir dann, welche Möglichkeiten der aktuellen Frustbewältigung es noch gibt. So habe ich entdeckt, dass mein Nachteil der Schwerhörigkeit auch ein Vorteil ist. Denn ich kann Lärm „dimmen“: Ich schalte die Hörgeräte aus und nehme den Lärm sehr viel gedämpfter wahr – eine Wohltat! Oder einfach den Sonnenschein genießen oder den Feierabend, oder oder…

Kaufgewohnheiten ändern – die 5 W-Fragen

Gerade bei evtl. Spontankäufen, aber auch bei allen geplanten Anschaffungen finde ich die folgenden fünf W-Fragen von Friedhelm und Ruth Schwarz sehr hilfreich. Sie sorgen für ein kurzes Innehalten, gerade auch dann, wenn ich nicht nur über diese Fragen nachdenke, sondern mir auch Zeit nehme, einmal genauer in mich hineinzufühlen:

„Die folgenden fünf W-Fragen werden Ihnen dabei helfen, kostspielige Gewohnheiten zu identifizieren. Die Fragen lauten:

1. Warum will ich es?
2. Warum will ich es jetzt und nicht später?
3. Warum will ich es zu diesem Preis?
4. Warum will ich dies und nicht etwas anderes?
5. Was passiert, wenn ich es nicht bekomme?“

[Quelle: vgl.: Friedhelm und Ruth Schwarz, Warum am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist. Kostspielige Denkfehler und wie man sie vermeidet. Ariston-Verlag, E-Book, Kapitel 4: Wie wir schlechte Gewohnheiten ändern können.]

Achtsamkeit: Mehr klare Gedanken und emotionale Kompetenz

Gerade in der Werbung werden seltener logische Argumente genannt, als viel mehr unsere Sinne, Wünsche, Träume und unterschiedlichste Begehrlichkeiten geweckt. Unabhängig davon, ob ich gerade viel oder wenig Geld zur Verfügung habe, denke ich, dass mehr Achtsamkeit beim Konsumieren eine gute Möglichkeit ist, nicht nur für eigene gedankliche Klarheit zu sorgen, sondern mit mehr emotionaler Kompetenz, sich für das zu entscheiden, was wirklich wichtig und sinnvoll ist – und nicht für das, was ich mir einreden lasse oder wo ich mir vielleicht sogar gerade selbst etwas vor mache.

 

Überhöhte Ansprüche „entrümpeln“ – Erfahrungen in einer MBSR-Übungsstunde

Ich habe seit einiger Zeit die Möglichkeit, an einer MBSR-Übungsgruppe teilzunehmen. Angeboten wird diese Gruppe nicht als der übliche 8-Wochen-Kurs, sondern für diejenigen, die bereits über Erfahrungen mit MBSR verfügen (eine wirklich klasse Idee!). Wie es mir damit ergeht, möchte ich hier einmal am Beispiel der letzten Übungsgruppenstunde vom letzten Donnerstag darstellen:

 

Der äußere MBSR-Rahmen in Bochum

Es war die erste Gruppenstunde, die in den neuen Räumen von Kursleiterin Sabine Olier statt fand. Das Gebäude aus den 50er-Jahren befindet sich in vielen Bereichen noch in der Renovierung. Von außen wirkte es zunächst mal so auf mich, als könnten demnächst einige Platten von der Außenfassade abfallen. Innen war aber bereits das Potential dieses Gebäudes deutlich zu erkennen. Mich erwartete ein großer Flur, außerdem war ein wirklich wunderschöner Treppenaufgang zu sehen. Der bereits fertig gestellten WC-Bereich im Erdgeschoss hatten noch diese z.T. wunderbar geschwungenen Fliesen früherer Zeiten und herrliche Details, wie einen in die Fliesen eingearbeiteten Handtuchhaken. All das war kombiniert mit einer super modernen WC-Anlage. Wirklich traumhaft schön. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich an solchen Details mal erfreue.

Der im Erdgeschoss befindliche, helle MBSR-Übungsraum strahlte bereits jetzt Ruhe und Klarheit aus. Einige Details würden noch fehlen, was mir –  ohne den Hinweis darauf – überhaupt nicht aufgefallen wäre (Ich habe es ja eh gerne minimalistisch). 10 Personen können in dem Raum maximal üben – also eine wunderbar überschaubare Anzahl von Teilnehmern.

 

Die MBSR-Übungen und ihre Wirkung auf mich

Die Übungsstunde begann mit Yoga im Stehen. Tja, und da komme ich bereits an meine Grenzen – woran dann die schönen Räume auch nichts ändern. Die gesamte Statik von Füßen und Beinen ist nicht so, wie sie sein sollte. Daran hat sich auch in jahrelanger Körperarbeit, Krankengymnastik, etc. nichts geändert. Ich kann zwar stehen, aber sobald ich einige Zeit länger ruhig stehe, schmerzt es. Schnell wurde mir klar: Ok, lange stehen funktioniert nicht. Zeitgleich wurde mir nochmal bewusst, dass ich ja wegen meiner Schwerhörigkeit auch noch eine FM-Anlage um den Hals hatte (eine technische Hilfe für Hörgeräteträger, wenn die Hörgeräte in größeren Räumen beim Sprachverständnis an ihre Grenzen kommen). Mich durchströmte Traurigkeit, denn ich habe mich in diesem Moment so behindert gefühlt, wie eigentlich noch nie vorher.

Früher habe ich dies einfach überspielt, indem ich den Ehrgeiz hatte, mit dem normalen Standard mithalten zu wollen, aber außer Verkrampfung ist dabei nicht viel heraus gekommen. Jetzt konnte ich zum Glück endlich akzeptieren, mich dann einfach auf einen Stuhl zu setzen und die Übungen – soweit möglich – im Sitzen mitzumachen. Während der einzelnen Yoga-Übungen, aber auch später bei Bodyscan und Sitzmeditation, waren immer wieder einzelne Anleitungen zur Metta-für-Mich eingestreut, also mitfühlend-freundlich mit sich selbst umzugehen. Für mich war dies ein guter Erinnerungsanker, wirklich freundlicher, mitfühlender, angemessener mit mir und meinen gerade so stark fühlbaren körperlichen Grenzen umzugehen. Immer, wenn ich gerade dabei war, mich dann doch wieder zu verkrampfen, wurde ich dank der im Übungsablauf integrierten Metta-Achtsamkeit daran erinnert, loszulassen, meine zu hohen Standards quasi einfach immer wieder zu „entrümpeln“: All die verquerten und überhöhten Ansprüche an mich, an sich in mir breit machendem Perfektionismus und  „ich-will-das-auch-so-gut-wie-andere-können“. Der Buchtitel von Raul Krauthausen „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“ fiel mir plötzlich ein (das Buch will ich unbedingt noch mal lesen!) Und dadurch kam die befreiende Erkenntnis für mich: „Ok, und ich wollte eh keine Ballett-Tänzerin werden, keine rhythmische Sportgymnastin. Ich hatte nie, wirklich niemals den Wunsch Eis-, oder sonstige Prinzessin zu werden und Tütü-Kleidchen sind für mich der blanke Horror. Es gibt einfach Dinge, die muss ich nicht können, die muss ich nicht haben, sie interessieren mich zum Glück überhaupt nicht. Juchuh!

 

Befreiendes Entrümpeln überhöhter Ansprüche

Diese Erfahrung war und ist sehr befreiend für mich. Nicht nur irgendwelche überflüssigen Gegenstände lassen sich entrümpeln und minimalisieren, sondern auch die eigenen überhöhten Ansprüche, Leistungsstandards und unpassende Durchschnitts-Sportlichkeiten. So etwas raubt viel zu viel Energie und führt bei mir nur zur Verkrampfung. Eine Energie, die für anderes, passenderes genutzt werden kann. Über persönliche Grenzen nicht einfach hinweg trampeln. Die eigenen Grenzen wahrnehmen. Dank der in Yoga, Bodyscan und Sitzmeditation integrierten Metta-für-mich-Achtsamkeit, bin ich zwischendrin immer wieder daran erinnert worden, nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurück zu fallen. Das war eine hilfreiche und für mich sehr entlastende Erfahrung.

 

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MBSR war und ist für mich immer wieder damit verbunden, mich mit meinen körperlichen Möglichkeiten und Grenzen auseinander zu setzen und einen für mich passenden Umgang damit zu finden. Ich habe bereits früher darüber geschrieben:

http://achtsame-lebenskunst.de/2015/06/27/metta-yoga-achtsamkeit/
http://achtsame-lebenskunst.de/2014/10/26/achtsamkeitstag/
http://achtsame-lebenskunst.de/2015/06/07/achtsamkeit-koerperbeeintraechtigung/

Einfachheit beim Telefonieren

Eigentlich möchte ich nur eins: Im Bedarfsfall einfach mal telefonieren. Ich gehöre nicht zu den Vieltelefonierern. Ich bin noch mit den Telefonen aufgewachsen, die fest in der Wand installiert waren – gerne im Flur, wo alle mithören und bitte immer erst nach 21 Uhr telefonieren – vorher war‘s zu teuer… da wurden auch die pubertärsten Teenies zu telefonischen Minimalisten, wenn auch ganz unfreiwillig.
Heute ist es grundsätzlich schon praktischer und bequemer: Rundum die Uhr telefonieren können mit Flatrate und speicherbaren Telefonnummern. Eigentlich …

Das Drama fing damit an, dass unsere DSL-Anschluss Zuhause immer langsamer wurde. Anbieter gewechselt, half aber nichts. Dann noch mal Wechsel: Plötzlich ging nichts mehr. Mehrere Anbieter sagten uns: DSL sei in vernünftiger Geschwindigkeit in unserem Haus nicht möglich. Ob wir vielleicht ISDN wollten oder einen Analoganschluss fürs Telefon … Angebote für Buschtrommeln und Brieftauben sind dann aber nicht eingegangen.

Also doch lieber nach Alternativen umgesehen:
Es folgten mobiles Internet und endlose Versuche mit mobilen Festnetznummern: Homezone, Festnetznummer für unterwegs – kaum zu fassen, was es da alles gibt. Ich glaube, wir haben so ziemlich alle Varianten durch. Aber auch dort: immer wieder Einschränkungen, es lief nicht und so nette Erklärungen wie z.B. : „Bei Ihnen sind zu viele Mobilfunkmasten in der Umgebung.“ Aha, so ein Problem gibts auch …?

Ich habe durch meine Schwerhörigkeit bedingt, eine endlos scheinende Menge an Handys ausprobiert, gekauft, verkauft. Netzanbieter gewechselt. Trotzdem: „Hä? Wie bitte?…“ Nachdem ich mit einem Schwerhörigenhandy auch nicht klar kam, bin ich irgendwann bei einem gebrauchten iPhone gelandet. Damit lief es – ausgerechnet mit einem Smartphone, dann auch noch ein iPhone.  Naja, immerhin habe ich ein älteres, gebrauchtes Modell, so dass ich der Nachhaltigkeit zumindestens etwas nachgekommen bin.

Ich wollte dann jetzt aber – so ganz unminimalistisch – die Gelegenheit nutzen und ab und an doch unterwegs kurz ins Internet (Fahrpläne bzw. Verspätungen im ÖPNV checken, Navigation, etc.). Das war allerdings im Laufe der Zeit ziemlich teuer, da mein Anbieter nur große Internetpakete hatte. Soviel benötige ich nicht. Die Kosten waren definitiv zu hoch, kleinere Pakete versprach der Anbieter für irgendwann mal. So lange wollte ich aber auch nicht warten, bis sich meine Kosten wieder in erträglichen Höhen bewegen.

Zuhause stand unterdessen wieder ein normales Festnetztelefon mit Kabelinternet. Lief beides prima – außer, dass ich nicht telefonieren konnte. Ich konnte mit dem Telefon einfach nichts verstehen. Ich überlegte: Schwerhörigentelefon? Telefonverstärker? Hörgerätekompatible Kopfhörer? Aber welcher, wie teuer , was funktioniert?  Und dann wieder kaufen, ausprobieren, verkaufen? – Nein, es nervt!!! Ich will doch einfach nur maaaanchmal telefonieren und ab und an ins Internet.

Wir haben den Weg aus dem telefonischen Irrgarten dann doch noch gefunden:
Irgendwann kam die befreiende Erkenntnis:  Einfach weg mit dem üblichen Festnetznummern, weder klassisch Zuhause, noch mobil. Weder ein Gerät an der Wand im Flur, noch ein Telefon mit 10m-Schnur, auch nicht ein schnurloses Telefon, keine Wählscheibe, keine Tasten, keine Buschtrommel, keine Brieftaube, kein Fräulein vom Amt.
Das iPhone habe ich mit einer Simkarte aus dem Discounter bestückt und ein für mich passendes kleineres Paket gebucht – im Bedarfsfall monatlich kündbar, für mich deutlich günstiger und komfortabler. –  Und was soll ich sagen: Es läuft!

Wer mich unbedingt per Festnetz erreichen will, kann dies übrigens immer noch tun: eine (virtuelle) Festnetznummer aus dem Internet, die ich üblicherweise für Faxversand nutze. Dort läuft nur eine Mailbox. Die Nachricht werden mir per Email zugeschickt. Diese kann ich auch für mich gut verstehbar am Computer abhören und rufe im Bedarfsfall mit dem Smartphone zurück.

Kein Vertrag, kein neuer telefonischer Test-Irrlauf, keine Neukäufe, keine neuen Verkäufe, kein neues Schwerhörigen-Zubehör, keine endlosen neuen PINS, Passwörter, Freischaltcodes. Keine neuen Irrläufe durch‘s Telefonland. Ausgerechnet ein Smartphone mit Mobilnummer macht mir das Leben jetzt einfacher. Und:
Ich habe neulich – so ganz unminimalistisch – fast eine komplette Stunde am Stück telefoniert.  Ohne Rauschen, Knacken, Nuscheln, ohne „Hä“ und „Wie?“ und „Was?“ – Wer hätte es gedacht.